Forum für Asexualität Foren-Übersicht

Forenregeln | Hauptseite
 

Aromantische Asexualität und Verpartnerung
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10  Weiter
 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Forum für Asexualität Foren-Übersicht -> Gedanken -> (A)Romantik und Liebe
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  

bitte nur aromantische Asexuelle mitmachen
Ich möchte keinen Partner.
55%
 55%  [ 31 ]
Ich habe einen Partner oder hätte gerne einen.
45%
 45%  [ 25 ]
Stimmen insgesamt : 56

Autor Nachricht
Maz
ADMod Team



Alter: 42
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 13707
BeitragVerfasst am: Sa Mai 12, 2018 8:37    Titel: Antworten mit Zitat

KWD hat folgendes geschrieben:

Das ist das Dilemma: Aus wissenschaftlicher Sicht sind präzise Begriffe notwendig. Ist gebongt. Aber aus humaner Sicht ist die Überwindung des Schubladendenkens notwendig. Da stört jedes Etikett, egal wie weit es definiert worden ist.


Man muß aber schon wissen wie die Schubladen überhaupt aussehen. Sonst glaubt man selbst womöglich außerhalb einer Schublade zu sein obwohl man (in einem statistischen Sinne) mitten drin sitzt, weil man lediglich mit einer unkonventionellen Vorstellung davon herumläuft wer überhaupt in der Schublade verortet werden kann.

Es soll z.B. laut Umfragen wohl sogar Leute geben (irgendwo zwischen 5-15% der Bevölkerung), die Standard-Geschlechtsverkehr nicht als Sex bezeichnen. Würde ich jetzt spontan als völlig abwegig sehen aber das scheint zu existieren Wink.

Für so jemand wäre dann eine Beziehung mit Blümchensex unter Umständen keine sexuelle Beziehung.

Ich denke also schon, dass man (gemittelte) Mehrheitsbetrachtungen als Grundlage und um die eigene Skala zu "eichen" nicht verwerfen sollte, da sie ja letztlich auch die Basis für das liefern womit man sich selbst vergleicht oder von anderen verglichen wird. Wenn "falsche" Vorstellungen darüber herrschen wie die meisten Menschen etwas kategorisierten würden kann es leicht passieren, daß man sich selbst als zu "extrem" abgegrenzt erlebt. Unter anderem denke ich, daß in asexuellen Communities sexuelle Bedürfnisse und darüber dann der Begriff Sexualität wesentlich stärker in Bezug zum Interesse an Geschlechtsverkehr gesetzt werden und z.B. der emotionale Aspekt und der Bindungsaspekt von Sexualität stärker in den Hintergrund rücken als das in der "Mehrheitsmeinung" der Fall ist.

So gesehen kann es auch passieren, daß Menschen die emotional oder sexuell nahezu exakt gleich empfinden und/oder ein nahezu identisches Leben führen (z.B. eine monogame Beziehung mit einer Person mit mehr oder weniger starken sexuellen Aktivitäten) sich an völlig anderen Punkten auf einem vorgestellten "Spektrum" verorten würden.

bzgl. dem Begriff Aromantik gibt es dann analog natürlich auch Leute, die sagen würden "weil ich nicht auf rosaroten Wolken schwebe und auch nicht auf Candle Light Dinner stehe ist meine Beziehung aromantisch obwohl ich mich emotional zu meinem Partner hingezogen fühle und ihn liebe". Jemand anderes wiederum würde sagen "Obwohl ich nicht auf rosaroten Wolken schwebe und auch nicht auf Candle Light Dinner stehe mich aber zum Partner emotional hingezogen fühle und ihn liebe ist das eine romantische Beziehung".
Nach oben
          
Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3235
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Sa Mai 12, 2018 9:43    Titel: Antworten mit Zitat

KWD hat folgendes geschrieben:
Und ich muss zugeben: Eine polyamoröse, asexuelle, aromantische Partnerschaft, die aber mehr als Freundschaft ist, der Gedanke strapaziert sogar meine Phantasie. *ggg* Aber ich käme nicht so schnell auf die Idee, eine solche Selbstzuschreibung in Frage zu stellen, sondern würde das erst einmal als gegeben hinnehmen.


