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Asexualität und ungeselliger Persönlichkeitsstil
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Dystopie





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 17.12.2020
Beiträge: 12
BeitragVerfasst am: Do Dez 17, 2020 21:50    Titel: Asexualität und ungeselliger Persönlichkeitsstil Antworten mit Zitat

Hallo,

denkt ihr, dass ein ungeselliger ("schizoider") Persönlichkeitsstil und Asexualität zusammenhängen?

Eben dergestalt, dass Menschen mit einem einzelgängerischen bzw. schizoiden Persönlichkeitsstil häufig auch zugleich asexuell sind oder gibt es da eures Erachtens keinen Zusammenhang?

Mit schizoid meine ich nicht die Persönlichkeitsstörung, also das pathologische Extrem.
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Wildling





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 25.05.2020
Beiträge: 26
BeitragVerfasst am: Do Dez 17, 2020 22:10    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke nicht, dass das zusammenhängt, weil ich keinen logischen Grund sehe, warum das zusammenhängen sollte.

Heterosexualität geht ja auch nicht mit besonderer Geselligkeit einher. Oder Homosexualität mit einem besonderen Humor.
Wieso Persönlichkeitseigenschaften zwingend mit der sexuellen Ausrichtung zusammenhängen ... nee. Das eine ist eine "biologische Komponente", das andere zumindest zum Teil steuer- und beeinflussbar.

Also ich verstehe den Gedanken, dass jemand, der mit niemandem ins Bett will, wohl keine Leute mag. Aber vielleicht denken das auch grade die, die den Unterschied zwischen "Ich mag dich, aber ich will nicht mit dir vögeln" nicht auf die Kette kriegen.
Leute als ungesellig abzustempeln, ist einfach viel leichter, als zu akzeptieren, dass die kein Interesse an Sex haben.
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Dystopie





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 17.12.2020
Beiträge: 12
BeitragVerfasst am: Do Dez 17, 2020 22:40    Titel: Antworten mit Zitat

Wildling hat folgendes geschrieben:
Ich denke nicht, dass das zusammenhängt, weil ich keinen logischen Grund sehe, warum das zusammenhängen sollte.


Ich denke an sich auch nicht, dass es zwingend zusammenhängt, aber eine gewisse Korrelation fände ich gleichwohl nicht überraschend.

Wildling hat folgendes geschrieben:
Also ich verstehe den Gedanken, dass jemand, der mit niemandem ins Bett will, wohl keine Leute mag.


Ok, den Gedanken hätte ich jetzt gar nicht naheliegend gefunden, sondern allenfalls umgekehrt, dass jemand, der ohnehin wenig Interesse an Sozialkontakten hat auch wenig bis kein Interesse an sexuellen Kontakten hat.

Wildling hat folgendes geschrieben:
Leute als ungesellig abzustempeln, ist einfach viel leichter, als zu akzeptieren, dass die kein Interesse an Sex haben.

Klar, das gibt es. Ich meine aber hier schon explizit Menschen, die tatsächlich ungesellig sind.
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Wildling





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 25.05.2020
Beiträge: 26
BeitragVerfasst am: Do Dez 17, 2020 23:01    Titel: Antworten mit Zitat

Dystopie hat folgendes geschrieben:

Ich denke an sich auch nicht, dass es zwingend zusammenhängt, aber eine gewisse Korrelation fände ich gleichwohl nicht überraschend.


Es gibt einen Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität.

Kann schon sein, dass unter Asexuellen mehr ungesellige Leute sind. Das kann aber auch einfach daran liegen, dass denen diese sexualisierte Welt und deren Bewohner einfach zu fremd sind und sie den Kontakt deshalb eher meiden.
Wenn es mehr Leute gäb, die Beziehungen ohne irgendeine sexuelle Komponente führen könnten (d. h. auch ohne dass sich einer nachher in den anderen verliebt), wären soziale Kontakte vielleicht auch erstrebsamer.

