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Durch NS-Vergangenheit beeinflusst?
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Yousei




Alter: 26
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 16.02.2015
Beiträge: 43
Wohnort: NRW
BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 15:42    Titel: Durch NS-Vergangenheit beeinflusst? Antworten mit Zitat

Nach längerer Zeit im Ausland ist mir aufgefallen, wie wenig Deutsche eigentlich stolz auf ihr Land und ihre Kultur sind. Woher kommt das? NS-Vergangenheit?

Am schlimmsten finde ich, dass keiner als "typische(r) Deutsche(r)" gelten will, viele wenig von ihren eigenen Landsleuten halten und wenn nur Negatives zur Sprache bringen und dass es für einige das größte Kompliment ist, wenn ihnen im Urlaub ein Ausländer bescheinigt, dass sie "kein typischer Deutscher" sind Rolling Eyes Was soll denn dann ein typischer Deutscher sein? Ein überpünktlicher, nörgelnder Tourist in Bermuda-shorts und Sandalen mit weißen Socken, der gegen jeden Ausländer hetzt, der ihm über den Weg kommt, und im Restaurant lautstark nach Schnitzel mit Pommes verlangt?

Auch wenn jeder immer Globalisierung schreit, scheint es mir so, dass die Klischees in vielen Köpfen noch verankert sind und dass das sich auch nicht so schnell ändern wird.

Ich muss da an eine Situation im Supermarkt denken, wo ein Ausländer sich in der Schlange an einer Oma vordrängeln wollte. Es kam zu einer Diskussion, in der der Ausländer der Oma vorwarf, sie wolle ihn nur nicht vorbei lassen, weil er Ausländer sei und alle Deutschen wären ja so fremdenfeindlich. Der hat sich dann so aufgeregt, dass jeder Anwesende Deutsche stillschweigend und peinlich berührt zu Boden blickte und die Oma sich dann anschließend entschuldigte, dass sie ihn nicht vorgelassen hatte.Shocked
So eine Situation wäre ohne NS-Vergangenheit wohl kaum möglich, oder?

Ein anderes Beispiel: Ein Klassenkamerad kannte mal jemanden, der sich "stolzer Deutscher" auf den Arm hat tatöwieren lassen (ohne jetzt ein Nazi zu sein oder so). Das fand dann natürlich jede(r) andere Deutsche total unmöglich und hat sich unheimlich echauffiert darüber, wie man nur sowas machen könne...

Wie ist das bei euch? Fühlt ihr euch durch die NS-Vergangenheit negativ belastet/beeinflusst in eurem Denken/Handeln und begegnen euch deswegen manchmal Vorurteile? Und seid ihr stolz auf euer Land und eure Kultur oder wärt ihr lieber kein(e) Deutsche(r)?
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han123




Alter: 44
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 02.03.2009
Beiträge: 200
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BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 16:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hmm, Ich fand es immer befremdlich, stolz auf etwas sein zu können, wofür ich gar nichts kann. Also warum stolz darauf sein, dass ich Deutscher bin? Ich bin ja auch nicht stolz darauf, dass ich ein Mann bin oder mittlerweile 37 Jahre alt bin.
Ich glaube auch nicht, dass das was mit den Nazis zu tun hat. Zumindest bei mir nicht, sondern einfach nur Nachdenken und darauf kommen, dass ich ich halt in Deutschland geboren wurde. Genauso gut hätte ich aber auch in Dänemark oder Paraguay auf die Welt kommen können. Warum sollte ich dann darauf stolz sein?
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Weg...
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Yousei




Alter: 26
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 16.02.2015
Beiträge: 43
Wohnort: NRW
BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 17:03    Titel: Antworten mit Zitat

han123 hat folgendes geschrieben:
Hmm, Ich fand es immer befremdlich, stolz auf etwas sein zu können, wofür ich gar nichts kann.


