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Aromantische Asexualität und Verpartnerung
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Siku
abgemeldet



Alter: 25
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.07.2014
Beiträge: 360
BeitragVerfasst am: Di Feb 03, 2015 15:30    Titel: Antworten mit Zitat

Zuerst einmal: Ich habe überhaupt keine Erfahrung mit Psychotherapien, weder bei mir selbst noch habe ich bei anderen etwas mitbekommen. Ich glaube aber, dass Sandkastenzorro hier viel Wahres anspricht. Meistens verbirgt sich hinter den vollmundigen Heilungsversprechen der Therapeuten wohl nicht so viel Substanz. Sollte eine Therapie nicht anschlagen, wird die Verantwortung dafür fast immer dem Patienten gegeben, der im schlimmsten Fall als 'therapieresistent' abgestempelt wird. Bei sich selbst suchen Therapeuten kaum nach Gründen für das Versagen einer Therapie. Das Problem daran ist: Wie weist man einem Psychotherapeuten einen Behandlungsfehler nach? Das dürfte schwierig bis unmöglich werden, dabei können Behandlungsfehler die Situation der Patienten signifikant verschlechtern. Und wer sich in einer schwierigen psychischen Lage befindet, wird wohl kaum die Kraft haben, sich gegen einen dilettantischen Therapeuten zur Wehr zu setzen.
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Margarita_02




Alter: 35
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 14.07.2014
Beiträge: 633
Wohnort: Berlin & Ruhrpott
BeitragVerfasst am: Di Feb 03, 2015 15:34    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe auch schon mal erlebt, dass eine Freundin mit Depression in die Psychiatrie kam - als sie rauskam, hatte sie eine Borderline-Diagnose und war von fünf verschiedenen Medikamenten abhängig!! Das hat sich glücklicherweise mittlerweile wieder zurechtgerüttelt, aber ...

Klar, bei einigen Sachen braucht man Medikation, ich glaube Psychosen gehören dazu. Bei einfachen Depressionen würde ich aber zB niemals raten, Medikamente zu schlucken, diese Präparate sind nie unproblematisch. Lithium ist sonst in Batterien enthalten ... Shocked

Ansonsten glaube ich, es ist einfach sehr schwer, eine Therapieform zu finden, die anschlägt, und einen Psychiater, mit dem man arbeiten kann. Dass es zu Abhängigkeiten in dem Bereich kommt, ist leider auch nicht selten. Psychologische Psychotherapeuten halte ich für vergleichsweise harmlos, aber Wunder wirken sie eben auch nicht. Deswegen ist es meist nicht damit getan, sich professionelle Hilfe zu suchen, bzw. es ist ein großer Glücksfall, wenn man tatsächlich kompetente Hilfe findet ...


Zuletzt bearbeitet von Margarita_02 am Di Feb 03, 2015 15:39, insgesamt einmal bearbeitet
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Maz
ADMod Team



Alter: 42
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 13708
BeitragVerfasst am: Di Feb 03, 2015 15:39    Titel: Antworten mit Zitat

Wie man Depression für Borderline halten kann ist mir allerdings ein Rätsel, Borderliner sind wirklich extrem anders und ziemlich auffällig.
Und Lithium...naja in der elementaren Form wie es in Batterien vorliegt dürfte es recht schwierig sein das zu schlucken ohne sich dabei den Hals wegzubraten Wink

https://www.youtube.com/watch?v=7_S2KA6Rs3k
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Asterius





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 15.10.2010
Beiträge: 261
Wohnort: Deutschland Alter: 43
BeitragVerfasst am: Di Feb 03, 2015 15:42    Titel: Aromantische Asexualität und Verpartnerung (12) Antworten mit Zitat

@Sandkastenzorro:

Man muss da vielleicht noch unterscheiden zwischen dem Medikamentösen und einer Psychotherapie. Ob jahrelange Psychotherapie das Gelbe vom Ei ist, will ich jetzt auch mal dahingestellt lassen (weil das ist eben immer wieder das rückwärtsgewandte, und ich finde es einfach besser wenn man vorwärtsgewandt lebt). Aber in der ganz akuten Phase, wo jemand kurz vor einem Suizidversuch steht, halte ich es schon für wichtig, einen Psychiater aufzusuchen.

