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Fiktophil im Vergleich zu Autoren
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Tachimi





Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 11.11.2018
Beiträge: 9
Wohnort: Ich bin übrigens 20 Jahre alt.
BeitragVerfasst am: Fr Nov 23, 2018 0:17    Titel: Fiktophil im Vergleich zu Autoren Antworten mit Zitat

Hallo allerseits,
Ich habe mich jetzt schon etwas länger gefragt, was genau im Kopf von Fiktophilen vorgeht. (Das ist keineswegs abwertend gemeint!) Ich selbst bin nicht fiktophil. Dementsprechend kann es sein, dass ich zu falschen Annahmen über Fiktos gelange. Bitte korrigiert mich doch, wenn ich das tue, und ich entschuldige mich hiermit schon Mal im Vorraus Embarassed
Jedenfalls finde ich es unglaublich interessant, wie losgelöst die Liebe vom Greifbaren sein kann. Allerdings kann ich es mir auch nicht ganz vorstellen, da es mir sehr schwer fällt, mich selbst in meine Gedanken zu "projizieren". Wie macht ihr Fiktos das? Stellt ihr euch euch selbst als Person in Gedanken vor, ist die Person einfach da in euren Gedanken, interargiert ihr mit ihr mithilfe von anderen Charakteren oder etwas ganz anderes? Wie kommuniziert ihr mit eurem Partner?

Wenn ich darüber nachdenke, vergleiche ich diese Art von Beziehung unweigerlich mit der von Autoren mit ihren Figuren. Ich schreibe selbst Geschichten, darunter auch längere, mit denen ich mich jahrelang beschäftigt habe. Im Laufe der Zeit wachsen einem die Figuren sehr ans Herz. Man leidet mit ihnen, man freut sich mit ihnen, man macht alles zusammen durch. Wenn ich ans Schreiben denke, freue ich mich darauf, mich wieder mit meinem Charakter zu beschäftigen.
Ich könnte jedoch keine romantische Beziehung mit diesen Charakteren eingehen. Denn zum einen, wie ich bereits erwähnt habe, kann ich nicht allzu gut über mich selbst nachdenken. Zum anderen, weil ich z.B. froh bin, wenn zwei Charaktere endlich zueinander finden. Ich passe da einfach nicht rein, allerhöchstens als wohlwollende Mutter...
Aber inwieweit ist es nun einer fiktophilen Beziehung ähnlich? Vielleicht sogar überhaupt nicht?

Ich hoffe, ihr könnt meinen Gedankengang und diesen Vergleich nachvollziehen Wink Wie gesagt, wenn ich hier versehentlich Blödsinn verzapfe, weist mich darauf hin.

Auch die Nicht-Fiktos dürfen sich natürlich gern an einer Diskussion beteiligen. Mich würde es auch interessieren, ob ihr diese Autoren-Gefühle kennt?

Schönen Abend
Tachimi

EDIT: Ups, eigentlich sollte das hier ein Forum darüber Shocked Das kommt davon, wenn man im müden Zustand auf Absenden drückt Laughing
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Zuletzt bearbeitet von Tachimi am Fr Nov 23, 2018 14:55, insgesamt einmal bearbeitet
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Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3235
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Fr Nov 23, 2018 10:35    Titel: Antworten mit Zitat

Also zum Beziehungs-Teil kann ich nicht mitreden, denn ich bin auch Aromantiker, da passiert in die Richtung einfach nichts.

Aber zum Unterschied, wenn man Geschichten schreibt, ist es ja so, dass man Charaktere aktiv gestaltet, nach Idee oder Plan skizziert, praktisch bewusst am Reißbrett im Kopf entwirft - jedenfalls ploppen die bei mir nicht irgendwo aus dem Nichts in Gedanken, wenn ich Geschichten schreibe. Da ist das eher ein kreativer Prozess, der vielleicht Fantasie mit einschließt, oder Inhalte von Träumen, Tagträumen und gedanklichen Entwicklungsprozessen durchläuft.

Bei Fiktowelten war und ist das zumindest bei mir immer was ziemlich anderes gewesen. Darauf habe ich keinen Einfluss als "Kreator" oder Regisseur, das entsteht praktisch von alleine, und muss mit einem eher vegetativen oder unterbewussten Teil des Gehirns zusammenhängen. Es hat auch nicht die Qualität eines Traums oder Tagträumen, was ziemlich viele, die das nicht kennen, sichso vorstellen, oder mit wahnhaften Einblendungen. Es ist eher so, wie eine realitätsnah bis überrealitätsnah detaillierte, aber parallel mitlaufende Existenzebene.

Ich habe mal gelesen, dass viele vor ein paar Jahren so ein virtuelles Spiel gespielt haben, das "Second Life" hieß. Da drin war dann aber auch alles geplant, entworfen oder kreiert.
Wenn man sich das jetzt so vorstellt, als käme das von Natur aus mit, also eine Art zweite, eigene Lebenswelt, in der sich die Dinge so verhalten, wie sie "wollen" und der Einfluss, den man hat, auch nicht viel anders ist, als im wirklichen Leben, dann ist man schon nahe dran. Die Unterschiede zur Wirklichkeit liegen dann eben wirklich darin, dass man andere nicht mal eben dahin mitnehmen oder anderen etwas von dort mitbringen könnte. Das ist auch dann der Beweis dafür, dass das mit dem eigenen Gehirn verknüpft tickt, deshalb beschrieb ich es mal mit einem Kontinent, den man nur erreichen kann, wenn man durchs Gehirn segelt, oder so ähnlich.

