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Ich will nicht aromantisch sein! Totale Verzweiflung
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auroria




Alter: 28
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 02.06.2019
Beiträge: 4
BeitragVerfasst am: So Jun 02, 2019 15:20    Titel: Ich will nicht aromantisch sein! Totale Verzweiflung Antworten mit Zitat

Mir ist bewusst, dass es bereits so manche Themen zum Thema Aromantik gibt, doch möchte ich gerne meine persönliche Situation schildern, zumal es kaum Einträge im WWW gibt, mit denen ich mich identifizieren kann.
Wie die Überschrift es bereits sagt, vermute ich aromantisch zu sein, doch möchte ich es nicht!
Schon als Kind fehlte mir jegliche Faszination für jederlei Geschelchts. Kindliche Schwärmereien gab es bei mir nicht. Mit den verstreichenden Jahren wuchs in mir der Wunsch "auch mal eine Beziehung einzugehen". Alle Menschen meines Alters sammelten bereits Erfahrungen, verliebten sich und hatten im Gegensatz zu mir den großen Vorteil auch geliebt, gar beachtet zu werden. Lasst mich hier erwähnen, dass ich unter schwerem Mobbing litt. Ich war nie der schöne Schwan und wurde mit dem Namen "Gollum" angesprochen.
Wie ich sie alle beneidete ... doch es sollte einfach nicht sein.
Die Jahre vergingen, ich begann eine Ausbildung, und der Wunsch nach einer Beziehung wurde so groß, dass ich eine einging. Doch sie hielt nicht lange. Der Mann bemühte sich wirklich, er liebte mich aufrichtig, doch ich empfand nicht das Gleiche. Jetzt wirds radikal: Er ekelte mich an. Jedes Mal, wenn er mich berührte, habe ich brechen wollen und hätte ihm am liebsten die Hand weggeschlagen! Ist das noch normal?
Jahre später ging ich eine weitere Beziehung ein. Die gleichen Beweggründe, der gleiche Verlauf: Ich ließ mich darauf ein, weil ich "normal" sein wollte, nicht mehr das ewige Singleweib, meine Eltern waren auch froh, dass ich "endlich mal einen Deckel auf dem Pott" hatte. Ich war die Liebe seines Lebens, er hätte seine Arme für mich abgehackt, doch das ließ mich kalt. Wir trafen uns an den Wochenenden und sie waren für mich die reine Folter. Schon das Wissen, dass bald Freitag sei, kotzte mich an. Kaum war Sonntag Abend, war ich "erlöst". Dabei war er doch kein schlechter Kerl! Aber seine bloße Anwesenheit machte mich krank.

Daraufhin vergingen 4 Jahre, in denen mich eine Depression nach der anderen jagte. Selbstmordversuche, Antidepressiva, Klinik, blabla.
Die letzten zwei Jahre verliefen recht ereignislos. Neuer Job, eigene Wohnung ... nur eines fehlte: Ich sehnte mich noch immer nach einer Beziehung ... na ja, oder ich versuche mal es anders zu formulieren: Ich wollte nicht mehr alleine sein.
Es ist so unglaublich schmerzhaft für mich zu sehen, wie alle Menschen in meinem Umfeld so langem ihre eigenen Familien gründen und ich kehre in meine alleinstehende Wohnung zurück und beglücke mich mit Fernsehen und Internet. Meine Hobbys habe ich vor Jahren bereits alle aufgegeben, da ich aufgrund meiner Depressionen keine Kraft mehr habe, irgendwas zu machen, was keinem Zwecke dient.

Nun kehre ich aus dem Urlaub zurück, den ich mit einem Freund verbrachte. Ich war im Glauben, dass ich vielleicht endlich mal eine Beziehung eingehen könnte. Doch schon wieder das Gleiche: Seine Berührungen machten mich aggressiv, der ganze Urlaub war reine Folter.
Hinzu kommt, dass ich kürzlich meine Tabletten abgesetzt habe und die Frist des Abbaus des Restwirkstoffes noch nicht vorüber ist.
Dennoch hat mich diese Erfahrung nun völlig in den Abgrund gestürzt. Die Worte Aromantik und Asexualität sind mir nicht fremd. Ich schätze, dass auf mich nur erstes zutrifft, obwohl ich nicht behaupten kann sexuelle Erfahrung zu besitzen.
Mein Problem ist: Manche können sich mit ihrer Sexualität abfinden, sie "outen" sich und leben ihr Leben in Freiheit, ohne sich selbst ständig infrage zu stellen. Ich aber möchte das nicht!
Es ist so, als würde mein Körper sich gegen meinen Verstand auflehnen! Ich wünsche mir aus tiefstem Herzen eines Tages nach Hause zu kommen, dort warten mein Partner und meine Kinder auf mich, meine eigene Familie. Doch jedes Mal wenn ein Interessent vor der Tür steht, schlage ich sie mit voller Wucht zu, obwohl es doch mein Wunsch ist!?

Nun plagt mich die absolute Verzweiflung mein Leben in Einsamkeit verbringen zu müssen. Klar, es gibt Freunde. Ich aber habe nicht viele. Auch der Kontakt zu anderen ist aufgrund meiner Depression eine unüberwindbare Hürde. Na ja, dann wären da noch meine Eltern, aber die werden nicht immer für mich da sein. Auch die werden eines Tages gehen. Und dann? Dann sitze ich alt und grau einsam in meiner Wohnung.

