Forum für Asexualität Foren-Übersicht

Forenregeln | Hauptseite
 

Wie habt ihr einen Partner gefunden der euch versteht ?

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Forum für Asexualität Foren-Übersicht -> Beziehungen
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Sonnenwind




Alter: 19
Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 24.12.2019
Beiträge: 43
Wohnort: Bei Nürnberg
BeitragVerfasst am: So Jan 26, 2020 13:25    Titel: Wie habt ihr einen Partner gefunden der euch versteht ? Antworten mit Zitat

Mir war schon sehr früh klar dass ich irgendwann eine Beziehung haben möchte. Ich verliebe mich auch ziemlich schnell in Menschen. Unglücklicherweise.

Dennoch war mir immer schon klar: "So ein Mist, in einer Beziehung muss man Sex haben aber ich finde das so reizvoll wie Zwiebeln schneiden (nur ohne heulen) "

Wie habt ihr es geschafft einen Partner zu finden der mit eurer Asexualität gut umgehen kann ohne gleich Depressionen zu bekommen und euch zu verlassen oder noch besser euch "gerade biegen möchte" ? Gibt es irgendwelche Datings Apps die euch da halfen ? Die Chat und Partnerbörse ist ja leider sehr leer

Seid ihr überhaupt in einer Partnerschaft und wie lange ? Ist er/sie auch asexuell oder akzeptiert er es einfach so euretwegen ?

Welche Kompromisse würdet oder geht ihr so ein ?
Seid ihr gleich mit der Tür ins Haus gerannt ? Ich habe die Erfahrung gemacht dass das sehr abschreckend ist ( und wir waren zumindest schon 2 Monate zusammen)
Nach oben
          
Punkoma





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 07.02.2020
Beiträge: 3
BeitragVerfasst am: So Feb 09, 2020 22:36    Titel: Antworten mit Zitat

Man muss nicht unbedingt Sex haben, wenn man einen aufrichtigen und verständnisvollen Partner hat, mit dem man gemeinsam solche Probleme lösen kann.
Für eine glückliche Beziehung gibt es kein Allgemein-Rezept. Jeder Mensch ist anders. Was für den Einen gut ist, kann für Andere falsch sein. Nur Du allein kannst herausfinden, was richtig für Dich ist. Und das ist nicht einfach.

Für mich war es richtig, ungewöhnliche Wege zu gehen. Der richtige Partner ist irgendwann in meinem Leben aufgetaucht, ohne dass ich ihn gesucht habe.

- Kann sein, dass ich hier ein bisschen Sex-Sprache verwende. Falls Dich das stört, dann lies bitte nicht weiter. -

