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Angst vor Scheitern der Beziehung

 
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BlindingLights





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 17.02.2020
Beiträge: 2
BeitragVerfasst am: Mo Feb 17, 2020 13:51    Titel: Angst vor Scheitern der Beziehung Antworten mit Zitat

Hallo zusammen Smile

Also, ich bin 22 Jahre alt, weiblich und nun seit ein paar Monaten in meiner ersten Beziehung. Mein Freund ist die erste Person, in die ich verliebt bin und auch die erste Person, mit der ich körperliche Erfahrungen mache.

In meiner Pubertät begann ich, mich für Jungen und Sex zu interessieren, allerdings war bei mir nie dieses Verlangen da, sondern eher eine Neugier. Ich dachte jahrelang, dass diese Neugier das sexuelle Verlangen sei, von dem alle sprechen und dachte, dass ich "ganz normal heterosexuell" bin. Rückblickend gibt es da Punkte, die "auffällig" sind: ich habe kaum sexuelle Erregung verspürt, ich hatte zwar kleine Schwärmereien, aber irgendwie viel seltener und weniger intensiv als andere, ich hatte nie das Bedürfnis nach Selbstbefriedigung, als ich dies trotzdem ausprobiert habe, hat es nicht funktioniert und hatte Angst davor, dass mein zukünftiger Freund mit mir schlafen wollen würde. Ganz lange hielt ich das für normal, bis ich irgendwann mit 18 soweit war, mich selbst als asexuell zu bezeichnen. Eine Zeit lang habe ich mich dann auch darüber identifiziert, aber irgendwann war es mir egal und ich hatte das Gefühl, kein Wort für das zu brauchen, was ich bin.

Dann lernte ich meinen Freund kennen und zum ersten Mal fand ich jemanden so richtig toll. Bei ihm war es irgendwie anders und bei ihm habe ich plötzlich häufig Erregung in Situationen empfunden, in denen ich es nicht erwartet hätte (z.B. beim Küssen oder Kuscheln). Ich hatte sogar das Gefühl, weiter gehen zu wollen, (noch) nicht unbedingt Sex haben zu wollen, aber irgendwas in Richtung Petting. Ich dachte irgendwie, diese ganze "Asexualitätssache" wäre jetzt kein Thema mehr und es würde bei uns einfach so laufen wie bei allen anderen auch. Nun ist es aber so, dass ich plötzlich zwar immer noch erregt werde, aber nicht mehr so schnell und so häufig wie am Anfang. Dazu kommt, dass es Berührungen gibt, die sicherlich die meisten Menschen erregen würden, mich aber nicht oder nur sehr geringfügig. Trotzdem finde ich sie angenehm und genieße sie auch, aber das dazugehörige sexuelle Gefühl stellt sich nicht ein. Das alles führt zu der Angst, dass negative Auswirkungen auf unsere Beziehung haben wird und letzten Endes dazu führen wird, dass wir uns trennen werden. Er ist mir wirklich extrem wichtig, wir verstehen uns gut, passen gut zusammen und ich kann mir eine Zukunft mit ihm vorstellen. Aber es macht mich so traurig, dass alles daran scheitern kann, dass ich sexuell gesehen anders empfinde, dass es sein kann, dass alles passt, aber daran scheitert, dass ich liebevoll, lustig, verständnisvoll usw. sein kann, aber trotzdem keine gute Freundin sein kann, so sehr ich es auch möchte. Und ich glaube, dass ich mir aus diesem Gedanken heraus Druck mache, "funktionieren" zu müssen, was auch nicht gerade förderlich ist.

Ging/geht es jemandem ähnlich? Was sagt ihr dazu?
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DasTenna




Alter: 36
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.10.2016
Beiträge: 998
Wohnort: Saarland
BeitragVerfasst am: Mo Feb 17, 2020 22:06    Titel: Antworten mit Zitat

Mir ging es sehr ähnlich wie dir, allerdings hatte ich keinen Namen für das, was mit mir "los" war. Weshalb ich mit meinen Partnern nie darüber reden konnte. Wenn sie fragten, woran es läge, konnte ich nur mit den Schultern zucken und erklären, dass es nicht an ihnen läge.
Das Gefühl, nicht zu genügen, kenne ich daher auch.