Mir kommt es da aber mehr auf das Medikamentöse an. Es geht in erster Linie darum, dass mit einem Medikament in der Regel die Suizidgefahr einer Person vermieden werden kann (wenn jemand eine schwere Depression oder Psychose hat). Und das ist auf jeden Fall mal der wichtige Schritt, der unternommen werden muss.

Aber ich weiß, dass manche das Problem haben, dass sie jahrelang nicht das/die richtige/n Medikament/e finden und daher nicht richtig von ihrer Niedergeschlagenheit wegkommen. In dem Fall ist es wirklich schwierig, und da verstehe ich dann schon, dass sich die Probleme nicht so einfach auflösen.

Man muss letztlich auch unterscheiden zwischen den Problemen, die der Alltag so mit sich bringt und der psychischen Krankheit an sich. Das was ich mit "professioneller Hilfe" betitelt habe, kann sich letztlich nur um die psychische Krankheit kümmern. Die Probleme des Alltags lösen sich dadurch leider nicht, aber das verzwickte im Leben ist natürlich, dass einen gerade die Lebensumstände eben wieder psychisch krank machen können. Letztlich hängt es dann doch irgendwo zusammen. Ich geb Dir aber schon Recht, dass Psychiater auf die wirklichen tatsächlichen Probleme, die man hat, letztlich nicht eingehen, und vielleicht siehst Du deshalb solche psychologische Hilfe als unnütz an.
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Denken ist die Zauberei des Geistes. (Lord Byron)


Zuletzt bearbeitet von Asterius am Di Feb 03, 2015 15:43, insgesamt einmal bearbeitet
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Margarita_02




Alter: 35
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 14.07.2014
Beiträge: 633
Wohnort: Berlin & Ruhrpott
BeitragVerfasst am: Di Feb 03, 2015 15:42    Titel: Antworten mit Zitat

@ Maz: Ihr Verhalten hat sich in der Zeit ja wohl auch massiv geändert, das war aber mE vor allem auf den Medikamentencocktail zurückzuführen. Ich kannte sie vorher, und ich erlebe sie jetzt, und obwohl ich Laie bin, glaube ich schon, dass ich eine Borderline-Störung erkennen würde, wenn da eine wäre ...
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Sandkastenzorro
zweitgrößter Spammer des Forums



Alter: 38
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
Beiträge: 3483
Wohnort: Fairvale
BeitragVerfasst am: Di Feb 03, 2015 15:55    Titel: Antworten mit Zitat

Auch das mit den Medikamenten schätzt du völlig falsch ein. Sämtliche Antidepressiva, die es aufm Markt gibt, haben als Nebenwirkung unter anderem "Verschlechterung der Symptome und Suizidgedanken". Ich denke, ich hab schon alles an Psychomedis durch, was es gibt und das Zeug mag vielleicht wirksam sein, wenn man nicht einpennen kann (Neuroleptika, SNRI, NASSA), weil vieles sediert oder eben um Panikattacken einzudämmen (SSRI). Wenn man Depressionen und Suizidgedanken hat, weil die äusseren Faktoren scheisse sind, dann kann man Pillen schlucken bis man grün wird, es ändert sich rein gar nichts. Dazu muss man die äusseren Umstände ändern - aber das ist in vielen Fällen unmöglich, also wird da lebenslang Medikation gegeben. Und meistens geht es den Leuten damit dann noch mieser als ohne (Nebenwirkungen).

Von daher... nä.
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Didn't your mother never teach you no manners?
-I ain't never had no mother - we was too poor!
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Asterius





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 15.10.2010
Beiträge: 261
Wohnort: Deutschland Alter: 43
BeitragVerfasst am: Di Feb 03, 2015 16:12    Titel: Aromantische Asexualität und Verpartnerung (13) Antworten mit Zitat

@Sandkastenzorro:

Hmm - also Medikamente, die ihrerseits wiederum Suizidgedanken als Nebenwirkungen haben, das ist natürlich wirklich kontraproduktiv.

