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Wie steht ihr zu fiktiven Charakteren?
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Was haltet ihr von fiktiven Charakteren, die ihr im Kontext von Medien (Bücher, Games, TV+Film…) kennengelernt habt? Wie sehr könnt ihr euch für bestimmte Figuren begeistern?
Ggf. denke ich noch eine kurze Zeit über sie und die Geschichte nach.
35%
 35%  [ 8 ]
Ich kann wochen-/monate-/jahrelang schwärmen.
57%
 57%  [ 13 ]
Ich kann mich in sie verlieben.
4%
 4%  [ 1 ]
Ich kann eine (romantische) Beziehung mit ihnen führen.
4%
 4%  [ 1 ]
Stimmen insgesamt : 23

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Fichte
Admin auf Aven-Partner.de




Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 27.06.2012
Beiträge: 505
BeitragVerfasst am: Do Jan 07, 2021 17:49    Titel: Antworten mit Zitat

Maz hat folgendes geschrieben:
In der Informatik kann man damit aber immerhin noch die Bude wärmen
Laughing Und mit Menschen kann es vielleicht passieren, dass man heiße Ohren bekommt. Ist mir aber zum Glück noch nicht passiert, aber ich glaub, hier im Forum erwähnte Windsurfhippie, als er hier noch Mitglied war, mal, dass ihm das im Religionsunterricht passierte, als er etwas fragte. Ich hab im Grundschulalter auch immer, wenn mir jemand erzählen wollte, dass Gott die Welt erschaffen hat, gefragt: "Und wer hat Gott erschaffen?" Aber in einen unendlichen Regress kam ich noch mit niemandem, denn die haben alle geantwortet, dass Gott angeblich schon ewig existiert. Aber ich selbst glaube lieber an die Evolutionstheorie und dass Menschen einfach zufällig entstanden sind und es keinen tieferen Sinn gibt.

Passt auch zum Thema
Zitat:
Tod, Unfreiheit, Einsamkeit, Sinnlosigkeit
Ich glaub, da gibts Unterschiede zwischen Menschen. Für mich ist Unfreiheit das schlimmste. Und an 2. Stelle Einsamkeit - aber bei mir ohne Verschmelzungsbedürfnis.

Tamrin hat folgendes geschrieben:
Musst du dich da aktiv zurückhalten dir nichts auszumalen oder ist allein die Idee über das nachzudenken, was noch nicht war und damit in ungewisser Zukunft liegt, abwegig?
Weder noch. Also zurückhalten muss ich mich nicht, sondern irgendwie fehlt mir die Fähigkeit. Ich konnte aber auch z. B. als Kind fast nie an Rollenspielen teilnehmen - außer bei total einfachen Spielen wie "Kaufladen". Aber sobald es etwas fantasievolleres war, wie z. B. Ninja Turtles, bekam mein Hirn es nicht auf die Reihe. Auch heutzutage noch nicht.

Zitat:
rechts oder links vorbei
Beeindruckend kreativ! Aber ich kann verstehen, dass Witze je nach Situation störend sein können.
Aber Bud Spencer Filme mag ich ziemlich gern zur Entspannung. Auch wenn nicht jeder Witz meinen Geschmack trifft, ist meistens doch auch einiges zum Lachen für mich dabei.
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DasTenna




Alter: 37
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.10.2016
Beiträge: 1012
Wohnort: Saarland
BeitragVerfasst am: Mi Feb 10, 2021 20:07    Titel: Antworten mit Zitat

Boah, ich merke gerade beim Überfliegen der letzten Kommentare, dass ich einiges hier verpasst und einiges zum Nachholen habe. Alter Falter!
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I am normal. It´s the rest of the world that´s weird. - Ich bin normal. Der Rest der Welt ist schräg drauf. (Impulse - Bartholomew Allen II)
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https://dasnixblix.wordpress.com/
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Svalbard





Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 25.08.2018
Beiträge: 26
BeitragVerfasst am: Fr Feb 26, 2021 21:06    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, interessanter Thread. Ich überlege schon länger, ob ich meine 2 Cent dazu geben soll. Abgestimmt habe ich nicht, weil bei mir die Prämisse nicht zutrifft, dass es sich um fiktive Charaktere aus irgendwelchen Medien handeln soll. Ich habe mich gefragt, ob die fiktiven Charaktere auch selbst erdacht sein können.