Da stellt sich für mich die Frage: Wofür lebe ich eigentlich? Ich meine, ich werde niemals in der Lage sein eine Beziehung zu führen, Freundschaften pflegen bekomme ich nicht auf die Kette, ich habe keine Hobbies mehr, die Eltern werden keine 150, alle Gleichaltrigen leben irgendwann in ihren eigenen Familien und dann bin da ich ... Also ich will jetzt keine Angst verbreiten, aber jetzt mal Hand auf's Herz?
Wofür genau lebe ich eigentlich? Worauf warte ich?
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Rea





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 21.08.2015
Beiträge: 806
BeitragVerfasst am: So Jun 02, 2019 15:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Auroria,

Auroria hat folgendes geschrieben:
Da stellt sich für mich die Frage: Wofür lebe ich eigentlich? Ich meine, ich werde niemals in der Lage sein eine Beziehung zu führen, Freundschaften pflegen bekomme ich nicht auf die Kette, ich habe keine Hobbies mehr, die Eltern werden keine 150, alle Gleichaltrigen leben irgendwann in ihren eigenen Familien und dann bin da ich ... Also ich will jetzt keine Angst verbreiten, aber jetzt mal Hand auf's Herz?
Wofür genau lebe ich eigentlich? Worauf warte ich?

Puh - das klingt heftig - Dir geht es sehr übel gerade.

Du schreibst, dass Du ein Antidepressivum abgesetzt hast - ich könnte mir vorstellen, dass es Dir dadurch momentan noch schlechter geht. Auch bei Medikamenten, die nicht abhängig machen, gibt es Absetzphänomene, die den Körper und die Psyche extrem stressen und außerdem hast Du wahrscheinlich keinen "Schutz" gegen die Depression. Ich hoffe, dass Du Kontakt zu Leuten hast, die Dich unterstützen.

Du sprichst das Thema Einsamkeit an. Meiner Meinung nach ist eine Partnerschaft kein Garant dafür, dass man in seinem Leben nicht (mehr) einsam ist. Es gibt sogar Menschen, die sich in einer Partnerschaft/ Ehe elend einsam fühlen - meiner Mutter ist das jahrelang so gegangen und es war dann eine Erleichterung, als sie sich getrennt hat. Da war sie zwar dann allein - aber wenigstens war da kein Mann mehr da, mit dem sie sich einsam fühlt.

Selbst wenn ein Mensch glücklich ist in einer Beziehung - so kann es sein, dass er verlassen wird und dann allein ist. Ein Partner kann sterben, kann sich in jemand anderen verlieben, kann die Beziehung beenden - es ist also keine "Sicherheit" da.

Eine enge Beziehung muss ja nicht unbedingt eine Partnerschaft sein - das kann auch eine Freundschaft sein. Und auch wenn Du jetzt nicht viele Freunde hast und die letzte Zeit durch Deine Depression Schwierigkeiten hattest, Kontakte zu knüpfen - wenn Du Kontakte haben möchtest könntest Du daran bestimmt etwas verändern, auch mit einer Depression.

Wenn man nicht alleine leben möchte gibt es auch noch die Möglichkeit einer Wohngemeinschaft. Ich selbst könnte mir das im Moment nicht vorstellen - aber wenn ich älter werde, wäre das eine Option für mich. Ich sehe das bei meiner Mutter, die jetzt im betreuten Wohnen lebt und mit 2 Mitbewohnerinnen sehr gut auskommt - sie helfen, unterstützen sich, reden miteinander, scherzen, sind für einander da. Alle hatten mal einen Mann - aber sind inzwischen entweder geschieden oder verwitwet.

Du schreibst, dass Du keine Hobbies mehr hättest - wegen Deiner Erkrankung? Und welche Hobbies hattest Du davor? Was interessiert Dich?

Übrigens bin ich asexuell und heteroromantisch - aber wenn ich es mir "aussuchen" könnte, wäre ich lieber aromantisch.

Ich hoffe, dass Du bald aus diesem tiefen Loch draußen bist und wieder etwas Zuversicht gewinnen kannst.

Grüße von
Rea
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auroria




Alter: 28
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 02.06.2019
Beiträge: 4
BeitragVerfasst am: So Jun 02, 2019 16:14    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank für die schnelle Antwort.
Nun ja, die Auswirkungen des Absetzen des Medikamentes bekomme ich durchaus zu spüren. Ich bin gereizt und verbringe die Zeit jenseits des Büros im Bett. Das wird hoffentlich bald vergehen. Aber einen Einfluss auf die Beziehungsunfähigkeit hatte es nicht, das war nämlich schon Jahre zuvor ein Problem.
Dass Partnerschaften auch anstrengend sein können, bekomme ich immer von anderen mit. Streitigkeiten, eine gebrochenes Herz, doch mich interessiert dieses Gerede nicht. Grundsätzlich kann ich behaupten ziemlich emotionslos zu sein. Auch die Probleme oder das Leid meiner engsten Verwandten, die ich wirklich liebe, interessieren mich meist nicht. Da ist jemand krank? Jemand liegt im Krankenhaus oder hat finanzielle Kriesen? Lässt mich alles kalt, als würde es mich nicht interessieren und das treibt mich wiederum zur Frage, ob dies "nur" an den Depressionen liegt oder ob ich ein Monster bin. Ich meine, da liegt jemand leidend im Krankenhaus und mir ist es egal? Ist das nicht irgendwie krank?

Ich finde es auch fragwürdig, dass irgendwas in mir das Glück im Leben von eines Beziehung abhängig macht. Natürlich kann man auch einen "Partner" haben, doch wo findet man so jemanden? Ich will mich jetzt auch nicht krankhaft auf die Suche begeben, da ich weiß, wie absurd das ist und dennoch leistet da irgendwas in mir Widerstand und strebt nach einer Partnerschaft. Das Ganze ist so paradox ...

