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Warum habt ihr keinen Partner?
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Sandkastenzorro
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Alter: 40
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
Beiträge: 3693
Wohnort: Fairvale
BeitragVerfasst am: Do Jul 29, 2021 17:51    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Feuer frei.


Nah. Dazu haste zu sehr Recht mit deinem Beitrag. Nur an dem Wort "schwach" häng ich mich gerade auf, weil ... ich weiss nicht, ob das das richtige Adjektiv ist. Ich würd eher behaupten, es ist ne Doktrin, die bei Nichterfüllung nen Angstzustand bei diesen Leuten erzeugt. Es ist wohl dieser Glaube, nicht alleine sein zu können . Kaum einer fragt sich aber, warum er das meint und was genau passieren würde, wenn er denn mal alleine wäre. Oder es ist diese Angst vor Ausschluss, da ja der gesellschaftliche Konsens ja von einem erwartet, dass man bitte nen Partner zu haben hat, weil man sonst "verkorkst", "hässlich", "dumm" oder "frigide" ist. Vielleicht gehts da also mehr um Aussenwirkung, als man sich selber zugestehen will.

Und die Ironie des Ganzen ist dann noch - Bedürftigkeit schreckt im Grunde jeden ab. Sogar die, die selber bedürftig sind.
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Alter: 41
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 05.07.2021
Beiträge: 98
Wohnort: Hagen, NRW
BeitragVerfasst am: Do Jul 29, 2021 22:23    Titel: Antworten mit Zitat

Juhu, los geht's! Ach halt, moment... *PhaseraufBetäubungstell*

Im Ernst... ich bin nicht ganz sicher, ob ich Dich verstanden habe. Okay, ich habe verstanden, dass Dich Menschen, die Du als bedürftig einstufst, abstoßen und stimme Sandkastenzorro zu, dass wohl den allermeisten so gehen dürfte.

Gleichzeitig... hrm... frage ich mich, ob Du damit meinst, dass nur bedürftige Menschen für eine Partnerschaft zur Verfügung stehen. Dass es eine Leere braucht, um zu jemandem "Ja!" zu sagen, dass eine Anziehung immer eine Flucht vor etwas darstellt. Empfindest Du das so?

Weil ich es nicht richtig verstanden habe, liege ich nun möglicherweise im Thema daneben, gleichzeitig spüre ich den Wunsch anzumerken, dass ich glaube, dass ein Zusammensein, sei es aus welchen Motiven heraus, letztlich zu einem inneren Wachstum führt.
Neulich habe ich... ich glaube, bei Markus Fischer im GFK-Podcast gehört, dass der andere Mensch für dieses Wachstum tatsächlich nicht nur hilfreich, sondern sogar notwendig ist, weil man sich selbst, wenn man alleine ist, ganz wunderbar belügen kann, was die eigenen Fehler und Schwächen angeht.
Das ist zumindest auch meine Erfahrung, sei es mit meinem Partner, sei es mit meinen Kindern. Sobald da ist, der Dir Feedback gibt und Dich spiegelt, merkst Du... also ich... früher oder später, dass es keinen Sinn ergibt, darüber zu meckern, dass mir das Spiegelbild gefällt.

Deswegen denke ich... selbst wenn die Bedürftigen am Anfang sich ihr Märchen erzählen, ihre Masken tragen und ihre Rollen spielen sollten, kommt früher oder später der Punkt, an dem die Masken fallen und das tatsächliche Kennenlernen - wobei man sowohl den anderen als auch sich selbst kennenlernt - beginnt und es dann wirklich interessant wird.

Viele liebe Grüße,
Julia, die sich gerade müde und wirr fühlt und hofft, dass der Beitrag dennoch konstruktiv war
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Rob Wilkinson




Alter: 25
Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 18.05.2021
Beiträge: 26
Wohnort: NRW
BeitragVerfasst am: Fr Jul 30, 2021 10:24    Titel: Antworten mit Zitat

@Sandkastenzorro: Deine Darstellung ist sehr viel präziser als meine und möglicherweise triffst du den Nagel besser - nun, zumindest neutraler (sofern man einen Nagel neutral treffen kann). In meiner Realität würde ich halt zur kompakten Beschreibung des von dir geschilderten, unbewussten Verhaltens das Adjektiv "schwach" benutzen. Das ist aber, wie immer, eine sehr subjektive Einordnung.

