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Asexualität + Scham/Körperbild/Essstörungen
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dunkler_regenbogen




Alter: 61
Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 18.12.2012
Beiträge: 442
Wohnort: Dortmund
BeitragVerfasst am: Mo Dez 18, 2017 17:09    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke, dass sich bei mir aus der Asexualität heraus eine Essstörung entwickelt haben könnte... könnte.

Als Kind war ich eher dünn, als Teenager und junge Frau schlank und hatte eine (für meinen Geschmack) zu große Oberweite. Männer fanden mein Äußeres durchaus anziehend. Weil ich diese Aufmerksamkeit nicht mochte, hat sich meine Einstellung zu meinem Körper verändert. Ich habe angefangen, ihn zu verstecken. Nicht, weil ich ihn nicht mochte - aber ich mochte ihn nicht zeigen, weil ich die Reaktionen nicht mochte.

Irgendwann versteckte ich meinen Körper nicht mehr in weiten Klamotten, sondern legte mir eine 'dickere Haut' zu - ich nahm zu. Und ich stellte fest, dass mein dickerer Körper nicht mehr so attraktiv war und Männer mir gegenüber eher gleichgültig reagierten (was sexuelle Anmache angeht). Auf der einen Seite war das ein gutes und angenehmes Gefühl - auf der anderen Seite natürlich ziemlich ungesund.
_________________
You'll never find a rainbow if you're looking down.

Ich weiß, dass die Stimmen in meinem Kopf nicht real sind, aber sie haben so wahnsinnig geile Ideen!
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Spira Mirabilis





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 13.11.2017
Beiträge: 18
Wohnort: BB
BeitragVerfasst am: Mo Dez 18, 2017 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

DasTenna hat folgendes geschrieben:

Aufmerksamkeit muss nicht mal sexuell sein, damit ich sie nicht will - diese ist allerdings abgesehen von Aggression mit die unangenehmste Form der Aufmerksamkeit. Am liebsten würde ich auf einer Party den ganzen Abend unbemerkt in einer Ecke sitzen und den Gesprächen lauschen, ggf. was schreiben oder zeichnen. Ich unterhalte mich schon gerne, aber wenn zu viele Unterhaltungen gleichzeitig stattfinden, habe ich nicht nur Schwierigkeiten, meinen eigenen Gedanken, geschweige denn, der Unterhaltung zu folgen, die ich gerade selbst führe, sondern darüber hinaus das Gefühl, etwas zu verpassen. Wenn ich nur lausche, erschlägt es mich nicht so schnell. Daher bin ich lieber still und unscheinbar. Beobachte und lausche.
Am Schminken hatte ich noch nie Interesse. Ich wüsste nicht, was das bringen sollte und habe auch keine Ahnung, wie das funktioniert. Meine frühere beste Freundin schminkt sich sogar, wenn sie den ganzen Tag zu Hause verbringt. Rolling Eyes In meinen Augen Zeit- und Geldverschwendung. Klar schäme ich mich manchmal meiner Pickel, gerade dann, wenn ich auf einer Veranstaltung oder einer Geburtstagsfeier bin, aber a) ist es mittlerweile besser geworden, und b) ist es mir trotzdem den Aufwand des Schminkens nicht wert.


Wow, das unterschreibe ich jetzt mal. Wort für Wort!
Schminken oder Frisieren ist für mich ebenfalls Zeitverschwendung. Abgesehen davon vertrage ich das meiste davon sowieso nicht. Haare waschen/bürsten und einen Abdeckstift aus der Naturkosmetik (für die roten Flecken im Gesicht und die Nachwirkungen der Akne) sind für mich das höchste der Gefühle. Nur zu ganz besonderen Anlässen (Hochzeit, runde Geburtstage) mache ich Kriegsbemalung, bin aber froh, wenn ich mir abends das Zeug wieder aus dem Gesicht waschen kann.

Ehrlich gesagt, finde ich nicht, dass Asexualität mit einem schlechten Selbstwert-/Körpergefühl einhergeht. Ich verstehe es als sexuelle Ausrichtung wie eben Hetero- und Homosexualität. Demzufolge müssten ja alle Heteros total zufrieden mit ihrem Körper sein.
Als in die Pubertät kommende mochte ich diese Veränderungen an meinem Körper auch nicht, ich habe mich oft so stinkig und schmutzig gefühlt irgendwie und die Brüste waren eher hinderlich (sind glücklicherweise nicht sehr groß). Ich wurde auch gemobbt in der Schulzeit, allerdings eher aufgrund meiner großen Brille, der Zahnspange, meinen weiten unmodernen Klamotten und meiner nicht gesellschaftskonformen Spezialinteressen (ich war weder zu dick noch zu dünn). Aufgrund dieser Beleidigungen und Ausgrenzungen fing ich an bis Mitte/Ende der 20er meinen Körper regelrecht zu verabscheuen, was bis hin zum Selbsthass ausuferte. Ich quetschte mich in frauliche Sachen und spielte quasi eine Rolle. Heute bin ich darüber hinweg und akzeptiere mich so wie ich bin und das fühlt sich verdammt gut an! An ganz guten Tagen kann es sogar vorkommen, dass ich mal einen knielangen Rock mit Stiefeln anziehe, aber dann eher solche von Vishes im Öko- oder Wiccalook. Sexuelles Verlangen verspüre ich dennoch nicht.