Aber aus schlechten Erfahrungen mit sexuellen Menschen auf eine ungesellige Ader beim Asexuellen zu schließen, überspringt ein paar Gedanken, finde ich.
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Dystopie





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 17.12.2020
Beiträge: 12
BeitragVerfasst am: Do Dez 17, 2020 23:08    Titel: Antworten mit Zitat

Dass unter den Asexuellen mehr ungesellige Leute sind, denke ich nicht. Meine Frage geht dahin, ob unter den ungeselligen Leuten mehr Asexuelle sind.

Wenn man Asexuell ist, gibt es doch zig Möglichkeiten, unabhängig davon Sozialkontakte zu pflegen und Aktivitäten mit anderen nachzugehen.

Mit ungesellig meine ich auch nicht, dass man als Asexueller schlechte Erfahrungen mit Sexuellen gemacht hätte und sich deshalb sozial zurückzieht. Ich meine damit einfach Menschen, die aus sich heraus immer schon etwas einzelgängerisch veranlagt gewesen sind und daher allenfalls sporadisch gesellig drauf sind.
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Tamrin




Alter: 39
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.09.2020
Beiträge: 77
Wohnort: Thüringen
BeitragVerfasst am: Fr Dez 18, 2020 8:46    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube, es läuft auf die Frage hinaus, ob Asexualität in jedem Fall als sexuelle Orientierung angesehen werden kann, oder auch andere Ursachen vorliegen können, die ebenfalls zu einer gefühlten Asexualität führen. Ich bezweifle nicht, dass es Menschen mit asexueller Orientierung gibt, aber ich vermute, dass bei einigen auch andere eher psychologische Probleme für das Phänomen zugrunde liegen. Dass mehr Schizoide sich als asexuell sehen, würde ich nicht bezweifeln. Soweit ich weiß gibt es ja auch eine Korrelation zwischen Asexualität und Introversion. Ist auf jeden Fall eine interessante Frage, weil es, wie ich finde, die Frage aufwirft, ob der geringere Kontaktwunsch zu Menschen auch ein geringeres sexuelles Interesse an ihnen nach sich zieht. Ich persönlich kann das für mich (der ich mich jetzt auch mal als eher schizoid bezeichnen würde) nicht ausschließen.
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Du allein hast die Kraft tief in Dir.
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Inertia





Sexualität: Sexuell
Anmeldungsdatum: 07.10.2014
Beiträge: 1087
BeitragVerfasst am: Fr Dez 18, 2020 9:04    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde den Zusammenhang absolut logisch und erwartbar. Bei der schizoiden Persönlichkeitsstörung wird ein geringes oder nicht vorhandenes Interesse an sexuellen Kontakten ja als (optionales) Diagnosekriterium gelistet. Und eine schizoider Persönlichkeitsstil ist ja im Endeffekt das selbe in grün, nur eben in weniger ausgeprägt, bzw. ohne Leidensdruck, sodass man nicht von einer Störung sprechen kann oder will.

Autisten sind ja teilweise auch "asexuell", was aber natürlich noch lange nicht heißt, dass alle Autisten asexuell sind, und noch viel weniger, dass alle Asexuellen Autisten (oder eben schizoid) sind. Diesen verallgemeinernden Denkfehler darf man hier natürlich nicht machen.
Ich finde aber beide Zusammenhänge wenig überraschend. Wer warum auch immer nicht viel mit anderen Menschen anfangen kann, hat womöglich demensprechend auch kein großes Interesse an Sex. Anziehung mag teilweise da sein, aber spätestens an der Ausführung wird es dann scheitern, oder sie wird gar nicht erst gewünscht. Ist ja doch eine sehr enge Form von zwischenmenschlichem Kontakt. Also nur logisch, dass dieser Bereich zumindest teilweise auch tangiert wird.

