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Definitionen, Unbestimmtheit & Sex als andauerndes Politikum

 
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zuckerhaus1234





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 30.09.2020
Beiträge: 2
BeitragVerfasst am: Mi Sep 30, 2020 16:39    Titel: Definitionen, Unbestimmtheit & Sex als andauerndes Polit Antworten mit Zitat

Hallo allerseits,

ich bin gerade in großer Verzweiflung hier gelandet, weil ich auf einer Konferenz (mal wieder) eine Debatte um Queer Studies verfolgt habe. Oft habe ich ohnehin als weiße (*eher heterosexuelle?) *Frau nicht wirklich das Gefühl da mitreden zu können, obwohl ich glaube, man muss sich heutzutage in den Geisteswissenschaften in den Queer Studies positionieren, sonst wird man eher der Politischen Neutralität oder des Apolitischen bezichtigt.

Heute wurde aber wieder (so wie eigentlich immer) der Begriff des Queer verwendet, um über ganz andere Themen (primär nicht-sexualisierter Natur) zu diskutieren: Über die Unilehre als entpolitisierter Spielraum und Seminare als Auseinandersetzungen mit der Verweigerung von Herrschaftsstrukturen im öffentlichen Raum.

Ich weiß, dass "queer" mittlerweile (zum Glück) ein großer Begriff ist, unter den man möglicherweise alles einordnen kann, das sich Binaritäten widersetzt - auch etwa Feminismus. Aber wenn es dann um konkrete Beispiele etwa zu "querer Didaktik" geht, fallen immer Begriffe wie "outen im Seminarraum" oder "cross-dressing im Klassenraum".

Das ist die Stelle, wo ich die Queeren Debatten immer verliere und merke, dass ich in irgendeiner Form ein asexualisiertes Denken in mir haben muss. Denn: Ich verstehe die Debatten dann nicht mehr, finde es banal und widerlich, dass alles auf den Schultern des (für mich absolut irrelevanten) Verhältnisses von Körpern zueinander ausgetragen wird. Ich weiß, dass Sexualität in der Welt eine große (die größte!) Rolle spielt und ich will die Relevanz auch gerade gesellschaftspolitisch nicht runterspielen. Aber ich frage mich an der Stelle einfach gleich mehrere Dinge, die insbesondere mit Asexualität zusammenhängen:

1. Ist man asexuell, wenn man sich mit der Relevanz, die Sexualität in gesellschaftspolitischen Diskussionen hat (und auch mit Binaritäten von Geschlecht) einfach so gar nicht identifizieren kann?
2. Ist man von diesen Diskussionen einfach nicht genug betroffen, oder warum sind sie mir (wenn ich mich hier mal als asexuell definiere) so egal?
3. Bin ich ein schlechterer Mensch, wenn ich die Welt versuche, grundlegend jenseits von Sexualität zu betrachten? (Sorry, das klingt polemisch, aber ich würde für mich tatsächlich sagen, dass weder Sex noch eine Geschlechtsdifferenz für mich je eine Rolle gespielt hat, ich lehne derartige Zuschreibungen sogar kategorisch ab)
4. Warum (zum Teufel!) braucht es (und hier meine ich auch die vielen Diskussionen in diesem Forum, die darum geführt werden, ob jemand asexuell ist oder nicht (oder gerade so, oder geradeso nicht) diese verschiedenen Kategorien wie Mann/Frau/Hetero/Homo/LGBTQAI, zu denen ich den Zwang verspüren muss, mich zuzuordnen? Kann ich nicht auch ein bisschen homo, ein bisschen hetero, und ein bisschen asexuell sein? Oder verspotte ich damit wieder Leute, die sich da genau zugehörig fühlen?
5. Wo ist der Platz in der Welt für ein wirklich asexuelles Denken?

Ich weiß, dass ich mir mit diesem Queer als Kategorie hinterfragenden Beitrag auch Feinde mache. Leider geht es mir gerade nach dieser Konferenz aber so mies, dass ich nicht weiß, wo ich meine Gedanken sonst unterbringen kann. Durch das Denken in Binaritäten, genauso wie das Denken in weiteren Kategorien fühle ich mich so wenig angesprochen, dass ich mich gerade einfach nur frage, ob ich a) zu blöd zum denken/leben bin und b) wer ich eigentlich überhaupt bin.

