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Aromantische Asexualität und Verpartnerung
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bitte nur aromantische Asexuelle mitmachen
Ich möchte keinen Partner.
56%
 56%  [ 30 ]
Ich habe einen Partner oder hätte gerne einen.
44%
 44%  [ 24 ]
Stimmen insgesamt : 54

Autor Nachricht
Svalbard





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 25.08.2018
Beiträge: 9
BeitragVerfasst am: Sa Jan 26, 2019 14:04    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für eure Antworten und sorry für die späte Reaktion, ich hatte viel um die Ohren und einfach nicht die nötige Ruhe fürs Posten gefunden, da habe ich damit lieber abgewartet. Dafür könnte es jetzt ein bisschen länger werden, aber ihr habt ja auch Zeit Wink

Fichte hat folgendes geschrieben:
Warst du in die Partnerschaft gerutscht, als du noch nicht wusstest, wie es sich anfühlt, verliebt zu sein? Das wäre nämlich meine eigene Sorge.


Gut dass du fragst, ich hatte selber schon überlegt, ob es so rüberkommen könnte. Es war aber andersrum, ich war zuerst mit Anfang 20 heftig und aussichtslos in jemanden verliebt. Meinen Mann habe ich erst ein paar Jahre später und unter ganz anderen Lebensumständen kennengelernt.

Fichte hat folgendes geschrieben:
aber ich konnte mich noch nicht auf eine derart einseitige Beziehung einlassen und vermute mal, dass ich mich auch in Zukunft nicht auf eine einseitige Beziehung einlassen könnte, weil ich mich da vermutlich immer mies fühlen würde, so als wenn ich den anderen Menschen am Glücklichsein hindern würde. Aber ich will dir nicht deine Ehe (hab eben noch mal deine übrigen Forenbeiträge gelesen - ihr seid ja schon länger verheiratet) madig reden.


Das würde ich im Nachhinein besseren Wissens auch nicht nochmal machen, und ich empfinde es schon als "Schuld" (oder irgendwas in dieser Richtung), dass ich die Partnerschaft eingegangen bin, obwohl ich diese Verliebtheit, die ich kannte, bei ihm nie empfunden habe. Der Vorwurf, den ich mir mache, ist das, was man mit einem bösen Wort als "Verarschen" des Partners bezeichnen könnte. Wobei es das aber auch nicht war, jedenfalls kein "Verarschen" im Sinne von "bewusst und arglistig etwas vortäuschen, um einen bestimmten Zweck zu erreichen".

Mein Mann war damals ein Studienkollege meiner besten Freundin und ich habe ihn über sie kennengelernt. Er war lebhaft, geradeheraus und stand hinter dem und zu dem, was er machte - und so ist er immer noch. Ich fand ihn sympathisch, mehr nahm ich nicht wahr, aber dann passierten auf einmal seltsame Dinge. Bzw. irgendein Teil von mir, zu dem ich keinen bewussten Zugang hatte, übernahm die Regie und ich sagte plötzlich wie ferngesteuert unerwartete Dinge. Ich erinnere mich, wie ich eines Abends am Küchentisch saß und meiner besten Freundin offenbarte, ich hätte mich ein bisschen in X verliebt. Ich habe mich nach dem Abend gefragt, was das eigentlich war und was ich da mache, weil ich ja gar keine Verliebtheit empfand. Aber eine bewusst geplante und kalkulierte Lüge war es auf jeden Fall auch nicht. Ich wusste einfach nicht, was da geschah und wie mir geschah.

So fing es an, und nahm seinen Lauf, da keiner von uns beiden dem aktiv Einhalt geboten hat, trotz Zweifeln, die auf beiden Seiten immer mal wieder bestanden. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...

Ich habe meinem Mann nie die große romantische Verliebtheit mit entsprechenden Gesten vorgespielt, da sind wir auch beide nicht der Typ dafür. Aber ich habe es auch nie übers Herz gebracht, ihm zu sagen, dass dieses Verliebtheitsgefühl von Anfang an nicht da war (jedenfalls nicht auf einer bewussten Ebene). Da ging die Ferngesteuertheit dann irgendwann in ein bewusstes Aufrechterhalten des Scheins über, das quasi meine "Lebenslüge" geworden ist dadurch Sad Mein Partner spürt das in gewissem Sinne trotzdem, er gibt mir immer wieder mal zu verstehen, dass er traurig ist, weil er sich zu wenig geliebt fühlt. Ich wage es nicht, ihm zu sagen, dass er im Grunde recht hat. Es ist ja nicht so, dass ich überhaupt keine Gefühle für ihn habe, aber halt keine romantische Liebe, ich kann ihm nur Zeit, Zärtlichkeiten, Aufmerksamkeit und Taten schenken. -
Es hätte mich sehr interessiert, etwas von einer aromantischen Partnerschaft zu lesen, wo das offen kommuniziert wird. Ich habe da wahnsinnige Angst davor, dass es als Verrat, Verarsche, bittere Lüge betrachtet wird und vielleicht in gewissem Sinne auch ist Sad

Fichte hat folgendes geschrieben:
Wenn Sie jemanden finden, der im Krieg an Ihrer Seite steht - einen echten Freund in all dem Blut und Dreck - dann ist das ein Glücksfall.


Ich finde das Zitat auch sehr schön, etwas in dieser Art wäre meine ideale "Beziehung". Man kann "Krieg, Blut und Dreck" ja einfach durch "Leben" ersetzen. So ein Zueinander-Halten in allen Lebenslagen. So einen Freund hätte man dann vielleicht auch nur einen, was es von einer "normalen" Freundschaft unterscheidet, die nicht so exklusiv und einzigartig ist. Wenn man das haben könnte... ohne dass eine Seite unerfüllte romantische und / oder sexuelle Erwartungen daran hegt...

Fichte hat folgendes geschrieben:
Ich selbst habs jedenfalls auch nicht so mit Nähe. Besonders abschreckend finde ich z. B. die Vorstellung, ein Bett mit jemandem zu teilen.