Und es ist natürlich richtig, dass man an den Lebensumständen nicht immer was ändern kann. Alles in allem kann es dann schon ein Teufelskreis sein. Alles nicht so ganz einfach.
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Denken ist die Zauberei des Geistes. (Lord Byron)
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asba




Alter: 29
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 15.08.2014
Beiträge: 762
Wohnort: Österreich
BeitragVerfasst am: Di Feb 03, 2015 21:10    Titel: Antworten mit Zitat

Margarita_02 hat folgendes geschrieben:
Auf einem anderen Blatt stehen dann, finde ich, Leute mit weitaus alltäglicheren Problemen, die es aber über weite Strecken nicht mehr schaffen, ihre Aufmerksamkeit im Gespräch auch mal auf den anderen zu richten, weil sie so sehr um sich selbst kreisen.
Mit solchen Menschen komme ich absolut nicht zurecht. Wenn einfach ALLES ein Problem ist. Ständig hat die Person nur Probleme – und natürlich trifft alles Unglück der Welt nur auf diese eine Person zu, alle anderen haben es ja viel besser. *kotz*
Ich selbst bin ein hoffnungsloser Optimist, deswegen kann ich mit Leuten nix anfangen, die überall nur das Schlechte sehen und die Probleme förmlich suchen.

@ dunkler_regenbogen: Stimmt, solche Menschen können auch irrational an Freundschaften festhalten. Das ändert nix daran, dass sie labil sind.
Du schreibst, es waren bei deinen Einsamkeits-Erlebnissen Menschen um dich herum. Menschen, die dir nahe standen? Man kann auch in einem vollen Fußballstadium einsam sein, die abertausenden Fremden ändern nix daran.
Ich war bei meinen kurzen Einsamkeitsphasen immer allein.

Schon bei deinen bisherigen Postings habe ich festgestellt, dass du kein typischer Beziehungs-Mensch bist, deshalb überrascht es mich auch nicht, dass du dir von deiner Freundin die rosarote Brille runterreißen lassen würdest. Leider ist das bei den meisten Menschen anders, da spielt neben der Verliebtheit auch noch der Sex eine große Rolle … Sad
Soweit ich dich bisher kennen lernen durfte, passt der Begriff demi-romantisch oder demi-emotional-intensiv ganz gut zu dir Smile

@ Maz: Gut, dass du das in den Raum wirfst – bisher haben wir uns eher darauf konzentriert, dass Paare auch getrennt leben können, dass WGs gar nicht aufkamen Wink
Leider stellen die meisten die Beziehung auf ein Stockerl, unabhängig von der Wohnsituation. Offensichtlich macht die Bettengymnastik da sehr viel aus (o.O)
(mangels Asexueller Bekannter kann ich mich hier nur auf die Sexuellen beziehen)

Asterius hat folgendes geschrieben:
Gerade wenn sich jemand dann nicht mal von professioneller Seite helfen lassen will, habe ich dafür nur wenig Verständnis.
Da geht’s oft nicht um den Willen. Die eine Kollegin ist der Meinung, dass es ihr gut geht. Bzw. wenn es ihr wirklich gut geht, setzt sie eigenmächtig die Medis ab. Sobald sie das tut, schlägt wieder ihr Verfolgungswahn zu: Jemand ist in ihre Wohnung eingebrochen, wir wollen ihr die Tochter wegnehmen etc.
Jeder Handgriff, jedes Wort von unserer Seite kann zu den schwersten Vorwürfen führen.

Ich bin mit meiner Meinung eigentlich ziemlich in der Mitte von Asterius und Sandkastenzorro. Einerseits haben Therapeuten ihre Berechtigung und einen Sinn muss das Studium auch haben. Und Medis sind auch wichtig, wie ich gerade an der einen Kollegin live beobachten kann.
Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, wie ein vollkommen Fremder mein Innenleben verstehen will, wenn ich doch nur einer von vielen Terminen an diesem Tag bin. Da ist man bestimmt mit einem Freund besser beraten, der die komplette Hintergrundgeschichte vl ohnehin kennt und der sich alle Zeit der Welt nimmt und sich notfalls auch um 3 Uhr Früh für zwei Stunden hinters Steuer klemmt, um einem persönlich beizustehen.
Wsl muss man nicht nach Schwere sondern nach Art der psychischen Probleme unterscheiden …

@ Margaritha: Das ist echt heavy, wie sie zu dieser Diagnose kamen!

