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Ich will nicht aromantisch sein! Totale Verzweiflung
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Adamant




Alter: 61
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 22.05.2019
Beiträge: 545
BeitragVerfasst am: Do Jun 06, 2019 18:08    Titel: Antworten mit Zitat

Wo dann auch meine Antwort ist, dass ich es in der Tat als ironisch wahrgenommen hatte, das aber im Weiteren sich als ein Trugschluß meinerseits herausstellte (sähe sonst hier bissl unhöflich meinerseits aus, nicht auf eine direkte Frage geantwortet zu haben, ist aber bitte nicht als Kritik bezüglich Verschieben misszuverstehen)
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auroria




Alter: 28
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 02.06.2019
Beiträge: 4
BeitragVerfasst am: Fr Jun 07, 2019 21:37    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin eigentlich auch der Meinung, dass wir Menschen auf Gesellschaft angewiesen sind. Auf der anderen Seite bekomme ich viele Behauptungen zu hören wie "du brauchst niemanden" à là "selbst ist die Frau!", meist aus den Mündern, die bereits glücklich verheiratet sind und Kinder haben etc.
Meine Depressionen sind definitiv chronisch, wie bereits richtig vermutet wurde, jedoch nicht manisch. Phasenweise geht es mir äußerst schlecht, in denen ich es bevorzuge alleine zu sein und meine Probleme im Stillen auszuweinen, weil ich es in der Vergangenheit nicht anders gelernt habe. Meine Eltern sind herzensliebe Menschen, doch mit meinen depressiven Verstimmungen haben sich mich meist in meinem Zimmer weinen lassen, im fälschlichen Glauben, dies würde mich stärken und die Entstehung von Abhängigkeit (einer Schulter zum ausweinen) verhindern.
In schlechten Phasen bin ich leichter reizbar und möchte vor allen Dingen alleine sein. Jegliche Anwesenheit anderer empfinde ich als zusätzliche Belastung. Ich möchte nicht angesprochen werden (schon gar nicht, als sei ich ein naives, unschuldiges Mädchen, meiner 1,55m wegen. Das erlebe ich leider häufig.), das Gequatsche anderer interessiert mich wie Pinguin den Eisbär, wobei es mir gut tut, gerade in diesen Phasen in Gesellschaft zu sein. Blöd nur, dass dies inzwischen ein Dauerzustand ist. Alleine das Ausgehen mit Freunden ist für mich mit Stress verbunden. Ohne Zweifel mag ich meine Freunde, deshalb frage ich mich, warum es so eine Belastung für mich ist?
Nach wie vor weiß ich nicht, wie ich mit dieser Art von mir umgehen soll. Zum einen könnte akzeptieren, dass ich "der einsame Wolf" bin, der sich tief im Inneren dennoch einsam fühlt oder aber ich zerbreche mir den Kopf, im Versuche mich zu ändern, sprich mich unter Leute zu zwingen.

Selbstverständlich bin ich mit 27 noch jung und könnte urplötzlich der ein oder anderen Überraschung in meinem Leben begegnen, aber ich komme mir so ausgegrenzt vor, wie jemand, der hinterher hinkt. Okay, ich weiß nicht, ob es relevant ist zu erwähnen, dass ich tatsächlich von Geburt an eine Entwicklungsverzögerung habe. Psychisch, als auch körperlich hat bei mir alles wesentlich länger gedauert. Und das ist nicht als Misere misszuverstehen. Als ich die, sagen wir mal, Erkenntnis bekam, habe ich viele Rückschlüsse aus meiner Vergangenheit erlangt.

Ich kann nicht behaupten fieberhaft nach Mister Maybe zu suchen, es ist mehr ein Gedanke, der einen fehlplatzierten Anker in meinem Hirn geworfen hat. Mein Neid gebührt meinen Brüdern, meiner Cousine, die alle glücklich in einer Beziehung sind, teils schon Kinder haben. Und jedes Mal denke ich "sowas wirst du nie haben". Und mit jedem Jahr, das vergeht, macht mich das griesgrämiger. Ich habe keine Lust meiner Cousine und ihren Freundinnen dabei zuzuhören, wie sie über ihre Kinder reden, ihre Ehe, die Beziehungen und Verflossenen, gemeinsame Urlaube, der Kauf eines Hauses, blabla. Als ewiger Single kommt man sich da so fehl am Platz vor und schluckt bitterlich die Eifersucht hinunter.