Die Figuren in der Fiktowelt können natürlich Beziehungen untereinander eingehen, aber selbst habe ich daran keinen Anteil. Ich könnte denen das auch nie aufdiktieren, a'la so: Die soll jetzt mit einer anderen Frau zusammen kommen, und dann finden sie noch ein Findelkind und was weiß ich, und das Krokodil ist ihr Haustier. So funktioniert das nicht. Ich muss schon damit klar kommen, wen die Leute sich da aussuchen. So, wie ich hier damit klar kommen muss, mit wem mein Nachbar zusammen lebt. Aber wenigstens bin ich in Fiktowelt wohl ebenso aromantisch, wie hier auch, und kriegen von Beziehungleben bei den Fiktowelt-Personen so allzuviel auch nicht mit. Da müssten die schon vor meiner Nase herum tanzen oder pausenlos schnullen oder sowas. Laughing

Dass Nicht-Fiktowelt-Erlebende das nicht unterscheiden oder nachvollziehen können, dürfte unterdessen so klar sein, wie ein Nicht-Telepath Schwierigkeiten haben muss, einen Telepathen nachzuvollziehen, oder ein Schwan eine Katze. Die meisten beharren dann weiter auf ihren unzureichenden Begriffsideen, wie Tagträumerei, Wahn und so weiter. Jetzt stell Dir einfach vor, Du gehst jeden Tag mit einem bestimmten Personenkreis um, und einige Leute sagten Dir, das ist nur ein Wahn, Du bildest Dir nur ein, dass Du mit denen Umgang hättest. Nimm zum Beispiel Deine besten Freunde her, die Mutter, den Vater, etwaige Geschwister oder ArbeitskollegInnen = alle nur eingebildet, in Wirklichkeit gar nicht da. Was würdest Du dazu sagen?

Nun, KollegInnen kann man Jemandem vorstellen, sofern sie nicht grade zwischen Alpha Centauri und Andromeda unterwegs sind. Oder vielleicht zeitlich versetzt leben - um einige Hundert oder Zehntausende Jahre. Es reicht manchmal schon, von Entwicklungen oder Gebrauchsgegenständen zu erzählen, die in der Fiktowelt alltäglich sind, und die es hier aber noch gar nicht gibt, oder die hier keinen Zweck erfüllen würden. Wie etwa einer Gravitations-Wippe oder einem Gegenflussladegerät. Deswegen erzählt man über Fikto-Charaktere und Dinge in der Fiktowelt am besten das ganze Leben lang keinem. ( Leider habe ich den Fehler schon früher mal gemacht, jugendlicher Leichtsinn) Damit man nicht als irgendwo bescheuert dargestellt wird. Exclamation

Man kann jetzt natürlich so, wie man sich beim Finden von Charakteren für Geschichten an historischen oder realen Leuten orientiert, auch eine Geschichte mit Charakteren konziperen, die sich an Fiktoweltlern und deren Persönlichkeiten orientiert. Das geht natürlich. Aber das ist dann nur eine Geschichte. Wink
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Zuletzt bearbeitet von Windsurfhippie am Sa Nov 24, 2018 2:45, insgesamt 4-mal bearbeitet
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Sandkastenzorro
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Sexualität: keine Angabe
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Beiträge: 3624
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BeitragVerfasst am: Fr Nov 23, 2018 13:09    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich habe mich jetzt schon etwas länger gefragt, was genau im Kopf von Fiktophilen vorgeht.


Wunder und Alltag. Wobei das eine das andere sein kann und umgekehrt.

Zitat:
Jedenfalls finde ich es unglaublich interessant, wie losgelöst die Liebe vom Greifbaren sein kann.


Echt? Ich finde es eher kurios, wenn man Liebe nur für etwas empfinden kann, das man anfassen kann.

Zitat:
Allerdings kann ich es mir auch nicht ganz vorstellen, da es mir sehr schwer fällt, mich selbst in meine Gedanken zu "projizieren".


Wenn du als Autor schreibst, tust du doch genau das. Du setzt dich im Grunde selbst in deine ausgedachte Geschichte, die du schreibst. Nur eben nicht materiell, sondern geistig - mal besetzt du den Körper deines Protagonisten, mal den des Antagonisten und manchmal bist du das allessehende Auge über dem Geschehen. Du BIST also immer selbst da drin - das musst du auch, denn wenn du dich nicht selbst einfühlen würdest, dann könntest du niemals ne Geschichte schreiben und erklären, wie sich deine Figuren fühlen. Du bist also drin - Nur nicht so, wie du die Realität im Vergleich erlebst. Denn da bist du logischerweise immer in der Egoperspektive und hast keinen Plan von dem, was ein Haus weiter passiert Wink

Ich glaube, das beschreibt das Problem übrigens sehr gut, das dich da in deiner Vorstellung so immens behindert. Und da greift genau das, was Hippie beschrieben hat: Der Versuch, mit den Worten, die man selbst kennt, etwas zu beschreiben, was einem unbekannt ist. Kann nur schief gehen. Du hast eine abgesteckte Definition von "Beziehung" und wie sie zu sein hat und versuchst die maßstabgetreu in die fiktive Welt zu übertragen. So funzt das aber nicht. Oder wie ich in einem anderen Thread schonmal geschrieben hab: Der Fisch kann nur ein kleiner, nixkönnender Taugenichts sein - wenn man ihn am Maßstab für Vögel bewertet.

Der Unterschied zwischen "Geschichte schreiben" und "Fiktobeziehung" liegt übrigens an mehreren Punkten begraben.

1. Eine Geschichte hat einen Anfang und ein Ende, ist strukturiert, durchdacht und folgt einem mehr oder minder starren Korsett genannt "Handlung" und "Spannungskurve" - immerhin will man ja seine Leser nicht langweilen.