@Rückzugsraum
Auch deinen Punkt kann ich nachvollziehen, würde aber eine Verbindung zum von Sandkastenzorro angesprochenen Kollektivzwang herstellen - denn wie du merkst, greifst du auf die Informationen aus einem Podcast zurück, um die Sache zu beleuchten.

Dass andere Menschen zum Wachstum beitragen, will ich keineswegs leugnen. Dass eine Partnerschaft dazu notwendig ist, leugne ich hingegen zu 100%. Ich habe keine Ahnung, wie man überhaupt die Satzteile "Mein persönliches Wachstum" und "ist abhängig von einem Anderen" zusammenbringen kann.
Mit Sicherheit gibt es eine Tendenz im Menschen, sich selbst zu belügen, aber diese ist durchaus zu identifizieren und zu überwinden. Dafür braucht man streng genommen kein zweites Individuum als Spiegel - man braucht Reflexionsfähigkeit, d.h. einen Blickwinkel auf sich selbst wie von außen, aus den Augen eines übergeordneten Wesens. Das kann man lernen. Ist halt aufwendiger, als... ah, ihr versteht mich schon.

Und kurz noch zu deiner Frage:
Zitat:
frage ich mich, ob Du damit meinst, dass nur bedürftige Menschen für eine Partnerschaft zur Verfügung stehen. Dass es eine Leere braucht, um zu jemandem "Ja!" zu sagen, dass eine Anziehung immer eine Flucht vor etwas darstellt. Empfindest Du das so?


Nein, aber leider scheint die Leere für den Großteil der Zusammenschlüsse verantwortlich zu sein. Sobald die Leere überwunden ist (nicht bloß verdrängt), ist eine Partnerschaft ja absolut legitim und, wie ich meine, sehr viel echter, weil sie keine Notwendigkeit mehr darstellt, sondern ein Resultat, eine logische Schlussfolgerung, ein Update, eine Fusion zwei vollkommen freier Menschen aus vollkommen freien Stücken. Eine Fügung, wenn du so willst.

Ich wünsche euch einen schönen Tag! Peace out.
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Sandkastenzorro
zweitgrößter Spammer des Forums



Alter: 40
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
Beiträge: 3693
Wohnort: Fairvale
BeitragVerfasst am: Fr Jul 30, 2021 12:21    Titel: Antworten mit Zitat

Man erkennt es doch hier am Forum seit eh und je sehr deutlich. Da ist schon ne immense Verzweiflung, die einen gar zwanghaft nach nem Partner suchen lässt. Die Leute kommen hier rein, gehen schnurstracks in die Kontaktbörse, geben da ihr Inserat auf und hoffen, dass der asexuelle Prinz aufm weissen Schaukelpferd oder wahlweise das Prinzesschen darauf antwortet und einen aus seinem jämmerlichen Singledasein erlöst.
Bereitschaft, durch Beiträge hier im Forum mit den Leuten in Kontakt zu kommen - nada!
Man will keine Menschen kennenlernen - man möchte "Beziehungsstatus: Vergeben". Und das bitte sofort und ohne viel Anstrengung.

Ich glaube übrigens, dass sowas sehr deutlich das darstellt, was Rob beschrieb. Und da der Majoranteil dieser Leute ne Leere füllen will, haben solche Beziehungen, falls sie denn zustande kommen, auch ne sehr kurze Halbwertszeit. Denn: Es GEHT einfach nie um den anderen Menschen bei sowas. Es geht nur um einen selbst. Es geht um "ICH will!" und um nix anderes. Der Partner hingegen ist lediglich das Werkzeug, das einem den gewünschten Zustand erbringt - und ihn auch wieder sofort entziehen kann, wenn er irgendwann geht und dann beginnt der Mist von vorne. Glaube nur, dass das fast keinem von denen so bewusst ist.

