Forum für Asexualität Foren-Übersicht

Forenregeln | Hauptseite
 

Was ist sie denn nun?

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Forum für Asexualität Foren-Übersicht -> Beziehungen
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
beetle





Sexualität: Sexuell
Anmeldungsdatum: 22.02.2007
Beiträge: 2
BeitragVerfasst am: Fr Feb 23, 2007 23:34    Titel: Was ist sie denn nun? Antworten mit Zitat

Hallo zusammen

Ich habe ein Anliegen, dass vermutlich hier schonmal in irgend einer Weise gestellt wurde, icht hoffe ich werde nicht gleich gelyncht Wink

Um genau zu sein ist es keine direkte Frage die ich stellen will, sondern mich nimmt eher eure Meinung zu meiner Situation wunder.

Ich habe die gleiche Geschichte, einfach viel ausführlicher, schon in einem Forum für Absolute Beginners (AB: http://de.wikipedia.org/wiki/Menschen_ohne_Beziehungserfahrung) notiert. Das Forum wurde heute aber leider geschlossen und somit stehe ich wieder am Anfang.

----------------------
Dann komme ich gleich mal zu meinem "Problem". Es geht um ein Mädchen, 20 Jahre alt, dass ich sehr mag. Ich hätte am liebsten eine Beziehung mit ihr, theoretisch gesehen wäre sie auch gar nicht abgeneigt. Nur hat sie eine Angst vor Beziehunge, die sie selber nicht direkt erklären kann.

Zwei Anhaltspunkte hat sie mir aber gegeben.

1. Einerseits hat sie Angst vor dem, was in der Beziehung passiert. Sie ist Jungfrau und könnte es sich niemals vorstellen mit jemandem zu schlafen. Sie hat ein regelrechtes Ekelgefühl vor sexuellem. Nicht nur vor dem mit Anderen, auch vor sich selber. Sie hat ihr ganzes Leben lang kein einziges Mal masturbiert, da dass für sie eine Ausdrückung der primitiven Art des Menschen sei. Lust scheint sie also nicht zu empfinden, was mich auf den asexuellen Gedanken gebracht hat.

2. Andererseits scheint es doch auch seelisch abzuspielen. Ein Teil ihrer Angst sei es, dass sie schon 20 ist und noch die "Dumme" ohne Erfahrungen ist. Ebenfalls hat sie Angst ihre Freiheit zu verlieren. Diese Gedanken wiederrum bringen auf den Absolute Beginner.

So einfach kann man das natürlich nicht pauschalisieren, was denn ein Mensch jetzt genau empfindet. Aber was würdet ihr eurer Erfahrung nach behaupten?

Mit leichteren Berührungen hat sie scheinbar kein Problem. Wir knuddeln und umarmen uns öfters, ich glaube küssen wäre für sie auch nichts unvorstellbares. Sie tanzt auch schon ein paar Mal in der Unterwäsche vor mir rumgetanzt, aber der Punkt oben bleibt.

Zu mir selber muss ich sagen, dass ich ein Mensch mit sehr viel Toleranz und Geduld bin. Ich habe ihr schon selber gesagt, dass ich jahrelang Geduld haben kann, bis sie soweit wäre. Ich bin auch kein sehr sexuell getriebener Mensch. Ich mag das alles zwar, aber ich gehe nicht gleich auf die Barrikaden wenn nichts läuft. Ich kann es mir gut vorstellen mit ihr eine Beziehung einzugehen und vorerst nicht sexuell aktiv zu sein, aber mit der Zeit würde es mir sicher schwerer fallen, jemanden zu lieben den ich nicht lieben kann.

So, was sind denn nun eure Meinungen dazu?
Nach oben
          
marina




Alter: 54
Sexualität: Sexuell
Anmeldungsdatum: 22.02.2007
Beiträge: 12
Wohnort: NRW
BeitragVerfasst am: Sa Feb 24, 2007 12:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo beetle,

ich kann gut nachvollziehen was Du sagst,denn ich selbst bin sexuell und habe eine Beziehung mit einem Mann,von dem ich mittlerweiler glaube,daß er asexuell ist.