Ich hoffe, ich finde bei Euch Gleichgesinnte! Und würde mich von Herzen über Eure Hilfe freuen. <3
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zuckerhaus1234





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 30.09.2020
Beiträge: 2
BeitragVerfasst am: Mi Sep 30, 2020 16:49    Titel: Ergänzung Antworten mit Zitat

...vielleicht kann ich noch dazu ergänzen:

Als ich angefangen habe, darüber nachzudenken, ob ich asexuell sein könnte (ich habe nur ganz, ganz selten wirklich ein sexuelles Verlangen, fühle mich von Sexualität überrumpelt(oft angeekelt, finde sie unnötig primitiv) und betrachte sie eher als "Muss" und "Arbeit". Andererseits finde ich Frauen und Männer gleichermaßen attraktiv und genieße Gemeinsamkeit und körperliche Nähe sehr), habe ich Stichworte wie "keine Lust auf Sex" oder "bin ich asexuell?" gegooglet und was ich gefunden habe hat mich schockiert.

Ratschläge wie "wie Sie ihre Sexualität wiederfinden" oder "Tipps für ein gutes Sexleben" haben mich dabei so sehr befremdet, weil mir klar wurde, dass es gefühlt keinen "Normalzustand" von Asexualität gibt, sondern das immer als eine "Krankheit", als ein "Mangel" angesehen wurde.

Seitdem beschäftige ich mich auch mit queerem Denken, konnte mich aber überall dort nicht wiederfinden. Denn für mich spielt Sexualität einfach keine Rolle - weder identitäts- noch gesellschaftspolitisch.

Am schlimmsten finde ich diese Skalen und Messinstrumente, die glauben bestimmen zu können, ob man nun asexuell oder oder oder ist. Die finde ich nun aber auch in diesem Forum. Scheinbar tut es Menschen gut für sich zu erkennen, dass sie asexuell (oder Co) sind. Das kann ich auch gut verstehen.

Mich macht aber dieser Klassifizierungswahn ziemlich, ziemlich fertig...
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Nina_R




Alter: 48
Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 28.09.2020
Beiträge: 41
Wohnort: Aachen
BeitragVerfasst am: Mi Sep 30, 2020 19:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zuckerhaus,

leider kann ich dir aus meiner Position nicht die Antwort einer Integrierten geben, denn ich stehe ähnlich wie du ständig zwischen den Fronten. Ich bin auch erst vorgestern hier dazugestoßen, habe aber recht schnell gemerkt, dass das Forum, das es doch schon ein paar Jahre zu geben scheint, von anfänglich relativer Offenheit auf einen Konsens geeinigt zu haben scheint, dass asexuell nur jemand ist, der aus welcher Lebenssituation auch immer für sich behaupten will, dass er nie und nimmer Sex haben wird oder ein generell negatives Verhältnis zum eigenen Körper hat.

Ich kann und will das für mich nicht behaupten, obwohl ich seit knapp 25 Jahren keinen Sex mehr hatte und noch nie einen Menschen wirklich körperlich begehrt habe (ich war in meiner Jugend noch auf der Suche und bin gemäß meiner Veranlagung vor dem "Feind" nicht geflohen, sondern laut schreiend auf ihn zugerannt, sprich, ich habe einiges ausprobiert, in der Annahme, dass es irgendwann mal zündet - bis ich es dann mit 25 aufgegeben habe).
Trotz alledem will ich für mich nicht behaupten, dass ich Sex hasse oder prinzipiell ablehne oder nie wieder haben werde. Es ist eher vergleichbar mit einem exotischen Restaurant am anderen Ende der Stadt, in das man vielleicht mal gehen wird, wenn es sich ergibt und man sich aufraffen kann. Es ist da, aber es reizt nicht allzu sehr. Weil aber jeder davon schwärmt, denkt man doch immer wieder mal daran.

Ähnlich wie dir geht es mir mit der Übersexualisierung der Gesellschaft. Ich definiere mich auch als queer bzw nicht-binär, im Sinne von: ich kann die von der Mehrheit vertretenen Meinungen, was Mann oder Frau zu sein, zu denken und zu fühlen hat, nicht teilen. Im Gegensatz zu Transsexuellen habe ich kein großes Problem mit meinem weiblichen Körper, er ist halt da, und ich kann - vermutlich aus Gewohnheit - auch mit dem grammatischen Geschlecht leben. Da, wo es bei mir dann kritisch wird, sind die gesellschaftlichen Zwänge, im Sinne von "Du als Frau musst doch ..." Nein, muss ich nicht. Ich denke nicht mit den Eierstöcken, ich fühle nicht mit den Milchdrüsen. Da werde ich dann mitunter auch ungehalten, wenn mir so platte Geschlechterrollendenke entgegengehalten wird, und das ist auch der EINZIGE Grund, warum ich mich als queer/nonbinär bezeichne. Hätten wir eine Gesellschaft, in der jeder zuallererst als Mensch, anschließend als Individuum und irgendwo viel weiter hinten als Mann, Frau oder Inter angesehen wird, dann hätte ich mit meiner Weiblichkeit vermutlich null Problem.

