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Asexualität im Alltag

 
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Pandakyo





Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 10.10.2020
Beiträge: 4
BeitragVerfasst am: Sa Okt 10, 2020 9:27    Titel: Asexualität im Alltag Antworten mit Zitat

Ich möchte hier meine Gedanken niederschreiben, weil ich mich gerne mit jemanden unterhalten möchte, der versteht was ich meine.
Wahrscheinlich mach ich mir sowieso zu viel Gedanken um sowas, aber joah, so bin ich nun mal ^^

Jedenfalls letztens in der Arbeit sprach ich mit unserem Elektriker. Er ist schon ein älterer Herr und zuvor hatte ich nicht wirklich Kontakt mit ihm (man kennt sich vom sehen, aber so direkt gesprochen hab ich nicht mit ihm). Dann hatten wir eine Reklamation und ich musste mit ihm ein paar Themen besprechen.
Er war sehr nett und freundlich, hat sehr interessiert gewirkt, hat mir auch einige Dinge gezeigt, die ich gar nicht wussen musste und auch danach haben wir immer wieder ein paar Worte gewechselt, wenn wir uns zufällig über den Weg gelaufen sind.
Ich als asexueller (bzw. grey) denk mir nichts dabei, freu mich einfach über seine nette und freundliche Art. Dabei kam mir aber irgendwann der Gedanke, dass er vielleicht nur so nett und freundlich ist, weil ich eine Frau bin und er mich sexuell attraktiv findet.
Mir ist klar, dass man nicht alle über einen Kamm scheren sollte, aber so einige (meiner Erfahrung nach besonders alte) Männer sind schon Perverslinge, die nur an das eine denken.
Ich finde das irgendwie seltsam, dass man sein Denken und Handeln nur danach richtet.

Auch abseits dieser Begegnung fällt es mir immer nicht leicht mit sowas umzugehen. Es ist leider so, dass ich mich mit Männer um einiges besser verstehe als mit Frauen. Aber eben gerade bei Männern hab ich das Problem der 'Triebsteuerung' . Ich scherze gerne mit ihnen (auch mal perverse Themen) ect. und dennoch hab ich das Gefühl, dass ich ihnen gegenüber nicht ganz ich sein kann, weil das lästige Thema 'Sex' dazwischen herum hängt, auch wenn es nie zur Sprache kommt.
Zudem reagieren die meisten sowieso abwertend, wenn man ihnen sagt, dass man asexuell ist. Da fallen dann Sprüche wie "Dann hattest du noch nie richtigen Sex" oder "Du bist nicht asexuell, du hast nur keinen Bock" ect. ect. (Greysexuell verstehen sie schon gar nicht).
Kann auch sein, dass ich durch dieses ständige Verstecken meiner eigentlich sexualität ich mir innerlich einen derartigen Druck mache, dass das auch wieder schlecht ist.

Joah, ich hoffe ihr versteht was ich meine.
Wie sind eure Gedanken dazu? Erlebt ihr auch sowas oder mach ich mir da tatsächlich zuviele Gedanken darum?
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Nesco





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 16.02.2012
Beiträge: 282
Wohnort: Essen
BeitragVerfasst am: Sa Okt 10, 2020 10:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Pandakyo,

die gesellschaftliche Vorstellung, wie Menschen sich verhalten und warum ist stark durch heterosexuelle Vorstellungen geprägt. Da nicht offen über das Thema geredet wird ist es schwierig einzuschätzen.

Ich persönlich geh erst mal davon aus, dass der größere Teil nett ist als Persönlichkeitsmerkmal und nicht aus sexueller Absicht. Denke nur, dass mehr Sichtbarkeit und offene Gespräch dieses Gefüge auf Dauer angenehmer gestalten können.

