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Ursachen der Asexualität?!
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Ist Asexualität angeboren?
Ja.
48%
 48%  [ 63 ]
Nein, und zwar deswegen nicht ...(siehe unten)
11%
 11%  [ 15 ]
Interessiert mich nicht.
8%
 8%  [ 11 ]
Keine Ahnung.
32%
 32%  [ 42 ]
Stimmen insgesamt : 131

Autor Nachricht
Tobias
abgemeldet




Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 07.02.2005
Beiträge: 427
BeitragVerfasst am: Di März 08, 2005 5:48    Titel: Ursachen der Asexualität?! Antworten mit Zitat

Hallo zusammen, Smile

an vielen Stellen wurde wohl dieses Thema angeschnitten, ich möchte mir jetzt nicht die Mühe machen alles zusammenzusuchen, das würde Tage dauern. Ich mache deswegen mal einen neuen Punkt auf, um die verstreuten Gedanken zu sammeln.
Ich bitte euch, diesen Thread jetzt nicht zu ernst zu nehmen, ich möchte hier bloss ein wenig "philosophieren", wir müssen und wollen hier keine Antworten finden...

Es wurde gesagt, Asexualität sei ein "natürliches Regulativ", um eine aus den Fugen geratene Welt wieder in "Ordnung" zu bringen.
Dazu meine Frage: Heisst das, das Asexualität veränderbar sei? Also wenn die "Regulation" zu wirken beginnt, werden dann die Asexuellen wieder sexuell?
Weiterhin wurde gefragt, ob Asexualität angeboren sei, kurzum das ist so, Schluss aus ...
Zwei völlig gegensätzliche Standpunkte ... Wie seht ihr das?
Und bitte: nicht zu ernst ... Wisst schon was ich meine. Wink

Tobias
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xaida




Alter: 44
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 18.01.2005
Beiträge: 1633
Wohnort: Berlin
BeitragVerfasst am: Di März 08, 2005 11:29    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde, es gibt noch viel mehr Möglichkeiten als angeboren oder nicht. Viel mehr mögliche Bereiche im "nicht" und vor allem viel mehr mögliche Bereiche dazwischen.

Erziehung:
Ich könnte mir schon vorstellen, dass ein Individuum vielleicht eher nach einer Möglichkeit, asexuell zu sein, suchen wird, wenn in der Erziehung z.B. mit Sexualität sorglos umgegangen wurde. Ich könnte mir zB. denken, dass Virginia Woolf Sexualität vielleicht unbewusst nur abgelehnt hat, da sie darin einen Schutz erkennen könnte vor weiterem Missbrauch durch ihren Bruder oder der Reduzierung auf ein Sexobjekt, was zu viktorianischen Zeiten für Frauen sehr üblich war. Nun scheint alles, was Resultat von Erziehung/traumatischen Erlebnissen/etc. ist, eine Einladung zur Umerziehung bzw. Therapie zu sein, ohne dass dabei gefragt wird, ob das Individuum vielleicht seine asexuelle Seite behalten will bzw. ob es sich von ihr überhaupt gestört fühlt. Ich könnte mir vorstellen, wenn es überhaupt so wäre, es dann erst gar nicht erst erforschen zu wollen und bei meinem "Es ist angeboren, ich kann nichts daran ändern" zu bleiben.

Natur:
Ich finde, alles, was rein auf Natur reduziert wird, sollte immer in Frage gestellt werden, da dadurch Kategorien eine Art "gottgewollte" Autorität verliehen wird, die erstens - meiner Meinung nach - nicht berechtigt ist und zweitens auf dem Ausschluss der Erschaffung weiterer Kategorien basiert. Denn "Natürlichkeit", "angeboren", etc. sind nicht Worte, die uns von einer Wahrheit aufgetragen werden, sondern die aus machtpolitischen Interessen in den Raum geworfen werden, um eine Diskussion relativ effektiv abzuwürgen. Selbst wenn Asexuelle jemals den insitutionalisierten Status des Natürlichen erhalten, ist man dann unnatürlich, bloss weil man nicht hetero-, bi-, homo- oder asexuell ist? Sollten wir nicht schon aus Protest an so einer Rigidität diesen Status ablehnen wollen?
Bedenklich finde ich auch das natürliche Regulativ einer Überbevölkerung. Es drückt Asexualität sehr den Stempel einer ahistorischen Tendenz auf. Genausogut könnte man Homosexualität als geburtenverminderndes Element wahrnehmen, nur dass sie durchaus kein kurzzeitiges Phänomen ist, das mit der Beschaffenheit der Umwelt (Anzahl der Menschen) steht und fällt. Warum hier? Warum ausgerechnet die Asexualität?