Und dem hier:

Zitat:
Dass andere Menschen zum Wachstum beitragen, will ich keineswegs leugnen. Dass eine Partnerschaft dazu notwendig ist, leugne ich hingegen zu 100%.


...stimme ich restlos zu. Was ist nur aus den guten, alten Freundschaften geworden? Warum muss es immer direkt n Partner sein?
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Alter: 41
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 05.07.2021
Beiträge: 98
Wohnort: Hagen, NRW
BeitragVerfasst am: Fr Jul 30, 2021 18:14    Titel: Antworten mit Zitat

Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:
Man erkennt es doch hier am Forum seit eh und je sehr deutlich. Da ist schon ne immense Verzweiflung, die einen gar zwanghaft nach nem Partner suchen lässt. Die Leute kommen hier rein, gehen schnurstracks in die Kontaktbörse, geben da ihr Inserat auf und hoffen, dass der asexuelle Prinz aufm weissen Schaukelpferd oder wahlweise das Prinzesschen darauf antwortet und einen aus seinem jämmerlichen Singledasein erlöst.


Hrm... wenn ich in die Kontaktbörse blicke, fällt es mir schwer, diesen Eindruck zu bestätigen. Der Schwerpunkt der Aktivität liegt ja meine Wahrnehmung nach bei den Stammtischen (bei denen ich jetzt mal ausgehe, dass sie hauptsächlich als Singlebörse dienen) und im privaten Bereich gibt es einige, in denen explizit das Wort Beziehung erwähnt wird, und gleichzeitig einige, die ganz unspezifisch von Kontakt sprechen und den Wunsch nach Austausch erwähnen, ohne spezielles Beziehungsziel.

Ich persönlich habe schon beides erlebt.
Meinen Mann zum Beispiel habe ich vor über 20 Jahren in einem Rollenspielchat kennengelernt und mit der Zeit festgestellt, dass ich die Unterhaltungen mit ihm genieße . Wir waren dann eine Weile befreundet und nach und nach kamen dann romantische Gefühle auf beiden Seiten dazu. Wir hatten sozusagen gefunden, ohne davor explizit gesucht zu haben.

Dafür habe ich vor ein paar Jahren, als wir frisch hierher gezogen waren und ich Schwierigkeiten hatte, hier im Dorf Anschluss zu finden (zumal mir Smalltalk so gar nicht liegt und die Menschen, die ich kennenlernte, sozusagen sozial ausgelastet waren), in einem Freundschafts-Portal eine Anzeige aufgegeben. Da haben sich dann einige Frauen gemeldet, mit denen ich mich verabredet hatten. Dreimal lief es so, dass ich hinterher keinen Wunsch nach einem zweiten Treffen verspürte und das vierte Mal war ich hinterher völlig begeistert und schrieb gleich danach, wie toll ich es fand... und wir sind noch immer miteinander befreundet.

Ich persönlich finde beides okay. Und.. ich weiß nicht... ich bin ein Mensch, der von Kindheit an nie ein Problem damit hatte, alleine zu sein, sondern mich da sehr wohlfühlte. Ich mag mich selbst sehr und verbringe gerne Zeit mit mir.
Gleichzeitig genieße ich menschliche Gesellschaft und mag es sehr, einen oder mehrere Menschen um mich zu haben, mit denen ich reden, kuscheln, lachen, spielen, diskutieren, Projekte realisieren... kann. Und wenn ich die Wahl habe, ziehe ich letzteres vor. Nicht um jeden Preis, versteht sich, sondern einfach als... Vorliebe.
Ich sehe darin keine Schwäche. Seid ihr da anderer Meinung?

Rob Wilkinson hat folgendes geschrieben:

Mit Sicherheit gibt es eine Tendenz im Menschen, sich selbst zu belügen, aber diese ist durchaus zu identifizieren und zu überwinden. Dafür braucht man streng genommen kein zweites Individuum als Spiegel - man braucht Reflexionsfähigkeit, d.h. einen Blickwinkel auf sich selbst wie von außen, aus den Augen eines übergeordneten Wesens. Das kann man lernen. Ist halt aufwendiger, als... ah, ihr versteht mich schon.