Ich glaube die zwei von Dir genannten Pubkte gehören iregndwie zusammen: das Mädchen empfindet auf eine bestimmte Art und Weise,auf der anderen Seite meint sie nicht wirklich eine Möglichkeit der freien Wahl zu haben,weil sie sich dann unter dem Druck der Gesellschaft als " die Dumme" vorkommt.

Ich weiß nicht,ob sie asexuell ist,das Thema ist auch ganz neu für mich,jedoch bin ich mir sicher,daß sie sich unbedingt von dem meiner Meinung nach vorhandenem seelischen Druck befreien muß,um dies herauszufinden.Du kennst es ja aus den anderen Bereichen,wenn man das Gefühl hat irgendetwas tun zu MÜSSEN, will man es umso weniger.
Interessant wäre zu erfahren WARUM sie solch einen "Ekel" vor sich selbst empfindet.Kann ja zB auch an der Erziehung liegen,meine Oma fand es zum Beispiel " pfui" zu masturbieren,so daß ich mir bei meinen ersten sexuellen Erfahrungen ganz böse und schmutzig vorkam.Trotzdem bin ich nicht asexuell- es können also verschiedene Gründe vorliegen.

Ich finde es ganz toll,daß Du ihr sagst,daß Du trotzdem eine Beziehung mit ihr willst,ich empfinde jedoch die Formulierung " ich werde lange auf sie warten" als etwas unglücklich,weil sie trotzdem eine Art Druck beinhaltet- " irgendwann erwarte ich es von Dir doch" .

Bin trotzdem der Meinung,daß ihr auf dem richtigen Weg seid,denn im Unterscheid zu den meisten redet ihr darüber und über eines kannst Du Dir sicher sein: sollte sich das Problem auf eine oder andere Weise erledigen und ihr bleibt zusammen ,dann habt ihr eine ECHTE Partnerschaft mit oder ohne Sex, mit gegensetigem Verständnis und Respekt.


Respekt auch von mir- vor Dir ,weil Du Dich damit ernsthaft auseinandersetzt und vor ihr für ihre Ehrlichkeit Dir gegenüber und die Charakterstärke nicht alles mitzumachen,nur weil man es von ihr erwartet !

Ganz liebe Grüße und ich drücke Euch die Daumen !

Marina
Nach oben
          
Rincewind




Alter: 46
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 11.06.2005
Beiträge: 314
Wohnort: Süden
BeitragVerfasst am: Sa Feb 24, 2007 16:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo beetle,
Willkommen im Forum Kuchen

beetle hat folgendes geschrieben:


Ich habe die gleiche Geschichte, einfach viel ausführlicher, schon in einem Forum für Absolute Beginners (AB: http://de.wikipedia.org/wiki/Menschen_ohne_Beziehungserfahrung) notiert. Das Forum wurde heute aber leider geschlossen und somit stehe ich wieder am Anfang.


Ich glaube, ich habe den Beitrag sogar gelesen, als passiver Forumleser. Ich hoffe ihr habt bald einen passenden Ersatz fürs Forum. AVEN war auch mal plötzlich über Nacht verschwunden. Insofern können sicher viele hier die Problematik dahinter. nachvollziehen .

Nun, eigentlich ist es die Frage, ob SIE SICH SELBST als asexuell begreift. Die Einstellung, dass sie Sex für sie etwas primtives ist, kann ich durchaus nachvollziehen. Sex beinhaltet hormonelle-biochemische Reaktionen und den Austausch von Körperflüssigkeiten. Für Sexuelle ist kommt dann noch eine Komponente dazu, die für Asexuelle nur sehr schwer nachvollziehbar ist und dem ganzen irgendwie einen Sinn gibt, ausser der Fortpflanzung.





beetle hat folgendes geschrieben:

Zu mir selber muss ich sagen, dass ich ein Mensch mit sehr viel Toleranz und Geduld bin. Ich habe ihr schon selber gesagt, dass ich jahrelang Geduld haben kann, bis sie soweit wäre. Ich bin auch kein sehr sexuell getriebener Mensch. Ich mag das alles zwar, aber ich gehe nicht gleich auf die Barrikaden wenn nichts läuft. Ich kann es mir gut vorstellen mit ihr eine Beziehung einzugehen und vorerst nicht sexuell aktiv zu sein, aber mit der Zeit würde es mir sicher schwerer fallen, jemanden zu lieben den ich nicht lieben kann.

