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Psychologische Faktoren bei Asexualität?
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outoftown76





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 05.10.2016
Beiträge: 10
BeitragVerfasst am: Do Nov 03, 2016 15:01    Titel: Psychologische Faktoren bei Asexualität? Antworten mit Zitat

Mich würde interessieren, inwieweit ihr bei eurer Asexualität (oder Demi-/Gray-) psychologische Faktoren seht, oder ob ihr eher das Gefühl habt , das ist etwas wie die Haarfarbe oder Schuhgröße.

Hintergrund meiner Frage ist ein Artikel zu Menschen mit Nähe-Distanz-Problemen den ich gelesen habe, in dem ich mich teilweise wieder finde. Kurz zusammen gefasst, es ging darum dass manche Menschen (nur) in der Anfangsphase (mit viel Unsicherheit) Sex ok finden , und an Sex evtl. denken, wenn der Geliebte gerade weit weg ist, aber nicht mehr wenn er/sie neben ihnen liegt, und wenn sich ein Gefühl von Geborgenheit und Verbundenheit eingestellt hat.
Ich habe z.B. früher versucht Affären zu haben und teilweise wollte ich da schon auch. Es ging wohl eher um den Kick als wirklich um Sex oder Anziehung, aber auf jeden Fall war ich nicht nur passiv. Aber kaum sind wir 1x in der Kiste gelandet war ich total ernüchtert und hatte mich wieder dran erinnert dass ich das eigentlich alles gar nicht so toll finde. Und war erstmal weg (falls es was Unverbindliches war.)
In Beziehungen ging es im Bett so lange gut wie es z.B. eine Fernbeziehung war und eher locker, mit viel Distanz dazwischen so dass ich nicht das Gefühl hatte er wird "wichtig".

Ich dachte mir beim Lesen des Artikels, dass ich vielleicht im Grund gar nicht asexuell wäre, dass es nur in der Praxis trotzdem drauf raus läuft, da ich mir in nahen Beziehungen eigentlich Kuscheln & Nähe & Gefühl von zuhause sein wünsche. Was dann bei meiner psychologischen Veranlagung automatisch asexuelle Beziehung bedeutet. Mit meiner besten Freundin will ich ja auch keinen Sex. Wink

Ich bin mir bei der ganzen Theorie zwar nicht sicher, inwieweit das wirklich sinnvoll ist (man kann ja in der Psychologie viel interpretieren, aber objektiv überprüfen lässt es sich eh nicht), aber neugierig gemacht hat es mich doch.
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Tsomo





Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 24.04.2016
Beiträge: 72
Wohnort: Bremen
BeitragVerfasst am: Do Nov 03, 2016 19:45    Titel: Antworten mit Zitat

Meine Kindheit war sehr ungewöhnlich und darin kann eine Ursache liegen. Andererseits kann es auch Bestandteil meiner angeborene Persönlichkeit sein. Schwer zu ermitteln, was ich mitgebracht habe, was äußere Einflüssen bewirkten und was durch meine Strategien im Umgang mit äußeren Einflüssen entstanden ist. Das bedingt und beeinflusst sich vermute ich.

Mit dem Begriff demisexuell habe ich beispielsweise eine zutreffende Beschreibung für mich selbst gefunden habe. Es ist aber nur Beschreibung eines Verhaltensmusters und nicht die Erklärung, wie es zu diesem Muster gekommen ist.

Auf welchen Artikel beziehst Du Dich?
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Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3235
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Do Nov 03, 2016 21:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ich interessiere mich zwar neben vielem auch für psychologische Ansichten und Ideen, denke aber, es ist eher sowas wie Augenfarbe, Schuhgröße oder der veranlagte Hang dazu, musikalisch zu sein.

Ich schätze mal, alle Menschen mit den verschiedensten Lebensläufen und Erfahrungen und in sämtlicher Ausfertigung ihrer Psyche können asexuell sein.
Es sind meines Erachtens nur Eigenschaften in einer Zusammenstellung innerhalb des Spektrums 'Menschliche Persönlichkeit'.

