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Verpasst man wirklich was?
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Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3234
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Mo Feb 29, 2016 14:08    Titel: Verpasst man wirklich was? Antworten mit Zitat

Neulich, in einer Mail über A-Romantik, wurde ich nach der ungefähren Erklärung was das sei, mal wieder damit konfrontiert : "Aber ... du verpasst doch was wirklich Tolles!"

Man kennt das ja auch von den Sexuellen, die der Auffassung sind, ohne Sex im Leben würde man ach so Vieles verpassen, und wo ich dann oft zum Beispiel auf einen blind Geborenen verweise, und was der wohl so alles am Nicht-Sehen-können verpassen mag, was er so oder so nie kennen könnte.

Angestoßen durch selbstkritische Gedankengänge kann man sich oder die AVEN-heit mal fragen, ob man tatsächlich etwas verpasst, wenn man blind gegenüber Liebe und Solchem ist.
Entgeht einem da wirklich so bedeutendes, Profundes, dass es schlimmer wäre, als wäre man nie in Trient gewesen, oder hätte nie den Mount Everest bestiegen, nie serbische Volkstänze erlebt, nie Bungee-Jumping ausprobiert, nie an einer Duftrose gerochen?

Was soll dieses beinahe Magische sein, von dem die reden? Ist es nicht so ähnlich, wie wenn man an Magie nicht glaubt, aber die Geheimnisse hinter den Zaubertricks sich logisch erklären kann, sodass etwas Besonderes dabei nicht notwendig ist?
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Wer später stirbt, erlebt den Tod derer, die früher sterben, und hat deshalb länger was zu lachen.
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luna & titus
abgemeldet




Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 04.02.2014
Beiträge: 886
BeitragVerfasst am: Mo Feb 29, 2016 19:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Windsurfhippie,

lustig, du scheinst oft die gleichen Gedankengänge wie ich zu haben. Laughing
Mittlerweile glaube ich nicht mehr, etwas zu verpassen. Man kann sich ja nicht zwingen etwas zu mögen.
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Individualismus anerkennen und respektieren !
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Lady Parrot
ADMod Team



Alter: 25
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 12.09.2013
Beiträge: 1262
BeitragVerfasst am: Mo Feb 29, 2016 21:23    Titel: Antworten mit Zitat

Um etwas im negativen Sinne zu verpassen, muss man es doch bis zu einem gewissen Grad erleben wollen, oder etwa nicht?
Ich denke mir, wenn mir Freunde von einem tollen Wochenende auf der Berghütte oder von ganz frischem Schnee auf der Skipiste erzählen, dann habe ich das Gefühl, etwas verpasst zu haben.
Ein sehr weitgereister Freund von mir erzählt mir manchmal von Orten die er gesehen hat, und bei einigen Geschichten wäre ich sehr gerne dabei gewesen. Da werde ich fast ein wenig neidisch, vielleicht könnte man sagen, dass ich das Gefühl bekomme, ich würde etwas verpassen, weil ich hier in Österreich sitze und studiere. (Allerdings passieren dann hier auch so viele tolle Dinge, die ich nicht erleben würde, wenn ich ständig unterwegs wäre...)
Wenn mir jemand noch so euphorisch davon erzählt, wie toll Bungee-Jumping nicht ist, dann habe ich nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. Es kann sein, dass ich es interessant finde, was diesen Adrenalinjunkie so begeistert, aber verpasse ich wirklich etwas?

Bei mir wird im Sommer vielleicht wieder ein Hund einziehen. Das wird mein Leben natürlich in gewisser Weise einschränken. Viele Leute meinen, dass man ja so viel verpassen würde, wenn man Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen muss. Aber verpassen die nicht die wunderbaren Momente, die man mit so einem Tier erlebt?

Verpasse ich etwas, wenn ich Samstag Abend nicht mit meinen Freunden ausgehe, sondern mich schlafen lege, um am Sonntag in der Früh so richtig fit zu sein? Oder verpassen meine Freunde etwas, weil sie nicht mit der ersten Gondel auf den Berg fahren und in die frisch präparierte Skipiste ihre Spuren ziehen können?

