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Warum sind andere so besessen von unserem Sexualleben?

 
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Doctor-Sleep
abgemeldet




Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 08.06.2018
Beiträge: 35
BeitragVerfasst am: Di Sep 18, 2018 14:48    Titel: Warum sind andere so besessen von unserem Sexualleben? Antworten mit Zitat

Hi,

das Thema geht mir schon öfter durch den Kopf und ein paar Male habe ich schon angefangen einen Beitrag darüber zu verfassen...

Also, ich bin mit einem Paar befreundet. Wir kennen uns nun seit etwas mehr als 15 Jahren, die beiden haben sich im gemeinsamen Freundeskreis kennengelernt kamen bald zusammen und sind inzwischen verheiratet. Ich mag beide sehr, sie sind eins der wenigen unstressigen Paare, die ich kenne. (keine öffentlichen Dramen, keine Eifersucht, kein ständiges rumfummeln, jeder hat trotzdem noch ne eigene Persönlichkeit) sie haben auch schon viele meiner kläglichen Beziehungsversuche miterlebt, während denen es mir oft sehr schlecht ging.
(Mir wurde fälschlich Borderline und einiges anderes abenteuerliches andiagnostiziert, inzwischen weiß ich, dass es eben daran liegt, dass ich asexuell bin und mich trotzdem gezwungen habe "normal" zu sein)

Bisher war meine Beziehungsverhalten nie großes Thema nur eben Mitleidsbekundungen, dass ich ja immer so schlechte Erfahrungen mache.

Vor meiner letzten Beziehung war ich vier Jahre Single und von beiden kamen dann öfter mal Scherze in Richtung: "Wir könnten dich ja verkuppeln, wir kennen da jemanden"
Nachdem meine letzte Beziehung mich dann aber so dermaßen traumatisiert hat, dass ich eben mit therapeutischer Hilfe rausgefunden habe, dass ich ständig gegen mich selbst lebe und mich entweder lerne so zu akzeptieren wie ich bin, oder daran kaputt gehe, habe ich nun eigentlich damit abgeschlossen. Zumindest weiß ich, dass ich keinen Sex mehr haben werde nur weil jemand anderes das will... Was das für Beziehungen bedeutet, weiß ich noch nicht...


Naja, jedenfalls nehmen diese Verkuppelungsangebote langsam Überhand, vor allem von ihrer Seite. "Du brauchst mal jemanden." "Du kannst doch nicht alleine sein" "Ich wünsche mir, dass du glücklich bist" "Schulter-zum-anlehnen-bla, Ich diskutiere eigentlich nicht besonders rum, sondern sage nur "Passt schon mir geht´s gut, das ergibt sich schon, wenn es soll."

Wenn sie dann aber etwas getrunken hat, nervt sie. Massiv. Dann dichtet sie mir ne Beziehuung mit meinem besten Freund an (wir sind seit 8 Jahren WG-Partner)
-"Ihr beide seid so süüüß, sooo vertraut miteinander" (Oh really, nach 8 Jahren WG ist man vertraut miteinander?!)
-"Warum seid ihr denn nicht zusammen? Ach komm, da geht doch was, so wie ihr euch immer angrinst" (Bitch please, wenn man lustige Insider hat, schaut man nun mal nicht grimmig, oder?)
-"Ihr seid doch heimlich zusammen, oder?"... Meist geh ich gar nicht großartig drauf ein, sondern sage immer nur sachlich, dass es nicht der Fall ist, wenn überhaupt.
Wären wir beide dasselbe Geschlecht würde es niemanden interessieren, aber Mann und Frau stecken ja ständig ihre Genitalien ineinander so die gängige Meinung. AAAARRRGHHH!!!!


Mir werden bei gemensamen Abenden Flirtereien mit Hinz und Kunz angedichtet. "da funkt´s aber bei euch, ich hab genau gesehen, wie du ihn anschaust" (Wir sprachen über meine Lieblingsband, ja die macht mich glücklich)


Vor nem Jahr habe ich mal erzählt, dass ich mit diesem ganzen Sex-Kram nicht wirklich was anfangen kann und das für mich irgendwie absurd ist...natürlich bilde ich mir das ein. Nur wegen der schlechten Erfahrungen, Der Ritter in strahlender Rüstung bzw. der Mann mit dem magischen Penis kommt auch zu mir. (*schauder*)