2. Eine Geschichte, samt ihrer Charaktere besetzt nicht den Platz im Herzen, auf dem "Partnerschaftliche Beziehung" steht. Sie besetzt in ihrem Wert irgendwo den Platz zwischen "Langeweile" und "Wenn ich alles erledigt hab, was ich heute erledigen wollte, inklusive Steuererklärung fertig machen, schreibe ich weiter" (es sei denn, man liebt schreiben wirklich so sehr, dass man anderes hinten anstellt, aber selbst dann ist es nur mehr ein geliebtes Hobby und nicht mehr) . Der Kaffeebesuch bei Omma wird bei den meisten Autoren sicherlich nicht abgesagt, weil die Geschichte wichtiger ist Wink

3. Die Geschichte hat keinen maßgeblichen Einfluss auf unser Leben.

4. Geschichte ist determiniert. Sie folgt unserem Willen und man selbst entscheidet, was dort passiert, wann es passiert und wie die Charaktere reagieren.

5. Wohl der wichtigste Punkt: Man liebt den Charakter der Geschichte nicht partnerschaftlich.


Das, was du als "Autorengefühle" beschreibst... Dieses "wohlwollende Mama sein und in die Wege leiten, dass Chara A und Chara B endlich zusammenkommen", das nenne ich Shipping innerhalb eines Fandoms. Das ist ne völlig andere Ebene, eine ganz andere Qualität und vor allem in einem ganz anderem Element zuhause, als fiktophile Partnerschaft.

Geschichte schreiben mit Shipping und Fandom ist .. hmm... wie als Kind in der Badewanne. Mit Protagonist Gummiente, Lover Playmobilpirat und Antagonist Gummihai. Man spielt seine Geschichte mit denen nach und am Ende haben sich alle lieb, der Playmobilpirat betreibt Zoophilie mit der Ente, der Gummihai kackt Eiswürfel vor Wut und dann kommt Mama: "Raus ausser Wanne, das Wasser iss schon kalt und du hast Schrumpelfinger" und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Fiktophilie, so wie sie bei mir ist, wäre gemäß diesem Beispiel, dass ich gar keine Wanne brauche, weil die perfekte Version jener Wanne bereits in meinem Kopf existiert, Gummiente und Playmobilpirat aus dem Kanon gekickt werden, da langweilig und ich dem Gummihai Avancen mache, weil der im Grunde immer der einzig interessante Charakter in dem Szenario war und ich die ganze Chose ja eh nur in meinem Kopf hab, weil ich IHN verschossen bin Wink Was dann passiert, weiss ich nicht, weil sich alles weitere von selbst ergibt - oder auch nicht, wenn er mich doof findet und nix von mir wissen will. Dann geh ich -wie jeder unglücklich Verliebte- ganz real den Süßigkeitenschrank leerfressen und im Bett unter der Decke in Liebeskummer vergehen.

Man lebt permanent in zwei Welten. Der hiesigen Realität und der Fiktowelt. Lediglich die "Lautstärke" ist immer verschieden. Nimmt mich etwas hier sehr stark ein, ist die Fiktowelt leiser gedreht. Nervt die Realität, wird die eben stattdessen leise gedreht. Aber genau wie in der Realität ist die Fiktowelt ähnlich "Alltag". Auch da gibt es Zeiten, wo man nix macht, rumsitzt und Langeweile hat. Oder wo man sich zofft und ankotzt. Oder wo die geliebte Person die vermaledeite Zahnpastatube nicht zu gemacht hat.

Beantwortet das deine Fragen?
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Tachimi





Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 11.11.2018
Beiträge: 9
Wohnort: Ich bin übrigens 20 Jahre alt.
BeitragVerfasst am: Sa Nov 24, 2018 0:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ihr beiden,

Vielen Dank für eure Antworten! Ich bin an einigen Stellen echt überrascht worden, aber genau das ist es ja, was ich hiermit erreichen wollte - nämlich andere besser verstehen Wink

Ich wußte z.B. nicht, dass ihr auf die Fiktowelt keinerlei Macht ausüben könnt. Ich kann es durchaus nachvollziehen, wenn Dinge im Kopf "sich selbst in die Hand nehmen", aber irgendwann komme ich an einen Punkt, an dem ich aktiv meine Gedanken bestimme. Das hat mich am meisten überrascht und mir etwas deutlicher gemacht, womit ich es hier zu tun habe Smile

Zitat:

Zitat:
Allerdings kann ich es mir auch nicht ganz vorstellen, da es mir sehr schwer fällt, mich selbst in meine Gedanken zu "projizieren".

Wenn du als Autor schreibst, tust du doch genau das. Du setzt dich im Grunde selbst in deine ausgedachte Geschichte, die du schreibst.

Klar, ich versetze mich in die Geschichte hinein usw. Das ist nicht ganz das, was ich meinte. Ich meinte damit, dass ich mir kein "Mini-Me" in Gedanken vorstellen könnte. Aber das tut ihr anscheinend sowieso nicht, oder?

@Sandkastenzorro: Deine fünf Stichpunkte beschreiben gut den Unterschied zwischen Fiktowelt und Geschichte, dafür weniger zwischen Fiktobeziehung und Charakteren. Es ist so schwierig, das in Worte zu fassen, aber ich versuche es ^^

1. Eine gute Geschichte sollte durchgeplant sein, das stimmt. Aber nicht jede Geschichte ist dafür gedacht, Lesern eine Spannungskurve aufzubauen. Genauso gibt es Geschichten, die ich einfach im Kopf fortlaufen lasse und gucke was passiert. Ein Unterschied macht aber wohl definitiv aus, dass Geschichten im Gegensatz zur Fiktowelt an irgendeinem Punkt irgendeine Art von Planung beinhalten.

2. An dieser Stelle war ich wohl etwas undeutlich, worum es geht Wink Wie gesagt will nicht jede Geschichte aufgeschrieben werden. Ich denke daran, wenn ich im Bett liege, im Büro sitze oder sonstwo. Meist habe ich dann keinen klaren Handlungsstrang im Kopf, sondern denke einfach an die Situation im Allgemeinen. Das Aufschreiben ist eine andere Sache, die ich oftmals vor mir herschiebe Very Happy Und sicherlich könntest du auch Geschehnisse aus der Fiktowelt aufschreiben, wenn du dazu Lust hättest.

