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Wie steht ihr zu fiktiven Charakteren?
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Was haltet ihr von fiktiven Charakteren, die ihr im Kontext von Medien (Bücher, Games, TV+Film…) kennengelernt habt? Wie sehr könnt ihr euch für bestimmte Figuren begeistern?
Ggf. denke ich noch eine kurze Zeit über sie und die Geschichte nach.
35%
 35%  [ 8 ]
Ich kann wochen-/monate-/jahrelang schwärmen.
57%
 57%  [ 13 ]
Ich kann mich in sie verlieben.
4%
 4%  [ 1 ]
Ich kann eine (romantische) Beziehung mit ihnen führen.
4%
 4%  [ 1 ]
Stimmen insgesamt : 23

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Sandkastenzorro
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Alter: 40
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
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BeitragVerfasst am: Mi Dez 23, 2020 14:08    Titel: Antworten mit Zitat

Tamrin hat folgendes geschrieben:
Auf dem Papier gebunden ist nicht gleich bedeutend mit emotional gebunden [...] entweder Karriere zu machen (wofür ich gar nicht der Typ bin) oder mit ihm eine Familie zu gründen, wählte ich (natürlich nicht unbeeinflusst von den gesellschaftlichen Erwartungen) letztere Variante.


Ich glaube, da fehlt mir dann das Stück, sowas nachvollziehen zu können. Ich kann nicht verstehen, wie man es guten Gewissens mit sich vereinbaren kann, jemanden absichtlich im Glauben zu lassen, man empfinde das selbe für ihn, wie er für einen selbst - insbesondere, wenn man bewusst auf dem Schirm hat, dass es gelogen ist und auch nie "wahr" werden wird. Ich glaube, das würde mir so gehörig gegen meine eigene Moral bollern, dass ich keine Nacht mehr ruhig schlafen könnte.

Aber das gilt natürlich nur für mich und mein Empfinden ist nicht allgemeingültig. Das nur als Disclaimer.

Hast du deinem Mann denn je gesagt, dass du für ihn nix empfindest? Weiss er, dass da ein sehr steiles Gefühlsgefälle in eurer Beziehung existiert?

Zitat:
Anderswo hatte ich auch schon mal gelesen, dass ihr zusammen geputzt habt. Ist er denn ein sehr reinlicher Mensch (es ist doch ein Mensch)? Und er wünscht sich unsichtbar zu sein weil er ein Sozialphobiker ist...da fühle ich mit ihm. Bist du dann der einzige Kontakt, den er zulässt? Hast du ein Bestreben ihm zu helfen oder hat sich das schon als nicht möglich herausgestellt?


Ja, er ist ein Mensch und ... manchmal sogar zwei ^^. Reinlich... ja, würd ich schon sagen. Also, er putzt definitiv öfter, als es nötig wäre, aber das gehört einfach zu seinen Schrullen. Der einzige Kontakt, den er zulässt... nein, würde ich nicht sagen. Das ist aber auch schwer zu erklären. Er hat generell sone Tendenz, sich sozial zu isolieren, aber das bedeutet nicht, dass er andere Leute generell und explizit ausschließt. Mit den meisten Menschen kann er einfach nur nix anfangen (und die mit ihm auch nicht) und tritt deshalb nie von sich aus in Interaktion mit Anderen. Seine Grundannahme ist eben "Die finden mich alle doof" (was tatsächlich auch oft der Wahrheit entspricht) und danach handelt er per default. Aber ich denk nicht, dass ihm das jetzt aktiv schaden würde. Er kennt es nicht anders.
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Tamrin




Alter: 39
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.09.2020
Beiträge: 77
Wohnort: Thüringen
BeitragVerfasst am: Do Dez 24, 2020 12:54    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann verstehen, dass sich die Situation für jemanden, der das Gefühl von tiefer Liebe und nur meine Position kennt, so darstellt. Ich könnte es auch nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, meinen Mann anzulügen bzgl. meiner Gefühle. Deshalb hat er von mir auch noch nie die drei berühmten Worte gehört. Wenn er sie früher zu mir gesagt hat, habe ich immer geantwortet: „Ich hab dich lieb.“ (was ich auch tue). Ich habe ihm zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass ich mehr für ihn empfinde als das. Was er selbst glaubt kann ich mir zwar denken, aber wozu sollte ich ihm auf die Nase binden, dass ich ihn nicht liebe und ihn damit verletzen? Dazu sei vielleicht gesagt, dass wir beide sehr harmoniebedürftig sind (wir haben uns noch nie richtig gestritten, was eigentlich nicht gut ist, aber unserem Naturell entspricht) und vom Typ Mensch, der lange an einer Beziehung festhält.

Mein Mann hatte vor mir auch nur eine Freundin (die auch meine Freundin war) und die wollte, als sie ihn näher kennengelernt hat, nichts mehr mit ihm zu tun haben, da er doch zu viele schlechte Eigenschaften aufwies (Faulheit, Unordentlichkeit, Vergesslichkeit bzgl. wichtiger Dinge, Unpünktlichkeit, hat dauernd anderen Frauen hinterhergeguckt…). Er hatte zuvor sehr oft vergeblich versucht an eine Frau zu kommen, wurde aber immer nur als der nette, empathische Typ angesehen, mit dem man nichts Romantisches anfängt. Daher hängte er sich dann auch so an mich, da ich ihn nicht sofort abblitzen ließ (zumal ich auch sehr spät gemerkt hatte, dass er romantische Interessen im Sinn hatte). So bin ich in die Beziehung geschlittert, habe dann immer halbherzig versucht ihm zu verdeutlichen, dass ich keine solche will, aber er blieb hartnäckig. Sogar drei Jahre Fernbeziehung (mit Treff alle 14 Tage) hat er durchgehalten.

Ich glaube auch nicht, dass er Grund hätte sich über mich zu beschweren. Dass ich nie Sex anfange und auch sonst weder kuschelig bin noch in der Öffentlichkeit Händchen halten mag, wusste er von Anfang an. Ich bin nun mal überhaupt nicht romantisch. Dafür mache ich fast alles im Haushalt (wobei er sich da über die Jahre schon gebessert hat), lasse ihn am WE ausschlafen (während ich mich ab 7 um die Kids kümmere und er dafür abends noch 5h Freizeit hat, die ich nicht habe) und über Treue braucht er sich bei mir auch keine Gedanken machen. Andersrum hatte er sich schon mal anderweitig verliebt (allerdings „unglücklich“) und ich rechne auch damit, dass unsere Beziehung irgendwann mal aus einem solchen Grund ein Ende findet. Denn anders als ich, kann er sich problemlos in andere verlieben. Aber solange er mit mir glücklich ist und ich denke schon, dass er das ist (einfach weil er auch nicht gerade ein selbstreflektierter Typ ist und über vieles nicht so intensiv nachdenkt), passiert das vermutlich nicht.