Es ist schade, dass du so viele ACE-Feindlichkeit erlebt hast, dass du das Gefühl hast nicht du selbst sein zu dürfen.
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Stammtisch immer am 2.ten Samstag des Monat,
Absprache unter Kontakte->Stamtisch->Stammtisch im Raum Dinslaken, Oberhausen, Duisburg, Essen??
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Solitär





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 07.10.2012
Beiträge: 161
BeitragVerfasst am: Sa Okt 10, 2020 11:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo pandakyo!
Ich fand deine gedanken sehr interessant.
Es sit schade, dass du durch die vielen abwertenden Kommentare so schlechte Erwartungen über die Meinungen bzw. das Verhalten anderer Menschen (Männer) hast.
Ich kenne diesen Elektriker nicht, aber zwischen "einfach nur nett und freundlich" und "Perversling" liegt ja doch ein weites Feld. Vielelicht unterhält er sich einfach gerne mit dir, vielelicht findet er dich sympathisch, und vielleicht findet er dich sogar attraktiv.
Du hast Recht, viele Männer denken nur an Sex, aber viele eben auch nicht.
Nicht jeder, der freundlichi mit dir spricht will gleich mit dir ins Bett.
_________________
Was weiß ich? Wir wissen wenig voneinander. Wir sind Dickhäuter, wir strecken die Hände nacheinander aus, aber es ist vergebliche Mühe, wir reiben nur das grobe Leder aneinander, wir sind sehr einsam. (Büchner, Dantons Tod)
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Tamrin




Alter: 39
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.09.2020
Beiträge: 77
Wohnort: Thüringen
BeitragVerfasst am: Sa Okt 10, 2020 15:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Pandakyo!

Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen. Seit ich um Asexualität und den Fakt weiß, dass viele Menschen irgendeine ominöse sexuelle Anziehung spüren, habe ich das Gefühl mich vor Männern "in Acht nehmen" zu müssen.

Vielleicht zwei Beispiele aus meinem Leben, die verdeutlichen, wie naiv ich früher an derartige Dinge herangegangen bin und dass hinter freundlichen Gesprächen sexuelle Interessen stehen können, aber nicht müssen.

Zum Ende meines Studiums hin hatte ich mit einem kurz vor der Pension stehenden Kollegen zu tun, der sehr viel seiner Zeit investiert hat, um mir fachlich weiterzuhelfen und, da wir auch z.T. lange gemeinsame Fahrten unternehmen mussten, haben wir uns auch über private Dinge ausgetauscht. Ich hatte damals das Gefühl, dass wir irgendwie seelenverwandt waren, völlig auf einer Wellenlänge, weil er alles was ich sagte genauso verstand, wie ich es meinte. So geht es mir normaler weise nur mit meinem Bruder. Ein ähnlich stark freundschaftliches Gefühl hatte ich daher auch diesem Kollegen gegenüber und habe gern etwas mit ihm unternommen. Erst mein Freund brachte dann die Idee ins Spiel, dass er vielleicht was von mir wollte, woraufhin ich mich erstmal zurückgezogen und deutlich gemacht habe, dass ich in einer Beziehung lebe. Das fand der Kollege nicht schlimm und versicherte, dass er nur mit mir in Verbindung sein wollte, weil er mich einfach mochte. Ich weiß bis heute nicht, ob das stimmte (wovon ich dann ausgegangen bin), oder ob er mehr empfand, denn leider ist er zwei Wochen, nachdem wir unsere erste und seit langer Zeit geplante Ganztagswanderung unternommen hatten, an einem Herzinfarkt gestorben. Ich denke auch heute noch ab und zu an ihn, weil mir so ein freundlicher, mir zugewandter Mensch, der mich so total versteht und meine Meinung zu vielen Dingen teilte, nie wieder begegnet ist. Er war es auch, der mir eindringlich riet, die Lebenszeit nicht in die Arbeit, sondern in Familie und Kinder zu investieren. Er war zwar verheiratet und hatte ein Kind, aber war mehr auf Arbeit als daheim und bereute das im Alter. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ihm damals zu Unrecht sexuelle Absichten unterstellt habe.