Und an alle hier im Forum, die noch nie in den Genuss von gebratenen Heuschrecken gekommen sind: Ihr habt wirklich was verpasst. Wink
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Chi ha paura muore ogni giorno, chi non ha paura muore una volta sola. (Paolo Borsellino)
Wer Angst hat stirbt jeden Tag, wer keine Angst hat stirbt nur einmal.
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Alice93




Alter: 28
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 25.08.2015
Beiträge: 331
Wohnort: NRW
BeitragVerfasst am: Mo Feb 29, 2016 21:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hatte zu diesem Thema immer eine intuitiv klare Haltung.

Jeder Mensch empfindet anders. Das Bedeutet ein und das selbe Erlebniss wird von zwei Menschen unterschiedlich wahrgenommen. Dem einen macht Bungee-Jumping spaß, den anderen ängstigt die Vorstellung. Solche Unterschiede sind zun Teil Veranlagung und zum Teil erworben. Genauso ist es eben in sexuellen Dingen auch. Unter sexuell aktiven Menschen gibt es ja auch eine enorme Spannweite dessen, wie Sexualität sich ausdrückt.

Mich hat dabei früher im stillen immer geärgert das die Gleichung Sex=Gut aufgestellt wurde. Schließlich kann sexuelles auch extrem grausam, schmerzhaft oder sonstwie unangenehm sein. Unter Sexuellen wird das gerne bei Seite gewischt oder umetikettiert. Zum Beispiel gesagt erzwungener Sex sei gar kein Sex. Das macht natürlich Sinn wenn die Logik Sex=Gut unbedingt aufrecht erhalten werden muss. Das macht es uns Asexuellen doch auch so schwer. Wir machen die Erfahrung, dass das was allg. als ultimatives Glück definiert wird uns einfach nichts gibt. Da Sex=Gut aber weiter unbedingt stimmen muss, wird unsere Perspektive einfach überblendet. Wir haben dann halt nicht "richtig" Sex oder müssen alle probarten Mittel der Welt nutzen bis auch wir in die Sex=Gut Dogmatik passen. Mit Romantik sehe ich es ähnlich. Der Gedanke total verkitschter Liebesbeziehungen ist ja auch kulturell initiiert. Die Idee von Liebesbeziehung gilt als zentrales Fundament für Glück und ein gesundes Leben. Wir brechen mit dieser Logik, wenn wir ohne Leben und trotzdem glücklich und gesund sind. Würde es allen so gehen hätte die Marketing Industrie ihre größte Kriese.

Heute auf dem Weg zur Uni hab ich mal auf die Werbung geachtet. Da ist nicht nur über einem Kaufhaus eine gigantische Frau in Dessous, der Lieferwagen der an mir vorbei fährt wirbt für seine Autoreifen mit einer vollbusigen Blondine, dann komme ich an Beate Uhse vorbei, daneben ist ein Kiosk der mit der Bild wirbt auf deren Frontseite das 1# Seite "Girl" um Aufmerksamkeit buhlt. Jedes Frauenmagazin dreht sich um Beziehungen, Klotten&Make-Up (um Beziehungschancen zu erhöhen) und Sex.

Wenn wir auf all das Pfeifen, da fragen (erschreckenderweise) manche ja sogar was wir den ganzen Tag tun würden. Also ich denke wer meint etwas zu verpassen, der kann ja soviel in diesem Bereich austesten wie es einem eben als notwendig erscheint. An der Erwartung, dass das dann der absolute Burner wird (oder halt unbedingt werden muss irgendwann, irgendwie mit irgendwem), daran verzweifeln aber dann ja auch die "ganz normal" Sexuellen.

Also zusammengefasst: Mir erscheint der ganze Hype um Liebe+Beziehung+Sex generell als medial komplett übersteigertes und intiiertes Theater. Das Brot und Spiele von Heute halt.
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Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3234
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Di März 01, 2016 10:32    Titel: Antworten mit Zitat

luna & titus hat folgendes geschrieben:
Hallo Windsurfhippie,

lustig, du scheinst oft die gleichen Gedankengänge wie ich zu haben. Laughing


Das ist mir auch schon aufgefallen, vor allem in Beschreibungen Deiner Lebensproblematik denke ich oft, das ist eine, die teils ähnliche Pfade geht, die ich vor 20 oder so Jahren ging … vielleicht hätte ich Hinweis-schilder da aufstellen sollen, wo die rutschigen Schlammstellen, schlaglöcher und angesägten Brücken stehen. Solche Ähnlichkeiten erstaunen.

luna & titus hat folgendes geschrieben:
Mittlerweile glaube ich nicht mehr, etwas zu verpassen. Man kann sich ja nicht zwingen etwas zu mögen.