So, was sind denn nun eure Meinungen dazu?


....den ich nicht lieben kann. Ist hier mit "lieben" = "Liebe machen" gemeint?

Nun, wenn es dir um "sexuelle Beziehung" geht, ist dieses Mädchen sicher die falsche für dich. Wenn es um Beziehung geht, in der Sex nur eine Opiton ist, die vielleicht nie eingelöst wird, kommt es halt darauf an, wie sehr ihr auf einer Wellenlänge tickt. Den der Sex, der Paare anscheinend am Anfang zusammen kittet fällt bei Euch zumindest mittelfristig weg.

Vielleicht ist es bei ihr ja auch eine Frage des Vertrauens. Vielleicht ändert sich ihre Einstellung ja auch im Laufe der Zeit, wenn sich eure Beziehung stabilsiert und die ersten Belastungsproben hinter sich hat. Vielleicht verschwindet dann bei ihr die Angst, sich fallen zu lassen. Es könnte aber auch sein, dass sie sich nicht ändert, weil sie tatsächlich asexuell ist.
Ich denke, es ist nur wichtig, dass ihr BEIDE offen und ehrlich miteinander seid.
_________________
"..... it was like, bleep bleep bleep bleep bleep ....." (Ellen Feiss)

"Recht hast Du wenn Du sagst, dass mir das Tiefere des eigentlichen Sexuallebens verschlossen ist, das denke ich auch." (F. Kafka in einem Brief an M. Brod)


Zuletzt bearbeitet von Rincewind am Sa Feb 24, 2007 21:36, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
          
C6H4




Alter: 40
Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 18.02.2007
Beiträge: 177
BeitragVerfasst am: Sa Feb 24, 2007 21:22    Titel: Re: Was ist sie denn nun? Antworten mit Zitat

Hallo,

also grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man sich im Zweifel zunächst einmal mit dem Gedanken anfreunden sollte, dass der Partner/die Partnerin asexuell ist. Man kann natürlich etwas anderes hoffen, bekommt jedoch so einen besseren Einblick in die Betrachtungsweise der Möglichkeiten.

Natürlich ist es entscheidend, was sie selbst darüber denkt. Aber Du hast hier ganz klare Äußerungen von Dir gegeben, woraus meiner Ansicht nach klar hervorgeht, dass sie weiß, was ihr wichtig ist:

beetle hat folgendes geschrieben:
... könnte es sich niemals vorstellen mit jemandem zu schlafen. Sie hat ein regelrechtes Ekelgefühl vor sexuellem. Nicht nur vor dem mit Anderen, auch vor sich selber.

Das hört sich für mich ziemlich eindeutig an. Bitte bloß nicht versuchen, sie "heilen" zu wollen - das wird nicht gehen. Falls eine Chance auf Änderung ihrer Empfindungen besteht, dann wahrscheinlich nur dann, wenn sie keinerlei Druck verspürt. Aber auch dann ist völlig ungewiss, ob sie das später anders empfindet. Entsprechende Gefühle kann sie nicht herbeizaubern, auch wenn sie es sich selbst wünschen sollte.
Der andere Aspekt erscheint mir da eher nebensächlich.

beetle hat folgendes geschrieben:
Ich kann es mir gut vorstellen mit ihr eine Beziehung einzugehen und vorerst nicht sexuell aktiv zu sein, aber mit der Zeit würde es mir sicher schwerer fallen, jemanden zu lieben den ich nicht lieben kann.