Zitat:
Du schreibst, dass Du keine Hobbies mehr hättest - wegen Deiner Erkrankung? Und welche Hobbies hattest Du davor? Was interessiert Dich?


Ich habe gezeichnet, sehr gut sogar. Ich habe ein Buch geschrieben und würde es so liebend gerne zu Ende schreiben! Es ist eine so tolle Geschichte, die einfach auf meiner Festplatte verstaubt. Ich würde so gerne Theater spielen. Tanzen hat mich immer interessiert, doch das schaffe ich nicht, da ich kaputte Füße habe und ich aufgrund der Depressionen an Konzentrationmangel leide. Ich habe es versucht, doch alle haben mich nur angestarrt, weil ich mir die Schritte nicht merken kann. Ich würde meine Freunde gerne mehr treffen. Es gibt so vieles, was mich interessiert. Doch ganz gleich was es ist, die Überwindung "es zu tun" ist viel zu groß.

Die Depressionen beherrschen meinen Alltag, mein ganzes Leben. Aber an Psychologen oder Therapeuten kommt man eh nicht ran. Habe es Jahre lang versucht ... hatte mal einen und der fragte mich ständig über meine Kindheit aus. Sowas kann ich nicht gebrauchen. Von Medikamenten will ich auch weg, weil sie meinen Körper einfach kaputt gemacht haben (Nebenwirkungen).

Mich stört einfach die Tatsache, dass mein Körper und mein Geist gegeneinander kämpfen. Der Wunsch ist da, wird jedoch vom Körper vereitelt, als würde er sich mir in den Weg stellen. Sowas nennt man cupioromantisch. Noch nie davon gehört? Ich bis vor 2 Stunden auch nicht. Ich weiß nicht, ob es meine Depressionen sind, die mich beziehungsunfähig machen oder ob ich wirklich aromantisch bin.

Ich bin jetzt 27 und habe das Gefühl, das Leben zieht an mir vorbei, als würde mein Zug ohne mich abfahren.
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Sandkastenzorro
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Alter: 38
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
Beiträge: 3458
Wohnort: Fairvale
BeitragVerfasst am: So Jun 02, 2019 16:25    Titel: Antworten mit Zitat

Mir scheint, als hättest du irgendein Ideal im Rücken, das du gern hättest, weil du glaubst, dann endlich glücklich zu sein. Dabei willst du doch gar keine Beziehung - zumindest nicht die Art von Beziehung, die gesellschaftlich unter dem Begriff verstanden wird, mitsamt ihrer Mitbringsel - Du willst lediglich einen Menschen, für den du exklusiv bist, ohne den ganzen anderen Schiselameng. Eine Beziehung beginnt man ja nicht aus der Motivation des "nicht allein sein wollens", sondern, weil man verschossen ist. Das fällt bei dir komplett weg.

Wäre ich du, würde ich mich nicht fragen, wie ich einen Partner bekomme, mit dem ich Ideal "Bilderbuchfamilie" irgendwie realisieren kann, sondern reflektieren, warum du glaubst, nur durch dieses Ideal glücklich werden zu können und was für Muster da reinspielen. Und wenn das einmal offen aufm Tisch liegt, daran arbeiten, dass du dir selbst genügst. Denn ganz ehrlich: Eine Partnerschaft haben zu wollen, damit der andere ein Defizit von mir selbst ausgleicht, hat keinerlei Bestand auf Dauer. Eine Partnerschaft sollte immer nur ein Addon sein, nicht das Hauptprogramm.
_________________
Didn't your mother never teach you no manners?
-I ain't never had no mother, we was too poor!
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Rea





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 21.08.2015
Beiträge: 806
BeitragVerfasst am: So Jun 02, 2019 16:43    Titel: Antworten mit Zitat

auroria hat folgendes geschrieben:
Lässt mich alles kalt, als würde es mich nicht interessieren und das treibt mich wiederum zur Frage, ob dies "nur" an den Depressionen liegt oder ob ich ein Monster bin. Ich meine, da liegt jemand leidend im Krankenhaus und mir ist es egal? Ist das nicht irgendwie krank?

Deswegen bist Du doch kein Monster. Ein Monster würde andere verletzen und sich freuen, wenn sie Schmerzen haben. Also ein Monster ist was anderes...

Denkst Du denn, dass dich die Anliegen anderer Menschen nicht interessieren? Oder zeigst Du das nicht oder nicht so wie andere das machen? Oder interessieren Dich nur bestimmte Dinge?

auroria hat folgendes geschrieben:
Natürlich kann man auch einen "Partner" haben, doch wo findet man so jemanden? Ich will mich jetzt auch nicht krankhaft auf die Suche begeben, da ich weiß, wie absurd das ist und dennoch leistet da irgendwas in mir Widerstand und strebt nach einer Partnerschaft. Das Ganze ist so paradox ...

Menschen sind ja immer wieder mal widersprüchlich - dieses "einerseits"/ "andererseits" kennen glaube ich viele. Manchmal ist so eine Ambivalenz schwieriger zu ertragen. Wenn Du gerade gereizt bist wegen dem Absetzen von Medis ist das jetzt vielleicht besonders quälend.

auroria hat folgendes geschrieben:
Ich habe gezeichnet, sehr gut sogar. Ich habe ein Buch geschrieben und würde es so liebend gerne zu Ende schreiben! Es ist eine so tolle Geschichte, die einfach auf meiner Festplatte verstaubt. Ich würde so gerne Theater spielen. Tanzen hat mich immer interessiert, doch das schaffe ich nicht, da ich kaputte Füße habe und ich aufgrund der Depressionen an Konzentrationmangel leide. Ich habe es versucht, doch alle haben mich nur angestarrt, weil ich mir die Schritte nicht merken kann. Ich würde meine Freunde gerne mehr treffen. Es gibt so vieles, was mich interessiert. Doch ganz gleich was es ist, die Überwindung "es zu tun" ist viel zu groß.

