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Wert oder Wertlosigkeit der Menschen

 
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Farben des Lebens




Alter: 21
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 27.04.2019
Beiträge: 8
Wohnort: Rheinland
BeitragVerfasst am: Di Sep 03, 2019 21:23    Titel: Wert oder Wertlosigkeit der Menschen Antworten mit Zitat

Hallo! Smile Ich weiß nicht, ob das Thema hier herein passt. Hat so ganz direkt keinen Zusammenhang mit Asexualität oder Aromantik, kann man hier auch über andere Themen quatschen?

Mich beschäftigt das Thema der „Wert eines Menschen“ gerade auf verschiedenen Ebenen; im Bezug auf meinen Freiwilligendienst in Frankreich (habe da mit Menschen mit Behinderung gearbeitet), die Haltung, die man vielleicht als Erzieher haben sollte (mache gerade eine Erzieherausbildung), eine Diskussion zum Thema Todesstrafe, Gedanken über meinen eigenen Wert und auch in der Auseinandersetzung mit der Religion. ^^

Ich würde gerne jeden Mensch als wertvoll empfinden und annehmen, ohne in Schubladen zu stecken, weiß aber, dass ich das nicht kann, nicht mal in Ansätzen. Und dafür fühle ich mich schlecht, schuldig, weil ich dem Anspruch nicht gerecht werde.

Nun weiß ich schon vom Verstand her, dass wir als Menschen kategorisieren, um besser auf neue Situationen reagieren zu können, deswegen ist man nicht unbedingt direkt ein schlechter Mensch.

Von meiner christlichen Sozialisation habe ich mitgenommen, dass das Menschenbild jedem Menschen als wertvoll ansieht. Aber die Begründung geht dann auf einen Schöpfergott zurück, den ich so nicht erfahre. Nach dem Motto "Jeder Mensch ist wertvoll, weil er so von Gott geschaffen wurde."

Worauf bauen Normen und Werte (und der Wert des Menschen) auf, wenn sie (er) von einer religiösen Ebene getrennt sind?

Wovon hängt der Wert ab? Wenn er nicht grundsätzlich im Menschen verankert ist... Ich komme immer wieder in ein Nützlichkeitsdenken, was ich als völlig fehl am Platz empfinde.

Am Ende kann man immer auf Extremfälle gehen, um zu überlegen, welche Menschen man den Wert anerkennen könnte. Standardbeispiel wäre vielleicht Hitler...

Aber dann ist die Frage, wo zieht man die Grenze? Darf man eine ziehen? Was steht dahinter? Da man nie die ganze Geschichte eines Menschen kennt, darf man deshalb überhaupt je urteilen?

Am Ende beschäftigt mich die Frage auch so, weil ich so häufig das intensive Gefühl habe, nicht genug oder wertlos zu sein.

Hat jemand Gedanken dazu? Denkt ihr, dass der Wert des Menschen im Menschen selbst liegt oder nicht?
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Sandkastenzorro
zweitgrößter Spammer des Forums



Alter: 38
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 03.04.2011
Beiträge: 3460
Wohnort: Bates Motel, 4019 Fairvale
BeitragVerfasst am: Di Sep 03, 2019 22:48    Titel: Antworten mit Zitat

Die Frage ist doch am einfachsten zu beantworten, wenn du sie dir selbst stellst. Was FÜR DICH einen anderen Menschen wertvoll macht. Wann kannst du für dich sagen, dass ein anderer Mensch für dich wertvoll ist?

Und wenn wir beim Thema Nützlichkeit sind - nun, Hitlers größte Nützlichkeit bestand wohl eher darin, möglichst viele Menschen in kürzester Zeit zu ermorden. Aber da der gemeine, heutige Moralkompass jenes wohl eher nicht als Nützlichkeit definieren würde, wäre dann die Frage, für WAS Hitler dann so unglaublich nützlich war? Immerhin muss er das ja gewesen sein, da er für seine Anhänger ungeheuer wertvoll war und ohne diese Anhänger wäre er niemals "Der Fööööhrer" geworden. Sind ja nicht nur Juden ermordet worden. Viele Menschen sind beinahe freiwillig für seine Ideologie in den Tod gegangen. Hitler war de facto also für eine Menge Leute extrem wertvoll.

Heute größteils unvorstellbar, damals Gang und Gäbe.

Und wenn wir das betrachten, dann führt es die These von der Nützlichkeit, die den Wert bestimmt, in sich ad absurdum, weil das, was nützlich ist, sich im steten Wandel befindet.