Ich denke, wir hätten es beide besser treffen können, aber da wir beide wissen, was wir aneinander haben, sind wir zufrieden mit unserem Leben (er vielleicht sogar noch mehr als ich). Wenn wir nicht so glücklich über unsere Kinder wären, sähe die Sache vermutlich anders aus.


Zuletzt bearbeitet von Tamrin am Fr Dez 25, 2020 12:57, insgesamt einmal bearbeitet
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Fichte
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Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 27.06.2012
Beiträge: 505
BeitragVerfasst am: Do Dez 24, 2020 19:58    Titel: Antworten mit Zitat

Ich würde auch sagen, es kommt auf die Bedürfnisse an, die jemand hat. Ich hab z. B. schon von Fällen gehört, wo ein hässlicher Mann keine hässliche Frau wollte, sondern eine schöne, und es ihm egal war, ob diese Schöne ihn hässlich fand. Oder auch vom umgekehrten Fall hab ich schon gehört, dass z. B. eine objektiv schöne Frau, aber mit schlechtem Selbstwertgefühl, sich absichtlich einen hässlichen Mann suchte, weil sie sich schönen Männern gegenüber zu schlecht fühlte. Oder, oder, ... - da könnte ich wirklich noch viele andere Beispiele bringen, bin aber zu faul.
Und ich selbst würde zwar eine Beziehung mit wechselseitiger wahrer Liebe bevorzugen, aber ich denke, dass ich mich notfalls vielleicht auch auf eine Zweckbeziehung einlassen könnte. Zweckkontakte hatte ich jedenfalls schon - also Kontakte ohne Gefühle füreinander, aber mit einem gemeinsamen Hobby.

Tamrin hat folgendes geschrieben:
Bist du denn generell ein misstrauischer Mensch?
Ich glaub, "misstrauisch" trifft es nicht ganz. Also ich kann sowohl aus Beobachtung anderer Menschen als auch aus selbst gemachter Erfahrung her sagen, dass man sich irren kann - und zwar egal, ob es z. B. um die Frage geht, ob die Erde eine Scheibe ist, oder um die Frage, ob man mit Person xy eine gute Beziehung führen könnte. Mr. Green Aber die Möglichkeit, dass man richtig liegt, gibt es natürlich auch.
Wenn ich jemanden kennenlerne und wenn sich der Kontakt gut für mich anfühlt, dann probier ich halt einfach aus, was sich ergibt. Falls es schief geht, finde ich es jedenfalls nicht schlimm.

Tamrin hat folgendes geschrieben:
Mich würde noch interessieren, wie du (als jemand der nicht intensiv schwärmt) zu Maz‘ eingebrachtem Punkt stehst bzw. ob das auf dich zutrifft oder nicht.
Maz hat folgendes geschrieben:
um zu schwärmen muss es ja doch eine Art von Gegenüber geben, dem man auch ein gewisses Maß an realer Existenz zuspricht.
Also meine "Einzelteil"-Schwärmereien funktionieren auch völlig fiktiv. Ich hatte mir z. B. in meiner Jugend ein Tomb-Raider-Mauspad gekauft, weil ich so cool fand, dass Lara Croft rückenschwimmend schießen kann. Aber ihr hässliches, geschminktes Gesicht hab ich immer ignoriert. Und ihre riesigen Brüste waren mir egal bzw. ich hab gedacht, vielleicht dienen die als Treibhilfe und erleichtern das Schwimmen. Laughing Also irgendwie "anhimmeln" kann ich fiktive Figuren, aber dabei hab ich keinerlei eigenes Interesse an einer realen Beziehung zu der Figur.
Aber im Hinblick auf Beziehungsbedürfnisse bin ich eh speziell und kann mir im Voraus keine Beziehung vorstellen. Ich hatte z. B. mal zufällig Kontakt zu einer echten Soldatin, die ich anders als Lara Croft sogar optisch attraktiv fand, aber beim Thema "Beziehung" war ich trotzdem gleichgültig. Also meine Meinung ist immer: Falls sich eine gute Beziehung zwischen xy und mir ergeben sollte, dann ja, okay, aber falls sich nichts ergibt, dann auch okay. Im Voraus weiß ich halt nichts, sondern ich "hangel" mich einfach von Moment zu Moment.
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Arpad4




Alter: 41
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BeitragVerfasst am: Fr Dez 25, 2020 10:35    Titel: Antworten mit Zitat

Tamrin es ist schon interessant wie Deine Ehe so überlebt. Laughing

Ich denke, dass Du und Dein Mann so wie "beste" Freunde seid, die sich entschieden haben zusammen zu bleiben. Es ist ja schon erstaunlich, dass er bei dir bleibt, obwohl er sich mehr Romantik wünscht. Liebe ist etwas jenseits von Sexualität, Gefühle und Romantik.

Lass ihn ruhig nach anderen Frauen gucken. Bei manchen Sexuelle ist das "normal". Er weiß wo sein Herz zu Hause ist. Deshalb bleibt er bei Dir.

Du bist relativ optimistisch. Ich denke dass Humor der Grund ist, der Eure Ehe auf einen hohe Level hält. Smile
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Viele finden 100 Fehler an mir, in mir, um mich herum. Und wie viele hast Du? Sollen wir anfangen zu zählen?
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Tamrin




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BeitragVerfasst am: Fr Dez 25, 2020 13:47    Titel: Antworten mit Zitat

Arpad4 hat folgendes geschrieben:
Lass ihn ruhig nach anderen Frauen gucken. Bei manchen Sexuellen ist das "normal".