Ich komme aus der Rollenspiel-Szene und habe mich über Jahre an Schreibrollenspielen beteiligt. Die waren im Star Trek Universum angesiedelt, aber es war der Normalfall, dass wir Rollenspieler unsere Spielcharaktere selbst enwickelt haben. Einen etablierten Charakter wie Spock, Picard oder Worf zu spielen oder überhaupt einen etablierten Charakter in das Rollenspiel einzubauen, kam nicht vor.

Ich habe über das gemeinsame RPG hinaus recht weitschweifige Fantasien entwickelt, in denen ich so etwas wie eine alternative Version von mir selbst in die Spielwelt eingebracht habe und mir einen Partner oder auch gleich eine ganze Familie, Kinder, Schwiegereltern etc. pp. ersonnen habe. Szenen dazu in Gedanken durchlebt habe ich über Wochen und Monate hinweg. Ich habe das aber immer als eine abgewandelte Form von Rollenspiel mit "Selbstbeteiligung" empfunden, wohingegen meine Chars im gemeinschaftlichen Rollenspiel immer von mir selbst verschieden gewesen sind. In meinen privaten Fantasien war ich es selber, die dort in der Rollenspielwelt war und gelebt und geliebt hat.

Als reale Partnerschaft, die eine Partnerschaft in der wirklichen Welt ersetzen könnte, habe ich es nie betrachtet. Eine Beziehung, an der ich emotional stark beteiligt war und die sich exklusiv über Monate halten konnte, konnte das trotzdem durchaus sein.

Ich habe mich deshalb gefragt, inwieweit Fiktophilie eine Art von Rollenspiel ist oder sein muss, wenn der fiktive Char nicht aus dem Hier und Jetzt stammt, sondern aus einer anderen Welt (z.B. Fantasy, SF) oder zwar aus der wirklichen Welt, aber aus einer anderen historischen Epoche. Dann muss man doch, um eine Beziehung mit ihm haben zu können, erst einmal irgendwie mit ihm zusammenkommen, ihn irgendwo treffen. Beamt man den fiktiven Partner ins Hier und Heute? Oder sich selbst in die Welt des Partners? In letzterem Fall wäre man dann ja eine andere Version seiner selbst, wenn man z.B. in Mittelerde eine Vorgeschichte hat, im Zuge derer man dem fiktiven Partner in seinem dortigen Leben begegnet. Das würde für mich persönlich dann unter Rollenspiel fallen. Jemanden wie z.B. Legolas ins Wuppertal des 21. Jahrhunderts zu holen, damit man einer selbst bleiben und ihn trotzdem treffen kann, würde so etwas den fiktiven Charakter nicht zerstören oder mindestens arg strapazieren? Wie läuft so etwas ab? Wo trefft ihr Fiktos eure Partner? Gibt es Fernbeziehungen zwischen den Welten, begegnet man sich im Traum?

Und gibt es auch Fiktos, die sich ihren fiktiven Partner selbst ausgedacht haben?

Das ist eine ernst gemeinte Frage, ich will hier niemanden veräppeln.

LG Svalbard
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Sandkastenzorro
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Alter: 40
Sexualität: keine Angabe
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BeitragVerfasst am: So Feb 28, 2021 13:23    Titel: Antworten mit Zitat

Svalbard hat folgendes geschrieben:
Ich habe mich deshalb gefragt, inwieweit Fiktophilie eine Art von Rollenspiel ist oder sein muss, wenn der fiktive Char nicht aus dem Hier und Jetzt stammt, sondern aus einer anderen Welt (z.B. Fantasy, SF) oder zwar aus der wirklichen Welt, aber aus einer anderen historischen Epoche.