Wer nützt wem was genau? Und wenn jemand einem selbst nichts nützt, ist er dann wertlos? Ist man wertlos, wenn man mir was nützt, aber dem Rest der Menschheit nicht? Wievielen Leuten muss man was nützen, um nicht wertlos zu sein? Und staffelt sich der Wert mit der Anzahl der Leute, denen man nützt?

Ist ein Bahnhofspenner wertloser als ein Arzt?
Ist er wertloser als ein Millionärserbe, der noch nie in seinem Leben gearbeitet hat?
Ist er wertloser als Tante Frieda beim Aldi an der Kasse?
Wertloser als ein geistig Behinderter, der niemals irgendwas anderes tun wird, als sabbern und Bilderbücher kuggen?
Wertloser als ein Säugling?
Wenn ja - was macht ihn dazu?
_________________
Didn't your mother teach you no manners?
- I ain't never had no mother! We was too poor!
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Windsurfhippie




Alter: 48
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3174
Wohnort: Schönberger Strand / Brasilien
BeitragVerfasst am: Mi Sep 04, 2019 8:03    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe mir dazu über mein Leben hinweg immer wieder umfassende Gedankenbögen geleistet, bzw. haben sie sich dadurch ergeben, wie mir mein Wert bzw. meine Wertlosigkeit durch andere Menschen immer mal wieder vermittelt wurden.

Als objektiv bzw. relativ wertlose Person wahrgenommen zu werden, prägt durchaus das subjektive Bewusstsein darum, anderen wenig wert zu sein, für sie nicht nützlich, nicht Gewinn bringend zu sein, eher unbrauchbar, eine Art Last oder Bürde.
Wenn man dieses Bewusstsein nicht deswegen bekommt, weil man mit einer Einschränkung zu tun hat, dann erhält man es über die Summe der Wertschätzung, und wie sie einem vermittelt wird - oder um die Ohren gehauen wird, sozusagen.

'Du bist nichts' oder 'Du bringst kein Geld ein, leistest nichts...' durfte ich ziemlich oft im Leben hören, oder auch, dass man mich bei Adolf wenigstens vergast hätte - O-Ton meines Herrn arbeitsamen Bruders. Da stellt man sich diese Wert-Fragen schon als Kind, und lernt, daran zu zweifeln.
Dann vergleicht man sich mit anderen, mit den "richtigen" Menschen, den "Normalen". Und die gehen jeden Tag arbeiten und pushen das Bruttosozialprodukt.

Mit kapitalistisch orientierten Eltern wächst man in der Berieselung auf, wie Leistung mit Geld, Gewinn, Ertrag zusammen hängt, und wie das wiederum den Wert des Menschen als funktionales Mitglied einer Gesellschaft bedingt. So bin ich zum Schluss gekommen, dass der Wert eines Menschen sich daran bemisst, wie viel Geld/Ertrag aus seiner Leistung möglichst heraus gepresst werden, oder aber an Unkosten vermieden werden kann, an Kosten an ihm eingespart werden kann.

Als behinderter oder irgenwie kranker Mensch, aber auch, wenn man gleichzeitig nur was Kreatives wirklich kann und machen möchte, ist man da ein ganz klarer Verlustfaktor und hat daher einen eher geringen Wert, oder auch gar keinen.

Über andere, ethische Sichtweisen kann ich da ehestens berichten, dass ich sie als sehr verlogen und heuchlerisch erlebe. Sei es, dass es diese Werte in der Verfassung festgeschrieben gibt, was aber in der sozialen Ebene bzw. im Kontext Umgang von Menschen untereinander oft nur vorgezeigt wird, wenn es sich irgendwo rentiert oder Eindruck schinden kann.
Wie Menschen dann wirklich miteinander umgehen, wie mit Behinderten umgegangen wird, mit kranken Leuten, mit Solchen, die hilfsbedürftig sind, oder das werden, läuft dann ganz anders ab. Der Wert ist da jedenfalls sehr ungleich.
Es gibt zwar so einige Menschen, die dieses Wertebild vom gleichwertigen Menschen hoch halten und weiter tragen, wenn man aber genau hinguckt, leben sie es selbst oft nicht.