Du meinst, so einen objektiven Blick auf sich selbst, wie man ihn z.B. bei der Meditation oder in der Therapie gewinnt?

Ich empfinde es so, dass es beides braucht, zumindest ist das bei mir so.
Bei mir ist es so, dass die Menschen seit meiner Jugend sagen, dass ich sehr reflektiert sei. Ich habe mich schon von Kindheit an für Zwischenmenschliches begeistert, für Philosophie, Psychologie, den Buddhismus..., habe viel geschrieben und ich glaube, auch durch das Rollenspielen viel gelernt, was alles dazu beitrug, dass ich von mir das Bild hatte, gut reflektieren zu können.

Und weißt Du was? Ich wusste nichts über mich und über das, was unter der Spitze des Eisbergs lag. Und ja, meine Partnerschaft hat da nicht viel dran geändert (wohl durchaus eine besondere Freundschaft).
Was dieses Bild zum Einsturz brachte, war die Beziehung zu meinen Kindern. Vollkommen in dieses kalte Wasser gestoßen zu werden, plötzlich diese große Verantwortung und Macht zu tragen und zu erfahren, was das mit mir macht... Zu erleben, was für ein Monster ich sein kann, die Erfahrung zu machen, einen kleinen Menschen zur Welt zu bringen, von dem ich weiß, diese Welt gleich wieder verlassen wird und ihn bis zum letzten Herzschlag in meinen Armen zu halten... zu erfahren, wie es ist, wenn der innere Retter/Helfer die Erfahrung macht, dass zwei Menschen gleichzeitig nach ihm rufen und ihnen nicht beiden gleichzeitig gerecht werden kann...
... das alles ist für mich gefühlt Lichtjahre von dem entfernt, wo ich früher stand und mir selbstverliebt auf die Schulter klopfte und ich glaube, ohne diese Erfahrung von außen wäre ich niemals in der Lage gewesen, diese innere Entwicklung durchzumachen.
Daher mein Gedanke, dass es beides braucht.

Viele liebe Grüße,
Julia
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Maz
ADMod Team



Alter: 44
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 14407
BeitragVerfasst am: Fr Jul 30, 2021 20:00    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:

Hrm... wenn ich in die Kontaktbörse blicke, fällt es mir schwer, diesen Eindruck zu bestätigen.


Das liegt daran, dass Aven-Partner diese Funktion mittlerweile übernommen hat. Die Leute, die früher den einen Kontaktbörsenbeitrag abgesetzt haben, schreiben jetzt überhaupt nichts mehr.
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Alter: 41
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 05.07.2021
Beiträge: 98
Wohnort: Hagen, NRW
BeitragVerfasst am: Fr Jul 30, 2021 20:22    Titel: Antworten mit Zitat

Ah, verstehe. Danke für die Information!

Mir ist auch wieder eingefallen, weshalb meiner Wahrnehmung nach Partner das Wachstum mehr anregen als Freunde - wenn ich sowohl an mich als auch an Gespräche mit Freunden und Bekannten denke, scheinen neben der Ursprungsfamilie und Kindern Partner die Menschen zu sein, die einem am meisten unter die Haut gehen und aus einem heraus holen, von dem man gar nicht geahnt hat, dass es in einem steckt.
Ganz gleich, wie cool und achtsam man mit schwierigen Chefs und Kollegen umgehen kann und wie souverän man Krisen im Freundes- und Bekanntenkreis meistert - ein falsches Wort vom Partner und man ist wieder ein trotziger Teenager, die beleidigte Mutter oder das brave Mädchen, das alles richtig machen will...