Was die Komplimente bezüglich meines Aussehens oder generell angeht: Ich stehe äußerst ungern im Mittelpunkt, das war schon immer so. Es ist so ein kleiner Widerspruch: Wenn einzelne Personen in einem kurzen Moment zu mir sagen, dass ich hübsch aussehe oder meine Zeichnungen toll sind, dann freue ich mich darüber und mein Selbstbewusstsein wird sogar ein wenig gestärkt. Passiert das vor vielen Leuten (z.B. in der Öffentlichkeit oder damals vor der Schulklasse) möchte ich am liebsten vor Scham im Boden versinken. Wobei ich eigentlich nur von vertrauten Personen ein Kompliment über mein Aussehen wirklich ernst nehmen kann. Razz
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Sapere aude!
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samweis
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Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 01.11.2017
Beiträge: 323
Wohnort: Blabla
BeitragVerfasst am: Do Dez 21, 2017 0:30    Titel: Antworten mit Zitat

Das mit dem Körperbild hab ich noch nie begriffen, wenn es um meinen Body ging. Einmal wurde ich für meine Figur gelobt: als meine langjährige Beziehung zu Ende ging, ich über mehr als 1 Jahr fast nicht mehr durchgeschlafen hatte, weil ich mir nur noch das Hirn zermarterte, woraufhin ich fast paranoid / depressiv wurde, nur noch abnahm, obwohl ich futterte wie ein Scheunendrescher, nur noch mies drauf war und meine ganze Welt auseinanderbrechen sah - die schlimmste Zeit meines Lebens!

Aber eine gute Figur...!

Ich werde diese Äußerlichkeiten-Meierei nie verstehen. Klar gibt es Vorlieben wie lieber brünett statt blond oder so. Aber dieses sich-verrückt-machen bzw -machen-lassen ist so ein kranker Mechanismus, der quasi von der ganzen Welt befeuert wird; und dann versucht man(n) / frau sich so zu 'optimieren', dass es irgendwelchen Vorgaben genügen soll, doch wenn ich z.B. am liebsten Schlabberlook anhab und mich wohl fühle, setzt es Kommentare wie 'du könntest mehr aus dir machen'...

ÄTZEND !!!

Bin ich denn nicht so 'genug', wie ich eben bin? Seit ich alleine lebe, gelte ich laut einer Kollegin wieder als 'auf dem Markt'. Durch beharrliches Verneinen irgendwelcher Ambitionen in Beziehungshinsicht - die für mich fast automatisch dazu führen müssen, dass Sex eine Rolle spielen würde, was ich nun mal nicht will - und konsequentes 'Mich-verstecken' in einer von gebundenen Frauen dominierten Abteilung habe ich mich erfolgreich vom Markt nehmen können, zumal ich nicht gerade an einen George Clooney heranreiche (witzigerweise hat das eine Kollegin im Überschwang mal behauptet, doch im Augenblick des Aussprechens die Absurdität der Aussage eingesehen und selbige zurückgenommen).

Summasummarum fühl ich mich seit meinem coming out freier und unbelasteter als je zuvor in meinem Leben, wage sogar zu behaupten zum ersten Mal in 50 Jahren voll und ganz Herr über mein Selbst, mein Körperbild und mein mich-nach-außen-geben zu sein. Gutes Gefühl!
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Sandkastenzorro
zweitgrößter Spammer des Forums



Alter: 40
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
Beiträge: 3624
Wohnort: Fairvale
BeitragVerfasst am: Do Dez 21, 2017 4:33    Titel: Antworten mit Zitat

samweis hat folgendes geschrieben:
die schlimmste Zeit meines Lebens!

Aber eine gute Figur...!


Oar, ja! Das kenn ich auch zu genüge. Da fühlt man sich wie der letzte Klumpen verschimmelter Fugenkitt und kriegt zu hören "Wow, du hast viel schönere Haut / abgenommen (wenn man vorher zu dick war) / zugenommen (wenn man vorher zu dünn war) / wasauchimmer. Fazit: Sich scheisse fühlen macht schön (-_-)

Erinnere mich daran, als ich 2010 bei meiner Mutter am Sterbebett stand und sie zu mir sagte: "Du bist jetzt 29 und trägst immer noch diese furchtbare Sackkleidung. Langsam musst du mal erwachsen werden und dich vernünftig anziehen."
Da dachte ich mir auch: Jau, Muttern, du liegst im Sterben und das sind jetzt die Worte, die du mir noch unbedingt sagen wolltest?

Ein "Ich hab dich so lieb, wie du bist" hätte mich mehr gefreut. Aber "sein, wie man ist" ist dermaßen unpopulär und verpöhnt, ich glaube, das wird nie "modern". Eigentlich hätten die damals bei dem Werbeslogan "Ich will so bleiben, wie ich bin - du darfst!" noch die 200 Seiten Kleingedrucktes einblenden müssen, die dann die Ausnahmen deklarieren. Du darfst - mit Ausnahme von... Oder noch besser: Du darfst so bleiben, wie du bist, wenn du so bist, wie alle anderen.

Spruch macht sich gut - ist aber leider nur Show. Denn wehe, man IST dann mal, wer man ist. Dann bricht aber Sodom und Gomorrha los.
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Didn't your mother never teach you no manners?
-I ain't never had no mother - we was too poor!
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Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3235
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Do Dez 21, 2017 10:07    Titel: Antworten mit Zitat

Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:


Erinnere mich daran, als ich 2010 bei meiner Mutter am Sterbebett stand und sie zu mir sagte: "Du bist jetzt 29 und trägst immer noch diese furchtbare Sackkleidung. Langsam musst du mal erwachsen werden und dich vernünftig anziehen."
Da dachte ich mir auch: Jau, Muttern, du liegst im Sterben und das sind jetzt die Worte, die du mir noch unbedingt sagen wolltest?