3. Finde ich einen der interessantestes Punkte. Ich stimme dir zu, eine Geschichte hat in der Regel keinen weltbewegenden Einfluss auf mich. Trotzdem würde ich behaupten, dass einige meiner Geschichten (ich denke an eine spezifische) verhältnismäßig viel Einfluss auf mich hatten. Aber definitiv viel viel weniger, als es bei Fiktos der Fall ist.

4. Huch, darauf hab ich schon in 1 und 2 geantwortet Laughing

5. Da kann ich dir nur zustimmen.

Im nächsten Absatz muss ich dir leider ganz viel widersprechen. Ich hatte nie die Absicht, über irgendwelche Fandoms und Shippings zu diskutieren Embarassed
Ich versuche es etwas konkreter zu erläutern: Vor vielen Jahren kam mir die Geschichte eines farbenblinden Mädchens in den Sinn, die Musik als ihre Leidenschaft und ihren Trost entdeckt. Sie lernt jemanden kennen, mit dem sie die Musik teilt. Anfangs war es wohl mal eine Geschichte. Dann entwickelte sich daraus.... Ich kann's schlecht beschreiben, eine Zeit, die nur für die beiden spielt? Es hat viele Jahre gedauert, bis ich die Geschichte aufgeschrieben habe. Dass das keine Fiktowelt ist, merkt man schon daran, dass ich sehr viel Einfluss hatte.
Dass es auch nicht darum geht, fröhlich jemanden zu verkuppeln, wird auch später klarer, denn beide sind gestorben ohne dass sie den anderen die Liebe oder so gestanden hätten. Ich würde gerne den beiden ein glückliches Ende gönnen und ein Happy End daraus machen. Aber es geht nicht, ich kann nicht die "Tatsachen" ändern.
Ich hoffe, ihr versteht nun, warum ich diesen Vergleich zwischen Autor und Fikto gezogen habe Smile Einerseits erschafft man als Autor eine Welt, andererseits hat man nicht ganz so viel Einfluss, wie man gerne hätte.
Und noch zu den beiden Charakteren. Man könnte quasi sagen, ich liebe sie wie Bruder und Schwester. An partnerschaftliche Gefühle ist überhaupt nicht zu denken. Aber auch Mutter trifft es nicht ganz.. Ja, Geschwister trifft es schon ganz gut.

Ich kann zwar als Nicht-Telepath keine Telepathie nachvollziehen, aber ich will es einfach versuchen Wink Andere mögen euch sagen ihr würdet euch alles nur einbilden. Nehmt mich schlichtweg als Gegenstück. Ihr könnt mir gerne so viel darüber erzählen wie ihr wollt, ich finde es überhaupt nicht lächerlich oder gar wahnsinnig. Der Vergleich mit Telepathie ist meiner Meinung nach gar nicht Mal so übel. Ihr habt auch eine Fähigkeit, von der andere nur träumen können Wink
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DasTenna




Alter: 37
Sexualität: Asexuell
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BeitragVerfasst am: Sa Nov 24, 2018 11:26    Titel: Antworten mit Zitat

Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:
Der Fisch kann nur ein kleiner, nixkönnender Taugenichts sein - wenn man ihn am Maßstab für Vögel bewertet.
Eine sehr treffende Metapher. Very Happy

Bezüglich der aufgeführten Unterschiede zwischen Fiktowelt und erdachter Geschichte wollte ich noch ein paar Gedanken äußern - aus der Sicht eines Schreiberlings.
Eine Geschichte ist konstruiert. Absolut. Und was nicht passt, wird passend gemacht.
Aaaaber: Charaktere haben eine eigene Persönlichkeit und es kann durchaus vorkommen, wie Tachimi an einem schönen Beispiel illustriert hat -, dass sie der Planung einen Strich durch die Rechnung machen. Ich merke das immer dann, wenn es bei einer Szene hakt. Oftmals liegt es daran, dass ich die Charaktere auf eine Weise handeln lassen will, die nicht zu ihnen passt. Entweder ändere ich die Szene, indem ich eine andere Figur handeln lasse, ändere ihren Verlauf, indem ich die ursprüngliche Figur so handeln lasse, wie es ihr entspricht, oder ich streiche die Szene ganz.
Fun-Fact: Auf diese Weise habe ich von der Asexualität meines Protagonisten erfahren Wink

Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:
3. Die Geschichte hat keinen maßgeblichen Einfluss auf unser Leben.
Mag auf die meisten Schreibenden zutreffen, aber für mich sind meine Geschichten mein Leben. Wir leben in Symbiose. Ohne mich gäbe es sie nicht. Aber mich gäbe es ohne meine Geschichten auch nicht. Jedenfalls wäre ich nicht ich. Ein Großteil meiner Erinnerungen besteht aus dem, was innerhalb meiner Welten geschieht und noch geschehen wird. Was zumindest teilweise daran liegt, dass ich sehr stark visualisiere und vor meinem geistigen Auge ein regelrechter Film abläuft.
Real sind diese Welten nicht, aber sie gehören zu mir, sind untrennbar mit mir verbunden und verändern sich mit mir. Und sie sind immer da, wenn sie gebraucht werden.
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Sexualität: keine Angabe
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BeitragVerfasst am: Sa Nov 24, 2018 11:33    Titel: Antworten mit Zitat

Tachimi hat folgendes geschrieben:


EDIT: Ups, eigentlich sollte das hier ein Forum darüber Shocked Das kommt davon, wenn man im müden Zustand auf Absenden drückt


Ne das war ich Wink
Habs verschoben weil das imho kein Sexualitäts-(Beziehungs)-Thema sondern eher ein Gefühls-(Beziehungs)-Thema ist und somit besser ins "(A)Romantik" Unterforum paßt.