Die Frage ist eher, ob es sinnvoll ist von Asexualität zu sprechen, wenn diese im Endeffekt nur ein Symptom einer psychischen Störung oder sowas ist. Allerdings hast du ja in dem Fall explizit nach der entsprechenden Persönlichkeitsstruktur gefragt, nicht nach der Störung. Dann muss man das vielleicht ja nicht ausschließen.
Und der Begriff der Schizoidie ist ja generell umstritten, und über die Jahre gab es diverse Definitionen davon. Ich bin kein Fan von den aktuellen. Wink
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dewayne




Alter: 32
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 29.04.2020
Beiträge: 48
BeitragVerfasst am: Fr Dez 18, 2020 17:37    Titel: Antworten mit Zitat

Inertia hat folgendes geschrieben:


Autisten sind ja teilweise auch "asexuell", was aber natürlich noch lange nicht heißt, dass alle Autisten asexuell sind, und noch viel weniger, dass alle Asexuellen Autisten (oder eben schizoid) sind. Diesen verallgemeinernden Denkfehler darf man hier natürlich nicht machen.
Ich finde aber beide Zusammenhänge wenig überraschend. Wer warum auch immer nicht viel mit anderen Menschen anfangen kann, hat womöglich demensprechend auch kein großes Interesse an Sex.


Sicherlich sind nicht alle Autisten Asexuell - aber bei vielen kommt es erst gar nicht dazu, dass sie sich sexuell "ausleben" weil bestimmte sexuelle Signale und Körpersprache, Mimik oder Gestik gar nicht erst erkannt wird. So kommt man auch gar nicht in die Situation Sex zu haben und für einen Nicht-Autisten ist es auch allgemein schwierig einen Autisten zu verstehen und umgekehrt. Da kann auch nicht immer diese Bindung entstehen und viele Dinge, die Nicht-Autisten intuitiv machen können Autisten oft nur durch jahrelanges "Training" (sich fallen lassen, sich den Menschen öffnen etc.) was beim Sex auch eine Rolle spielt. Andersherum haben Autisten dann aber auch nicht so das Interesse an Sex weil sie diese ganzen sozialen Spielchen gar nicht verstehen oder verstehen wollen - es interessiert sie auch gar nicht so sehr.
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Dystopie





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 17.12.2020
Beiträge: 12
BeitragVerfasst am: Fr Dez 18, 2020 19:24    Titel: Antworten mit Zitat

Tamrin hat folgendes geschrieben:
Ich bezweifle nicht, dass es Menschen mit asexueller Orientierung gibt, aber ich vermute, dass bei einigen auch andere eher psychologische Probleme für das Phänomen zugrunde liegen.


Davon gehe ich auch aus.


Tamrin hat folgendes geschrieben:
Dass mehr Schizoide sich als asexuell sehen, würde ich nicht bezweifeln. Soweit ich weiß gibt es ja auch eine Korrelation zwischen Asexualität und Introversion.


Von einem Zusammenhang zwischen Introversion und Asexualität wußte ich bisher nichts. Mir ist nur bekannt, dass Schizoide grundsätzlich (sehr) introvertiert sind.

Inertia hat folgendes geschrieben:
Und der Begriff der Schizoidie ist ja generell umstritten, und über die Jahre gab es diverse Definitionen davon. Ich bin kein Fan von den aktuellen. Wink


Da bin ich vielleicht nicht auf Stand. Ich kenne als "jüngste" Definition für die SPS diese hier aus dem ICD-10:

Zitat:
F60.1
Schizoide Persönlichkeitsstörung
Info:
Eine Persönlichkeitsstörung, die durch einen Rückzug von affektiven, sozialen und anderen Kontakten mit übermäßiger Vorliebe für Phantasie, einzelgängerisches Verhalten und in sich gekehrte Zurückhaltung gekennzeichnet ist. Es besteht nur ein begrenztes Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu erleben.

Exkl.:
Asperger-Syndrom (F84.5)
Schizoide Störung des Kindesalters (F84.5)
Schizophrenie (F20.-)
Schizotype Störung (F21)
Wahnhafte Störung (F22.0)


Ich verstehe da zwar nach wie vor nicht, wo da nun die Störung sein soll, liest sich für mich sehr normal, aber gut.

Ich hätte noch gedacht, dass sich ein Leidensdruck bzw. ein Problem allenfalls daraus ergeben könnte, wenn derjenige doch insgeheim größeres Interesse an Socializing und nahen Kontakten haben sollte, aber nie gelernt oder verlernt hat, wie er das anstellen soll.