Hier sind mir - da ich unter Solchen aufzuwachsen gezwungen war - auch wiederum Christen als relativ negative Beispiele in Erinnerung geblieben. Soll kein persönlicher Wurf sein, halt, weil das in Erwähnung war. Dazu schreibe ich besser auch weiter nix, sonst kocht es wieder hoch. Rolling Eyes

Man könnte jetzt noch was zur eigenen Weltsicht schreiben, oder dazu, wie man das mit dem Wert von Menschen gern sehen würde, wenn man danach gefragt würde, oder dafür ein Auditorium hätte.
Da sehe ich den Wert eines Menschen durchaus gleichwertig mit dem Wert einer Maus, oder dem eines Grashalms - mindestens so. Das sind ja alles Facetten des Lebens, die ihre Funktion im Ökosystem haben, auch wenn die Taten oder Untaten von Einzelnen manchmal wundern machen, ob man denen einen Wert zugestehen soll.
Eine Maus, die einen Großteil ihrer Zeit damit zubringt, die Jungen anderer Mäuse kaputt zu machen oder zu fressen, da wird nicht so viel passieren, außer, dass Mäuse in der Umgebung mit der Zeit vorsichtiger, wehrhaft und schlauer werden. Dazu, wo sie ihre Jungen verstecken.
Menschen sind sozial weiter entwickelt und können besser kombinieren, also setzen sie einen Kindermörder fest, oder exekutieren ihn ggf. auch. Da überwiegt dann der Schaden den Nutzen, und mit dem Wert ist es schnell vorbei - nicht für Außenstehende, die sich das aus der Ferne und ahnungslos anschauen. Aber wenn Menschen aus der Kategorie unmittelbar betroffen sind, die eigenen Kinder ermordet wurden, führt das doch recht häufig zu anderen Sichtweisen.
Dem Grashalm wiederum scheint einerlei, wird er von einem flächiger Wachsenden am Erreichen des Lichts gehindert. Er kann nicht weg, und geht mit der Zeit ein. Hat die Wurzel "Glück", wird das größere Gras von einem Grasfresser ausgerupft, und im folgenden Jahr treiben neue Halme aus.
_________________
Normalität im Bezug auf den Menschen wird durch die Erkenntnis über das Individuum ad absurdum geführt.
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_Eiskristall





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 08.06.2019
Beiträge: 21
BeitragVerfasst am: So Sep 15, 2019 20:58    Titel: Antworten mit Zitat

Prinzipiell finde ich zwar auch, dass es etwas wie einen Wert des Individuums an sich gibt, aber deshalb kann ich meinen Nachbarn gleichwohl für ein Arschloch halten oder schadenfroh sein, wenn jemand, der andere Menschen ermorden wollte bzw. zum Teil bereits ermordet hat, selbst umkommt.

Was denkst du, was dich in deinen Augen wertvoller machen würde bzw. was würde dich mit dir zufrieden machen?
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Callas of the Wind




Alter: 38
Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 13.08.2019
Beiträge: 43
Wohnort: Oberfranken
BeitragVerfasst am: Mo Sep 16, 2019 0:19    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke auch das jeder Mensch wertvoll ist, eben weil er einzigartig ist. Als Kind habe ich sehr schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht und bin heute auch nicht wirklich positiv zu Menschen eingestellt. Erwische mich oft wie ich schlecht von einem Menschen denke. Dann versuche ich, wenn ich dazu lust habe, es aus seiner Sicht zu sehen und das hilft mir manchmal Verständniss aufzubringen. Wie mal jemand zu mir sagte "kein Baby wird böse gebohren". Es gibt aber Menschen die einfach sehr bösartig, egoistisch und damit anderen schaden, manipulativ und hinterlistig sind. Geben sich als sozial aus, weil sie in einem sozialen Beruf arbeiten aber eigentlich arbeiten sie fast gar nicht obwohl sie könnten und auch mal hatte. So eine Person ist meine Nachbarin, die ich sehr gut kenne, da sie die Exfrau meines Freundes ist und behaupten kann, das sie mehr arbeiten könnte. Nun ist sie aber wieder verheiratet und bleibt sehr viel zu Hause, wie sie es bei ihrer vorrigen Ehe gemacht hat. Ja, warum jetzt noch arbeiten? Dann denke ich mir das sie ja auch mal Rente bekommen will und warum arbeitet sie nicht damit die heutigen Rentner ihre bekommen. Bei solchen Menschen hoffe ich das sie das alles zurückbekommen und bekommen was sie verdienen. Solche Menschen finde ich nicht sehr Wertvoll für die Gesellschaft, besonders wenn sie sehr viel von der Gesellschaft verlangen (Geld, Extrawürste usw.) Ich mag es halt überhaupt nicht, wenn es nicht Gerecht zugeht. Wenn jemand nicht kann dann verstehe ich das oder jemand dafür aber nicht viel verlang aber solche Personen wie diese, finde ich nicht im Gleichgewicht und somit weniger Wertvoll.
_________________
"Fremde Erde ist nur fremd, wenn der Fremde sie nicht kennt."
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