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Eine Liebesgeschichte?

 
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Minerva163





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 17.06.2019
Beiträge: 1
BeitragVerfasst am: Mo Jun 17, 2019 13:30    Titel: Eine Liebesgeschichte? Antworten mit Zitat

Wir haben uns kennengelernt, als ich fast 20 war und er 26. Wir machten Musik zusammen, liebten uns über alles, zogen in ein winziges Zimmer zusammen und dann in die erste gemeinsame Wohnung. Alles ging schnell, alles war intensiv. Unsere Freunde waren neidisch auf unsere Verbindung. Wir hatten viel Sex, den wir beide genossen. Ich konnte zum ersten Mal einen Orgasmus haben. Endlich war da ein Mann, der nicht Tag und Nacht nur meinen Körper wollte und nur über dirty talk mit mir kommunizieren konnte. Er hörte zu, war sensibel, lieb zu mir. Dass er beim Sex immer die Augen geschlossen hielt, fand ich schade, aber nicht weiter bemerkenswert. Dass wir nach einer Weile immer die gleiche Position verwendeten, verstand ich als vorübergehend und schön, da wir auf diese Weise immer auf unsere Kosten kamen. Nur war ich so immer die Aktive, er passiv.

Irgendwann wurde der Sex weniger. Einmal die Woche war für mich in Ordnung, Aber dann wurden die Intervalle länger. Wir sprachen darüber, aber nur wenn ich Initiative ergriff. Er sagte dass er es auch Schade fände und er gerne mehr Sex hätte. Aber das konnte ich einfach nicht fühlen, ich hatte den Eindruck dass er das nur sagt, um mich nicht zu verletzen.

Wir diskutierten, woran es liegen könnte. War unser Sex zu eintönig? Wir versuchten es mit anderen Stellungen. Wir waren zufrieden damit, aber es änderte sich nichts an der Häufigkeit. Es wurden Monate ohne Sex.

Ich weinte viel. Ich verliebte mich in jemand anders, unterdrückte die starke Sehnsucht nach dem Körper des anderen Mannes aber, trennte mich nicht, obwohl ich viel darüber nachdachte.

Dennoch blieb unsere Beziehung schön, unsere Leben wurden immer verwobener, wir halfen einander durch viele berufliche und private Krisen, waren Teil der Familie des/der Anderen, fuhren gemeinsam in den Urlaub. Sex war nie der wichtigste Teil unserer Beziehung.

Im Urlaub war alles immer anders. Aus seiner Initiative schliefen wir jede Nacht miteinander. Wild, hemmungslos, so, wie ich es mir immer gewünscht hatte. Wir kamen aus dem Urlaub zurück und hatten das Gefühl, uns wieder näher gekommen zu sein, dass alles besser werden würde.

Aber schnell fielen wir in den Trott des Alltags und schliefen wieder nicht miteinander. So ging das mehrere Jahre lang.

Ich machte ihm Vorwürfe. Meine Vorstellung von Männlichkeit war sehr stark mit einer starken Libido verknüpft. Das größte Problem war für mich, dass er es nicht leugnete, wenn ich ihn fragte, ob es an mir und meinem Körper liegen könnte. Er sagte nicht: ja, daran liegt es, aber er verneinte es auch nicht. So ging mein Selbstwertgefühl in den Keller.

Letztes Jahr habe ich mich fast getrennt. Ich wohnte schon bei einer Freundin, weil ich das Gefühl hatte, dass er einfach nicht auf mich eingeht. Schließlich haben wir uns dazu entschieden zusammen zu bleiben, aber in eine größere Wohnung zu ziehen. Ich wollte wieder meinen eigenen Raum haben, da spielten noch viele andere Faktoren eine Rolle.