Aber natürlich können auch psychische Probleme oder Faktoren asexuelle Menschen beeinflussen. Sie beeinflussen alle anderen Menschen wohl ebenso häufig.

Vielleicht ist es auch eine Art 'Parafiktophilie', wenn sich Jemand Intimität nur dann wünscht, solange der Partner nicht da ist. Und dann nicht mehr, wenn er zuhause ist.
Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es in der Psychologie Erklärkonzepte dafür gibt, warum das nicht unbedingt asexuell ist, sondern eher was anderes da reinspielen mag.
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Wer später stirbt, erlebt den Tod derer, die früher sterben, und hat deshalb länger was zu lachen.


Zuletzt bearbeitet von Windsurfhippie am Fr Nov 04, 2016 11:52, insgesamt einmal bearbeitet
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outoftown76





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 05.10.2016
Beiträge: 10
BeitragVerfasst am: Fr Nov 04, 2016 3:55    Titel: Antworten mit Zitat

Windsurfhippie hat folgendes geschrieben:


Vielleicht ist es auch eine Art 'Parafiktophilie', wenn sich Jemand Intimität nur dann wünscht, solange der Partner nicht da ist. Und dann nicht mehr, wenn er zuhause ist.


interessanter Gedanke.

Ich glaube bei mir war das so dass ich mir Sex auf die Entfernung irgendwie romantisch vorgestellt habe, und dadurch wurde er in der Theorie durchaus interessant. Bei sehr ausgewählten Menschen, temporär. Aber wenn es dann eben real dazu kam und wenig romantisch-kuschelig sondern schwitzig, anstrengend, animalisch und wegen fehlender Glücksgefühle enttäuschend war, kam die Ernüchterung.
Also man könnte tatsächlich sagen, ich hatte nur an fiktivem Sex Interesse.

Gegen nicht-sexuelle Intimität mit vertrauten Menschen hatte ich aber nie was. Hm. Vielleicht passt das Näge/Distanz-Ding doch nicht.

@Tsomo, der Artikel ist:

http://www.beziehungsdoktor.de/naehe-distanz-problem/
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Tsomo





Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 24.04.2016
Beiträge: 72
Wohnort: Bremen
BeitragVerfasst am: Fr Nov 04, 2016 7:09    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für den Link. Dann war ich schon bei der richtigen Quelle am lesen.
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_Lynx_
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Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 19.06.2016
Beiträge: 283
Wohnort: dichte Wälder mit offenen Landschaften
BeitragVerfasst am: Fr Nov 04, 2016 11:40    Titel: Antworten mit Zitat

outoftown76 hat folgendes geschrieben:

@Tsomo, der Artikel ist:

http://www.beziehungsdoktor.de/naehe-distanz-problem/


Oh die Seite vom Beziehungsdoktor ist unglaublich seriös. Alleine die Fotos, von denen man noch mehr findet, wenn man auf den Reiter "Kontakt" klickt sind so gar nicht tendenziös. Teufel
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noli me tangere




Alter: 56
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 01.03.2013
Beiträge: 136
BeitragVerfasst am: Fr Nov 04, 2016 12:14    Titel: Antworten mit Zitat

_Lynx_ hat folgendes geschrieben:
Oh die Seite vom Beziehungsdoktor ist unglaublich seriös. Alleine die Fotos, von denen man noch mehr findet, wenn man auf den Reiter "Kontakt" klickt sind so gar nicht tendenziös. Teufel



In der Tat.

Nachdem ich das:
Karin ist eine attraktive siebenundzwanzigjährige Büroangestellte. In Bernd, 31, Ingenieur, vermögend und aus gutem Hause, hat sie endlich ihren Traumprinzen gefunden. Ein dreiviertel Jahr sind die Beiden jetzt zusammen – über Hochzeit und Kinder wurde schon ernsthaft gesprochen.

gelesen hatte, musste ich mich erstmal erbrechen - und war längere Zeit damit beschäftigt, die Tastatur wieder sauber zu bekommen.