Very Happy Das sind ja eine ganze Menge Hobbies - viel Kreatives und viele Bereiche.

Hast Du denn das Buch im Kopf fertig? Was bräuchte es, dass Du Dich da wieder ransetzt? Es gibt ja die Möglichkeit, selbst ein Buch bei "books on demand" oder einem ähnlichen Verlag drucken zu lassen.

Wenn Dich Theater interessiert - hast Du da mal geschaut, was es an Deinem Ort für Gruppen gibt?

Beim Tanzen gibt es vielleicht auch Gruppen oder Tanzstile, bei denen man sich eher frei bewegt und nicht festen Schritten/ Figuren folgen muss. Musik und Bewegung kann ja sogar therapeutische Wirkung haben - vielleicht wird so etwas auch für Menschen mit Depressionen angeboten?

Zitat:
Sowas nennt man cupioromantisch. Noch nie davon gehört? Ich bis vor 2 Stunden auch nicht.

Ich kenne den Begriff nicht - obwohl ich hier auf aven schon länger unterwegs bin.

Zitat:
Ich weiß nicht, ob es meine Depressionen sind, die mich beziehungsunfähig machen oder ob ich wirklich aromantisch bin.

Ist bestimmt schwer, das zu unterscheiden.
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auroria




Alter: 28
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 02.06.2019
Beiträge: 4
BeitragVerfasst am: So Jun 02, 2019 20:24    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich zunächst an mir selber arbeite. Nun, es ist natürlich einfacher, wenn man einen Partner hat, der jemanden wie mich "in den Hintern tritt", um mal hochzukommen. Da ich mich aber aus tiefstem Herzen hasse, sollte ich wohl zu aller erst einmal an mir selber arbeiten. Ich möchte meine Hobbies wieder aufnehmen, meine Ängste vor der Gesellschaft anderer verlieren, indem ich mehr unter Leute gehe. Vom vor dem Fernseher hocken geht das nicht.
Mich beschäftigt dieses Thema wirklich seit Jahren und von Psychologen hört man nur den Satz "dann haben Sie den Richtigen noch nicht gefunden". Na die machen sich es leicht, indem sie das Thema mit diesem Satz abschließen und das ist äußerst enttäuschend.

Es ist richtig, dass man sich nicht durch den Partner erst vollkommen fühlen soll. Man selber ist vollkommen. Das Paradoxe an der Sache ist einfach, dass ich es weiß. Ich bin mir über meine Situation im Klaren, ich weiß, dass ein Partner kein Garant für das bessere Leben ist. Doch dieses Etwas in mir will es so sehr und das macht mich einfach so stutzig. Als wäre da ein Fremdkörper in mir ...

Auf die Frage ob und was mich interessiert ... na ja, manches interessiert mich schon. Aber nicht das, was Kollegen am Wochenende gemacht haben, wo sie mit ihrem Partner waren oder was sie gekocht haben ... ebenso wenig, wenn ein enger Angehöriger einer Freundin im Krankenhaus ist. Als meine Eltern (unabhängig) im Krankenhaus waren, interessierte es mich weniger, als mir lieb war, dass sie operiert werden mussten. Ich meine, ich liebe meine Eltern bis zum Tode. Ich weiß, dass ich schon "anders" bin, aber manchmal frage ich mich schon, ob dieser intensive Level an Gleichgültigkeit normal ist.

Vor Jahren habe ich geschrieben, weil es mir Spaß machte. Heute zwinge ich mich dazu, weil ich es für eine Vergeudung halte, eine so schöne Geschichte nicht zu Wort zu bringen. Mir fehlt es an Motivation. Habe ich einfach keinen Spaß mehr am Schreiben oder sind es die Depressionen? Fakt ist, dass sie meine Motivation definitiv ausbremsen.
In Punkto Theater habe ich mich schlau gemacht, mich bei einer Gruppe angemeldet, doch wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, die machen es einem schwer da rein zu kommen. Irgendwie tut sich da nichts.
Ich halte Schauspiel oder Theater für eine gute Therapie. In andere Rollen zu schlüpfen bedeutet, die eigene Rolle kurzzeitig zu verlassen. Darin sehe ich die Möglichkeit eventuell Seiten in mir zu entdecken, die in mir verborgen blieben.
Was das Tanzen anbelangt müsste ich mich nochmal erkunden. Eine nicht von Choreografien abhängige Tanzart wäre eine gute Idee!

Da ich meine letzte Therapie vor einem Jahr abgebrochen habe und 2 Jahre vergehen müssen, bis eine Neue beginnen kann (man kann durch Dringlichkeit durchaus eine ohne 2 Jahre Wartezeit beginnen, aber die BKK Mobil Oil ist ein Haufen *zensiert* (entschuldigung)). Im Juli sind die zwei Jahre rum, dann werde ich eine neue Therapie beginnen, in der Hoffnung einen guten Psychologen zu finden.

Übrigens möchte ich mich bei euch bedanken. Dass mir gleich Leute so interessiert und offen antworten, hätte ich so rasch nicht erwartet. Vielen Dank!
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Apodemus




Alter: 37
Sexualität: efjg84sjg
Anmeldungsdatum: 14.08.2018
Beiträge: 176
BeitragVerfasst am: Mo Jun 03, 2019 10:32    Titel: Antworten mit Zitat

auroria hat folgendes geschrieben:
Wofür genau lebe ich eigentlich? Worauf warte ich?

