Forum für Asexualität Foren-Übersicht

Forenregeln | Hauptseite
 

wieso kommen welche darauf, vielleicht homosexuell zu sein?

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Forum für Asexualität Foren-Übersicht -> Gedanken
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Amazonia





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 03.07.2019
Beiträge: 89
BeitragVerfasst am: So Apr 19, 2020 15:58    Titel: wieso kommen welche darauf, vielleicht homosexuell zu sein? Antworten mit Zitat

...wenn ihnen auffällt, dass sie geschlechtlichen Verkehr mit den gegengeschlechtlichen Partnern, die sie bisher hatten, nicht wollten?

Homosexualität äußert sich doch darüber, jemanden vom eigenen Geschlecht in sexueller oder romantischer Weise attraktiv zu finden. und so lange das noch nie vorgekommen ist, verstehe ich nicht, wie man daraus, dass man Sex noch nie wollte, darauf schließen könnte homosexuell zu sein...
Nach oben
          
Fichte
Admin auf Aven-Partner.de




Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 27.06.2012
Beiträge: 505
BeitragVerfasst am: So Apr 19, 2020 16:55    Titel: Antworten mit Zitat

Weiß zwar nicht, wie es bei anderen ist, aber bei mir war es gewissermaßen ein "Missverständnis". Ich hatte in meiner Jugend den Begriff "lesbisch" im Zusammenhang mit der Fernsehserie "Xena" zum ersten Mal gehört, und da Xena & Gabrielle in der Serie keinen Sex miteinander haben (und auch keine Zungenküsse), dachte ich, lesbisch würde "nur" bedeuten, nicht das "klassische" Beziehungsmodell "Frau und Mann heiraten und bekommen Kinder" zu wollen. Dass ich keine Kinder will, wusste ich schon im Kindergartenalter, von daher erschien mir die Idee, mir ein Mädel wie mich zu suchen und dann mit ihr mein Leben zu verbringen, ohne jemals Kinder aufzuziehen, passend. Aber dass "lesbisch" bedeutet, Sex mit einer Frau zu wollen, hab ich erst später kapiert, als eine Lesbe Sex mit mir wollte und ich dachte: "Was soll denn das?!" Da war ich dann erst mal verwirrt, aber hatte schon das Glück, dass es Internet gab, wo ich dann recherchierte, ob es nicht auch Leute gibt, die überhaupt kein Interesse an Sex haben, und den Begriff "Asexualität" fand. Bloß dass ich mich damals mit 15 noch nicht festlegen wollte, sondern dachte, ich warte erst mal ab. Mit Mitte 20 meldete ich mich dann hier an, weil ich zu dem Zeitpunkt noch immer keine Lust auf Sex hatte; und mittlerweile gehe ich auf Mitte 30 zu und hab immer noch keine Lust auf Sex.

Dass es sowas wie "romantische Gefühle" geben soll, hatte ich damals auch nicht auf dem Schirm. Da dachte ich eigentlich nur: "Kuscheln mit Menschen ohne Bart kratzt nicht so sehr wie Kuscheln mit bärtigen Menschen. Obendrein kann man von einer biologischen Frau nicht versehentlich beim Kuscheln schwanger werden, also ist mir eine Frau als Partnerin lieber." Mr. Green
Aber auch heutzutage hab ich noch keine Ahnung von eigenen romantischen Gefühlen. Wenn man jemanden so interessant findet wie ein neues interessantes Computerspiel, das man fast jeden Tag ein bisschen weiterspielen will, weil es einem Spaß macht, so ist das ja anscheinend weder Verliebtheit noch Romantik. am Kopf kratzen Aber aus meinem Mund wäre es ein großes Kompliment, wenn ich jemandem sagen würde: "Ich finde dich so interessant wie die Tomb Raider Reihe." Mr. Green (Das einzige Kompliment aus meinem Mund, das noch größer ist, wäre: "Ich finde dich so sympathisch wie meine Oma." Intensivere Gefühle als für meine Oma hatte ich noch nie.)
Nach oben
          
warmherzig





Sexualität: Sexuell
Anmeldungsdatum: 03.03.2020
Beiträge: 30
BeitragVerfasst am: So Apr 19, 2020 23:23    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe letzten Mont einen 36-jährigen Polen kennengelernt, der erst mit Mitte 20 festgestellt hat, dass er schwul ist.

