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Callas of the Wind




Alter: 39
Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 13.08.2019
Beiträge: 261
Wohnort: Oberfranken
BeitragVerfasst am: Sa Feb 01, 2020 22:31    Titel: Antworten mit Zitat

Lotti hat folgendes geschrieben:
Schliesslich bekommt man ja von seinem gesammten Umfeld den Eindruck, dass alle Sex gigantisch toll finden.


Wenn ich darüber nachdenke habe ich durch Menschen in meinem Leben fast gar nichts mitbekommen. Weder von Familie noch von Freunden, Schule, Ausbildung, Arbeit. Nur eine Freundin hat mit mir mal über Ihren Freund geredet. Nur das die Menschen irgendwann mal Kinder bekamen schließte darauf das Sie wahrscheinlich Sex haben.
Der Eindruck das alle Sex toll finden und auch viel haben wurde mir durch Massenmedien erzählt.
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DevilMayCare




Alter: 23
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 25.09.2017
Beiträge: 99
BeitragVerfasst am: So Feb 02, 2020 1:38    Titel: Antworten mit Zitat

Meine Annahme, dass ich mit meiner Sicht auf Sexualität wohl in der Minderheit bin, basierte zu einem großen Teil auch auf Medieninhalte. Die paar Leute, mit denen ich halbwegs Umgang pflegte, waren auch nicht oder zumindest nicht so sehr auf das Sammeln von Erfahrungen in Dating und Beziehungen fokussiert. Innerhalb meiner "Bubble", zu der ich noch ein paar meiner guten Kontakte aus einem Forum zähle, war es also völlig unspektakulär, wenn man höchstens jemanden süß fand, aber keine "ernsthaften" Ambitionen hatte.
Schon auf der Schule, wo es immerhin diese Leute gab (der Rest war trotzdem so mies, dass ein Wechsel logisch war), wurde mir zum Beispiel in folgendem Erlebnis klar, dass andere bei Schwärmereien wohl noch mir fremde Hintergedanken haben: Ich erwähnte mal, dass ich einen ganz interessant finden würde, der halt schon einige Jahre älter und sogar volljährig ist. Ein Mädchen meinte, dass ich da aufpassen müsste, wenn ich mit dem... Embarassed a) setzte das voraus, dass ich ihn tatsächlich für mich gewinnen könnte und b) nein, einfach nur nein. Mir war da schon klar, dass ich das nie wollen würde. Ich hätte mir von ihm tolles Miteinander auf Konzerten gewünscht oder dass er mir beibringt, wie man Gitarre spielt [hätte ich für Geld auch haben können, aber selbst das habe ich mich nicht getraut] und nebenher wäre er einfach nett anzusehen gewesen [Wow, that exists] und das war's und in diesem Rahmen befinde ich mich beim aktuellen Fall auch. Ich bin froh, dass ich das Thema irgendwie abbrechen konnte. Mein Unverständnis dafür teilen? Unmöglich. Ich hätte mich nur noch mehr zum Gespött gemacht.

Mich würde es interessieren, wann ich auf den konkreten Begriff gekommen wäre, wenn diese Biostunde [auf der anderen Schule] nicht gewesen wäre. Vielleicht hätte mich etwas so damit beschäftigen lassen, dass ich so drauf los recherchiert hätte Smile.
Kleiner Nachtrag am Rande zu einer zuvor von mir geschilderten Szene, in der ich ein Gespräch zum Thema Sexualverhalten mitbekommen hatte: auf meine rein auf Mimik begrenzte negative Reaktion musste ich mir anhören, dass ich nicht so dumm gucken sollte, weil ja nicht alle so verklemmt wären Rolling Eyes.
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Arpad4




Alter: 41
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 17.11.2016
Beiträge: 1758
Wohnort: Kaiserslautern
BeitragVerfasst am: So Feb 02, 2020 6:45    Titel: Antworten mit Zitat

Auf die Nähe zu solchen Menschen kann man verzichten. Das ist deskriminierend.
Zitat:
auf meine rein auf Mimik begrenzte negative Reaktion musste ich mir anhören, dass ich nicht so dumm gucken sollte, weil ja nicht alle so verklemmt wären


Solche Aussagen sind ein No-go.