Und evtl. noch, wenn man derart ungeschickt oder ignorant ist im sozialen Miteinander, dass man beruflich aneckt.

Da hätte derjenige ein bisschen ähnliche Probleme wie ein Autist.

In dieser Beschreibung wird es dagegen etwas klarer, wo die Probleme dieser Art liegen könnten (auch wenn ich das Problem dabei immer noch etwas schwierig nachzuvollziehen finde):
http://www.ipp-bochum.de/n-kop/ps-schizoide.pdf

Na ja, wie auch immer, den insofern "milderen und flexibleren" Persönlichkeitsstil finde ich hier recht treffend (wenn auch ein wenig idealisiert positiv) beschrieben:


Zitat:
Übergänge zur Normalität – schizoider Persönlichkeitsstil (nach Kuhl & Kazén)

Menschen mit einem schizoiden Persönlichkeitsstil – der einer schizoiden Persönlichkeitsstörung ähnelt, aber weniger stark ausgeprägt ist – sind einzelgängerisch und in sozialen Kontakten zurückhaltend. Sie haben eine Vorliebe für Tätigkeiten, die sie alleine ausführen können. Weiterhin sind sie gegenüber Lob und Kritik relativ gleichgültig und neigen zu einem sachlichen, nüchternen Verhalten. Viele leben als Single und arbeiten in Berufen, die sich gut allein ausüben lassen, zum Beispiel Arbeitstätigkeiten am Computer oder in Schichtarbeit. In diesen Berufen sind sie häufig erfolgreich und bekommen auch dadurch Anerkennung, dass sie – wegen ihrer fehlenden sozialen Bindungen – zeitlich und räumlich flexibel einsetzbar sind.

https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/persoenlichkeitsstoerungen/schizoide/

Inertia hat folgendes geschrieben:
Ich finde den Zusammenhang absolut logisch und erwartbar. Bei der schizoiden Persönlichkeitsstörung wird ein geringes oder nicht vorhandenes Interesse an sexuellen Kontakten ja als (optionales) Diagnosekriterium gelistet. Und eine schizoider Persönlichkeitsstil ist ja im Endeffekt das selbe in grün, nur eben in weniger ausgeprägt, bzw. ohne Leidensdruck, sodass man nicht von einer Störung sprechen kann oder will.

[...]
Ich finde aber beide Zusammenhänge wenig überraschend. Wer warum auch immer nicht viel mit anderen Menschen anfangen kann, hat womöglich demensprechend auch kein großes Interesse an Sex. Anziehung mag teilweise da sein, aber spätestens an der Ausführung wird es dann scheitern, oder sie wird gar nicht erst gewünscht. Ist ja doch eine sehr enge Form von zwischenmenschlichem Kontakt. Also nur logisch, dass dieser Bereich zumindest teilweise auch tangiert wird.


Einerseits finde ich es auch einleuchtend, dass dann erst gar kein Interesse an Sex besteht, aber andererseits könnte es ja auch anders sein. Zumindest wenn man unterstellt, dass ein gewisses Interesse an Sozialkontakten (und auch Sex) vorhanden ist, aber meistens eher aus anderen Gründen ausgeblendet wird (weil zu "aufwendig", weil zu nah etc.).

Wenn Anziehung da wäre, nur aus anderen Gründen nicht ausgelebt wird, wäre derjenige nicht asexuell, oder?

dewayne hat folgendes geschrieben:
Sicherlich sind nicht alle Autisten Asexuell - aber bei vielen kommt es erst gar nicht dazu, dass sie sich sexuell "ausleben" weil bestimmte sexuelle Signale und Körpersprache, Mimik oder Gestik gar nicht erst erkannt wird. So kommt man auch gar nicht in die Situation Sex zu haben und für einen Nicht-Autisten ist es auch allgemein schwierig einen Autisten zu verstehen und umgekehrt. Da kann auch nicht immer diese Bindung entstehen und viele Dinge, die Nicht-Autisten intuitiv machen können Autisten oft nur durch jahrelanges "Training" (sich fallen lassen, sich den Menschen öffnen etc.) was beim Sex auch eine Rolle spielt. Andersherum haben Autisten dann aber auch nicht so das Interesse an Sex weil sie diese ganzen sozialen Spielchen gar nicht verstehen oder verstehen wollen - es interessiert sie auch gar nicht so sehr.