Das denke ich auch. Meine Freundin damals war der Überzeugung, dass er das absichtlich macht und er ja niemandem anders hinterhergucken müsste, wenn er sie wirklich lieben würde. Ich denke, das läuft automatisch ab, ohne dass ihm das immer bewusst ist. Ich finde es ehrlich gesagt ganz amüsant. Da brauchen im Sommer nur ein paar Mädels vorbeizulaufen und schon geht der Blick hinterher. So berechenbar. Laughing

Arpad4 hat folgendes geschrieben:
Du bist relativ optimistisch. Ich denke dass Humor der Grund ist, der Eure Ehe auf einen hohe Level hält. Smile

Ich weiß nicht, eigentlich bin ich kein sehr humorvoller Mensch, es sei denn die Rede ist von schwarzem Humor, den mag ich. Mein Mann ist da schon lustiger drauf, jedoch ist sein Humor so absolut nicht meiner (z.B. jedes gesagte Wort wortwörtlich nehmen und draus einen Witz machen), aber die kleinen Kinder finden es lustig. Was uns verbindet ist unser Optimismus, unsere Fähigkeit immer die positive Seite zu sehen, unsere Freude an den schönen Momenten des Lebens, für die wir uns tagtäglich begeistern können, und unsere tiefe Dankbarkeit dafür.
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Arpad4




Alter: 41
Sexualität: Asexuell
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BeitragVerfasst am: Fr Dez 25, 2020 16:47    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Da brauchen im Sommer nur ein paar Mädels vorbeizulaufen und schon geht der Blick hinterher. So berechenbar.


Wenn er das macht, sag ihm doch "Wuff mach Platz", oder "bei Fuss". Mr. Green

Vielleicht versteht er den Spaß. (Immer dran erinnern wo das Zuhause ist) Laughing
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Callas of the Wind




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BeitragVerfasst am: Fr Dez 25, 2020 18:05    Titel: Antworten mit Zitat

Arpad4 hat folgendes geschrieben:
Vielleicht versteht er den Spaß. (Immer dran erinnern wo das Zuhause ist) Laughing


Ich denke wenn man seinen Partner daran erinnern muss, stimmt was nicht. Ich hätte darauf keine Lust.

Ich fänds auch nicht gut wenn mein Partner jemanden hinterher schaut. Ich habe kein Interesse daran. Warum auch? Wenn ich ein Partner habe sind alle anderen Menschen für mich eher Freunde oder können es werden aber die Besetzung Partner ist schon vergeben und da rührt sich bei mir auch nichts bei anderen Menschen. Wenn das so wäre stimmt was nicht und ich sollte mich fragen ob ich mit meinem Partner noch zusammen sein möchte oder ob mir was fehlt. Für mich ist das keine Liebe. Wenn ich jemanden Liebe dann habe ich mein Herz verschenkt und kann es niemand anderen geben und interessiere mich auch nicht für andere auf dieser Ebene.

Man kann ja jemanden hübsch finden oder schön gekleidet oder so etwas und schauen aber das empfinde ich anders als jemanden hinterherzuschauen und das kann ich auch unterscheiden.
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Wildling





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 25.05.2020
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BeitragVerfasst am: Fr Dez 25, 2020 20:23    Titel: Antworten mit Zitat

Nu, geb ich also auch mal meinen Senf dazu ... hilft vielleicht, von seltsamen Ehe-Konstrukten und Eifersuchts-Dramen wieder zum eigentlichen Thema zurückzukommen: der Begeisterung für fiktive Charaktere Very Happy

In der Umfrage angeklickt habe ich "Ich kann wochen-/monate-/jahrelang schwärmen", wobei es sich meistens um Jahre handelt. Wenn mich also eine fiktive Figur begeistert, dann meistens für immer bzw. für sehr lange Zeit. Also ich wüsste spontan keine einzige Figur, für die ich mal total Feuer und Flamme war, die mich heute gar nicht mehr interessiert. (Andererseits ist das bei realen Menschen auch nicht anders ...)

Es ist aber nicht so, dass diese Figuren anschließend in meinem Kopf "leben". Möglich wäre das vielleicht, wenn ich das zuließe, aber ich traue meinem eigenen Kopf bei zu viel Eigenständigkeit nicht über den Weg, als dass ich den Hund wirklich von der Leine lassen würde.

Dabei hab ich aber keine Angst davor, schizophren zu werden oder den Verstand zu verlieren oder Realität und Phantasie nicht mehr auseinanderhalten zu können oder was hier noch an ... Argumenten gegen (eine zu eigenständige) Fiktion genannt wurde. Weil ich finde, das eine ist Fiktion, Phantasie, Freiheit im Kopf - und das andere ist pathologisch, krank also. Ist für mich ein riesiger Unterschied.

Ob Fiktion die eigenen Bedürfnisse erfüllen kann, ist, glaube ich, von Person zu Person unterschiedlich und abhängig von den Bedürfnissen und deren Intensität.
Was ich erlebt habe und was wohl auch jeder kennt, der schonmal ob einem Film oder Buch oder Lied geheult hat, ist, dass Fiktion krasse Gefühle hervorrufen kann. Manchmal sogar heftiger und intensiver als die Realität das könnte. Und deshalb tu ich mich mit dem Unterschied zwischen Realität und Phantasie manchmal etwas schwer. Also, ja, es gibt einen und ja, ich erkenne den - aber wieso der so wichtig ist oder gemacht, wird mir nicht ganz klar.
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Sandkastenzorro
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Alter: 40
Sexualität: keine Angabe
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Wohnort: Fairvale
BeitragVerfasst am: Fr Dez 25, 2020 20:50    Titel: Antworten mit Zitat

Wildling hat folgendes geschrieben:
Was ich erlebt habe und was wohl auch jeder kennt, der schonmal ob einem Film oder Buch oder Lied geheult hat, ist, dass Fiktion krasse Gefühle hervorrufen kann.


Mein Wunderknabe heult auch manchmal bei nem Buch*. Da er fiktiv ist, ist das dann sowas wie ne Matroschka! Oder die Reflexion einer Reflexion einer Reflexion einer ...

Jeezus, soviel Philosophie macht mich schier trunken!


*das letzte mal bei Christiane F. Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Aber nicht, weil ihm die Christiane so leid getan hätte, sondern aus Mitgefühl meiner ganzen Generation gegenüber, weil jeder das in meinem Jahrgang inner Schule lesen musste.

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Tamrin




Alter: 39
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.09.2020
Beiträge: 77
Wohnort: Thüringen
BeitragVerfasst am: Sa Dez 26, 2020 12:23    Titel: Antworten mit Zitat

Fichte hat folgendes geschrieben:
Falls sich eine gute Beziehung zwischen xy und mir ergeben sollte, dann ja, okay, aber falls sich nichts ergibt, dann auch okay. Im Voraus weiß ich halt nichts, sondern ich "hangel" mich einfach von Moment zu Moment.

