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Asexuell + soziale Phobie
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dunkler_regenbogen




Alter: 61
Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 18.12.2012
Beiträge: 442
Wohnort: Dortmund
BeitragVerfasst am: Di Sep 27, 2016 21:40    Titel: Antworten mit Zitat

Meine Therapeutin hat mir eröffnet, dass ich keine soziale Phobie habe, sondern für einen Menschen mit Asperger völlig normal bin Wink
Jetzt darf/soll/muss ich mein Leben, bzw. meine Einstellungen dazu völlig neu anschauen und bewerten. Und habe absolut keine Lust dazu. Ich fühle eher eine große Erleichterung und habe z.Zt. kein Befürfnis, mein Sein zu hinterfragen.
_________________
You'll never find a rainbow if you're looking down.

Ich weiß, dass die Stimmen in meinem Kopf nicht real sind, aber sie haben so wahnsinnig geile Ideen!
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Dokkan




Alter: 24
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 27.09.2016
Beiträge: 11
Wohnort: Heidelberg
BeitragVerfasst am: Mi Sep 28, 2016 19:31    Titel: Antworten mit Zitat

Aiko hat folgendes geschrieben:

Hilft Dir die Behandlung oder ist es noch zu früh dazu was zu sagen?


Ist zu früh. Hab grade die 5 Probesitzungen fertig. Die Frau war jetzt 6 Wochen im Mutterschutz und Montag geht es dann wieder los.
Aber allein dadurch, dass ich weiß, dass es besser werden kann, fühle ich mich schon etwas besser. Bin allerdings nicht nur wegen sozialen Ängsten, sondern auch wegen Depressionen da.
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Chris1976




Alter: 44
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 05.10.2016
Beiträge: 8
BeitragVerfasst am: Do Okt 06, 2016 22:12    Titel: Und wie ich das kenne... Antworten mit Zitat

Trotz meiner Verhaltenstherapie, in der sich zwar schon so einiges in mir veränderte, sonst würde ich das hier schreiben können, blieb die "soziale Phobie".

Ich fühle mich in der Menge absolut nicht wohl, bin kein Redner in einer Runde und bis auf direkte an mich gestellte Fragen, schweige ich im Abseits der Leute. Das ist seit meiner Kindheit so und wird sich auch nicht ändern. Eie kleine Runde bis 4 maimal 5 Personen geht gerade noch so am Rande, aber nicht lange und auf alles was darüber ist kann ich verzichten.

Liebe Grüße
Chris
_________________
Glauben ist nicht Wissen, doch Wissen es die meisten besser, zumindest Glauben sie es!
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Leotilda




Alter: 29
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 22.01.2017
Beiträge: 20
BeitragVerfasst am: Mo Jan 23, 2017 0:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ich habe auch eine Sozialphobie und bin (zumindest mal nach der englischen definition her) demisexuell (nach der deutschen warte ich grad noch auf Erklärungen in einem anderen thread xD)

Hab das mit 21 festgestellt, dass ich seit meiner kindheit unter ner Sozialphobie leide, was mir aber lange nicht bewusst war weil ich zu den Überkompensieren gehöre, ständig am babbeln, fast kein verbaler Filter, hab Dinge offenbart die ich gar nicht sagen wollte abe rmusste was sagen um peinliche Stillen zu überbrücken. Und so ein Krawallweib wie ich es war, dem glaubt auch keiner dass man eigentlich schüchtern und introvertiert ist und Angst vor so Dingen wie telefonisch Termine ausmachen hat, oder vor Leuten zu reden. In der Schule dachte ich noch, ich hätte einfach nur komplett extreme Prüfungsangst und wäre sonst einfach "shy and awkward" unter der falschen Plapperpersona.