Ich habe ihn nicht gefragt, was er vorher gemacht hat, aber ich kann mir schon vorstellen, dass manche Menschen oder eben vor allen Dingen Männer, Probleme haben, festzustellen, was ihn ihnen vorgeht, weil sie sich nicht erlauben können, sich in alle Ideen reinzufühlen. Und dann denken sie vielleicht, dass sie homosexuell sein könnten, erlauben sich aber erst nach langer Zeit wirklich diesen Gedanken zuzulassen und sich erotische Erlebnisse vorzustellen, bis sie dann merken, dass das nichts mit ihnen macht.

Und da eben die meisten Menschen nicht asexuell sind und es schätzungsweise mehr homosexuelle Menschen gibt, denken die meisten eben, dass sie eventuell in dieses Spektrum fallen könnten. Beziehungsweise, es gibt wohl tatsächlich immer noch recht viele Menschen, die sich überhaupt gar nicht darüber bewusst sind, dass es Asexualität gibt, wenn jemand also denkt, dass jeder in irgendeine Art der Sexualität fällt, dann ist es doch fast nur logisch, dass man zuerst mal da sucht. Oder wie seht ihr das?
Nach oben
          
Amazonia





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 03.07.2019
Beiträge: 89
BeitragVerfasst am: Mo Apr 20, 2020 7:09    Titel: Antworten mit Zitat

wenn ich etwas nicht mag, nehme ich nur zur Kenntnis, dass ich das halt nicht mag und frage mich gar nicht, ob ich etwas stattdessen mögen könnte oder was das sein könnte oder in was für eine Schublade ich deswegen passen könnte

aber stimmt, andere könnten sich daraufhin solche Fragen stellen. darauf bin ich gar nicht gekommen Smile

ich denke, wenn mir etwas positive Gefühle auslöst, werde ich das schon erleben
Nach oben
          
Sieben
ADMod Team



Alter: 61
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 10.11.2005
Beiträge: 559
Wohnort: Schweiz
BeitragVerfasst am: Mo Apr 20, 2020 9:29    Titel: Antworten mit Zitat

Ich selber hatte nie die Idee, homosexuell zu sein. Ich verliebte mich ja in Männer, nicht in Frauen.

Mein Umfeld hingegen behauptet schon seit Jahrzehnten hartnäckig, ich sei lesbisch: "Die hat keinen Partner, und ist trotzdem zufrieden. Also hat sie eine Partnerin. Ist doch logisch, geht nicht anders." So ihre Begründungen.
Kommt dazu, dass ich der Vorstellung, woran man eine Lesbe äusserlich erkenne, in einigen Punkten entspreche:
kurze Haare, keine Schminke, keinen Schmuck, Hosen statt Röcke, sportlich, guter Beruf. (Diese "Erkennungsmerkmale" wurden etwa 1980 tatsächlich in einer Schweizer Familienzeitschrift aufgelistet.)

Das Gerücht, ich sei lesbisch, entstand und hält sich in verschiedenen Kreisen, unabhängig voneinander: in Sportvereinen, in der entfernteren Verwandtschaft, im Berufsumfeld. Am Arbeitsplatz artete dieses Gerücht und das damit zusammenhängende Mobbing derart aus, dass ich nach vielen Jahren aufgab. Ich war Sportlehrerin für Mädchenturnen, und so erfanden die Leute Gerüchte, wonach ich den Beruf nur deshalb gewählt hätte, um den Girls nahe zu kommen. So wurde mir teilweise gar unterstellt, pädophil zu sein.
Und das alles nur, weil ich als Frau über 40 keinen Partner hatte!

