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Positiviertes Selbstkonzept -- wie entsteht dies?

 
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Windsurfhippie




Alter: 47
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 2102
Wohnort: Schönberger Strand / Brasilien
BeitragVerfasst am: Mi März 07, 2012 4:03    Titel: Positiviertes Selbstkonzept -- wie entsteht dies? Antworten mit Zitat

Mal wieder so ein Thema für Psycho-Tiefenschürfer.

Mich hätte das mal interessiert, wie Menschen, die ein positiviertes Selbstkonzept haben, dazu kommen, bzw. woran die sich orientieren, oder welche Grundvoraussetzungen dazu führen. Man liest so viel über die Bedeutung dieser Dinge, aber selten beschreibt Jemand, wie sie/er für sich solch einen Zustand herbei leiten, zumal es meist doch wenig selbstkritisch oder selbstneutral ist, von sich selbst praktisch nur Gutes zu halten.

Fällt es Asexies vielleicht leichter, oder eher schwieriger, sich ein solches Selbstbild anzueignen? Gibt es Relevanzen über das mögliche Problem mit der Asexualität in der Selbstbetrachtung, oder läuft das alles genauso mal dies mal das wie bei allen anderen auch?
_________________
Normalität im Bezug auf den Menschen wird durch die Erkenntnis über das Individuum ad absurdum geführt.
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Lennon




Alter: 32
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 16.02.2011
Beiträge: 1841
Wohnort: Rheinhessen
BeitragVerfasst am: Mi März 07, 2012 9:23    Titel: Antworten mit Zitat

Das Selbstbild und wie man es aufbaut orientiert sich an den Erfahrungen in der Kindheit und einem gewissen Maße an genetischen Dispositionen. Manche Menschen sind von Geburt an eher anfällig für Stress, negatives Denken und der Entwicklung von Ängsten.
Wenn dann Vernachlässigung, Abweisung, Missbrauch oder auch Überbehütung in der frühen Kindheit stattfindet, kommt es recht schnell zu einem instabilen oder schwachem Selbstbild, das nachträglich nur noch schwer zu korrigieren ist.

Ich persönlich hab schon seit jüngster Zeit ein recht mieses Selbstbild. Hab mich bereits mit 3/4 Jahren als hässlich empfunden, mich für alles mögliche geschämt und konnte Talente oder positive Eigenschaften an mir nicht wertschätzen.
Meine Mutter ist übrigens genauso.

Meine Sexualität hat allerdings damit nichts zu tun.
_________________
Ich denke Egoismus ist gesund - solange man Anderen nicht damit schadet. Denn nur ein gesunder/stabiler/befriedigter Mensch kann dauerhaft und ehrlich nett zu Anderen sein und Liebe empfinden.
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orlando1988





Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 20.11.2011
Beiträge: 108
Wohnort: Niedersachsen
BeitragVerfasst am: Mi März 07, 2012 9:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hm, ich glaube, ich verstehe etwas anderes als du unter einem "positiven Selbstkonzept". Jedenfalls nicht, von mir selbst praktisch nur gutes zu halten. Ich bin durchaus selbstkritisch. Sagen wir so: Mein Idealbild ist nicht, dass alles, was ich mache und bin, perfekt ist. Ich erwarte nur von mir, dass ich an den Dingen, die ich für mich als negativ erkannt habe, arbeite. Aber ich zeige viel "Verständnis" für mich, ich verurteile mich nicht, ich mache mich nicht dafür runter, wenn ich etwas falsch gemacht habe. (Andererseits lobe ich mich auch nicht in den Himmel für positive Eigenschaften. Aber sie sind mir bewusst, und sorgen für eine stabile Wertschätzung für mich selbst).

Meiner Ansicht nach entsteht ein negatives Selbstbild vor allem aus zu hohen Erwartungen an einen selbst bzw. durch falsche Vorstellungen. Wenn ich denke, ich müsste und könnte in jedem Bereich perfekt sein, werde ich zwangsweise enttäuscht werden, das wird zum Zusammenbruch meines Selbstbildes führen, und damit höchstwahrscheinlich zu Selbstvorwürfen, Schuldgefühlen, und einem negativen Selbskonzept. Wenn ich aber weiß, dass ich das nicht kann und auch nicht erwarten kann, nehme ich Fehlern, schlechten Eigenschaften usw. die Schwere. Für mich ist das sogar die Voraussetzung, etwas in positiver Weise an mir zu verändern. Würde ich ein negatives Selbstbild haben, fehlte mir vermutlich jegliche Motivation, diese ganzen negativen Dinge überhaupt anzugehen, und das Ganze wäre enorm mit Schuldgefühlen und negativer Verstärkung verknüpft.