Mit 21 kamen dann in der Uni die anxiety attacks. 4 jahre lang war ich in einer absoluten Hölle, einmal war ich bei einem psychologischen Beratungsgespräch. Dann habe ich irgendwie geschafft einen Abschluss zu machen und seitdem mein Auslöser weg ist habe ich statt akuter Nothilfe Selbsttherapie aufgenommen.
Habituative und Atemübungen um genau zu sein. Und ich muss sagen mir gehts zurzeit richtig gut. Telefonieren läuft, neue Leute treffen wird etwas besser da ich im Job viel mit Leuten zu tun habe und in ein paar Wochen ist es ein Jahr her seit ich die letzte Attacke hatte.

Bei mir ist es seltsamerweise so, dass mir meine Sexualität (neben vielen anderen Faktoren) mit meiner Sozialphobie geholfen hat. Weg ist sie leider noch nicht (also die Phobie nicht die Sexualität XD) aber keine Attacken mehr zu haben ist schon dass schönste und ich arbeite weiterhin an mir.
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Aiko
abgemeldet




Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 26.03.2016
Beiträge: 188
Wohnort: NRW
BeitragVerfasst am: Mo Jan 23, 2017 22:39    Titel: Antworten mit Zitat

schön, daß es bei Dir etwas besser wird.

Bei mir wird es eher schlimmer. Gaaaaaannnnzzzz langsam ziehe ich mich immer mehr zurück und bin froh allein zu sein und traurig allein zu sein.

Irgendwie leb ich in einer anderen Welt, wunder mich über meine Mitmenschen und verstehe sie nicht.

Ausgehen, Urlaub, Networking, Parties, Strand... häh?
Echt, wie fremde Wesen.

Trotzdem hätte ich gerne jemand, der auch anders ist.
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Kynthia




Alter: 23
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 31.01.2017
Beiträge: 30
BeitragVerfasst am: So Feb 05, 2017 21:21    Titel: Antworten mit Zitat

Nachdem ich schon immer eher introvertiert, dazu noch kleiner war als die anderen und jünger aussah als ich bin, haben mich im Laufe meiner Schulzeit und sogar schon davor viele als Fußabtreter gesehen. Meine mir damals noch nicht bekannte Asexualität war vielleicht auch nicht gerade förderlich, weil gerade bei Teenagern oft sexuelle Themen sehr wichtig sind, und man noch merkwürdiger erscheint, wenn man dieses Interesse nicht teilt. Ich habe mich wirklich ein bisschen wie ein Alien gefühlt und die Leute um mich herum haben mich oft genug spüren lassen, dass sie genauso denken.
Dadurch habe ich dann auch eine Sozialphobie entwickelt, die immer schlimmer geworden ist. Mittlerweile sind kleine Sachen wie einkaufen gehen, etc. schon ein großes Problem für mich.

In der Uni habe ich auch überhaupt keinen Anschluss gefunden, weil ich einfach nicht mehr weiß, wie man auf Menschen zugeht, und diesen Gedanken, dass mich sowieso alle seltsam finden, in mir drin habe.
Bei mir ist es so, dass ich mich eher zu Dingen überwinden kann, wenn jemand dabei ist, den ich mag. Aber meine wenigen Schulfreunde sind verstreut und neue Freundschaften zu schließen ist für mich gerade wie gesagt so gut wie nicht möglich. Einerseits freue ich mich zwar, dass ich so nicht die "Verpflichtung" habe, mich mit jemandem zu treffen (was wirklich anstrengend für mich sein kann), aber andererseits löst das Alleinsein trotzdem eine Art von Traurigkeit in mir aus und ich wünsche mir, dass ich zumindest einen Menschen hätte, der mich versteht oder sogar genauso drauf ist wie ich.