Müsste die sexuelle Orientierung bzw. der Sexualtrieb nicht eigentlich unabhängig davon sein, ob man sozial eingebunden ist und insofern auch eher Gelegenheit zum Sex bekommt oder ob man da eher isoliert lebt?

Ganz stumpf betrachtet könnte jemand, der sozial unbeholfen ist, aber gerne Sex hätte, auch ins Bordell gehen. Also Möglichkeiten für Sex gibt es ja auch unabhängig vom sozialen Geschick und Aussehen.

Auch diverse Menschen, die gerne eine Beziehung hätten, aber nicht wissen, wie sie die Partnersuche anstellen sollen, wissen trotz ihrer fehlenden Gelegenheiten zum Eingehen einer Beziehung, dass sie eine Beziehung haben möchten.
(Siehe auch ABs).

Ich glaube das Begehren bzw. der Wunsch nach Sex hängt nicht so sehr von der sozialen Eingebundenheit und den sich daraus ergebenden Gelegenheiten ab.

Was übrigens das mit der für Sex notwendigen Nähe angeht:
Auch da gäbe es mit etwas Kreativität Möglichkeiten, wie man die Nähe beim Sex auf ein angenehmeres Maß vermindern könnte.
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Maz
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Alter: 43
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
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BeitragVerfasst am: Fr Dez 18, 2020 20:11    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:

Ich verstehe da zwar nach wie vor nicht, wo da nun die Störung sein soll, liest sich für mich sehr normal, aber gut.


Über die diagnostischen Kriterien wird das etwas klarer (sind in der online Kurzbeschreibung nicht enthalten, die Leute sollen das ICD ja auch kaufen Wink)

siehe dazu aber z.B. in der Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Schizoide_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung#Krankheitswert

Ich würde sagen, daß die Sache mit der Introversion allenfalls von außen betrachtet so erscheint. Shizoiode haben schlicht kein Interesse an der Gefühlslage anderer Personen und ggf. auch keinen Zugang zu den eigenen. Das ist etwas grundsätzlich anders als Introversion, denn Introvertierten können Gefühle sehr wichtig sein.

Im Vergleich zu einigen anderen PS würde ich die Sache mit den Beziehungen wie folgt einordnen:
Narzissten nehmen die eigene Person zu wichtig und gieren nach Anerkennung. Antisozialen sind die Bedürfnisse anderer Menschen zwar "egal" aber sie wollen sie dominieren/verletzen. Borderliner sind stark beziehungsorientiert aber wollen sich in Beziehungen über- oder unterordnen und finden daher keine Stabilität. Shizoiden sind Beziehungen und andere Menschen hingegen komplett egal und zwar im Sinne von Gleichgültigkeit.
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Inertia





Sexualität: Sexuell
Anmeldungsdatum: 07.10.2014
Beiträge: 1087
BeitragVerfasst am: Fr Dez 18, 2020 20:39    Titel: Antworten mit Zitat

Maz hat folgendes geschrieben:
Über die diagnostischen Kriterien wird das etwas klarer (sind in der online Kurzbeschreibung nicht enthalten, die Leute sollen das ICD ja auch kaufen Wink)


Zumindest so stichpunktartig findet man die schon überall, keine Ahnung ob es im ICD genauer drinsteht. Vermutlich. Wink
Jedenfalls steht da sowohl im ICD als auch im DSM die Sex-Sache offenbar mit dabei, auch wenn in Beschreibungen oft nicht näher darauf eingegangen wird (und auf die Sache mit der Anhedonie schon gar nicht, was ich dubios finde wie du ja weißt Razz)

Ob das ganze Dingens überhaupt jemals Krankheitswert hat, ist ja generell umstritten, dürfte auch bei Wikipedia stehen. Es soll ja glaub ich aus dem neuesten DSM sogar gelöscht werden (oder wurde es teils schon, irgendwie sowas), weil meistens davon ausgegangen wird, die Betroffenen würden nicht darunter leiden, was andere wiederum kritisieren, siehe Wiki. Der Begriff wurde mit der Zeit wohl mehr und mehr von einem hin- und hergerissenen Spannungsdingens zu einem reinen Einzelgänger-Dings gemacht. Und nach dieser Definition wäre ein unmittelbarer Leidensdruck ja quasi ausgeschlossen. Ab und an wird das Ganze aber auch nochmal völlig anders beschrieben, wenn auch selten.