Zum praktischen Vorgehen: Ich versuche immer, Dinge an mir erst mal möglichst wertneutral festzustellen und der Ursache auf den Grund zu gehen. Dadurch entwickle ich selbst mehr Verständnis für mich, und die meisten Fehler erscheinen dadurch ganz "logisch", sodass ich mich nicht mehr dafür hassen muss, sie zu begehen. Der nächste Schritt ist dann, mir ebenfalls möglichst neutral, mögliche Lösungswege zu überlegen, und die dann umzusetzen. Das Gefühl, etwas geschafft zu haben, verbessert meiner Erfahrung nach das Selbstbild ungemein.

Zur Asexualität: Bei mir ist das eher etwas, das mich verunsichert, und mein Selbstbild angreift. Ich vermute, das liegt in erster Linie daran, dass ich eben nicht "normal" bin, und die Befürchtung nahe liegt, dass es halt doch an "negativen" Dingen - Komplexe, Verklemmtheit usw. liegt. Außerdem daran, dass Sexuelles als Selbstbestätigung hat wegfällt - jedenfalls fühle ich mich wegen meiner Asexualität häufig "unsichtbar". Ich denke aber, da jeder seine Asexualität anders erlebt und bewertet, ist das nicht zwangsweise so. Es hängt definitiv mit den Reaktionen des Umfelds zusammen.
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Poreana




Alter: 45
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 01.03.2012
Beiträge: 224
Wohnort: Wien
BeitragVerfasst am: Do März 08, 2012 1:08    Titel: Antworten mit Zitat

Bei mir hat sich das Selbstbild stufenweise entwickelt. Und ich habe den Eindruck, dass es sich immer noch weiter entwickelt, je älter ich werde. Was ich für mich festgestellt habe ist folgendes:

Mit 20 wollte ich anderen gefallen und habe Dinge gemacht, die anderen gefallen. Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass ich gar nicht genau weiß, was MIR gefällt und was ICH will. In einem sehr langwierigen Prozess, in dem ich immer und immer wieder in ähnliche Fallen getappt bin, habe ich gelernt zu erkennen was ICH will und was MIR gefällt. Ich habe nicht mehr versucht für andere perfekt zu sein. Mit 30 ist mir das nur teilweise gelungen. Jetzt bin ich fast 40 und merke, dass es voran geht. Es interessiert mich zwar was andere über mich denken, aber ich richte mich nicht mehr danach. Ich akzeptiere mich so wie ich bin und versuche nicht mehr jemand anderer zu sein.

Und je mehr ich mich selbst akzeptiere, desto positiver wird auch mein Selbstbild. Ich weiß jetzt, dass ich Fehler haben darf und nicht perfekt sein muss. Und das ist eine riesengroße Erleichterung für mich. Ich versuche meine positiven Seiten herauszustreichen und ich versuche an meinen Fehlern zu arbeiten. Und der springende Punkt ist: Wenn man mit sich selbst im Einklang ist, dann hat man auch ein positives Selbstbild UND strahlt das auch aus.

Und ja, auch meine Asexualität ist ein Teil dieses Prozesses. Alleine die Tatsache, dass ich lange Zeit gedacht habe, dass ich Sex haben muss, weil das dazu gehört und natürlich auch um zu gefallen oder eine Beziehung aufrecht zu halten ... Ich hatte ein ganz furchtbar schlechtes Bild von mir was das Thema Sexualität betrifft. Seit ich mich als asexuelle Person erkannt und akzeptiert habe, ist auch mein Selbstbild ein Stückchen besser geworden. Einfach weil ich für mich erkannt habe, dass ich keinen Produktionsfehler habe, sondern dass ich ein ganz normaler Mensch bin, der nur einfach kein Interesse an Sex hat.

Ich denke aber, dass die Asexualität nur ein Teil des Gesamtkonzepts war. Eben ein Stück von mir, das in die richtige Position gebracht werden musste. Daneben gab es noch viele andere Dinge, die an meinem Selbstbild geknabbert haben.
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AH-Fan




Alter: 35
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 01.05.2006
Beiträge: 1664
BeitragVerfasst am: Do März 08, 2012 23:35    Titel: Re: Positiviertes Selbstkonzept -- wie entsteht dies? Antworten mit Zitat

Windsurfhippie hat folgendes geschrieben:
Mal wieder so ein Thema für Psycho-Tiefenschürfer.