Ohje, das mit dem Bett war für mich am Anfang sehr schwierig. Ich konnte lange Zeit erst einschlafen, wenn mein Partner schon fest schlief. Daran habe ich mich mit der Zeit gewöhnt, umso mehr als sich herauskristallisierte, dass wir keine GV-Versuche mehr machen und eben halt kuscheln, kraulen... Inzwischen kann ich schon lange auch vor meinem Partner einschlafen. Was nur immer noch sein muss, er muss mich loslassen, damit ich schlafen kann. Solange er mich im Arm hält oder sich an mich schmiegt, geht es nicht.


Windsurfhippie hat folgendes geschrieben:
Vielleicht ist das dann mehr wie eine Art eingespielte Freundschaft bei Euch? Das wollen ja manche AromantikerInnen sicher auch gern erleben, oder Seelenverwandtschaft, und wenn das alles gut geht, ist doch daran nichts auszusetzen. Selbst wenn es heruntergeköchelt zum Wesentlichen nur eine Zweckgemeinschaft ist, in der man gewohnheitshalber zusammen bleibt. Muss man das "wegwerfen" oder auflösen, bloß weil man eher gray-romantisch tickt?


Ja, praktisch ist es schon eine eingespielte Freundschaft bei uns, plus dieser Exklusivitäts- und Solidaritätsbonus des Zueinanderhaltens in allen Lebenslagen. Wenn dieses Ungleichgewicht nicht wäre, dass er eben eine romantische / sexuelle Ebene einbringt und ich nicht, käme es dieser Freundschaft in allen Lebenslagen sehr nahe.

Das mit dem "Herunterköcheln" ist übrigens ein tolles Stichwort, das ist genau das, worauf ich achten muss, dass ich die Partnerschaft nicht herunterbrennen und herunterkommen lasse. Es darf nicht sein, dass es hauptsächlich an meinem Partner hängenbleibt, das Feuer am Leben zu erhalten. Wenn mir an ihm etwas liegt, muss ich auch Scheite hacken und nachlegen, selbst wenn in meinem Wald der "Romantikbaum" nicht gut gedeiht. Dann muss ich halt andere, mehr praktische "Holzarten" nehmen wie Zeit, Aufmerksamkeit usw. Einen Romantikbaum kann ich mir leider nun mal nicht im Gartencenter kaufen und einpflanzen...

Für mich ist ein Zweckbündnis nicht das gleiche wie ein Gewohnheitsbündnis. Ein Zweckbündnis würde ich eher so sehen, dass es nicht mehr bestehen bleibt, wenn der Zweck erreicht ist, und der Zweck lässt sich auch benennen (z.B. finanzielle Sicherheit, gemeinsame Kinder bis zur Selbstständigkeit großziehen, Aufenthaltsgenehmigung...) Wohingegen das Gewohnheitsbündnis aus sich selbst heraus weiterbesteht, einfach weil es irgendwie funktioniert und niemand es stoppt. So in etwa ist es bei uns, wenn das Feuer mal phasenweise herunterbrennt.

Eine Seelenverwandtschaft wäre für mich quasi eine Inkarnation eines asexuell-ROMANTISCHEN Partnerwunsches. Romantischer geht es gar nicht Wink aber da hat wohl auch jede/r etwas andere Vorstellungen von Romantik.

@Windsurfhippie, ich würde dich gerne etwas fragen, brauchst natürlich nicht antworten oder nur, wenn du willst und falls ich dich verwechsle oder falsch verstanden habe, lass ich mich gerne aufklären. Ich finde die Stelle nicht mehr, aber habe von dir glaube ich irgendwo gelesen, dass du dir über deine Asexualität erst klar geworden bist über einen Zwischenschritt der Stufe "homo-irgendwas". Da du ja auch Aromantiker bist, habe ich mich gefragt, worin das "irgendwas" bestand, wenn es weder sexuell noch romantisch ist? Was haben Männer für dich an sich, das Frauen nicht haben?

LG Svalbard
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Fichte
Admin auf Aven-Partner.de




Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 27.06.2012
Beiträge: 265
BeitragVerfasst am: So Jan 27, 2019 10:56    Titel: Antworten mit Zitat

Svalbard hat folgendes geschrieben:
Ich erinnere mich, wie ich eines Abends am Küchentisch saß und meiner besten Freundin offenbarte, ich hätte mich ein bisschen in X verliebt. Ich habe mich nach dem Abend gefragt, was das eigentlich war und was ich da mache, weil ich ja gar keine Verliebtheit empfand.
Kurios. Ich hab zwar auch mal etwas in dieser Richtung getan, aber da waren die Umstände anders: Ich war 16 und hatte übers Internet eine lesbische Frau kennengelernt, die ich ziemlich sympathisch fand; und als sie schon nach dem 2. oder 3. Treffen "ich hab mich in dich verliebt" sagte, da war ich etwas überfordert und dachte "Was antworte ich jetzt bloß? Ich glaub, ich bin noch nicht verliebt, aber ich finde sie schon cool und würde mich gerne noch öfter mit ihr treffen". Ich weiß gar nicht mehr, ob ich dann verbal antwortete oder ob ich einfach nur irgendwie doof grinste oder so. Jedenfalls kam es bei ihr an, als wenn ich auch in sie verliebt wäre. Embarassed Danach ging der Kontakt ziemlich schnell bergab. Lag aber vermutlich nicht nur an ihrem nervigen Sexbedürfnis und an ihrem nervigen Romantikkram (z. B. Blumenstrauß), sondern auch an ihrem Charakter, denn sie entpuppte sich als viel zu dominant und fordernd. Da war meinerseits letztlich nicht mal mehr freundschaftlicher Kontakt möglich, weil sie mir so sehr gegen den Strich ging.
Aber gelernt hab ich aus der Sache: Seither hab ich, wenn jemand Verliebtheit gegenüber mir äußerte, immer gleich gesagt, dass ich zwar noch nichts derartiges empfinde, aber gerne weiter Kontakt möchte, um herauszufinden, ob sich bei mir vielleicht auch noch Verliebtheit entwickelt.