Aber zum Glück ist mir relativ egal, woher meine Asexualität stammt. Smile Solange ich darunter nicht leide, ist es für mich bestenfalls Gedankenspielerei. Smile

Noch ein paar Links:

http://www.asexuality.org/discussion/viewtopic.php?t=2374&highlight=nature+nurture diskutiert, ob Asexualität angeboren ist oder Ergebnis von Erziehung und freiem Willen, wobei freier Wille hier ein sehr langsamer, unbewusster Vorgang sein kann.

http://www.queerbychoice.com legt dar, dass nicht alle Homosexuelle ihre Orientierung als naturgegeben ansehen und man sich dennoch nicht einfach mal dazu entscheiden kann.
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Tobias
abgemeldet




Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 07.02.2005
Beiträge: 427
BeitragVerfasst am: Mi März 09, 2005 16:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Xaida,

Zitat:
Solange ich darunter nicht leide, ist es für mich bestenfalls Gedankenspielerei. Smile

Für mich auch... sagte ich doch. Wink

Tobias Smile

Es stellt sich die heikle Frage können Moderatoren gebannt werden ...
Wo ist die Taste "Löschen" ...?
Wie spät ist es eigentlich ...
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Kassandra





Sexualität: unbekannt
Anmeldungsdatum: 13.02.2005
Beiträge: 56
Wohnort: Zwickau
BeitragVerfasst am: Mi März 09, 2005 18:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Tobias und xadia,

die "Keine Ahnung"- Stimme stammt von mir.

Zum einen habe ich ja hier

http://asexuality.org/viewtopic.php?t=186

schon an meinem eigenen Beispiel erklärt, dass Erziehung eine ganz wesentliche Rolle spielt. Wenn Sexualität in der Kindheit und Pubertät ein Tabuthema ist, erhöht sich natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass es einen dann später auch nicht mehr so richtig "interessiert".

Anderseits halte ich alle Menschen von Geburt an für asexuell im weiteren Sinne. Damit meine ich nicht, dass alle und jeder Sex grundsätzlich verweigern. Aber die Natur hat den Paarungsakt ja ausschließlich für die Fortpflanzung bestimmt. Sexuelle Zurückhaltung außerhalb dieses Zieles ist demnach völlig normal. Was nicht normal ist, ist die mediale Omnipräsenz des Themas Sexualität. Wenn die Menschen tatsächlich soviel Sex hätten, wie man uns Glauben machen will, hätten wir in Deutschland garantiert keine Nachwuchssorgen Smile

Aber durch die öffentliche Meinung sieht sich der Mainstream genötigt oder hat einfach keine Alternativen, sein Leben lustvoll zu gestalten. Und da müssen dann solche Krücken her wie Verhütungsmittel oder Viagra. Das wäre alles nicht nötig, wenn Sexualität nur im Rahmen des Naturgewollten praktiziert würde.

Anmerkung: Ich bin nicht katolisch. Aber beim Thema Enthaltsamkeit könnte ich dem Katechismus sogar zustimmen.
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schmusibaer-honigbaerli