Und gerade im Lockdown, wenn man 24/7 mit diesen Menschen zusammen ist, gibt es da so gar kein Entrinnen., so dass man sich letztlich stellen muss - das war/ist bei mir zumindest so.
Im Kontrast dagegen kann ich meine Verabredungen mit Freunden absagen, wenn ich zyklusbedingt gerade in Mörderstimmung bin...

Viele liebe Grüße,
Julia
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Sandkastenzorro
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Alter: 40
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
Beiträge: 3693
Wohnort: Fairvale
BeitragVerfasst am: Fr Jul 30, 2021 21:38    Titel: Antworten mit Zitat

Mir entzieht sich immer noch, warum das Sachen sind, die nur n Partner können sollte.
Als würde eine wie auch immer geartete romantische Ebene nen Unterschied bewirken, was die vermeintliche Rückspiegelung des eigenen Verhaltens angeht. Das kann jeder, der nah genug dran ist.

Im Übrigen kann man auch nem Partner n Treffen absagen. Genauso wie man mit einem Freund zusammen wohnen und ihm ergo nicht ausm Weg gehen kann. Das alles ist also immer noch kein Exklusivskill eines Partners alles, ergo... nee, nicht überzeugt.
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Volltrottel




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Anmeldungsdatum: 25.11.2020
Beiträge: 27
Wohnort: Berlin
BeitragVerfasst am: Sa Jul 31, 2021 5:31    Titel: Antworten mit Zitat

Rob Wilkinson hat folgendes geschrieben:

Wenn sich zwei Bedürftige finden, betrachte ich die Szene oft wie in einer Sitcom (ich höre förmlich das Lachen des Publikums und frage mich, ob ich der einzige bin, der sich vorkommt wie in einer Realität, die nicht real ist). Es kommt dann trotz absurdester Charakterklischees, Konstellationen und Konversationen dazu, dass die Bedürftigen ihrem Bedürfnis durch dessen Befriedigung ein temporäres Ende setzen.

Solange ihre auf der Flucht vor dem Alleinsein gegründete Zusammenkunft hält, ist auch alles mehr oder weniger in Ordnung - zumindest in Bezug auf ihren Wunsch nach Zweisamkeit, welcher weiterhin die höchste Priorität genießt (und nun mit tiefergehenden Erwartungen verfeinert wird). Danach aber fallen sie zurück in die Bedürftigkeit und der Kreislauf beginnt von neuem.
Ein sehr interessantes Diskussionsthema und eine sehr interessante Sichtweise, ich frage mich allerdings wie du zu dem Schluss kommst das es nur ein temporäres Ende ist und der Kreislauf von neuem beginnt. Durch welchen Umstand meinst du passiert dies? Der Zustand der Bedürftigkeit ändert sich doch durch den Erfolg bei beiden in keinster Weise, wieso sollte also die Verbindung sich wieder auflösen? Die tiefergehenden Erwartungen können natürlich durch den Erfolg und damit einer unrealistischen Selbstreflexion und durch das schöne Gefühl der Zweisamkeit entstehenden Größenwahns entstehen, aber warum soll ich auf einmal nicht mehr sehen wer ich bin (ein Bedürftiger)? Ich kann durch die Nähe die mir der andere gibt sicherlich wachsen in meinen Fähigkeiten und meinem Selbstbewusstsein. Warum sollte ich ihn als Dank nicht mehr wertschätzen und nun tiefergehende Erwartungen haben die der jenige nicht erfüllen kann? Das würde mir nicht im Traum einfallen.
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Alter: 41
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 05.07.2021
Beiträge: 98
Wohnort: Hagen, NRW
BeitragVerfasst am: Sa Jul 31, 2021 7:31    Titel: Antworten mit Zitat

Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:

Im Übrigen kann man auch nem Partner n Treffen absagen. Genauso wie man mit einem Freund zusammen wohnen und ihm ergo nicht ausm Weg gehen kann. Das alles ist also immer noch kein Exklusivskill eines Partners alles, ergo... nee, nicht überzeugt.


Na klar kann man mit einem Freund zusammenwohnen oder mit einem Partner das nicht machen. Ich spreche da lediglich über meine Erfahrung und von der meiner Bekannten und ich muss gestehen, dass ich keinen Menschen kenne, der mit seinem Freund zusammenwohnt (wobei ich den Gedanken sehr schön finde).