Über Asexualität habe ich im Internet erfahren. Bin bei Googeln einmal auf den Begriffskombination asexuelle Liebe gekommen, und war erstaunt welche Informationen dann gefunden habe. So bin ich auch in dieses Forum reingekommen.
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Viele finden 100 Fehler an mir, in mir, um mich herum. Und wie viele hast Du? Sollen wir anfangen zu zählen?
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Fiammetta





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1036
Wohnort: Hamburg; Alter: 35
BeitragVerfasst am: So Feb 02, 2020 9:26    Titel: Antworten mit Zitat

An sich habe ich die Story schon oft erzählt (und sie hat sich durch häufige Wiederholung sicherlich ein wenig verfälscht/verzerrt), aber da ich heute auf den Tag 13 Jahre hier angemeldet bin, passt es gerade.
Also. Ich war 21 und surfte auf der deutschen Wikipedia rum, las irgendetwas über sexuelle Orientierungen, ein Link führte zum nächsten und ich landete irgendwann auf der Seite zu Asexualität, auf der auch dieses Forum erwähnt wurde.
Ich fühlte mich irgendwie angesprochen und las eine Weile (Wochen? Monate? Das weiß ich wirklich nicht mehr) hier mit, bevor ich mich anmeldete, vorstellte und der Rest ist Geschichte. Smile
Der konkrete Anlass, sich hier anzumelden, war folgender: Ich war unglücklich verliebt, konnte mir mit dem Angebeteten aber gar nichts Sexuelles vorstellen und von Freund_innen, denen ich davon erzählte, kamen Kommentare wie: "Wenn du keinen Sex mit ihm willst, bist du auch nicht verliebt". Ich habe im Forum Verständnis gesucht, das ich anderswo nicht fand.
Dies bedeutet übrigens nicht, dass ich mir den Stempel "asexuell" sofort aufgedrückt habe. Ich dachte so ungefähr: Kann sein, warten wir mal ab, und die Gewissheit kam dann mit mehr Lebenserfahrung.
Erfahrungsberichte und überhaupt Erwähnungen in den Medien gab es damals nur vereinzelt, es hat sich doch sehr viel geändert.
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"Pour moi l’hétérosexualité n’est pas la norme, ce n'est qu'une majorité statistique."
(Peggy Sastre)
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Maz
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Alter: 43
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 14294
BeitragVerfasst am: So Feb 02, 2020 10:13    Titel: Antworten mit Zitat

Der erste Eintrag in der deutschen Wikipedia Anfang 2004 lautet übrigens wie folgt:

Wiki hat folgendes geschrieben:

Als "Asexuell" bezeichnet man alles, was mit Sexualität rein gar nichts zu tun hat. So sind Sachgegenstände asexuell, genauso wie Tiere und Insekten, die sich ungeschlechtlich fortpflanzen. Menschen könne auch asexuell sein. Bekanntere Begriffe hierfür sind: Impotenz und Unfruchtbarkeit.


Kurze Zeit später im Oktober wird dann aber schon auf die Community Bezug genommen inklusive der A-D Typen von Aven sowie auf die späteren Nonlibidoisten. Interessanter Weise wird sogar der Wortlaut unserer Definition vorweggenommen, der damals eigentlich noch nicht an "offizieller" Stelle existiert haben dürfte:

Wiki hat folgendes geschrieben:

Es gibt bisher noch keine offizielle oder wissenschaftliche Definition von Asexualität speziell für den Menschen, aber im Grunde ist ein asexueller Mensch ein Mensch - unabhängig von seinem Geschlecht, der kein Bedürfnis nach sexueller Interaktion („sexuelle Lustlosigkeit“) mit einer anderen Person hat. Die Kurzdefinition eines asexuellen Menschen der Official Sexual Society in den Niederlanden lautet: “Born without sexual feelings”

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Rea




Alter: 48
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 21.08.2015
Beiträge: 921
BeitragVerfasst am: So Feb 02, 2020 11:04    Titel: Antworten mit Zitat

Callas of the Wind hat folgendes geschrieben:
Der Eindruck das alle Sex toll finden und auch viel haben wurde mir durch Massenmedien erzählt.