Vielleicht war das bei dir ja ähnlich: Dass du dachtest, vielleicht kommt mit der Zeit doch noch die Verliebtheit. Man hört ja ab und zu, dass manche Menschen beides kennen: zu einer Zeit mit einem Menschen Verliebtheit, die gewissermaßen "auf den ersten Blick" da war, und zu einer anderen Zeit mit einem anderen Menschen Verliebtheit, die erst nach Monaten oder Jahren aufkam. Auf der allgemeinen Sympathieebene kenne ich beides: mit manchen Menschen Sympathie vom 1. Hallo an und mit manchen Menschen anfangs neutrale Gefühle und später aufkeimende Sympathie.
Dass ich mal jemanden besonders sympathisch finde, scheint aber leider nur extrem selten vorzukommen. Mit den meisten Menschen komme ich selbst nach mehreren Jahren noch nicht über neutrale Gefühle hinaus. Und vor allem hat sich bei mir selbst aus Sympathie bisher nie etwas Längerfristiges entwickelt. Meistens verschwand die Sympathie sogar völlig und endete in "so unsympathisch, dass ich privat gar nichts mehr von der Person wissen will".

Dass du eure Beziehung nicht aufgeben willst, kann ich also durchaus verstehen, denn es ist ja schon erstaunlich, dass es zwischen euch überhaupt schon so lange funktioniert.

Was mir jetzt noch nicht klar ist: Empfindest du für deinen Mann denn wenigstens eine Form von Liebe, auch wenn es keine romantische Liebe ist, oder ist es eher sowas wie Neutralität? Ich hatte nämlich über einen früheren Satz von dir gestaunt:
Svalbard hat folgendes geschrieben:
In den schönsten Zeiten meines Lebens war ich jedenfalls nicht komplett allein, aber auch nicht eng gebunden. Das klappte einmal in Form einer 2er WG mit (nicht-partnerschaftlicher) Freundin und dann in dem Jahr, als mein Mann im Ausland war und wir eine Fernbeziehung führten.
Ich selbst bin zwar auch gerne allein und mag nicht, wenn jemand ständig an mir klebt oder verbal in mir herumbohrt, aber wenn ich jemanden besonders mag, dann fange ich meist schon nach ein paar Tagen an, die Person zu vermissen, wenn sie nicht da ist. Zu einer WG hab ich es zwar noch nicht gebracht, aber ich hatte mal eine Bekannte, mit der ich mir einen WG-Versuch vorstellen hätte können, wenn sie gewollt hätte, weil ich mich wirklich gerne mit ihr traf (und dafür sogar die 3 Stunden Fahrt in Kauf nahm (wir hatten uns in einem anderen Internetforum kennengelernt)) und sie sehr sympathisch fand. (Aber sie fand mich nicht sympathisch genug und beendete irgendwann unseren Kontakt komplett.)
Also die Sache mit dem Auslandsjahr erstaunt mich irgendwie. Hast du deinen Mann da gar nicht vermisst? Aber ist vielleicht auch die Frage, was dir an deinem Mann gefällt. Also wenn mir an jemandem z. B. nur die Witze, die er erzählt, gefallen würden, dann wäre natürlich egal, ob ich neben ihm sitze oder ob er mir per Internet eine Sprachnachricht schickt. Aber wenn ich jemanden z. B. gerne umarme, weil ich seine körperliche Ausstrahlung mag, dann hilft kein Videochat. (Wobei ich auf Umarmungen aber verzichten kann, wenn jemand keine Umarmungen mag. Beispielsweise meine Oma mochte keine Umarmungen und das hab ich natürlich akzeptiert und es hat mir auch nichts ausgemacht. (Obendrein mag ich Umarmungen nur, falls ich jemanden besonders sympathisch finde. Es geht mir also nicht um Umarmungen an sich, sondern um den jeweiligen Menschen und das, was ich mit ihm habe.))
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Windsurfhippie




Alter: 48
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 2898
Wohnort: Schönberger Strand / Brasilien
BeitragVerfasst am: So Jan 27, 2019 11:51    Titel: Antworten mit Zitat

Svalbard hat folgendes geschrieben:


@Windsurfhippie, ich würde dich gerne etwas fragen, brauchst natürlich nicht antworten oder nur, wenn du willst und falls ich dich verwechsle oder falsch verstanden habe, lass ich mich gerne aufklären. Ich finde die Stelle nicht mehr, aber habe von dir glaube ich irgendwo gelesen, dass du dir über deine Asexualität erst klar geworden bist über einen Zwischenschritt der Stufe "homo-irgendwas". Da du ja auch Aromantiker bist, habe ich mich gefragt, worin das "irgendwas" bestand, wenn es weder sexuell noch romantisch ist? Was haben Männer für dich an sich, das Frauen nicht haben?

LG Svalbard


Ich habe nichts dagegen, das zu beantworten, aber es ist aus der heutigen Sicht und Kenntnis gar nicht mal einfach, das festzumachen. Ich hätte es am Nächsten mit -philität ergänzt, wobei ich ja länger dachte, es ist eine Mischung aus Kumpel-Vorstellung und dem, was so unter "platonischer" Freundschaft/Bekanntschaft bezeichnet wurde. Interessenbekanntschaft hätte auch stimmig geklungen, Jagd- und Angelkumpane, Leute, mit denen man zum Sport geht oder Interessen, Hobbies teilt. Vielleicht war ein bisschen Bewunderung dabei. Für Sachen, die ich mir cool vorstellte, wenn einer das kann, wäre es nur die Art und Weise gewesen, wie einer mit seiner Freundin umging.
Aromantik war dann einfach die Schlussfolgerung aus dem Umstand, dass sich nie was im Ansatz Romantisches bildete.