Es geht mir dabei auch weniger um die romantischen Gefühle. Die empfinde ich persönlich für meinen Mann schon sehr vielen Jahren nicht mehr. Für mich ist er kein romantischer Partner, sondern Familie. Familie in dem Sinn, dass das die Menschen sind, bei denen ich die Badtür nicht abschließe, wenn ich auf Toilette gehe und bei denen ich sehr zuversichtlich bin, dass die Bindung (in welcher Form auch immer) ein Leben lang bestehen wird.

Das mit den romantischen Gefühlen ist sowieso eine schwer zu greifende Sache für mich und ich würde sagen, dass dieser Aspekt bei meinen 'nur' Freundinnen, bei denen ich mir vorstellen kann, dass wir schweigend Hand in Hand auf einer Bank sitzen und uns den Sonnenuntergang ansehen, während wir in dem Moment und in der Nähe der anderen völlig versunken sind.
Wenn ich mich und meinen Mann hingegen in eine solche Szene denke, sehe ich uns über irgendwelche hausbezogenen Projekte oder Vergleichbares sprechen.
Das ist jetzt nicht so der entscheidende Aspekt für mich.

Was mir hingegen wichtig scheint, ist eben diese Entschlossenheit, es lebenslang durchzustehen und Konflikte und auch voneinander abweichende Werte zu akzeptieren und miteinander und füreinander zu arbeiten, anstatt bei der ersten schwerwiegenden Hürde das Handtuch zu werfen.
Und ja, das schließt Freunde nicht aus, nur ist es meine Wahrnehmung, dass der Nestbaugedanke und dann die gemeinsame Verantwortung für Kinder einen Faktor darstellen, der diese Entschlossenheit stärkt (ohne die Kinder hätte ich meinen Mann vor ein paar Jahren möglicherweise verlassen. Doch mit ihnen war ich entschlossen, da einen Weg zu finden und das haben wir dann auch getan, so dass es uns jetzt wieder richtig gut miteinander geht).

Viele liebe Grüße,
Julia
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Sandkastenzorro
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Alter: 40
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
Beiträge: 3693
Wohnort: Fairvale
BeitragVerfasst am: Sa Jul 31, 2021 13:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hm... Ich verstehe nicht, warum das alles so partnerexklusiv sein soll. Als wäre es bei Freunden unmöglich, die weitestgehend ein Leben zu lang zu behalten. Die Statistik übrigens ist da sehr deutlich - Freundschaften leben für gewöhnlich viel länger als jede Beziehung und Freunde bleiben, wenn auch der x-te Partner geht.
Ich schließe auch bei Freunden die Badezimmertür nicht ab - warum auch? Stichwort: Vertrauen. Und wenn ich jemandem nicht vertraue, ist er eh sicher kein Freund von mir. Mir scheint immer, die meisten Leute haben keine Freunde, sondern lediglich lose Bekannte und dann kommt ein riesiges Nichts und dann der Partner, der dann gleich mit der linken Körperhälfte gleichgesetzt wird. Das gruselt mich extrem.

Und Kinder... ja gut, die mag ich nur medium rare vom Grill und es käme mir nie in den Sinn, welche zu produzieren. Daher bin ich bei diesem Nestbaugedanken und der Fortführung meiner im großen Weltgefüge sinnlosen und sogar schädlichen Genlinie komplett draussen.
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Rob Wilkinson




Alter: 25
Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 18.05.2021
Beiträge: 26
Wohnort: NRW
BeitragVerfasst am: So Aug 01, 2021 17:52    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
aber warum soll ich auf einmal nicht mehr sehen wer ich bin (ein Bedürftiger)?


Weil du (wir nehmen dich einfach mal als Fallbeispiel) ja schon vorher nicht wusstest, wer du bist. Soll heißen: Eine solche Sicht...