Da steckt der Widerspruch bereits zwischen "amourös" und "aromantisch", das geht in Sachen Paarbildung halt so gut wie gar nicht in Einem, und wäre sowas wie ein schwarzer Schimmel oder Albino-Rappe. Oder meinst Du Jemand, wer sich aus dem Nichtverlieben heraus angeregt verliebt? Smile


KWD hat folgendes geschrieben:
Nachtrag:

Zwei heterosexuelle Cis-Männer, die freundschaftlich miteinander verbunden sind und gemeinsam nach Samoa auswandern, um dort vom Fischfang zu leben, tja, die werden den Begriff Partnerschaft allenfalls im Sinne von Geschäftspartner akzeptieren, um nicht als schwul zu gelten. Und sie sind es ja auch nicht. Dennoch schwöre ich Stein auf Bein: Jede Frau, die mehr ist als eine Bettgeschichte, wird da ein Störfaktor sein. Wie soll man das nennen? "Freundschaft heavy" im Gegensatz zu "Beziehung light"?


Wenn die beide aromantisch und/oder ONS-sexuell sind, kann das ohne Weiteres lange so gehen. Dann sind die Frauen, mit denen sie was haben, nur zur Triebbefriedigung da, und den Rest vom Leben arbeiten die als Team. Wobei es den meisten Samoanern egal wäre, auch wenn sie für schwul gesehen würden, denn das ist da nicht so tragisch, wie hier. Da würde es eher Probleme mit der Nutzung des Fischereirechts geben, weil das den Insulanern selbst vorbehalten ist.
Ähnlich wie Geschäftspartner ist das Gedankenbeispiel schon.

KWD hat folgendes geschrieben:
Es gibt Dinge, die sich der Kategorisierung entziehen. Und interessanter Weise neigen wir Menschen dazu, gerade solchen Dingen mehr Authentizität zuzuschreiben.


Das hängt immer von der Feinheit des Betrachtungsrahmens ab. Ab einer Feinabstimmung, die individuelle Einzigartigkeit berücksichtigt, lösen sich alle Kategorien auf. Deswegen muss man den Betrachtungsrahmen auf die meisten gemeinsamen Nenner reduzieren, um eine Kategorie überhaupt annehmen zu können. Zum Beispiel - Welche haben alle helle Haut = Bleichgesichter und Kalkleisten-Kategorie. Laughing

Ist die Authentizitätsfrage nicht eher etwas, das mit der persönlichen Kenntnis von passenden Beispielen zu tun hat? Oder mit dem "Einzugsgebiet" an Übereinstimmungen der Sichtweise aus dem näher vertrauten Umkreis vielleicht?
Jeder hat seine Mehrheiten gesichtet (?) Zum Beispiel kenne ich mehr der Ehen, in denen die Eheleute schwer verknallt sind, wo das erkennbar ist, und die für einander und für die Kinder, den Hund, die Oma und für ihr Umfeld da. Andere kennen vielleicht mehr Ehen, wo die Partner für den Fußballverein, die Mannschaft, das Squash-Team oder die Reithalle und die Pferde da sind, und nur zwecks Notwendigkeit auch mal gemeinsam einkaufen gehen. Dann verschiebt sich die Idee von der Mehrheit gern mal.
_________________
Wer später stirbt, erlebt den Tod derer, die früher sterben, und hat deshalb länger was zu lachen.


Zuletzt bearbeitet von Windsurfhippie am So Mai 13, 2018 11:01, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
          
KWD





Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 11.05.2018
Beiträge: 11
BeitragVerfasst am: Sa Mai 12, 2018 11:48    Titel: Antworten mit Zitat

@Maz

Ich interpretiere deine Worte in etwa so (korrigier mich, wenn das nicht stimmt):

a) Was andere von mir denken (sprich: in welche Schublade sie mich stecken), hat Auswirkungen auf mein soziales Leben.
b) Wenn Begriffe total beliebig sind, ist verbale Kommunikation schwer bis unmöglich.