Ob jetzt Männer allgemein irgendwas an sich haben, das Frauen nicht an sich haben, ist ebenso schwer zu beantworten. Dafür habe ich wohl zu wenige Menschen überhaupt je näher kennen gelernt, um das sicher sagen zu können. Interessanterweise sind auch der überragende Anteil heutiger Bekanntschaften, hier im Schriftaustausch, oder von Leuten, mit denen ich Umgang habe, Frauen. Also unterhaltungstechnisch und intellektuell gesehen komme ich mit Frauen üblicherweise viel besser zurecht. Mit Männern ergeben sich überhaupt keine vergleichbaren Unterhaltungen oder Jahrzehnte dauernde E-Mail- oder PN-Austausche. So auch eher flüchtige Bekanntschaften im RL zu Familienvätern oder Sportkollegen aus dem Hetero-Feld.

Was nun die Männer angeht, waren es auch damals nur Vereinzelte, wo ich sagen konnte, die sind von Weitem gesehen ästhetisch irgendwie besonders. Lass es 3 im Leben gewesen sein, von denen ich so einen Eindruck hatte. Von welchen ich niemand kennen lernte, es ging um fremde Leute. Auch da war das mehr so ein Auffallen, das kurze Zeit bestehen blieb, dann auch wieder weg war. Keine derartigen Gefühle, wie RomantikerInnen dies so oft beschreiben.
Die waren einander eben recht ähnlich, immer derselbe Typus, sehr schlank, sportlich dynamisch, rotblonde oder rote Haare und Sommersprossen, ein bisschen wie die Weasley-Zwillinge in Harry Potter vielleicht. Hatten sportliche oder coole Klamotten an, wie Adidas-Trainingsanzug oder Snowboard-Kombi oder waren am Joggen, MTBiken, Kitesurfen. Viel mehr konnte ich da schon nicht ausmachen. Ehenstens, dass die irgendwie ästhetisch edel wirkten. Unnahbar. Man hätte 50 x-beliebige Typen mit ähnlichem Outfit danebenstellen können. Die hätte ich einfach übersehen.

Vermutlich ist es das, was in verschiedenen Anziehungs-Modellen unter "ästhetische Anziehung" beschrieben wird, was mich da überhaupt jemals interessierte.

Heute erscheint es mir albern und dümmlich. Nun gut, ich war damals zwischen 20 und 30 und man mags mir verzeihen. Die Typen wären sich bestimmt komisch vorgekommen, hätten sie je davon erfahren.
_________________
Normalität im Bezug auf den Menschen wird durch die Erkenntnis über das Individuum ad absurdum geführt.
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Svalbard





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 25.08.2018
Beiträge: 9
BeitragVerfasst am: So Jan 27, 2019 12:12    Titel: Antworten mit Zitat

Fichte hat folgendes geschrieben:
Seither hab ich, wenn jemand Verliebtheit gegenüber mir äußerte, immer gleich gesagt, dass ich zwar noch nichts derartiges empfinde, aber gerne weiter Kontakt möchte, um herauszufinden, ob sich bei mir vielleicht auch noch Verliebtheit entwickelt.


Wie reagieren die Leute darauf? Spontan gefällt es mir so gut, dass ich es mal im Langzeitgedächtnis ablege. In meiner jetzigen Situation ist es dafür zu spät, aber genau das wäre ehrlich gewesen zu sagen. Ich weiß nicht, ob es dir ähnlich geht, ich bin ja auch ein Mensch, dem Nähe schwerfällt, und neige dann dazu, bei Kontaktanbahnungen von anderen (jeglicher Art) diese schon in frühem Stadium abzublocken, weil der/die andere vielleicht mehr von mir wollen könnte, als mir angenehm ist. So eine vorauseilende Blockadepolitik ist aber auch keine besonders gute Lösung und ein Stück weit auch an meinen Bedürfnissen vorbei, denn ganz ohne Kontakte kann und will ich nicht leben. Ich hatte nur nie besonders gute Strategien, um den nötigen Abstand einzufordern, ohne das Kind gleich mit dem Bade auszuschütten, wenn der/die andere diesen Abstand mal nicht auf wundersame Weise von allein einhält. Solche tollen Menschen gibt es, aber es ist doch besser, das auch selbst gestalten zu können und nicht darauf angewiesen zu sein, dass einem solche Menschen begegnen.

Fichte hat folgendes geschrieben:
Vielleicht war das bei dir ja ähnlich: Dass du dachtest, vielleicht kommt mit der Zeit doch noch die Verliebtheit.


Das klingt wahrscheinlich, obwohl ich nicht sagen kann, dass ich das definitiv dachte. Als Wunschvorstellung war es vielleicht unterschwellig dabei. Defitiv kann ich das für die sexuelle Ebene bestätigen - da hoffte und wünschte ich, dass ich es irgendwann lernen kann, wenn ich das Intialhemmis des "ersten Mal" überwunden kriege. (Hat so nicht funktioniert).

Ich dachte eher, dass ich mir wohl unbewusst einen Partner gesucht habe, den ich gern hatte und sehr, sehr schätze, aber bei dem ich nicht in Gefahr war, mich zu verlieben. Der Mann damals, in den ich mich unerwidert verliebt hatte... im Nachhinein denke ich, dass es wohl besser war, dass daraus nichts geworden ist. Die Balance wäre so ungleich verteilt gewesen, dass er mich als Person in einer Beziehung komplett an die Wand gedrückt hätte, nicht weil er bösartig gewesen wäre, sondern einfach, weil er so viel war und ich damals so wenig... Ein Teil von mir will das wohl nicht nochmal erleben, und hat sich auf seine Art und Weise darum gekümmert...