Darf ich nochmal nachfragen, ob du dir auch keine Gedankenwelt aufbaust, wie es werden könnte? Also immer wieder verschiedene Varianten durchspielst z.B. bzgl. was alles beim nächsten Treff mit einer bestimmten Person gesagt werden oder passieren könnte?


Übrigens konnte ich gestern noch mal testen, ob ich nur von einer Figur schwärmen kann, der ich eine reale Existenz zuspreche, und bin zu einem interessanten Schluss gekommen. Und zwar haben wir „Die Eiskönigin 2“ gesehen (der zweite Teil des Films der schon seit Jahren für Anna- und Elsa-Merchandise und „Ich lass los“-trällernde Kinder sorgt). Mir ist dabei auch aufgefallen, dass ich Figuren aus animierten Filmen per se keine echte Existenz zuspreche (vermutlich weil sie oft sehr überzeichnet sind). Anna und Elsa und alle anderen sehe ich nur als tolle, ausdrucksstarke Animationen, aber ohne dass ich auch nur einen Gedanken darauf verwende, dass sie oder ihre Welt irgendwie echt sein könnten.

Das gestrige Filmerlebnis lehrte mich jedoch, dass ein melancholisches Liebeslied, gesungen in einigermaßen hoher Männerstimmlage (tiefe Stimmen mag ich gar nicht) ausreicht, um einen Charakter, den ich zuvor total langweilig (um nicht zu sagen doof) fand, interessant für mich zu machen. Hätte Christoph (ja, lacht ruhig Cool) in diesem Fall eine dominantere Rolle gespielt und das Ganze hätte sich um seine Geschichte gedreht, hätte ich tatsächlich angefangen zu schwärmen (inkl. Geschichten ausdenken). Und genau in dem Moment, in dem ich anfing ihn interessant zu finden, erwachte seine Figur zum Leben oder nüchtern ausgedrückt, sprach ich ihm eine Existenz zu. Ganz klar lief es bei mir in dieser Reihenfolge ab. Anna und Elsa sind deshalb allerdings nicht automatisch auch existent, das würde erst passieren, wenn sie Teil einer erdachten Geschichtenwelt werden.

Wildling hat folgendes geschrieben:
Es ist aber nicht so, dass diese Figuren anschließend in meinem Kopf "leben". Möglich wäre das vielleicht, wenn ich das zuließe, aber ich traue meinem eigenen Kopf bei zu viel Eigenständigkeit nicht über den Weg, als dass ich den Hund wirklich von der Leine lassen würde.
Dabei hab ich aber keine Angst davor, schizophren zu werden oder den Verstand zu verlieren oder Realität und Phantasie nicht mehr auseinanderhalten zu können oder was hier noch an ... Argumenten gegen (eine zu eigenständige) Fiktion genannt wurde.

Da stellt sich mir die Frage, warum du dann den Hund nicht von der Leine lässt. Wenn du keine Angst davor hast den Verstand zu verlieren, wovor dann? Vor unziemlichen Gedanken?

Wildling hat folgendes geschrieben:
Was ich erlebt habe und was wohl auch jeder kennt, der schonmal ob einem Film oder Buch oder Lied geheult hat, ist, dass Fiktion krasse Gefühle hervorrufen kann.

Das unterschreibe ich sofort. Wobei ich für mich sagen kann, dass ein Buch in mir nie so intensive Emotionen auslösen könnte, wie ein Film. Dass liegt meines Erachtens daran, dass bei Film und erst recht bei Liedern die emotionsfördernde Komponente Musik eingesetzt wird. Ich weiß genau, dass mich viele Szenen in Filmen nur deshalb so stark rühren, weil sie musikalisch „manipulativ“ sind (um es mal böse auszudrücken).

Wildling hat folgendes geschrieben:
Manchmal sogar heftiger und intensiver als die Realität das könnte.

Mal abgesehen von der Musik, die uns ja in der Realität zumindest passend zur Situation eher selten begleitet, liegt die geringere Intensität der Gefühle dann daran, dass die entsprechenden Situationen selten bis gar nicht erlebt werden? nachdenklich

Wildling hat folgendes geschrieben:
Und deshalb tu ich mich mit dem Unterschied zwischen Realität und Phantasie manchmal etwas schwer. Also, ja, es gibt einen und ja, ich erkenne den - aber wieso der so wichtig ist oder gemacht, wird mir nicht ganz klar.

Wenn wir mal ganz philosophisch werden und sagen, dass wir das Abbild der realen Welt ja auch nur durch unsere ganz persönliche Brille sehen, dann haben wir auch „nur“ persönliche Projektionen von realen Menschen in unserem Kopf. Da gibt es bzgl. fiktiver Charaktere, die ebenso in unserem Kopf „leben“ können, keinen Unterschied, abgesehen von dem Wissen um ihren anderen Ursprung.

Die Frage, die sich mir stellt ist, ob langanhaltendes Schwärmen oder sich verlieben von/in fikt. Ch.

a) ein Phänomen ist, was nebenbei für das Individuum eine bestimmte Funktion hat (z.B. das Bedürfnis nach Nähe oder Zugehörigkeit erfüllt, das dann gegenüber realen Menschen nicht mehr so stark ist) oder andersrum

b) eine unterbewusste „Methode“ ist, die eigenen Bedürfnisse nach Kontakt/Bindung zu stillen ohne die Unberechenbarkeit realer Beziehungen in Kauf nehmen zu müssen oder

c) einfach eine individuelle „Persönlichkeitseigenschaft“, vermutlich gekoppelt an Fantasie/Kreativität/Introversion oder andere Persönlichkeitseigenschaften aber von a) und b) völlig unabhängig.

Also kurz Ursache oder Wirkung irgendwelcher persönlicher „Probleme“ oder keines von beiden? (Wobei ich mir hier unter persönlichen Problemen alle möglichen Dinge vorstellen kann, angefangen von Bindungsangst bis … ja, bis hin zu gelebter Asexualität. Ich nehme an bzgl. letzterem werden viele widersprechen; ich wollte es auch ursprünglich nur als Theorie in den Raum werfen, um es dann ausschließen zu können.) Wink
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Wildling





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 25.05.2020
Beiträge: 27
BeitragVerfasst am: Sa Dez 26, 2020 13:38    Titel: Antworten mit Zitat

Tamrin hat folgendes geschrieben:


Die Frage, die sich mir stellt ist, ob langanhaltendes Schwärmen oder sich verlieben von/in fikt. Ch.

a) ein Phänomen ist, was nebenbei für das Individuum eine bestimmte Funktion hat (z.B. das Bedürfnis nach Nähe oder Zugehörigkeit erfüllt, das dann gegenüber realen Menschen nicht mehr so stark ist) oder andersrum

b) eine unterbewusste „Methode“ ist, die eigenen Bedürfnisse nach Kontakt/Bindung zu stillen ohne die Unberechenbarkeit realer Beziehungen in Kauf nehmen zu müssen oder

c) einfach eine individuelle „Persönlichkeitseigenschaft“, vermutlich gekoppelt an Fantasie/Kreativität/Introversion oder andere Persönlichkeitseigenschaften aber von a) und b) völlig unabhängig.