Sex interessiert die meisten Menschen wesentlich mehr als mich, gleichzeitig sind sie auch wesentlich gehemmter. Ich habe absolut keinerlei Hemmungen, über welches Thema auch immer zu reden, und ich nehme an, es liegt daran, dass es mich nicht tangiert. Ich habe zwar kein Bedürfnis, über Sex oder Geschlechtsteile oder den ganzen Schmarren zu reden, wenn das Gespräch aber darauf kommt, ist es für mich nicht anders, als würde ich über Gesichter oder Haare oder Erbsensuppe reden. Da werden andere dann mitunter rot und verschämt, was ich mal darauf zurückführe, dass sie der Gedanke an Geschlechtsteile vielleicht erregt. Mich erregt es nicht, ebensowenig wie Erbsensuppe. Und ich würde mir manchmal wünschen, jeder Film, in dem eine inhaltlich völlig irrelevante Sexszene vorkommt, wäre dazu verpflichtet, auch eine Klogang-Szene einzubauen, denn wenn Sex etwas so Dazugehöriges zum Leben ist, dass er überall gezeigt werden muss, dann ist das der Stoffwechsel allemal auch!

Um nach langem Blabla aber auf das zurückzukommen, was du angesprochen hast: Ich finde auch, dass sich die gesamte Szene viel zu sehr auf den Sex einerseits, aber auch auf exakte Definitionen und Abgrenzungen versteift. Da haben die Heteros einen Vorteil, die müssen sich nicht ständig von einander abgrenzen, obwohl ich wetten möchte, dass die in ihren Vorlieben genauso zerfasert und vielgestaltig sind, wie sämtliche übrigen LGTBQIA-Vertreter.

Einerseits geht mir das Über-Thema Sex fürchterlich auf die Nerven, andererseits will ich mich dann aber auch nicht stillschweigend in irgendeine Schublade drängen lassen und mir eine Haltung aufzwängen lassen, nur um einem weiteren Klischee zu entsprechen.
Wie ich damit am besten umgehen soll, habe ich auch nach fast 50 Jahren noch nicht herausgefunden.
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Maz
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Alter: 43
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 14294
BeitragVerfasst am: Do Okt 01, 2020 8:50    Titel: Antworten mit Zitat

zuckerhaus1234 hat folgendes geschrieben:

Oft habe ich ohnehin als weiße (*eher heterosexuelle?) *Frau nicht wirklich das Gefühl da mitreden zu können, obwohl ich glaube, man muss sich heutzutage in den Geisteswissenschaften in den Queer Studies positionieren, sonst wird man eher der Politischen Neutralität oder des Apolitischen bezichtigt.


Tja das nennt man auch Extremismus. In meiner Generation oder zumindest meinem Umfeld war es in der Jugend eher positiv belegt apolitsch zu sein und wie ich zunehmend sehe ist das auch gut so. Es gibt keinen besseren Schutz gegen Radikalisierung als sich nicht für diese Pseudodebatten zu interessieren. Von "Geisteswissenschaften", die sich an den Gender Studies ausrichten, würde ich mich fernhalten. Sie scheinen von einer Art von "Kindergatenlinksextremismus" mittlerweile komplett absorbiert worden zu sein. Vielleicht liegt das daran, dass sie die Debatten der USA nahezu unreflektiert spiegeln und da die USA in den letzten Jahren ja leider immer stärker in Richtung Extremismus und 2-Lager-Denken abgedriftet sind vollzieht sich auch hier eine entsprechende Entwicklung.

zuckerhaus1234 hat folgendes geschrieben:

Kann ich nicht auch ein bisschen homo, ein bisschen hetero, und ein bisschen asexuell sein?


Klingt schlicht nach biromantisch. Man kann es auch komplizierter machen als es ist Wink

Nina_R hat folgendes geschrieben:

Ich definiere mich auch als queer bzw nicht-binär, im Sinne von: ich kann die von der Mehrheit vertretenen Meinungen, was Mann oder Frau zu sein, zu denken und zu fühlen hat, nicht teilen.