Fichte hat folgendes geschrieben:

Ich selbst bin zwar auch gerne allein und mag nicht, wenn jemand ständig an mir klebt oder verbal in mir herumbohrt, aber wenn ich jemanden besonders mag, dann fange ich meist schon nach ein paar Tagen an, die Person zu vermissen, wenn sie nicht da ist. (...)
Also die Sache mit dem Auslandsjahr erstaunt mich irgendwie. Hast du deinen Mann da gar nicht vermisst? (...)


Komischerweise standen mein Mann und ich uns emotional am nächsten, während er im Ausland war. Die räumliche Nähe fiel weg, so dass in mir mehr Raum für die emotionale Nähe da war. Bei mir geht beides sozusagen "vom gleichen Konto / Nähekonto ab", das tendenziell immer leicht überzogen ist. Wird mal weniger räumliche Nähe "abgebucht", bleibt mehr für emotionale Nähe übrig... Wir haben so alle drei Tage länger telefoniert, geskyped, auch Mails geschrieben... Er hatte mir einen Heiratsantrag gemacht, bevor er wegging, ich konnte mich nicht dazu durchringen ja zu sagen, aber während er weg war, entschied ich mich dafür, da ich merkte, wie viele Emotionen für ihn da waren.

Fernbeziehung kann auch eine tolle Möglichkeit sein, um das Näheproblem zu lösen - kommt für meinen Mann auf Dauer aber nicht in Frage. Das meinte ich in meinem Vorstellungsthread mit "als Frau eines Seemanns geeignet". Ich freue mich immer darauf, wenn mein Mann mal eine Woche weg ist... Aber das Vermissen kommt bei mir auch irgendwann, frühestens nach 3 Tagen, aber es kommt.

Meine freie Zeit neigt sich dem Ende zu... jetzt kann es wieder etwas dauern, bis ich antworten kann, aber ich schaue auf jeden Fall wieder rein!
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Svalbard





Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 25.08.2018
Beiträge: 9
BeitragVerfasst am: So Jan 27, 2019 16:34    Titel: Antworten mit Zitat

Danke @Windsurfhippie, jetzt kann ich es mir viel besser vorstellen. Die Art der Anziehung leuchtet mir, glaube ich, ein. Ein bestimmter Typ Mann, der (wenn auch selten) einfach mal aus der anonymen Masse heraussticht und im Gedächtnis bleibt, mehr als andere Typen von Männern, mehr als Frauen. Ästhetische Anziehung ist da bestimmt dabei, aber du schreibst ja auch von Ausstrahlung, also dieser Eindruck von Souveränität, irgend etwas bewundernswertes zu können. Vielleicht ist Ausstrahlung aber auch nur ein weiterer Teilaspekt von Ästhetik, neben der Sportlichkeit, den roten Haaren und den Klamotten...

Gerade wegen den Klamotten wirkt es auf mich (jetzt mit 44) sehr jung und naiv, unerfahren, irgendwie teenie-mäßig... vielleicht "zu jung / jünger als üblich" für ein Alter zwischen 20-30, aber mit Unerfahrenheit weit übers übliche Alter hinaus haben ja viele Asexuelle zu tun. (Ich ja auch und mit Anfang 20 konnte man mir mit Klamotten auch noch Eindruck machen Very Happy ). "Albern und dümmlich" finde ich als Urteil aber zu hart bzw. gemein formuliert. Ein eklatanter Mangel an Erfahrung kann Menschen dümmlich wirken lassen, aber herbeizaubern lässt sich das nicht und es geht ja nicht anders, um sie zu erwerben, muss man da durch. Wirklich dümmlich wäre es mMn eher, das dann mit dümmlichen Sprüchen zu kaschieren. Ist aber alles auch eine Frage der Übung, gerade für die sozial allgemein wenig Geübten und Kompetenten.

Ich will da nichts reininterpretieren, was nicht drin ist, aber es klang beim Lesen ein bisschen wie eine "Proto-Anziehung", die vielleicht einfach nur das ist, was sie ist. Vielleicht aber auch das nicht gänzliche Abhandensein irgendeines Potenzials anzeigt, das sich unter bestimmten Umständen weiterentwickeln und reifen könnte. Zu was auch immer.

So jetzt muss ich wirklich afk, wir gehen zu einem Diavortrag. Einen schönen Sonntag dir noch!
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Fichte
Admin auf Aven-Partner.de




Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 27.06.2012
Beiträge: 265
BeitragVerfasst am: So Jan 27, 2019 18:16    Titel: Antworten mit Zitat

Svalbard hat folgendes geschrieben:
Fernbeziehung kann auch eine tolle Möglichkeit sein, um das Näheproblem zu lösen - kommt für meinen Mann auf Dauer aber nicht in Frage.
Wie wäre es mit eigenen Bereichen innerhalb einer Wohnung bzw. eines Hauses? Habt ihr sowas schon versucht? Sowas hatte ich mit meiner Oma und fand ich angenehm. Wir hatten zwar einen gemeinsamen Haushalt und das Haus war sehr hellhörig (da konnte man im wahrsten Sinn des Wortes jeden Furz hören), aber ich hatte das Dachgeschoss für mich allein und meine Oma fragte vor Betreten meines Bereichs immer erst "Klopf, klopf, darf ich zu Besuch kommen?", und wenn ich gerade keine Zeit oder keine Lust hatte, akzeptierte sie das. Und umgekehrt machte ich es genauso: Wenn ich sie in ihrem Bereich besuchen wollte, fragte ich immer erst, ob es ihr passt. Da kam es dann auch manchmal vor, dass sie sagte: "Bin gerad aufm Klo. Komm in ner halben Stunde noch mal." Diese Mischung aus Nähe und Freiraum fand ich klasse.
Wobei meine Oma aber mehr Bedürfnis nach gemeinsam verbrachter Zeit hatte als ich, aber sie respektierte zum Glück mein Bedürfnis nach Alleinzeit, und sie hatte ja noch andere Menschen, mit denen sie Zeit verbringen konnte. (Es wohnten noch 3 andere Leute im Haus in eigenen Bereichen.)
Vielleicht wäre für dich und deinen Mann ja auch eine Form von Haus-WG mit noch anderen Paar- oder Single-Freunden von euch eine Möglichkeit, da dir ja die WG mit deiner Freundin gefiel. Und ihr könntet ja trotzdem weiterhin in den Nächten, in denen ihr beide Lust auf ein gemeinsames Bett habt, in einem Bett schlafen, und ansonsten eben so eine Art "Kurzurlaub" im jeweils eigenen Zimmer bzw. Hausbereich. Oder manche Leute haben einen Wohnwagen im Garten stehen als Rückzugsbereich, wenn mal einer vom anderen einen oder mehrere Tage "Urlaub" braucht.
Vielleicht findet ihr eine Lösung, die für euch beide besser funktioniert als das, was ihr momentan habt.