Was ich mich frage, ist, warum du für das Schwärmen für fiktive Charaktere oder Fiktophilie unbedingt einen Grund brauchst.

Ich kann den Wunsch, alles mögliche zu ergründen, schon nachvollziehen. Aber sobald man im Bereich einer Vorliebe oder -philie angelangt ist, ist die Frage nach dem Warum irgendwann auch obsolet.

Wieso mag ich blau, aber rot nicht? Wieso verliebe ich mich nur in fiktive Figuren? Oder Hunde? Oder Bäume? Wieso mag ich es, anderer Leute Füße anzugucken, finde aber Ohren total eklig? Wieso verliebe ich mich gar nicht?

Es gibt genügend Theorien über Schwärmereien. Leute finden Superhelden toll, weil sie Vorbilder sind. Weil sie Perfektion verkörpern, Hoffnungsträger sind, dem Menschen vermitteln, er könne sowas auch, aber eben in "seinem" Maß, weil er ja nunmal kein Held ist, sondern "nur" ein Mensch. Dutzende Leute haben sich mit Heldenepen auseinander gesetzt und Helden analysiert ohne Ende. Da findest du Antworten darauf, was Schwärmerei dem Menschen bringt und wofür die da ist.

Wer sich in fiktive Charaktere verliebt und/oder eine Beziehung mit ihnen eingeht, ist über das Maß einer Schwärmerei weit hinaus. Und da nach einem Warum zu fragen, vermittelt den Anschein, man sei auf der Suche nach einem (pathologischen) Grund. Einer Ursache.

Inwiefern das bei einer -philie angebracht ist - naja. Ich weiß nicht, ob dir irgendein Hetero erklären kan, wieso er sich nicht in gleichgeschlechtliche Menschen oder nur in andersgeschlechliche Menschen verlieben kann. DASS es so ist, merkt man wohl. Aber warum? ... Ist Asexualität für dich auch irgendwie pathologisch und braucht/hat einen Auslöser?

Vielleicht fragt man das auch nur, weil man es nicht versteht und alles, was man nicht versteht, nicht "normal" und "richtig" ist und daher irgendeinen Krankheitswert oder eine pathologische Ursache haben muss. Ist aber nur eine Theorie.

Tamrin hat folgendes geschrieben:
Dass liegt meines Erachtens daran, dass bei Film und erst recht bei Liedern die emotionsfördernde Komponente Musik eingesetzt wird. Ich weiß genau, dass mich viele Szenen in Filmen nur deshalb so stark rühren, weil sie musikalisch „manipulativ“ sind (um es mal böse auszudrücken).


Das ist sicherlich so, ja. Musik wirkt ja auf Emotion und verstärkt diese. Und wenn man sich einen Horrorfilm beispielsweise ohne Ton anhört, ist der auch nur halb so gruselig. Deshalb wird Musik in Filmen und Spielen ja auch gezielt eingesetzt.
Dass ich die Musik brauche, um intensivere Emotionen zu haben, kann ich aber nicht sagen. Die heftigsten Emotionen hat zum Beispiel bei mir ein Videospiel ausgelöst, da reicht das Denken an den Plot schon aus, um mich fertig zu machen. Da brauch ich keine Bilder, keine Musik und nix Very Happy

Ich denke aber, das ist von Person zu Person auch anders. Bei Büchern spielt ja zum Beispiel auch rein, wie die geschrieben sind, ob die einen kriegen oder nicht. Bei Filmen auch. Gibt welche, denen merkst du enorm an, dass sie Emotionen auslösen wollen und es klappt genau deshalb nicht. Stichwort: Weihnachtswerbung im Fernsehen.
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Tamrin




Alter: 39
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.09.2020
Beiträge: 77
Wohnort: Thüringen
BeitragVerfasst am: Sa Dez 26, 2020 20:59    Titel: Antworten mit Zitat

Wildling hat folgendes geschrieben:
Was ich mich frage, ist, warum du für das Schwärmen für fiktive Charaktere oder Fiktophilie unbedingt einen Grund brauchst. [...]
Wieso mag ich blau, aber rot nicht? Wieso verliebe ich mich nur in fiktive Figuren? Oder Hunde? Oder Bäume? Wieso mag ich es, anderer Leute Füße anzugucken, finde aber Ohren total eklig? Wieso verliebe ich mich gar nicht?

Ich bin einfach jemand der gern nach Ursachen sucht.
Wenn ich merke, ich unterscheide mich in Bezug auf eine bestimmte Sache gegenüber den meisten anderen, habe ich einfach den inneren Drang herauszufinden, warum das so ist. Gut, ob ich nun Rot oder Blau mag, da gibt’s jeweils genügend Leute, die eins von beidem mögen. Aber wenn ich jetzt total auf was recht Ausgefallenes stehen würde (z.B. auf metallic glänzendes Orange), würde ich mir evtl. schon die Frage stellen, warum? Auf jeden Fall, wenn ich mich in Hunde verlieben würde oder erst recht Bäume und auch bei den anderen Beispielen, die du genannt hast, will ich wissen, warum. Klar kann es sein, dass ich, wenn ich lang genug gesucht und keine Antwort gefunden habe, zu dem Schluss komme, dass es keine gibt, dass es einfach so ist. Aber für mich ist das dann eher eine Resignation, weil ich doch fest davon ausgehe, dass es für jedes Verhalten bzw. Vorliebe eine Ursache gibt (in irgendeiner Kindheitserfahrung, unbewussten kindlichen Wahrnehmung, den Genen oder wo auch immer).

Wildling hat folgendes geschrieben:
Dutzende Leute haben sich mit Heldenepen auseinander gesetzt und Helden analysiert ohne Ende. Da findest du Antworten darauf, was Schwärmerei dem Menschen bringt und wofür die da ist.