Hier sehe ich ein erhebliches Konfliktpotential: Sie kann sich niemals (!) vorstellen Sex zu haben, Du hingegen nur vorerst.
Ich sehe hier die Gefahr, dass sie Deine Erwartungen wahrnimmt. Dies würde sich nicht positiv auswirken, fürchte ich. Selbst wenn sie eines Tages aus Liebe den Sex über sich ergehen lassen will, kann das für sie die Hölle auf Erden sein. Und für Dich wird das dann auch nicht toll sein, wenn Du sie von Herzen liebst - es würde Dich selbst schmerzen. Es ist schon eine Stufe dramatischer, wenn eine Frau sogar ein echtes Ekelgefühl vor sexuellen Interaktionen hat, als wenn diese rein gar nichts dabei empfinden würde - und selbst dann kann das für die "neutrale" Frau zu unangenehm sein, als das man Sex praktizieren sollte.

Ich schreibe das deswegen so klar in diese Richtung, damit Du erkennst, wie schwer es ist - falls es überhaupt möglich sein sollte - jemandem mit diesen Empfindungen "umzudrehen". Schön reden hilft leider nicht.
Ich will Dir natürlich nicht die Hoffnung nehmen, aber ihr Empfinden muss vor allem anderen absoluten Vorrang haben, um hier einen möglichst hohen Grad an Offenheit zu erreichen. Aber ob da überhaupt später Sex in Frage kommt, dessen bin ich mir nicht sicher...
Nach oben
          
beetle





Sexualität: Sexuell
Anmeldungsdatum: 22.02.2007
Beiträge: 2
BeitragVerfasst am: So Feb 25, 2007 13:24    Titel: Antworten mit Zitat

Schon mal danke für eure Antworten

@marina
Das mit dem Druck kann schon mal gut hinkommen. Sie hat mir mehrmals gesagt, dass ich die einzige Person bin die ihre Denkensart nicht abartig findet. Sogar ihre Familie hackt deswegen nur auf ihr rum, da entsteht sicher eine Barriere.

Die Formulierung war wirklich etwas unglücklick gewählt, stimmt. Ich habes mir natürlich schon ein paar Mal durch den Kopf laufen lassen und ich denke ich könnte schon eine Beziehung mit ihr ohne Sex führen. Wie schon gesagt, mein Leben ist nicht wirklich sehr sexuell aktiv, ich bin es mir gewohnt enthaltsamer zu leben, teilweise habe ich mich schon selbst gefragt ob ich nicht gewisse asexuelle Züge zeige. Der warten Punkt betrifft eher die Beziehung ansich, nicht den GV, da sie wiederholt geäussert hat, dass sie sich irgendwann eine Beziehung mit mir vorstellen könnte, aber einfach noch nicht jetzt. Da wiederrum könnte man sich jetzt überlegen ob eine Beziehung ohne Sex nicht das gleiche wie eine normale Freundschaft wäre.

Danke für deinen Respekt. Ich bin halt wirklich nicht der Typ der einfach in die Hose jemandes schlüpfen will, wenn ich jemanden liebe will ich das Beste für diese Person.

@Rincewind (cooler Name btw, Pratchett lässt grüssen Wink )
Inzwischen hat ein Notforum die Pforten geöffnet, mal schauen ob sich daraus wieder was bildet.

Ich muss wahrscheinlich schon noch ein paar mal mit ihr über das Thema diskutieren um zu erfahren was sie nun genau von sich selber haltet oder wieso sie sich ekelt etc. Ich will sie halt nicht mit diesem, für sie unangenehmen Thema bombardieren, da das schon genug von Aussen her passiert.

Stimmt, damit war "Liebe machen" gemeint. As I said, ich reduziere eine Beziehung nicht nur auf Sex. Wir reiten ziemlich auf einer Wellenlänger, daher denke ich, dass das auf länger schon funktionieren könnte. Wenn sie aber mal dazu bereit wäre, wäre es für mich schon das höchste der Gefühle.