Dass diese alte zufriedene Lehrerin einfach nur asexuell sein könnte, das war (und ist immer noch) eben nicht bekannt: "Anständige Menschen sind hetero, ein paar schrille Gestalten sind homo, und ganz unanständige treiben es mit beiden Geschlechtern. Anderes gibt es nicht", so die Vorstellungen in diesem konservativen Dorf.
Und ja, auch ich kannte den Begriff "asexuell" lange nicht. Mir blieb auch nichts anderes übrig, als die Gerüchte und Vorwürfe zu von mir zu weisen, ohne genau erklären zu können.
Ich wusste, dass ich nicht lesbisch bin, und alle andern meinten zu wissen, dass ich lesbisch sei.

Das wird so lange so bleiben, bis Asexualität bekannt und akzeptiert ist.
Nach oben
          
warmherzig





Sexualität: Sexuell
Anmeldungsdatum: 03.03.2020
Beiträge: 30
BeitragVerfasst am: Mo Apr 20, 2020 15:55    Titel: Antworten mit Zitat

@Sieben:

Krass, so etwas Dämliches hätte ich nicht erwartet. Wenn ich nicht darauf kommen würde, dass eine Frau asexuell ist, würde ich eher daran denken, dass sie so schlechte, vielleicht sogar traumatisierende Erfahrungen mit Männern gemacht hat, dass für sie keine Beziehung mehr möglich ist. Das Leute auf so absurde Gedanken kommen können ohne einen Anhaltspunkt dafür zu haben.

Würde mich eigentlich wundern, wenn nicht einige einfach behaupten, sie wurden vergewaltigt. Die Wahrheit geht doch niemanden etwas an.
Gott, wie sich Menschen einfach immer wieder in alles einmischen.

Bei dem Wunsch, dass Asexualität akzeptiert wird, geht es ja wirklich nur um den Wunsch, dass die Gerüchteküche aufhört und keine Fragen von Angehörigen kommen. An und für sich einfach lächerlich, dass das nötig ist.
Shocked Shocked

Schweizer Familienzeitschrift von 1980... Ja, kann ich mir gut vorstellen.
Nach oben
          
Fichte
Admin auf Aven-Partner.de




Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 27.06.2012
Beiträge: 505
BeitragVerfasst am: Mo Mai 04, 2020 10:37    Titel: Antworten mit Zitat

Mit Verspätung will ich auch noch etwas zu dem Thema loswerden.

warmherzig hat folgendes geschrieben:
Würde mich eigentlich wundern, wenn nicht einige einfach behaupten, sie wurden vergewaltigt.
Glaub ich nicht, denn, wie du schon sagst, wird ja bei Leuten, die nicht klassisch heterosexuell sind, eh oft genug vermutet, dass sie missbraucht wurden oder anderweitig schlechte Erfahrungen gemacht haben.
Wobei ich über die Jahre in der Lesbenszene durch Zufall sogar zwei Frauen kennengelernt habe, die mir nach einer Weile offen sagten, dass sie eigentlich gar nicht lesbisch sind, aber nach einer Vergewaltigung keinen Sex mit Männern mehr haben können/wollen und daher notgedrungen Sex mit Frauen haben, weil ihnen Masturbation nicht reicht.

Ansonsten geb ich dir aber recht: Dass sogar heteroromantischen Asexuellen fälschlicherweise unterstellt wird, homosexuell zu sein, finde ich auch dämlich.

Und dass Asexuellen sogar Pädophilie unterstellt werden kann - da fehlen mir die Worte! Das ist ja filmreif!