Bei der letzten Begegnung bin ich dann recht deutlich geworden, weil sie wieder anfing mit "Oh, wie süüß ihr zwei doch seid, so ein schööönes Paar"
Ich sagte dann, dass es jetzt langsam echt nervt, Er und ich sind kein Paar, wir ficken auch nicht. Wir sind Freunde. Punkt. Und ja Freunde mögen sich. Ihr müsst mir keinen Paarungspartner klarmachen, wenn ich das will mach ich das selber, im Moment will ich aber nicht. Ich bin glücklich ohne Beziehung, ja das gibt es.
-"Aber, aber, willst du dich nicht begehrt fühlen" Wenn ein Mann sexuell an mir interessiert ist, sehe ich das nicht als Kompliment, es irritiert mich, ich finde es eher verstörend. Und mit dem Typen da hab ich halt Probleme seit er mir ne Eifersuchtsszene gemacht hat, weil er sich was erhofft hat.
-"aber, wilsst du nicht glücklich sein" Das bin ich.
-"Aber ohne Beziehung" kann man auch glücklich sein
"aber, aber... Warum?"

Beide wechselten dann nen komischen Blick, zuckten die Schultern, er sah mich mitleidig an, sie kämpfte mit den Tränen..."Wie wollen dir nur helfen"
Hatte was von Eltern, die mit ihrem Latein langsam am Ende sind.


Seitdem (5Monate) ist der Kontakt...unterkühlt. Sie melden sich nicht, wenn ich mich melde hat niemand Zeit, zufällige Treffen sind...als hätte ich ne ansteckende Krankheit.

Ja, ich weiß...eigentlich sind das keine richtigen Freunde, wenn es deswegen auseinander geht...aber es tut schon weh.
Welchen Einfluss hat es denn auf die beiden, ob ich Sex habe oder nicht?!
Wenn sie beleidigt wären, weil ich mit IHNEN keinen Sex will, könnte ich es ja irgendwie nachvollziehen schließlich wären sie davon ja betroffen. Aber wenn ich auch mit niamnd anderem Sex habe? Davon würde sie doch eh nix mitbekommen, warum ist das dann so verfickt wichtig?
Was stimmt nicht mit Menschen?!

Boah, das musste mal dringen raus!



Embarassed
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SchuffiPupsi




Alter: 30
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 23.04.2012
Beiträge: 1581
Wohnort: In der Mitte von M-V
BeitragVerfasst am: Di Sep 18, 2018 16:51    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn ich das so lese, denke ich mir, dass sie verletzt waren/sind aufgrund deines Verhaltens ihnen gegenüber.
Und nicht, wie du unterstellst (was sie vermutlich mitunter verletzt), weil du keinen Sex/Partner hast.

Meiner Erfahrung nach halten sich solche Themen nur dann hartnäckig (bei tatsächlichen Freunden), wenn man sich bezüglich ambivalent äußert/verhält.
Das mag nicht mit Absicht geschehen.

Menschen gegenüber dann stinkig zu werden, die sich aufrichtig sorgen/interessieren (das vielleicht auch einmal zu oft oder Verständnisprobleme haben), verletzt nunmal.


Du hast sie verletzt. Die Freundschaft scheitert nicht daran, dass sie sich für dein Sexleben interessieren.
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Sandkastenzorro
zweitgrößter Spammer des Forums



Alter: 39
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
Beiträge: 3580
Wohnort: Fairvale
BeitragVerfasst am: Di Sep 18, 2018 16:58    Titel: Antworten mit Zitat

Über sowas hab ich auch ne Zeit lang nachgegrübelt, nachdem Bekanntschaften (Freundschaft nenn ich sowas nicht) es nicht überlebt haben, dass sich mein Beziehungsleben allein in meinem Kopf abspielt. Und ich bin mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass es gar nicht so sehr an dem liegt, WAS man anders macht, als der andere, sondern daran, DASS es anders ist. Völlig egal, worum es geht.

Viele Menschen ertragen es einfach nicht, wenn die Ottonormalschnittmenge, die man bei jedem anderen Menschen voraussetzt, sich nicht auf der selben Ebene abspielt, wie die eigene. Mit Ottonormalschnittmenge meine ich das, was die Leute glauben, mit jedem anderen gemeinsam zu haben. Und dazu gehören Beziehungen eben auch. Es wird davon ausgegangen, dass man auf jeden Fall eine haben will und unglücklich ist, wenn man sie nicht hat. Weicht man dann von dieser Annahme ab und wagt es, glücklicher Single zu sein, der keine Beziehung will, dann kracht bei denen im Kopf irgendwie das Bild zusammen und schlagartig wird man behandelt, als kommt man vom Mars.