Nicht zu fassen.
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Here come greetings from the fires of dusk, from all the thoughts you never dare to think, from all the choices you never dare to make - just a postcard from ground level and below.
(Thomas Feiner)
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Tsomo





Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 24.04.2016
Beiträge: 72
Wohnort: Bremen
BeitragVerfasst am: Fr Nov 04, 2016 12:26    Titel: Antworten mit Zitat

Wäre die Gelegenheit gewesen auf eine sachliche, nicht kommerzielle Quelle zum Thema zu verweisen. Würde mich weiter bringen, als eine Klage über das allgegenwärtige "sex sells".
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Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3235
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Fr Nov 04, 2016 12:43    Titel: Antworten mit Zitat

_Lynx_ hat folgendes geschrieben:
outoftown76 hat folgendes geschrieben:

@Tsomo, der Artikel ist:

http://www.beziehungsdoktor.de/naehe-distanz-problem/


Oh die Seite vom Beziehungsdoktor ist unglaublich seriös. Alleine die Fotos, von denen man noch mehr findet, wenn man auf den Reiter "Kontakt" klickt sind so gar nicht tendenziös. Teufel


Ich sehe da u.A. das Gesicht eines männlichen, erwachsenen Mandrill-Pavians und eine Zeichnung von Charles Darwin.
Rolling Eyes
Die Seite ist aber wohl auch eindeutig an Sexuelle mit Beziehungsproblemen gerichtet.

outoftown76 hat folgendes geschrieben:


interessanter Gedanke.

Ich glaube bei mir war das so dass ich mir Sex auf die Entfernung irgendwie romantisch vorgestellt habe, und dadurch wurde er in der Theorie durchaus interessant. Bei sehr ausgewählten Menschen, temporär. Aber wenn es dann eben real dazu kam und wenig romantisch-kuschelig sondern schwitzig, anstrengend, animalisch und wegen fehlender Glücksgefühle enttäuschend war, kam die Ernüchterung.
Also man könnte tatsächlich sagen, ich hatte nur an fiktivem Sex Interesse.

Gegen nicht-sexuelle Intimität mit vertrauten Menschen hatte ich aber nie was. Hm. Vielleicht passt das Näge/Distanz-Ding doch nicht.


Diese Idee über das Ausfalten des Erotik-Zentrums klingt interessant. Da müsste man dann wohl mal die Kindheitsgeschichte analysieren und das familiäre Umfeld, die eventuellen Prägungsfaktoren. Wobei ich mir nicht ganz vorstellen kann, dass das bei jeder Person aus so einem Umfeld gleich oder auch nur ähnlich ausfaltet. Das trifft vielleicht auf bestimmte Persönlichkeitstypen zu und auf andere wieder nicht.

Vielleicht fehlt bei Asexuellen dieses Erotik-Zentrum oder ist bei Grey deutlich abgeschwächt oder so etwas. Wobei auch nicht alle Asexuellen wieder aus so beschriebenen familiären Verhältnissen kommen, wie die in dem Artikel genannt werden.

Weiter würde man sich fragen, ob die Probleme dem Partner bekannt wurden oder nicht, denn vielleicht ist der Unterschied zwischen der Vorstellung romantischer Liebe und dann der wirkliche Umstand als "Zerstörer" dieser Vorstellung direkt verantwortlich. Da hättest Du Deinen Partner evtl. drüber aufklären können, damit der sich ggf. darauf einstellen kann. Ich weiß es nicht, ob das passieren kann, aber vielleicht prägt sich das, wenn es häufiger vorkommt, auch als negative Erwartungshaltung fest und wirkt als Verstärker für die Probleme, um mal in Jargon der auf der Seite gebraucht wird zu schreiben. Da würde praktisch psychisch eine Blockade gegen neue negative oder unbefriedigende Erfahrungen erbaut, man muss es nicht mal unbedingt mitkriegen.