Asterius hat folgendes geschrieben:
Es geht in erster Linie darum, dass mit einem Medikament in der Regel die Suizidgefahr einer Person vermieden werden kann (wenn jemand eine schwere Depression oder Psychose hat).
Hier muss ich leider ein trauriges Gegenbeispiel anführen: Ein Mann in unserem Ort war in stationärer psychatrischer Behandlung. Die Ärzte sahen ihn als stabil an, deswegen wurde er auf „Heimaturlaub“ geschickt. Während die Familie in der Kirche war, hat er sich zu Hause erhängt.
Die Tochter frisch verheiratet und hochschwanger (o.O)
Wenn sich jemand wirklich umbringen will, dann tut er es. Medikamente hin oder her.

@ Sandkastenzorro: Wundert mich nicht, dass die Medis als Nebenwirkung die Verschlechterung der Symptome haben …
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Asterius





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 15.10.2010
Beiträge: 261
Wohnort: Deutschland Alter: 43
BeitragVerfasst am: Di Feb 03, 2015 22:58    Titel: Aromantische Asexualität und Verpartnerung (14) Antworten mit Zitat

asba hat folgendes geschrieben:
Die eine Kollegin ist der Meinung, dass es ihr gut geht. Bzw. wenn es ihr wirklich gut geht, setzt sie eigenmächtig die Medis ab. Sobald sie das tut, schlägt wieder ihr Verfolgungswahn zu

Das ist so eine typische Situation, wo ich halt ganz klar sagen würde, es ist besser ein Medikament zu nehmen als keines zu nehmen. Natürlich muss es ein passendes sein. Aber wenn es ihr mit dem Medikament gut ging, dann war das sicher nicht, weil sie plötzlich wieder gesund war (so einfach geht das ja bei psychischen Dingen nicht), sondern weil das Medikament angeschlagen hat. Und dann darf man wirklich nicht den Fehler machen, es abzusetzen. Außerdem muss man es vorsichtig in Stufen und unter ärztlicher Begleitung absetzen und kann es nicht einfach eigenmächtig weglassen von heute auf morgen. Aber ich verstehe durchaus die "Logik", wenn jemand sagt "ach mir geht's doch gut, ich brauch den Quatsch doch gar nicht mehr" - nur das ist meistens ein Trugschluss. Ich kenne auch eine Aussage von einem Arzt, der sagte, dass 80 % der Patienten rückfällig werden, wenn sie ein Psychopharmaka absetzen, nachdem es wegen einer schweren Depression oder Psychose verschrieben wurde. Das heißt, in den meisten Fällen wird das tatsächlich eine lebenslange Geschichte mit solchen Medikamenten, sobald man einmal eine Psychose oder Depression oder ähnliches hatte.

asba hat folgendes geschrieben:
Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, wie ein vollkommen Fremder mein Innenleben verstehen will, wenn ich doch nur einer von vielen Terminen an diesem Tag bin. Da ist man bestimmt mit einem Freund besser beraten, der die komplette Hintergrundgeschichte vl ohnehin kennt und der sich alle Zeit der Welt nimmt und sich notfalls auch um 3 Uhr Früh für zwei Stunden hinters Steuer klemmt, um einem persönlich beizustehen.

Ja, das ist genau der Punkt - die psychiatrische Unterstützung hat tatsächlich den Makel, dass da nicht die vollumfängliche Lebenssituation einer Person berücksichtigt wird, sondern es quasi nur um das Bekämpfen der psychotischen Symptome geht, aber eben nicht um die Ursachen. Und die Ursachen sind aber meist in den Lebensumständen zu suchen, z. B. Schicksalsschläge, die einen hart getroffen haben, Beziehungsprobleme, Verlust von Angehörigen oder Freunden, Jobverlust, Mobbing usw. - einfach wenn einem das Leben übel mitgespielt hat. Jeder hat da so ne Art "Sättigungsgrenze", bis zu der er/sie das alles verkraftet, aber wenn es dann drüber geht, dann können körperliche oder psychische Symptome auftreten. Das heißt, ein stabiles privates Umfeld wäre in so einer Situation eigentlich besonders wichtig, aber das tückische ist, dass das in solchen Fällen dann oft schon gar nicht mehr vorhanden ist.

asba hat folgendes geschrieben:
Ein Mann in unserem Ort war in stationärer psychatrischer Behandlung. Die Ärzte sahen ihn als stabil an, deswegen wurde er auf „Heimaturlaub“ geschickt. Während die Familie in der Kirche war, hat er sich zu Hause erhängt.