Bin auch beim Psychologen, aber bisher hat mir das ganze nicht wirklich viel gebracht. Das einzige, was ich mitgenommen habe, ist, dass ich nicht normal bin, was ich schon vorher wusste. Das Ding ist auch so ein bisschen, dass ich dort immer gesagt bekomme, dass ich mich der Gesellschaft und eben der "Normalität" anpassen muss, das will ich ja gar nicht. Das einzige, was ich mir wünsche, ist, diese übertriebene Angst in den Griff zu bekommen, aber ohne mich selbst dafür verbiegen zu müssen.
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Aiko
abgemeldet




Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 26.03.2016
Beiträge: 188
Wohnort: NRW
BeitragVerfasst am: So Feb 05, 2017 22:05    Titel: Antworten mit Zitat

Du beschreibst ziemlich genau, wie ich mich fühle.
Ich hoffe, du kriegst das unter Kontrolle.

Das Problem ist auch, dass ich mich immer weiter zurückziehe, weil es einfacher ist und nicht so anstrengend ist, wie dauernd unter Leuten zu sein.

Dieses Gefühl ein Alien zu sein, so ganz anders, zieht mich auch oft richtig runter.
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Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3235
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Mo Feb 06, 2017 6:03    Titel: Antworten mit Zitat

dunkler_regenbogen hat folgendes geschrieben:
Meine Therapeutin hat mir eröffnet, dass ich keine soziale Phobie habe, sondern für einen Menschen mit Asperger völlig normal bin Wink
Jetzt darf/soll/muss ich mein Leben, bzw. meine Einstellungen dazu völlig neu anschauen und bewerten. Und habe absolut keine Lust dazu. Ich fühle eher eine große Erleichterung und habe z.Zt. kein Befürfnis, mein Sein zu hinterfragen.


Ich schätze, das war bei mir auch das Hauptsächliche. Andere haben das als soziale Phobie, hohe Schüchternheit, soziale Isolationsneigung an mir verstanden und mich damit berieselt, doch bitte mehr unter Menschen zu gehen.
Dazu noch die schlechte und mehr oder weniger diskriminative Erfahrung im Umgang mit Menschen und deren Bewertungen über Äußerlichkeiten. Man will nach so und so viel Niedermache einfach auch nicht mehr.
Das häufige Unter-Menschen-Sein, das die NT's so sehr schätzen und brauchen, ist zu anstrengend. Die Erholungspausen müssen auch da sein, also mal wieder 2 Wochen keinen Menschen begegnen -als Ausgleich.

Aiko hat folgendes geschrieben:


Das Problem ist auch, dass ich mich immer weiter zurückziehe, weil es einfacher ist und nicht so anstrengend ist, wie dauernd unter Leuten zu sein.

Dieses Gefühl ein Alien zu sein, so ganz anders, zieht mich auch oft richtig runter.


Das "Oops - wrong Planet" -Phänomen, ja. Ist mir sehr vertraut. Kam mir auch immer wie so ein unbraves Alien vor, das zur Strafe aus dem UfO geschmissen wurde, und hier lernen soll, mit den Eingeborenen klarzukommen.

Man geht den einfacheren Weg, besonders in jungen Jahren. Mit dem Bewusstsein, anders zu sein, kommt die Erfahrung, unerwünscht oder nicht akzeptiert zu sein. Wenn man Menschen sowieso als anstrengend erlebt, und dann auch noch Leute oben drauf drücken und ins Gesicht sagen, man will dich so, wie du bist, nicht hier haben ( war bei mir als Jungmensch so ) ... logisch, dass einen das runterzieht.

Menschen finden einen hin und wieder. Solche, wo man dosieren kann, wie viel oder wie nah einem Kontakt gut tut. Die das zulassen und auch Grenzen respektieren können. Scheinen selten zu sein, die Art Menschen. Im passenden Zeitabstand kann das sogar recht nett werden, unter denen geduldet zu sein.