Sexualität: unbekannt
Anmeldungsdatum: 13.02.2005
Beiträge: 9
BeitragVerfasst am: Mi März 09, 2005 19:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo an Alle
Wir haben uns die Resultate der Umfrage, ob Asexualität angeboren ist angeschaut und die verschiedenen Ansichten dazu gelesen. Einerseits schön, dass man sich darüber Gedanken macht, anderseits ebenso schön, dass man sich darüber nicht den Kopf zerbricht, sondern es als Gegebenheit annimmt, ohne zu hinterfragen, solange man nicht darunter leidet und es für einen persönlich stimmt.
Dass 60% der Antworten die Meinung vertritt, dass Asexualität angeboren ist regt zum Nachdenken an und ist gleichzeitig nahe liegend. Bei der Bi- und Homosexualität meinte man auch lange, es handle sich um eine Krankheit. Bei der Hetero-, Bi- und Homosexualität glaubte man lange, es sei Sache der Erziehung, des Charakters und der Umgebung, die darüber entscheiden. Nun ist es nachweislich, dass von Natur aus in jedem Menschen latente Spuren von Hetero-, Bi- und Homosexualität vorhanden sind, die verschieden stark ausgeprägt sind. Eine ist immer am stärksten, wird aber gewollt oder ungewollt, vor allem bei der Bi- und Homosexualität nicht wahrgenommen und schon gar nicht thematisiert. Hier kann die Erziehung und Umgebung starken Einfluss nehmen, aber schlussendlich nicht verhindern. Es kann wohl ein Mensch mit starker homosexueller Prägung so beeinflusst werden durch Erziehung und Umgebung, dass er heiratet und Kinder hat und zudem selber daran glaubt heterosexuell zu sein. Im Verlaufe des Lebens, früher oder später, durch neue, andere Erkenntnisse und Einflüsse wird dann die starke Neigung zur Homosexualität bemerkt. Wie das Leben weiter geht, wer unglücklich ist und unglücklich gemacht wird dadurch, hängt davon ab, wie man mit dieser Erkenntnis umgeht, bezw. was man damit macht.

Es ist daher sehr nahe liegend, dass auch die Asexualität angeboren ist und sich wie bei den andern erwähnten Sexualrichtungen manifestieren kann. Sie ist von Natur aus latent da, so wie es die Hetero- Homo- und Bisexualität auch sind. Bei den Einen schwächer, bei den Andern ausgeprägter. Eine ist immer am stärksten. Hier kann die Erziehung und Umgebung starken Einfluss nehmen, aber schlussendlich nicht verhindern. Es kann wohl ein Mensch mit starker Asexualität so beeinflusst werden durch Erziehung und Umgebung, dass er heiratet und Kinder hat und zudem selber daran glaubt, heterosexuell zu sein (sein zu müssen, weil das allein normal ist). Aber auch hier wird im Verlaufe des Lebens, früher oder später, durch neue, andere Erkenntnisse und Einflüsse die starke Neigung zur Asexualität bemerkt. Ich kenne solche Leute, die versucht haben, sich ärztlich behandeln zu lassen. Der Arzt hat aus welchen Gründen auch immer, das sei hier dahingestellt, verschiedene Behandlungsversuche, entweder medikamentös, operativ oder psychotherapeutisch durchgeführt, statt die richtige Diagnose gestellt. Was das für die Betroffenen heisst, kann sich jeder Mann und jede Frau vorstellen. Statt therapieren mit welchen Mitteln auch immer, wären hier zuerst die Erkenntnis, dann die Akzeptanz ohne zu werten und bewerten angebracht.

Peter und Andy
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Tobias
abgemeldet




Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 07.02.2005
Beiträge: 427
BeitragVerfasst am: Mi März 09, 2005 20:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Peter und Andy Smile,

schön das ihr zurück seid ... Drücke euch an dieser Stelle noch mal ganz fest die Daumen für eure Volksbefragung in der Schweiz bezüglich homosexueller Lebensgemeinschaften. Exclamation

Zitat:
Nun ist es nachweislich, dass von Natur aus in jedem Menschen latente Spuren von Hetero-, Bi- und Homosexualität vorhanden sind, die verschieden stark ausgeprägt sind. Eine ist immer am stärksten, wird aber gewollt oder ungewollt, ...

Wohl auch latente oder in meinem Falle ausgeprägte Spuren von Asexualität. Es scheint, das wir alle mehr Potential haben, als es zunächst scheinen mag. Ich habe mich immer über Kontaktanzeigen gewundert, in denen Heteropaare einen Dritten oder eine Dritte für gemeinsamen "Spass" gesucht haben.
Zitat:
Statt therapieren mit welchen Mitteln auch immer, wären hier zuerst die Erkenntnis, dann die Akzeptanz ohne zu werten und bewerten angebracht.

Denke ich auch!