Vertrauen ist auch wieder ein gutes Stichwort. Ihr Leben war nicht gerade einfach. Freunde weg, Vater (wegen einer anderen Frau) weg, sie hat kein Vertrauen in sich selber. Ich arbeite stark daran ihr wieder ein Vertrauen zu geben und einen Sinn im Leben zu zeigen. In den letzten Monaten haben wir schon rechte Fortschritte gemacht. Sie ist der Meinung, dass sie nun glücklich ist, da ich ihr einige Träume verwirklichen konnte. Vor einem Jahr wäre dieser Satz aus ihrem Mund noch unvorstellbar gewesen.

@C6H4
Ich lebe eigentlich schon mit dem Gedanken, dass sie es nun ist. "Heilversuche" und andere Spielerein schwirren mir schon im Kopf rum, aber ich weiss auch, dass das nicht einfach so geht.

Im Grunde genommen weiss ich eben nicht genau, wie stark ich ihre Äusserungen interpretieren soll. Niemals ist schon recht Aussagekräftig nur sagt sie öfters solche Sachen, da sie von sich aus erstmals zu Allem Negativ/Zwiespältig eingestellt ist. Ich konnte sie schon öfters überreden trotz ihrer Einstellung etwas mit mir zu Unternehmen, das sie für unmöglich gehalten hat und dadurch hat sie sehr vieles entdeckt, dass ihr doch gefallen hat. Selbstverständlich ist es dann mit so etwas intimen, nicht mehr ganz so einfach. Dazu zwingen/überreden will ich sie in dem Fall sicher nicht.

Jedenfalls habe ich nicht vor sie so mir nichts dir nichts umzudrehen. Ich will ihr den Druck nehmen, Vertrauen geben und falls sie doch einmal zu einer Beziehung bereit wäre, will ich nichts tun was sie in irgendeiner Art und Weise schädigen würde.

Tut ziemlich gut hier darüber reden zu können
Nach oben
          
C6H4




Alter: 40
Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 18.02.2007
Beiträge: 177
BeitragVerfasst am: So Feb 25, 2007 22:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo beetle,

danke für Deine Antwort.

beetle hat folgendes geschrieben:
Ich will ihr den Druck nehmen, Vertrauen geben und falls sie doch einmal zu einer Beziehung bereit wäre, will ich nichts tun was sie in irgendeiner Art und Weise schädigen würde.

Das könnte von mir sein - ganz genauso sehe und handhabe ich es auch! Very Happy
Ich denke, dass das immer der richtige Ansatz ist.

Warum ich eine sexuell-asexuelle Beziehung als so dermaßen schwierig darstelle, hat folgenden Grund:
(das meine ich hauptsächlich im Allgemeinen, muss nicht zwingend mit dem vorliegenden Fall zu tun haben)

Ich persönlich bin der Meinung, dass ein wirklich fairer Kompromiss zwischen einem "Sexuellen" und einem strikt "Asexuellen" kaum möglich ist. Physisch ist es nicht unmöglich, wenn der "asexuelle" Partner keinen Ekel beim Sex verspürt. Aber ist es deswegen wirklich psychisch vertretbar?

Ich persönlich bin der Meinung, dass es weitaus schlimmer ist, wenn sich jemand einer Sache hingeben muss, die er als sehr unangenehm empfindet, als wenn jemand lediglich auf eine für ihn schöne Sache verzichtet. Und ist der Drang nach Sex noch so groß, kann man meiner Meinung nach nicht wirklich von einem fürchterlichen "Sexentzug" sprechen. Andersherum kann jedoch der ungewollte Sex für den "asexuellen" Partner sehr demütigend und schmerzend sein, auch wenn dies nicht so gezeigt wird (kommt sicher öfter vor).