Also wenn das der Maßstab für "nicht binär" ist bin ich wirklich erstaunt wie man deswegen gleich auf die Idee kommen kann sich einem anderen bzw. keinem Geschlecht zuzuordnen. Das ist doch nichts weiter als eine Frage persönlicher Einstellungen und allgemeiner Persönlichkeitsmerkmale. Natürlich ist die individuelle Bandbreite wie Menschen empfinden innerhalb eines Geschlechts (nahezu) so groß wie zwischen den Geschlechtern.

p.s. die Sache mit der Übersexualisierung und Rollenzuschreibungen war gerade in der Anfangszeit hier häufig ein Thema. Damals ging es oft darum darauf hinzuweisen, daß Asexuelle eigentlich gar kein Problem mit der Übersexualisierung haben, da ihnen ja schlicht die Bedürfnisse fehlen. Das ist zwar eine Perspektive, die ich nicht vertreten würde, da man natürlich unter der Sexualisierung der Gesellschaft leiden kann. Daß der Faktor Übersexualisierung und Rollenzuschreibung aber mittlerweile für einige Menschen so extrem geworden zu sein scheint, daß sie sogar ihr eigenes Geschlecht ablehnen, ist dann doch eine erschreckende Entwicklung.
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dewayne




Alter: 32
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 29.04.2020
Beiträge: 47
BeitragVerfasst am: Do Okt 01, 2020 10:18    Titel: Antworten mit Zitat

@Nina_R

Ich finde es auch erschreckend welche Wichtigkeit Sex in der Gesellschaft hat und wie übersexualisiert alles ist. So viele Filme könnten wirklich ohne Sexszene auskommen aber irgendwie muss zwingend ständig eine Sexszene eingebaut werden obwohl sie die Handlung nicht besser macht und es oft auch nichts mit der Handlung zu tun. Leider wird einem auch oft eingeredet, dass man doch etwas verpasst wenn man kein Sex hat und das die schönste Nebensache der Welt ist und etc. In Flirtportalen in Foren fand ich es auch erschreckend welche Bedeutung der Sex hatte und viele zwar meinten, dass der Sex nicht das allerwichtigste ist aber an 3. , 4. oder 5. Stelle wäre es dann doch gekommen was die wichtigsten Dinge in einer Partnerschaft angeht und bei mir wäre es wohl nicht mal an 30. Stelle gekommen. Das verwundert die Leute immer wieder Rolling Eyes Unter Freunden mache ich bestimmt auch mal den ein oder anderen Witz oder Spruch, der etwas mit Sex zu tun hat aber ihn selbst zu haben das reizt mich einfach gar nicht.
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Nina_R




Alter: 48
Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 28.09.2020
Beiträge: 41
Wohnort: Aachen
BeitragVerfasst am: Do Okt 01, 2020 15:07    Titel: Antworten mit Zitat

@ Maz:

Okay, die Langversion wollte ich eigentlich allen ersparen.
Ich habe seit meinem 3. Lebensjahr (so weit kann ich mich zurück erinnern) ein Problem mit meiner Geschlechtsidentität. Bis zum ca. 10. LJ hatte ich das Geschlecht gewechselt, wollte als Junge angesprochen werden und habe auch primär mit Jungs gespielt oder mit Mädchen, die sich nicht für "Mädchen-Zeugs" interessierten.
In meinen Teenager-Jahren habe ich dann versucht, mir eine weibliche Identität anzuzwingen, weil sozialer Druck und ich auch selbst nichts Besseres mit mir anzufangen wusste. Ich hatte meine ersten sexuellen Erfahrungen, war nie verliebt und habe mich gefragt, was bei mir falsch läuft.
In meinen 20ern bin ich dann erstmals durch Kontakt mit der LGBT-Szene auf die Idee gekommen, dass ich trans sein könnte. Dort wurde mir aber klipp und klar mitgeteilt, dass man ausschließlich das jeweils andere Geschlecht sein wollen muss, irgendwas dazwischen gebe es nicht.
Der Begriff "queer" oder "non-binär" hat zumindest im Wien der 80er und frühen 90er nicht existiert oder wurde von der Szene negiert.

Tatsächlich geht es bei beidem primär um soziale Geschlechterrollen, weniger um die Biologie. Und genau das hatte ich beschrieben.
Ich habe kein Problem mit meinem weiblichen Körper, weil er genauso falsch an mir klebt, wie das ein männlicher täte, daher bin ich auch nicht trans. Ich bin irgendwo dazwischen und schließe auch nicht aus, dass dieses Gefühl bei mir hormonell beeinflusst ist, denn meine weiblichen Organe haben noch nie so richtig funktioniert, wie sie sollten, weshalb ich auch Zeit meines Lebens Hormone nehmen muss (da andernfalls Dauerblutungen oder Krampfanfälle).