Mein zweites Beispiel stammt auch aus dem Arbeitsumfeld. Da fuhr ich zufällig mit einem neuen Kollegen der auch um die 30 Jahre alt war, mit dem ich bisher noch kein Wort gewechselt hatte, mit der Bahn zurück zur Arbeitsstelle und – warum auch immer – erzählte er mir ausführlich von der vor wenigen Monaten erfolgten Zwillingsfrühgeburt seiner Ehefrau, die den schlimmst möglichen Ausgang genommen hatte. Das war ein sehr intimes Gespräch, wie ich fand und ich hätte erwartet, dass es die Basis für weiteren Smalltalk auf Arbeit sein könnte. Aber Tage später, als er mir auf dem Flur entgegenkam, grüßte er nicht mal richtig und ich merkte deutlich, dass er nichts mit mir zu tun haben will. Das fand ich verwunderlich, hab’s aber abgehakt. Er kam mir allerdings öfter im Flur entgegen und ging immer zu einer Kollegin ins Zimmer, mit der er fachlich überhaupt nichts zu tun hatte. Ich musste dann erst von anderen Kollegen aufgeklärt werden, dass zwischen den beiden vermutlich was läuft. Mal abgesehen davon, dass ich darüber zutiefst entsetzt war, erschloss sich mir dann auch, dass sein freundlich intimes Gespräch mit mir wohl eine Art Anmachstrategie gewesen ist und da ich nicht angebissen habe (weil ich den Köder ja gar nicht als solchen erkannt hatte), hat er mich später links liegen lassen und seine Angel anderweitig ausgeworfen.

In meinem beruflichen Umfeld gab es immer viel mehr Männer als Frauen und ich hatte kein Problem mit ihnen zu sprechen und freundlich zu sein und sie waren es auch. Seit ich aber weiß, dass es sein kann, dass da etwas mitschwingt, wovon ich keine Ahnung habe, denke ich auch manchmal zu weit… ich finde das auch schade, weil ich gern ungezwungen mit den Männern reden würde, ohne immer denken zu müssen, redet er vielleicht nur nett mit mir, weil er mich attraktiv findet? Zum Glück werde ich ja immer älter und muss mir bald keine Sorgen mehr darüber machen.
_________________
Du allein hast die Kraft tief in Dir.
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Pandakyo





Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 10.10.2020
Beiträge: 4
BeitragVerfasst am: So Okt 11, 2020 15:26    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für die vielen Antworten.

@Tamrin, schön, dass du deine Erfahrungen teilst und genauso wie du denke ich auch. Dieses 'auf der Hut sein' die ganze Zeit finde ich extremst nervig.


Ich hoffe mal, dass er tatsächlich nur nett ist. Und ja, zwischen nett und Perversling liegt ein unterschied. Aber manchmal sind die Grenzen da verschwindennd gering. Konnte ich gut an meinem ehemaligen Arbeitskollegen sehen. Ein ziemlicher rassist und sexist. Mich ist er da nicht angegangen - vermutlich, weil ich auch nicht die 'typische' Frau war in seinen Augen.
Zb hat er uns einmal erzählt, dass sein Sohn ihn mal gefragt hat, ob es weibliche Hubscrauber Piloten beim Militär gäbe und er hat geanwortet, dass er nicht glaubt dass es welche gibt und dann hat ihn sein Sohn gefragt warum es überhaupt Frauen beim Militär gibt und dann hat er geantwortet, dass er ihm das erzählt, wenn er erwachsen ist mit nem dämlichen Grinsen dabei......-.-
Aber auf der anderen Seite konnte man ihn immer um hilfe bitten und er hat auch immer geholfen oder hat einem sogar Rat gegeben, ohne dass man ihn darum gebeten hatte. Er hat mir zb auch geraten mehr Gehalt zu fordern und hat mir sogar rat gegeben, wie ich es am besten machen. Ich hab es auch getan und hab tatsächlich dann mehr Gehalt bekommen.
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