Seh ich beides auch so.

Nur: Was heißt das für mich? Doch allenfalls, dass es nützlich ist, die Denk- und Kommunikationsgewohnheiten der Mehrheit zu kennen und zu verstehen. Übernehmen muss ich sie nicht.
_________________
Unterordnung ist die Sehnsucht nach Geborgenheit.
Nach oben
          
KWD





Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 11.05.2018
Beiträge: 11
BeitragVerfasst am: Sa Mai 12, 2018 11:56    Titel: Antworten mit Zitat

@Windsurfhippie

Eigentlich meine ich gar nichts. *lach*

Andere Menschen sagen oft Dinge, die ich nicht so recht verstehe. Da können sie auch so was wie "ich bin asexuell, aromantisch und polyamorös" von sich geben - und ich zucke nur mit den Schultern.

Wenn ich dann aber versuche, den anderen zu verstehen, dann finde ich doch immer eine plausible Möglichkeit, wie er das gemeint haben könnte.

Ich glaube - jetzt wo ich drüber nachdenke - fast, mein erster Post war quasi ein Reflex von mir. Wink
_________________
Unterordnung ist die Sehnsucht nach Geborgenheit.
Nach oben
          
KWD





Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 11.05.2018
Beiträge: 11
BeitragVerfasst am: Sa Mai 12, 2018 12:06    Titel: Antworten mit Zitat

@Windsurfhippie

In Bezug auf Samoa: Jau, da hast du sicherlich recht. Die beiden hätten erst einmal mit anderen Dingen zu tun, als sich über die Art ihrer Beziehung zueinander Gedanken zu machen.

Ein sehr schöner Hinweis!
Womöglich wird (da werden mir asexuelle Menschen vielleicht sogar zustimmen) die Sexualität oft genug überbewertet. Seit Freud? Seid die Kirche Sexualität verteufelt? Oder gar seid wir in patriarchalischen Strukturen leben? *ggg*
_________________
Unterordnung ist die Sehnsucht nach Geborgenheit.
Nach oben
          
KWD





Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 11.05.2018
Beiträge: 11
BeitragVerfasst am: Sa Mai 12, 2018 12:19    Titel: Antworten mit Zitat

@Windsurfhippie

Auch das stimmt:
Ab einem bestimmten Punkt ist nichts mehr vergleichbar. Jedes Ding und jedes Lebewesen ist unverwechselbar. Dann gibt es auch keine Kategorien mehr.

Was die Authentizität angeht, ist die Sache IMHO komplizierter. Wir interpretieren ja schon bei der Wahrnehmung unserer Sinneseindrücke.
Aber ich glaube, jetzt verzettle ich mich und bin zu weit weg vom eigentlichen Thema...
_________________
Unterordnung ist die Sehnsucht nach Geborgenheit.
Nach oben
          
Maz
ADMod Team



Alter: 42
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 13707
BeitragVerfasst am: Sa Mai 12, 2018 12:24    Titel: Antworten mit Zitat

kleiner Hinweis: Es gibt einen edit-button, bitte möglichst keine Mehfachpostings absetzen.

Zitat:

Nur: Was heißt das für mich? Doch allenfalls, dass es nützlich ist, die Denk- und Kommunikationsgewohnheiten der Mehrheit zu kennen und zu verstehen.


Ja genau und zwar unbedingt bevor man sich selbst zu "radikal" von dieser "Mehrheit" abgrenzt. Wobei man die Mehrheit natürlich nicht als homogene Gruppe sehen muß sondern eher als den Standpunkt, der sich ergibt wenn man den (ggf. dann nur in der Theorie existenten) Mittelwert als Grundlage nimmt.

Für das Verständnis von Aromantik ist das denke ich nochmal wichtiger als für Asexualität weil eine zur Asexualität analoge Definition im Sinne von "keine emotionale Anziehung / Verlangen nach emotionaler Interaktion" ja etwas völlig andere ist wie "keine romantische Anziehung / Verlagen nach romantischer Interaktion" zumal dann wenn man Romantik im Sinne von "amourösen Anwandlungen" versteht.