Ich bin jetzt auch nicht total stolz, hier aus Deutschland zu kommen, aber es ist mir eben auch nicht peinlich oder unangenehm, sodass ich mich dann freue, wenn von einem Ausländer (als Kompliment gemeint) kommt, ich seie ja "keine typische Deutsche." Und letzteres Verhalten erlebe ich hier in Deutschland leider ziemlich oft und frage mich wirklich, woher das kommt?!
Denn ein positives Nationalgefühl/Nationalstolz haben doch relativ viele Länder (z. B Frankreich, um nur ein Beispiel zu nennen). Deutschland hat aber als (fast) einziges Land eine Art negatives oder überhaupt nicht vorhandenes Nationalgefühl. Ich kann es mir daher nicht anders erklären, als dass da die NS-Vergangenheit noch irgendwo mit reinspielt.
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Sandkastenzorro
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Alter: 40
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
Beiträge: 3641
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BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 17:04    Titel: Antworten mit Zitat

Also, ich schreib das jetzt mal als jemand, dessen Vater ein radikaler Nazi war und in dessen Familie ganz genau dieses Naziideal herrschte, propagiert wurde und die Kinder nach diesem Ideal erzogen und auch großgezogen wurden - und ebenfalls als jemand, der sich aufgrund seiner Vergangenheit sehr intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt hat:

Patriotismus ist im Grunde ein Gefühl, das sich mit ausreichendem Bewusstsein über die Welt und deren Beschaffenheit von selbst auseinanderdividiert. Patriotismus ist eigentlich der selbe Kleister, der Gruppendynamik erzeugen soll, wie jede andere Gruppe auch. "Vaterlandsstolz" ist im Grunde eigentlich eine Sache, die sich bei sachlicher Betrachtung selbst aufhängt - denn wer kann bei dieser näheren Betrachtung denn sagen, dass er stolz darauf ist, dass irgendwer, den er nichtmal kennt, irgendwann eine Grenze um ein Stückchen Erde gezogen hat und gesagt hat "So, das ist jetzt Deutschland". Niemand von uns hat je dieses Land miterschaffen, geschweige denn die Kultur, die hier herrscht, noch sonst irgendwas. Wir sind da reingeboren worden und halten das System eigentlich nur am Laufen, wie es Zahnräder eben so tun. Genauso gut könnte man sagen, man sei stolz darauf, braune Augen zu haben, oder vom Sternzeichen her Zwilling zu sein.

Man kann nicht stolz auf etwas sein, was man nicht geleistet hat. Und in ein bestimmtes Land geboren zu werden, ist nunmal keine Leistung. Das zum einen.

Kommen wir also zum anderen:

Die Nazikeule funktioniert seit eh und je. Es ist ne Art Erbschuld. Die Deutschen werden seit Kindheitsbeinen dazu gedrillt, sich für diesen Geschichtsfauxpas zu schämen und zu beweisen, dass sie das NS-Erbe nicht weitertragen. Damit wird genau das Gegenteil von dem erzeugt, was die Nazis gemacht haben. Wenn das ganze Ding ein Pendel ist, so ist es mit dem NS-Regime in eine Richtung extrem ausgeschlagen - und durch diese Wucht schlägt es jetzt genau extrem in die andere Richtung. Eine Mitte wird dabei nicht getroffen.

Alle Länder der Welt wissen das. Und die Nazikeule ist ein sehr gutes Erpressungsmittel. Während sich jedes andere Land herausnehmen kann, "gesunde Cuts" zu machen ohne, dass diese Länder je als fremdenfeindlich gelten, darf Deutschland das nicht, sondern es wird von uns wie selbstverständlich erwartet, dass wir in die Ecke kuschen und Dinge mit uns machen lassen (wie zb die Oma an der Kasse). Tun wir das nicht, sind wir automatisch Nazis. Und "Nazi" ist dabei der verbale Totschlag für jeden, der diese Erbschuld eingeprägt bekommen hat. Entweder, du lässt alles zu, oder du bist ein Nazi.