Interessanter Aspekt - Inwieweit spielen Massenmedien eine Rolle?

Arpad4 hat folgendes geschrieben:
DevilMayCare hat folgendes geschrieben:
auf meine rein auf Mimik begrenzte negative Reaktion musste ich mir anhören, dass ich nicht so dumm gucken sollte, weil ja nicht alle so verklemmt wären

Solche Aussagen sind ein No-go.

@Arpad: Du bezeichnest solche Aussagen als "No-go". Leider gehen sie manch anderem aber sehr leicht über die Lippen. Der Begriff "Verklemmt" taucht immer wieder auf, wenn Asexuelle von erlebten Reaktionen auf ihr sexuelles Desinteresse hören.
Interessant fand ich ja, dass da schon eine bestimmte Mimik schon ausreicht, dass andere das zu einem sagen.

Arpad4 hat folgendes geschrieben:
Über Asexualität habe ich im Internet erfahren. Bin bei Googeln einmal auf den Begriffskombination asexuelle Liebe gekommen, und war erstaunt welche Informationen dann gefunden habe. So bin ich auch in dieses Forum reingekommen.

Hast Du denn speziell zum Thema Liebe, Beziehungen ohne Sex gegoogelt oder bist Du zufällig auf den Begriff gestoßen?

Fiammetta hat folgendes geschrieben:
An sich habe ich die Story schon oft erzählt (und sie hat sich durch häufige Wiederholung sicherlich ein wenig verfälscht/verzerrt), aber da ich heute auf den Tag 13 Jahre hier angemeldet bin, passt es gerade.

Oh - heut ist der 13. Jahrestag - dafür gibt's nen Kuchen
Auch wenn Du die Story schon oft erzählt hast - ich hatte sie bisher noch nicht gelesen und hab mich gefreut, dass Du sie hier nochmal geschrieben hast!

Maz hat folgendes geschrieben:
Der erste Eintrag in der deutschen Wikipedia Anfang 2004 lautet übrigens wie folgt:

Wikipedia 2004 hat folgendes geschrieben:
Als "Asexuell" bezeichnet man alles, was mit Sexualität rein gar nichts zu tun hat. So sind Sachgegenstände asexuell, genauso wie Tiere und Insekten, die sich ungeschlechtlich fortpflanzen. Menschen könne auch asexuell sein. Bekanntere Begriffe hierfür sind: Impotenz und Unfruchtbarkeit.

Danke für die Info! Das finde ich unheimlich interessant, wie sich ein Begriff so wandeln kann. Also 2004 wurde der Begriff noch mit Impotenz und Unfruchtbarkeit gleichgesetzt - ganz ähnlich wie ich es ja abgespeichert hatte mit den Blattläusen, die sich ungeschlechtlich vermehren können. Ich selbst empfinde die Erklärung von Wikipedia ja als abschreckend. Da wird erst von Sachgegenständen geschrieben, dann von Insekten - und dann wird erwähnt, dass auch Menschen asexuell sein können. Auch wenn da keine Wertung drin steckt - bei mir löst das aus, dass ich mich mit nem Stein und ner Küchenschabe vergleiche.
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Lotti




Alter: 46
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 30.09.2010
Beiträge: 73
BeitragVerfasst am: So Feb 02, 2020 11:18    Titel: Antworten mit Zitat