Auf Grundlage der ersten Definition machen intime Paarbeziehungen für einen Aromantiker meiner Meinung nach keinen Sinn.
Auf Grundlage der zweiten Definition sind diese aber natürlich absolut möglich, allerdings ist es dann wiederum eher fraglich ob man bei Aromantik noch von einer eigenständigen "romantischen Orientierung" sprechen kann, denn offensichtlich besteht ja ein Wunsch nach Intimität auf sehr vergleichbare Art wie z.B. bei einem hetero-Asexuellen.
Nach oben
          
KWD





Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 11.05.2018
Beiträge: 11
BeitragVerfasst am: Sa Mai 12, 2018 13:03    Titel: Antworten mit Zitat

Maz hat folgendes geschrieben:
kleiner Hinweis: Es gibt einen edit-button, bitte möglichst keine Mehfachpostings absetzen.


Mach ich, kein Problem, nur: Hat das einen bestimmten Grund? Die 'Teilung' ist m. E. oft übersichtlicher. Bislang bin ich davon ausgegangen, dass das eine reine Geschmackssache ist.

Maz hat folgendes geschrieben:

Zitat:

Nur: Was heißt das für mich? Doch allenfalls, dass es nützlich ist, die Denk- und Kommunikationsgewohnheiten der Mehrheit zu kennen und zu verstehen.


Ja genau und zwar unbedingt bevor man sich selbst zu "radikal" von dieser "Mehrheit" abgrenzt. Wobei man die Mehrheit natürlich nicht als homogene Gruppe sehen muß sondern eher als den Standpunkt, der sich ergibt wenn man den (ggf. dann nur in der Theorie existenten) Mittelwert als Grundlage nimmt.


*lach* Was heißt hier radikal? Ich propagiere keine Parallelgesellschaft, sondern kritisches Denken. Da eine Grenze zu ziehen, ab der es 'zu radikal' wird, heißt nur, eben dieses kritische Denken zu behindern.
Ein alternativer Standpunkt erweitert den Horizont, bereichert demnach immer und ist daher auch immer eine gute Sache, egal wie 'radikal'. Einzige Einschränkung: solange man nicht meint, jetzt den Stein der Weisen gefunden und die Welt verstanden zu haben. Aber das ist ja bei jeder Sichtweise so, egal ob radikal oder konventionell.


Maz hat folgendes geschrieben:

Für das Verständnis von Aromantik ist das denke ich nochmal wichtiger als für Asexualität weil eine zur Asexualität analoge Definition im Sinne von "keine emotionale Anziehung / Verlangen nach emotionaler Interaktion" ja etwas völlig andere ist wie "keine romantische Anziehung / Verlagen nach romantischer Interaktion" zumal dann wenn man Romantik im Sinne von "amourösen Anwandlungen" versteht. Auf Grundlage der ersten Definition machen itimie Paarbeziehungen für einen Aromantiker meiner Meinung nach keinen Sinn. Auf Grundlage der zweiten Definition sind diese aber natürlich absolut möglich, allerdings ist es dann wiederum eher fraglich ob man bei Aromantik noch von einer eigenständigen "romantischen Orientierung" sprechen kann denn offensichtlich besteht ja ein Wunsch nach Intimität auf sehr vergleichbare Art wie z.B. bei einem hetero-Asexuellen.

Das sehe ich auch so. Zumal bei Aromantik (im Gegensatz zur sexuellen Orientierung) in meinen Augen unklar ist, inwiefern die Erziehung, die Gewohnheit, der Erfahrungsschatz eine Rolle spielt.
Es ist schlecht, aus allem ein 'Syndrom' (im Sinne von krankhaft) zu machen. Ist es besser, aus allem eine 'Orientierung' (im Sinne von biologisch begründet) zu machen?