Erinnert mich wieder an den Onkel, den ich vor seinem Tod - Krebs, er war über 2 Meter groß und wog zuletzt um die 60 Kilo - nochmal sehen wollte, und wo mein Dad mich ins Auto einschloss, weil ich seiner Meinung nach nicht die passende Hose für so einen Besuch anhatte - eine dunkle Jogginghose. Dass die Kleidungsart wichtiger ist als alles, das da zwischen Menschen sein könnte. Ich durfte mich wegen der Hose nicht vom Onkel verabschieden. Ich schätze, deshalb trage ich heute keine "festive" oder "formale" Kleidung mehr. Komme, was wolle, und wenn sie mir einen Preis verleihen wollten - ich würde eher absagen.

Sandkastenzorro hat folgendes geschrieben:
Ein "Ich hab dich so lieb, wie du bist" hätte mich mehr gefreut. Aber "sein, wie man ist" ist dermaßen unpopulär und verpöhnt, ich glaube, das wird nie "modern". Eigentlich hätten die damals bei dem Werbeslogan "Ich will so bleiben, wie ich bin - du darfst!" noch die 200 Seiten Kleingedrucktes einblenden müssen, die dann die Ausnahmen deklarieren. Du darfst - mit Ausnahme von... Oder noch besser: Du darfst so bleiben, wie du bist, wenn du so bist, wie alle anderen.

Spruch macht sich gut - ist aber leider nur Show. Denn wehe, man IST dann mal, wer man ist. Dann bricht aber Sodom und Gomorrha los.


Ganz genau. Es ist nämlich nie erwünscht, zu sein, wie oder wer man ist. Schon ganz früh geht es mit den Anforderungen los, jemand anderen darstellen zu müssen, als der, wer man ist. Man kann sich auch noch so auf den Kopf stellen, um sich diesen Forderungen nach zu entfalten oder zum Beispiel vom Vater oder Mutter dafür Anerkennung zu ernten, für das, was man am sich verstellen und verdrehen, am sich auf ein verlangtes Maß reduzieren, so alles leistet. Diese Anerkennung kriegt man nicht, und noch weniger eirreicht man eine Zufriedenheit bei irgendwem irgendwann. Damit, wie man sich dann verändert und verdreht, ist auch niemand je zufrieden.
Und weiter geht es von den Äußerlichkeiten hin zur Psyche. Mit der ist nämlich auch nie irgendwer zufrieden. Ständig soll dies, soll jenes abgeändert werden, nach vielfach vorgeschlagenem Plan, von den Fachversierten vorgeschlagen, von den Kundigen anempfohlen.
Ich habe so auch nie herausgefunden, welchem Menschen man in diesem Land wie viel Geld in die Hand drücken muss, um als richtiger Mensch anerkannt zu werden.
Ich denke, es müsste eine sehr hohe Summe sein, und dass man sich das dann ggf. erkaufen kann.
Vielleicht ist das Streben darum schon der erste Irrtum gewesen.

Mit dem Körperbild sehe ich das von der praktischen Seite. Ein Körper muss mir zweckdienlich sein. Was will ich damit machen, wo will ich hin. Für bestimmte sportliche Hobbies nützt mir ein Körper nicht, mit dem sich Bewegung und Agilität nicht umsetzen lassen. Gesundheitsaspekte fließen da mit ein. Je besser ein Körper erhalten wird, umso eher kann ich damit was machen. Knochen-Muskel-Sehnenapparat will gepflegt und trainiert sein, sonst wird das nix mit Fun in der Welle.
Aber auch für ein Einblenden und Untergehen in der Menge nützt ein Körper nicht, der zu sehr auffällt, stetig Anlass für dumme Scherze bietet und das Gespött anzieht. Also muss ich mich so verändern, dass das nicht mehr auftritt. Eine Art Adaption an die Umstände.

Vielleicht machen das auch Leute dann umgekehrt, wenn die als attraktiv auffällig werden? Wenn man den Funktionsmechanismus kennt, kann man ihn ja auch reversiv benutzen. Und das ist dann auch wieder zweckdienlich, wenn es dazu führt, dass man durch Sexuelle nicht länger wahrgenommen wird. Übertragen auf den Partnerattraktionskram wäre man praktisch wie so ein Hirsch, der sich absichtlich das Geweih zerstößt, oder vielleicht ein Pfau, der sich die Steuerdeckfedern vollsifft, damit er nicht mehr anziehungsbefähigt wirkt.

In Sackklamotten herum laufen wirkt natürlich auch. Außer auf Leute, die auf Sackklamottenträgerinnen fliegen, oder selber Sackklamotten tragen. Auf jeden Fall ist das so um Welten bequemer, und das ist doch der Hauptgrund, warum man das macht. Meine schwarze Jogginghose, die zu dem schwarzen Kapuzensweater gehört, geht mir jetzt zwar bis knapp unter das Kinn und ich kann die zur Not auch als Ersatzschlafsack anziehen, wenn ich das schwarze Snapback-Cap als Deckel nehme. Wenn ich mich so in den Klee lege, sehe ich aus wie abgedecktes Surfgeraffel, Tarnung pur. Kein Mensch würde einen Gedanken an Attraktivität verschwenden. Selbst wenn man nun wüsste, woran das festgemacht wird.

Ich brauche jetzt Tee.
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Wer später stirbt, erlebt den Tod derer, die früher sterben, und hat deshalb länger was zu lachen.
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irgh




Alter: 29
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 22.12.2015
Beiträge: 264
Wohnort: Ruhrgebiet
BeitragVerfasst am: Do Dez 21, 2017 11:37    Titel: Antworten mit Zitat

Windsurfhippie hat folgendes geschrieben:

Erinnert mich wieder an den Onkel, den ich vor seinem Tod - Krebs, er war über 2 Meter groß und wog zuletzt um die 60 Kilo - nochmal sehen wollte, und wo mein Dad mich ins Auto einschloss, weil ich seiner Meinung nach nicht die passende Hose für so einen Besuch anhatte - eine dunkle Jogginghose. Dass die Kleidungsart wichtiger ist als alles, das da zwischen Menschen sein könnte. Ich durfte mich wegen der Hose nicht vom Onkel verabschieden. Ich schätze, deshalb trage ich heute keine "festive" oder "formale" Kleidung mehr. Komme, was wolle, und wenn sie mir einen Preis verleihen wollten - ich würde eher absagen.