In meinem Falle ist es nicht der Zwang der Gesellschaft, der ich mich mit meinem Wunsch nach einer Familie beugen will. Es ist tatsächlich ein Wunsch aus tiefstem Herzen eine eigene Familie zu haben. Ja, Kinder sind anstrengend, aber eben doch eine Bereicherung, da man durch sie neue Facetten des Lebens kennen lernt (zumindest sehe ich das so). Doch das Ganze ist noch so unglaublich weit entfernt, dass ich es nicht erblicken kann. Denn nach wie vor ist mein größter Feind meine Psyche. Irgendwas in mir weigert sich mit Händen und Füßen.

Wie geht es nun weiter? Es führt kein Weg an einer neuen Therapie vorbei. Derzeit versuche ich Kontakt mir Psychologen aufzunehmen, doch die Schwierigkeit dahinter ist bekannt. Ich hoffe inständig, dass ich jemanden finde, der mir auf diesem Gebiet irgendwie weiterhelfen kann. Meine vorige Therapie habe ich beendet, weil sie tiefenpsychologisch war. Das heißt, dass man ausschließlich in der Kindheit gräbt, die Vergangenheit aufarbeitet usw. Ich will aber nicht in meiner von Ausgrenzung gezeichneten Jugend graben. Ich ehemaliger Psychologe in einem Krankenhaus hat mir zu einer Verhaltenstherapie geraten und dem stimme ich vollkommen zu. Die Vergangenheit ist vergangen. Ich kann sie nicht ändern, egal in wie vielen Sitzungen darüber spreche. Viel wichtiger ist es im Jetzt zu leben und die "Macken" direkt anzupacken. Ich habe sehr gute Erfahrung in Gruppentherapien gemacht, weil man dort nicht nur den Rat eines Psychologen hört, sondern den Rat von Gleichgesinnten, basierend auf eigener Erfahrung.
Leider hat mir der erste Psychologe wenig geholfen. Da er mir ein Ultimatum stellte, entweder weniger Stunden arbeiten zu gehen, um die Therapie wahrzunehmen oder es seinzulassen, habe ich mich für letzteres entschieden. Immerhin habe ich Verpflichtungen, die sich leider nur mit einem geregelten Einkommen regeln lassen und da ich eh keinen Erfolg in der Therapie sah, war es für mich der richtige Entschluss, den ich bis heute nicht bereue. Letztendlich haben wir nur Themen abgearbeitet, die für mich eigentlich keine so große Priorität haben. Vielmehr interessiert mich die Fähigkeit Anschluss in der Gesellschaft zu finden, Leute zu treffen, Leute kennenlernen und nicht nur für sich alleine zu sein. Die Beziehungskiste etc. Aber all das wurde mit wenigen Sätzen abgetan, die ich mir genauso gut von jedem Nächstbesten anhören kann.

Gibt es denn noch andere, die wenig vor die Haustür gehen bzw. mehr für sich sind? Genießt ihr eure eigene Zeit oder wünscht ihr euch auch ab und an mehr "gesellschaftsfähig" zu sein? Wie geht ihr damit um?

Liebe Grüße
PS: Ich habe einfach unüberlegt in die Tasten gehauen. Es war ein langer Tag. D:
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Rea





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 21.08.2015
Beiträge: 806
BeitragVerfasst am: Sa Jun 08, 2019 1:00    Titel: Antworten mit Zitat

auroria hat folgendes geschrieben:
Ich bin eigentlich auch der Meinung, dass wir Menschen auf Gesellschaft angewiesen sind. Auf der anderen Seite bekomme ich viele Behauptungen zu hören wie "du brauchst niemanden" à là "selbst ist die Frau!", meist aus den Mündern, die bereits glücklich verheiratet sind und Kinder haben etc.