Mich beschleicht der Verdacht, dass persönliche Eigenschaften, die 'erworben' oder 'anerzogen' sind, schnell als minderwertig und/oder korrekturbedürftig gelten. Aber sie sind ja genauso Teil der Persönlichkeit.
_________________
Unterordnung ist die Sehnsucht nach Geborgenheit.
Nach oben
          
Maz
ADMod Team



Alter: 42
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 13707
BeitragVerfasst am: Sa Mai 12, 2018 13:27    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:

Hat das einen bestimmten Grund? Die 'Teilung' ist m. E. oft übersichtlicher. Bislang bin ich davon ausgegangen, dass das eine reine Geschmackssache ist.


Der Hauptgrund ist, daß so jeder Teilnehmer in etwa die gleichen "Redeanteile" bekommen kann und die Übersicht im Thread nicht so leicht von einem einzelnen User dominiert werden kann. Das wird besonders bei vielen kurzen Beiträgen hintereinander deutlich. 4 Smilies in einem Beitrag vs. 4 Beiträge mit einem Smilie sind ein ziemlich großer Unterschied was den Platzverbrauch angeht. Wink

Außerdem erhöhen Mehrfachpostings künstlich den Postcount.

Gelegentliche Zweifachpostings sind aber natürlich ok wenn man sich an verschiedene User richten will (im Normalfall reicht dafür aber die Zitatfunktion) oder einen völlig anderen Aspekt ansprechen möchte (oder sogar deutlich unterschiedliche Themen ansprechen will), aber mehr als 2 sollten es bitte nicht sein (und 2 sollten auch nicht zur Regel werden). Eine Ausnahme sind natürlich Status-Updates in Threads, die nicht (primär) auf Diskussionen hin ausgelegt sind, z.B. in der Kontaktbörse.

Zitat:

Ein alternativer Standpunkt erweitert den Horizont


Sehe ich auch so.

Zitat:

bereichert demnach immer und ist daher auch immer eine gute Sache, egal wie 'radikal'


Seh ich nicht so, da man sich mit Standpunkten ja immer auch bis zu einem gewissen Grad identifiziert und sie ergo das eigene Denken in eine bestimmte Richtung lenken werden. Hier dann eben in Richtung der "Alternative" und die ist nicht unbedingt "besser" gerade wenn sie "radikal" ist. Zusätzlich erzeugen gerade die radikalen Gedanken natürlich auch Reaktionen bei anderen Personen wenn man sie äußert, die dann aber oftmals weniger auf Horizonterweiterung als auf Abgrenzung (oder auf eine unreflektierte Übernahme) von diesen Gedanken hin ausgelegt sind. Gerade davon "lebt" ja z.B. auch die Politik.
Nach oben
          
KWD





Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 11.05.2018
Beiträge: 11
BeitragVerfasst am: Sa Mai 12, 2018 17:53    Titel: Antworten mit Zitat

Maz hat folgendes geschrieben:

Seh ich nicht so, da man sich mit Standpunkten ja immer auch bis zu einem gewissen Grad identifiziert und sie ergo das eigene Denken in eine bestimmte Richtung lenken werden. Hier dann eben in Richtung der "Alternative" und die ist nicht unbedingt "besser" gerade wenn sie "radikal" ist. Zusätzlich erzeugen gerade die radikalen Gedanken natürlich auch Reaktionen bei anderen Personen wenn man sie äußert, die dann aber oftmals weniger auf Horizonterweiterung als auf Abgrenzung (oder auf eine unreflektierte Übernahme) von diesen Gedanken hin ausgelegt sind. Gerade davon "lebt" ja z.B. auch die Politik.


Es gibt diesen schönen Spruch: "Das Blöde an der political correctness ist, dass irgendein Idiot immer beleidigt ist."
Damit meine ich: Wenn ich anfange, mich selbst zu zensieren, weil ich befürchte, dass meine Mitmenschen nicht konstruktiv mit meiner Meinungsäußerung umgehen werden, dann kann ich auch gleich ganz die Klappe halten. - Ein bisschen was muss ich anderen Leuten schon zutrauen. Und wenn es nur die Fähigkeit ist, es vielleicht das nächste Mal besser zu machen...