Alles Gute euch beiden,

Tobias Smile
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Rapunzel





Sexualität: unbekannt
Anmeldungsdatum: 06.03.2005
Beiträge: 82
BeitragVerfasst am: Mi März 09, 2005 22:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

mich beschäftigt es schon sehr, woher Asexualität kommt, ob ich nun darunter leide oder nicht. Wenn man, wie einige sagen, aufgrund einer verspannten Erziehung oder gar Traumatisierung (wie Virginia Woolf!) die Lust am Sex verliert, dann würde ICH das nicht als Asexualität bezeichnen, sondern als Schock oder Blockade, die therapeutisch im günstigen Fall zu beheben wären, so dass der-/diejenige (wieder) Freude am Sex hätte. Ob so jemand sich therapieren lassen will oder nicht ist ja nochmal eine andere Sache. Asexuell wäre für mich jemand, der unabhängig von ungünstigen äußeren Einflüssen kein Verlangen nach Sex hat.

Ich würde mich ebenfalls der Ansicht anschließen, dass jeder Mensch jede Art von Neigung in sich trägt, nur eine Richtung ist eben besonders stark ausgeprägt. Das lässt sich dann auch nicht umtherapieren (die härtesten Selbstversuche haben dazu doch wohl die Homosexuellen auf sich genommen, mit Elektroschocktherapien und ähnlichen mittelalterlichen Methoden, um sich „umzudrehen“ und nicht wegen ihrer Neigungen am Ende noch im Gefängnis zu landen!)

Außerdem (auch wenn das jetzt manchem als biologistisch übel aufstoßen wird) finde ich die Erkenntnisse aus der Tierwelt nicht uninteressant, wo ein gewisser Prozentsatz auch immer aus der sexuellen Reihe tanzt.

Bei uns Menschen ist es nur viel schwieriger festzustellen, ob wir auch bei einer anderen Erziehung, unter anderen sozialen Bedingungen etc. asexuell geworden wären. Ich jedenfalls finde es äußerst schwierig, denn ich frage mich ständig, was war zuerst da: war ich schon immer asexuell und habe unabhängig davon auch noch dieses oder jenes Problemchen ausgebildet oder hatte ich schon immer Problemchen und habe mich damit sozusagen sexuell blockiert oder war ich schon immer asexuell, habe aber aufgrund des Nicht(er)kennens dieser Eigenschaft und den permanenten Selbstbewusstseins-untergrabenden Reaktionen der lieben Umwelt Problemchen ausgebildet??? Confused

Ich weiß, es sollte nicht zu ernst werden und es tut mir leid, euch jetzt mit dem Strudel meiner Gedankengänge behelligt zu haben, aber das beschäftigt mich wirklich. Ich würde nämlich die Möglichkeit, „normal“ zu werden, nutzen, wenn sie bestünde!

Trotzdem schönen Abend wünscht,
Rapunzel

PS: Sorry, wenn ich jetzt irgendetwas wiederholt habe, was unter einem der angegebenen Links steht, ich habe sie noch nicht gelesen Embarassed
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Tobias
abgemeldet




Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 07.02.2005
Beiträge: 427
BeitragVerfasst am: Do März 10, 2005 0:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo rapunzel Smile ,

Zitat:
Asexuell wäre für mich jemand, der unabhängig von ungünstigen äußeren Einflüssen kein Verlangen nach Sex hat.

Wolla! So langsam kommen wir der Sache auf die Spur...
Zitat:
Außerdem (auch wenn das jetzt manchem als biologistisch übel aufstoßen wird) finde ich die Erkenntnisse aus der Tierwelt nicht uninteressant, wo ein gewisser Prozentsatz auch immer aus der sexuellen Reihe tanzt.

Ich erinnere mich an den Rummel um die zwei schwulen Störche aus Hamburg?, die zusammen ein Nest gebaut hatten. Stand in allen Zeitungen. Asexuelle Störche zu finden dürfte schwieriger sein ...
Zitat:
Ich jedenfalls finde es äußerst schwierig, denn ich frage mich ständig, was war zuerst da: war ich schon immer asexuell und habe unabhängig davon auch noch dieses oder jenes Problemchen ausgebildet oder hatte ich schon immer Problemchen und habe mich damit sozusagen sexuell blockiert..