Falls du da mir da ein paar Namen nennen könntest, wäre ich dir sehr dankbar. Es ist tatsächlich schon ein paar Jahre her, dass ich das letzte Mal nach wissenschaftlicher Literatur recherchiert hatte und da hatte ich mehr in Richtung Fanfiction geschaut. Mittlerweile komme ich leider an die Paper auch nicht mehr so leicht ran.

Wildling hat folgendes geschrieben:
Wer sich in fiktive Charaktere verliebt und/oder eine Beziehung mit ihnen eingeht, ist über das Maß einer Schwärmerei weit hinaus. Und da nach einem Warum zu fragen, vermittelt den Anschein, man sei auf der Suche nach einem (pathologischen) Grund. Einer Ursache.

Ja. Genauso ist es. Nur würde ich das pathologisch rauslassen, weil ich es nicht als krankhaft ansehe sich in fiktive Charaktere zu verlieben. Ich finde es schlicht und ergreifend faszinierend und frage mich aus reiner Neugier, ob es eine Ursache gibt.

Wildling hat folgendes geschrieben:
Ich weiß nicht, ob dir irgendein Hetero erklären kann, wieso er sich nicht in gleichgeschlechtliche Menschen oder nur in andersgeschlechtliche Menschen verlieben kann.

Homo- und Heteroromantik/Sexualität sehe ich als etwas anderes an als sich zu realen oder fiktiven Lebewesen hingezogen zu fühlen. Ersteres ist eine Orientierung, die schon sehr früh festgelegt ist. Letzteres hätte ich bisher in die Sparte „aus psychologischen Gründen angeeignet“ eingeordnet. Aber wer weiß, vielleicht liege ich damit auch falsch und es ist auch quasi angeboren. Glaubst du das? Ich irgendwie nicht. Vom Gefühl her sehe ich es momentan eher unter Punkt c) meiner Auflistung.

Wildling hat folgendes geschrieben:
... Ist Asexualität für dich auch irgendwie pathologisch und braucht/hat einen Auslöser?

Die Gretchenfrage. Aber was mich wundert: warum vermutest du (und da warst du ja bisher auch nicht die Einzige), wenn ich nach einer Ursache suche, meinerseits einen pathologischen Ansatz? Ich sehe da den Zusammenhang nicht recht. Wenn ich beispielsweise bei einer langweiligen Tätigkeit plötzlich einen Anflug von großer Freude verspüre, versuche ich auch zu ergründen, woher er kommt, ohne dass ich ihn als pathologisch einordne. Oder ich würde nach Ursachen für immer wiederkehrende Streitmuster suchen ohne die als pathologisch zu sehen. Über pathologische Ursachen könnte ich mir nur ein Urteil erlauben, wenn ich Ärztin oder erfahrene Psychologin wäre.

Aber um die Frage nicht ganz unkommentiert im Raum stehen zu lassen: Ganz klar Nein. Ich sehe Asexualität nicht als pathologisch, also krankhaft. Aber ich denke, dass nicht bei jedem, der sich als asexuell erlebt, zwingend eine diesbezügliche Orientierung zugrunde liegt. Psychologische Ursachen kann ich mir durchaus vorstellen und könnte sie bei mir z.B. erst ausschließen, wenn ich mich wirklich gründlich analysiert habe (was ohne professionelle Hilfe kaum möglich ist) und vielleicht selbst dann nicht.

Wildling hat folgendes geschrieben:
Vielleicht fragt man das auch nur, weil man es nicht versteht und alles, was man nicht versteht, nicht "normal" und "richtig" ist und daher irgendeinen Krankheitswert oder eine pathologische Ursache haben muss. Ist aber nur eine Theorie

Ich kann mir schon vorstellen, dass das auf Menschen zutrifft, die nicht sehr offen für Neues sind und nur in immer gleichen Bahnen denken. Wobei ich eher vermute, dass Menschen Dinge die ihnen unheimlich sind, weil sie nicht ihrem Weltbild entsprechen, als krankhaft einordnen (um die eigene Wirklichkeit nicht ins Wanken zu bringen). Oder sie sind einfach neidisch. Laughing
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Wildling





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 25.05.2020
Beiträge: 27
BeitragVerfasst am: Sa Dez 26, 2020 22:36    Titel: Antworten mit Zitat

Tamrin hat folgendes geschrieben:
Ich bin einfach jemand der gern nach Ursachen sucht.


Das Suchen nach einer Ursache finde ich bei den meisten Dingen auch nicht verwerflich. Bei grundlegenden Sachen wie Sexualität bzw. -philie allerdings schon.
Ich schreib dir gleich auch, wieso.

Tamrin hat folgendes geschrieben:

Homo- und Heteroromantik/Sexualität sehe ich als etwas anderes an als sich zu realen oder fiktiven Lebewesen hingezogen zu fühlen.
Ersteres ist eine Orientierung, die schon sehr früh festgelegt ist. Letzteres hätte ich bisher in die Sparte „aus psychologischen Gründen angeeignet“ eingeordnet. Aber wer weiß, vielleicht liege ich damit auch falsch und es ist auch quasi angeboren. Glaubst du das? Ich irgendwie nicht. Vom Gefühl her sehe ich es momentan eher unter Punkt c) meiner Auflistung.


Hier ist meine Frage: Warum? Warum ist das für dich etwas anderes?
Also: JA, Heterophilie (und jede andere -philie) ist definitiv was anderes als Schwärmerei. Aber wieso du einen Unterschied machst zwischen Fiktophilie und Homophilie oder Heterophilie, das wird mir nicht klar.

Da ich nicht fiktophil bin, kann ich deine Frage, ob das angeboren ist, nicht fundamentiert beantworten. Ich würde mir allerdings sowieso nicht anmaßen, zu behaupten, dass irgendeine -philie erworben/erlernt ist.
Aber hier gibt's einen Fiktophilen, also frag doch den mal? @Sandkastenzorro

Wobei SKZ sich dazu ja sogar schon geäußert hat, Seite 1:

Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:
Ich bin der Meinung, Fiktophilie "entwickelt" sich nicht. Ich denke, die hat man entweder, oder man hat sie nicht. Eine Entwicklung würde ja voraussetzen, dass es irgendeinen Auslöser gab, der einen Prozess in Gang gesetzt hat.


Das ist ja deutlich Smile

Tamrin hat folgendes geschrieben:

Die Gretchenfrage. Aber was mich wundert: warum vermutest du (und da warst du ja bisher auch nicht die Einzige), wenn ich nach einer Ursache suche, meinerseits einen pathologischen Ansatz? Ich sehe da den Zusammenhang nicht recht.