Was sich geändert hat? Nun, meine Haltung zu mir selber. Ich sah nun keinen Grund mehr, mich zu ändern. Ich war bei Ärzten und Psychotherapeuten. Nicht, weil ICH Sex haben wollte, sondern weil mein Partner sich den mit mir wünschte, und ich dachte, dass mit mir etwas nicht in Ordnung sei, dass ich nicht wollte. Nachdem ich erfuhr, dass Asexualität eine Orientierung ist, habe ich sie endlich als für mich normal akzeptiert und nicht mehr versucht, das krampfhaft zu ändern. In Folge keine Therapien mehr und kein Über-Mich-Ergehen-Lassen. Und das fühlte sich für mich so unglaublich richtig an!
Die Beziehung hat das leider nicht ausgehalten. Ich bin nun seit 5 Jahren Single und gedenke es auch zu bleiben. Denn ich werde dieses Thema nie mehr als Streitpunkt in mein Leben lassen

Aber welche Sendung das war und wann, kann ich nach all den Jahren nicht mehr sagen
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Maz
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Alter: 43
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 14294
BeitragVerfasst am: So Feb 02, 2020 11:23    Titel: Antworten mit Zitat

Rea hat folgendes geschrieben:

Also 2004 wurde der Begriff noch mit Impotenz und Unfruchtbarkeit gleichgesetzt


Die Schlusfolgerung geht wohl zu weit. Ich würde eher sagen er wurde mit "Frigidität" gleichgesetzt wenn er denn beim Menschen verwendet wurde. Das war halt der erste Text, den jemand in die Wikipedia geklatscht hat. Noch am gleichen Tag wurde dann diese Version eingestellt:

Wiki hat folgendes geschrieben:

Asexualität bezeichnet das Fehlen der Sexualität.
Ungeschlechtliche Tiere sind asexuell oder asexual.
Asexualität kann auch das Fehlen der Libido oder der Geschlechtsdrüsen beschreiben.
Siehe auch: Hypogonadismus, Infantilismus, Agonadismus, Impotenz, Unfruchtbarkeit

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Sandkastenzorro
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Alter: 40
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
Beiträge: 3620
Wohnort: Fairvale
BeitragVerfasst am: So Feb 02, 2020 12:33    Titel: Antworten mit Zitat

Maz hat folgendes geschrieben:
im Bus 2 Stunden am Stück Ace of Base hören (all that she wants is another Baby


She leads a lonely life....

@Topic

Ich weiss es nich mehr wirklich. Ich glaub, ich hab nach einem Begriff gesucht, mit dem man endgültig akzeptiert, dass ich keinen Sex mit irgendwem will und auch keine Aussicht darauf besteht. Irgendwie sowas eben.
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DasTenna




Alter: 37
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.10.2016
Beiträge: 1012
Wohnort: Saarland
BeitragVerfasst am: So Feb 02, 2020 16:48    Titel: Antworten mit Zitat

Ich weiß gar nicht, wann es war, irgendwann in den frühen 2000ern auf jeden Fall, als ich den Begriff "asexuell" in einem "Justice League of America"-Comic als Selbstbeschreibung des Martian Manhunter las. Da es in dem Kontext aber um sexistische Äußerungen ging ("Im Übrigen ist es unlogisch, mir Sexismus zu unterstellen, da ich im Grunde asexuell bin."), dachte ich damals, dass damit "ungeschlechtlich" bzw. "geschlechtslos" gemeint sei. Was in meiner Vorstellung auf den gestaltwandelnden Marsianer zwar durchaus zutraf, die Aussage für mich aber nicht weniger unsinnig machte.