Die Hormone könnten sogar meine Libido beeinflussen, keine Ahnung, aber sie beeinflussen garantiert nicht meine Fähigkeit zur Romantik. Als jemand, der im biochemischen Bereich tätig ist, weiß ich von der Macht der Hormone, und wie ich schon schrieb, ich schließe prinzipiell nichts völlig aus. Es kann sein, dass meine eigene hormonelle Fehlfunktion meine Sexualität beeinflusst.
Garantiert jedoch nicht meine Gefühle. Aromantisch bin ich also mit ziemlicher Sicherheit von Natur aus, und meine Geschlechtsidentität bzw. Probleme damit datieren lange vor der Pubertät, haben also auch nichts mit Hormonen zu tun.

Wenn du immer noch der Meinung bist, dass fast 50 Jahre Kampf mit der eigenen Identität immer noch ein trivialer Grund sind, sich als queer zu bezeichnen, okay, ich bleibe dennoch dabei.
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Maz
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Alter: 43
Sexualität: keine Angabe
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Beiträge: 14294
BeitragVerfasst am: Do Okt 01, 2020 16:29    Titel: Antworten mit Zitat

Nina_R hat folgendes geschrieben:

In meinen Teenager-Jahren habe ich dann versucht, mir eine weibliche Identität anzuzwingen, weil sozialer Druck und ich auch selbst nichts Besseres mit mir anzufangen wusste.


Ok das erklärt natürlich einiges. Mir ist im Forum schon öfter aufgefallen, daß Menschen mit (vereinfacht gesagt) Problemen in dem Bereich häufig Geschlecht und Rolle als Einheit zu betrachten scheinen (bzw. gleichsetzen) was "Normalos" nicht so erleben, da für sie das Gefühl ein Geschlecht zu haben unabhängig von eingenommenen Rollen existiert. Kann natürlich sein, dass dieser Konflikt mit der sozialen Umwelt dann gerade aus solchen Versuche sich ein Identität quasi mit Gewalt zuzulegen bzw. den externen Druck das zu tun resultiert.

Nina_R hat folgendes geschrieben:

Wenn du immer noch der Meinung bist, dass fast 50 Jahre Kampf mit der eigenen Identität immer noch ein trivialer Grund sind, sich als queer zu bezeichnen, okay, ich bleibe dennoch dabei.


Ich hatte nur geschrieben, daß nicht mit (gemeint waren stereotype) Meinungen wie man zu sein hat übereinzustimmen kein Grund dafür ist. Das was du aber nun beschrieben hast klingt doch sehr anders.
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Nina_R




Alter: 48
Sexualität: Graubereich
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Beiträge: 41
Wohnort: Aachen
BeitragVerfasst am: Do Okt 01, 2020 16:58    Titel: Antworten mit Zitat

Maz hat folgendes geschrieben:

Ich hatte nur geschrieben, daß nicht mit (gemeint waren stereotype) Meinungen wie man zu sein hat übereinzustimmen kein Grund dafür ist. Das was du aber nun beschrieben hast klingt doch sehr anders.


Ja, meine Äußerung war anfangs ein wenig verkürzt.

Ich habe im Laufe der Jahre versucht, mich in fast alle Köpfe zu setzen, auch die Rolle "Ich bin meine eigene Frau, ich lasse mir keine Rolle zuweisen". Das klang sehr verführerisch, individuell und selbstbewusst. Dennoch hakte es dann immer an dem Wörtchen "Frau".

Ich kann selbst nicht sagen, was genau es ist, was mir daran das Gefühl versetzt, gegen den Strich gebürstet zu werden. Um wieder mit einem meiner beliebten Vergleiche zu kommen: Stell dir vor, du wärst so wie du bist in einer Welt, in der es nur Elefanten und Esel gibt, aber keiner sieht dir an, dass du weder noch bist. Wenn man dich fragt "Bist du ein Elefant?" oder "Bist du ein Esel?" würdest du auf beide Fragen "Nein" antworten, aber weil es für dich keine sonstige Einordnung gibt, nimmst du halt die Rolle an, die dir optisch am nächsten kommt. Du BIST es aber nicht.

Das ist ein diffuses Gefühl, das ich nicht weiter erklären kann, ich weiß nur, dass ich es schon als Kleinkind hatte.

Aber ich will den Thread hier nicht in eine falsche Richtung lenken, hier geht es nicht um Geschlechteridentität.
Ich denke aber doch, dass das in meinem Fall mit in die Asexualität hineinspielt.
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