Ich denke mir immer: Naja, selbst wenn ich für fast nichts außer Warten mehr genug Kraft habe – rein theoretisch könnte trotzdem noch ohne besonderen Grund oder Anlass irgendwas Spektakuläres passieren das ich nie vorausgesehen hätte und Leben kostet ja fast nix außer dem Verstand. *shrug*

Und natürlich: Immer effektive Copingstrategien sammeln! Von den Dingern kann man sowieso fast nie zu viele haben…

Wenn das Warten zu stressig wird und für alles andere wenig Kraft da ist, da kann ich z.B. Audiobücher empfehlen. Im Gegensatz zum Fernseher kann man dabei wenigstens noch nebenbei irgendwas anderes machen, das ohne Audiobuch lästig wäre / Kraft kosten würde. Mit etwas Übung läuft man dabei sogar nur noch selten gegen Türen und wirft auch fast nie die Kaffee-Maschine an ohne dass eine Tasse drunter steht. *two-thumbs-up*

Haustiere sind ebenfalls eine Zeit lange super, nur fällt man nicht einfach spontan um und schläft für immer sobald man alle beerdigt hat, so wie ich das ursprünglich geplant hatte - sondern alles geht einfach immer irgendwie trotzdem weiter, nur dass man jedes mal mehr Haustiere vermisst... deswegen bin ich mir nicht sicher, ob ich so etwas empfehlen sollte... aber andererseits... „YOLO“ oder so, schätze ich? :3

Freunde funktionieren in dem Kontext ungefähr genauso wie Haustiere; statt Beerdigungen gibt es zunächst hauptsächlich Hochzeiten und Jobangebote an fernen Orten, aber das ändert sich dann später irgendwann… es empfiehlt sich vermutlich, sich dringend neue Freunde zuzulegen bevor die alten alle weg sind, denn nicht nur mit den Jahren sondern speziell auch ohne Freunde wird das Freunde-Finden noch einmal SEHR deutlich erschwert.

auroria hat folgendes geschrieben:
Ich bin jetzt 27 und habe das Gefühl, das Leben zieht an mir vorbei, als würde mein Zug ohne mich abfahren.

Ich denke je früher man das Gefühl kriegt und darauf reagiert, desto einfacher ist es unter Umständen doch noch irgendeinen Zug zu erwischen. Man sollte allerdings darauf achten, dass man an der richtigen Haltestelle steht. Und vielleicht mal schauen, ob es noch Züge in andere Richtungen gibt als dieses klassische „Nuclear family“ Zeug oder was immer man sich in den Kopf gesetzt hat. Oder zur Not andere Leute finden, die auch alle Züge verpasst haben - vielleicht ist ja irgendwo eine Haltestelle wo man es sich auch halbwegs gemütlich einrichten kann.

auroria hat folgendes geschrieben:
Es ist richtig, dass man sich nicht durch den Partner erst vollkommen fühlen soll. Man selber ist vollkommen.
Das halte ich für eine starke Verallgemeinerung / Übertreibung. Menschen sind soziale Tiere - nicht für Allein-Haltung geeignet - und ohne stabile zwischenmenschliche Beziehungen mit gemeinsamer Zukunft und Perspektive können sich die meisten nicht so richtig wohlfühlen. Das sind in der heutigen Gesellschaft primär „Partner“ in irgendeiner Form – denn alle anderen hauen fast immer früher oder später ab und haben nur noch Zeit für ihre eigenen „Partner & Co“. Es müssen nicht immer sexuelle / romantische Partner sein (die Varianten sind - denke ich - nur vergleichsweise sehr einfach zu finden, wenn man so eine Attraktion als Kompass hat) und Partner sind auch kein Ersatz für eine „gesunde Basis“, aber darüber hinaus… macht es in den meisten Fällen vermutlich mehr Sinn, die Definition für „Partner“ auszuweiten als zu versuchen, ganz ohne „Partner“ zu leben – wenn man grundsätzlich auf die Art „sozial“ veranlagt ist.

Jedes mal, wenn mir jemand sagt, dass man angeblich „dringend erst lernen muss, auch mit sich alleine glücklich und vollständig zu sein“, dann kriege ich ein leichtes Bedürfnis die Person mal für ein Jahr auf den Mond zu schießen um zu schauen wie es der danach geht. Klar, es gibt immer Ausnahmen, es gibt wohl einige Menschen die dauerhaft alleine gut zurecht kommen und so glücklich und vollständig sein können. Aber bei den meisten Leuten ist das nicht der Fall; viele Leute kennen es überhaupt nicht wie es sich anfühlt wirklich alleine zu sein; Viele der Leute die so reden hatten ihr ganzes Leben lange immer eine oder mehrere feste Beziehungen die sie nur nicht „sehen“ oder nicht „zählen“ weil sie diese entweder als selbstverständlich ansehen oder weil diese nicht „typisch“ (/sexuell) sind. Ohne halbwegs zuverlässige / hoch verfügbare „Ansprech-Partner“ fangen die meisten Leuten nach ca 3 Tagen an mit den Möbeln zu reden; Oder sie füllen ihren Alltag mit so vielen fremden wechselnden Gesichtern, Status-Symbolen und Sex und Stress und käuflicher instant gratification und Facebook-Status-Beziehungen und Instagram-Like-Validierung dass ihnen dabei nur selten auffällt, dass sie irgendwie trotzdem unglücklich sind, sobald sie mal eine Minute zum Denken frei haben (das können für sich genommen auch alles nützliche Copingstrategien sein, aber als Haupt-Strategie ist das eventuell auch nicht ideal).