Ich wäre drauf gespannt, was Jemand mit psychologischer Ausbildung dazu meinen würde.

Vielleicht blockiert man, wenn man zur "Grey"-Gruppe gehören kann, auch ein 'zu intensiv' oder 'zu häufig' an sexuell motivierter Zuwendung aus?

Bei Demi-Sexualität spricht man eigentlich davon, dass sich das sexuelle Verlangen erst nach einem Kennenlernen und geraumer Zeit tiefer emotionaler Zuneigung zu einander entfalten soll. Soweit ich drüber mal was nachgelesen hätte. Da müssten dann die romantischen Vorstellungen, wenn sie von Beiden geteilt werden, eigentlich recht graduell zur erfüllten Vorstellung hinführen.
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_Lynx_
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Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 19.06.2016
Beiträge: 283
Wohnort: dichte Wälder mit offenen Landschaften
BeitragVerfasst am: Fr Nov 04, 2016 12:44    Titel: Antworten mit Zitat

Stört es dich nicht, Tsomo, wenn dir jemand psychologische Erklärungen liefern möchte dafür wie du tickst (ticken könntest), der so unseriös auftritt online?

Immerhin ist dessen Homepage seine Visitenkarte; es geht dort um die Anbahnung von geschäftlichen Kontakten. ... Na, wer fühlt sich von so einem Quacksalbergelaber untermalt mit "netten Bildchen" und Herzschmerzklischeestories wohl angezogen?
... Sicher nicht die Frauen und Männer, die von ihm schlecht zu manipulieren sind. Sowas dient der Vorselektion, damit die passenden Schäfchen bei ihm landen und ihm gutes Geld bezahlen für seine "Weisheiten"/Lebensberatung.

Es steht dir natürlich frei, seinen "Erkenntnissen" über Männlein und Weiblein zu lauschen und dir rauszuziehen davon, was du als passend/zutreffend empfindest.
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Tsomo





Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 24.04.2016
Beiträge: 72
Wohnort: Bremen
BeitragVerfasst am: Fr Nov 04, 2016 13:12    Titel: Antworten mit Zitat

Fällt Dir jetzt nichts besseres ein, als meine Gesinnung zu hinterfragen _Lynx_? Ich bin schon älter und habe viel erlebt. Die Menschen sind wie sie sind und ich ändere sie nicht. Ändern kann ich nur mich selbst. Ich bemühe mich die Menschen da ab zu holen, wo sie sind.

Ich hab um seriöse Quellen zu dem Thema gebeten. Diese genannt zu bekommen, darüber würde ich mich freuen.
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_Lynx_
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Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 19.06.2016
Beiträge: 283
Wohnort: dichte Wälder mit offenen Landschaften
BeitragVerfasst am: Fr Nov 04, 2016 13:32    Titel: Antworten mit Zitat

Tsomo hat folgendes geschrieben:
Ich hab um seriöse Quellen zu dem Thema gebeten.


Gerade deshalb weiß ich nicht, warum du so auf meinen ersten Beitrag hier reagiert hast, in dem ich darauf hingewiesen habe, dass der Artikel und die Seite alles andere als seriös ist. ... "Sex sells" war auch nicht das, was ich mit den Fotos meinte. ... Wenn es dich beruhigt, ich bin mit diesem Beitrag hier auch raus.

[Rest gelöscht, weil letztlich auch egal.]
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outoftown76





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 05.10.2016
Beiträge: 10
BeitragVerfasst am: Fr Nov 04, 2016 14:45    Titel: Antworten mit Zitat

Ich seh die Seite schon auch als problematisch an - deshalb hab ich im Eingangspost auch nur diese eine Idee, die bei mir hängen geblieben war, zusammengefasst.
Für mich ist das ganze Thema noch sehr neu, und ich versuche möglichst offen ranzugehen. Ich denke, so lange man es nicht zu ernst nimmt und sich eine Forscher-Distanz bewahrt, kann man beim rumkauen auf neuen Ideen - auch wenn sie aus fragwürdigen Quellen kommen - nur gewinnen, z.B. eigene Klarheit.