Zitat:

Was zumindest teilweise daran liegt, dass ich sehr stark visualisiere und vor meinem geistigen Auge ein regelrechter Film abläuft.


Ich glaube ja das mit dem (automatisierten) Visualisieren ist der eigentliche/zentrale Unterschied zwischen "Fikto" und "Nicht-Fikto". Damit mein Hirn auf diese Art zu visualisieren anfängt müßte ich schon harte Drogen einwerfen Wink

Drum tauge ich auch weder zum Künstler noch zum Romanautor.
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Sandkastenzorro
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Sexualität: keine Angabe
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BeitragVerfasst am: Sa Nov 24, 2018 12:10    Titel: Antworten mit Zitat

Tachimi hat folgendes geschrieben:
Ich wußte z.B. nicht, dass ihr auf die Fiktowelt keinerlei Macht ausüben könnt.


Na, doch, das geht schon. Ist ja mein Kopf und in letzter Instanz kann ich da natürlich machen, was ich will. Oder wenn mir was nicht passt, es ändern. Aber warum sollte ich das denn? Damit wäre dann ja wieder alles so, wie ich es haben will und wenn etwas immer so ist, wie ich es haben will, wäre es perfekt und Perfektion ist nach fünf Minuten so scheisse langweilig, dass man das Interesse daran verliert. Der treibende Motor der Fiktophilie ist doch gerade, dass sie von alleine läuft und die Fähigkeit hat, einen zu überraschen und zu erstaunen. Da wäre es höchst kontraproduktiv und geradezu destruktiv für die gesamte Fiktowelt, wenn man im God Mode daran rumpfuschen würde.

Zitat:
Ich meinte damit, dass ich mir kein "Mini-Me" in Gedanken vorstellen könnte. Aber das tut ihr anscheinend sowieso nicht, oder?


Das hängt sich schon an der Konnotation der Bezeichnung "Mini-Me" auf (auch, wenn Dr.Evil da sicher widersprechen würde Wink) Weil "Mini-Me" so klingt, wie ein weniger werter Alter Ego von einem... Etwas, das im Schatten des glanzvollen, realen Selbst steht. Etwas, wie der kleine, missgestaltete Bruder von einem Selbst, der oben im Turm weggesperrt ist. Und das wiederrum wirft auch seinen billigen Schatten auf die Fiktowelt und lässt sie als ebenfalls kleinen, missgestalteten Bruder der Realität dastehen.

Ist sie aber nicht. Genau diese Wertigkeit macht es wahrscheinlich so schwer für Nichtfiktos, das ganze ernstzunehmen. Denn die Fiktowelt ist nicht der unliebsame, entzündete Appendix einer Person, die man notgedrungen tolerieren muss, wenn man den Menschen behalten will. Sie ist für den Fikto maßgeblich die Welt, in der er permanent parallel lebt und in der das existiert, was er liebt. Und er liebt nicht als kleiner "Mini-Me", sondern als vollwertige Person, die er ist.

Zitat:
Eine gute Geschichte sollte durchgeplant sein, das stimmt. Aber nicht jede Geschichte ist dafür gedacht, Lesern eine Spannungskurve aufzubauen. Genauso gibt es Geschichten, die ich einfach im Kopf fortlaufen lasse und gucke was passiert. Ein Unterschied macht aber wohl definitiv aus, dass Geschichten im Gegensatz zur Fiktowelt an irgendeinem Punkt irgendeine Art von Planung beinhalten.


So ist es. Ich schreibe übrigens auch selbst Geschichten. Fikto sein und Autor in einem Zug schließt sich nämlich nicht aus. Nur wenn man das, was man in der Fiktowelt erlebt, in eine Geschichte schreiben würde, wäre das eine "unendliche Geschichte" - und zwar nicht im Michael Ende'schen Sinn, sondern im wahrsten Sinne des Wortes und eine ohne Plot, ohne Struktur und vor allem ohne Spannungskurve, wenn man von einigen, sehr eigenwilligen Momenten mal absieht, in denen es das "Publikum" fast vor Spannung zerreisst, wenn Herr Czymczyk wie jeden Tag vorm Eiswagen steht und TATSÄCHLICH mal Pistazie nimmt, statt Stracciatella... ja... welp... oui. Die Fiktowelt ist nämlich im Grunde auch nur Alltag - nur mit mehr Möglichkeiten, alleine deshalb, weil sie "phantastischer" ist.

Sprich: Wenn ich in der Fiktowelt Astronaut werden- und zu Proxima Centauri reisen will, dann kann ich das tun und das macht die Fiktowelt um einen riesigen Teil phantastischer Möglichkeiten reicher. In der Realität fliege ich wohl kaum mit ner Rakete Richtung Proxima Centauri ins All, sondern auf dem schlecht gestreuten Gehweg in Richtung Lidl auf die Fresse.

Zitat:
Aaaaber: Charaktere haben eine eigene Persönlichkeit und es kann durchaus vorkommen, wie Tachimi an einem schönen Beispiel illustriert hat -, dass sie der Planung einen Strich durch die Rechnung machen. Ich merke das immer dann, wenn es bei einer Szene hakt. Oftmals liegt es daran, dass ich die Charaktere auf eine Weise handeln lassen will, die nicht zu ihnen passt. Entweder ändere ich die Szene, indem ich eine andere Figur handeln lasse, ändere ihren Verlauf, indem ich die ursprüngliche Figur so handeln lasse, wie es ihr entspricht, oder ich streiche die Szene ganz.


Da haste den klassischen Selbstläufer. Wenn du jetzt den Anspruch an dich selber, eine Geschichte schreiben zu wollen, weglässt und den Selbstläufer einfach weiter laufen lässt in die Richtung, in die er hin will, dann bekommst du eine Ahnung davon, wie die Fiktowelt in etwa funktioniert. Und ich geb dir Brief und Siegel darauf, du wirst staunen, mit welchen Dingen, auf die du nie im Leben gekommen wärst, dich dein Hirn noch überraschen kann, wenn du es lässt, wie es möchte.