Also zum einen denke ich, dass mensch sich ja nicht für das eine oder das andere entscheiden muss - man muss sich ja nicht entscheiden, ob man nun ganz eng mit einem anderen Mensch zusammen lebt oder ganz alleine, ohne Gesellschaft als Einzelgänger. Da gibt es noch sehr viel dazwischen.

Und dann denke ich, dass andere Menschen überhaupt nicht wissen können, was Deine Bedürfnisse sind und was Du brauchst. Das weißt nur Du.
Und solche Phrasen wie "Selbst ist die Frau!" die würde ich zum einen Ohr rein - und zum anderen Ohr rauslassen.

auroria hat folgendes geschrieben:
Phasenweise geht es mir äußerst schlecht, in denen ich es bevorzuge alleine zu sein und meine Probleme im Stillen auszuweinen, weil ich es in der Vergangenheit nicht anders gelernt habe.

Also zum einen kannst Du jetzt auch neue Strategien lernen.
Und zum anderen finde ich diese Strategie gar nicht so übel. Es gibt andere Strategien, die einem richtig Schaden können, z.B. sich mit Suchtmittel betäuben, sich selbst verletzten u.a..
Weinen kann durchaus auch etwas in einem lösen.

auroria hat folgendes geschrieben:
Alleine das Ausgehen mit Freunden ist für mich mit Stress verbunden. Ohne Zweifel mag ich meine Freunde, deshalb frage ich mich, warum es so eine Belastung für mich ist?

Es IST nun mal stressig, mit einer Depression, in einer Phase in der es einem schlecht geht, soziale Kontakte zu pflegen. Das ist so.

Vielleicht kleine Schritte machen? Es muss ja nicht gleich ein ganzer Abend sein - ein zeitlich kürzerer Kontakt vielleicht?

Für mich waren da Spaziergänge, ein Treffen auf dem Wochenmarkt mit anschließendem Kaffeetrinken in einer Depri-Phase möglich.
Rausgehen ist eh gut bei Depressionen, Einkaufen muss man auch - ich hab das dann mit einem Sozialkontakt verknüpft. Und dann langsam aufgebaut - mal zum Essen mit jemandem gehen - dann mal jemanden zuhause besuchen - ...

Zitat:
Zum einen könnte akzeptieren, dass ich "der einsame Wolf" bin, der sich tief im Inneren dennoch einsam fühlt oder aber ich zerbreche mir den Kopf, im Versuche mich zu ändern, sprich mich unter Leute zu zwingen.

Es muss ja kein "entweder oder" sein. Du musst ja nicht als "einsamer Wolf" oder als "Sozialwesen" durch die Welt gehen. Ich denke, dass fast alle Menschen beide Anteiel in sich haben und mal ist der eine, mal der andere Anteil stärker.
Bei einer Depression ist halt die Gefahr, dass ein sozialer Rückzug zur Gewohnheit wird und man soziale Kontakte vermeidet.

Zitat:
Okay, ich weiß nicht, ob es relevant ist zu erwähnen, dass ich tatsächlich von Geburt an eine Entwicklungsverzögerung habe. Psychisch, als auch körperlich hat bei mir alles wesentlich länger gedauert.

Was Entwicklung und Reifung angeht, gibt es halt Unterschiede zwischen den Menschen. Vielleicht hilft es, sich das zu zu gestehen?
Wenn ich auf mein Leben schaue - da gibt es Bereiche, da war ich frühreif - und es gibt Bereiche, da hinke ich ordentlich hinterher.

Zitat:
Mein Neid gebührt meinen Brüdern, meiner Cousine, die alle glücklich in einer Beziehung sind, teils schon Kinder haben. Und jedes Mal denke ich "sowas wirst du nie haben".

Okay - da kann ich mich jetzt ganz schlecht einfühlen, weil ich das absolut nicht kenne. Mir war seit früher Jugend klar, dass ich keine Familie haben möchte. Kinder in die Welt zu setzen war/ ist für mich undenkbar. Daher kenne ich diesen Neid auch nicht.
Ich kann den Neid auch nicht recht begreifen.