Hattest du, Sieben, seither denn wenigstens Glück und einen passenden asexuellen Mann gefunden? Geht mich zwar nichts an, und ich bin eigentlich auch gar nicht der Typ, der Fremden einfach so Glück wünscht, aber irgendwie dachte ich beim Lesen deines Beitrags halt, dass es schön wäre, wenn du schon einen passenden asexuellen Mann gefunden hättest, bzw. dass es schön wäre, wenn du einen finden würdest, falls du noch keinen gefunden hast.
Nach oben
          
Lucy Lu





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 13.12.2019
Beiträge: 46
Wohnort: Schweiz
BeitragVerfasst am: Mi Mai 06, 2020 1:14    Titel: Antworten mit Zitat

@ Sieben
Kann ich gut nachvollziehen, bin 10 Jahre jünger als Du, und bin in einer Stadt aufgewachsen. Da hatte man schon die "Arschkarte" wenn man ein Scheidungskind war. Und wenn die Mutter noch einen eleganten Kleiderstil mit Minirock und Pumps Schuhe hatte, dazu noch ein Freund mit Porsche bekam man die doppelte Arschkarte. Ich hatte das nicht von den gleichaltrigen zu spüren bekommen, aber von meinen Lehrerinnen. Die waren im alter von meiner Mutter, waren dick oder sonst nicht hübsch und Eifersüchtig auf meine Mutter. Die mochten mich dann einfach nicht wegen meiner Mutter. Als ich später ein Lehrer hatte, war das Problem wie weggeblasen. Vielleicht habe ich desshalb schon im Kindergarten den zwang, das Verhalten der Menschen zu hinterfragen. Später kam die Bravo Sex Aufklärung, und damit wurde mir alles klar, auch Rückwirkend bis ins Kindergartenalter zurück. Und da war für mich klar, Sex zerstört alles auch Beziehungen. Sex oder die sexuellen Phantasien der anderen, hat für mich nur etwas zerstörerisches. Sex? Nein Danke!
Nach oben
          
Lucy Lu





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 13.12.2019
Beiträge: 46
Wohnort: Schweiz
BeitragVerfasst am: Mi Mai 06, 2020 1:29    Titel: Antworten mit Zitat

@Amazonia
Gibt viele Menschen die Heiraten, haben Kinder, und dann haben die Kinder plötzlich ein Homosexuellen Papa oder Mama. Auch Homosexuell zu sein ist eine Entscheidung, die einen entscheiden sich früher die anderen später. Aber ich denke schon, das die späteren Homosexuellen vorher Bisexuell waren, denn sonst kann ich mir auch nicht Vorstellen, dass man einfach das Ufer wechseln kann. Aber ist doch schön, das jeder seine Sexualität leben kann wie er will, solange er anderen dabei nicht schadet.
Nach oben
          
Amazonia





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 03.07.2019
Beiträge: 89
BeitragVerfasst am: Mi Mai 06, 2020 6:33    Titel: Antworten mit Zitat

Bisexuelle können sich vermutlich rational entscheiden, aus Gründen ein Geschlecht doch aus dem Beuteschema herauszunehmen. das ändert aber nicht das generelle Interesse an diesem Geschlecht ab. wenn sich welche aus dem generellen Beuteschema dann wider Erwarten doch den Wunschvorstellungen gemäß verhalten, wären die sicherlich flugs wieder im Fokus mit drin

in Bezug auf Asexuelle können sich Leute aber verhalten wie auch immer Verhalten möglich ist. nichts würde bei Asexuellen eigenes sexuelles Interesse auslösen können. es kann da immer nur Bereitschaft geben, dem anderen zu helfen oder diese Bereitschaft ist halt nicht da
Nach oben
          
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   

Neue Antwort erstellen

Neues Thema eröffnen
   Forum für Asexualität Foren-Übersicht -> Gedanken Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2002 phpBB Group

Impressum: AVENde versteht sich als Unterforum von AVEN. Ansprechpartner für die deutsche Seite (aven-forum.de) ist der Administrator "Dirk Walter". Kontaktadresse: Dirk Walter - Rehhütterstrasse 4 - 67165 Waldsee
email: aven.de@dirk-walter.de - Telefon: 06236/54804.
Beachten Sie auch: Forenregeln und Datenschutz