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"Close your eyes and think of England"

 
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Svalbard





Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 25.08.2018
Beiträge: 28
BeitragVerfasst am: Sa Feb 27, 2021 1:10    Titel: "Close your eyes and think of England" Antworten mit Zitat

Der Ausspruch im Threadtitel steht bekanntlich für "Augen zu und durch beim Sex, es über sich ergehen lassen, geht schon vorbei". Kennt ihr dieses Gefühl? Wie kommt ihr in euren Partnerschaften damit zurecht, wie geht ihr damit um? Es dürften wohl meistens die Asexuellen sein, die dabei an England denken. Ich würde mich aber ganz ausdrücklich über Erfahrungen von beiden Seiten zu diesem Thema freuen, da ich in letzter Zeit in die Lage gekommen bin, zum ersten Mal auch die andere Seite selbst zu erleben, nämlich wie elend es sein kann, wenn es der Partner ist, der an England denkt bei dem, was man so macht Sad

Ich hoffe, dass das Thema in den Bereich für sexuelle Partner hinein passt und ein kleines bisschen "explicit content" i.O. ist.

Mein Mann ist sexuell und "vanilla" veranlagt, ich habe mich viele Jahre als asexuell identifiziert, habe aber Fantasien aus dem Fetisch- und BDSM-Bereich, die viele Jahre lang so am Rande der Reizschwelle vor sich hin existiert haben, ohne dass ich mir über ihre Natur so richtig im Klaren war. Das hat sich erst im Laufe des letzten Jahres geändert und wurde konkreter, präsenter, ich hatte zum ersten Mal überhaupt auch Begriffe dafür bzw. habe verstanden, welche Begriffe sich darauf anwenden lassen. Irgendwann war ich soweit, meinem Mann ein wenig davon zu erzählen. Lautloser Knall, versteinertes Entsetzen. Nachdem der erste Schock verdaut war, haben wir schließlich nochmal miteinander geredet und beschlossen zu versuchen, das ganz behutsam ein bisschen miteinander auszuleben bzw. überhaupt wieder ein Leben im Bett miteinander zu versuchen.

Denn zu verlieren hatten wir praktisch nichts. Wir hatten ca. 10 Jahre lang gar kein Sexleben. Zu Beginn unserer Beziehung dachte ich noch, dass ich vielleicht nach einer Art Initialzündung mich dazu überwinden könnte, es irgendwie zu lernen und wenn schon nicht Spaß daran zu haben, so doch die Augen zu schließen und an England zu denken für meinen Partner. So rein kopfgesteuert hat das leider überhaupt nicht funktioniert. Bei unseren GV-Versuchen hatte ich Schmerzen, etwas Organisches konnte der Frauenarzt nicht feststellen und irgendwann habe ich schon beim Vorspiel psychisch und körperlich dicht gemacht, weil es mir vor dem grauste, wovon ich dachte, dass es zwangsläufig folgt. Es war für uns beide nicht schön und irgendwann haben wir aufgegeben und es wieder sein lassen. Uns auf reines Kuscheln verlegt. Bis jetzt.

Kurz, mein Partner hat 10 Jahre lang mir zuliebe auf Sex verzichtet. Ich schlug ihm vor, dass er von mir aus mit jemand anderem Sex haben könnte, wenn er das wollte, und das war ernst gemeint. Aber davon wollte er überhaupt nichts wissen. Er ist nicht der Typ dafür, er will das nicht, basta.

Vermutlich klingt das jetzt sehr blöd, aber mir wurde erst beim tieferen Einlesen in BDSM-Themen klar, wie sehr wir damals das Kind mit dem Bade ausgeschüttet haben. Es wäre vielleicht überhaupt nicht nötig gewesen, auf absolut alles zu verzichten, wir hätten auch einfach sagen können, halt kein GV... Aber ich dachte all die Jahre anscheinend, das muss sein, weil es nun mal dazu gehört. Auf die Idee, irgendwelche Limits zu erkennen und zu kommunizieren, sind wir damals überhaupt nicht gekommen. Ohje.

Jetzt, da wir wieder miteinander reden und zumindest irgendetwas wieder versuchen wollen, ist es für mich einfach nur klar, dass das, was wir tun, uns beiden Freude bereiten soll und nicht nur einem von uns. Nur die Umsetzung gestaltet sich schwieriger als gedacht bzw. die Schnittmenge ist ziemlich klein. Im Grunde ist es eine Situation von, ich mache dir eine Freude und du dann ein andermal mir.

Seit eindeutig feststeht, dass es zu keinem GV kommen wird, kann ich mich wieder öffnen für "Vanilla"-Zärtlichkeiten wie Küsse, Handjobs, Blowjobs... mich erregt das alles sexuell nach wie vor nicht, aber ich mache es meinem Partner zuliebe und es macht mich glücklich, ihn damit glücklich zu machen. Es fühlt sich für mich ein bisschen bemüht, aber grundsätzlich richtig an. Jedenfalls nicht abstoßend oder eklig, nur irgendwie fremd. Ich glaube auch, dass er es genießt... Ob und wie sehr ihm etwas fehlt dadurch, dass ich dabei nun mal nicht richtig mit-erregt werde, ist schwer zu sagen.