Die Gefühle sind das Höchste, was ein Mensch besitzt. Werden diese verletzt, hat das weitreichende Folgen. Daher halte ich einen "wahren" und wirklich fairen Kompromiss kaum für möglich.
Beispiel: Gehen wir mal von einer "Kompromisslösung" von gelegentlichem/seltenen Sex aus.
Für wen von beiden wird es wohl am schlimmsten sein? Ist es wirklich genauso schlimm, auf übermäßigen Sex zu verzichten, wie wissen zu müssen, etwas Ungewolltes immer und immer wieder, gar über Jahrzehnte hinweg, tun zu müssen? Ich glaube nicht und denke, dass bei solchen "Kompromissen" der asexuelle Partner mehr leiden muss als der Sexuelle.
Der sexuelle Partner kann ja zumindest selbst für Abhilfe sorgen, um seinen Triebregungen nachzugehen. Er kann sich lange auf den nächsten Sex freuen. Was aber bleibt dem Asexuellen? Der Asexuelle hat bei so einem "Kompromiss" nichts dergleichen, das Ungewollte langfristig abzuwenden. Der Asexuelle weiß schon lange im voraus, was ihm blüht, er empfindet das Gegenteil von "Vorfreude". Der psychische Druck dürfte daher zweifelsohne beim Asexuellen um ein vielfaches größer sein.

Inwiefern eine Annäherung auf eine gemeinsame Basis möglich ist, sollte ganz von den Empfindungen des "asexuellen" Partners abhängen. Und ob diese Basis tatsächlich jemals Sex sein kann, ist absolut ungewiss.
In diesem Beispiel scheint ein echter Ekel vor Sex vorzuliegen. Diesen zu beseitigen, ist kaum möglich. Gut, sie hat inzwischen andere Dinge gemacht, von denen sie sagte, dass sie "unmöglich" für sie seien.
Aber kann man eine einfache negative Einstellung tatsächlich mit echten, intensiven Ekelgefühlen vergleichen? Ich halte das für nicht sinnvoll...

Nur zur Info:
Ich selbst empfinde keinerlei Ekel beim Sex oder Annäherungen, ich brauche aber Sex auch nicht und kann wirklich sehr gut drauf verzichten. Daher könnte ich mir vorstellen, dass ich eher zu Kompromissen geeignet bin als dies jemand ist, der fürchterlichen Ekel vor Sex empfindet.
Selbst weiß ich es zwar nicht, aber ich gehe mal schwer davon aus, dass es für Asexuelle, die sich vor Sex ekeln, sehr schlimm sein muss, zu wissen, dass sie sich über kurz oder lang einem solchen Kompromiss beugen müssen. Der Druck zu wissen, dass es irgendwann unvermeidlich sein wird, muss unerträglich sein.

Ich nehme jedes kleine Signal sehr ernst. Wenn ich auch nur die kleinsten Anzeichen bemerke, dass etwas nicht wirklich gewollt ist, findet es bei mir nicht statt. Das ist mein Beitrag zur gegenseitigen Liebe. Das kann sich bei bestimmten Berührungen mit der Zeit natürlich leicht verändern.
Aber konkret Sex bei Ekelgefühlen? Ich weiß nicht...
Nach oben
          
Lucette




Alter: 43
Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 18.03.2007
Beiträge: 19
Wohnort: Hamburg
BeitragVerfasst am: Mo März 19, 2007 21:24    Titel: späte antwort-aber ich muss es loswerden Antworten mit Zitat

hallo!
ich schreib mal was, obwohl diese gesprächsrunde schon etwas länger her ist. ihr klingt so, als wärt ihr tolle leute mit viel verständnis, von denen ich NIE geglaubt hätte, das es sie wirklich gibt.
es ist vielleicht bezeichnend für meine gestörte denkstruktur, aber
das männer tatsächlich so mitfühlend denken hätte ich nie gedacht.
schön ist das!
auch der wikipedia link hat mich begeistert und erstaunt, denn was da stand, war ich!
bin jetzt klüger und ein stück hoffnungsvoller...vielen dank!
lucette
_________________
"Kluge Menschen suchen sich die Erfahrungen aus die sie zu machen wünschen."
::: Aldous Huxley :::
Nach oben
          
Markus-1969
gesperrt wegen FLAMES
<b>gesperrt wegen FLAMES</b>



Alter: 49
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 22.02.2007
Beiträge: 68
Wohnort: Schwabenland
BeitragVerfasst am: Di März 27, 2007 23:37    Titel: Re: Was ist sie denn nun? Antworten mit Zitat

beetle hat folgendes geschrieben:

Nur hat sie eine Angst vor Beziehunge, die sie selber nicht direkt erklären kann.