Das Schlimme daran ist, dass die Leute das selber merken, aber nicht imstande sind, etwas dagegen zu unternehmen oder sich zu äussern - denn tust du das, stehst du völlig allein gegen eine ganze Masse von Erbschuldträgern, die nur diese beiden Extreme kennen. Es ist ein eingeprägter Mantel des Schweigens. Jeder verlangt dieses Schweigen von dir. Ein Bruch dieser goldenen Regel käme einem Outing als Kinderschänder gleich. (genau wie dieser Text jetzt hier Wink - denn keiner kann mir erzählen, dass er sich dabei wohlfühlt, das hier zu lesen. Da ist schon von vornherein eine "das ist böse und schlimm" Barrikade)

Und somit kommen wir zu Punkt 3:
Wir sind aber natürlich hier in Deutschland aufgewachsen. In diese Kultur reingeboren. In die hiesigen Gepflogenheiten. Man fühlt sich hier "zuhause" (und das meine ich nicht patriotisch oder so) - man weiss, wie man sich ausdrücken muss, kennt die Gepflogenheiten untereinander und kann eigentlich absehen, wie was auf andere wirkt. Das ist n hoher Sicherheitsfaktor für die Menschen. Und dann kommt die Regierung, die wegen der Erbschuld nix sagen darf, mit einem völlig dysfunktionalen "Integrationsplan" für Ausländer daher und traut sich nicht die Bohne, etwas daran zu ändern. Würde das jemand anders machen, wären wir ja wieder Nazis. Und dann kriegt diese Stadt hier noch drei Flüchtlingsheime, die Stadt dort wird durch fehlintegrierte Ghettos zum Kriminalitätsherd, die Stadt woanders ist bereits eine "Auswanderungsstadt", - und schon fühlen sich die Deutschen "fremd im eigenen Land" und es entstehen lustige Sachen wie die Pegida oder die AfD.

Diese Leute sind keine Nazis, die das wählen (bis auf die paar, die da trotzdem mitgehen). Nur ist alles, was nicht eindeutig links ist, in den Köpfen als Nazi deklariert. Die haben einfach nur die Schnauze voll von dieser "Kommt alle her in mein Wohnzimmer, esst meinen Kühlschrank leer, beschimpft mich noch als Nazi, weil ihr nicht das zu essen gekriegt habt, was ihr wolltet, während ich euch noch ein Fresspaketchen schnüre" Mentalität. (Wir wissen, dass diese Mentalität nicht auf jeden zutrifft, versteht sich von selbst - aber von denen, auf die es nicht zutrifft, hört man eben nix Wink)

Ich geb die Prognose ab, dass bei der nächsten Bundestagswahl die AfD einen riesigen Boost kriegt. Die Leute werden eben immer unzufriedener. Und weil sie öffentlich nicht reden dürfen, machen sie klammheimlich ein Kreuzchen oder gehen mit gesenkten Köpfen bei der Pegida mit.

Fazit:

Wenn man sich wirklich mit den Dingen auseinandersetzen will und etwas gegen diese genauso radikale Erbschuld, dann hilft es, sich tatsächlich mal mit dem NS-Regime auseinanderzusetzen. Und zwar objektiv und nicht durch die von vornherein eingefärbte Brille der Medien. Zb indem man sich generell Literatur zum Leben in der Zeit damals raussucht (Alltag und dergleichen) und sich irgendeinen Nazihansel rauspickt und seine Biographie liest. Denn dann bekommt man das vorgehalten, was man im Grunde nichtmal wahrhaben will: Die Tatsache, dass auch Nazis Menschen waren. (Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass sich jetzt jedem allein bei dem Gedanken die Nackenhaare sträuben und sich extremer Widerwillen breitmacht - weil ich glaube, dass jeder im Endeffekt glaubt, wenn er es zulässt, die Dinge aus der anderen Perspektive zu sehen, das an sich heranzulassen, fitscht er automatisch nach rechts aussen und tut was ganz ungeheuerlich böses - was übrigens Bullshit ist).