Ok, das ist eine schreckliche Geschichte.
Mancheiner kommt vielleicht auch nicht mit der Diagnose klar, dass er eine psychische Krankheit hat und macht sich dann Sorgen, wie das künftige Leben verlaufen soll. Zum Beispiel kann man vielleicht nicht mehr arbeiten dadurch, wodurch dann weitere Sorgen entstehen, die einem dann irgendwann über den Kopf wachsen. Und Männer neigen ja öfter mal dazu, über ihre Probleme nicht so zu reden und versuchen es dann irgendwie mit sich selbst auszumachen. Ist auch so ein Fehler, wenn man alles in sich hineinfrisst und sich nicht öffnet. Vielleicht war das ja bei demjenigen der Fall. Oder er hat vielleicht geahnt, dass ihn diese psychische Geschichte für den Rest seines Lebens verfolgen würde und damit ist er nicht klar gekommen. Naja, aber wen wundert's letztlich - solche psychischen Geschichten sind schon irgendwie eine ziemlich heimtückische Sache.
Gut - eine absolute Garantie gibt es wohl auch trotz Medikamente nicht, aber die gibt es letztlich für gar nichts im Leben (was zweifelsohne schade ist).
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Siku
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Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.07.2014
Beiträge: 360
BeitragVerfasst am: Di Feb 03, 2015 23:12    Titel: Antworten mit Zitat

Auch bei scheinbar alltäglichen Problemen wäre ich etwas vorsichtiger. Erstens ist es kennzeichnend für schwere Depressionen, dass selbst die kleinen Dinge des Alltags ungeheuer schwerfallen und zweitens benutzen einige Menschen kleinere Probleme auch als Ventil. Sie reden lieber über ein kleineres Problem als über das, was sie wirklich belastet -- entweder, weil sie es sich selbst nicht eingestehen wollen oder, weil sie sich nicht trauen, darüber zu sprechen. Bevor man jemanden also als 'Problemseher' verurteilt, müsste man diese Person und ihre Lebensumstände schon wirklich gut kennen und selbst dann könnte man sich noch täuschen.
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asba




Alter: 29
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 15.08.2014
Beiträge: 762
Wohnort: Österreich
BeitragVerfasst am: Di Feb 03, 2015 23:39    Titel: Antworten mit Zitat

Mag heute net mehr herumzitieren, darum so:

@ Astarius, bezüglich der Kollegin: Natürlich ist es in dem Fall besser, die Medis zu nehmen. Doch selbst wenn sie brav ihre Pillen schluckt, ist sie immer noch der Meinung, dass ihr Umfeld ihr Böses will und dass die Tabletten Schikane sind. Nachdem es ihr gut geht, hört sie einfach auf, sie zu nehmen.

Bezüglich psychatrische Unterstützung: Im Grunde ist es sinnlos, den Tropfen zu behandeln, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Klar kann man Happy-Pillen schlucken und alles scheint gut. Ein Freund kennt auch die vielen anderen Tropfen, die bereits in dem Fass drin sind.
Dass jeder eine Sättigungsgrenze hat, musste ich selbst im Sommer feststellen. Mir wurde einfach alles zuviel (und da spielten bestimmt auch vergangene Dinge mit, die längst nicht mehr in meinem Leben sind) - aber ich will jetzt nicht näher drauf eingehen. Als Konsequenz habe ich in einem Lebensbereich einen Schlussstrich gezogen, woanders Gespräche geführt, um Dinge klarzustellen und gleichzeitig Prioritäten geändert. Seither fühle ich mich befreit. Im Grunde hat mir der Zusammenbruch insgesamt mehr gebracht als geschadet, auch wenns damals nicht schön war.