Zwei Anhaltspunkte hat sie mir aber gegeben.

1. Einerseits hat sie Angst vor dem, was in der Beziehung passiert. Sie ist Jungfrau und könnte es sich niemals vorstellen mit jemandem zu schlafen. Sie hat ein regelrechtes Ekelgefühl vor sexuellem. Nicht nur vor dem mit Anderen, auch vor sich selber. Sie hat ihr ganzes Leben lang kein einziges Mal masturbiert, da dass für sie eine Ausdrückung der primitiven Art des Menschen sei. Lust scheint sie also nicht zu empfinden, was mich auf den asexuellen Gedanken gebracht hat.

2. Andererseits scheint es doch auch seelisch abzuspielen. Ein Teil ihrer Angst sei es, dass sie schon 20 ist und noch die "Dumme" ohne Erfahrungen ist. Ebenfalls hat sie Angst ihre Freiheit zu verlieren. Diese Gedanken wiederrum bringen auf den Absolute Beginner.


Sie ist an der berühmten Weiche, das Beispiel habe ich schon öfters gebracht, an der sie sich entscheiden muß: Beziehung mit Sex ja oder nein. Wenn sie den einen Weg geht, darf sie sich nicht drüber beschweren, daß sie die Vorteile des anderen Weges nicht hat.

Versuche mal, zu ergründen, welcher Art die Angst ist. Versagensangst ? Sich zu blamieren ? Angst vor neuem, ungewohnten ? Angst davor, in der Gesellschaft schlecht angesehen zu werden, nur weil frau mit einem Mann geschlafen hat (wie sieht es im Elternhaus aus, was wurde ihr anerzogen ?)

Wenn Du systematisch die Angst raus hast, sorge dafür, daß sie Vertrauen gewinnt und von sich aus aktiv wird. Egal, was sie tut, Du wirst sie danach noch immer mögen, egal, was sie tut, es ist Dir lieber, es geht schief und die Sache geht vorwärts. Vielleicht hilft es ja, wenn sie selber aktiv wird, wenn Du ihr also den Ball zuspielst.

Es ist schwer zu sagen, ob sie asexuell ist, doch meine ich, daß der Mensch, der lebenslang ohne Sex ist, gewisse Fragen sich selber stellt, angefangen, wie sich dieses oder jene Körperteil beim anderen anfühlt. Um das herauszufinden, muß man ja nicht unbedingt Sex haben, doch hat sie das herausgefunden, ist sie mit ihrer Angst und mit ihrem Selbstbewußtsein etwas weiter.

Ich meine, daß es im Leben einer Frau dazugehört, zu wissen, wie es ist, schwanger zu sein. Wenn sie auch mal Kinder haben will, vertagt sie das Problem nur auf später - ohne Grund, im Gegenteil, denn ab einem gewissen Alter wird man schief angeschaut, wenn man keinen Sex hatte. Die Zeit bis dahin leidet man, weil man nicht weiß, wie sich dieses oder jenes anfühlt - also: Zeit vertan durch Leiden.

Ansonsten hilft vielleicht etwas, was Euch gemeinsam Spaß macht: Sexchats evtl., da wird beschrieben, was so passiert.

Dann durchdenke mal die Alternativen. Vielleicht will sie auch nicht, weil sie es schon mal erlebt hat - und nicht erleben wollte ?


Viele Grüße

Markus
Nach oben
          
C6H4




Alter: 40
Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 18.02.2007
Beiträge: 177
BeitragVerfasst am: Mi März 28, 2007 1:19    Titel: Re: Was ist sie denn nun? Antworten mit Zitat

Markus-1969 hat folgendes geschrieben:
Es ist schwer zu sagen, ob sie asexuell ist, doch meine ich, daß der Mensch, der lebenslang ohne Sex ist, gewisse Fragen sich selber stellt, angefangen, wie sich dieses oder jene Körperteil beim anderen anfühlt.