Was die ersten zwei Sätze angeht: Meine Meinung dazu habe ich ja schon geschrieben. Besser oder schlechter spielt gar keine Rolle, wenn man seinen Standpunkt nicht in ein Dogma verwandeln möchte. Dann reicht es, wenn die eigene Sicht auf die Dinge nur nicht komplett falsch, weil logisch unmöglich ist. Und sogar dann kann man häufig genug aus seinen Irrtümern noch eine Erkenntnis gewinnen.

Ich persönlich versuche ja (obwohl ich gleichzeitig gerne widerspreche; klingt paradox, funktioniert aber trotzdem), an einer Aussage das Körnchen Wahrheit zu entdecken, das diese Aussage wertvoll macht. "Richtig" und "Falsch", "Gut" und "Böse", das sind überholte Kategorien. Wink

Natürlich hast du trotzdem nicht ganz Unrecht, denn dies führt dazu, dass ich mich nicht konsequent von Ansichten abgrenze, die ich für problematisch halte. Aber schwierig wird das streng genommen erst dann, wenn eine Diskussion nicht konstruktiv und ergebnisoffen geführt wird, sondern eigentlich nur ein Schaukampf ist. Passiert in letzter Zeit häufiger. Ist aber m. E. kein Zeichen dafür, dass ICH was ändern muss, sondern dass unsere Diskussionskultur den Bach runter geht.

Ich mag es, mich an anderen Meinungen 'abzuarbeiten'. Und ja: Das beeinflusst mich. Das ist nämlich der Sinn jeder Kommunikation. Und ich beeinflusse auch. Hoffentlich in die Richtung 'das eigene Denken in Frage stellen'.
_________________
Unterordnung ist die Sehnsucht nach Geborgenheit.
Nach oben
          
Maz
ADMod Team



Alter: 42
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 13707
BeitragVerfasst am: Sa Mai 12, 2018 18:28    Titel: Antworten mit Zitat

Innerhalb von Diskussionen bei denen es primär ums diskutieren selbst geht (so wie tendenziell hier im Forum) ist das "radikale Element" wohl weniger ein Problem. Sobald man aber aktiv von einer bestimmten Perspektive ausgehend einen Effekt/Veränderung erzielen will (wie auch immer das konkret geschehen kann z.B. über politischen Aktivismus) sollte man denke ich schon auch drüber nachdenken wo die Reise eigentlich hingehen soll. Und gerade auf der Ebene führt eine schrittweise Evolution, die ja eher selten radikal ist (oder zumindest nicht so erscheint), denke ich meist zu den besseren (oder auch nur stabileren) Ergebnissen als eine Revolution.
Nach oben
          
Arpad4




Alter: 40
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 17.11.2016
Beiträge: 1630
Wohnort: Kaiserslautern
BeitragVerfasst am: So Mai 13, 2018 21:14    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Es gibt diesen schönen Spruch: "Das Blöde an der political correctness ist, dass irgendein Idiot immer beleidigt ist."
Damit meine ich: Wenn ich anfange, mich selbst zu zensieren, weil ich befürchte, dass meine Mitmenschen nicht konstruktiv mit meiner Meinungsäußerung umgehen werden, dann kann ich auch gleich ganz die Klappe halten. - Ein bisschen was muss ich anderen Leuten schon zutrauen. Und wenn es nur die Fähigkeit ist, es vielleicht das nächste Mal besser zu machen...


Bei gewisse Themen sollte man sich "zensieren" aber man sollte im Alltag offen auf Menschen zugehen können. Wenn man nur schweigt, lernt man nicht seine Komunikation zu "verbessern". (falls es was zu verbessern gibt).