Ich denke auch, wie auch Lady Parrot schreibt, man kann nur das verpassen, was man wirklich sucht oder möchte. Das andere kommt ja noch nicht mal in den Fokus, weil man nie dran denkt. Ich bin ja in ganz jungen Jahren wohl ziemlich dieser Normativen-Propaganda davon aufgesessen, die vermittelt, es sei normal und das gehöre zum Leben dazu, Beziehungen anzustreben. Nur deswegen hatte ich in meiner naturgegebenen Vertrottelung auch eine Weile versucht, diesem Diktat nachzukommen. Natürlich erfolglos, oder typisch aspergerisch ahnungsfrei eben. Der ganze Unfug war dann vorbei, nachdem ich – auch angestoßen durch Gedankenansätze aus dem Forum – heraus bekam, dass mich das Ganze gar nicht tangiert, und ich wie so ein Konsumsklave der Werbung hinterher läuft, diesem Gesellschaftsdiktat hinterher gelatscht war.

Und was man nun verpassen soll, wenn man weder je geliebt wurde, noch je selbst geliebt hat, können einem dann noch nicht mal die erklären, die meinen, man verpasse so was gaaaanz Tolles!

Ähnlich wie Lady Parrot habe ich in Gedanken auch oft die Seiten getauscht bei solchen Fragen – verpasse ich was, wenn ich nach Canada auswandere, was in Neuseeland stattfindet? Oder irgend einen erlebenswerten Hype in Deutschland, der mir dann abgeht. ( kann ja sein, Snowboardklamotten werden total der Modehit und ich krieg's nicht mit.) Man verpasst immer irgendwas, weil man etwas anderes macht, aber richtig : Wie mit dem Hund, man hat einen Zugewinn, den die anderen nicht sehen, die denken, man würde deswegen eingeschränkt leben müssen.

Heuschrecken schmecken ölig bis nussig, aber ich habe bislang immer noch nie Weihnachtsgans gegessen. Habe ich da was verpasst?

Beim Sex kommt bei mir zum Desinteresse noch die Ebene dazu, die jenseits vom asexuellen Aspekt eben zusätzlich mit Grausen verbunden ist. Da kann ich die Frage des Verpassthabens gut ausklammern. Wenn man das Gruselige kennt, möchte man das von den Sexuellen als „gut“ verkaufte gar nicht erst kennenlernen.
Auch die Vermarktung davon ist unangenehm bis nervend, wie Alice93 anmerkt, wo sie über die oppulente Werbung damit schreibt. Jeder kennt ja diese „Durchsexung“ in Werbung und Medien, dieses Drängen draufhin, der Mensch solle sich möglichst sexappeal-gerecht benehmen. Vielleicht ist das ja die menschliche Interpretation des Slogans „ Gib deine Gene weiter!“, und alle sollen eine Art Jeder gegen Jeden spielen, und ihre Gen-Ballung schon in den Raum schmeißen, bevor überhaupt einer danach fragt.

Bei der Liebe und der Romantik kenne ich nur die Vermarktungsbotschaft, die Werbung dafür, und davon klingt mancheszumindest nicht ganz so nervig oder grauenvoll. Aber ist da ein Interesse da? Ich überlege noch manches Mal – zu verstehen, was die damit meinen, zu analysieren, wie das funktioniert, zu lernen, wie es nur sein kann, dass diese Erfahrung Menschen mit vorher klaren Köpfen zu total albernen oder geistig dysfunktionalen Trotteln werden lassen kann. Die dann alle einen an der Marmel haben, nicht mehr richtig ticken und Zeugs veranstalten, wovor dem Teufel graust. Das ja, aber wie es sein soll, das zu empfinden? So wenig, wie ich einen Vollrausch zwischen Captain Morgan, Dirty Harry und Jack Daniels je erleben möchte. Und die Mädels und Jungs von der Techno-Bruderschaft meinen ja auch ständig, da hätte ich was verpasst. Ich will aber nicht wissen, wie es ist, sich den Magen danach zur Hölle zu ko... zu regurgigieren!