Teilweise wird das dann so stark, dass die Leute, mit denen du dich die letzten drei Jahre prima verstanden hast, dich aufeinmal behandeln, als wärst du ein Kleinkind und verstehst die einfachsten Sätze nicht mehr. Dann fangen sie an, mit dir zu reden, wie mit nem geistig Behinderten, weil dieses eine kleine, andere Detail in deren Kopf dich schlagartig aus der selben imaginären "Klasse" rauskatapultiert hat. Und bist du nicht mehr mit dieser Klasse stimmig, kannste ja nur n Uga-uga-Affe sein, der zu dumm ist um einfachste Fragen zu verstehen.

Die andere Gruppe von Menschen, die ständig mit "Wir wollen doch nur das Beste für dich" um die Ecke kommt, gehört zu der Fraktion: "Zieh dir ne Jacke an, mir ist kalt!" - Will heissen, die projizieren ihre eigenen Bedürfnisse auf dich und wehe, du hast andere!

Das Problem bei letztgenannter Gruppe ist, dass sie das Problem nicht reflektieren können; keine Grenze erkennen zwischen sich selbst und dem anderen und folglich auch nicht merken, WAS da schief läuft. Ansprechen ist da meist auch sinnlos, denn die Gruppe der Nichtreflektierer ist auch immer die Gruppe, die anfängt, um sich zu treten, wenn man sie kritisiert.

Das Problem bei erstgenannter Gruppe ist n anderes. Die haben sich erhofft, dass du genauso tickst wie sie und sind enttäuscht, wenn das nicht der Fall ist. Dass es ihnen im Grunde scheissegal sein kann, was du in deinem Schlafzimmer treibst oder auch nicht treibst, weil sie das eh nicht mitkriegen, ist dabei zweitrangig. Das Problem ist, dass sie nun WISSEN, dass es in deinem Schlafzimmer nicht so läuft wie bei ihnen selbst, und das allein ist das Problem. Damit kriegen sie das Gefühl, dass diese zuerst angenommene Gemeinsamkeit weg ist und damit auch das Verbundenheitsgefühl.

Bei beidem ist das Problem allein in deren Köpfen und nirgendwo sonst. Und bevor die sich eingestehen, dass es n hausgemachtes Problem ist, das sie mit sich selber haben, lokalisieren sie es lieber im Aussen - nämlich in DIR, denn dort können sie ihm den Rücken zukehren, indem sie dich einfach entsorgen. So einfach kanns sein.

Das ist son bisschen wie... Wenn der Spiegel mir nicht das zeigt, was ich sehen will, mach ich einfach den Spiegel kaputt und das Problem ist gelöst Wink
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Didn't your mother never teach you no manners?
-I ain't never had no mother - we was too poor!
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Maz
ADMod Team



Alter: 43
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 14128
BeitragVerfasst am: Di Sep 18, 2018 17:03    Titel: Antworten mit Zitat

Vielleicht würden sich wünschen, daß du und dein WG Freund ein Paar sind damit du ihn mit nimmst und es quasi 2-Pärchen-Treffen werden.
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DasTenna




Alter: 37
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.10.2016
Beiträge: 1011
Wohnort: Saarland
BeitragVerfasst am: Di Sep 18, 2018 19:22    Titel: Antworten mit Zitat

Dass sie, wie SchuffiPupsi vermutet, verletzt sind, weil sie dir ihrer Ansicht nach nur helfen wollten, kann ich mir ebenfalls vorstellen.
Vielleicht würde es helfen, wenn du ihnen mitteilst, wie sehr dir ihre in diesem Bereich unangebrachte Sorge um dein Wohlergehen auf die Nerven geht bzw. wie unangebracht und verletzend und bevormundend sie dir tatsächlich vorkommt. Und dass das der Grund ist, warum du bei diesem letzten Gespräch so pampig wurdest. Mit ein bisschen Glück klärt sich das Ganze.