Windsurfhippie hat folgendes geschrieben:

Weiter würde man sich fragen, ob die Probleme dem Partner bekannt wurden oder nicht, denn vielleicht ist der Unterschied zwischen der Vorstellung romantischer Liebe und dann der wirkliche Umstand als "Zerstörer" dieser Vorstellung direkt verantwortlich. Da hättest Du Deinen Partner evtl. drüber aufklären können, damit der sich ggf. darauf einstellen kann. (...)

Vielleicht blockiert man, wenn man zur "Grey"-Gruppe gehören kann, auch ein 'zu intensiv' oder 'zu häufig' an sexuell motivierter Zuwendung aus?


Ja, die Gedankengänge hören sich plausibel an. In Ansätzen hab ich schon immer wieder versucht mich zu erklären, aber das bleibt naturgemäß lückenhaft wenn die eigene Klarheit noch fehlt. Confused Insofern waren da sicher ein paar verpasste Chancen in der Vergangenheit.
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Inertia




Alter: 26
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 07.10.2014
Beiträge: 971
Wohnort: NRW
BeitragVerfasst am: Fr Nov 04, 2016 16:35    Titel: Antworten mit Zitat

_Lynx_ hat folgendes geschrieben:
Oh die Seite vom Beziehungsdoktor ist unglaublich seriös.


Wer eine "seriöse" Internetseite über Beziehungsratschläge findet, der werfe den ersten Link. Ich bezweifle, dass es so etwas überhaupt gibt. Die allermeisten Menschen die Beziehungen wollen, wollen nunmal von solchen Klischees lesen. Eine Klischeebeziehung ist doch gerade das, was die Leute suchen.

Moment, darf ich hier eigentlich schreiben? Ist doch schade dass dieser Thread bei den Älteren eingeordnet wurde, wer weiß wer noch alles gerne etwas dazu sagen würde.
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Zilpzalp




Alter: 58
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 15.09.2017
Beiträge: 36
Wohnort: Bayern
BeitragVerfasst am: Sa Sep 16, 2017 18:41    Titel: Re: Psychologische Faktoren bei Asexualität? Antworten mit Zitat

outoftown76 hat folgendes geschrieben:
Mich würde interessieren, inwieweit ihr bei eurer Asexualität (oder Demi-/Gray-) psychologische Faktoren seht, oder ob ihr eher das Gefühl habt , das ist etwas wie die Haarfarbe oder Schuhgröße.

Hintergrund meiner Frage ist ein Artikel zu Menschen mit Nähe-Distanz-Problemen den ich gelesen habe, in dem ich mich teilweise wieder finde. Kurz zusammen gefasst, es ging darum dass manche Menschen (nur) in der Anfangsphase (mit viel Unsicherheit) Sex ok finden , und an Sex evtl. denken, wenn der Geliebte gerade weit weg ist, aber nicht mehr wenn er/sie neben ihnen liegt, und wenn sich ein Gefühl von Geborgenheit und Verbundenheit eingestellt hat.
Ich habe z.B. früher versucht Affären zu haben und teilweise wollte ich da schon auch. Es ging wohl eher um den Kick als wirklich um Sex oder Anziehung, aber auf jeden Fall war ich nicht nur passiv. Aber kaum sind wir 1x in der Kiste gelandet war ich total ernüchtert und hatte mich wieder dran erinnert dass ich das eigentlich alles gar nicht so toll finde. Und war erstmal weg (falls es was Unverbindliches war.)
In Beziehungen ging es im Bett so lange gut wie es z.B. eine Fernbeziehung war und eher locker, mit viel Distanz dazwischen so dass ich nicht das Gefühl hatte er wird "wichtig".