Also als erstes: natürlich nützt euch das nichts, aber wenn ich eure Berichte so lese, bin ich so unglaublich dankbar für meine Familie und wenn ich könnte, würde ich sie mit euch teilen, denn wenn ich eure Berichte lese, ich finde da so schlimm.
In meiner Familie kommen hin und wieder mal Kommentare meines Vaters zu meinem Gewicht, das liegt aber daran, dass er sich Sorgen macht, weil das ungesund ist und ich nicht fit bin, nicht weil das doof aussieht - und es sind nie bösartige Kommentare und meine Mutter jammert nur manchmal ein ganz klein bisschen, das meine Haare offen ja viel hübscher sind und warum ich die nicht öfter offen trage (ich finde die auch hübscher wenn die offen sind - allerdings kitzeln die dann...).
Das einzige wirklich vergleichbare, dass in meiner Familie mal geschehen ist, ist das meine Oma eine zeitlang mal nicht mit mir geredet hat, weil ich auf der Beerdigung meines Opas nicht "angemessen" gekleidet sein wollte - es hat geregnet -warum ist auf Beerdigungen eigentlich immer so ein Scheißwetter? - und weil ich im Leben noch nie einen Regenschirm benutzen wollte, habe ich eine Regenjacke angezogen - das führte zu Eklat, weil wie kann man nur, die Regenjacke ist knallrot - nunja, das wäre wohl noch harmlos gewesen, aber der anschließende Streit darüber, ob es nicht egal ist, und wenn ich in Bikini zur Beerdigung ginge, solange ich um meinen Opa trauere hätte da gar niemand was zu sagen, der hat zu dieser Funkstille geführt - heute würde ich das zwar immer noch so empfinden - aber ich würde es nicht mehr sagen und stumm eine dunkle Jacke anziehen - weil diese Reaktion deswegen so eskaliert ist, weil meine Oma natürlich auch völlig fertig war.
Das jemand sich nicht von einem Menschen verabschieden konnte, den er mochte, nur wegen einer Jogginghose - sorry aber da wäre ich stinksauer, richtig sauer! In meiner Familie würde vermutlich gar nicht weiter auffallen (außer vielleicht meiner Oma), wie derjenige gekleidet ist, solange die Klamotten sauber sind, wobei in einer akuten Siatuation auch das, vermutlich nur demjenigen auffallen würde - oder zumindest die anderen dazu den Mund halten würden.
Als meine eine Oma starb, waren die meisten da in normaler Straßenkleidung (meine Mutter und ich hätten zum Beispiel auch gar nichts anderes dabei gehabt...)
Ich kann einfach nicht verstehen, wie jemand in Kleidung sowas wie Trauer sehen will - ist es nicht, zumindest in meinen Augen ist das so, viel schlimmer und ein Zeichen von Missachtung, wenn die "Trauergäste" am Grab oder danach sich über die Kleidung eines anderen mokieren? Klar, Trauer und Emotionen sind ja schon so verdammt von Aussehen abhängig... sry für die harten Worte, aber vielleicht sollten solche Menschen, dann einfach auf den Friedhöfen bleiben, da gibt es bestimmt noch ein paar offene Gräber, schaden würde es nichts...
Mit festlichen Anlässen genau das selbe, sollte mir jemand irgendwann einmal ein Preis verleihen wollen, will er das ja für meine Taten tun, nicht für mein Aussehen - ich würde also hingehen UND tragen, was ich immer trage und solange es um mich geht - ja ich würde da Barfuß hingehen, wie ich ja auch sonst Barfuß laufe! - als Wahlhelfer muss man ja auch "angemessen" gekleidet sein - ich habe festgestellt, kein einzige Mensch hat offen seine Probleme damit geäußert, als ich barfuß da war - es gab eher vergnügte Aussagen dazu. Meine (nicht vorhandenen) Schuhe beeinflussen ja auch nicht die Auszählung auf die es am Ende ankommt.

Zitat:
Und weiter geht es von den Äußerlichkeiten hin zur Psyche. Mit der ist nämlich auch nie irgendwer zufrieden.