Das dürfte die Kernfrage sein, wenn man es von dieser Seite aus angeht ... Wenn die Problemchen gelöst sind, ist eine Antwort in Sicht.
Zitat:
Ich weiß, es sollte nicht zu ernst werden und es tut mir leid, euch jetzt mit dem Strudel meiner Gedankengänge behelligt zu haben, aber das beschäftigt mich wirklich.

Ich denke, du hast niemanden "behelligt"... Smile
Zitat:
Ich würde nämlich die Möglichkeit, „normal“ zu werden, nutzen, wenn sie bestünde!

Echt? Ich eigentlich weniger ... weiss nicht so recht. Glaube nicht. Spart man sich echt eine Menge Stress.

Tobias Smile
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misanthrop
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Alter: 64
Sexualität: unbekannt
Anmeldungsdatum: 22.05.2005
Beiträge: 309
Wohnort: Hamburg
BeitragVerfasst am: So Mai 22, 2005 10:33    Titel: Antworten mit Zitat

Die im Poll vorgebenen Antwortmöglichkeiten treffen es, jedenfalls für mich, alle nicht.

Ich halte einen gewissen Grad von Asexualität durchaus für angeboren, den weitaus größeren und vor allem entscheidenderen Anteil aber für "kulturbedingt", also als Ergebnis der Sozialisation interpretierbar.

Grundsätzlich nehme ich an, dass der Mensch mit der Vollendung seiner Geburt sehr viele Anlagen besitzt. Die Art der Sozialisation und natürlich auch schlichte Zufälle entscheiden darüber, welche Anlagen sich weiterentwickeln und welche stagnieren bzw. verkümmern.

Am Beispiel der Asexualität: Einem Kind wird von den Eltern ein bestimmtes Wertesytem vermittelt. Dieses Werteystem hat zunächst mit der Sexualität noch nichts zu tun, wird aber von dem Kind stetig gefestigt und verinnerlicht. In der Pubertät beginnt das Kind bereits allmählich zu begreifen, dass die Realität in offensichtlichem Widerspruch zu diesem Wertesystem steht. Jetzt kommt die Sexualität ins Spiel. Der Heranwachsende und der junge Mensch muss sich mit diesem Spannungsfeld auseinandersetzen, wie auch immer. Entweder macht er Abstriche innerhalb seines verinnerlichten Wertesystems oder er verzichtet auf genau das, was den Mainsteam ausmacht. Geschieht Letzteres, gerät das Individuum in einen eigendynamischen, also sich gegenseitig verstärkenden Prozess, an dessen Ende die Asexualität stehen kann. Ein anderes Kind wählt die andere Alternative, d. h., es macht Abstriche im Wertesystem und lebt "normal", macht erste Erfahrungen mit der Liebe, probiert aus und sammelt nach und nach Erfahrungen, die allein die Aufgabe haben, es fit zu machen dafür, die gesellschaftlichen Erwartungen, zu der ja elemantar auch die ausgelebte Sexualität zählt, möglichst unauffällig erfüllen zu können.

Wie sollte man nun die Ausgangsfrage beantworten? Die Anlagen für die Asexualität waren sicher in beiden Fällen vorhanden, aber in welchem Umfang waren sie für den jeweiligen Prozess verantwortlich?

Gruß,
misanthrop.
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Ohne eine hinreichende ideelle Wertegrundlage reduziert sich die menschliche Sexualität auf das Animalische, das der Natur des Menschen zuwiderläuft und den verlässlichsten Aspekt der Barbarei und Dekadenz beschreibt.
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misanthrop
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Alter: 64
Sexualität: unbekannt
Anmeldungsdatum: 22.05.2005
Beiträge: 309
Wohnort: Hamburg
BeitragVerfasst am: So Mai 22, 2005 10:36    Titel: Antworten mit Zitat

[quote="Tobias"]Hallo Xaida,

Zitat:
Solange ich darunter nicht leide, ist es für mich bestenfalls Gedankenspielerei. Smile

Für mich auch... sagte ich doch. Wink

Tobias Smile

Hallo Tobias,

das halte ich für zu kurz gedacht, sorry.

Was machst Du denn, wenn Du unter Deiner Asexualität selbst zwar nicht leidest, wohl aber unter den sich daraus ergebenden Anfeindungen innerhalb der Gesellschaft?