Ich finde "Rollenspiel" als Begriff wird der Fiktophilie nicht gerecht, da es sich um etwas komplett anderes handelt. Ein Rollenspiel ist ja, wie der Name schon sagt, ein Spiel. Etwas, das an- und ausgeknipst werden kann, das man als Hobby betreibt um für eine gewisse Zeitspanne in die Rolle eines Alter Egos zu schlüpfen um dem Alltag zu entkommen. Rollenspieler spielen, aber ich hab noch nie einen kennengelernt, der fikto war, oder auch nur die "Otherworld" als der Realität ebenbürtig betrachtet hätte.

Fiktophilie ist eine romantische/sexuelle Orientierung. Die kann man nicht anknipsen oder mal eben kurz wegschieben um sich dem Ernst des Lebens zu widmen. Mit Spielen hat das null und nix zu tun.

Und davon ab... wieso wäre man eigentlich nicht man selbst, wenn man sich lediglich der Zeitepoche angleichen würde? Mal angenommen, du hast deinen Partner irgendwo in der Antike sitzen... dann hängste einfach die bedruckten T-Shirts in den Schrank, ziehst dir ne fäsche Toga und Sandalen an und ab dafür. Man lässt ja nicht sein Selbst und seine Identität und das, was einen ausmacht, mit dem Shirt im Schrank.
Ich versteh da einfach diesen Sprung nicht, dass man gleich ein anderer Mensch wäre dann.

Zitat:
Wie läuft so etwas ab? Wo trefft ihr Fiktos eure Partner? Gibt es Fernbeziehungen zwischen den Welten, begegnet man sich im Traum?


Kann ich dir sagen. Ich lebe bei meinem Freund in seiner Zeit (60er Jahre). Selbst wenn ich ihm die Frage stellen würde, ob er mitkommen wollen würde in die Zukunft, würde er wohl energisch den Kopf schütteln. Ich bin übrigens damals wie heute und hüben wie drüben immer ich.


Zitat:
Und gibt es auch Fiktos, die sich ihren fiktiven Partner selbst ausgedacht haben?


Wüsste keinen Grund, warum das nicht gehen sollte.
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Svalbard





Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 25.08.2018
Beiträge: 26
BeitragVerfasst am: So Feb 28, 2021 14:22    Titel: Antworten mit Zitat

Ok. Ich bin "nur" Rollenspieler. Wenn ich in so einer Phase war, konnte ich mein innerliches Engagement in der anderen Welt zwar auch nicht eben mal so ein- und ausknipsen. Aber einen echten Realitätswert beigemessen habe ich ihm trotzdem nicht.

Klar, Klamotten kann man wechseln und die eigene Seele, das Wesen, der Mensch, der man ist, ist auch zum Mitnehmen. Mit der anderen Version seiner selbst meine ich die Vorgeschichte, die Eltern, bestimmte kulturelle Prägungen, die man aus der realen Welt hat. Das ist ja auch ein Teil von einem, ob man will oder nicht.

Die 60er Jahre sind ja nicht so weit weg. Anhand der Antike ist es einfacher zu beschreiben. Wäre ich bei meinem Partner in der Antike, könnten meine Eltern hier nicht auch meine Eltern dort sein. Komme ich für den alten Römer oder Griechen aus seiner Welt, oder bin ich eine Zeitreisende aus einer anderen Welt? Weiß er, dass ich Auto fahren kann und ein Handy habe und was das für Gegenstände sind? Erzähle ich ihm, dass Menschen auf dem Mond gelandet sind? Dass es in dem Land, wo ich herkomme, keine Sklaven mehr gibt und Frauen das Wahlrecht haben? Wenn das alles nicht so ist und ich "dort" andere Eltern habe, selbst Tochter einer römischen Familie bin und in Rom oder in einer Kolonie geboren bin, aufgewachsen bin und nur diese Welt kenne, dann bin ich eine andere Version meiner selbst. Auch wenn ich dieselbe Seele, dasselbe Wesen habe, wie immer man es nennt. Und eine Toga und Sandalen trage.
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Sandkastenzorro
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Alter: 40
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
Beiträge: 3624
Wohnort: Fairvale
BeitragVerfasst am: So Feb 28, 2021 16:30    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wäre ich bei meinem Partner in der Antike, könnten meine Eltern hier nicht auch meine Eltern dort sein. Komme ich für den alten Römer oder Griechen aus seiner Welt, oder bin ich eine Zeitreisende aus einer anderen Welt? Weiß er, dass ich Auto fahren kann und ein Handy habe und was das für Gegenstände sind?