Also auch da, ja ich bekomme zu hören, dass meine cholerische Art schlimm wäre - weil ich anderen damit ja durchaus auch schade - wenn ich still vor mich hin cholerisch wäre und meine Wutanfälle nicht hin und wieder auf Menschen richten würde - fände meine Familie, das sehr wahrscheinlich auch nicht weiter schlimm. Ansonsten gibt es bei uns einen Onkel, der einige Charaktereigenschaften hat, die es mir (mit meiner cholerischen Art) unmöglich machen, mit ihm zu diskutieren - oder länger in einem Raum zu sein - und es wäre wirklich schön, wenn das anders wäre, weil der auch viel Wissen hat - was so für mich aber nicht erreichbar ist - naja, aber der ist halt so, kann man ja nun nicht viel machen. Auf der anderen Seite, kann er auch ganz lieb sein. Deswegen habe ich natürlich einen anderen Lieblingsonkel Wink - der aber auch so seine Kanten hat - das gute in meiner Familie ist nämlich, dass irgendwie alle irgendwo unkonventionell sind - und das wird akzeptiert und sorgt lediglich manchmal vielleicht für Belustigung oder stöhnen, aber niemand würde den anderen dafür verurteilen und der Meinung sein, der müsste sich mal ändern - solange man damit niemandem schadet. Ansonsten versucht glaube ich, aber auch jeder in meiner Familie, sich charakterlich und menschlich zu besseren Menschen zu machen - das heißt, alle arbeiten, selber und freiwillig, an irgendwelchen Charakterdingen - nur als Beispiel, natürlich versuche ich seit Jahren, diese für andere schädliche und für ja auch nicht wirklich hilfreiche Cholerik in Bahnen zu lenken, wo ich das wenigstens gut kontrollieren kann Wink. Und an einigen anderen Baustellen arbeite ich intern halt auch - aber wenn das überhaupt jemand mitbekommt in der Familie, wird man höchstens dafür gelobt, aber nicht gescholten, dass man vorher anders war. Bei uns darf der Mensch so sein, wie er ist - solange er anderen nicht damit schadet und sowas wie "Sackleinen" tragen wird nicht als schädlich angesehen Wink. Ich durfte als Kind auch immer mit dem gleichen Jogginganzug, der mir schon 5 Nummern zu klein war, in den Kindergarten gehen, weil ich keine anderen Kleider anziehen wollte - egal was andere Eltern davon hielten, oder meine Mutter - die Story hat mir meine Mutter letztens erzählt Very Happy weil ich ein Photo gefunden habe, mit einem Jogginganzug, der deutlich in die Kategorie "Hochwasserhose" fiel Very Happy.

Ich finde, so sollte es eigentlich immer sein.
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Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat.
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DevilMayCare




Alter: 23
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 25.09.2017
Beiträge: 99
BeitragVerfasst am: Do Dez 21, 2017 12:50    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe mir zunächst nie wirklich Gedanken über meinen Körper gemacht. Doch dann fing das pubertäre Verhalten meiner MitschülerInnen an und irgendwie habe ich dann immer weniger dazugehört, habe mich einfach anders entwickelt. Man fing an, mich als fett, hässlich und ekelhaft in aller Öffentlichkeit zu beschimpfen und brachte mich dazu, ständig verunsichert zu sein. Ich habe aber trotzdem nicht angefangen, mich grundlegend anders anzuziehen oder mir zwingend andere Interessen anzueignen- zumindest nicht in die Richtung, die toleriert gewesen wäre. Ich habe eher auf Rückzug gesetzt und weiterhin mein Ding gemacht. Das bedeutete auch, dass ich mehr gegessen habe (wohl aus Frust) und zunahm und schlabberigere Klamotten mochte und sich das negative Verhalten mir gegenüber noch mehr als "legitim" für die anderen abzeichnete. Phasenweise schwankte meine Sicht darauf zwischen "Ich kann eh machen, was ich will, also mache ich das jetzt erst recht- ändern wird sich deren Bild kaum" und "Ich will endlich meine Ruhe, aber ist's das wert, mich zu verstellen".
Mittlerweile ist es so, dass ich einen Stil gefunden habe, mit dem ich mich wohlfühle und ich auch dazu stehe, wenn jemand den kritisiert. Mein Vater nörgelt schon mal, dass das doch unnötig einschränken würde, nur so schlabberige Oberteile anzuziehen, die bestenfalls nur schwarz, grau, weiß und blau sind (der will aber eh nichts hören, wo drinsteckt, dass ich "anders" bin). Ich wiege etwas weniger als zu meinen schlechtesten Zeiten und kann mich so annehmen. Ich finde es aber schade, dass ich für viele wohl als wirklich fett durchgehen würde- das war schon früher so, als ich eine "normale" Figur hatte. Ich esse das, worauf ich Lust drauf habe. Mittlerweile weiß ich ja auch, dass ich asexuell bin und deswegen nicht so bei den anderen mithalten konnte, mir deshalb das Verständnis fehlte. Irgendwie war das wohl genau meine Entwicklung und fertig. Auch als das Bild von meinem Körper noch nicht ins Wanken geraten ist durch die fiesen Bemerkungen, fing es ja schon an, dass ich das Getue der anderen um bestimmte Themen nicht so verstehen konnte. Ich sehe für mich keinen Zusammenhang zwischen meiner Asexualität und dem Angriff auf mein Selbstwertgefühl.
Im Grunde ist es mir auch recht, dass ich für Männer solange quasi Luft bin, bis sie mich versehentlich anrempeln oder mit mir arbeiten müssen. Ich möchte die Chance, dass jemand mich in sexueller Hinsicht attraktiv finden könnte, möglichst gering halten bzw. ist es eben so, dass mein Stil wer-weiß-wie-"zufällig" ganz gut dafür geeignet ist. Den lege ich auch so schnell nicht mehr ab, auch wenn ich manchmal denke, dass er ein generelles Hindernis beim Kennenlernen anderer Leute sein könnte. Das Risiko ist es mir aber wert, denn dann steigt die Chance, dass mich eher nur die ansprechen, die mit der Optik irgendwie leben können und den Charakter kennenlernen wollen. Da ich eh nicht so der Mensch bin, der sich ständig mit Leuten umgeben will, reicht diese bisherige Handvoll Leute auch, die sich das "getraut" hat.
Auch wenn das vermutlich nicht ganz so zum Thema passt, tat es ganz gut, meine Gedanken dazu mal aufzuschreiben, zumal ich schon länger interessiert hier mitgelesen hatte Smile.
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Arpad4




Alter: 41
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 17.11.2016
Beiträge: 1759
Wohnort: Kaiserslautern
BeitragVerfasst am: Do Dez 21, 2017 15:13    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde Eure letzten Beiträge sehr interessant. Ich habe auch solche Erfahrungen gemacht, aber ich habe es bisher nie verstanden was das mit meiner Kleidung zutun hat. Jetzt verstehe ich warum ich für meine "sexuelle" Schwester (verheiratet) ein Gammler bin. Mir wurde unterstellt "dreckig" gekleidet gewesen zu sein bei ihrer Hochzeit. Ihre ganze angeheiratete Verwandtschaft von ihren Mann, sind genauso oberflächlich.