Das mit der Skipiste kann man als Gelegenheits-Snowboardernatürlich nachvollziehen. Wenn im Winter noch mal die Ostsee zugefroren ist, muss man ja wo anders surfen gehen. Ohne … das ist inakzeptabel! Selbst ein Skateboard wird da zum allerbesten Kumpelchen! Die Sache mit den OP's und dem Pflegeheim ist schon hart genug, sodass man genau mitbekommt, was man verpasst.

Was man nun verpasst, weil man dies macht, aber auf jenes verzichten kann, sei dahingestellt. So, wie ich auch nicht etwas ausprobieren muss, um zu wissen, dass ich es nicht mag. Noch so ein vermeintliches Catch-Argument, das viele einbringen, wenn man dann sagt, bisher hätte einem nichts gefehlt.
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luna & titus
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Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 04.02.2014
Beiträge: 886
BeitragVerfasst am: Di März 01, 2016 13:21    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kannte mal jemanden, der mir einreden wollte, dass schön Sex das Schönste auf der Welt sei.
Daraufhin habe ich gesagt, dass für mich das Schönste ist, auf einem Pferd im schnellen Galopp über eine Wiese zu fetzen.
Daraufhin meinte er, dass man es nicht vergleichen könne und dass ich unbedingt mal Sex ausprobieren müsse.

Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass man anderen nicht vorschreiben kann, was sie für schön empfinden sollen.
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Waquey




Alter: 27
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 23.09.2011
Beiträge: 143
BeitragVerfasst am: Di März 01, 2016 14:01    Titel: Antworten mit Zitat

Meiner Meinung nach, verpasst man wirklich nichts.
Man kann in der Zeit wo andere nur an eine Person denken schön mit Freunden verbringen oder seinen Hobbys nachgehen und hatte eine sinnvolle und schöne Zeit ohne Liebeskummer, irgendwelche anderen Leiden und ständiges Denken an einer Person, die dann doch meist eh einen scheiße behandelt.
Klar gibts auch Freunde die das tun, aber nicht so extrem wie jemand der eine Beziehung mit dir eingeht.
Nach dem Beziehungsanfang fangen die meistens damit an, dir Regeln zu verpassen usw..
Etwas damit verpasst? Ne gar nicht, eigentlich ist man eher froh die Zeit anders genutzt zu haben und wenn man es nicht getan hätte büßt man es.
Am Ende haben die ständig neue Beziehungen, springen von Liebe A nach Liebe B und wechseln die Partner wie die Unterwäsche... Muss das sein?
Da hab ich lieber Leute an der Seite von denen ich weiß, dass sie an meiner Seite bleiben ohne dass ich sie dazu binden oder zwingen muss.
Neue Wohnung, zusammen ziehen, eine neue Arbeitsstelle finden für diejenigen die Fernbeziehungen machen ist das noch unangenehmer.
Für diejenigen die eher privat sich kennen ist es schon schwieriger, wenn es zum Beispiel eine neue Person ist und sie dir verbietet mit deinen Freunden was zu machen und mehr Zeit mit ihr zu verbringen.
Und wenns mal der alte beste Freund oder eine der guten Freunde war, ist die Freundschaft nach der Beziehung auch meist in die Katz.
Und wenn man jemandem der dich liebt sagt, dass kein Interesse besteht, trennen sie meistens gleich die Freundschaft und den Kontakt, weil sie nicht ohne den Gedanken zu lieben oder eine Beziehung zu haben klar kommen.