Wenn man das tut, die damalige Mentalität verstehen lernt (was nicht heissen muss, dass man sie gutheisst!), rückt man nicht automatisch nach rechts aussen, sondern ein Stückchen mehr in die Mitte.

...und damit man weiss, wer das hier schreibt: Ich, die beide Extreme kennt und gelebt hat und heute der Meinung ist, dass nicht Ausländer oder Nazis scheisse sind, sondern die Menschheit als solche Wink
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Yousei




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BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 18:07    Titel: Antworten mit Zitat

Wow, erstmal danke für diesen Text, man merkt, dass du dir nicht erst seit heute Gedanken über das Thema machst.

Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:

Es ist ein eingeprägter Mantel des Schweigens. [...] Da ist schon von vornherein eine "das ist böse und schlimm" Barrikade)


Ich glaube, die Barrikade hat fast jeder, der es immer vermieden hat, über das Thema zu sprechen oder schon zu sehr der medialen "Erbschuld-Gehirnwäsche" erlegen ist. Ich fand das immer total schwachsinnig. Ich weiß noch wie damals unser Politiklehrer in der 6. Klasse die NS-Zeit total übersprungen hat, weil unsere jungen Seelen damit nicht belastet werden durften. Tatsächlich wurde das dann erst viel später thematisiert. Es gab dann trotzdem Schüler, die -nachdem wir einen Film über Auschwitz gesehen hatten - den Lehrer dann anklagten, dass der uns sowas überhaupt gezeigt hatte, die Bilder wären ja viel zu schlimm gewesen. Als ob es nicht passiert wäre, nur wenn man davon nichts weiß und nicht darüber redet. Shocked

Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:

[...] dass nicht Ausländer oder Nazis scheisse sind, sondern die Menschheit als solche Wink


Das stimmt leider wirklich.
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Margarita_02




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BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 18:47    Titel: Antworten mit Zitat

Yousei, Du hattest doch irgendwo geschrieben, dass Du studienbedingt in Japan warst. Würde mich mal interessieren, wie Du speziell dort die Reaktionen darauf, dass Du Deutsche bist, erlebt hast.
(Nur am Rande - Zitat von einer Chinareise (ein Typ in der Jugendherberge, der mich offenbar angraben wollte): "You have very beautiful eyes. Like Hitler's girl friend." Wenn ich eine Rangliste der ankwardness von Komplimenten, die ich je bekommen habe, aufstellen sollte, wäre das wohl Nummer 1.)

... Und sorry, grade keine Zeit, Fundiertes zu schreiben, aber Sandkastenzorro hat ja schon sehr vieles analysiert.

Zu diesem "kein typischer Deutscher sein wollen" kommt aber zB auch noch hinzu, dass das Bild dicker Bayer in Lederhosen = typischer Deutscher weltweit doch sehr verbreitet ist ...
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Sandkastenzorro
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BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 19:23    Titel: Antworten mit Zitat

Die Japaner mögen Deutsche, sofern man sich n Pauschalurteil erlauben darf. Und Japaner haben ihr eigenes Höflichkeitssystem, das ihnen schon von Haus aus verbietet, ehrlich zu sein, sollte es anders sein.
Japaner sind da auch ganz anders als unsere nächsten Nachbarn oder Amerika.

Aber die Vorurteile gegen die Deutschen trifft man dort nicht so häufig an, wie woanders auf der Welt.
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BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 19:27    Titel: Antworten mit Zitat

@ Sandkastenzorro: Korrekt, aber unter Umständen triffst Du dort halt Positiv-Vorurteile an, die Dir auch nicht unbedingt geheuer sind.
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Sandkastenzorro
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BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 19:32    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, kenn ich auch. Die haben dann auch noch ihren ganz eigenen Blick auf die Dinge, die ein Ottonormaldeutscher nicht verstehen würde. Nicht umsonst stellen die Japaner lustige Nazi-Püppchen her, die man dann wie kleine Sammlerstücke in die Vitrinen stellen kann und ihnen auch noch das dazugehörige Zubehör kaufen kann. Das hat bei denen nix mit Idealisierung des NS-Konzepts zu tun, sondern mit was ganz anderem ^^
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Yousei