Mit dem Thema beschäftigt hatte ich mich erst 2016, als ich an meinem Roman zu arbeiten begann und herausfinden wollte, warum mein Protagonist sich so sehr innerlich sträubt, Sex zu haben oder auch nur zu flirten. In einem Artikel über Impotenz oder Lustlosigkeit (ich weiß es nicht mehr genau) stieß ich auf den Begriff "Asexualität" und dann nach kurzer Recherche auf das Forum. Dort las ich in erster Linie im Beziehungsunterforum, wunderte mich schon darüber, warum mir diverse Geschichten so bekannt vorkamen, erkannte, was mein Protagonist mir mangels Begrifflichkeiten nicht hatte sagen können, und kontaktierte erst einmal Dirk Walter per Mail. Ich hatte Fragen und wollte Asexualität nicht falsch repräsentieren.
Also schrieben wir hin und her. Zwischendurch sah ich mir auf YouTube unter anderem die Doku "Asexual - A Love Story" an und brach bei einigen Erzählungen sogar in Tränen aus, weil ich mitfühlte.
Nachdem Dirk Auszüge aus der Rohfassung gelesen hatte, die unter anderem eine furchtbar schlechte und nicht mehr in der Endfassung auftauchende explizitere Szene enthielt, bei der es mir während des Schreibens schon vorkam, als würde ich nur Unfug schreiben, schrieb er in einer Mail einen Satz, der mich zum Nachdenken brachte. Einen Monat lang wälzte ich diesen Satz hin und her, bis es "Klick!" machte und mir klar wurde, warum mir die Geschichten im Beziehungsunterforum so bekannt vorkamen. Es waren Varianten meiner eigenen Geschichte. Die Leute nutzten Worte, die ich auch so oder so ähnlich verwendet hätte.
Die Erkenntnis fühlte sich richtig an. Logisch. Denn sie erklärte ... einfach alles. Mich als heterosexuell zu bezeichnen hat sich dagegen nie richtig angefühlt, immer wie eine Lüge.
Gleichzeitig fühlte ich mich anfangs noch kaputter als eh schon. Bedeutete es doch, dass ich meinen Mann nie auf diese Weise würde glücklich machen können, dass ich ihn nie auf dieselbe Weise würde lieben können, wie er mich. Anfangs hab ich immer wieder verflucht, dass dieses diffuse Gefühl, einfach so zu sein, anders zu sein, richtig war.
Mittlerweile ist dieser Teil meiner Selbstfindung beendet und die Zweifel sind endgültig der Selbstakzeptanz gewichen.

Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:
Maz hat folgendes geschrieben:
im Bus 2 Stunden am Stück Ace of Base hören (all that she wants is another Baby
She leads a lonely life....
Laughing Laughing Laughing

DevilMayCare hat folgendes geschrieben:
Meine Annahme, dass ich mit meiner Sicht auf Sexualität wohl in der Minderheit bin, basierte zu einem großen Teil auch auf Medieninhalte. [...]
Schon auf der Schule, wo es immerhin diese Leute gab [...], wurde mir zum Beispiel in folgendem Erlebnis klar, dass andere bei Schwärmereien wohl noch mir fremde Hintergedanken haben: Ich erwähnte mal, dass ich einen ganz interessant finden würde, der halt schon einige Jahre älter und sogar volljährig ist. Ein Mädchen meinte, dass ich da aufpassen müsste, wenn ich mit dem... [...] Ich bin froh, dass ich das Thema irgendwie abbrechen konnte. Mein Unverständnis dafür teilen? Unmöglich. Ich hätte mich nur noch mehr zum Gespött gemacht.
Ich habe die ähnliche Erfahrung gemacht, dass mit Unverständnis, Spott und Irritation reagiert wird, wenn jemand nicht den diesbezüglichen Erwartungen (Sex ist toll und etwas, das alle wollen.) entsprechend reagiert. Heute stehe ich da drüber und mache mir sogar einen Spaß daraus, die Erwartungen nicht zu erfüllen. Als Jugendliche habe ich mich allerdings unter anderem deshalb an Gesprächen mit Gleichaltrigen selten beteiligt, und in meinen Zwanzigern habe ich im Freundeskreis krampfhaft versucht, mitzureden und über die Witze zu lachen, wobei wohl alle gemerkt haben, dass es nicht mein Ding ist. "Verklemmt" wurde ich damals auch hin und wieder genannt und ich habe versucht, darüber zu lachen.
Medieninhalte unterschieden sich in meiner Jugend noch nicht so sehr von den realen Gesprächen über das Thema und die Serien waren noch nicht so offensichtlich sexualisiert, dass es mir damals aufgefallen wäre. Wenn zwei Figuren dann mal in der Kiste landeten, habe ich die Welt nicht verstanden, weil ich das nie kommen sah. Damals waren die Andeutungen in den meisten Filmen und Serien ähnlich subtil und unterschwellig wie im realen Leben, während Sex heute viel expliziter vorbereitet, angesprochen und gezeigt wird. Dadurch erkenne ich viel eher, wenn eine Szene auf Sex hinauslaufen wird. Nachvollziehbarer wird es dadurch nicht. Laughing
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Maz
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Alter: 43
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 14294
BeitragVerfasst am: So Feb 02, 2020 17:53    Titel: Antworten mit Zitat