Liegt doch in deinem eigenen Ermessen. Und deshalb sag ich ja: Fiktophilie ungleich Rollenspiel. Fiktophilie gibt einem kein universelles Regelbuch und n vorgefertigtes Charakterblatt in die Hand - sie definiert lediglich deine romantische Ausrichtung auf fiktive Leute, so wie die Heteroromantik deine Ausrichtung aufs andere Geschlecht definiert. Was du in deinem Kopf dann damit anstellst und wie du das handhabst, legst du selber fest.

Mein Freund weiss, dass ich aus der Zukunft komme. Das hab ich ihm erzählt und er findet das lustig und gruselig zugleich. Lustig, weil er nie gedacht hätte, dass er mal nen Zeitreisenden trifft und gruselig, weil er sich nix schlimmeres und furchterregenderes vorstellen kann, als die Zukunft. Aber ja, das sind "nur" die 60er. Würde man im Mittelalter jemandem erzählen, man kommt aus der Zukunft, landet man sicher aufm nächsten Scheiterhaufen. Mit ein Grund, warum ich noch nie den Urge empfunden habe, ins Mittelalter zu reisen. Da kann man auch Urlaub aufm Baustellendixiklo in Nordkorea machen.
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Tamrin




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Sexualität: Asexuell
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BeitragVerfasst am: So Feb 28, 2021 17:18    Titel: Antworten mit Zitat

Svalbard hat folgendes geschrieben:
Ich habe mich gefragt, ob die fiktiven Charaktere auch selbst erdacht sein können.

Da muss ich echt nochmal überlegen, warum ich die Frage auf bereits vorhandene bzw. von außen vorgegebene Charaktere beschränken wollte. Ich glaube es lag daran, dass ich es vergleichbar zu realen Menschen halten wollte, die man ja auch visuell wahrnehmen und ihren Charakter kennenlernen kann, und weder den noch ihr äußeres Erscheinungsbild wesentlich verändern kann. Einen „selbsterdachten“ Charakter kann ich ja nach meinen Vorlieben formen und dann würde ich mich nicht wundern, wenn ich mich nicht auch für diesen Traumtypen begeistern könnte. Macht der Gedankengang Sinn?

Svalbard hat folgendes geschrieben:
Ich habe über das gemeinsame RPG hinaus recht weitschweifige Fantasien entwickelt, in denen ich so etwas wie eine alternative Version von mir selbst in die Spielwelt eingebracht habe und mir einen Partner oder auch gleich eine ganze Familie, Kinder, Schwiegereltern etc. pp. ersonnen habe.

Äußerst faszinierend. Ist das mit der Zeit von allein so gekommen, oder hast du das konstruiert? Für mich wäre es sehr anstrengend, mir eigene Charaktere zu erfinden, aus unendlichen Möglichkeiten die optimale Wahl treffen zu müssen, wäre eine Qual. Vielleicht habe ich deshalb auch nie Zugang zu RGPs gefunden.

Svalbard hat folgendes geschrieben:
Ich habe mich deshalb gefragt, inwieweit Fiktophilie eine Art von Rollenspiel ist oder sein muss, wenn der fiktive Char nicht aus dem Hier und Jetzt stammt, sondern aus einer anderen Welt (z.B. Fantasy, SF) oder zwar aus der wirklichen Welt, aber aus einer anderen historischen Epoche.