Zitat:
Ich habe keine Lust meiner Cousine und ihren Freundinnen dabei zuzuhören, wie sie über ihre Kinder reden, ihre Ehe, die Beziehungen und Verflossenen, gemeinsame Urlaube, der Kauf eines Hauses, blabla. Als ewiger Single kommt man sich da so fehl am Platz vor und schluckt bitterlich die Eifersucht hinunter.

Im letzten Satz verallgemeinerst Du. Du empfindest Neid und Eifersucht. Aber das ist nicht das Los eines ewigen Singles so zu fühlen.
Ich bin ewiger Single. Wenn ich solche Geschichten höre, höre ich ohne solche Gefühle zu. Wenn ich negative Gefühle habe, dann eher, dass ich denke: "Ob die Beziehung wohl hält?" "Oh je, jetzt kaufen die sich auch noch ein Haus - bei einer Trennung ist das immer ein Zankapfel".

Einige von meinen Ausbildungskollegen haben gleich nach der Ausbildung geheiratet und gebaut (das war zu der Zeit in der Region so üblich). Als ich dann Ende Zwanzig war, da waren etliche geschieden, eine sogar zum zweiten Mal geschieden und die Häuser mussten dann natürlich auch verkauft werden. Damals war bei mir nicht mal "das erste Mal" in Sicht - und Gleichaltrige hatten 3 Kinder von 3 verschiedenen Männern und zwei geschiedene Ehen.

Zitat:
Meine vorige Therapie habe ich beendet, weil sie tiefenpsychologisch war. (...) Leider hat mir der erste Psychologe wenig geholfen. Da er mir ein Ultimatum stellte, entweder weniger Stunden arbeiten zu gehen, um die Therapie wahrzunehmen oder es seinzulassen, habe ich mich für letzteres entschieden.

Das ist schade, dass Du da bei Deinem Versuch Dir Hilfe zu holen auf eine Therapieform gestoßen bist, die Dir nicht geholfen hat. Dieses Ultimatum des Psychologen finde ich auch fragwürdig. Ich kenne das bei der Psychoanalyse - da fordern manche Therapeuten, dass man 2 mal in der Woche zur Therapie kommt. Das ist neben einer Berufstätigkeit gar nicht zu bewältigen.

Nun weißt Du zumindestens was Dir nicht gut tut und kannst nach anderen Methoden schauen. Und wenn Du Deine Ziele beschreibst, dass es Dir um ganz konkrete Dinge geht, die Du angehen magst - ist eine verhaltenstherapeutisch orientierte Therapie ganz sicher sinnvoller. Das hätte der Therapeut eigentlich auch erkennen sollen.

Zitat:
Ich habe sehr gute Erfahrung in Gruppentherapien gemacht, weil man dort nicht nur den Rat eines Psychologen hört, sondern den Rat von Gleichgesinnten, basierend auf eigener Erfahrung.

Dann wäre doch eine Selbsthilfegruppe auch eine Möglichkeit! Weil da ist es ja auch so, dass man unter "Gleichgesinnten" ist. Die anderen kennen ja auch die ganzen Symptome einer Depression. Es wird nicht erwartet, dass man gut drauf ist oder gute Laune verbreitet - man darf so sein wie man ist.
Schau doch mal nach, ob es in Deinem Ort eine Selbsthilfegruppe gibt. Und wie schon gesagt, in vielen Orten gibt es auch U30 Gruppen.

Zitat:
Gibt es denn noch andere, die wenig vor die Haustür gehen bzw. mehr für sich sind? Genießt ihr eure eigene Zeit oder wünscht ihr euch auch ab und an mehr "gesellschaftsfähig" zu sein? Wie geht ihr damit um?

Ich habe Depressionen seit ich ungefähr 12/ 13 Jahre alt bin. Ich habe jahrzehnte lang isoliert gelebt. Sozialkontakte hatte ich durch meine Arbeit. Im Privatleben war ich eingemauert.

Seit relativ kurzer Zeit pflege ich Sozialkontakte und merke, dass es mir gut tut. Mir ist es nicht leicht gefallen, die Mauer zu überwinden, war einiges an Arbeit. Eine Therapie hat mir geholfen.