Ganz einfach. Weil "Warum?" immer nur kommt, wenn etwas "nicht okay" ist. Bei allem Wissensdurst. Ist dir das nie aufgefallen?
"Hey, kommst du auch zur Weihnachtsfeier?" - "Ja klar!" - "Och, super!"
"Hey, kommst du auch zur Weihnachtsfeier?" - "Nein." - "Warum nicht?"

Man muss fast nie rechtfertigen (denn das ist eine Antwort auf ein Warum in der Regel), warum man etwas genauso macht wie andere. Nur wenn man sich abhebt (beispielsweise über eine weitaus seltenere -philie, als Otto Normal sie hat), kommt diese Frage. Diese Bitte um Erklärung. Dieser Anspruch auf einen Grund, auf eine Rechtfertigung.

Und den finde ich bei grundlegenden Dingen einfach fehl am Platz. Ich würde auch nie einen Menschen fragen, warum seine Haut dunkel ist. Oder warum er so groß gewachsen ist. Oder wieso seine Augen blau sind statt grün. Oder eben, warum er fiktive Menschen liebt und nicht reale.

Gründe/Ursachen lassen sich abschaffen. Die lassen sich beseitigen und der Norm anpassen. Das hat schon nicht funktioniert, als man noch versucht hat, Homosexuelle zwanghaft zu Heteros zu machen.
Und versteh mich nicht falsch - ich glaube nicht, dass du Fiktophile "normal" machen möchtest. Aber die Frage, warum sie so sind, ist einfach nicht weit weg davon, den vermeintlichen Grund, den man dann hat, abzuschaffen, damit sie bitte endlich echte Menschen lieben können. Und obwohl ich, wie gesagt, nicht fiktophil bin, würde ich mich, wäre ich es denn, von einer solchen Frage angegriffen fühlen. Und mir zu sagen, dass etwas, das mich grundlegend ausmacht, auf einen psychischen Auslöser zurückzuführen ist, würde mir das Gefühl geben, ich sei ein "Fehler". Etwas Kaputtes. Ein Ergebnis von Kränkung und falscher Behandlung. Denn sonst wäre ich ja anders, hätte es den Grund/die Ursache nie gegeben.

Tamrin hat folgendes geschrieben:

Aber um die Frage nicht ganz unkommentiert im Raum stehen zu lassen: Ganz klar Nein. Ich sehe Asexualität nicht als pathologisch, also krankhaft. Aber ich denke, dass nicht bei jedem, der sich als asexuell erlebt, zwingend eine diesbezügliche Orientierung zugrunde liegt.


Da stimme ich dir zu. Eine Orientierung, eine -philie, ist aber auch von der Lebensgestaltung klar abzugrenzen. Ich kann asexuell sein, aber trotzdem eine Ehe mit Sex führen. Ich kann schwul sein und trotzdem mit Frauen in die Kiste steigen. Ich kann pädophil sein und trotzdem ausschließlich mit Erwachsenen schlafen. Und ich kann fiktophil sein, aber eine Beziehung mit einem echten Menschen führen. Menschen tun soooo oft etwas, das sie nicht wollen/das sie nicht glücklich macht - das lässt noch lange keine Rückschlüsse auf ihre grundlegende Orientierung zu.

Und weil ich grade auf Seite 1 und 2 dieses Threads unterwegs war und Weihnachten seltsame Blüten getrieben hat:

Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:
Ja, Anfang der 60er. Aber genaugenommen muss mein Freund gar nicht mit der Welt in 2020 warm werden, denn heute, im Jahr 2020 wäre mein Wunderknabe auch *rechne* 92 Jahre alt, was... de facto älter ist, als mein eigener Opa und ich bezweifle doch arg, dass er so alt je wird.


Sag mal, kocht der noch umständlich mit Gas? Und falls ja und er ohnehin mit der Außenwelt interagiert: Kannst du ihn mal fragen, ob er nen verirrten Thermomix haben will? essen
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Sandkastenzorro
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BeitragVerfasst am: Sa Dez 26, 2020 23:29    Titel: Antworten mit Zitat

Wildling hat folgendes geschrieben:
Aber hier gibt's einen Fiktophilen, also frag doch den mal? @Sandkastenzorro


Joah, das könnte man, so man denn wollte x) Aber da ich den Eindruck hab, man möchte hier nicht wirklich MIT Fiktos reden, sondern eher mit Normalos ÜBER die Fikto, halte ich mich raus und reagiere einfach lediglich, wenn man mich anspricht Wink


Wildling hat folgendes geschrieben:
Sag mal, kocht der noch umständlich mit Gas? Und falls ja und er ohnehin mit der Außenwelt interagiert: Kannst du ihn mal fragen, ob er nen verirrten Thermomix haben will?


Ich nehme mir die Freiheit heraus, zu zitieren, was er dazu sagt:

"Was ist an einem Gasherd umständlich? Womit kochst du denn? Mit Gammastrahlung aus dem Weltall? Mit dem Feuer deiner Wut? ... Was ist Thermomix? ... [SKZ erklärt ihm das, nachdem sie selber erstmal im Internet nachschlagen musste] ... (o_O) Warum braucht man sowas? Warum braucht man für teuer Geld solche unsinnigen Geräte? Ich bezweifle doch, dass so ein Ding etwas anderes kann, als ein Ei entweder weich, oder hart zu kochen... Und das kann mein Herd auch. Also, wenn man in 2020 nicht kollektiv das Kochen verlernt hat, dann braucht man kein Gerät, das für einen kocht. Und wenn man nicht kochen kann, aber es schafft, die Anleitung für das Teil auswendig zu lernen um es bedienen zu können, dann ist man theoretisch auch schlau genug, um zu kochen. ...Theoretisch. Was ist los mit eurer Zeit, in der man kompliziertesten Kram braucht, um das einfachste der Welt zu können...?"

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BeitragVerfasst am: So Dez 27, 2020 10:49    Titel: Antworten mit Zitat

Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:
Joah, das könnte man, so man denn wollte x) Aber da ich den Eindruck hab, man möchte hier nicht wirklich MIT Fiktos reden, sondern eher mit Normalos ÜBER die Fikto, halte ich mich raus und reagiere einfach lediglich, wenn man mich anspricht

Hey, hey, bitte nicht beleidigt sein. Du hast deinen Standpunkt ja dankenswerter Weise schon recht zeitig eingebracht. Ich hatte mich auch sehr gefreut, dass du so offen meine Fragen beantwortet hast, nur wollte ich den Thread nicht zu einem Dialog werden lassen, in den sich niemand mehr einzumischen traut.