Hirne mögen nämlich keine Lücken. Und wenn irgendwo eine ist - sei es in bildlichem Sinne, oder im emotionalen, oder welchem auch immer - dann stopft es die mit dem, was ihm am passendsten erscheint. Und ob mans glaubt, oder nicht -das ist in den seltensten Fällen das, was man selber bewusst in mind hatte Wink
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Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3235
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Sa Nov 24, 2018 14:24    Titel: Antworten mit Zitat

Tachimi hat folgendes geschrieben:

Ich wußte z.B. nicht, dass ihr auf die Fiktowelt keinerlei Macht ausüben könnt. Ich kann es durchaus nachvollziehen, wenn Dinge im Kopf "sich selbst in die Hand nehmen", aber irgendwann komme ich an einen Punkt, an dem ich aktiv meine Gedanken bestimme. Das hat mich am meisten überrascht und mir etwas deutlicher gemacht, womit ich es hier zu tun habe Smile


Bei mir funktioniert das nicht, bei anderen Fiktos offenbar schon. Als was ich natürlich machen kann, ist, einen Stock in den Sand stecken, damit was in den Sand schreiben, oder einen Ball weg kicken oder sowas. Aber es kann sein, dass der Ball sich dann irgendwo beschwert, und es in Zukunft einen Einfluss darauf haben mag, wie die Rechte der Bälle bei Fußballweltmeisterschaften gewahrt werden. Was SKZ über erweiterte Räume und Möglichkeiten schreibt, trifft in etwa zu. Diese Erweiterungen erlebe ich allerdings als gegebenen Umstand, als Teil der Natur der Fiktowelt. So wäre es dort kein Problem, auf eine Weise von A nach B zu reisen, die in der Wirklichkeit gar nicht funktioniert. Man fliegt nicht aktiv los, um eine Distanz zu überbrücken, sondern dreht die Raumzeitebene, bis der Punkt B vor einem liegt, und man nur drauf steigen braucht. Das macht man allerdings nicht selbst mit ein paar Registerkarten aus dem Dimensionen-Regal oder sowas - es ist so normal, wie den Bus zu benutzen, die Tram oder Bahn zu fahren. Da fährt auch der Fahrer, und man steigt bloß rein. Also sowas geht natürlich, oder Fußabdrücke und Schnee-Engel hinterlassen. Die Lebewesen und Personen vor allem scheinen sich jedoch einen feuchten Kehrricht drum zu scheren, wenn man da was dran manipulieren will. Die machen einfach, was sie wollen. So, wie sich die ganzen Leute auch nicht beeinflussen lassen, die man sieht, wenn man in Kiel am HBF aussteigt. Die gehen einfach ihrer Wege.


Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:
Genau diese Wertigkeit macht es wahrscheinlich so schwer für Nichtfiktos, das ganze ernstzunehmen. Denn die Fiktowelt ist nicht der unliebsame, entzündete Appendix einer Person, die man notgedrungen tolerieren muss, wenn man den Menschen behalten will. Sie ist für den Fikto maßgeblich die Welt, in der er permanent parallel lebt und in der das existiert, was er liebt. Und er liebt nicht als kleiner "Mini-Me", sondern als vollwertige Person, die er ist.



Das beschreibt es 1:1. Vertauscht man die Wirklichkeit mit der Fiktowelt, ist die Qualität wenigstens dieselbe. Vielleicht ist aber die Fiktowelt +10 angenehmer, oder auch -10 unangenehmer, noch abweisender, als die Wirklichkeit es eh schon sein kann. Könnte man sich das nach Belieben so einrichten, wie man es haben will, würde man die Erlebnisse ja kaum unangenehmer machen, als Erlebnisse im RL es schon sind.

Okay, ich kann nicht für diese BDSM-Leute sprechen, oder für Leute, die sich das Leben gern schwerer machen, als es ist. In einer beeinflussbaren Welt könnten die sich auch das Leben selber zur Hölle machen, klar. Rolling Eyes

Warum man Kreativentum mit einem Film vergleichen muss, den man auf Drogen induziert, verstehe ich nicht so wirklich. Ob das an einer Neigung liegt, alles, das man nicht kennt, oder nicht versteht, zunächst einmal mit irgendwas Negativem in Zusammenhang zu setzen? Es könnte dann ja auch etwas Hilfreiches sein, oder nicht? Vielleicht ist der Pathologisierungszwang unter den Menschen schon memnetisch zementiert worden.

Ich würde in der Fiktowelt gern was beeinflussen, oder so, wie in Geschichten, zurecht lenken können. Wenn es nur diese Schlägergruppe verschwinden ließe, die diesen Jet-Piloten wegen seinen roten Haaren immer verprügeln, als Schwuchtel beschimpfen und fertig machen. Sowas brauche ich nicht auch noch dort, es reicht schon, dass Leute sowas im wirklichen Leben machen. Die Seedrachen sollen sie holen!
Der Typ ist aber auch so dusselig, und latscht immer wieder irgendwie an die dran.
Eigentlich hatte ich auch vor, diese Fiktowelt zu "beenden" - oder zumindest zu ignorieren, aber auch das funktioniert nicht. Vielleicht hat sich das als zweckschwache Hirnfunktion, die sich seit Kleinkindalter und Bewusstwerdung parallel entwickelte, einfach genügend verfestigt, dass das bis zum Sterben nebenbei mit läuft.