...öhm...

Lange Rede, kurzer Sinn: Ja, ich denke wer sich nicht von einer „konkreten spezifische Attraktion“ (o.ä.) stark in Richtung konkreter spezifischer Menschen gezogen fühlt aber trotzdem ein starkes Bedürfnis danach hat, dauerhaft nicht alleine zu sein oder sogar mit anderen Menschen zusammen auf die eine oder andere Art etwas wie ein „größeres Leben“ aufzubauen, der hat in der heutigen Gesellschaft mit etwas Pech keine so tollen Voraussetzungen und die zahlreichen Probleme die sich in dem Kontext ergeben können sind definitiv nicht trivial. Das sollte man anerkennen, dass manchmal „mit sich selbst glücklich sein“ nicht ALLES ist; die meisten Leute *brauchen* an irgendeiner Stelle auf irgendeine Art MEHR und für einige sind die Grundvoraussetzungen „stark suboptimal“ oder mit anderen Worten: manchmal hat man irgendwie wirklich die eine oder andere Arschkarte gezogen oder gleich 'ne ganze Hand voll von den Dingern. Aber weiter geht es irgendwie - muss ja... und es gibt viele Möglichkeiten, irgendwie damit umzugehen.

( Ob es auch *gute* oder *einfache* Möglichkeiten gibt, damit umzugehen, hab ich noch nicht herausgefunden, viel Glück! Very Happy )
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Fichte
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Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 27.06.2012
Beiträge: 353
BeitragVerfasst am: Mo Jun 03, 2019 16:09    Titel: Antworten mit Zitat

Willst du eine klassische Beziehung (Mann und eigene Kinder) nur, weil du "normal" sein willst? Wenn es um "Sinn" geht, könntest du ja z. B. deine Kunstwerke als deine "Kinder" sehen. Und wenn es ums "nicht allein sein" geht, könntest du dir ja Freunde suchen, die eine ähnliche Lebenseinstellung haben wie du. Davon scheint es zwar wirklich nicht viele zu geben, aber es gibt welche. Man muss sie nur finden.

Aber in deinem Fall wäre natürlich auch möglich, dass du vielleicht wirklich nur noch nicht den "richtigen" Mann kennengelernt hast. Wenn ich deinen Text richtig verstanden hab, fandest du die Männer, mit denen du bisher Beziehungen ausprobiert hast, gar nicht attraktiv, oder? Bei mir hat es auch lange gedauert, bis ich endlich mal einen Menschen kennenlernte, den ich anziehend genug fand, um freiwillig körperliche Nähe zu wollen. Danach verstand ich endlich, warum das Wort "Anziehung" heißt. Kam mir nämlich wirklich so vor, als wenn irgendetwas von der Person ausgehen würde, was mich in ihre Nähe zog (oder als wenn irgendetwas in mir drin mich in die Richtung der Person schieben würde). War interessant, das mal zu erleben. Aber auf Sex hatte ich trotzdem keine Lust. Und obendrein hatte ich kein Interesse an einer klassischen Beziehung, sondern ich wollte einfach nur ab und zu Zeit mit der Person verbringen und irgendwann vielleicht eine Haus-WG gründen, wo jeder seinen eigenen Bereich hätte, um allein sein zu können, aber wo es auch einen Gemeinschaftsbereich gäbe, um sich treffen zu können. Mit dem romantischen "rund um die Uhr aufeinanderhängen" (und was es sonst noch alles in romantischer Richtung gibt) kann ich irgendwie gar nichts anfangen, sondern ich bevorzuge eine andere Art der Liebe.

An deiner Stelle würde ich versuchen, herauszufinden, was du wirklich selbst willst. Was fühlt sich gut oder richtig für dich an?
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Adamant




Alter: 61
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 22.05.2019
Beiträge: 545
BeitragVerfasst am: Mo Jun 03, 2019 17:03    Titel: Antworten mit Zitat

auroria hat folgendes geschrieben:
Da ich mich aber aus tiefstem Herzen hasse,

......

Im Juli sind die zwei Jahre rum, dann werde ich eine neue Therapie beginnen, in der Hoffnung einen guten Psychologen zu finden


Ich hoffe nicht "herzlos" zu erscheinen, aber Rat durch einen Profi scheint mir in der Tat dringend geboten. Mit Betonung auf "gut", ich drücke die Daumen. Sich selbst zu hassen ist gar nicht gut.

Beste Grüße, Adamant
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Wauwau




Alter: 43
Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 05.04.2007
Beiträge: 2492
Wohnort: Wien
BeitragVerfasst am: Di Jun 04, 2019 18:49    Titel: Antworten mit Zitat

Auroria, zwei Dinge:

1, Der Mensch ist ein Rudeltier. Ohne Sozialkontakte verkommst du.

2, Böse Mathematiker haben die Chance auf "den Richtigen" berechnet. Sie ist extrem klein. Ja, den Topfdeckel gibt es, aber du würdest Jahrhunderte leben müssen, um ihn aufzuspüren.

Es gibt die Variante, einen Samenspender zu heiraten und das Kind zu lieben. Ja, das ist fies - aber gängig. Plane für die Scheidung gut voraus. Das Kind bleibt dir.

Baue ein Netzwerk aus Freunden auf. Viel Arbeit.

Rechne nicht fix mit dem Traumprinz, er kommt vermutlich nie.
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Then let us pray that come it may /As come it will for a´that/ That Man to Man the world o´er/ Shall brothers be for a´that. (Robert Burns)
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Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3235
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Di Jun 04, 2019 23:05    Titel: Antworten mit Zitat

Mich freut hier grade ziemlich, wie es das Netz schaffen kann, einen Menschen aufzufangen, wenn sie gerade aus den Wolken einer tieferen Sinnkrise fällt, und anscheinend nicht so recht weiiß, wie dieser Fall gebremst werden kann, oder wann.