Ich bin lieber "dreckig" gekleidet, als den Ruf von meiner Schwester zu haben. Vor ihrer Ehe zählte sie und ihre Freundinnen zu den Dorfhuren im Ort.

Kleider machen Leute. (so heißt es ja)

Zitat:
Erinnere mich daran, als ich 2010 bei meiner Mutter am Sterbebett stand und sie zu mir sagte: "Du bist jetzt 29 und trägst immer noch diese furchtbare Sackkleidung. Langsam musst du mal erwachsen werden und dich vernünftig anziehen."
Da dachte ich mir auch: Jau, Muttern, du liegst im Sterben und das sind jetzt die Worte, die du mir noch unbedingt sagen wolltest?


SKZ@ Dazu fehlen mir die Worte; sowas macht mich sprachlos, und blockiert mein Verstand. Obwohl ich es selber nie erlebt habe! Shocked
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Viele finden 100 Fehler an mir, in mir, um mich herum. Und wie viele hast Du? Sollen wir anfangen zu zählen?
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samweis
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Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 01.11.2017
Beiträge: 323
Wohnort: Blabla
BeitragVerfasst am: Fr Dez 22, 2017 1:33    Titel: Antworten mit Zitat

DevilMayCare hat folgendes geschrieben:
Mein Vater nörgelt schon mal, dass das doch unnötig einschränken würde, nur so schlabberige Oberteile anzuziehen, die bestenfalls nur schwarz, grau, weiß und blau sind

(der will aber eh nichts hören, wo drinsteckt, dass ich "anders" bin). Ich wiege etwas weniger als zu meinen schlechtesten Zeiten und kann mich so annehmen.

dann steigt die Chance, dass mich eher nur die ansprechen, die mit der Optik irgendwie leben können und den Charakter kennenlernen wollen. Da ich eh nicht so der Mensch bin, der sich ständig mit Leuten umgeben will, reicht diese bisherige Handvoll Leute auch, die sich das "getraut" hat.
Auch wenn das vermutlich nicht ganz so zum Thema passt, tat es ganz gut, meine Gedanken dazu mal aufzuschreiben, zumal ich schon länger interessiert hier mitgelesen hatte Smile.



Beschreibung der Oberteile erinnert mich an die Fahne der Community Smile

Schade, dass dein Vater sich für dein Anderssein nicht interessiert. Was immer meine Tochter mir mitteilen will (niemals 'muss'!), darf sie mir gern erzählen - sonst würde ich doch viel zu viel von ihr versäumen!! Vielleicht - je nachdem, wie wichtig es dir ist - kannst du ihn ja noch in der Richtung etwas mehr für dich gewinnen... Meiner Mutter ist z.B.egal, ob ich hetero, homo, oder sonstwas bin, hat sie schon gesagt, und wir konnten schon echt offen darüber reden; hätte ich noch vor 10 Jahren für vollkommen unmöglich gehalten!

Schön, dass du dich so annehmen kannst, wie du bist = Basis dafür, den Clinch mit all den anderen kleinen und großen Nickligkeiten des Alltags aufzunehmen.

Und den letzten Abschnitt möcht ich aber sowas von unterstreichen, dass ich es kaum in Worte fassen kann (*freu). Die Charaktere kennenzulernen und um des eigenen Charakters wegen angenommen zu werden sind für mich die Höhepunkte von Entwicklungen der letzte 2 Jahrzehnte!!! Manchmal macht mich mein spätes Coming out schon etwas traurig wegen der vielen verlorenen Zeit... Doch dann bin ich wieder froh für die Reife meines Alters und die Tatsache, genau jetzt genau diese positiven Begegnungen erleben zu dürfen - wie z.B.auch dieses Forum entdeckt zu haben und mich darin mitteilen zu dürfen (dank!).
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windflower




Alter: 21
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 10.02.2019
Beiträge: 4
BeitragVerfasst am: Sa Jul 13, 2019 8:13    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe kreta,

Es ist nun schon eine Weile her, seit du deinen Beitrag erstellt hast, aber ich nehme ihn keineswegs als negativ wahr. Im Gegenteil, es gibt unter uns noch viele, wozu ich mich zähle, die mit ihrer Asexualität noch nicht ganz abschließen konnten.
Ich habe Phasen, in denen ich mich vollkommen wohl mit dieser Definition fühle, und andere, in denen ich verzweifelt versuche, einen Ausweg zu finden.

Und falls man nun sagt, dass Asexuelle, die keine sein wollen, nicht in diesem Forum auftauchen sollten, nun ja, ich denke, es ist der ideale Ort, um über dieses Thema zu sprechen. Und wenn jemand einen Versuch starten will, da raus zu kommen, dann soll er bitte die Möglichkeit dazu haben und die, sich hier auszutauschen.

Von daher freue ich mich, dass du diesen Thread gestartet hast.