Gruß,
misanthrop.
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xaida




Alter: 44
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 18.01.2005
Beiträge: 1633
Wohnort: Berlin
BeitragVerfasst am: Mo Mai 23, 2005 21:08    Titel: Antworten mit Zitat

Inwiefern würde mir eine Ursachenforschung gegen evtl. Anfeindungen in der Gesellschaft helfen? Bediene ich dann nicht eher die Frage "Warum seid Ihr so anders, so undurchsichtig, so unkontrollierbar?" als zu hinterfragen, warum ich die Verpflichtung haben sollte, diese Frage überhaupt beantworten zu müssen? Von Homosexualität wird doch auch keine Rechtfertigung und Erklärung mehr verlangt, sondern die Blickrichtung über die Lebbarkeit und (erstaunlicherweise gar nicht so verschiedene) Alltagskultur bis fast zum Vergessen der vorher konstruierten Andersartigkeit gerichtet. Warum sollte Asexualität den gleichen Weg über den Rechtfertigungsdruck gehen müssen, wo es doch bereits einen Präzendenzfall gibt. Und wenn es tatsächlich verlangt werden sollte, warum sollten wir diesem Wunsch dann nachkommen?
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derBenny




Alter: 36
Sexualität: unbekannt
Anmeldungsdatum: 21.05.2005
Beiträge: 69
Wohnort: Koblenz
BeitragVerfasst am: Mo Mai 23, 2005 21:20    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe in einem anderen Thread eine Ausführung geschrieben, dass meines Erachtens Asexualität ein Ergebniss einer Erziehung ist/sein kann, als einer Erbveranlagerung.

Ist hierfür auch bestimmt recht interessant ^__^

derBenny
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misanthrop
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Alter: 64
Sexualität: unbekannt
Anmeldungsdatum: 22.05.2005
Beiträge: 309
Wohnort: Hamburg
BeitragVerfasst am: Mo Mai 23, 2005 23:32    Titel: Antworten mit Zitat

xaida hat folgendes geschrieben:
Inwiefern würde mir eine Ursachenforschung gegen evtl. Anfeindungen in der Gesellschaft helfen? Bediene ich dann nicht eher die Frage "Warum seid Ihr so anders, so undurchsichtig, so unkontrollierbar?" als zu hinterfragen, warum ich die Verpflichtung haben sollte, diese Frage überhaupt beantworten zu müssen? Von Homosexualität wird doch auch keine Rechtfertigung und Erklärung mehr verlangt, sondern die Blickrichtung über die Lebbarkeit und (erstaunlicherweise gar nicht so verschiedene) Alltagskultur bis fast zum Vergessen der vorher konstruierten Andersartigkeit gerichtet. Warum sollte Asexualität den gleichen Weg über den Rechtfertigungsdruck gehen müssen, wo es doch bereits einen Präzendenzfall gibt. Und wenn es tatsächlich verlangt werden sollte, warum sollten wir diesem Wunsch dann nachkommen?


Hallo xaida !

Die Ursachenforschung sollte natürlich nicht den Zweck haben, eine unverfrorenen Forderung nach einer Rechtfertigung (da stimme ich Dir vollkommen zu!) zu bedienen, sondern dazu, die eigene Identität zu schärfen. Ich bin der Ansicht, dass ein Mensch, der "sich selbst besser kennt", ein stärkeres Selbstwertgefühl entwickelt, was wiederum ganz entscheidende Bedeutung im Zusammenhang mit evtl. erforderlich werdenden Abwehrmechanismen aufweist.

Einer Forderung nach einer Rechtfertigung würde ich generell niemals nachkommen! Ich kann mir aber durchaus vorstellen, mich aus freien Stücken rechtfertigen zu wollen, besipielsweise dann, wenn ich meine, jemand hätte darauf schlicht einen moralisch begründeten Anspruch, beispielsweise der Lebenspartner.