Wildling hat folgendes geschrieben:
Aber wieso du einen Unterschied machst zwischen Fiktophilie und Homophilie oder Heterophilie, das wird mir nicht klar.

Ich nehme an, du hast mich hier missverstanden. Für mich ist der Unterschied deshalb vorhanden, weil meinem bisherigen Verständnis nach die Zuordnungen nicht auf derselben Ebene liegen.
Einem fiktiven Charakter kann ich, wenn er zumindest menschenähnliche Züge hat, der Spezies Mensch zuordnen und damit auch einem Geschlecht. Vielleicht hätte ich dazusagen sollen, dass ich mich bei meiner Vorstellung von Liebe zu fiktiven Figuren auf fiktive Menschen beziehe (weil wir hier bisher keine anderen Beispiele hatten).
Mein Verständnis von Homo/Hetero-philie: Liebesbeziehung zwischen gleich/verschieden-geschlechtlichen Partnern. Ob die nun real oder fiktiv sind, ist zweitrangig, also die Ebene darunter.

Wildling hat folgendes geschrieben:
Da ich nicht fiktophil bin, kann ich deine Frage, ob das angeboren ist, nicht fundamentiert beantworten.

Angenommen du wärst fiktophil, woher willst du wissen, ob diese Charakteristik angeboren ist oder in frühester, nicht erinnerbarer Kindheit erworben wurde? Das könnte doch niemand mit Sicherheit eindeutig beantworten. SKZ stellte es ja auch klar als ihre Meinung dar.

Wildling hat folgendes geschrieben:
Ich würde mir allerdings sowieso nicht anmaßen, zu behaupten, dass irgendeine -philie erworben/erlernt ist.

Das würde ich auch nicht. Alles was ich anstelle sind Vermutungen und meine persönliche Sicht der Dinge. Behaupten würde ich nur etwas, wenn eine ausreichend große Datengrundlage vorhanden ist, die einen eindeutigen Schluss zulässt, was ja im Fall der angesprochenen Fiktophilie hier nun absolut nicht der Fall ist.

Wildling hat folgendes geschrieben:
Ganz einfach. Weil "Warum?" immer nur kommt, wenn etwas "nicht okay" ist. Bei allem Wissensdurst. Ist dir das nie aufgefallen? Man muss fast nie rechtfertigen (denn das ist eine Antwort auf ein Warum in der Regel), warum man etwas genauso macht wie andere.

Ok, ich verstehe was du meinst. Wenn jemand fragt Warum?, fühle ich mich angegriffen und muss mich rechtfertigen, mich verteidigen. Die Frage hinterfragt das woran ich glaube und ist daher ein Angriff auf meine Werte.

Du kannst dir sicher denken, was ich mich jetzt frage. Warum? Warum denkst du so? Woher kommt diese starke negative Reaktion?

Vermutlich, weil du es vielfach so erlebt hast, dass nach Ursachen gefragt wurde, um diese wie du schreibst abzuschaffen und der Norm anzugleichen und du schließt daraus, dass jeder, der die Frage stellt, diese Intention hat und jeder, der sie hört diesen Hintergedanken hineininterpretiert.

Ich kann ja immer nur von mir ausgehen, angenommen ich würde fiktive Personen lieben, das jemandem erzählen und der fragt mich nach dem Warum, so würde ich ihm nüchtern erklären, was ich an ihnen so toll finde oder sagen, dass ich es nicht weiß (was wohl eher zutreffen würde) und dann würden wir gemeinsam nach möglichen Gründen suchen und Theorien aufstellen. So denke ich aber auch nur, weil ich aus wissenschaftlichem Umfeld komme (wo immer und überall die Frage Warum? gestellt wird) und daher keine böse Absicht unterstelle, wenn jemand diese Frage stellt.

Aber ganz objektiv betrachtet ist doch die Frage Warum? einfach nur eine Frage, auf die es eine Antwort gibt oder eben nicht bzw. auf die man eine Antwort geben kann oder auch nicht (und sei es nur, weil einem die Frage aus dem Hals raushängt). Natürlich muss ich nicht alles hinterfragen. Warum jemand groß gewachsen ist oder blaue Augen hat, würde ich auch nicht nachfragen, weil das klar ist (genetische Veranlagung). Wenn das bei Fiktophilie auch so wäre, würde ich auch nicht nachfragen.

Wildling hat folgendes geschrieben:
Und mir zu sagen, dass etwas, das mich grundlegend ausmacht, auf einen psychischen Auslöser zurückzuführen ist, würde mir das Gefühl geben, ich sei ein "Fehler". Etwas Kaputtes. Ein Ergebnis von Kränkung und falscher Behandlung. Denn sonst wäre ich ja anders, hätte es den Grund/die Ursache nie gegeben.

Die Argumentation kann ich nachvollziehen. Sie basiert aber meines Erachtens auf einer grundlegenden Angst oder Selbstunsicherheit/geringem Selbstwert. Schließlich sind wir alle ein Resultat verschiedenster äußerer Einflüsse. Ich bin heute wie ich bin, aufgrund meiner Veranlagung, meinem kindlichen Umfeld inkl. Ereignissen und und und. Es ändert nichts daran wie ich heute bin, wenn ich auseinanderpuzzeln kann, welche Einflüsse dazu geführt haben, warum ich heute so bin wie ich bin. Aber ich verstehe mich besser, habe Erkenntnisse gewonnen und kann entscheiden, ob oder in welche Richtung ich den Weg weitergehen will.

Es heißt, Wut überdeckt meist andere Gefühle. In diesem Fall wäre es wohl Angst. Angst sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Denn wenn ich im Reinen mit mir bin und weiß, dass es keinen psychologischen Auslöser gab (weil ich diese Frage schon für mich beantwortet habe), gibt es doch keinen Grund emotional zu reagieren wenn die Frage, auf die ich schon sicher eine Antwort weiß, von außen gestellt wird.

Das sind so meinen Gedanken dazu. Aber ich beuge mich gern der mehrheitlichen Meinung und vermeide in Zukunft die Frage nach dem Warum, wenn sie doch eher kritisch aufgenommen wird. Eigentlich finde ich das aber sehr schade, weil ich doch gern lernen und andere besser verstehen möchte.

P.S.: @SKZ: bzgl. Thermomix schließe ich mich der Meinung deines Freundes an. Laughing
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