Nun hatte ich nie diesen Wunschtraum nach einer eigenen Familie. Also dieses Ziel hatte ich wie erwähnt nicht. Mein Ziel war, Kontakte zu knüpfen, zu pflegen, ehrlich zu sein, mehr Nähe zulassen zu können. Das war schwer für mich, aber ich bin's angegangen und so wie es zur Zeit läuft bin ich zufrieden mit mir.
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Fichte
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Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 27.06.2012
Beiträge: 353
BeitragVerfasst am: Di Jun 11, 2019 8:36    Titel: Antworten mit Zitat

auroria hat folgendes geschrieben:
Alleine das Ausgehen mit Freunden ist für mich mit Stress verbunden. Ohne Zweifel mag ich meine Freunde, deshalb frage ich mich, warum es so eine Belastung für mich ist?
Kannst du denn einschätzen, was genau den Stress verursacht? Ich hab mal gelesen, dass jedes Lebewesen in Anwesenheit von Artgenossen eine höhere körperliche Aktivierung hat. Keine Ahnung, ob das wirklich allgemein stimmt, aber zumindest auf mich trifft zu, dass ich selbst Verwandte, die ich schon mein ganzes Leben lang kenne und mit denen ich mich gut verstehe, nicht rund um die Uhr um mich haben will, sondern ich brauche ab und zu Phasen für mich allein. Ich genieße solche Phasen, in denen ich allein bin - aber mit dem Wissen, dass ich auch jederzeit einen geliebten Menschen aufsuchen könnte, wenn ich wollte. Ein Leben komplett allein ohne jegliche Bindung bzw. ohne jegliche Liebe kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.

auroria hat folgendes geschrieben:
doch mit meinen depressiven Verstimmungen haben sich mich meist in meinem Zimmer weinen lassen, im fälschlichen Glauben, dies würde mich stärken und die Entstehung von Abhängigkeit (einer Schulter zum ausweinen) verhindern
Ich hatte zwar noch keine depressiven Verstimmungen, aber wenn ich als Kind mal traurig war, wollte ich allein sein und das mit mir selbst ausmachen. Mir ging es total auf die Nerven, wenn meine Mutter mich trösten wollte, und da sagte ich ihr auch immer: "Lass mich allein." So verschieden können Menschen sein.
Wenn ich dich richtig verstanden hab, hast du instinktiv also ein Bedürfnis z. B. danach, dich an jemandes Schulter ausweinen zu können, aber durch die Erziehung ist dieses Bedürfnis irgendwie blockiert worden?

Aber noch mal zum Stressthema zurück: Könnte vielleicht auch eine Form von Introversion sein. Da gibts ja die Theorie, dass introvertierte Menschen leichter erregbar sind und dementsprechend weniger Stimulation brauchen. Das trifft auch auf mich zu. Ich war z. B. gestern in einem Freizeitpark und hatte zwar Spaß, aber heute bin ich so kaputt von den vielen Eindrücken und dem Lärm und dem Rauch.
Obendrein stressen mich neue Kontakte selbst dann, wenn ich jemanden sympathisch finde. Ich glaub, ich brauch Jahre, bevor mein Stresslevel auf Verwandtschaftsniveau runter ist. Aber so lange hab ich bisher noch niemanden gekannt, um von der Stufe "neuer Kontakt" über die Stufe "Bekanntschaft" auf die Stufe "wahre Freundschaft" (oder irgendeine andere Form von Liebe) zu kommen.
Vielleicht bist du mit deinen Freunden auch noch nicht genügend vertraut?
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Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3235
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Di Jun 11, 2019 10:02    Titel: Antworten mit Zitat

auroria hat folgendes geschrieben:


Gibt es denn noch andere, die wenig vor die Haustür gehen bzw. mehr für sich sind? Genießt ihr eure eigene Zeit oder wünscht ihr euch auch ab und an mehr "gesellschaftsfähig" zu sein? Wie geht ihr damit um?