Nun kurz zu mir: ich selbst bin betroffen von einer Essstörung.
Ob das Anorexie ist kann ich nicht einordnen und ich wurde auch nur vage damit diagnostiziert. Aber ich glaube, man muss auch gar nicht von einer Essstörung betroffen sein, um deinen Gedanken nachvollziehen zu können. Es reicht wohl, wenn man sich und seinen Körper ablehnt. Es heißt doch so schön immer wieder, dass man erst sich selbst lieben sollte, dann jemand anderen, weil man sonst nur aus Einsamkeit oder zum 'Lückenfüllen' liebt.
Gestern hatte ich mit einer Bekannten von mir geschrieben, die selbst von sich behauptet, dass ihre Sexualität durch die starke Magersucht (wirklich dem Tode nahe) in ihrer Jugend unterdrückt wurde.
Nun, ich habe noch nicht den Weg zur Akzeptanz angetreten, was meinen Körper angeht. Ich glaube, das viel von dem, was ich mit der Abneigung gegenüber Sex verbinde, auch von eben diesen abwertenden Gedanken kommt, viel mit Scham zusammenhängt.
(Abgesehen von dem Abscheu bei Sex an sich, ist da sicherlich immer eine körperliche Komponente dabei.. Weswegen.. Darüber lässt sich streiten, wobei ich eine starke Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, bis hin zu Scham, und aktivem Wille diesen zu verändern, ganz sicher als Teilursache benennen würde)

Naja, es gibt wohl keine eindeutige Wahrheit, wie auch.
Vielleicht ist der Weg aus der Essstörung, aus dem negativem Körperbild für so manchen eine Lösung.
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Maz
ADMod Team



Alter: 43
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 14295
BeitragVerfasst am: Sa Jul 13, 2019 9:55    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:

Und falls man nun sagt, dass Asexuelle, die keine sein wollen, nicht in diesem Forum auftauchen sollten


Sagt hier glaub ich keiner.
Die Frage ist aber ob der Begriff Asexualität wirklich der passendste ist wenn man einen starken Konflikt mit sich selbst erlebt, der nicht direkt durch äußere Faktoren ausgelöst wird. Aversionen, ggf. leicht antisexuelle Tendenzen/Einstellungen, mehr oder weniger traumatische Erfahrungen in der Familie, eine psychische Erkrankung, die sich direkt auf die Libido auswirkt (Gewichtsverlust bringt z.B. den Hormonhaushalt stark durcheinander) sowie eine Abneigung gegen den eigenen Körper bzw. das negative Körperbild und der Umstand, daß du noch sehr jung bist und trotzdem schon eine Art Angst davor zu bestehen scheint womöglich asexuell sein zu können, lassen bei mir dann doch die Vermutung aufkommen, daß du dir mit der Festlegung auf diesen Begriff lieber noch Zeit lassen solltest bis einige der anderen Probleme gelöst sind oder sich vielleicht sogar schlicht und ergreifend "ausgewachsen" haben. Sollte sich die Situation und Problematik mit 25+ nicht verändert haben ist so eine Festlegung ja immer noch möglich.
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Bei Problemen mit den Forenfunktionen: Forumsfeature-Guide
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DasTenna




Alter: 37
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 24.10.2016
Beiträge: 1012
Wohnort: Saarland
BeitragVerfasst am: So Jul 14, 2019 13:19    Titel: Antworten mit Zitat

Manchmal könnte es hilfreich sein zu ergründen, warum der eigene Körper so sehr abgelehnt wird, dass er durch erhöhte Nahrungsmittelzufuhr oder Nahrungsmittelentzug "bestraft" wird.
Und wann das anfing.
Mir ging es gut mit meinem Körper, bis ich bemerkte, dass meine Brüste wuchsen. Nicht nur fand ich es absolut dämlich, weil die Dinger störten, und weil es bedeutete, dass meine Kindheit nun unweigerlich vorbei sein würde, auch konnte ich es auf den Tod nicht ausstehen, deswegen plötzlich anders behandelt zu werden als vorher. Ich wurde plötzlich nicht mehr neutral behandelt, sondern gemäß der Schublade "weibliches Wesen" / "heranwachsende Frau", und gab meinem Körper die Schuld dafür, weil der nicht tat, was er sollte.
Also tat ich, was ich konnte, um möglichst gar nicht wahrgenommen zu werden oder zumindest weder als "sexuelles Wesen" noch als "typisches weibliches Wesen": Ich schaufelte Essen in mich hinein und legte rasant an Gewicht zu, war ungepflegt, lief in abgewetzten, bisweilen gar schmutzigen, viel zu großen und unfemininen Klamotten und mit kurzen Haaren rum und verfiel in eine gebeugte Körperhaltung, um die Brüste noch mehr zu kaschieren.

@windflower: Deine Bekannte scheint ja recht sicher zu wissen, dass ihre Sexualität durch die Essstörung unterdrückt wurde. Ich vermute mal, dass sie damit ihre Libido meint.
Wenn jemand sicher sagen kann, dass etwas unterdrückt oder verloren gegangen ist, bedeutet das aber auch, dass dieses Etwas bekannt ist, dass es irgendwann einmal empfunden wurde bzw. dass dieses Etwas in abgeschwächter Form stets präsent ist.
Wenn etwas in uns (durch uns selbst, durch Medikamente) unterdrückt wird, wissen wir aber auch, was da unterdrückt wird. Wir haben in der Regel einen Namen dafür.
Wut zum Beispiel.

Was die Scham angeht, so habe ich die Erfahrung gemacht, dass jenen, die irgendwie aus der "Norm" herausfallen, beständig das Gefühl vermittelt wird, sich "schämen" zu müssen, weil sie eben nicht der "Norm" entsprechen.
Weil es in ihrer Familie eben nicht "normal" zugeht.
Weil sie bestimmte Dinge anders betrachten als die meisten.
Weil sie nicht aussehen oder sich benehmen, wie von ihnen erwartet wird.
Weil sie nicht dieselben Interessen haben wie andere in ihrem Alter.
Usw.