Auf die anderen Punkte antworte ich dann irgendwann in den nächsten Tagen noch. Für heute reicht es mir mal wieder mit dem Schreiben.
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Windsurfhippie




Alter: 48
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 2898
Wohnort: Schönberger Strand / Brasilien
BeitragVerfasst am: Mo Jan 28, 2019 13:14    Titel: Antworten mit Zitat

Svalbard hat folgendes geschrieben:

Danke @Windsurfhippie, jetzt kann ich es mir viel besser vorstellen. Die Art der Anziehung leuchtet mir, glaube ich, ein. Ein bestimmter Typ Mann, der (wenn auch selten) einfach mal aus der anonymen Masse heraussticht und im Gedächtnis bleibt, mehr als andere Typen von Männern, mehr als Frauen.


Gerne, danke Dir auch für die Tageswünsche. Ist mal wieder komplett an mir vorbei gegangen, dass es Sonntag war. Spielt hier aber auch keine Rolle, ich lebe sozusagen zeitlich nicht orientiert.

Komischerweise habe ich sowas bei Frauen nie erlebt, dass mir da eine besonders aufgefallen wäre. Deswegen ja Homo-?. Auch die ganzen Eigenschaften, die sowas damals auslösten, waren auf Maskulines "abonniert". Vielleicht hing das auch daran, dass seit Kleinkindalter die gesamten Vorstellungen rund um später mal Heiraten und was in der gesellschaftlichen Erwartungshaltung für einen vorgesehen wurde, sich mit so einer Art Image beschäftigten. Wobei bei mir eben die innere Vorstellung von "wenn ich dann einen Mann heirate" mit der Erwartung der Umgebung "wenn der dann mal seine Frau heiratet" schon in der reinen Hypothese kollidierte.


Svalbard hat folgendes geschrieben:
Ästhetische Anziehung ist da bestimmt dabei, aber du schreibst ja auch von Ausstrahlung, also dieser Eindruck von Souveränität, irgend etwas bewundernswertes zu können. Vielleicht ist Ausstrahlung aber auch nur ein weiterer Teilaspekt von Ästhetik, neben der Sportlichkeit, den roten Haaren und den Klamotten...
Ob das so viel Ausstrahlung war, kann ich nicht sagen, oder was man davon von eher weiter entfernt überhaupt wahrnimmt. Das kann auch Wunschdenken gewesen sein - Jemand, den man sich so als besonnenen Alpha-Menschen vorstellt. Die reale Person könnte ja der ärgste Raufbold oder das totale Gegenteil als Mensch gewesen sein. Ich hätte es nicht gemerkt.

Svalbard hat folgendes geschrieben:
Gerade wegen den Klamotten wirkt es auf mich (jetzt mit 44) sehr jung und naiv, unerfahren, irgendwie teenie-mäßig... vielleicht "zu jung / jünger als üblich" für ein Alter zwischen 20-30, aber mit Unerfahrenheit weit übers übliche Alter hinaus haben ja viele Asexuelle zu tun. (Ich ja auch und mit Anfang 20 konnte man mir mit Klamotten auch noch Eindruck machen Very Happy ).
Du meinst dann Unerfahrenheit im Umgang mit fremden Leuten? Ja, das stimmt sogar. Da kommt noch die Komponente Autismus/Asperger-Delle mit rein -die damals nicht bewusst war
( nur das Andersseinsbewusstsein Richtung oops, wrong planet etwa) und so gut wie gar keine Bekannten außerhalb der Sphäre Verwandter/Lehrer/Dorfumfeld, da auch keine positiven Kontakte. Erst, als ich nach Canada ging, ergaben sich erste zögerliche Kontakte auf Augenhöhe. Aber unerfahren im Bezug auf irgendwas mehr als flüchtige Bekannte, das blieb dabei.
Was Klamotten angeht, habe ich wohl so eine Art Tick oder Macke. Ich dachte mal, dass es ein Fetisch sei. Aber nach allem, was ich über Fetisch je las, passt das so wenig, wie homoSEXUELL je passen können hätte. Vielleicht liegt es da dran, dass ich selbst Klamotten entwerfe und daher einen anderen Blickwinkel einnehme? Oder weil ich Unbekleidete nicht ästhetisch finde, bzw. mit dem Unbekleidetsein unangenehme Assoziationen verbinde. Keine Ahnung. Dieselben Männer wären mir in einem völlig anderen Outfit, oder einem, das mir nicht gefällt - etwa Business-Anzüge oder Frauenkleider - nicht aufgefallen. Das Outfit gehörte zum Auslöser.