Seit einem Jahr haben wir getrennte Schlafzimmer und sind sehr glücklich miteinander. Wir streiten uns selten, lieben einander, unternehmen viel gemeinsam. Aber Sex haben wir immer noch so gut wie gar nicht, obwohl ich ihn wirklich sehr begehre. Jeden Tag habe ich ihn um mich, wir kuscheln viel, küssen uns, streicheln uns. Nur nie an den Stellen, die erregend wären. Ich darf ihn nicht zwischen den Beinen berühren, das mag er nicht. Ich akzeptiere das.

Vor zwei Wochen habe ich ihn wieder darauf angesprochen, dieses Mal mit einem anderen Ansatz. Ich sagte ihm, dass ich verstehen kann, wenn er bisher nicht ehrlich zu mir war, weil ich jedes Mal ausgeflippt bin, wenn er etwas sagte wie "ich habe einfach nicht so viel Lust auf dich". so hat er es mir zwar noch nie gesagt, aber wenn es in diese Richtung ging, habe ich sofort geweint und ihm vorgeworfen, dass er mich nicht genug liebt.

Heute habe ich ein anderes Selbstbewusstsein. Auch, wenn ich mich manchmal noch davon selber überzeugen muss weiß ich, dass ich begehrenswert bin. Es gibt viele Männer die froh wären, mit einer Frau wie mir schlafen zu dürfen. Dass der Mann, der mich liebt, mich nicht begehrt, tut weh, aber ich sagte ihm: es ist okay. Und da hat er es endlich zugegeben.

Und ich war erleichtert.

Ich habe ihm vorgeschlagen, dass ich mit anderen Männern schlafe. Denn ich möchte endlich wieder richtig begehrt werden! Ich möchte Sex haben! Ich möchte ihn nicht mehr unter Druck setzen und ihn verantwortlich für meine sexuelle Befriedigung machen. Ich bin 27 Jahre alt, er ist 33. Er sagte er müsse darüber nachdenken. Aber er könne mich verstehen. Und er sagte: wenn, dann will ich nichts davon mitkriegen.

Das finde ich schwierig, denn dann muss ich lügen und den Teil von mir verleugnen, der Lust hat. Ich würde mich wieder schlecht fühlen. Aber es ist für ihn so en schwieriges Thema! Er spricht mich nicht von selber darauf an. Alles kommt von mir aus. Ich kämpfe und kämpfe. Manchmal frage ich mich, ob ich nur mit ihm zusammenbleibe, weil es einfacher für mich ist. Ich muss nicht mein Leben neu bauen. Eine Trennung wäre so furchtbar schmerzhaft. Ich war mein ganzes Erwachsenenleben mit ihm zusammen.
Aber im nächsten Moment weiß ich auch, wie sehr ich ihn liebe und wie wichtig er mir ist. Ich möchte eigentlich nur mit ihm zusammen sein.

Ich wäre sehr dankbar für eure Meinungen zu meiner Situation.
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Adamant




Alter: 61
Sexualität: Graubereich
Anmeldungsdatum: 22.05.2019
Beiträge: 364
Wohnort: Berlin
BeitragVerfasst am: Mo Jun 17, 2019 16:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hi, ich will mal aus meiner Sicht antworten. Ich selbst halte mich dür demisexuell, das bedeutet, dass "tote Hose" ist (wirklich, null, nichts, niente, egal welche optischen oder haptischen Reize auf mich einwirken), wenn ich zu der betreffenden Frau keine sehr enge emotionale Beziehung habe.

Im "innenverhältnis" ist so jemand klar "sexuell", in der Außenwahrnehmung (außerhalb einer Beziehung) asexuell. Ein Mischwesen also Wink. Ob meine Libido durchschnittlich oder unterdurchschnittlich ist, keine Ahnung, möglicherweise einfach im guten Mittelfeld, jedenfalls genau zwischen meinen beiden Partnerinnen.Laughing

Zunächst könntest Du Dein Männerbild ein wenig hinterfragen. Männer tun zwar gerne so, aber ich bin überzeugt, dass viele weder omnipotent noch allzeit bereit sind. Ich jedenfalls habe einfach eher wenig Lust, wenn ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme. Im Arm liegen und Dösen gerne. Aber Sex, nee, dran denken gerne, aber nicht grad in dem Moment tun.