Könnte es nicht sein, dass nicht die Scham die Ursache deines asexuellen Empfindens ist, sondern, dass dein asexuelles Empfinden die Scham bloß verstärkt, weil sie ein weiterer Faktor ist, der dich anders macht und für den es sich "zu schämen" gelte?

Die Reise ins Innere ist manchmal wie eine archäologische Ausgrabung. An manchen Tagen finden wir nicht einmal den kümmerlichen Rest eines Pfostenlochs, an anderen Tagen können wir uns vor Hausgrundrissen, Brunnenverfüllungen und Latrinenfunden kaum retten. Und selbst, wenn wir dann schon eine grobe Ahnung von dem haben, was wir in diesen Befunden vorfinden, ist trotzdem nicht immer das darin enthalten, was wir darin vermuten. Wink
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I am normal. It´s the rest of the world that´s weird. - Ich bin normal. Der Rest der Welt ist schräg drauf. (Impulse - Bartholomew Allen II)
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DevilMayCare




Alter: 23
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 25.09.2017
Beiträge: 99
BeitragVerfasst am: Sa Apr 18, 2020 0:08    Titel: Antworten mit Zitat

Seit meinem letzten Beitrag in diesem Thema habe ich rund 20kg abgenommen und habe jetzt ein Gewicht, das für meine Größe normal ist. Ich fühle mich so auch deutlich wohler, da beweglicher Smile. Allerdings stieß mich das wieder auf die Tatsache, dass ich an meinem grundsätzlichen Körperbau (weiblich), den ich schon immer eher kritisch sah, nichts ändern kann. Ich sehe mich durch die Abnahme, für die ich teils Komplimente bekam, nicht plötzlich als femininer oder gar sexueller - warum auch? Ich mag am liebsten einfach als Mensch wahrgenommen werden, nicht nach irgendwelchen Kriterien der Weiblichkeit beurteilt werden. Auf femininere Kleidung bekam ich auch keine Lust - eher im Gegenteil (die Oberbekleidung sitzt noch lockerer und bequemer und lässt noch mehr verschwinden).
Ich hoffe mal, dass ich trotzdem verschont von irgendwelcher Baggerei bleiben werde. Allerdings hätte ich inzwischen wohl genug Selbstbewusstsein, um amüsiert meinen Teil dazu denken zu können und mir nicht zur "Abwehr" wieder einige Kilogramm mehr anzufuttern.
Man verzeihe mir bitte meine nächtlichen geistigen Ergüsse Embarassed.
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Amazonia





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 03.07.2019
Beiträge: 89
BeitragVerfasst am: Sa Apr 18, 2020 9:43    Titel: Antworten mit Zitat

um mich wohlzufühlen brauche ich es, dass ich meinen Körper schön finde. ich bin von Natur aus schlank, aber achte darauf, bei Sättigung mit dem Essen aufzuhören, da ich Sport extrem blöd finde

Essen wäre ansonsten mein Lieblingshobby und macht auch glücklich. ich müsste aber unentwegt essen, um das Glücksgefühl behalten zu können

als Asexuelle ist mir egal, was andere über meinen Körper denken, abgesehen davon, dass ich Komplemente durchaus mag und hübsch zu sein auch allgemein Vorteile mit sich bringt. bezüglich der Männerkomplimente habe ich das erst vor ein paar Jahren mit etwa 24 bemerkt, dass das bei Männern mit Sexgelüsten zu tun haben kann. so fern ist mir der Gedanke an sowas, obwohl ich ja, seit mein Umfeld in die Pubertät gekommen ist, mit der Sexualisierung dieser Altersgenossen konfrontiert worden bin

aber vom Glücksgefühl her ist es mir egal, ob ich das über Essgenuss oder über Freude an meinem schlanken Körper erlange. ich kleide mich sowieso nicht überaus freizügig - figurnah, aber bedeckt. für die Körperfreude entscheide ich mich maßgeblich deswegen, weil es billiger ist, wenn ich nich all das Essen kaufen muss

obwohl ich mich über meinen Körper freue, habe ich noch nie Wünsche hin zu sexueller Interaktion gehabt. mein Beispiel bestätigt die These, dass Asexualität eine angeborene Sache ist, die nicht durch irgendwelche wahrgenommenen Mankos ausgelöst wird
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Bernard





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 28.09.2011
Beiträge: 67
Wohnort: DL - NRW
BeitragVerfasst am: Di Apr 21, 2020 0:00    Titel: 3 Unterscheidungskriterien im Genom fürs Geschlecht Antworten mit Zitat

In :
Zitat:
zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/mysterien-des-weltalls-mann-frau-oder-beides-102.html


wird folgendes visualisiert:

Die Psychologin Dr. Daphna Joel hat mittels MRT
über 1.400 männliche sowie weibliche Gehirne akribisch analysiert –
und dabei keine geschlechtsspezifischen Muster festgestellt!
Sie kommt vielmehr zu dem Ergebnis, dass unser Gehirn einem Mosaik gleicht,
das immer beide Charaktereigenschaften umfasst.
Stereotype Vorstellungen von Mann und Frau haben auch bei der Forschung
von UCLA-Professor Eric Vilain keinen Platz:
Der Humangenetiker geht dem intersexuellen Geschlecht der Transgender auf den Grund.

Es geht um Gen: SRY, DMRT1 und FOXL2

äusserliches, innerliches und erwartetes Geschlecht!

auch nachzulesen unter: de.wikipedia.org/wiki/Gonosom
_________________
Aus Wikipedia: bezüglich Wissen
„ergibt sich nahezu zwangsläufig die Frage,
wer für die Produktion bestimmter Wissensformen verantwortlich zeichnet.“
Es zeigt sich, dass sich die Macht des Wissens nicht trennen lässt vom Wissen der Macht.
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