(Und angeblich diagnostizierte Leute aus irgendwelchen entsprechenden Foren, in die ich mal reingelesen habe, lasen sich nochmal völlig anders. Viele einfach nur unfassbar arrogant und überheblich, hielten sich für etwas Besseres, weil sie ohne Menschen auskommen, und daher weniger triebgesteuert sein wollen. Quasi wie die Antisexuellen früher hier, nur auf alles zwischenmenschliche bezogen, nicht nur auf Sexualität. Wink
Andere kamen mir eher wie Autisten (Asperger) vor, mit kuriosen Spezialinteressen und sowas. Mit eingeschränkten Gefühlen, Unfähigkeit zur Freude, Fantasieren oder gar irgendeiner Zerrissenheit war da nicht viel. Also für mich sehr schwammig das Ganze.)

Dystopie hat folgendes geschrieben:
Wenn Anziehung da wäre, nur aus anderen Gründen nicht ausgelebt wird, wäre derjenige nicht asexuell, oder?


Je nach Definition und Auslegung schon, das schrammt jetzt grob an einer recht alten Debatte entlang.
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Maz
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Alter: 43
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 14295
BeitragVerfasst am: Fr Dez 18, 2020 20:43    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:

Zumindest so stichpunktartig findet man die schon überall, keine Ahnung ob es im ICD genauer drinsteht. Vermutlich.


Steht halt nicht in der online Ausgabe des ICD unter https://www.icd-code.de/icd/code/ICD-10-GM.html
Daher denken manche Leute, das wäre alles was es dazu zu sagen gibt.

Zitat:

Es soll ja glaub ich aus dem neuesten DSM sogar gelöscht werden (oder wurde es teils schon, irgendwie sowas), weil meistens davon ausgegangen wird, die Betroffenen würden nicht darunter leiden, was andere wiederum kritisieren, siehe Wiki.


Müßte ich mal schauen aber falls es gelöscht wurde/wird dann wohl allenfalls wegen nicht hinreichender Abgrenzbarkeit zu anderen Störungen. Leidensdruck ist kein notwendiges oder hinreichendes Kriterium für Störungen. Gerade bei den PS fehlt der ja meistens. Der Punkt ist eher, daß die Leute sozial völlig aus dem Rahmen fallen und das oftmals selbst nicht bemerken bzw. nicht verstehen können (im emotionalen Sinne), d.h. "Krankheitseinsicht = 0" was gerade bei den PS besonders oft zu Selbst- oder Fremdschädigung führt.

Zitat:

Viele einfach nur unfassbar arrogant und überheblich, hielten sich für etwas Besseres, weil sie ohne Menschen auskommen,


Ja das arrogante kann eine Folge der Gefühllosigkeit sein in Kombination mit der Unfähigkeit die Problematik als solche zu erkennen, die ja wie gesagt generell typisch für PS ist. Daher finde ich auch den Vergleich mit Introversion absolut nicht passend. Ich würde aber sagen der Grund für diese nach außen sichtbare oder zumindest von außen als solche erscheinenden Arroganz ist ein anderer als z.B. bei Narzissten. Die Gefühle, die für Empathie und Beziehungen notwendig wären, existieren einfach nicht, es wird also nicht "mutwillig" über die Gefühle anderer hinweggegangen.
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Inertia





Sexualität: Sexuell
Anmeldungsdatum: 07.10.2014
Beiträge: 1087
BeitragVerfasst am: Fr Dez 18, 2020 21:26    Titel: Antworten mit Zitat

Maz hat folgendes geschrieben:
Müßte ich mal schauen aber falls es gelöscht wurde/wird dann wohl allenfalls wegen nicht hinreichender Abgrenzbarkeit zu anderen Störungen.