Erst hatte ich gedacht, du beziehst das auf den fikt. Char., den man ja – sofern man ihn nicht als vom eigenen Ich losgelöst betrachtet – auch quasi als Rolle spielt, und sei es nur unbewusst. Wobei „spielen“ hier tatsächlich unpassend klingt, weil es ja weit mehr ist. Aber eine Rolle (die nicht das wahre Selbst ist) spielen kann man ja auch im RL; manche überangepassten Menschen machen das ihr halbes Leben lang ohne es zu merken. Ich würde den Begriff Rollenspiel hier also eher in dieser Richtung auslegen.

Aber ich nehme an, du meinst, dass man selbst in einem solchen Szenario eine Rolle spielt, die von dem Menschen, der man im RL ist, abweicht (eben wie du im letzten Beitrag schriebst, weil dieses Ich ja in einer anderen Umgebung bzw. gar mit anderen Eltern aufgewachsen ist). Interessanter Gedanke. Meine Freundin hatte sich damals auch ein Alter Ego erschaffen, mit dem sie mit ihren Figuren interagiert hat, das war natürlich angepasst und hatte höchstens noch ihren Charakter. Ich selbst hatte nie das Bedürfnis mich als Person oder Avatar in die Welt meiner Lieblingsfiguren reinzudenken, das hätte ich mich auch nie getraut (Minderwertigkeitskomplex lässt grüßen). Andersrum hatte ich aber tatsächlich ab und an Ideen einen fikt. Char ins Hier und Heute zu beamen, aber das war dann schon ganz bewusstes „sich Geschichten ausdenken“.

Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:
Und deshalb sag ich ja: Fiktophilie ungleich Rollenspiel.

Aber man kann die Fiktophilie zum Rollenspiel nutzen (wenn man den Begriff etwas weiter auslegt), oder? Man könnte ja vorgeben jemand anderes zu sein und so beispielsweise dem Scheiterhaufen entkommen (bis jemand die Wahrheit herausfindet). Aber es wäre vermutlich, wie im wahren Leben, sehr anstrengend, dauerhaft eine Lüge zu leben. Wobei, wenn man nur fest genug daran glaubt, also überzeugt davon ist, kann ja auch jede Lüge zur eigenen Wahrheit werden, auf rein geistiger Ebene (auf der man ja mit den fikt. Char. interagiert) eigentlich noch leichter… am Kopf kratzen

@SKZ: noch eine neugierige Frage (nur aus purem Interesse; kein Angriff)
Wäre für dich ein zwingendes Kriterium für Fiktophilie, dass die fiktive Welt als mindestens ebenbürtig zu der realen angesehen wird?
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Sandkastenzorro
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Sexualität: keine Angabe
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BeitragVerfasst am: So Feb 28, 2021 18:39    Titel: Antworten mit Zitat

Tamrin hat folgendes geschrieben:
Aber man kann die Fiktophilie zum Rollenspiel nutzen (wenn man den Begriff etwas weiter auslegt), oder?


Ich sehe den Zusammenhang nicht. Ein Rollenspiel kann jeder nutzen, der über ein Mindestmaß an Phantasie verfügt und selbst wenn man keine solche besitzt, hat man ja immer noch Würfel, die einem das abnehmen. Rollenspiele sind eben Spiele . Würfel. Charakterblätter. N Gamemaster. Ne vorgefertigte Rahmenhandlung. Ich weiss nicht, was das mit Fiktophilie zu tun haben soll. Das sind doch... aus völlig unterschiedlichen Ecken kommende Motivationen.

Und wenn ich mein eigenes bisheriges Leben so im Schnelldurchlauf mal anschaue... Ich hatte nie das Bedürfnis, jemand anderen zu "spielen", nur weil ich es in der fiktiven Welt leichter "könnte." Wie soll aus sowas auch je etwas Echtes und Wahrhaftiges wachsen, insbesondere dann, wenn man doch dort ist, weil man jemanden liebt und den auch n paar Meter behalten möchte. Das sind ja auch völlig verkehrte Grundvoraussetzungen dann, um jemandem zu begegnen. Aus mir wird kein mittelalterlicher Kleriker, nur weil ich ne Robe anzieh und auf Latein Bibelverse rülpse. Ich mein, selbst wenn man seine Existenz in die Garage verlegt, wird man noch lange nicht zum Auto. Und es zu spielen, ist und bleibt eben immer nur das: Ein Spiel. Ne Rolle. Ne Lüge. Hüben wie drüben.