Eher ist das, finde ich... traurig und enttäuschend.
Denn die meisten Beziehungen und Freunde die einem etwas einreden wollen, sind auch ziemlich manipulativ und möchten dich am liebsten ändern.
Da ist, wie ich gestern einer Person schon sagte, es lieber keine Freunde zu haben, wenn die Freunde die falschen sind, als falsche Freunde und dafür irgendwann die richtigen Freunde, aber diejenigen die dann auch bleiben und dich nehmen wie du bist.
Das gleiche halt auch für Beziehungen, nur dass, wie ich bemerkte, sogar diejenigen die davon sprechen dass die einen nehmen wie man ist, einen auch ändern wollen.
Da durfte ich mir schon einiges vor allem von Freunden anhören, die genau das erlebt haben und die dann nach der Beziehung wieder dazu zu bringen zu sich Selbst zu finden ist dann auch noch mal etwas schwierig, aber dafür sind sie dir umso dankbarer.
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Hummelchen




Alter: 23
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 30.07.2015
Beiträge: 321
Wohnort: nahe Berlin
BeitragVerfasst am: Di März 01, 2016 17:46    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe keine Angst etwas zu verpassen.
Wie auch, wenn ich gar keinen Antrieb zu Sex habe? Menschen, die Sex haben, tun dies doch üblicherweise, weil sie ein Bedürfnis, ein Drängen danach haben. Folglich ist Sex für sie eine Befriedigung. Für mich ist es das nicht, weil ich dieses Drängen nicht spüre.

Bisher konnte mir auch kein sexueller Mensch (der schon mal Sex hatte) beschreiben, was genau daran so besonders ist. Jedenfalls nicht so, dass ich hinterher dachte, ich könnte mit einer anderen Tätigkeit (z.B. kuscheln) kein ebensolches Gefühl bekommen. Aber wahrscheinlich kann man Sex auch gar nicht beschreiben. Man muss es wirklich erlebt haben, um zu wissen wie es ist. Aber bei mir wird sich ein solch "unbeschreibliches, schönes Gefühl" (Zitat von einem Freund von mir) nicht einstellen, weil ich einfach kein Lustgefühl danach verspüre.

Ich vermisse also nichts und habe auch keinerlei Angst, etwas zu verpassen.
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miezi2410




Alter: 58
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 07.02.2009
Beiträge: 674
BeitragVerfasst am: Di März 01, 2016 18:04    Titel: Antworten mit Zitat

@Waquey

dein fazit hört sich aber schon recht negativ gegenüber anderen menschen an.

-binden
-zwingen
-manipulativ
-büßen
-leiden
-ändern
-falsche freunde

sind für mich alles worte, die im zusammenhang mit negativen erleben stehen.

hast du zuviel schlimmes erlebt, dass du menschen derart erlebst?

mein mann und ich sind auch asexuelle, autistische, leicht misanthropische, introvertierte eigenbrötler. aber ich würde mir nie trauen da alle menschen über einen kamm zu scheren.

manchmal hat es auch mit dem "suchen-und-finden" zu tun, dass man merkt dass nicht alle menschen so negativ sind.

wir 2 zum beispiel, ergänzen uns derart, dass selbst 20 jahre unterschied und ein fremdgang, nicht wirklich ins gewicht fallen.

aber zum thema, selbst als mutter 3er söhne,
die ich nicht missen möchte, sage ich,
dass man ohne sex nicht wirklich was verpasst hat.
ich sehe das wie meine vorschreiber, was ich nicht vermisse, brauche ich nicht wirklich.
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Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3234
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Di März 01, 2016 19:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hätte den blöden Sex wirklich nicht erwähnen sollen, jetzt hängen sich wieder alle da ran. Laughing

Eigentlich ging es darum, ob man ohne Liebe, ohne geliebt worden zu sein, ohne dieses Interesse oder ohne Verlangen danach was verpasst, deshalb ja in A-Romantik, und nicht außerhalb.

Waguey kann ich besonders in dem Punkt gut nachvollziehen, wo sie über die Änderungsansprüche durch Menschen erzählt. Diese Art Umgang lasse ich heute nicht mehr zu. Entweder man akzeptiert, wie ich vereigenschaftet bin, oder die fliegen aus dem unmittelbaren Umfeld, Punkt. Sowas verpasse ich allzu gerne. Wenn das in Liebe oder Freundschaft eine tragende Rolle einnimmt, dass man andere erst umändern muss, meine ich, ist es besser, 'nur' Bekannte zu kennen. Man lebt schließlich nicht in einer Änderungsschneiderei.

Das besonders Heilige am Sex können die getrost behalten oder mit sonstwem feiern.