Die Definition in der US-Wiki enthält übrigens bereits von Anfang an wie zu erwarten den Bezug zur sexuellen Anziehung. Allerdings auch den Hinweis auf eine mögliche Pathologie:

US Wiki 2002 hat folgendes geschrieben:

A very small percentage of people are not sexually attracted to anyone, and describe themselves as asexual. This may be viewed either as a psycho-sexual problem, or as a form of sexual orientation in itself.


DasTenna hat folgendes geschrieben:

Da es in dem Kontext aber um sexistische Äußerungen ging ("Im Übrigen ist es unlogisch, mir Sexismus zu unterstellen, da ich im Grunde asexuell bin."), dachte ich damals, dass damit "ungeschlechtlich" bzw. "geschlechtslos" gemeint sei.


Bezogen auf Tiere bzw. die berühmten Einzeller war/ist das ja auch im deutschen Raum eine gängige Bedeutung, die aber so weit ich weiß kaum für Menschen verwendet wurde. Wenn dann wohl eher indirekt um zu beschreiben, daß jemand aufgrund eines androgynen Aussehens oder wenig ausgeprägter Geschlechtsmerkmale sexuell unattraktiv wirkt und daher dann "asexuell" ist.

Im englischsprachigen Raum sieht das aufgrund gewisser sprachlicher Besonderheiten (die quasi Gleichsetzung von Geschlechtlichkeit und Sexualität im Wort "Sex") wohl etwas anders aus.

Wiki anno 2002 hat folgendes geschrieben:

In his science fiction novel Distress, Greg Egan imagines a world where "asex" is one out of five or seven aknowledged gender settings.


Aus dem Artikel zur besagten Novelle:

US Wiki hat folgendes geschrieben:

Egan uses his hypothetical future to postulate the existence of not just one but five new genders, and introduces a set of new pronouns for gender neutral people. One of the central characters of the novel, Akili Kuwale, provides a demonstration of this change and its implications. As an asexual human, Akili has had all reproductive organs removed entirely. Within the scope of the novel, Egan uses the pronouns 've', 'ver', and 'vis' to represent Akili's definitive gender neutrality.


Im Zweifelsfall muss man also noch ein bisschen nachhelfen um wirklich asexuell zu werden Wink

Übrigens war David Jay bei seiner Entwicklung des Aven-Dreiecks ursprünglich der Ansicht, daß in der Kategorie Asexualität quasi die Aufhebung der Kategorien "homosexuell und heterosexuell" resultieren würde, hat den Begriff der "sexuellen Anziehung" also wohl mehr oder weniger absichtlich auch im Sinne von "geschlechtsbezogener Anziehung" verwendet (was heutzutage wohl als asexuell und aromantisch bezeichnet werden würde). Die sprachliche Vermischung von Geschlecht und Sexualität prägt daher auch frühe Überlegungen und findet sich teilweise auch in den A-D Typen.
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DasTenna




Alter: 37
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.10.2016
Beiträge: 1012
Wohnort: Saarland
BeitragVerfasst am: So Feb 02, 2020 19:30    Titel: Antworten mit Zitat