Problematisch ist ja eigentlich daran nur, dass in der Wirklichkeit das so einigen Leuten nicht gefällt, dass man so ist, und man deshalb und noch wegen anderer Macken niemals die Urkunde dafür ausgestellt bekommt, als richtiger Mensch gelten zu können.
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BeitragVerfasst am: Sa Nov 24, 2018 14:43    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:

Warum man Kreativentum mit einem Film vergleichen muss, den man auf Drogen induziert, verstehe ich nicht so wirklich. Ob das an einer Neigung liegt, alles, das man nicht kennt, oder nicht versteht, zunächst einmal mit irgendwas Negativem in Zusammenhang zu setzen?


Wer sagte was von negativ? Es ist nur einfach so, daß z.B. mein Hirn solche Welten nicht produziert und die einzige Möglichkeit eine zumindest ähnliche Erfahrung zu machen wären für mich Drogen mit einer halluzinogenen Komponente oder zumindest mit einer starken Antriebssteigerung und euphorisierendem Anteil. Hab ich aber nicht vor vor allem auch wegen der sonstigen Effekte und der schlechten Dosierbarkeit. Ist einfach zu gefährlich.

Im übrigen ist es aber sicher kein Zufall, daß hohe Kreativität insbesondere in Kombination mit einem hohen Schaffensdrang oft mit einer auffälligen Nähe sowohl zu psychischen Störungen in Richtung Bipolar/Manie/Schizophrenie als auch mit einer gewissen Affinität oder Anfälligkeit für bestimmte Drogen korreliert zu sein scheint. Die Aussage "Genie und Wahnsinn liegen oft nah beinander" kommt ja auch nicht von ungefähr.
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BeitragVerfasst am: Sa Nov 24, 2018 15:06    Titel: Antworten mit Zitat

Das Problem liegt doch darin, dass der gemeine Mensch jegliche Art von Fiktion (es sei denn, es geht um seine Lieblingsbücher/Filme/Spiele) als wertlos, infantil und -wenns hochkommt- auch pathologisch bedenklich einstuft. Und das wirkt auf mich immer son bisschen wie...

Damals, als ich fünf Jahre alt war, oder so, da wollten meine Windelscheisserfreunde und ich nen Flohmarkt an der Straßenecke aufmachen und unseren unliebsamen Ramsch verkaufen. You know, solche Kacke wie doppelte Panini-Albumbilder, alte, nicht mehr funktionierende Wasserpistolen und sowas. Natürlich haben besagte Windelscheisserfreunde und ich uns vorher verkracht und ich habe mich dann natürlich in all meiner gottgegebenen Arroganz und Überlegenheit dazu entschieden, nen eigenen und vieeeeel besseren Flohmarkt aufzumachen - ohne die doofen anderen Kinder. ...in unserem Hinterhof, wo keiner hinkam - nichtmal die Katze vom Nachbarn Rolling Eyes

Und so kommt es mir ebenfalls vor, wenn Menschen das gesamte Spektrum der Fiktophilie als Blödfug bewerten und als pathologisch bedenklich einstufen. Denen fehlt ein -für Fiktos ganz normaler- Wahrnehmungszweig und trotzdem nehmen sie sich die Frechheit heraus, in ihrer Arroganz darüber zu urteilen, was krank ist und was nicht. Die sind da wie ich als Kind in dieser Situation. "Die anderen finden wir scheisse, also erklären wir unsere Beschränktheit zur erstrebenswerten Norm und ermöglichen es uns so, auf die Unnormalen runterzublicken und ihren Wahrnehmungszweig, der uns fehlt, einfach zu entwerten".

Der Unterschied zwischen mir als Kind und diesen Menschen ist jedoch - ich war fünf und irgendwann wurde ich sechs. Diese Menschen bleiben fünf und bei manchen ist es sogar so, dass je mehr man erklärt, desto besser die Chance, dass sie auch noch vier werden Wink

Und irgendwann sitzt auch SKZ, die nen ellenlangen Atem hat, Dinge zu erklären, da und fängt an, bitchy zu werden.

Dabei ist der Grund für all diese Missverständniskacke eigentlich so simpel in einen Satz zu fassen: Während für die Realophilen ein rein fiktiver Partner einen Bug darstellt, der dank seiner fiktiven Natur mit erheblichen Mangelgefühlen einhergeht, ist er für den Fiktophilen ein Feature, das die Mängel einer realen Partnerschaft erst gar nicht mitbringt und nur weitere Vorteile beinhaltet.



Basta
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BeitragVerfasst am: Sa Nov 24, 2018 15:22    Titel: Antworten mit Zitat

kleines OT: Als Beruhigung für alle hier, die vielleicht denken, daß ihre Kreativität und Fantasie von der Umwelt nicht gewürdigt wurden: bei mir war es quasi andersherum. Ich wollte mein halbes Leben lang immer kreativ sein obwohl ich es einfach nicht bin. Wink

Nachdem mein motorisches Ungeschick schon im Kindergarten/Grundschule zu tage trat waren meine schlechtesten Fächer am Gymnasium: Musik (3 Blockflötentöne sind nun das höchste der Gefühle), Kunst (gerade Linien geht nicht aber malen nach Zahlen wäre vielleicht eine Option) und Sport Wink

Aufgrund dessen kam ich dann auf die Idee Informatik zu studieren weil ich dachte damit könnte man irgendwie kreativ sein. Nur leider ist Mathe auch nicht gerade mein Lieblingsfach und insofern war das dann natürlich auch ein ziemlicher fail. Mittlerweile hab ich akzeptiert, daß ich nunmal nicht kreativ bin, damit lebt es sich doch etwas leichter.
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BeitragVerfasst am: Sa Nov 24, 2018 17:05    Titel: Antworten mit Zitat

Maz hat folgendes geschrieben:


Wer sagte was von negativ? Es ist nur einfach so, daß z.B. mein Hirn solche Welten nicht produziert und die einzige Möglichkeit eine zumindest ähnliche Erfahrung zu machen wären für mich Drogen mit einer halluzinogenen Komponente oder zumindest mit einer starken Antriebssteigerung und euphorisierendem Anteil. Hab ich aber nicht vor vor allem auch wegen der sonstigen Effekte und der schlechten Dosierbarkeit. Ist einfach zu gefährlich.