Das besonders Heilige, Mystifizierte an Liebe oder Romantik müsste erst einmal bekannt sein. Wenn das alles mit Dingen wie Reiten, Surfen,Snowboarden oder was die und der Jeweilige mag, nicht vergleichbar sein soll,muss es ja doch was ganz Außerordentliches sein.
Angst, was zu verpassen,habe ich auch nicht. Nur das Interesse daran, was die damit bloß meinen.
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Zuletzt bearbeitet von Windsurfhippie am Di März 01, 2016 20:02, insgesamt 2-mal bearbeitet
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miezi2410




Alter: 58
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 07.02.2009
Beiträge: 674
BeitragVerfasst am: Di März 01, 2016 20:00    Titel: Antworten mit Zitat

@WSH mach dir da mal keine gedanken ;-)

es ist nur so, wenn ich als älteres mädl und mutti, sowas lese, dann schrillen irgendwo alle alarmglocken.

wenn man derart über andere menschen denkt und fühlt, weiss ich ehrlich gesagt nicht, ob das aromantisch ist, sondern wegen schlechter erfahrungen vllt. sogar antiromantisch.

derjenige, der das schreibt, empfindet das ja auch so.
es sind die gefühle und gedanken des jeweiligen schreibers.

wenn ich a-romantisch bin, ist mir das schlichtweg egal. ich möchte das nicht.
wenn ich aber in wenigen absätzen derartig viele negativworte gebrauche, ist auch der bezug dazu sehr negativ besetzt.

schwer zu erklären, was ich sagen möchte.
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Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3234
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Di März 01, 2016 20:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hm ja, keine Ahnung ... anti-romantisch wäre es, wenn man anderen das Besondere daran nicht gönnen kann, oder sogar bekämpft,dass andere was davon haben. Habe ich nicht vor. Ich möchte nur gern wissen, was es sein soll, das man da angeblich so Tolles verpasst.

Nur zu denken, dass es das vielleicht nicht gibt, weil keiner den Unterschied zu zum Beispiel Gallopp mit dem Pferd über Wiesen und das Euphorie-Erleben dabei beschreiben kann, das ist ja kein aktives Gegnertum. Oder meintest Du nun speziell Waguey's Erfahrungen? Wenn sie hauptsächlich 'negative' gesammelt hat,n warum soll sie nicht dementsprechend empfinden dürfen?
Meine Erfahrungen mit Menschen müssten mich zum absoluten, serienkiller-affinen, amoklauf-begeisterten Misanthropen werden lassen haben, aber sie haben es nicht. Der beobachtungsrahmen hat mir klar werden lassen, dass auch die meisten der eklatant analgelöcherten Leute nicht zu viel für ihre A-Lochheit können.

Ich sehe aber auch nicht, dass Waguey alle Romantiker gleichweg verdammt oder ihnen die Liebesfähigkeit per sé abspricht. Oder bin ich da sozial zu unempfindsam dafür, das zu sehen? Ich habe ja keinen Mutter-Instinkt, geschlechtsbedingt. Rolling Eyes
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miezi2410




Alter: 58
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 07.02.2009
Beiträge: 674
BeitragVerfasst am: Di März 01, 2016 20:48    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Der beobachtungsrahmen hat mir klar werden lassen, dass auch die meisten der eklatant analgelöcherten Leute nicht zu viel für ihre A-Lochheit können.


ein wirklich schöner satz;-)

ich kann es auch nicht genau sagen, was die alarmglocken in mir sind.
aber mein autistisches mutterherz und gehirn sagen mir, wenn eines meiner kinder so reden würde, würde ich mir fragen stellen, woher so gedankengänge kommen.
ich sehe in solchen worten und negieren anderer menschen projektionen des eigenen denkens und empfindens auf andere menschen.

aber ist ja eh wurscht, jeder hat sein denken und fühlen,
es waren nur meine gedanken und gefühle dazu.

nix für ungut............wir sind hier ja bei gedanken Wink
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asba