Zitat:
Warum sollte ich ihn als Dank nicht mehr wertschätzen und nun tiefergehende Erwartungen haben die der jenige nicht erfüllen kann? Das würde mir nicht im Traum einfallen.


...erfordert Selbsterkenntnis. Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass sich der Bedürftige als bedürftig einstuft.
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Arpad4




Alter: 41
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 17.11.2016
Beiträge: 1791
Wohnort: Kaiserslautern
BeitragVerfasst am: Di Aug 03, 2021 11:14    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Man erkennt es doch hier am Forum seit eh und je sehr deutlich. Da ist schon ne immense Verzweiflung, die einen gar zwanghaft nach nem Partner suchen lässt. Die Leute kommen hier rein, gehen schnurstracks in die Kontaktbörse, geben da ihr Inserat auf und hoffen, dass der asexuelle Prinz aufm weissen Schaukelpferd oder wahlweise das Prinzesschen darauf antwortet und einen aus seinem jämmerlichen Singledasein erlöst.
Bereitschaft, durch Beiträge hier im Forum mit den Leuten in Kontakt zu kommen - nada!
Man will keine Menschen kennenlernen - man möchte "Beziehungsstatus: Vergeben". Und das bitte sofort und ohne viel Anstrengung.


Vorsicht: In AVEN-Partnerböres suchen einige einen "Partner" nicht wegen romantische Beziehung. Ein/e Bedürftiger/e wissen oft welche Mangel sie haben und suchen nach jemand der diesen Mangel aufhebt. Oft steckt hinter einen Suchenden ein "Gib-gib". Aber selber nichts geben will. Oft ist es wie in vielen Partnerbörsen finanzieler Mangel die treibende Kraft sich einen "reicheren" Partner zu finden.

Es gibt viel Arten von Bedürftigkeit. Nicht nur die Einsamkeit.

Zitat:
Vielleicht habe ich leicht reden, weil ich diese Leere nicht empfinde und mich aus diesem Grunde nicht gezwungen sehe, sie zu füllen. Trotz allem würde ich jedem, der sie empfindet, zuerst empfehlen, sie von innen heraus anzugehen und nicht von außen zu kompensieren. Das funktioniert nämlich nur solange, wie man seine Fähigkeit, eine angenehme Illusion zu genießen, nicht verliert.


Gut erklärt. Die Flucht vor sich selber sollte nicht der Grund sein warum man einen Partner sucht. Auch wenn man Kummer/Leere empfindet, ist es wichtig diese zu verarbeiten bevor man einen neue Beziehung sucht/aufbaut. Viele tuen das nicht, und tragen Balast aus 10 gescheiterten Beziehungen in eine neu hinein. Wie soll eine neue Beziehung funktionieren, ohne die alten verarbeitet zu haben?
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Viele finden 100 Fehler an mir, in mir, um mich herum. Und wie viele hast Du? Sollen wir anfangen zu zählen?
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Dystopie





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 17.12.2020
Beiträge: 29
BeitragVerfasst am: Di Aug 03, 2021 22:37    Titel: Antworten mit Zitat

Diesen ganzen "Ich brauche einen Partner, um ein erfülltes Leben zu haben"-Kram habe ich noch nie verstanden und mich befremdet es auch, dass das für viele so ein zentrales Lebensthema ist.

Aber es ist ja nichts Neues, dass Menschen zu allerhand merkwürdigen Verhaltensweisen neigen und solange die mich damit nicht belästigen, ist es mir letztlich gleich, wie sich meine Mitmenschen ihr Leben schwer machen. Sollen die machen, was sie wollen, das mache ich ja umgekehrt auch.
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Callas of the Wind




Alter: 40
Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 13.08.2019
Beiträge: 325
Wohnort: Oberfranken
BeitragVerfasst am: Di Aug 03, 2021 22:50    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke es ist der Unlust des Menschen zuzuschreiben. Es ist anscheinend leichter sich ein anderen Menschen zu suchen der ein Glücklich machen soll als selbst was zu tun oder auf dem Grund zu gehen warum man nicht Glücklich ist.
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