Ich bin nun zwar offenbar lebenslang Aromantiker gewesen, könnte aber kaum einen Rat oder auch nur meinen Senf dazu abgeben, wie man jemandem helfen kann, die nicht aromantisch sein möchte.

Wozu hier sein, hier leben, darauf habe ich wohl die Antwort "zum Selbstzweck" gefunden. Wenn man sich entschließt, nicht dafür zu leben, um für Irgendwen da zu sein, und den Zweck des Daseins mal auf - ich bin da, YOLO und so isses nun halt mal herunter bricht, tut's das doch an sich. Den ganzen anderen Leuten mal eine Führung auf der Zunge zeigen, und sagen, ich bin da - kommt damit klar oder schleichts euch.

Weiter unten lese ich dann, wie sehr Du Dich selber hasst - keine Bange, damit bist Du auch nicht allein auf der Welt, das kommt in den schrägsten Familien vor.
Man kann aber, wenn man sich dran versucht, eine ganze Menge dieser Dinge ändern, die man an sich selbst nicht mag, denn oft hasst man ja nicht ausdrücklich sich, sondern dass man diverse Dinge nicht gebacken kriegt oder von Depressionen bestimmt und ausgebremst wird, oder einfach den Schwung nicht zusammen kriegt, um an der Geschichte weiter zu schreiben, und Dinge, die man für Defizite nimmt, weil einem das vielleicht schon lange vorgesagt wurde, oder es sich am Leben zu bestätigen scheint.

Hobbies kann man auch wieder aufnehmen - ja, kreativ sein, Tanz und Schauspiel etwa, wie genannt. Und wenn Dich diese Gruppe nicht rein lässt - gibt es nicht noch mehr Gruppen?
Weiter kann man sich ganz neue Hobbies suchen - irgendwas, was man vielleicht bisher nie auf dem Plan hatte. Damit kommen auch neue Bekanntenkreise mit, möglicherweise.

Haustiere ... je nach Kapazität, kann man sie versorgen? Versorgen sie einen? Leider leben sie oft kürzere Leben als Menschen. Elefanten sind zwar freundliche Haustiere - das hat mir mal jemand gesagt - und sie können 60-70 Jahre alt werden, aber der Platz, den sie einnehmen, wenn man gerade mit ihnen ins Bad muss...äh...you get the picture. Smile

Ansonsten kann, muss, darf man egoistisch sein, wenn man dieses Leben überleben will, das nun mal da ist und das Herz ankurbelt.
Man braucht nicht unbedingt Partner dafür. Vielleicht, wenn man auf Streife fährt und wen benötigt, der die Donut-Schachtel festhält ...okay.

Das mit dem Romantischen ... ich lasse die Frage dazu offen, ob man ohne das erfahren zu haben, wirklich was Entscheidendes verpasst. Ich weiß es nicht.
Aber wenn man bisherige Partner in einer Weise behandelt hat, die man selbst an sich nicht okay fand, ist es für jeden potenziellen weiteren Partner vielleicht das Beste, das vorher zu sagen, damit die wissen, aha, so kommt das gesamte Paket. Vielleicht gibt es dann ja mal den einen, den das auch nicht davon abhält, oder für den die fehlende Romantikebene nicht irre wichtig wäre. Aromantische von Grey bis Allo gibt es vermutlich ganz viele, in deren Partnerschaftsversuchen es eine Rolle spielt, möglichst so zu tun, als sei wenigstens nachgeahmt was Romantisches vorhanden.
_________________
Wer später stirbt, erlebt den Tod derer, die früher sterben, und hat deshalb länger was zu lachen.
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Maz
ADMod Team



Alter: 42
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 13646
BeitragVerfasst am: Mi Jun 05, 2019 9:00    Titel: Antworten mit Zitat

bzgl. der Psychosache:

Gerade wenn die Depression sich nicht auf wenige konkrete Ereignisse als Auslöser festmachen läßt (="endogen") und keine Persönlichkeitsstörungen (für den Fall wäre die Depression allerdings nur ein "Nebeneffekt") oder Traumata im Hintergrund stehen solltest du unbedingt darauf achten einen Verhaltenstherapeuten zu finden der zukunftsorientiert agiert.

Sämtliche psychodynamische/tiefenpsychologische Ansätze sind Vergangenheitsfixiert und werden dir imho keinen Millimeter weiterhelfen weil für den Fall der "endogenen" Depression weder deine Kindheit noch deine familiäre Situation mit der Sache etwas zu tun haben bzw. die Ursachen-Wirkungszusammenhänge allenfalls umgekehrt sind.