Bekanntschaften, die selbst dann noch hartnäckig darauf beharren, besser zu wissen, was dir guttut, kannst du allerdings ruhigen Gewissens in die Tonne treten. Was bin ich froh, dass ich solche nur im familiären Kreis habe. Die sehe ich alle Schaltjahre mal, wenn es sich nicht vermeiden lässt, und die können mich mittlerweile allesamt muscheln.
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I am normal. It´s the rest of the world that´s weird. - Ich bin normal. Der Rest der Welt ist schräg drauf. (Impulse - Bartholomew Allen II)
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https://dasnixblix.wordpress.com/
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Doctor-Sleep
abgemeldet




Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 08.06.2018
Beiträge: 35
BeitragVerfasst am: Di Sep 18, 2018 20:00    Titel: Antworten mit Zitat

SchuffiPupsi hat folgendes geschrieben:


Du hast sie verletzt.


ähm... definitiv, nein.
und zwischen "Nein, ist nicht so" und "anpampen" gabs noch bissl grau.

Und dass sie wollen, dass wir so ein Zweier-Pärchen-Gespann werden kann ich mir nicht vorstellen. Mein Mitbewohner ist auch mein bester Freund und oft mit dabei. Es macht also keinen wirklichen Unterschied, ob wir zusammen sind oder nicht. Sollte es jedenfalls nicht.
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Tintenstreuner




Alter: 29
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 12.08.2018
Beiträge: 35
BeitragVerfasst am: Mi Sep 19, 2018 8:52    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bringe mal meinen Standardspruch:

Sag ihnen, dass du dich wirklich freust, dass sie für sich rausgefunden haben, was sie glücklich macht, dass das aber nur für ihr Leben gelten kann, weil dein Leben eben dazu da ist, deine eigenen Vorstellungen vom Glücklichsein zu verwirklichen.

Im Prinzip hat Sandkastenzorro alles sehr gut zusammengefasst: Sie sind verstimmt, weil sie Unrecht hatten. Das mögen Menschen nicht, v. a., wenn sie es erst nach Jahren der Fehlannahme rausfinden, weil sie damit ihre eigene Wahrnehmung und damit sich selbst anzweifeln müssen, und das ist unangenehm. Der Konflikt besteht ja gerade darin, dass ihre Wahrnehmung von dir fehlerhaft war und mit ihr auch alle Beurteilungen, die sie auf diese Wahrnehmungen gestützt haben.

Deswegen finde ich auch nicht, dass du sie verletzt hättest. Ich würde eher umgekehrt sagen, dass sie dich verletzt haben und zwar mit etwas, mit dem sie dir aus ihrer Perspektive eigentlich helfen wollten. Aber wie ich erst neulich in einem anderen Thread geschrieben habe, kann Hilfe nur funktionieren, wenn sie auch erwünscht war und so gegeben wird, wie sie gebraucht wird. Sprich, wenn sie dir bei etwas helfen wollen, das eigentlich keiner Hilfe bedarf, dann geben sie dir damit nur das Gefühl, du wärst irgendwie krank/falsch/kaputt, und genau das ist es, was dann dich verletzt, unabhängig davon, dass sie es nicht so gemeint haben. Aber was sie meinen oder nicht, ist eher zweitrangig, es geht darum, wie es bei dir ankommt. Bei fahrlässiger Tötung gibt's am Ende auch einen Toten, obwohl kein Vorsatz da war.
_________________
Mein Essay über Asexualität:
https://www.fanfiktion.de/s/566851fb0000be2b26451f56/1/Asexualitaet
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Rea




Alter: 48
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 21.08.2015
Beiträge: 900
BeitragVerfasst am: Mi Sep 19, 2018 14:29    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn Menschen etwas nicht kennen, fällt es ihnen schwer, es zu verstehen.

Deine Bekannten sind schon sehr lange verpartnert - in ihrem Freundeskreis gibt es wahrscheinlich etliche Paare oder suchende Singles oder unglückliche Singles. Dich haben sie auch in Phasen der Suche und der weniger glücklichen Verpartnerung gekannt und wie Du schreibst ist es ja noch gar nicht so lange her, dass Dir selbst klar geworden ist, was Du möchtest und was Du nicht möchtest. Das scheint für Dich ja auch ein Lernprozess gewesen zu sein - und ich finde es gar nicht so verwunderlich, dass Deine Bekannten da nicht so richtig mitkommen.