Zum dritten Punkt: Sorry, ich kann jetzt nur spekulieren, was in dem Fall tatsächlich zutrifft. So gut kenne ich die Familie nicht.
Aber wenns danach geht, nicht über Probleme zu reden, sondern mit sich selbst auszumachen, muss ich ein Mann sein Wink

@ Siku: Du hast schon recht, dass man das nicht mit Depressionen verwechseln darf. Da wären wir ja wieder bei der ernst zu nehmenden Krankheit.
Aber ich kann z.B. ausschließen, dass meine Schwägerin Depressionen oder Ähnliches hat. Bei uns gibt's das Wort "Problemhase" und genau das ist sie. Ich würde ihr eher schweren Pessimismus diagnostizieren, als sonst was. Sie findet in jeder Suppe nicht nur ein Haar sondern ein ganzes Toupet, an dem sie herumnörgeln kann. Und mit solchen Menschen komme ich einfach nicht zurecht ...
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Siku
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Alter: 25
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.07.2014
Beiträge: 360
BeitragVerfasst am: Di Feb 03, 2015 23:57    Titel: Antworten mit Zitat

Den Begriff 'Problemhase' kannte ich auch noch nicht. Very Happy

Pessimismus und Optimismus sind für mich keine Willensentscheidungen, sondern eher das Resultat bisheriger Erfahrungen. Optimisten können die negativen Dinge des Lebens entweder besser verarbeiten oder besser verdrängen. Aber wer wirklich Schlimmes in seinem Leben erfahren hat und das immer und immer wieder, aus demjenigen kann kein Optimist mehr werden. Für eine optimistische Haltung braucht es ein gutes Maß an positiven Erfahrungen. Manchen ist das leider nicht vergönnt. Deshalb finde ich es problematisch, dass die optimistische Haltung in unserer modernen Gesellschaft viel höher geschätzt wird als die pessimistische. Beides hat seine Vor- und Nachteile.
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dunkler_regenbogen




Alter: 60
Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 18.12.2012
Beiträge: 443
Wohnort: Dortmund
BeitragVerfasst am: Di Feb 03, 2015 23:59    Titel: Antworten mit Zitat

Es gibt übrigens unterschiedliche Formen / Ursachen / Auslöser der Depression - und nicht alle sprechen gut Medikamente an. ALLE, die ich bis jetzt ausprobieren durfte, führten z.B. bei mir dazu, dass ich mich depressiv fühlte und ernsthafte Suizidgedanken hatte.
Obwohl mehr als zehn verschiedene Ärzte bei mir eine Depression diagnostizierten, geht es mir ohne Medikamente besser - u nd ich habe auch keinen Leidensdruck.

@SKZ
Deine Einstellung zu Therapeuten teile ich zu 99,9%. Ich bin während meiner Odyssee auch nur auf eine Therapeutin getroffen, die wusste, wovon sie redet. Erstaunlicherweise war ihr wichtigstes Anliegen nicht, mich zu heilen, sondern mir Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie ich damit leben kann.

@Asterius
Ich kann gut verstehen, dass du dich gegen negative Einflüsse abgrenzen möchtest - das mache ich auch (vielleicht ist deshalb mein Bekanntenkreis so klein). Ich mag Menschen, die "trotzdem" (was auch immer das ist) eine positive Grundeinstellung haben. Leider sind die sehr selten.

@asba
Beim ersten Mal war es vor allem das Unverständnis mir nahestehender Menschen / Freunde. Das war mit 17 als ich vergewaltigt wurde. Ich denke damals wurde meine heutige Sicht auf den Begriff "Freund" geprägt - und aus der Zeit stammt auch mein Misstrauen auf Menschen, die sich zu schnell als mein Freund bezeichnen (und auch mein Misstrauen gegenüber Menschen allgemein).

Das zweite Mal war als ich zu einer stationären Therapie war. Alle waren so aufgesetzt offen, vertrauensvoll und freundlich zueinander, dass mir fast körperlich übel wurde. Ich bin zwar ein offener und freundlicher Mensch, aber das heißt weder, dass ich jedem gleich alles über mich erzähle, noch dass ich alles über jemanden wissen will. Dazu kam noch das offizielle Rückzugsverbot und meine persönliche Hölle war komplett. Es waren ständig Menschen um mich herum (außer auf dem Klo oder nachts) und trotzdem fühlte ich mich total unverstanden, allein gelassen und einsam.