Ich glaube kaum, dass das so auf jeden Menschen zutrifft. Auch ich hatte mir solche Fragen eher weniger gestellt und ich mag sogar körperliche Zärtlichkeiten. Für mich spielt dabei der gemeinsame Austausch von intensiven Emotionen eine Rolle, nicht aber der Gedanke daran, wie sich etwas rein physisch anfühlt.
Ich hatte zwar sogar Sex, aber auf den hätte ich ebenso gut auch verzichten können - wollte ich eigentlich auch, aber da ich keinen Ekel dabei empfinde, habe ich halt "mitgemacht", um meiner Partnerin schöne Gefühle zu bereiten, sodass es auch für mich gewissermaßen schön war. Auch hier spielte der rein physische Akt bei mir kaum eine Rolle, sondern die Gefühle, die ich mit der Partnerin erlebt hatte.
Aber einem solchen "Kompromiss" oder auch anderen sexuellen Handlungen wird sich bestimmt nicht jeder Mensch hingeben können oder wollen. Experimente sollten nur die wagen, die davon hundertprozentig überzeugt sind.
Gerade diejenigen, die Ekelgefühle haben oder aber auch diejenigen, die körperliche Nähe grundsätzlich ablehnen, die es ja nun auch gibt, werden sicher kaum den Wunsch haben, wissen zu wollen, wie sich bestimmte Körperteile beim anderen anfühlen...

Markus-1969 hat folgendes geschrieben:
Ich meine, daß es im Leben einer Frau dazugehört, zu wissen, wie es ist, schwanger zu sein.

Was??? Ich denke, diese Einstellung ist längst nicht mehr zeitgemäß und war sie eigentlich auch nie.
Zwar wird das bestimmt auf zahlreiche Frauen zutreffen, die so empfinden mögen, aber ganz gewiss wird es sehr viele Frauen geben, die das ganz anders sehen. Eine solche Grundannahme über Frauen würde ja Andersdenkende abqualifizieren. Männer können sowas sicher leicht sagen - sie müssen ja die ganzen biologischen und biochemischen Prozesse am und im eigenen Körper und auch die Schmerzen nicht selbst erleben. Es gibt in diesem Forum einige Frauen, die eine Schwangerschaft abstoßend und eklig finden, wie Du in verschiedenen Threads nachlesen kannst. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese ein solches Bedürfnis haben, wissen zu wollen, wie es ist, schwanger zu sein.
Zum Glück darf jede Frau diese Entscheidung für sich selbst treffen. Wink

Ich könnte mir für mich gut vorstellen, Vater zu werden. Aber wenn meine Partnerin zur Schwangerschaft nicht bereit ist oder andere Umstände dies verhindern, habe ich vollstes Verständnis dafür und ich hätte auch nichts gegen eine Adoption einzuwenden. Ganz bestimmt würde ich nicht versuchen, sie in irgendeiner Weise zu einer Schwangerschaft zu überreden, wenn sie die nicht von sich aus haben möchte.

Markus-1969 hat folgendes geschrieben:
ab einem gewissen Alter wird man schief angeschaut, wenn man keinen Sex hatte.

Von wem? Man muss ja nicht damit hausieren gehen, dass man noch keinen Sex hatte. Und wenn man früher oder später einer wirklich passenden Partnerin/einem passenden Partner begegnet, wird diese/r das sicher verstehen und einen nicht schief anschauen.
Gerade diesem Druck sollte man sich keinesfalls ausgesetzt fühlen, wenn man für Sex nicht wirklich bereit ist...
Nach oben
          
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Forum für Asexualität Foren-Übersicht -> Beziehungen Alle Zeiten sind GMT + 2 Stunden
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2002 phpBB Group

Impressum: AVENde versteht sich als Unterforum von AVEN. Ansprechpartner für die deutsche Seite (aven-forum.de) ist der Administrator "Dirk Walter". Kontaktadresse: Dirk Walter - Rehhütterstrasse 4 - 67165 Waldsee
email: aven.de@dirk-walter.de - Telefon: 06236/54804.
Beachten Sie auch: Forenregeln und Datenschutz