Zitat:
Wäre für dich ein zwingendes Kriterium für Fiktophilie, dass die fiktive Welt als mindestens ebenbürtig zu der realen angesehen wird?


Ja, natürlich. Denn wenn ich sie nicht als ebenbürtig empfinden täte, dann wäre sie und meine Gefühle und meine Beziehung und mein Partner und mein ganzes drübiges Leben ja weniger wert, als das Leben, das ich hier führe. Und das ist einfach nicht so. Und ganz ehrlich, das wäre auch schon arg... krass, würde ich meinen Partner nur aufgrund seiner fiktiven Natur als wertloser ansehen, als nen realen Menschen. Und davon ab... ich wüsste auch nicht, warum man das gegeneinander aufwiegen muss. Es gibt eben Steckdosen in meiner Seele, da passen keine realen Stecker rein, sondern nur fiktive. Und es gibt solche, da passt ein fiktiver Stecker halt nicht. Den Sinn und Zweck davon, das eine mit Gewalt ins andere reinzuprügeln oder wahlweise eine Dose leer zu lassen, weil man ja [Prioritäten setzen muss] - verstehe ich nicht.
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Tamrin




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Sexualität: Asexuell
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Beiträge: 77
Wohnort: Thüringen
BeitragVerfasst am: So Feb 28, 2021 19:24    Titel: Antworten mit Zitat

Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:
Ein Rollenspiel kann jeder nutzen, der über ein Mindestmaß an Phantasie verfügt und selbst wenn man keine solche besitzt, hat man ja immer noch Würfel, die einem das abnehmen. Rollenspiele sind eben Spiele . Würfel. Charakterblätter. N Gamemaster. Ne vorgefertigte Rahmenhandlung. Ich weiss nicht, was das mit Fiktophilie zu tun haben soll.

Ich meinte es sozusagen im übertragenen Sinne, nicht wort-wörtlich das Rollenspiel bei welchem man mit anderen an einem Tisch oder wo auch immer sitzt. Sorry, hätte mich klarer ausdrücken sollen, liegt daran, dass ich mit klassischen Rollenspielen noch nie Berührungspunkte hatte und ich Rollenspiele immer eher im psychologischen Sinne mit dem Einnehmen anderer Rollen/Perspektiven (durch sich in einen anderen Menschen hineinversetzen) verbinde. Aber in deinem zweiten Absatz gibst du die Antworten, die mich interessiert hatten (und was ich mir auch schon so gedacht hätte).
Dann kann man als fiktophiler Mensch ja eigentlich nur hoffen, dass man sich nicht in einen Charakter verliebt, der aus einer komplizierten/abgefahrenen/weit in der Vergangenheit liegenden Welt kommt, sonst gibt es bei der Verbindung, sofern in seiner Welt stattfindend, ja nur Probleme… ok, oder positiv gesehen, ist es dann besonders spannend.

Und danke für deinen letzten Absatz und den sehr anschaulichen Vergleich. Laughing
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Svalbard





Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 25.08.2018
Beiträge: 26
BeitragVerfasst am: So Feb 28, 2021 20:14    Titel: Antworten mit Zitat

(Am Handy kriege ich gerade keine Zitate hin.)

@Tamrin, ja, ein Alter Ego habe ich gemeint. Eine an die andere Welt angepasste Version seiner selbst. Die aber in ihrem inneren Wesen mit dem realen Selbst übereinstimmt.