Klar, würde ich auch nicht empfehlen, denn das ist beiseits des negativen Aspekts noch kontraproduktiv, denn mit einem klaren Kopf kommt man weiter.
Da sehe ich aber auch den Denkfehler bzw. Assoziationsfehler schon - der liegt im Vergleich von Drogenerfahrung, Halluzination, Fantasie und Ähnlichkeit zum Erlebnis Kreativsein oder Fiktowelt.

Maz hat folgendes geschrieben:
Im übrigen ist es aber sicher kein Zufall, daß hohe Kreativität insbesondere in Kombination mit einem hohen Schaffensdrang oft mit einer auffälligen Nähe sowohl zu psychischen Störungen in Richtung Bipolar/Manie/Schizophrenie als auch mit einer gewissen Affinität oder Anfälligkeit für bestimmte Drogen korreliert zu sein scheint. Die Aussage "Genie und Wahnsinn liegen oft nah beinander" kommt ja auch nicht von ungefähr.


Ob das signifikant gehäuft vorkommt oder nicht, weiß ich nicht so genau. Verdachte kann man da ja schon anstrengen. Vielleicht ist das aber auch ein Hinweis da drauf, dass viele dieser "Störungen" nur Varianten menschlicher Persönlichkeit und derer Ausprägung sind. Und die Störung vielleicht in der Anschauung liegt.
Jedenfalls dürften sich viele Kreativschaffende durch solche Verallgemeinerungen eher fehlbeurteilt empfinden.

Um Fiktophile ging es da dann nicht mal, die gibt es sicher auch bei Nichtkreativen.

In Musik hatte ich an der Schule konstant eine 5 und in Kunst verschob es sich je nach LehrerIn zwischen 4 und 6.
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BeitragVerfasst am: Sa Nov 24, 2018 17:25    Titel: Antworten mit Zitat

Zumindest besteht aber doch ein Zusammenhang zwischen den fiktiven Welten in verschiedensten Ausprägung und der Komponente Kreativität / Zeichnen / Geschichten schreiben (bzw. allgemein dem "Autorentum").
Alle Leute, die sich hier mehr oder weniger in Richtung Fiktophilie einordnen würden sind auch in dem Bereich aktiv. Also tippe ich da auf eine gemeinsame Hirnverschaltungsgrundlage Wink

Zitat:

Vielleicht ist das aber auch ein Hinweis da drauf, dass viele dieser "Störungen" nur Varianten menschlicher Persönlichkeit und derer Ausprägung sind.


Wenn wir uns mal auf die Drogen beschränken gibt es zumindest unter modernen Musikern aka "Rockstars/Pospstars" und im Filmgewerbe erhebliche Häufungen, siehe z.B.: https://de.wikipedia.org/wiki/Klub_27
wobei natürlich die Frage nach Ursache und Wirkung da nicht ganz so eindeutig ist.
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BeitragVerfasst am: So Nov 25, 2018 1:33    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin mir nicht sicher, inwieweit die geringe Auswahl an Musikern repräsentativ für das gesamte Spektrum der Musiker sein kann. Ich meine, wie viele Musiker gibt es auf der Welt? Und wie viele von all denen sind so bekannt, dass sie über einen Wikiartikel verfügen? Siehste - ich find das kaum bis gar nicht repräsentativ. Zumal man wohl auch die selbe Menge an Leuten wahllos aus der Welt rausgreifen könnte, aus sämtlichen Berufsfeldern und sich an Drogenkonsumenten wohl eine ähnliche Zahl etablieren würde Wink

Ich nehme einfach an, dass ein ausschweifender Lebensstil, der sich durch die Euphorie des Berühmtseins und den damit einhergehenden finanziellen Möglichkeiten wohl auch den Finger leichter an die illegalen Substanzen legen lässt. Menschen stehen halt auf sowas. Lässt sich übrigens auch hervorragend bei Alkohol beobachten. Je besser die Stimmung, je mehr Menschen dabei sind, desto eher wird Alkohol konsumiert. Ich nehme an, bei Drogen sieht es ähnlich aus, denn da spielt der Wunsch, diese Euphorie noch zu verstärken ne ähnlich große Rolle und dazu noch gewisse Starallüren, dass sowas zum "großen famous sein" dazugehört, weil "haben die anderen Großen ja auch gemacht".
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BeitragVerfasst am: So Nov 25, 2018 16:22    Titel: Antworten mit Zitat

Maz hat folgendes geschrieben:
Zumindest besteht aber doch ein Zusammenhang zwischen den fiktiven Welten in verschiedensten Ausprägung und der Komponente Kreativität / Zeichnen / Geschichten schreiben (bzw. allgemein dem "Autorentum").
Alle Leute, die sich hier mehr oder weniger in Richtung Fiktophilie einordnen würden sind auch in dem Bereich aktiv. Also tippe ich da auf eine gemeinsame Hirnverschaltungsgrundlage Wink
Kreativität kann aber auch einfach nur dazu dienen, in einer immer verrückter werdenden realen Welt nicht den Verstand zu verlieren. Ich persönlich verfüge "nur" über eine überbordende Fantasie, aber meine Welten basieren letztlich alle auf Ideen, die ich irgendwann mal umsetzen wollte. Manche waren halt hartnäckiger, während andere über die ersten Kapitel nie herauskamen. Von der Wahrnehmung, wie beispielsweise Sandkastenzorro, Access_denied oder Windsurfhippie sie kennen, bin ich meilenweit weg.

Um kurz auf das OT-Thema "Musik-/Filmbranche und Drogenkonsum" einzugehen: Das hat wahrscheinlich weniger mit der Kreativität der Leute, sondern eher was mit der Branche zu tun, vermute ich.
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