Im Januar habe ich für Solche eine "Party" gegeben. Mit deren Unterstützung natürlich. Hätte ich mir früher im Leben nie träumen lassen. Ich war doch immer der absolute Unsoziale.
Also es gibt auch Wege da wieder rauszukommen. Wink
Individuell zu Gestaltende.
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Wer später stirbt, erlebt den Tod derer, die früher sterben, und hat deshalb länger was zu lachen.
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Wauwau




Alter: 45
Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 05.04.2007
Beiträge: 2498
Wohnort: Wien
BeitragVerfasst am: Mo Feb 06, 2017 18:31    Titel: Antworten mit Zitat

Windsurfhippie hat folgendes geschrieben:

Wenn also gewisse sexuelle Cues schon im Vorfeld nicht da waren
( Libido, Sehnsüchte, Körperreaktionen, Fantasien ), dann wird die Einnahme von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern oder auch weiteren Medikamenten, die irgendwas an den Botenstoffen und deren Wirkungs- und Streumechanismen manipulieren, das auch nicht zwingendermaßen nachhaltig ändern.
Interessant wäre es ja - weil einige atypische Symptome wie etwa Dauererektion beschrieben werden - dann eher noch, ob SSRI in der Lage wären, aus Asexuellen Hyposexuelle oder sogar Sexuelle werden zu lassen.


Habe wegen Sterbebegleitung von Oktober bis Anfang Jänner täglich 25mg Sertralin genommen.
Inzwischen ist es abgesetzt.

Abgesehen davon, dass es den Nervenzusammenbruch verhindert hat, habe ich mich nicht anders gefühlt.
Meine Libido war und ist, wie sie immer war.

Das totale Alkoholverbot hat mich genervt. Ich habs beachtet, aber ein Advent nur mit Apfelsaft und Kindersekt ist schon fad. Kauf mir meine jährliche Flasche Met zu Ostern. Wink
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Then let us pray that come it may /As come it will for a´that/ That Man to Man the world o´er/ Shall brothers be for a´that. (Robert Burns)
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Fiammetta





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1037
Wohnort: Hamburg; Alter: 35
BeitragVerfasst am: Mo Feb 06, 2017 19:09    Titel: Antworten mit Zitat

Die Bemerkung hilft wahrscheinlich niemandem, aber ich lese hier bei manchen raus, dass sie das Gefühl haben, sich stark von allen anderen zu unterscheiden und deshalb wenig Kontakt zu anderen haben. Ich denke, man kann Ursache und Wirkung hier auch umdrehen. Weil man wenig Kontakte hat, nimmt man alle anderen als homogene Masse wahr und sieht den Einzelnen nicht, der vielleicht gar nicht so massenkompatible Interessen hat und vielleicht auch Probleme, die man ihm nicht ohne Weiteres ansieht.
Nach meiner Erfahrung ist im Grunde niemand vollkommen "normal" und ohne Ecken und Kanten; man muss die Leute nur oft ein wenig kennenlernen, um das zu bemerken.
_________________
"Pour moi l’hétérosexualité n’est pas la norme, ce n'est qu'une majorité statistique."
(Peggy Sastre)
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Lachs
gesperrt wegen FLAMES
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Alter: 37
Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 27.12.2016
Beiträge: 17
BeitragVerfasst am: Sa Feb 11, 2017 19:28    Titel: Antworten mit Zitat

Kynthia hat folgendes geschrieben:
.


In der Uni habe ich auch überhaupt keinen Anschluss gefunden, weil ich einfach nicht mehr weiß, wie man auf Menschen zugeht, und diesen Gedanken, dass mich sowieso alle seltsam finden, in mir drin habe.
Bei mir ist es so, dass ich mich eher zu Dingen überwinden kann, wenn jemand dabei ist, den ich mag. Aber meine wenigen Schulfreunde sind verstreut und neue Freundschaften zu schließen ist für mich gerade wie gesagt so gut wie nicht möglich. Einerseits freue ich mich zwar, dass ich so nicht die "Verpflichtung" habe, mich mit jemandem zu treffen (was wirklich anstrengend für mich sein kann), aber andererseits löst das Alleinsein trotzdem eine Art von Traurigkeit in mir aus und ich wünsche mir, dass ich zumindest einen Menschen hätte, der mich versteht oder sogar genauso drauf ist wie ich.