Menschen gehen nun mal von sich selber aus. Deine Bekannten führen eine geglückte Beziehung und denken, dass auch andere Menschen dies zum Glücklichsein brauchen.
In Filmen, Liedern, in der Literatur - überall um uns rum - wird verkündet, dass da draußen der fehlende Teil herumläuft, den wir finden sollen, um vollständig zu sein. Schon Kinderfilme sind teilweise so angelegt. Kultur kann prägen.

Hast Du denn deinen Bekannten von der Orientierung Asexualiät erzählt? Vielleicht fällt es ihnen leichter, diese Besonderheit zu akzeptieren, wenn sie hören, dass dies eine Variante der sexuellen Orientierung ist, die zwar selten, aber eben doch existent ist.

Deine Bekannten kennen Dich eben seit 15 Jahren, wenn Du selbst Dir erst seit ca. 1 Jahr im Klaren darüber bist, können sie Dein inneres Erleben eben nicht so sicher nachempfinden, wie Du das kannst - sie fühlen nun mal anders als Du. Sie haben vielleicht auch ungut verlaufende Beziehungsversuche von Dir mitbekommen und denken nun: Wenn sie nur dem "richtigen" begegnet, dann wird es was. Das ist eben eine allosexuelle Sichtweise und ich denke, diese Menschen müssen erst mal mehr über die Orientierung Asexualität erfahren, um ihre persönliches Empfinden in Frage zu stellen.
Von Aktivista gibt es Flyer und Broschüren, die aufklären können - hier ein link https://aktivista.net/materialien/gedrucktes/

15 Jahre Bekanntschaft ist eine lange Zeit - das ist fast Dein halbes Leben. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Unstimmigkeit auszuräumen ist.
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Doctor-Sleep
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Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 08.06.2018
Beiträge: 35
BeitragVerfasst am: Mo Sep 24, 2018 16:21    Titel: Antworten mit Zitat

Rea72 hat folgendes geschrieben:




Hast Du denn deinen Bekannten von der Orientierung Asexualiät erzählt? Vielleicht fällt es ihnen leichter, diese Besonderheit zu akzeptieren, wenn sie hören, dass dies eine Variante der sexuellen Orientierung ist, die zwar selten, aber eben doch existent ist.



ja, den Begriff habe ich in zwei oder drei Gesprächen mal erwähnt. Ich habe, auf Gegenfrage, auch erklärt, was es damit auf sich hat, allerdings gab es da die üblichen Reaktionen: das gibt es nicht, Sex ist ein Grundbedürfnis, wenn man es nicht mag, macht man es falsch.


Danke für eure Gedanken, es scheint wohl doch so zu sein, wie Sandkastenzorro schreibt. Crying or Very sad

Allerdings erlebe ich die beiden eher als tolerant, was "abweichende" Sexualität angeht. Homosexualität, Fetischismus usw. ist alles kein Problem... Ich würde es eben gerne verstehen und nachvollziehen können.


Mich macht nur eben wütend, dass ich mir inzwischen zugestehen kann, mich keinen Situationen mehr auszusetzen, die extrem schädigend für mich sind und mir dieses Gefühl der Erleichterung abgesprochen wird.

Gehört wohl auch zum "Outing-Prozess" wie es scheint. Question
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Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3235
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Mo Sep 24, 2018 17:00    Titel: Antworten mit Zitat

What SKZ said. Cool

Vielleicht hülfe es, diese Leute mal mit einer alternativen Vorstellung davon zu konfrontieren, wie glücklich sein sonst noch so gehen kann. Vielleicht gibt es da ja passende Reportagen über Leute, die vielleicht alleine leben, irgendwo auf einem entlegenen Hof ihre Kunst zusammen schweißen oder vielleicht um die Welt touren, um in allen wichtigen Bibliotheken mal eine Zeitlang zu lesen, auf einem Segelboot leben, mit ihren 3 Katzen und einer Kakteen-Sammlung oder was weiß ich. Und zu zeigen, dass die damit eben wohl auch zufrieden sein können.

Wenn die Dame etwas empfindlich ist, ihr ruhig auch sagen, Du, das ist nicht böse gemeint und so, aber mir liegt Glück eher anders, und ein Partner kommt jedenfalls bisher da drin nicht vor.