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BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 19:50    Titel: Antworten mit Zitat

Margarita_02 hat folgendes geschrieben:
Yousei, Du hattest doch irgendwo geschrieben, dass Du studienbedingt in Japan warst. Würde mich mal interessieren, wie Du speziell dort die Reaktionen darauf, dass Du Deutsche bist, erlebt hast.


Die Reaktionen waren sehr positiv. Deutschland wurde mit sehr vielen tollen Eigenschaften verbunden und war allgemein ziemlich beliebt. Es gab tatsächlich auch mehrere Beziehungen zwischen Auslandsstudentinnen speziell aus Deutschland und Japanern, kann aber auch Zufall gewesen sein.

Deutsch war auch eine der relativ wenigen Fremdsprachen (gab noch Französisch, Spanisch, Italienisch) die man an der Uni studieren konnte, und einige JapanerInnen, die ich kannte, haben Deutsch gelernt.
Einer unter ihnen war tatsächlich geradezu "Deutschlandbesessen". Er trug immer einen Parka mit Deutschlandflagge und hat als sein Lieblingslied die deutsche Nationalhymne angegeben, die er bei jeder Gelegenheit zum besten gegeben hat Wink Er hat sich wirklich stärker mit Deutschland identifiziert als vermutlich so mancher Deutscher:D

Mir wurde aber auch oft bescheinigt, dass ich ja kein typischer gaijin (Ausländer) wäre, sondern mich so verhalten und ausdrücken würde wie eine Japanerin (Das war dann als Kompliment gemeint).

Man muss allerdings bedenken, dass dieser ganze Hype teils weniger mit der Herkunft speziell aus Deutschland zu tun hatte als mit persönlichem Auftreten und generell westlichem Aussehen. Als Europäer mit großen Augen und hellen Haaren bist du dort schon mal per se cool und hübsch und erzielst recht große Resonanz. Wie oft ich angestarrt, fotografiert und von völlig fremden Jungen schüchtern mit "Hi/How are you/You´re beautiful" angesprochen wurde, konnte ich am Ende nicht mehr zählen Rolling Eyes

Deine China-Erfahrung klingt tatsächlich etwas seltsam, aber in Asien haben einige Leute tatsächlich eine andere Einstellung Hitler gegenüber und meinen diese Aussagen dann als Kompliment. In Indien z.B wächst nicht jeder automatisch mit einer Aversion gegen das NS-Regime auf, sondern Hitler wird auch als Kämpfer gegen die engl. Kolonialmacht (=Freund) betrachtet. Offiziel distanziert sich Japan aber stärker von Hitler als z.B China.
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Margarita_02




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BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 20:18    Titel: Antworten mit Zitat

@ Yousei - ja, das, was Du beschreibst, kenn ich aus China so ähnlich. Geknipstwerden ist vor allem dort sehr ausgeprägt, wo die Chinesen selber Urlaub machen, da gehören Europäer zur Kulisse. Und sobald man einen halbwegs korrekten Satz formuliert, flippen manche Leute komplett aus und machen einem das Kompliment, man würde sprechen wie eine Einheimische (völlig dreist, ich höre ja selber, was für einen grausligen Akzent ich habe ^^). Das aber mehr in den Städten, auf dem Land halten die Leute es dann eher wieder für selbstverständlich, dass man ihre Sprache spricht. Insgesamt wird man mit vielen seltsamen Komplimenten überhäuft, die sich teils darauf beziehen, dass man weiße Europäerin ist, teils auch auf die Nationalität. Ich habe aber gemerkt, dass mir beides sehr unangenehm ist, und ja, schon (Edit: unter anderem) aufgrund der Geschichte. Also nicht nur NS-Zeit, sondern auch Kolonialismus - Letzteres spielt in Asien oder Afrika (also in Afrika war ich noch nie, aber wenn ich hinführe, wäre das so) eine größere Rolle für mich als die NS-Zeit.