Bin auch beim Psychologen, aber bisher hat mir das ganze nicht wirklich viel gebracht. Das einzige, was ich mitgenommen habe, ist, dass ich nicht normal bin, was ich schon vorher wusste. Das Ding ist auch so ein bisschen, dass ich dort immer gesagt bekomme, dass ich mich der Gesellschaft und eben der "Normalität" anpassen muss, das will ich ja gar nicht. Das einzige, was ich mir wünsche, ist, diese übertriebene Angst in den Griff zu bekommen, aber ohne mich selbst dafür verbiegen zu müssen.


Deine Gedanken kann ich nachvollziehen. Ich habe die letzten 10 Jahre im Studium total isoliert gelebt. Das war eine ziemliche Hölle insgesamt gesehen,

Jetzt ist es wieder so, dass ich wegen der Phobie keinen Anschluss in der weiteren Ausbildung gefunden habe. Aber irgendwie auch gar nicht richtig "will" weil ich diese Leute als so fröhlich und unbefangen wahrnehme und ich mir da völlig anders vorkomme.

Vor ein paar Tagen hatte ich aber mal ein gutes Erlebnis, wo ich dann dachte: Du kannst mit den Leuten ja reden. Ich war zwar innerlich unsicher, aber redete spontan über Sachen, die mir so einfielen. Vor ein paar Jahren noch undenkbar für mich.

Wegen der Phobie hilft glaube ich nur die Konfrontation. Ich war mal in einer Klinik und seitdem gehen einige Sachen, die früher nicht gingen.

Aber sehr einsam bin ich immer noch :/
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Icicle





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 16.01.2017
Beiträge: 5
BeitragVerfasst am: Sa Feb 11, 2017 21:25    Titel: Antworten mit Zitat

Fiammetta hat folgendes geschrieben:
Die Bemerkung hilft wahrscheinlich niemandem, aber ich lese hier bei manchen raus, dass sie das Gefühl haben, sich stark von allen anderen zu unterscheiden und deshalb wenig Kontakt zu anderen haben. Ich denke, man kann Ursache und Wirkung hier auch umdrehen. Weil man wenig Kontakte hat, nimmt man alle anderen als homogene Masse wahr und sieht den Einzelnen nicht, der vielleicht gar nicht so massenkompatible Interessen hat und vielleicht auch Probleme, die man ihm nicht ohne Weiteres ansieht.
Nach meiner Erfahrung ist im Grunde niemand vollkommen "normal" und ohne Ecken und Kanten; man muss die Leute nur oft ein wenig kennenlernen, um das zu bemerken.


Das sehe ich ganz genau so und habe auch Erfahrungen damit gemacht bzw. mache sie immer noch. Wenn ich alleine bin nehme ich fast alle anderen Menschen wie beschrieben als eine homogene Masse da, dazu bin ich in Gedanken noch feindselig gegenüber diesen Menschen, da sie ja alle so "normal" sind (falls ich angesprochen werde bin ich aber freundlich solange ich keinen Grund habe nicht freundlich zu sein). Das traurige daran ist, dass ich es eigentlich besser weiß, viele meiner Freunde waren für mich auch erst ein Teil dieser Masse und trotzdem denke ich immer noch schlecht über die meisten fremden Menschen. Vielleicht ist es ja auch eine Art Schutzmechanismus, denn von Menschen, von denen man sowieso nicht viel hält wird man auch nicht so schnell verletzt (psychisch natürlich, nicht physisch), wenn überhaupt. Jedenfalls bin ich gerade dabei zu versuchen mir diese Denkensart abzugewöhnen.