Vergleichbare Besorgnis hat es höchstens so Ende Teenager-Alter mal im Familienumkreis gegeben, als eben das Thema Freundin mit nach Hause bringen und vorstellen bei den übrigen Cousins, bzw. Freund bei den Cousinen ziemlich hoch kam, und sich gewundert wurde, warum sich bei mir diesbezüglich so gar nichts tut. Da gab es dann auch den einen oder anderen Vorschlag, wer gefunden werden könnte, damit sich das Zusammenfassen der Höfe auch lohnen könnte, oder welche potenzielle Braut ordentlich Besitz und Zaster im Hinterraum hätte. Ich war froh, dass das nie ernsthaft verfolgt wurde. Mein Bruder sollte eine Zeitlang eine Körperbehinderte heiraten, deren Vater ein gut gehendes Elektronikgeschäft hatte. Aber auch die sämtliche Bändelei brachte keine Früchte - sie war einfach nicht sein Typ.

Also so Leute, die das nicht schnallen, oder überhaupt keine Rücksicht drauf nehmen, was man selbst will, oder wie man sein Leben gestalten möchte - die gibt es wie Sand am Meer.
Aber wie DasTenna richtig sagt - So welche brauchst Du im Leben nicht drin, die können den Buckel runter rutschen und am Bach spielen gehen.
_________________
Wer später stirbt, erlebt den Tod derer, die früher sterben, und hat deshalb länger was zu lachen.
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Doctor-Sleep
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Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 08.06.2018
Beiträge: 35
BeitragVerfasst am: Mi Okt 10, 2018 23:57    Titel: Antworten mit Zitat

Windsurfhippie hat folgendes geschrieben:
What SKZ said. Cool

Vielleicht hülfe es, diese Leute mal mit einer alternativen Vorstellung davon zu konfrontieren, wie glücklich sein sonst noch so gehen kann. Vielleicht gibt es da ja passende Reportagen über Leute, die vielleicht alleine leben, irgendwo auf einem entlegenen Hof ihre Kunst zusammen schweißen oder vielleicht um die Welt touren, um in allen wichtigen Bibliotheken mal eine Zeitlang zu lesen, auf einem Segelboot leben, mit ihren 3 Katzen und einer Kakteen-Sammlung oder was weiß ich. Und zu zeigen, dass die damit eben wohl auch zufrieden sein können.



Klingt für mich alles ziemlich super. Smile Leider hat das für die meisten Menschen aber doch einen Beigeschmack von "Weirdo", egal wie glücklich jemand damit ist.

Als wären kreative Menschen nur kreativ als Ersatz für ein "funktionierendes"Sexleben oder der Preis dafür in jeder wichtigen Bibliothek lesen zu können ist "einsam" sein.

Das geht auch den beiden leider kaum in den Kopf. Es muss doch was fehlen, wenn man Single ist.


"die können am Bach spielen" ist übrigens eine sehr schöne Redensart. Wink
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Wuslchen




Alter: 37
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 29.06.2014
Beiträge: 158
Wohnort: Bayern
BeitragVerfasst am: Sa Okt 20, 2018 16:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doctor-Sleep,

der zweite Satz aus deiner Signatur sagt es im Grunde schon sehr gut.

Zu dem Thema wurde hier bereits ausreichend Stellung bezogen, es wurde gesagt was es zu sagen gibt.

Bleibt die Frage was du damit machst.

Vielleicht lernen es deine Freunde noch zu verstehen. So etwas ist möglich, aber leider eben immer noch sehr selten.

Es kann einfach nicht sein was nicht sein darf und du hattest ja bereits Partner und warst auf der Suche. Das allein reicht für die zwei aus jetzt davon auszugehen, dass du einfach die Lust am suchen verloren hast, aber mit dem - und jetzt kommt ein Zitat von dir, das ich richtig klasse finde! - Mann mit dem magischen Penis all deine Probleme gelöst wären und du ein glückliches, erfülltes und zufriedenes Leben vor dir hättest.

Fühle in dich hinein wie lange du das noch aushalten willst, wenn sie sich nicht ändern. Eine so langjährige Freundschaft gibt man nicht gerne vorschnell auf, aber warum an Leuten festhalten, die einem einfach nicht gut tun im Leben? Oft bleibt man auch einfach nur aus Gewohnheit bei seinen Freundschaften. Hinterfragt man die Verbindung dann, findet man hin und wieder gar keinen objektiven Grund, dass diese Beziehung überhaupt noch Bestand hat. Und dann ist es sinnvoller sie zu beenden.
Lieber ein Ende mit Schrecken quasi.

Liebe Grüße
vom Wuslchen
_________________
Be good, be bad, just be!
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