In meinen Partnerschaften ist verstanden, dass ich nicht stets bereit bin (übrigens kein Alterseffekt, das war schon immer so) und dies nichts damit zu tun hat, ob ich meine Partnerin attraktiv und begehrenswert halte und sie liebe. Ich mache mein Recht geltend auch mal "Männermigräne" zu haben Wink und das ist akzeptiert. Wie meinerseits umgekehrt ja auch.

Wenn Dein Partner nicht in der Körpermitte berührt werden möchte (wenn er keine Lust hat), kann das mehrere Gründe haben. Natürlich kann es ihm einfach und ohne "Hintergedanken" unangenehm sein. Möglicherweise denkt er aber auch, dass mit solchen Berührungen eine Erwartung verbunden ist, die er grad nicht erfüllen mag oder kann. Wenn, wie in meinem Fall, beiden klar ist "jetzt nicht heisst jetzt nicht", dann schadet eine Berührung trotz offenbarer Abwesenheit von Lust nicht, sie kann sogar angenehm sein, da ja nicht mit einer Erwartung verbunden. Mir geht es jedenfalls so. Frag ihn einfach mal. Vielleicht mag er es ohne Erwartungen ja auch. Natürlich darfst Du Dich dann nicht daran stören, wenn er dabei vielleicht einschläft. Das ist dann nämlich ein positives Anzeichen von Entspannung (nicht sexuell, sondern mental).

Bei wirklich deutlich unterschiedlicher Libido ist das Modell eines "Hausfreundes" natürlich ein Gedanke der "vernachlässigten" Seite. Bei Dir wird aber Dein Partner vermutlich dabei ziemlich heftige Verlustängste haben, da er vermuten muss, dass bei Dir mit sexuellem Wohlbefinden auch eine emotionale Hinwendung zu einem Dich begehrenden Mann erfolgt. Das ist nämlich ein "normales" allosexuelles Muster, auch bei Frauen. Und damit von ihm weg (die meisten Menschen denken/fühlen heteronormativ, also auch in reinen Zweierbeziehungen). Deswegen würde er wohl darüber nichts wissen wollen.

Von einem Partner zu "verlangen" ihn in sexuellen Dingen, insbesondere "außerhäusigen Vergnügungen", zu belügen, ist aber auch nicht gut. Denn das rüttelt an den Grundlagen jeder guten Beziehung, nämlich dem Vertrauen.

Womit ich elegant zum nächsten Aspekt überleiten kann. Wenn es Dir gelänge, ihm diese Verlustangst (die ja auch ein Zeichen seiner Liebe ist) zu nehmen, ihm also das Vertrauen vermitteln kannst, dass Du selbst bei anderweitigen Vergnügungen dennoch ihn liebst und er immer die Nr. 1 bleiben wird, dann könnte er sich vielleicht damit arrangieren, es zu wissen, sich aber nicht allzu viele Sorgen zu machen.

In diesem Zusammenhang könnten "Regeln" helfen. Beispielsweise, dass Du nie mit einem anderen Mann öfter als 2-mal Sex hast. Oder dass Du Dir ausschließlich Callboys gönnst. Oder dass Du es nur gegen Geld machst. Nur als Beispiele, welche vertrauensbildenden "Regeln" in Frage kommen, müßtet Ihr diskutieren und hinge ja auch von Dir ab. Das wesentliche Element dabei ist, dass die Regel klar im Widerspruch zu einer dauerhaften mentalen Bindung an einen Außenstehenden steht.

Apropo Vertrauen, ich an Deiner Stelle würde ihm diesen Thread zeigen und auch ermöglichen weiter mit zu lesen.

P.S.: Nach dem, was Du über ihn geschrieben hast, wäre eine Triade ("Polyamorie", er und und ein anderer Mann als "Wings", Du als "Center") wohl keine Option. Daran zu erkennen, dass er lieber nichts wissen wollen würde.
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