@SKZ, das, was man mit seinem Alter Ego empfindet, als Lüge zu betrachten, erscheint mir zu hart. Es ist eher ein sehr ausgefeiltes Was-wäre-wenn. Für mich ein Spiel, ja, das ich unter anderem deswegen gespielt habe, um Anteile von mir zu spüren und zu erkunden, die in der realen Welt keinen rechten Platz finden konnten. Sind Emotionen automatisch unecht, weil sie sich auf ein Was-wäre-wenn beziehen? Ich glaube nicht. Es war nur manchmal schwer zu erkennen, inwieweit sie mir gehören oder dem Alter Ego. Als echt empfunden, im Inneren gespürt habe ich sie immer.

@Tamrin, als Rollenspieler hat man ja Char-Entwicklung quasi als Hobby und viele nehmen das auch sehr ernst. Mir ging es nie darum, einen Traumprinzen zu designen, jemand der in allem so ist, wie es für mich perfekt wäre. So etwas finde ich fürchterlich fad. Natürlich musste der andere, der rein fiktive Char irgendeinen Reiz für mich haben. Aber auch realistisch musste er sein und sich anfühlen, und das ginge nicht, wäre er perfekt. Ich wollte mich ja an ihm auch ein bisschen abarbeiten, auf Schwierigkeiten stoßen, eine Beziehung mit Höhen und Tiefen haben, an Grenzen stoßen, all das. Das hat jetzt zwar mit Fiktophilie nicht mehr viel zu tun, sind aber halt meine Erfahrungen.

Danke @SKZ für die Einblicke.
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Sandkastenzorro
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Alter: 40
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
Beiträge: 3624
Wohnort: Fairvale
BeitragVerfasst am: Mo März 01, 2021 2:35    Titel: Antworten mit Zitat

@Svalbard

Ich rede nicht von unechten Gefühlen in DIR. Ich rede von einer Lüge, wenn du als irgendein Alter Ego jemanden kennenlernst und der somit von Anfang mit völlig falschen Tatsachen konfrontiert wird, weil er nur das sieht, was du ihn sehen lässt. Derjenige lernt halt nicht DICH kennen. Gilt im realen Leben doch auch. Wenn ich hingehe und jemandem absichtlich erzähle, ich wäre Königin von Saba, selbst wenn ich mir dieses Alter Ego für mich so ausgesucht hab, weil ich mich damit identifziere, dann ist das eine Lüge. Und wäre ich dann der/die Belogene, wärs das für mich gewesen mit dem Kennenlernen - völlig egal, ob "Königin von Sabas" Gefühle für mich echt waren.

Aber daran sieht man halt, dass (Rollen)Spiel und Fiktophilie zwei völlig verschiedene Paar Schuhe sind, die nix miteinander zu tun haben.
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Wildling





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 25.05.2020
Beiträge: 27
BeitragVerfasst am: Mo März 01, 2021 20:41    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke, so eine Herangehensweise bedeutet immer auch, dass das Gegenüber aufs Fiktivsein begrenzt wird. Wieso ein schlechtes Gewissen haben, jemanden anzulügen, den es eh nicht gibt? Der keine echten Gefühle hat, weil ich mir die eh nur für ihn ausdenke?
Wer nicht in einer fiktiven Beziehung lebt - wortwörtlich -, der geht da vielleicht mit einem anderen Ernst dran als jemand, der einen fiktiven Partner hat, den er wirklich liebt und ernst nimmt und respektiert. Fiktion ist halt schnell eine Entschuldigung für das unmöglichste Verhalten.

Und die Gedanken sind ja frei. In meinem Kopf kann ich sein, wer ich will und tun, was ich will. Ungeachtet jeder Gesetze oder Moral oder Ethik. Im Kopf brauche ich keine Wertvorstellungen. Da bin ich nicht zur Ehrlichkeit oder Aufrichtigkeit "verpflichtet".
Aber dieser gedankliche Spielplatz ist halt auch nicht der Nährboden einer ernstzunehmenden, fiktiven Beziehung. Das sind für mich Äpfel und Birnen, ungeachtet dessen, wie man das nun nennt.
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