Auch sollte eine Sache klar sein: Diese Erkrankung ist definitiv chronisch. Ich persönliche halte nicht so viel davon die Depression als einen on/off Prozess bestehend aus einzelnen "Episoden" zu begreifen sondern sie ist in bestimmten Lebenslagen lediglich mehr oder weniger relevant/dominant. Es sei denn da ist noch eine bipolare Komponente mit drin, dann könntest du auch ins Gegenteil kippen, was dann zwar zeitweise "lustiger" aber weitaus gefährlicher für die Gesundheit wäre.

bzgl. der Beziehungssache stellt sich mir dir Frage ob nicht eigentlich nur die körperliche Nähe hier das Problem darstellt. Das ist aber weder vor dem Hintergrund der chronischen Erkrankung noch vor dem der Medikamente besonders verwunderlich. Ich würde da auch keine Fässer wie "Aromantik" aufmachen, zumal ja offensichtlich ein sogar recht starkes Beziehungsbedürfnis besteht. Körperliche Nähe kann natürlich wichtig werden wenn eine Beziehung besteht (zumindest temporär) aber das bedeutet im Umkehrschluss nicht, daß Beziehungen auch über körperliche Nähe aufgebaut werden müssen. Vielleicht würde es also helfen die Art und Weise des Beziehungsaufbaus zu überdenken was dann allerdings vermutlich erfordert dem Thema zunächst weniger Aufmerksamkeit zu schenken um die bisherigen Muster erst mal zu "verlernen" und wofür dann im Anschluss natürlich auch einen Partner notwendig wäre, der mitspielt und die Grenzen konsequent respektiert. Sicher nicht so einfach aber definitiv möglich wenn die Kriterien bei der "Suche" die richtigen sind.

Ach ja und noch ein allgemeiner Hinweis: Mir scheint da noch recht viel "Theatralik" am Werk zu sein was U30 recht häufig vorkommt. Gerade das hineinlegen von Bedeutungen in emotionale Zustände oder in das Fehlen der selbigen und die daraus resultierende ggf. überhöhte Betonung der Sinnefrage ist eine Problematik aus der man oftmals mit dem Alter raus wächst. Da kann sich also noch vieles quasi von alleine entwickeln, denn älter wird man ja von selbst Wink
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Adamant




Alter: 61
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 22.05.2019
Beiträge: 545
BeitragVerfasst am: Mi Jun 05, 2019 9:10    Titel: Antworten mit Zitat

Windsurfhippie hat folgendes geschrieben:
Mich freut hier grade ziemlich, wie es das Netz schaffen kann, einen Menschen aufzufangen, wenn sie gerade aus den Wolken einer tieferen Sinnkrise fällt, und anscheinend nicht so recht weiiß, wie dieser Fall gebremst werden kann, oder wann.


Ich verstehe was Du meinst. Aber was soll man raten, über Allgemeines hinaus? Beispielsweise sich selbst akzeptieren und mögen zu lernen? Oder jeden Tag optimistisch zu beginnen mit einer erwartungslosen Spannung, was heute wohl Interessantes passieren wird? Menschen freundlich zu begegnen, weil sich dann oft eine positive Rückkopplungsschleife ergibt?

Vor allem aber nie die Flinte ins Korn zu werfen, es kommt sowieso immer anders (und auch positiv), als man denkt .... Wink
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Rea





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 21.08.2015
Beiträge: 806
BeitragVerfasst am: Mi Jun 05, 2019 18:42    Titel: Antworten mit Zitat

Adamant hat folgendes geschrieben:
Windsurfhippie hat folgendes geschrieben:
Mich freut hier grade ziemlich, wie es das Netz schaffen kann, einen Menschen aufzufangen, wenn sie gerade aus den Wolken einer tieferen Sinnkrise fällt, und anscheinend nicht so recht weiiß, wie dieser Fall gebremst werden kann, oder wann.


Ich verstehe was Du meinst. Aber was soll man raten, über Allgemeines hinaus? (...)

nachdenklich Äh - jetzt kapier ich gar nix mehr.

Adamant: meinst Du, dass Windsurfhippie sein "Mich freut es hier gerade ziemlich ..." ironisch meint?
So kommt Dein "Ich verstehe was Du meinst. Aber was soll man raten, (...) nämlich vor.
Wobei ich Hippies Satz gar nicht ironisch empfunden habe.

Das Internet/ Forum kann natürlich keine Verzweiflung, Depression, Sinnkrise "heilen" - aber allein schon das Signalisieren einiger Forenmitglieder: "he - ich habe Deinen Beitrag gelesen, ich nehm das ernst/ meine Ideen dazu sind/ ich hab die Erfahrung gemacht, dass...," das ist schon eine Hilfe. Und ich habe aurorias Reaktion auch so verstanden, dass ihr die Reaktionen gut getan haben.

Nochmal zum Thema Therapie:
@auroria - Du hast geschrieben, dass Du die vorige Therapie abgebrochen hast. Ich glaube, dass es für die nächste Therapie wichtig wäre, dass Dir klar ist, warum Du die vorige Therapie abgebrochen hast - was hat dazu geführt, dass Du diese Therapie nicht fortführen wolltest? (Also ich meine nicht, dass Du hier drüber schreiben sollst. Nur, dass Du Dir selbst darüber im Klaren bist).

Dann wäre es sinnvoll, bei der Kasse nachzufragen, ob Du die "Probestunden" bei den neuen Therapeuten schon vor der 2 Jahressperrfrist bekommen kannst. Man hat ja bei der Suche nach einem Therapeuten das Recht, bis zu 5 Stunden zu machen, um zu sehen, ob man mit dem Therapeuten/ seinem Verfahren zurecht kommt. Du solltest auch schon vorher überlegen, welche Form von Therapie für DICH und Deine Problematik sinnvoll wäre.

Dann gibt es Selbsthilfegruppen. Es gibt Gruppen, da ist auch ein Therapeut oder Arzt anwesend und Gruppen, in denen "nur" Betroffene sind. Das kann sehr, sehr hilfreich sein. Es gibt auch Gruppen extra für jüngere Menschen U30.
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Maz
ADMod Team



Alter: 42
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 13646
BeitragVerfasst am: Do Jun 06, 2019 16:37    Titel: Antworten mit Zitat

Das weitere OT wurde hier hin verschoben: https://www.aven-forum.de/viewtopic.php?t=15448
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