Liebe Grüße
PS: Ich habe einfach unüberlegt in die Tasten gehauen. Es war ein langer Tag. D:


Manchmal kommen die besten Texte dabei rum, wenn man einfach drauflos schreibt. Smile

Es gab solche Zeiten in meinem Leben, wo ich über Jahre hinweg kaum das Haus verließ, da war ich aber ziemlich jung, reaktiv-depressiv, sehr dick und alleine. Das war so eine Isolationsdrang, auch weil ich die ständige Hänselei und Niedermache, die Sprüche einfach nicht mehr ertragen konnte. In den Zeiten ging ich eigentlich nur noch nachts mal unterwegs.

Ich habe mir früher auch mal gewünscht, gesellschaftstauglich werden zu können, weil ich glaubte, das gehört einfach dazu zum richtigen Menschsein, ohne das kann man nie weit kommen. Nun habe ich das vielmals zu lernen versucht und beobachtet, wie andere sich sozial integrieren. Selbst geschafft habe ich das nie so wirklich. Es gibt heute sowas wie temoräre, saisonale Bekanntenkreise, wo das eigentlich richtig nett zugeht. Über den Winter bin ich dann wieder für mich und habe Zugang zum Internet und dort den Forums-Beitragenden als Unterhaltungsgruppe.

Das Alleinesein bin ich gewohnt und habe es mir auch oft genug extra so ausgesucht. Ich genieße daran die Freiheit, zu tun und zu lassen, was ich wann, wie oder wo machen will, mir redet niemamnd dazwischen.
Mit den Naja-Seiten vom Alleinesein habe ich mich arrangiert, da lässt sich ja nicht viel dran ändern, dass das eben mal so ist. Wenn es die Gesundheit noch zulässt, mache ich viel kreativ, im Garten oder eben Windsurfen gehen. Gesundheitsprobleme schränken mich leider etwas ein, früher bin ich weite Strecken in der ganzen Gegend umher gelatscht, einfach des Freiheitsgefühls zuliebe, und weil man viel sehen kann, Tiere, Pflanzen, interessante Steine und Zeugs.

Gut, warum oder wie Menschen Beziehungen finden, und was die davon so haben, sowas werde ich immer nur aus dem Beobachterstandpunkt und als Hobbyforscher jemals sichten können. Aber ich denke, auch wenn ich diese Befähigung gehabt hätte, hätte das doch bestimmt viel Lebenszeit und Freiheit weg gefressen, darin involviert zu sein. Vermutlich wäre mir das ganz schön auf den Sack gegangen. Very Happy
_________________
Wer später stirbt, erlebt den Tod derer, die früher sterben, und hat deshalb länger was zu lachen.
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Fichte
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Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 27.06.2012
Beiträge: 353
BeitragVerfasst am: Mi Jun 12, 2019 16:55    Titel: Antworten mit Zitat

Windsurfhippie hat folgendes geschrieben:
Aber ich denke, auch wenn ich diese Befähigung gehabt hätte, hätte das doch bestimmt viel Lebenszeit und Freiheit weg gefressen, darin involviert zu sein.
Laughing Ich glaub, wenn man das Bedürfnis nach einer Beziehung hat und es schafft, einen passenden Menschen zu finden, dann empfindet man die Beziehung nicht als Zeitverschwendung und nicht als Gefangenschaft/Freiheitsentzug sondern als Bereicherung des Lebens.

Aber mir ist jetzt immer noch nicht klar, ob auroria bisher einfach das Pech hatte, romantisch-sexuelle Beziehungen mit Menschen zu versuchen, die sie nicht attraktiv fand, oder ob sie einfach eine allgemeine "sensorische" Abneigung gegen Körperkontakt hat, oder ob die bisherige Abneigung irgendwie "psychisch" bedingt ist. Oder vielleicht eine Mischung aus unterschiedlichen Gründen. Je nachdem gäbe es aber sicherlich Lösungen, um den Wunsch nach einer eigenen Familie zu erfüllen. Neuerdings hört man z. B. öfters von Co-Parenting. Dabei entscheiden zwei Leute aus Vernunftsgründen, miteinander ein Kind zu zeugen und aufzuziehen.
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