Wenn man sich outet, ist trotzdem Vorsicht geboten. Nicht sofort alles einem an den Kopf knallen. Asexualität/Aromnatik(usw) ist ein Begriff der bei vielen noch fremd ist. Oder manche verstehen darunter was anderes.
_________________
Viele finden 100 Fehler an mir, in mir, um mich herum. Und wie viele hast Du? Sollen wir anfangen zu zählen?
Nach oben
          
Svalbard





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 25.08.2018
Beiträge: 9
BeitragVerfasst am: So Jan 13, 2019 17:56    Titel: Antworten mit Zitat

Der Thread ist ja schon älter, ich habe ihn aber mit großem Interesse gelesen. Selbst habe ich mich der Stimme enthalten, da zumindest gray romantisch. Es hätte mich aber sehr interessiert, etwas von jemandem zu lesen, der / die mit Ja abgestimmt hat, wie es dann mit dem Partnerwunsch oder der Partnerschaft bestellt ist. Um was von beidem es sich handelt, lässt die Umfrage ja offen...

Da könnte im Spektrum irgendwo zwischen "sich wünschen, das Gefühl des Verlieben im diesem Leben noch erfahren zu dürfen" und "in eine Partnerschaft reingerutscht sein und sie dann (trotz allem) nicht wegwerfen oder aufgeben wollen" vielleicht etwas dabei sein, oder noch andere Sachen, die mir nicht in den Sinn kommen, die ich aber gern lesen würde.

Bei mir ist es letzteres, ich bin aus mir selbst nicht ganz eindeutigen Gründen in eine Partnerschaft geraten. Oft empfinde ich das so, als wäre ich damit einen Schritt weiter gegangen, als ich es mit besserem Wissen im Nachhinein hätte tun sollen. Sollte diese Partnerschaft enden, würde ich wohl nicht nochmal eine eingehen. Es ist also die einzige, die ich habe und die mag ich trotz aller Ambivalenz nicht einfach wegschmeißen.

Ich kenne das Gefühl, verliebt zu sein, war es einmal im Leben, leider nicht in meinen Partner. Das schlechte Gewissen diesbezüglich nagt unterschwellig an mir. Aber wir können seit 10+ Jahren im Alltag miteinander, obwohl wir beide nicht ganz einfach sind. Wir vertrauen einander, sind loyal und einander treu. Verstehen uns ohne viele Worte und manchmal auch nicht.

Ist es seltsam, das nicht aufgeben zu wollen?
Nach oben
          
Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3235
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: So Jan 13, 2019 18:23    Titel: Antworten mit Zitat

Vielleicht ist das dann mehr wie eine Art eingespielte Freundschaft bei Euch? Das wollen ja manche AromantikerInnen sicher auch gern erleben, oder Seelenverwandtschaft, und wenn das alles gut geht, ist doch daran nichts auszusetzen. Selbst wenn es heruntergeköchelt zum Wesentlichen nur eine Zweckgemeinschaft ist, in der man gewohnheitshalber zusammen bleibt. Muss man das "wegwerfen" oder auflösen, bloß weil man eher gray-romantisch tickt? So eine gewisse romantische Ebene scheint damit durchaus drin. Vielleicht ist es nur nicht das, was Vollblut-Romantiker da so empfinden. Den Wert eines guten Miteinander und Auskommens, das haben etliche allosexuelle und angeblich romantikfähige Paare nicht, bei denen Krisen und Konflikte das Leben begleiten.
Von daher hast Du doch was Außerordentliches. Smile

Als Aromantiker kann es mir nicht passieren, dass ich jemals auch nur in was Annäherndes reinrutsche, klar. Sogar das, was andere als übliche Freunde kennen, ist mir mangels Reziprozitätsskills nicht zugänglich. Manche der Dinge, die KWD weiter vorn erwähnte, die sie von Leuten hörte, klingen ja sehr widersprüchlich. Also aromantisch und dann polyamörös etwa - das ist wie Hundefreund mit Hunde-Aversion. Laughing
_________________
Wer später stirbt, erlebt den Tod derer, die früher sterben, und hat deshalb länger was zu lachen.
Nach oben
          
Fichte
Admin auf Aven-Partner.de




Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 27.06.2012
Beiträge: 360
BeitragVerfasst am: Mo Jan 14, 2019 19:08    Titel: Antworten mit Zitat