Maz hat folgendes geschrieben:
Bezogen auf Tiere bzw. die berühmten Einzeller war/ist das ja auch im deutschen Raum eine gängige Bedeutung, die aber so weit ich weiß kaum für Menschen verwendet wurde. Wenn dann wohl eher indirekt um zu beschreiben, daß jemand aufgrund eines androgynen Aussehens oder wenig ausgeprägter Geschlechtsmerkmale sexuell unattraktiv wirkt und daher dann "asexuell" ist.
Im englischsprachigen Raum sieht das aufgrund gewisser sprachlicher Besonderheiten (die quasi Gleichsetzung von Geschlechtlichkeit und Sexualität im Wort "Sex") wohl etwas anders aus.
Für mich ergab es Sinn, "asexuell" mit Bezug auf den Martian Manhunter aufgrund der gestaltwandlerischen Fähigkeiten als "geschlechtslos" zu deuten.
"Asexual" in der Bedeutung "sexuell abtörnend" oder "sexuell abstoßend" kenne ich im englischsprachigen Raum auch.
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Paul65





Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 26.09.2010
Beiträge: 571
Wohnort: FFM
BeitragVerfasst am: So Feb 02, 2020 19:40    Titel: Antworten mit Zitat

Ungefähr zu meinen 40. Geburtstag kam mir die Erkenntnis, dass mein Leben, das bis dato ohne Sex und Beziehung auskam, vielleicht doch nicht ganz so normal ist. Ist besondere kam mir seltsam vor, dass mir dieser Zustand im Prinzip nichts ausmachte. Ich habe dann ein bisschen im Internet recherchiert und stiess dann relativ schnell auf dieses Forum, habe aber nur ein wenig gelesen und fand mich überhaupt nicht wieder, zu dem Zeitpunkt schrieben hauptsächlich Leute die Sex hatten und sich darüber austauschten wie man das entweder vermeidet oder erträglich gestaltet, und das war nun eben nicht mein Problem. Ich kam mir vor wie in einer Selbsthilfegruppe für Alkoholabstinenzer, deren Mitglieder bis besten Cocktailrezepte austauschen um den Alkoholgeschmack erträglich zu machen Wink.
Ich habe das dann schnell wieder vergessen und bin dann später auf die "Absoluten Beginner" gestossen, die etwas mehr mit meinen Fragen zu tun hatten. Dort hat mich aber eher frustriert, dass die meisten sehr an der Sex- und Beziehungslosigkeit gelitten haben und mir das selbst eigentlich nichts ausmachte (wie krank muss ich sein, dass ich es nicht einmal merke dass ich ein Problem habe Sad )
Auch heute noch habe ich gelegentlich Phasen wo ich bedauere nicht allosexuell zu sein, ähnlich wie ich es schade finde nicht Klavier spielen oder nicht tanzen zu können, ist schade aber ist halt so. Aber ich weiss inzwischen auch dass ich das nicht mehr grundsätzlich ändern kann.
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Ich mag keinem Club angehören, der Leute wie mich als Mitglied aufnimmt - Groucho Marx
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Rea




Alter: 48
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 21.08.2015
Beiträge: 921
BeitragVerfasst am: So Feb 02, 2020 20:43    Titel: Antworten mit Zitat

SKZ hat folgendes geschrieben:
Ich glaub, ich hab nach einem Begriff gesucht, mit dem man endgültig akzeptiert, dass ich keinen Sex mit irgendwem will und auch keine Aussicht darauf besteht. Irgendwie sowas eben.

Meinst Du mit "man" das Gegenüber? Also dass das Gegenüber endgültig akzeptiert, dass es keinen Sex geben wird?
Mit "man" könnte man ja auch sich selbst meinen. Hier haben ja schon einige Forenmitglieder geschrieben, dass sie den Begriff für sich selbst gefunden haben und dass er ihnen teilweise geholfen hat, endlich eine Bezeichnung für etwas zu haben, was sie betrifft.