Ich dachte mir beim Lesen des Artikels, dass ich vielleicht im Grund gar nicht asexuell wäre, dass es nur in der Praxis trotzdem drauf raus läuft, da ich mir in nahen Beziehungen eigentlich Kuscheln & Nähe & Gefühl von zuhause sein wünsche. Was dann bei meiner psychologischen Veranlagung automatisch asexuelle Beziehung bedeutet. Mit meiner besten Freundin will ich ja auch keinen Sex. Wink

Ich bin mir bei der ganzen Theorie zwar nicht sicher, inwieweit das wirklich sinnvoll ist (man kann ja in der Psychologie viel interpretieren, aber objektiv überprüfen lässt es sich eh nicht), aber neugierig gemacht hat es mich doch.


Meinem Gefühl nach hat bei mir persönlich meine Asexualität schon was mit der Kindheit und frühen Erlebnissen zu tun: Erstmal die physische Misshandlung durch meine Mutter, die mir jeglichen körperlichen Kontakt als etwas Bedrohliches empfinden lies, dann kam bei mir vor allem aber noch hinzu, dauerndes sexuell belästigt werden von Nachbarskindern auf dem Land und von älteren Jungen im Dorf und auch später am Gymnsium, so dass ich später dann immer nur WUT empfinden konnte, wenn ich merkte, das Interesse oder die Berührungen gehen in Richtung sexuell. Ich habe Sex von Kindheit an als etwas erlebt, das mir "angetan" wird, gegen meinen Wunsch, und nicht als etwas, das ICH wünsche oder möchte oder jemanden auffordere. Da es keine richtigen "Vergewaltigungen" waren, konnte ich das auch nie so richtig einordnen, als ich jung war, und als ich es einmal meiner Mutter erzählte, war es ihr nur "peinlich" und dem Jungen geschah nichts, wie es halt in den 60igern auf dem Dorf so war.
Später ind er Grossstadt ging ich so gut wie nie aus, da ich nicht wusste, WIE ich auf Aufforderungen zum Tanzen oder Anmache reagieren sollte, es machte mir Angst und Wut und Ekel wiederum. Ich empfand das Angesprochenw erden, egal wie "nett" und undränglerisch und höflich es war, IMMER als "BELÄSTIGUNG" und etwas, das mich in Wut innerlich versetzte.
Ich weiss noch, dass mal in einem Bus beim Warten auf die Abfahrt ein mir gegenüber sitzender Mann mich höflich ansprach, so nach dem Motto, dass er mich gerne näher kennenlernen würde udn ob wir uns mal treffen könnten, und ich ihn nachdem er nicht gleich locker lies, als ich nichts antwortete, sondern nur giftig und angewidert guckte, so aggressivv im Tonfall anfauchte, dass er aufhören solle mich zu belästigen, dass der allen Ernstes am Schluss nach vielen Entschuldigungen Tränen in den Augen hatte und weinte. Irgendwie brachte ich es auch nicht fertig, mich zu entschuldigen und guckte weiter äusserlich giftig, während auch ich innerlich weinte und er mir so leid tat. So mies wie da hinterher hab ich mich im ganzen Leben nie gefühlt und bin dann künftig allen Ansprechsituationen so gut wie ausgewichen und habe mein Leben alleine verbracht.

Diese WUT bei Sexuellem sich mir nähern empfinde ich fast als "Reflex". Erst vor wenigen Jahren wurde mir klar, dass ich asexuell bin und wirklich noch nie das Bedürfnis hatte, dass jemand an mir sexuelle Handlungen vornimmt. Ich empfinde Sex als Grenzüberschreitung... Und dass dies bei mir keine "Phase" oder "Schüchternheit" etc ist. Ich empfand mich immer als unnormal in der Hinsicht und habe es verborgen, ich habe sogar einmal an einem Arbeitsplatz gesagt, dass ich lesbisch wäre (was nicht stimmt), das war mir lieber dass mich alle für eine Lesbe hielten als wie dass ich zugeben müsste, asexuell zu sein...
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