Zu sozialer Phobie generell: seit dem Kleinkindalter bis zu ca. meinem 15. Lebensjahr "litt" ich unter selektivem Mutismus, kurz gesagt ich konnte in manchen Situation überhaupt nicht sprechen.
Als ich 17 Jahr habe ich dann für fast ein Jahr eine Therapie gemacht, die mir leider nicht wirklich geholfen hat. Die Therapeutin war zwar sehr nett und bemüht, aber erzählte mir nichts, dass ich noch nicht wusste, z.B., dass meine Ängste unbegründet sind und Konfrontation die wirksamste Methode dagegen ist. Prinzipiell hätte da ein Selbsthilfebuch genau so gut geholfen.

Was mir sehr geholfen hat waren die letzten drei Jahre. Ich fing mit der Uni an und war (natürlich) am Anfang alleine, wodurch ich aber auf mich selbst angewiesen war und öfter gezwungen war mit Leuten zu reden. Nach einem Jahr wechselte ich die Uni weil mir das Studienfach doch nicht so zusagte und hatte Glück, dass ich in der ersten Woche angesprochen wurde und dadurch einen "Unikumpel" hatte. Allerdings sprang er nach einem Semester ab und ich war das nächste halbe Jahr wieder alleine, bis ich wieder Glück hatte und angesprochen wurde woraus dieses mal mehrere positive Bekanntschaften resultierten.
Lange Rede, kurzer Sinn: durch diese positiven Erfahrungen fühle ich mich allgemein viel selbstsicherer und finde es gar nicht mehr so schlimm Leute anzusprechen oder ähnliches. Nur vor vielen Leuten zu reden, z.B. bei einer Präsentation fällt mir noch sehr schwer, da ich damit so gut wie gar keine Übung habe.

Wenn ich mich richtig erinnere war im Startpost noch die Rede von einem Treffen unter den Leuten, die eine soziale Phobie haben. Falls sich das noch nicht komplett erledigt hat wäre ich dafür. Smile
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still_running
abgemeldet



Alter: 43
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 21.06.2009
Beiträge: 298
Wohnort: Ruhrgebiet
BeitragVerfasst am: So Feb 12, 2017 11:29    Titel: Antworten mit Zitat

Icicle hat folgendes geschrieben:

(...)

Wenn ich mich richtig erinnere war im Startpost noch die Rede von einem Treffen unter den Leuten, die eine soziale Phobie haben. Falls sich das noch nicht komplett erledigt hat wäre ich dafür. Smile

Könnte sein, dass so ein Treffen ziemlich einsam verläuft, ich jedenfalls wüsste nicht, ob ich komme, selbst wenn ich vorher zugesagt hätte.
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katzina




Alter: 38
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 06.01.2017
Beiträge: 33
BeitragVerfasst am: Fr März 17, 2017 21:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, ich habe mir jetzt nicht alle Beiträge durchgelesen, aber ich habe auch die Sozialphobie. Es war eine Zeit lang sehr extrem, sodass ich fast erstickt wäre und daher musste ich, auch aus anderen psychischen Gründen eine Therapie beginnen. Nach 6 Jahren Therapie und 2Rehas geht es mir mittlerweile ganz gut. Phasenweise bin ich total mutig und traue mich raus und stürze mich ins Getümmel und dann gibt es Phasen in denen ich wirklich gar keinen Kontakt zu meiner Spezies haben möchte und dann schaffe ich es gerade noch so zur Arbeit und wieder zurück. Lebensmitteleinkaufe sind dann schon eine echte Herausforderung. In meinem Fall würde ich schon sagen, dass die Asex und die Phobie miteinander verbunden sind. Das eine fördert quasi das andere. Aber es ist auch klar, das es nicht bei jedem Asexuellen und jedem phobiker eine Verbindung dieser Eigenschaften gibt.
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Queen of Gotham
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Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3235
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Sa März 18, 2017 6:43    Titel: Antworten mit Zitat