Zuletzt bearbeitet von Margarita_02 am Mo März 09, 2015 20:43, insgesamt einmal bearbeitet
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Yousei




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BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 20:33    Titel: Antworten mit Zitat

Margarita_02 hat folgendes geschrieben:
Und sobald man einen halbwegs korrekten Satz formuliert, flippen manche Leute komplett aus und machen einem das Kompliment, man würde sprechen wie eine Einheimische (völlig dreist, ich höre ja selber, was für einen grausligen Akzent ich habe ^^).


Naja, bei mir war das wohl mehr oder weniger gerechtfertigt, denn das hat eine japanische Uni-Professorin zu mir gesagt, nachdem ich meine Forschungsergebnisse zu japanischen Dialekten vorgestellt habe, und mir danach noch empfohlen, ich solle unbedingt Japanischlehrerin werden Embarassed

Margarita_02 hat folgendes geschrieben:
Insgesamt wird man mit vielen seltsamen Komplimenten überhäuft, die sich teils darauf beziehen, dass man weiße Europäerin ist, teils auch auf die Nationalität.

Wie gut, dass noch andere Leute das merken! Wink Einige Europäer haben sich dann nämlich tatsächlich superbegehrt gefühlt und sind da herumstolziert wie die Stars. Was peinlicheres habe ich selten erlebt Laughing
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Margarita_02




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Beiträge: 633
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BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 21:10    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Einige Europäer haben sich dann nämlich tatsächlich superbegehrt gefühlt und sind da herumstolziert wie die Stars.

Ich hab mich in manchen Situationen eher wie ein Zootier geführt als wie ein Star ... Dieses Honig-ums-Maul-Schmieren ist sicher nur zu einem kleinen Teil wirklich ernst zu nehmen. Laughing Klar, es gibt so eine Bewunderung für alles "Westliche" bei manchen (die ich aber auch nicht schmeichelhaft finde), aber der Rest ist dann nur noch Höflichkeit & wenn man wirklich ernst genommen werden will, muss man da doch ganz schön drum kämpfen.
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Yousei




Alter: 26
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Anmeldungsdatum: 16.02.2015
Beiträge: 43
Wohnort: NRW
BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 21:36    Titel: Antworten mit Zitat

Margarita_02 hat folgendes geschrieben:
aber der Rest ist dann nur noch Höflichkeit & wenn man wirklich ernst genommen werden will, muss man da doch ganz schön drum kämpfen.


Wie lange warst du denn in China? Nur als Touristin für ein paar Wochen? Wenn man in einem Land etwas länger lebt und die Leute wirklich kennen lernt anstatt nur mehr oder weniger oberflächliche Gespräche zu führen, ist das mit dem Ernst genommen werden gar nicht so schwer Wink
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Maxi




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Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 18.07.2005
Beiträge: 3129
BeitragVerfasst am: Mo März 09, 2015 22:08    Titel: Antworten mit Zitat

Naja, das "deutsche" Verständnis von Stolz ist ist sicherlich auch durch die NS-Zeit geprägt, aber grundsätzlich verbindet man Stolz hauptsächlich mit einer Leistung, die man vollbracht hat.
Das funktioniert beim Nationalstolz nicht ... da hat man ja überhaupt nichts für getan. Es ist wohl auch kaum jemand darauf Stolz, eine Nase im Gesicht zu haben.
Was (blinder) Patriotismus bedeutet, kann man ja an einigen Ländern gut beobachten ... da hat man manchmal wirklich das Bedürfnis, den Kopf gegen die Wand zu schlagen.

Dann gibt es natürlich noch die christliche Prägung, da die römisch-katholische Kirche die Todsünde "superbia", neben Hochmut, auch als Stolz übersetzt.
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sex doof
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