Zumindest gab es mal die Debatte, es nicht mehr als Störung zu klassifizieren. Aber ich glaube das ist schon wieder ein paar Jahre her, kann auch wieder vom Tisch sein mittlerweile. Aber wenn ich mich recht erinnere, ging es dabei tatsächlich um den fehlenden Leidensdruck, und evtl. auch fehlende andere (direkte) negative Folgen.

Maz hat folgendes geschrieben:
Ja das arrogante kann eine Folge der Gefühllosigkeit sein in Kombination mit der Unfähigkeit die Problematik als solche zu erkennen


Hm, die waren da eher ganz bewusst stolz drauf, und hielten sich für Übermenschen reinsten Intellekts. Nicht alle, aber diese Einstellung schien mir da vielfach zu dominieren. Einen derartigen Stolz auf die eigene Diagnose habe ich vorher nur in Autistenkreisen erlebt, wo sich die Leute teilweise noch darum gebattled haben, wer seine Diagnose von der angesehendsten Stelle bekommen hat. Wink
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Dystopie





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 17.12.2020
Beiträge: 12
BeitragVerfasst am: Fr Dez 18, 2020 21:32    Titel: Antworten mit Zitat

In dem Wikipedia-Artikel steht zum Leidensdruck noch:
Zitat:
In der Regel suchen vor allem Menschen mit mäßig ausgeprägten schizoiden Zügen eine Behandlung auf. Dabei leiden die Betroffenen oft unter ihrem Unvermögen, nahe Beziehungen zu anderen herstellen und genießen zu können.


Hm okay ... . Dann existiert ein Leidensdruck wohl eher nur bei den nicht ganz so extrem schizoid gestörten Menschen.

Danke für die Erklärung @Maz.

Das Ambivalenz-Ding kenne ich aus anderen Beschreibungen und finde es eigentlich plausibel. Das würde aber voraussetzen, dass doch ein gewisses soziales Interesse vorhanden ist insgeheim, auch wenn es nicht unbedingt gezeigt wird.

Inertia hat folgendes geschrieben:
Und angeblich diagnostizierte Leute aus irgendwelchen entsprechenden Foren, in die ich mal reingelesen habe, lasen sich nochmal völlig anders. Viele einfach nur unfassbar arrogant und überheblich, hielten sich für etwas Besseres, weil sie ohne Menschen auskommen, und daher weniger triebgesteuert sein wollen.


Ich kenne ein deutschsprachiges Forum (schizoide Wesenswelten) und fand die Leute dort im Durchschnitt ausgesprochen höflich und angenehm. Insofern habe ich das recht positiv in Erinnerung. Endlich mal Menschen, die das mit der Ungeselligkeit nachvollziehen können.

Wahrscheinlich gibt es aber immer solche, die aus ihren Eigenarten irgendwelche Überlegenheiten abzuleiten versuchen. Vielleicht spielt da der Narzissmus-Level eine Rolle?
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Maz
ADMod Team



Alter: 43
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 14295
BeitragVerfasst am: Fr Dez 18, 2020 21:54    Titel: Antworten mit Zitat

Inertia hat folgendes geschrieben:

Einen derartigen Stolz auf die eigene Diagnose habe ich vorher nur in Autistenkreisen erlebt, wo sich die Leute teilweise noch darum gebattled haben, wer seine Diagnose von der angesehendsten Stelle bekommen hat.


Da gibt es ja auch einige Überschneidungen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Autismus#Nach_ICD-10
https://de.wikipedia.org/wiki/Asperger-Syndrom#Nach_DSM

Wobei ich wiederum sagen würde, dass die Ursache eine andere ist. Autisten können generell andere nicht "spiegeln" bzw. Gefühle nicht "ablesen", d.h. das Problem entsteht eher auf der Ebene der Wahrnehmung als im Gefühlsleben selbst.
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