Svalbard hat folgendes geschrieben:
"Albern und dümmlich" finde ich als Urteil aber zu hart bzw. gemein formuliert. Ein eklatanter Mangel an Erfahrung kann Menschen dümmlich wirken lassen, aber herbeizaubern lässt sich das nicht und es geht ja nicht anders, um sie zu erwerben, muss man da durch. Wirklich dümmlich wäre es mMn eher, das dann mit dümmlichen Sprüchen zu kaschieren. Ist aber alles auch eine Frage der Übung, gerade für die sozial allgemein wenig Geübten und Kompetenten.
Hm ja, das war mehr auf die Eigenbewertung der Art von Vorfällen bezogen. Also wenn man sowas als rationaler, erwachsener Mensch erlebt, und eben nicht als Teenager, ist das doch ganz schön albern/kindisch. Bei Teenagern findet man das, glaube ich, sogar noch irgendwie niedlich.
Sozial ungeübt und nicht kompetent - ja, das passt wiederum gut. Autismus-Schicksal eben, auch andere üben nicht mit dem doofen Autist. Rolling Eyes

Svalbard hat folgendes geschrieben:
Ich will da nichts reininterpretieren, was nicht drin ist, aber es klang beim Lesen ein bisschen wie eine "Proto-Anziehung", die vielleicht einfach nur das ist, was sie ist. Vielleicht aber auch das nicht gänzliche Abhandensein irgendeines Potenzials anzeigt, das sich unter bestimmten Umständen weiterentwickeln und reifen könnte. Zu was auch immer.
Ist wohl doch eher wohlmeinend reininterpretiert. Smile Ich wäre gar nie auf die Idee gekommen, etwa die Personen zu verfolgen oder Ähnliches. Das einzige, was sich da bei irgendeiner verfolgten Aktion evtl. entwickelt hätte, wäre ein Schlag mit der Faust in mein Gesicht geworden. Entweder von dem Typ selber, oder von seiner Frau/Freundin. Laughing

Ich bin überdies froh, nie Jemandem auf ähnliche Weise bewusst aufgefallen zu sein. Als Hänselei- und Gewalt-Objekt hat mir das Auffälligwerden dafür zur Genüge schon gereicht. Nicht belangt zu werden/links liegen gelassen zu werden ist irgendwie angenehmer, als aufzufallen.

Ich wünsche Dir auch eine gute Zeit.
_________________
Normalität im Bezug auf den Menschen wird durch die Erkenntnis über das Individuum ad absurdum geführt.
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Fichte
Admin auf Aven-Partner.de




Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 27.06.2012
Beiträge: 265
BeitragVerfasst am: Di Jan 29, 2019 18:52    Titel: Antworten mit Zitat

Nun zu deiner Frage an mich. (Bin mir aber nicht sicher, ob ich deine Frage richtig verstanden hab. Falls ich also mit meiner folgenden Antwort völlig das Thema verfehle, dann gib Bescheid! (Sprachlich bin ich eine ziemliche Niete!))
Svalbard hat folgendes geschrieben:
Wie reagieren die Leute darauf?
Zum Glück vernünftig und ohne Drama. Dazu muss ich aber auch sagen, dass es bisher immer extrem schnell verliebte waren. Zwei sogar schon nach wenigen E-Mails. Da staunte ich, denn die kannten zu dem Zeitpunkt ja noch gar nicht meine Stimme und nicht meinen Körpergeruch und nicht meine Bewegungen bzw. sonstige körperliche Ausstrahlung. Ich kann zwar durchaus verstehen, dass man vom Schreiben und vom Foto her schon einen ersten Eindruck bekommt und durchaus schon erste Sympathie entstehen kann (hab ich sogar schon selbst empfunden), aber tiefere Gefühle erscheinen mir eher wie ein Fantasiegebilde der jeweiligen Person. Und auch wenn sich jemand beim 1. oder 2. Treffen verliebt, erscheint mir das irgendwie noch zu schnell und zu fantasievoll, denn in den paar Stunden, die man bis dahin zusammen verbracht hat, kennt man doch allenfalls ein paar wenige Aspekte der Person. Wie können in so kurzer Zeit tiefere Gefühle entstehen? Ich kann nach einem Treffen allenfalls sagen, ob ich noch ein weiteres Treffen will oder nicht. Und alles tiefere muss sich dann über die folgenden Monate, Jahre und vielleicht Jahrzehnte des Kontakts entwickeln.
Meine jeweiligen verliebten Kontakte akzeptierten diese Argumentation von mir jedenfalls (ich hatte mich also je nach Person und Situation teils ziemlich ausführlich erklärt), und sie gaben mir noch etwas Zeit zum weiteren Kennenlernen. Teilweise waren sie aber ziemlich drängelnd. Ich kann zwar klar meine Grenzen aufzeigen und auch Abstand einfordern, aber mir ist es trotzdem schon passiert, dass Leute meine Grenzen überschreiten wollten. Manche Leute wurden da wirklich sehr nervig, und dann ist bei mir natürlich irgendwann der Punkt gekommen, an dem ich den privaten Kontakt komplett beendete, weil es einfach nicht zwischen uns passte. Ich bin zwar konfliktfähig und kann Meinungsverschiedenheiten sachlich klären, aber wenn gewissermaßen fast gar nichts zwischen mir und einem anderen Menschen gut läuft, dann hab ich einfach irgendwann keine Lust mehr.
Ein ziemlich häufiger Kontaktabbruchgrund meinerseits war bisher, wenn jemand täglich Kontakt wollte und dann traurig wurde, wenn ich mal einen oder zwei Tage lang keine Lust hatte. Da beende ich den Kontakt dann aber auch, weil ich ja nicht will, dass die Person wegen mir traurig ist bzw. wegen mir leidet. Das Kontaktende an sich ist zwar natürlich auch traurig für die Person, aber danach ist sie wenigstens frei, um neue, passendere Kontakte zu finden.

Die eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu äußern, finde ich jedenfalls sehr wichtig, denn wie soll sich wahre Liebe entwickeln, wenn man dem anderen gar nicht sein wahres Wesen zeigt? Wenn sich jemand für mich verstellen würde, um mir zu gefallen, dann würde ich in dem Fall ja nur diese geschauspielerte Figur lieben, aber nicht den echten Menschen. Und das finde ich Quatsch. Wenn dann will ich den echten Menschen lieben und auch selbst echt geliebt werden.