Fiammetta hat folgendes geschrieben:
Die Bemerkung hilft wahrscheinlich niemandem, aber ich lese hier bei manchen raus, dass sie das Gefühl haben, sich stark von allen anderen zu unterscheiden und deshalb wenig Kontakt zu anderen haben. Ich denke, man kann Ursache und Wirkung hier auch umdrehen. Weil man wenig Kontakte hat, nimmt man alle anderen als homogene Masse wahr und sieht den Einzelnen nicht, der vielleicht gar nicht so massenkompatible Interessen hat und vielleicht auch Probleme, die man ihm nicht ohne Weiteres ansieht.
Nach meiner Erfahrung ist im Grunde niemand vollkommen "normal" und ohne Ecken und Kanten; man muss die Leute nur oft ein wenig kennenlernen, um das zu bemerken.


Hm ja, es 'hilft' insofern der Symptomatik einer Sozialphobie nicht, wenn man das weiß, weil die Isolation da schon im Gange ist, die möglichen negativen Erfahrungsschätze schon vorhanden sind, oder das Gefühl des Andersseins durch Bestätigung von 'außen' bereits verstärkt wurde, zu Hemmnis und Vermeidung geführt hat.

An sich ist es auch meine Beobachtung, dass die Idee vom "Normalo" völliger Schwachsinn ist, also das Individuum doch so sehr unterschiedlich vom anderen Jeweiligen, dass man nicht von einer homogenen Mehrheit reden kann.
Bei der sozialen Phobie oder je nach Erfahrungsschatz ist dann eben diese Bereitwilligkeit mehr oder weniger herabgesetzt, sich mit immer wieder neuen Menschen noch so offen und frei auseinanderzusetzen. Man umgeht das immer mehr und immer weitumreichender. Irgendwann glaubt man, nicht mehr dazu in der Lage zu sein, Kontakte zu beginnen, oder sie zu halten, auch auszuhalten. Man findet sich zu empfindlich, zu weit davon entfernt. Auch des Alters wegen. Wenn dann noch - was immer auch mit drin steckt - neue negative Erfahrungen das wiederum verstärken, geht es in Richtung Selbstisolation. Eventuelle sonstige Ängste,Minderwertigkeitsgefühle oder Hemmungen spielen da nochmal verstärkend drauf zu.


katzina hat folgendes geschrieben:

In meinem Fall würde ich schon sagen, dass die Asex und die Phobie miteinander verbunden sind. Das eine fördert quasi das andere. Aber es ist auch klar, das es nicht bei jedem Asexuellen und jedem phobiker eine Verbindung dieser Eigenschaften gibt.


Ja, in gewissem Zusammenhang spielt das sicher einander zu. Jedenfalls auch da, wo sich Asexualität mit Kontaktvermeidung aufgrund von Bedenken und Befürchtungen verbindet, dass ein neuer, und dann vielleicht auch noch ein sexuell veranlagter Kontakt eventuell ja irgendwas Partnermäßiges im Schilde führen könnte. Wenn man mit sowas nicht gut um kann, vermeidet man lieber den Kontakt, auch wenn es vielleicht doch nur ein Bekannter oder eine Kumpelin geworden wäre.
Also kommt vielleicht eine Furcht vor möglicher sexueller Ansprache dazu, oder vor Themen, die sich in so eine Richtung entwickeln könnten.

Man sieht andererseits in vielen der Vorstellungen junger Menschen, dass die dieses Problem gar nicht haben, einen Erfahrungshintergrund im Ausprobieren und Feststellen, dass das nicht Ihres ist. Und trotzdem haben einige davon diese Sozialphobie oder sind nicht so Kontakt affin vom Wesen her.
Wahrscheinlich gibt es zig Gründe, warum man so ist, oder wie sich das zusammen stellt.
_________________
Wer später stirbt, erlebt den Tod derer, die früher sterben, und hat deshalb länger was zu lachen.
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