Er ist im Gegenzug auch gerne bereit, mich mit ein bisschen Kerzenwachs und Eiswürfeln zu verwöhnen, was ich dann wiederum sehr genieße. Ihn freut es, wenn ich ein bisschen zucke und quieke, auch wenn es ihn sexuell nicht erregt. Auch das fühlt sich gut und richtig an. Bis dahin alles okay.

Nur... eigentlich wünsche ich mir, der aktive Part zu sein, der dominante. In gewissem Sinne bin ich das ja auch, weil ich bis jetzt jegliche Aktivitäten in dieser Richtung initiiere, sei es ein Blowjob für ihn oder ein bisschen Heiß-Kalt für mich. Aber in meinen Fantasien wünsche ich mir einen devoten Partner, einen Sub, einen, den ich ein bisschen triezen kann und dem genau das auch Freude bereitet... und so ist mein Mann nun mal einfach nicht. Zwar durfte ich mich ein bisschen an ihm ausprobieren. Er hat seine Einwilligung dazu erteilt, es geschieht da also nichts gegen seinen erklärten Willen. Nur spüre ich auf meine Avancen bei ihm nichts, das sich auch nur entfernt wie eine positive Rückkopplung anfühlt. Es kommt nur "close your eyes and think of England" bei mir an - und daraus schöpfe ich dann selber auch keine Lust, es macht mich einfach nur traurig und so mag ich dann auch nicht weitermachen und gebe ihm stattdessen lieber wieder einen Blowjob aus.

Nachdem er 10 Jahre lang Verzicht geübt hat, bin ich jetzt auf einmal diejenige, die etwas vermisst. Und im Moment ziemlich ratlos.

---

Wie geht es Euch mit solchen "Think of England" Situationen?
(Ob vanilla, kinky oder sonstwas, spielt keine Rolle)

LG Svalbard
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Fiammetta





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 02.02.2007
Beiträge: 1040
Wohnort: Hamburg; Alter: 36
BeitragVerfasst am: Sa Feb 27, 2021 19:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Spitzbergen (dein Nick gefällt mir),
ich antworte einfach mal, obwohl ich nicht viel Kluges zu sagen habe.
An deinem Beitrag ist mir eines ins Auge gesprungen:
Zitat:
Ich schlug ihm vor, dass er von mir aus mit jemand anderem Sex haben könnte, wenn er das wollte, und das war ernst gemeint. Aber davon wollte er überhaupt nichts wissen. Er ist nicht der Typ dafür, er will das nicht, basta.

Zitat:
Aber in meinen Fantasien wünsche ich mir einen devoten Partner, einen Sub, einen, den ich ein bisschen triezen kann und dem genau das auch Freude bereitet... und so ist mein Mann nun mal einfach nicht.

Da frage ich mich unwillkürlich: Könntest du dir denn vorstellen, diese Fantasien mit jemand anderem auszuleben, oder bist du dafür auch nicht der Typ?
Vielleicht hat die Situation ihr Gutes, da ihr in einer ähnlichen Lage seid und einander so besser verstehen könnt. Blöd ist es aber sicherlich trotzdem, wenn man der anderen Person gern etwas Gutes tun und sich gleichzeitig selbst treu bleiben möchte. Confused
Englische Anekdoten von mir: Ich habe vor Jahren mit allosexuellen (finde diesen Ausdruck besser als "sexuell") Typen was gehabt und mich bei ihnen manuell betätigt. Soweit ich mich erinnere, waren die jeweils dermaßen spitz, dass sie es nicht richtig mitbekamen / nicht wahrhaben wollten, dass es für mich eher eine mechanische Tätigkeit war. Es wurden jeweils keine langfristigen Beziehungen daraus, was aber in erster Linie an anderen Faktoren lag.
_________________
"Pour moi l’hétérosexualité n’est pas la norme, ce n'est qu'une majorité statistique."
(Peggy Sastre)
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Svalbard





Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 25.08.2018
Beiträge: 28
BeitragVerfasst am: Sa Feb 27, 2021 23:59    Titel: Antworten mit Zitat

Danke @Fiammetta.

Ich habe mir darüber ehrlich gesagt selber auch schon Gedanken gemacht. Für mich könnte ich mir so eine Lösung grundsätzlich vorstellen. Dass es sich nochmal ganz anders anfühlen kann, wenn man dann versucht, es zu leben, ist mir bewusst.

Dass ich überhaupt über so etwas nachdenke, ist neu und befremdlich. Bis vor kurzem hätten aushäusige Aktivitäten für mich keinerlei Sinn ergeben, es hätte keinen Grund gegeben, warum ich so etwas wollen sollte. Und jetzt sitze ich da und stelle mir solche Fragen...

Mit meinem Mann darüber zu sprechen, habe ich bis jetzt noch nicht gewagt. Es ist auch alles noch so frisch und unausgegoren... Aufgrund unserer Vorgeschichte sagt mir mein Bauchgefühl, dass er das eher nicht mitmachen würde und die Grenze des Zumutbaren für ihn damit wahrscheinlich überschritten ist. Zwar bin ich nicht aus Prinzip dazu gezwungen, mich auch für den Verzicht zu entscheiden, nur weil er das damals getan hat. Aber dass er so entschieden hat, spielt natürlich eine Rolle. Und ob es mir wert ist, unsere Beziehung zu opfern, das steht auf einem ganz anderen Blatt.

LG Svalbard
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