Svalbard hat folgendes geschrieben:
Ich kenne das Gefühl, verliebt zu sein, war es einmal im Leben, leider nicht in meinen Partner. Das schlechte Gewissen diesbezüglich nagt unterschwellig an mir.
Warst du in die Partnerschaft gerutscht, als du noch nicht wusstest, wie es sich anfühlt, verliebt zu sein? Das wäre nämlich meine eigene Sorge. Bisher war ich noch nie verliebt und hatte noch nie romantisches Interesse, obwohl ich mittlerweile schon 32 Jahre alt bin. Aber an mir hatten schon ein paar Leute romantisches Interesse (manche waren sogar in mich verliebt), aber ich konnte mich noch nicht auf eine derart einseitige Beziehung einlassen und vermute mal, dass ich mich auch in Zukunft nicht auf eine einseitige Beziehung einlassen könnte, weil ich mich da vermutlich immer mies fühlen würde, so als wenn ich den anderen Menschen am Glücklichsein hindern würde. Aber ich will dir nicht deine Ehe (hab eben noch mal deine übrigen Forenbeiträge gelesen - ihr seid ja schon länger verheiratet) madig reden. Zumal ich ja auch gar nicht weiß, wie sich Verliebtheit anfühlt, und ob eine Beziehung, die auf gegenseitiger Verliebtheit und daraus wachsend gegenseitiger romantischer Liebe basiert, erfüllender wäre. Man hört halt so oft von Liebespaaren, dass es das beste Gefühl auf der Welt sein soll, und zumindest ich werde bei solchen Erzählungen schon irgendwie neugierig, und vielleicht stell ich bisher deshalb die Forderung an mich: Solange ich keine supertollen Gefühle für jemanden habe, gehe ich keine Partnerschaft ein. Denn einfach irgendwelche halbwegs sympathischen Leute, um nicht allein zu sein, kann man ja auch auf der Freundschafts- oder Bekanntschaftsebene haben und bei Bedarf eine WG mit ihnen gründen. Die muss man nicht unbedingt heiraten.

Ich selbst habs jedenfalls auch nicht so mit Nähe. Besonders abschreckend finde ich z. B. die Vorstellung, ein Bett mit jemandem zu teilen. Oder gemeinsames Essen. Das hab ich schon als Kind gehasst und mich z. B. an Weihnachten immer mit meinem Teller in mein Zimmer zurückgezogen, weil ich das Geklapper und Geplapper am Esstisch so nervig fand.
Aber Liebe an sich ist mir trotzdem wichtig. Im Rambo-Videospiel gab es eine schöne Szene. Zwar ein bisschen kitschig, aber irgendwie gefiel mir der Text so gut, dass ich ihn mir sogar rausgeschrieben hab: "Wenn Sie jemanden finden, der im Krieg an Ihrer Seite steht - einen echten Freund in all dem Blut und Dreck - dann ist das ein Glücksfall. Für diesen Menschen würden Sie alles tun."
Mit Krieg hab ich selbst zwar nichts zu tun, aber die Vorstellung, jemanden so sehr zu lieben, dass man sogar sein eigenes Leben für diesen Menschen riskiert, finde ich beeindruckend, und ich hätte nichts dagegen, wenn ich jemanden derart lieben würde. Am nähesten kam ich Liebe bisher mit meiner Oma, die aber mittlerweile schon fast 10 Jahre tot ist. Das war aber natürlich familiäre Liebe und ich hab keine Ahnung von romantischer Liebe.
Nach oben
          
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Forum für Asexualität Foren-Übersicht -> Gedanken -> (A)Romantik und Liebe Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10  Weiter
Seite 9 von 10

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2002 phpBB Group

Impressum: AVENde versteht sich als Unterforum von AVEN. Ansprechpartner für die deutsche Seite (aven-forum.de) ist der Administrator "Dirk Walter". Kontaktadresse: Dirk Walter - Rehhütterstrasse 4 - 67165 Waldsee
email: aven.de@dirk-walter.de - Telefon: 06236/54804.
Beachten Sie auch: Forenregeln und Datenschutz