Mich hätte das mal interessiert, wie Menschen, die ein positiviertes Selbstkonzept haben, dazu kommen, bzw. woran die sich orientieren, oder welche Grundvoraussetzungen dazu führen. Man liest so viel über die Bedeutung dieser Dinge, aber selten beschreibt Jemand, wie sie/er für sich solch einen Zustand herbei leiten, zumal es meist doch wenig selbstkritisch oder selbstneutral ist, von sich selbst praktisch nur Gutes zu halten.

Fällt es Asexies vielleicht leichter, oder eher schwieriger, sich ein solches Selbstbild anzueignen? Gibt es Relevanzen über das mögliche Problem mit der Asexualität in der Selbstbetrachtung, oder läuft das alles genauso mal dies mal das wie bei allen anderen auch?

Ich schätze mal, ein positives Selbstkonzept hat man an sich von Natur aus. Es kann aber durch äußere Einflüsse, wie z. B. jahrelanges Mobbing, bei manchen zerstört werden. Sad
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Windsurfhippie




Alter: 47
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 2102
Wohnort: Schönberger Strand / Brasilien
BeitragVerfasst am: Sa März 10, 2012 2:02    Titel: Antworten mit Zitat

Okay, danke für die Gedanken dazu. So kann ich schon etwa nachvollziehen, warum ich das nicht finden kann / konnte.

Bis zum Alter 6 Jahre war das noch relativ ausgewogen, aber durch die Lebenserfahrung hindurch, die unpassende Vereigenschaftung oder Nichteignung dazu, und den ganzen "Rotz" an innerfamiliärer wie umfeldgebundener Einflussgeballtheit muss es dann wohl abhanden gekommen sein. Dazu kam die permanente Selbsthinterfragung mit Selbstzweifeln und Bestätigung im Vergleich mit der Sichtwarte anderer. Eine diffuse Kriteriensammlung "wie die anderen sein" war immer oberwichtig als Maßstab dafür, wie ich sein sollte, zu sein hatte. Darin habe ich auf ganzer Linie der Selbstversuche, mich selbst "richtig" zu machen, und "den Erwartungen, Anforderungen gemäß" zu reduzieren, versagt.

Wenn man das im Hinterher nicht mehr abändern kann... nun ja, man muss wohl eine Ebene erreichen, auf der man toleriert wird, auch ohne das gerade in der Mode liegende Selbstbild aufweisen zu können. Bisher hat das Leben, am Leben bleiben und Überleben des am Leben beknackt Seienden auch ohne positiviertes Selbstbild geklappt.

Man kann eben nicht alles haben. Nobody is perfect Smile
_________________
Normalität im Bezug auf den Menschen wird durch die Erkenntnis über das Individuum ad absurdum geführt.
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Poreana




Alter: 45
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 01.03.2012
Beiträge: 224
Wohnort: Wien
BeitragVerfasst am: Sa März 10, 2012 2:31    Titel: Antworten mit Zitat

Ich möchte noch etwas hinzufügen. Der Prozess den ich durchlaufen habe, hat in meiner Umgebung einen interessanten Selektionsprozess ausgelöst. Wenn man nämlich plötzlich gar nicht mehr so ist, wie andere einen haben wollen, dann entfernen sich gewisse Menschen, die einem nicht gut tun automatisch. Dafür zieht man ganz spannende neue Menschen an, zu denen man vorher kaum bis keinen Kontakt hatte.

AH-Fan hat etwas Richtiges gesagt. Ein Kind hat von Natur aus ein positives Selbstbild. Leider wird es im Laufe der Zeit systematisch zerstört. Bei manchen Menschen mehr und bei manchen Menschen weniger. Oft irreparabel.

Ich bin inzwischen sehr kritisch geworten bei der Aussage "wie andere sein". Einfach deshalb, weil ich mich frage, nach welcher Norm ich das messen soll. Wer sind diese anderen und warum sind sie sie es, die "richtig" sind? Nur weil viele etwas tun, heißt es für mich noch lange nicht, dass es gut, richtig, normal, etc. ist. Ich tendiere dazu anzuecken. Und ich bin richtig allergisch auf Aussagen wie "man macht das so ...".

"Diffuse Kriteriensammlung" ... damit kann ich mich auch gut identifizieren.
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