Ich selbst habe ja im RL den Begriff asexuell schon verwendet um auszudrücken, dass ich absolut kein sexuelles Interesse habe. Leider ist da zwei mal der Schuss nach hinten losgegangen, weil das vom Gegenüber eher als Aufforderung verstanden wurde, noch aufdringlicher zu werden bzw. mir zu beweisen, dass das ja gar nicht sein könne.

DasTenna hat folgendes geschrieben:
[...] irgendwann in den frühen 2000ern auf jeden Fall, als ich den Begriff "asexuell" in einem "Justice League of America"-Comic als Selbstbeschreibung des Martian Manhunter las.

Dir ist der der Begriff erstmals in einem Comic begegnet? Das finde ich spannend - ich möchte ja nen Comic über das Thema Asexualität machen und bin am überlegen, wodurch meine Protagonistin zum ersten Mal diesen Begriff hört. Wär ja witzig, wenn eine Comicfigur über einen anderen Comic erstmals den Begriff vermittelt bekommt. Weißt Du noch, in welchem Heft/ Band von "Justice League of America" das aufgetaucht ist?

DasTenna hat folgendes geschrieben:
Mit dem Thema beschäftigt hatte ich mich erst 2016, als ich an meinem Roman zu arbeiten begann und herausfinden wollte, warum mein Protagonist sich so sehr innerlich sträubt, Sex zu haben oder auch nur zu flirten. In einem Artikel über Impotenz oder Lustlosigkeit (ich weiß es nicht mehr genau) stieß ich auf den Begriff "Asexualität" und dann nach kurzer Recherche auf das Forum.

Smile Da hast Du also eine Eigenschaft Deines Protagonisten recherchiert und bist dann auf etwas gestoßen, was Dich selbst betrifft?

Paul65 hat folgendes geschrieben:
Ich kam mir vor wie in einer Selbsthilfegruppe für Alkoholabstinenzer, deren Mitglieder bis besten Cocktailrezepte austauschen um den Alkoholgeschmack erträglich zu machen
Totlachen
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Sandkastenzorro
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Alter: 40
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
Beiträge: 3620
Wohnort: Fairvale
BeitragVerfasst am: So Feb 02, 2020 22:08    Titel: Antworten mit Zitat

Rea hat folgendes geschrieben:
Meinst Du mit "man" das Gegenüber? Also dass das Gegenüber endgültig akzeptiert, dass es keinen Sex geben wird?
Mit "man" könnte man ja auch sich selbst meinen.


Nein, ich meinte damit schon mein Gegenüber. Für mich selber brauchte ich das nicht klar haben, denn ich wusste ja schon immer, dass ich fikto bin und mich reale Leute und Sex mit denen nicht interessiert. Nur hatte ich damals weder den Begriff dafür gehabt (der war da noch nicht erfunden), noch wurden meine Erklärungen diesbezüglich ernstgenommen. Also hab ich nach was handfestem gesucht, was man auch "im Lexikon" finden würde, wenn man denn wollte. Also etwas, das man nicht mehr als "Spleen" abtun kann.

Mittlerweile tangiert mich das allerdings nicht mehr. Ich sage, was ich bin und nehme dann Asexualität oder Homosexualität als Bekräftigung oder Vergleich. Also sage, dass ich fikto bin und die Chance, mich für eine Beziehung oder ins Bett zu kriegen, genauso inexistent ist, wie sie es wäre, wäre ich lesbisch, asexuell oder ein Stein. Wenn das nicht zieht, verlasse ich die Situation und den Menschen. Ich halte mich mit sowas nicht mehr auf, wie ich es früher gemacht hab. Entweder, man frisst es gleich, oder bemüht sich zumindest, oder man geht getrennte Wege. Ich sehe mich nicht mehr in der "Verständnisbringschuld", nur weil ich nicht standardheterosexuell bin.
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