Alter: 30
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 15.08.2014
Beiträge: 762
Wohnort: Österreich
BeitragVerfasst am: Di März 01, 2016 23:33    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Freundin hat mir mal erklären versucht, was das Besondere an einer Beziehung ist. Da kam sie mit Argumenten wie "Insider-Gags". Ähm ... ja ... das funkt aber mit Freunden genauso.
Oder "ist immer für dich da, wenn du jemanden brauchst". - Zeichnet das eine gute Freundschaft nicht aus, dass man um 3 Uhr Früh mit einer Leiche und einer Schaufel vor der Haustür stehen kann? Um nicht so sehr zu dramatisieren: Ich habe letztens mitten in der Nacht über eine Stunde mit meiner besten Freundin telefoniert, weil sie sich Sorgen um ihren Bruder machte, der in nicht allzu guter Gesellschaft um die Häuser zog. Ich war also für sie da, als sie mich brauchte. Ich habe sogar mein Handy (das ich des Nächtens normalerweise aus dem Zimmer verbanne) am Nachtkästchen behalten, falls sie nochmal anruft.
Die restlichen Punkte habe ich großteils verdrängt/vergessen, weil irrelevant. Das einzige Argument, das ich leider nicht entkräften konnte war, als sie meinte "Er muss mein Manuskript lesen. So etwas kann man in einer Beziehung verlangen." Es stimmt, ich kann niemanden "zwingen", mir bei meinem Buch zu helfen. Nachdem auf meine anderen Testleser in der Regel Verlass ist, hat sie selbst den Beweis geliefert, indem ich seit Juni auf ihre Korrekturen zu meinem Text warte, obwohl ich ihren Text innerhalb eines Monats durchgearbeitet habe.

Auch meine Mama meinte früher oft wahlweise "Dir muss doch etwas abgehen" oder "Du musst doch etwas vermissen". Sie hat argumentiert in Form von Aktionen, die mich damals wirklich getroffen haben: Indem sie oft zum Essen ausgegangen sind (wo sie mich früher immer gern mitgenommen haben) und sie es mir noch extra auf die Nase gebunden hat. "Wir gehen essen. Ohne dich." Und beim Heimkommen: "Hättest du eine Beziehung, hättest du auch ausgehen können. Dazu braucht es halt zwei."
Ich war ohnehin schon immer ein Stubenhocker, aber manchmal will man doch raus. Und dass sie es mir so reingerieben hat, hat schon weh getan. Sie wollte mich damals mit allen Mitteln dazu treiben, mir endlich einen Freund zu suchen.
Inzwischen hat sich das zum Glück massiv verändert. Das liegt an mehreren Faktoren, unter Anderem an meinem Outing und dem neuen Freundeskreis. Und daran, dass sie nicht mehr "eifersüchtig" auf mich sein braucht, weil ich kaum noch mit Papa im Zug fahre. Damals hat er nämlich auf der Heimfahrt mir alles erzählt, mental abgehakt und dann teilweise vergessen, es ihr auch zu erzählen ...
Jetzt nehmen sie mich wieder gerne mit, wenn sie etwas unternehmen. Sofern ich nicht mit meinen Freunden in der Weltgeschichte herumfliege XD

Windsurfhippie hat folgendes geschrieben:
Heuschrecken schmecken ölig bis nussig, aber ich habe bislang immer noch nie Weihnachtsgans gegessen. Habe ich da was verpasst?
Sehr interessant, jetzt würden mich die Heuschrecken doch glatt reizen Wink Zur Weihnachtsgans kann ich nichts sagen, nur zur Martinigans: Ob du da etwas verpasst, hängt davon ab, wer das Vieh kocht und woher der Vogel stammt! Dann ist er wahlweise mit knuspriger Haut und zartem Fleisch oder so fetttriefend, dass du spätestens nach der Hälfte aufgeben musst, wenn du deinen Mageninhalt behalten willst *gg*
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Mann ohne Hut




Alter: 38
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 18.01.2016
Beiträge: 41
BeitragVerfasst am: Mi März 02, 2016 0:58    Titel: Antworten mit Zitat

Ich betrachte diese Frage gern von der anderen Seite. Nicht "Was verpasse ich?" sondern "Was bleibt mir erspart?" Das ist eine recht spannende Herangehensweise, vor Allem, wenn man von Freunden den neuesten Beziehungsärger erzählt bekommt...

Ansonsten schließe ich mich asba an. Es hängt natürlich immer davon ab, wie weit man bereit ist, sich in einer Freundschaft auf den Anderen einzulassen... aber wenn man sowas möchte, gibt es nicht zwingend einen Unterschied zu einer partnerschaftlichen Beziehung.
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