Gruß,
misanthrop.
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Kamo





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 691
Wohnort: Wien
BeitragVerfasst am: Mi Jul 27, 2005 18:49    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Asexuell wäre für mich jemand, der unabhängig von ungünstigen äußeren Einflüssen kein Verlangen nach Sex hat.


jetz bin ich noch stärker verunsichert >_< ich bin mit 8 jahren leicht sexuell missbraucht worden (ex-freund meiner mutter)

meine mutter war sexuellem gegenüber immer SEHR aufgeschlossen. mir war sie teilweise sogar zu offen.

ich weiß erst seit zwei tagen dass es "asexualität" in dem sinn überhaupt gibt! ich muss ständig dran denken dass ich einmal ausspaß behauptet hab dass ich asexuell bin, weil mich das leidige thema nicht interessiert hat.. wenn ich da schon gewusst hätte...

im moment stecke ich in einer scheren krise mit meinem derzeitigen(ersten) freund, weil ich nach 1 1/2 jahren immer noch nicht auf seine sexuellen anregungen reagiere. ich mag es nicht zwischen den beinen angefasst zu werden, ich mag ihn dort nicht anfasse, und vor allem will ich nicht mit ihm schlafen! ich kann ihm aber keine direkten gründe nennen auser "ich mag nichg" was er so nicht akzeptieren kann Y_Y

nun frage ich mich...
ist das alles nur eine art abwehrreaktion wegen irgendwelcher situationen von früher die mich überfordert haben????
oder habe ich einfach so von ganz alleine keine lust auf solche sachen??
kann ich das alles erst richtig wissen, sobald ich einen seelenklempner um rat gefragt habe?worauf ich ncith wirklich scharf bin, mir wiederstrebt es, jemandem mein inneres offen darzulegen

ich denke ich kann mich damit abfinden dass mich das thema einfach nicht interessiert und dann alleine sein. andererseits fürchte ich mich auch ein wenig davor das ganze falsch zu sehen,ich fürchte mich auch davor, nach dem besuch bei einem psychologen dem sex aufgeschlossen zu sein! is das jetzt wieder eine abwehrreaktion? oder bin das einfach ich?
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Roland




Alter: 46
Sexualität: unbekannt
Anmeldungsdatum: 23.07.2005
Beiträge: 84
BeitragVerfasst am: Sa Jul 30, 2005 19:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Viele interessiert wie Homosexualität entsteht, aber die meisten Homosexuellen interessiert es nicht. Ich denke mal mit der Asexualität ist es genauso. Es gibt mehrere Theorien wie Homosexualität entstehen könnte (angeboren, Verführer, ...), bisher konnte aber noch keine Theorie bewiesen werden. Ich denke mal mit der Asexualität ist es genauso. Wir müssen uns einfach damit abfinden, daß es Asexualität gibt. Ja, aber schwule Störche hat man schon gefunden, asexuelle Störche noch nicht. Noch nicht, was noch nicht ist kann noch werden.
@ misanthrop
Deine Frage ist interessant. Ich bin Vegetarier. aber darunter leide ich nicht. Tiere schmecken mir zum Kotzen. Ich kann keine Tiere essen, und daran kann ich nichts ändern. Anfeindungen der Gesellschaft? Ja, die gibt es, aber das ändert trotzdem nichts daran, daß mir Tiere nicht schmecken. Wäre ich froh, wenn ich Tiere essen könnte? Keine Ahnung. Es gibt aber auch Menschen, die aus anderen Gründen (religiösen, ethischen, ...) Vegetarier sind. Das interessiert mich aber nicht. Meine ethische Einstellung kann ich ändern, die Tatsache, daß mir Tiere nicht schmecken kann ich nicht ändern. Es bringt nichts sich über Anfeindungen der Gesellschaft Gedanken zu machen, weil es nichts ändert.
Ich kann mich zwar schlecht in Asexuelle reinversetzen, aber wenn einem Sex keinen Spaß macht, dann bringt es nichts Sex zu haben.
Muß man denn so wie die Mehrheit sein??? Gute Frage. Die Antwort lautet: Nein. Aber die andere Frage ist: Will man so wie die Mehrheit sein. Und diese Frage muß jeder für sich selbst beantworten.
Mich persönlich interessiert es nicht wie die Mehrheit ist. Ich habe zu allem meine Meinung, und ob die Mehrheit eine andere Meinung hat oder nicht, ist mir egal.

Herzliche Grüße

Roland

Hier entstand eine 2 Mann OT-Diskussion siehe http://aven-forum.de/viewtopic.php?t=998
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