Als ich meinen Mann kennenlernte, wusste ich längst von meiner Asexualität (ohne dieses Wort zu kennen). Weil ich schon immer gespürt habe, dass ich anders bin, und natürlich herausfinden wollte, was mit mir los ist, hatte ich mich als Jugendliche mit Frauen und Männern ausprobiert - nur um festzustellen, dass ich beides nicht genießen kann, ja, dass ich mich teilweise sogar davor ekelte. Sex ist für mich eine Willensanstrengung, auf die ich lieber verzichte. Davon abgesehen hatte ich niemals vor, eine Familie zu gründen und Kinder in die Welt zu setzen, denn ich führe lieber mein freies Künstlerleben. In puncto Liebe lief jahrelang überhaupt nichts mehr.
In den Neunzigern hatte ich einen besten Freund, der schwul war, und zu dem ich eine rein intellektuelle Beziehung hatte. Er war mein Bruder im Geiste, nicht mehr und nicht weniger. Mit ihm teilte ich die Liebe zu den Schönen Künsten und war mit ihm in der Kunstszene unterwegs. Er war derjenige, der mir meinen jetzigen Mann vorgestellt hat, als wir gemeinsam ein Rockkonzert besuchten.
Mein erster Eindruck von meinem heutigen Mann war, dass auch er schwul sein muss. Geschlechterfragen haben mich eigenlich nie interessiert, aber die Begegnung mit diesem Mann hatte Herzklopfen bei mir ausgelöst, deshalb wollte ich es wissen. Mein bester Freund teilte meine Vermutung, aber genau wusste er es auch nicht. Ich ließ keine weiteren Gedanken in diese Richtung mehr zu.
Die Sympathie zwischen meiner neuen Bekanntschaft und mir war immerhin groß genug, dass wir nach dem Konzert Adressen ausgetauscht hatten und uns - da wir sehr weit voneinander entfernt wohnten - Briefe geschrieben haben. Dann hatten wir irgendwann einen Internetzugang und schrieben zusätzlich E-Mails. Wir schrieben uns immer häufiger und schließlich saßen wir nächtelang vorm Computer, wo wir uns online trafen, und redeten und redeten und redeten...
Eines Nachts erzählte er mir von seinem unehelichen Sohn und seinen Enkeln. Da blieb mir fast das Herz stehen und ich wusste nicht mehr, was ich denken sollte. Wie das meine Art ist, sagte ich ihm direkt ins Gesicht, dass ich ihn die ganze Zeit für schwul gehalten hatte. Er lachte und meinte, es gäbe ja nicht nur Schwarz und Weiß auf dieser Welt.
Drei Monate später saß ich im Zug und fuhr meinem Glück entgegen. Als ich zurückkam waren wir ein Liebespaar. Es blieb nicht lange bei einer Fernbeziehung. Drei Monate später - nachdem ihm die Rente bewilligt worden war - stand er vor meiner Tür und ging nie wieder fort.
Er wusste von Anfang an von meiner Asexualität. Mit ihm kann ich wirklich über alles reden. Gleich zu Beginn unserer Beziehung habe ihm vorgeschlagen, dass er das, was ich ihm nicht geben kann - den Geschlechtsverkehr -, bei anderen holen soll. Ich möchte ihn nämlich glücklich sehen, ohne mich selber verbiegen zu müssen. Ihm möchte ihm nichts vorspielen müssen, aber ich würde auch nie von ihm verlangen, im Zölibat zu leben. Zuerst meinte er, wenn er dies tue, dann sei er ein Idiot, der mich nicht verdient hätte und dass er lieber seine Zeit mit mir beim Kuscheln verbringen würde, als in fremden Betten herumzuliegen. Aber als die erste Verliebtheit vorbei war, fing er doch an, ins Nachtleben einzutauchen, um seine durchaus vorhandenen sexuellen Bedürfnisse zu stillen. Dass er dies mit Männern tut, hat meine Vermutung bestätigt, die ich von Anfang an hatte. Doch selbst wenn mein Mann hetero wäre, könnte ich ihm definitiv nicht das geben, was er in sexueller Hinsicht braucht. Es ist mir also völlig egal, ob er mit Männern, Frauen oder anderen Menschen schläft.
Zwar war ich ehrlich erleichtert, dass er sich nicht länger zurückhält, aber ich würde lügen, wenn ich jetzt behaupten würde, es hätte mich nie in Selbstzweifel gestürzt. Es mir besonders schwergefallen, mich von all diesen anerzogenen Moralvorstellungen zu lösen und mir bewusst zu machen, was ich selber will. Ich möchte aufrichtig geliebt werden, und zwar genau so wie ich bin, ohne mich über alle Schmerzgrenzen hinaus verbiegen zu müssen. Und ich möchte umgekehrt nicht, dass er sich für mich verbiegt, sondern dass er aus freiem Willen mit mir zusammen ist. Sexuell begehrt zu werden, das mag im ersten Moment zwar schmeichelhaft erscheinen, aber es würde mich ganz gewiss unglücklich machen, wenn er mich andauernd bespringen würde. Unsere Beziehung ist voller Vertrauen und Harmonie und von einer Zärtlichkeit geprägt, die weit über das hinaus geht, was ich für platonische Freunde empfinde. Mein Mann hat Recht - es gibt nicht nur Schwarz und Weiß. Und selbst wenn ich ihn irgendwann loslassen müsste, weiß ich, dass ich es überleben werde, denn ich habe dann immer noch die Malerei, die mir Halt im Leben gibt.
Es mag absurd klingen - diese Offenheit hat uns sogar noch enger zusammenschweißt. Neunzehn schöne Jahre haben wir bisher gemeinsam erlebt und es werden hoffentlich noch viel mehr werden. Für uns ist das Entscheidende, dass wir aneinander glauben und uns vertrauen dürfen.
Unsere Art zu leben bedeutet allerdings auch, dass Menschen, die uns früher mal wichtig waren - Familienangehörige und Freunde - sich deswegen von uns abgewandt haben. Es gibt nunmal kein Glück ohne Schmerz. Leider.
Nach oben
          
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Forum für Asexualität Foren-Übersicht -> Beziehungen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2002 phpBB Group

Impressum: AVENde versteht sich als Unterforum von AVEN. Ansprechpartner für die deutsche Seite (aven-forum.de) ist der Administrator "Dirk Walter". Kontaktadresse: Dirk Walter - Rehhütterstrasse 4 - 67165 Waldsee
email: aven.de@dirk-walter.de - Telefon: 06236/54804.
Beachten Sie auch: Forenregeln und Datenschutz