Der letzte Abschnitt passt auch wunderbar zum Thema wie "hilfreich" professionelle Hilfe sein kann. Seit dieser "Hilfe durch Therapie" hat sich zeitweise sogar bei mir ein Leidensdruck eingestellt, der vorher nie da war. Von den Medikamenten bin ich zum Glück wieder runter, aber die Panikattacken, die damals anfingen, habe ich heute noch (wobei ich darunter nicht wirklcih leide, weil ich (da arbeitslos) allen Stressituationen ja relativ leicht entgehen kann - die perfekte Vermeiderin).
Und darum würde für mich auch nie wieder eine stationäre Therapie in Frage kommen - oder Psycho-Medikamente.
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You'll never find a rainbow if you're looking down.

Ich weiß, dass die Stimmen in meinem Kopf nicht real sind, aber sie haben so wahnsinnig geile Ideen!
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Maxi




Alter: 36
Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 18.07.2005
Beiträge: 3129
BeitragVerfasst am: Mi Feb 04, 2015 13:35    Titel: Antworten mit Zitat

Margarita_02 hat folgendes geschrieben:
Bei einfachen Depressionen würde ich aber zB niemals raten, Medikamente zu schlucken, diese Präparate sind nie unproblematisch.
Kommt drauf an, wie "einfach" die Depression ist und vor allem sollte man wirklich abklären, ob es wirklich eine Depression ist oder nicht etwas anderes. Da aber eine Differentialdiagnosen zu bekommen, ist schwierig ... teilweise muss man ja schon froh sein, überhaupt irgendeine Verdachtsdiagnose zu hören.


Margarita_02 hat folgendes geschrieben:
Lithium ist sonst in Batterien enthalten ... Shocked
Naja, Maz hat ja schon geschrieben, dass es nicht in elementarer verabreicht wird ... pharmazeutisch werden Lithiumsalze verwendet, deren Gabe auch beobachtet werden muss. Der Lithiumspiegel ist nur in einem engen Rahmen ungefährlich.
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sex doof
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NoEvol
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Alter: 29
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 05.01.2015
Beiträge: 392
BeitragVerfasst am: Mi Feb 04, 2015 13:57    Titel: Antworten mit Zitat

Siku hat folgendes geschrieben:
Den Begriff 'Problemhase' kannte ich auch noch nicht. Very Happy

Pessimismus und Optimismus sind für mich keine Willensentscheidungen, sondern eher das Resultat bisheriger Erfahrungen. Optimisten können die negativen Dinge des Lebens entweder besser verarbeiten oder besser verdrängen. Aber wer wirklich Schlimmes in seinem Leben erfahren hat und das immer und immer wieder, aus demjenigen kann kein Optimist mehr werden. Für eine optimistische Haltung braucht es ein gutes Maß an positiven Erfahrungen. Manchen ist das leider nicht vergönnt. Deshalb finde ich es problematisch, dass die optimistische Haltung in unserer modernen Gesellschaft viel höher geschätzt wird als die pessimistische. Beides hat seine Vor- und Nachteile.


Dem kann ich voll und ganz zustimmen!

Und depressive Personen als "Problemhase" zu bezeichnen, ist auch nicht sonderlich förderlich für deren Genesung Wink
Und ich finde, gerade WENN man selber viele Rückschläge und schwere Zeiten erlitten hat, gerade dann sollte man gegenüber solchen Personen verständnis zeigen.

Purer Optimismus ist auch nicht gerade sonderlich toll Wink
Ich gehe lieber Pessimistisch durchs Leben und erwarte negative Dinge, als mit einer rosaroten "alles wird wieder gut und toll"- Ansicht durch die Welt zu laufen, obwohl nichts toll und gut wird Wink

Optimisten haben ja auch sehr oft als Vorteil, dass sie bei schweren Schicksalsschlägen sehr oft Personen hatten, die ihnen geholfen haben.
Bei Pessimisten sieht und sah das im Leben häufig anders aus, von daher verstehe ich das auch voll und ganz wenn eine Person keine Hilfe annehmen möchte.

Es ist schließlich jedem selbst überlassen welche Hilfe er/sie annimmt und welche nicht.
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