Du aber hast Worte für das, was du empfindest. Daher solltest du das, was du hier geschrieben hast, deine Sorgen und Zweifel, mit deinem Freund teilen. Nur dann findest du heraus, wie er dazu steht und wie er sich diesen Teil der Beziehung vorstellt. Zu einer engen Beziehung gehört auch Vertrauen. Ich weiß, ein paar Monate sind noch kein langer Zeitraum. Da spielt verständlicherweise, gerade bei der ersten Beziehung, noch viel Unsicherheit mit. Dennoch ist es wichtig, dass du über Zweifel mit ihm redest, sobald sie auftauchen, und nicht noch länger mit dir herumschleppst. Denn das erzeugt in der Tat Druck. Der kann dann dazu führen, dass du entweder um der Beziehung willen Dinge tust, die du nicht willst, oder im Gegenteil Dinge tust, die Beziehung zu sabotieren, obwohl du das nicht willst. Druck erzeugt nämlich auf kurz oder lang Aggression, die sich gegen eins selbst und/oder gegen andere richten kann.
Been there, done that. War nicht so dolle.

Ich drücke euch beiden die Daumen.


Liebe Grüße,
Carmen
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I am normal. It´s the rest of the world that´s weird. - Ich bin normal. Der Rest der Welt ist schräg drauf. (Impulse - Bartholomew Allen II)
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BlindingLights





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 17.02.2020
Beiträge: 2
BeitragVerfasst am: Mo Feb 17, 2020 23:30    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Carmen,

danke für deine Antwort. Es tut gut verstanden zu werden.

Mich macht das alles so traurig und auch irgendwo wütend. Es wäre alles gut, ich könnte einfach froh seinen einen so tollen Freund wie ihn zu haben (womit ich nie gerechnet hätte), wenn ich einfach so funktionieren würde wie die meisten anderen auch. Ich bin auch froh, dass ich weiß, dass Asexualität existiert und das macht es für mich sicherlich auch leichter als für diejenigen, die denken, sie wären die einzige Person auf der Welt, der es so geht, aber ich möchte trotzdem nicht so sein.

Du hast so recht. Ich möchte auch mit ihm darüber sprechen, ihm alles erklären, aber wie fängt man sowas an? Ich verstehe mich selbst nicht ganz, meine Empfindungen ändern sich von einem Tag auf den anderen, ich habe keine Liste "Das ist okay für mich, das möchte ich nicht" in meinem Kopf, manche Dinge kommen mir sogar selbst widersprüchlich vor. Wie soll es schaffen, dass er mich versteht, wenn ich mich selbst noch nicht ganz verstehe?
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DasTenna




Alter: 36
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.10.2016
Beiträge: 998
Wohnort: Saarland
BeitragVerfasst am: Di Feb 18, 2020 4:54    Titel: Antworten mit Zitat

Diese "Liste" hatte ich auch nicht, weil ich mir darüber vor meinen Beziehungen nie Gedanken gemacht hatte. Ich sah keine Notwendigkeit darin.
Außerdem war ich es gewohnt, dass es nicht wichtig war, was ich wollte, sondern nur, was andere wollten.

Einen Einstieg zu finden, ist tatsächlich nicht so einfach. Außer "Ich möchte mit dir über unsere Beziehung reden." fällt mir leider auch nichts ein.
Es macht aber auch nichts, wenn ein Gespräch etwas holprig anfängt. Nervosität und Unsicherheit sind völlig normal, vor allem, wenn man sich noch nicht so vertraut ist.
Bisher klingen deine Berichte allerdings so, als würden deine Befürchtungen weniger auf seinem tatsächlichen Verhalten als vielmehr auf Mutmaßungen und Erwartungen deinerseits basieren. Als würdest du dich unter Druck setzen, weil du glaubst, etwas leisten zu müssen.
Hat er denn gesagt, dass ihm in der Beziehung etwas fehlt?
Wenn nicht, wäre das eine Frage, die du ihm stellen könntest. Davon ausgehend, wie er antwortet, könnt ihr dann weitersehen.
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