Angst, dass ich an Stalker oder gar Mörder geraten könnte, hab ich keine. Ich bin verhältnismäßig optimistisch und denk mir immer: Wird schon gut gehen. Und bei "gewöhnlichen" Menschen weiß ich ja aus Erfahrung (schon aus meiner Kindheit), dass die mich nicht "unterbuttern" können. Mit Leuten, die versuchen, mich zu ihrem Sklaven zu machen, breche ich den Kontakt ab. (Und im Gegenzug käme ich natürlich auch nie auf die Idee, jemanden zu meinem Sklaven machen zu wollen. Von Sklaverei halte ich nichts.)

Und Angst, dass ich nicht gut genug sein könnte, hab ich eigentlich auch keine. Oder anders gesagt: Die Möglichkeit, dass jemand irgendwann den Kontakt zu mir abbricht, besteht ja gewissermaßen immer. Aber deswegen gar nicht erst Kontakte einzugehen, erscheint mir unlogisch, denn im Bestfall kann es ja sein, dass ein Kontakt lebenslang hält. Die Zukunft kann ja niemand vorhersehen, also versucht man halt sein Glück, und falls es schief geht, versucht man es erneut, bis es irgendwann vielleicht mal klappt.

Svalbard hat folgendes geschrieben:
weil er so viel war und ich damals so wenig
Hattest du ihn denn wirklich richtig kennengelernt gehabt, um korrekt beurteilen zu können, dass er so viel mehr war als du? Meiner Erfahrung nach scheinen die Verliebten nämlich tatsächlich durch die "rosarote Brille" beeinträchtigt zu sein. Was ich schon alles an übertriebenen Komplimenten zu hören bekommen hab! Aber ich versuch die Leute dann immer gleich auf den Boden der Tatsachen herunterzuholen, denn ich will ja nicht, dass mich jemand für besser hält als ich es in Wirklichkeit bin.
Und selbst hab ich schon mehrfach erlebt, dass ich Leute, die ich anfangs noch toll fand, mit der Zeit beim näheren Kennenlernen gar nicht mehr toll fand. Oder genauer gesagt: Mit der Zeit kamen Aspekte zum Vorschein, die ich so negativ fand, dass sie die bis dahin positive Bilanz so weit ins Minus verschoben, dass ich den privaten Kontakt beendete.

Svalbard hat folgendes geschrieben:
nicht in Gefahr war, mich zu verlieben
Hm, das klingt ja kompliziert. Ich hab zwar schon von Leuten mit gescheiterten Beziehungen gehört, dass sie sich nicht mehr verlieben wollen, aber die meisten von denen verlieben sich irgendwann ja doch wieder, weil sich das anscheinend nicht kontrollieren lässt. Also erstaunlich, dass du seither nicht mehr verliebt warst, denn es gibt ja genügend Leute, die sich trotz bestehender Beziehung anderweitig neu verlieben.
Aber ich rätsel jetzt noch immer, was genau du eigentlich für deinen Ehemann empfindest bzw. was der Unterschied zu dem anderen Mann ist. Also die positiven Gefühle meine ich. Beispielsweise sowas wie "sieht so gut aus, dass ich ihn ständig anschauen könnte", "hat einen so angenehmen Körpergeruch, dass ich sein T-Shirt trage, wenn er nicht zu Hause ist", "hat eine so angenehme Stimme, dass es mir sogar gefallen würde, wenn er mir nur das Telefonbuch vorlesen würde", "ich kann ihn zum Lachen bringen und er mich", usw.
Die negativen Gefühle der Verliebtheit (sowas wie Nervosität, Unsicherheit, usw.) müssten sich ja mit der Zeit eh verringern und irgendwann komplett verschwinden, wenn man sich genügend kennengelernt hat und sich halbwegs sicher ist, dass man nun "fest zusammen" ist.
Also ich frag mich, ob dir mit deinem Ehemann wirklich etwas Positives fehlt, was du mit einem anderen Menschen vielleicht haben könntest.
Und da stellt sich mir auch noch die Frage bzgl. der sexuellen Ebene. Ich war mir ja lange auch nicht sicher, ob ich asexuell bin oder nur noch nicht die richtige Person getroffen habe. Etwas mehr Gewissheit bekam ich, als ich mal eine wirklich attraktive Person kennenlernte, die sogar Sex mit mir wollte, und ich da aber trotzdem keine Lust empfand. Das war dann der Punkt, an dem ich dachte: Wenn mir nicht mal mit diesem tollen, witzigen, beeindruckenden Menschen Sex Spaß macht, dann bin ich anscheinend wirklich asexuell.

So, ich glaub, jetzt hab ich alles beantwortet, was ich beantworten wollte.
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Fichte
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Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 27.06.2012
Beiträge: 265
BeitragVerfasst am: Mi Jan 30, 2019 11:01    Titel: Antworten mit Zitat

Mir sind doch noch zwei Sachen eingefallen.

Zuerst eine Ergänzung zu meinem gestrigen Beitrag: Ich weiß übrigens gar nicht, ob die Listen mit den Verliebtheitsbeispielen korrekt sind. Die Punkte hab ich einfach im Lauf meines Lebens aus Erzählungen anderer Leute zusammengetragen.
Und was ich gestern noch vergessen hab: Verliebte (oder Leute in glücklichen romantischen Beziehungen) berichten ja auch oft von so einem "Wolke oder Himmel Nr. irgendwas"-Gefühl. Aber keine Ahnung, ob sich das wirklich so gut anfühlt wie es in Erzählungen klingt. (Auf der sexuellen Ebene hat sich für mich ja schon herausgestellt, dass ich praktisch gar nicht nachempfinden kann, wovon andere so sehr schwärmen.)
Ich selbst finde die meisten der Verliebtheits-/Romantikbeispiele übrigens eher gruselig. Wenn jemand z. B. ein getragenes T-Shirt von mir mit ins Bett nehmen würde, um damit zu kuscheln - das ist irgendwie eine schräge Vorstellung. Oder wenn mich jemand ständig anschauen würde. Ich mag ja gar nicht im Mittelpunkt stehen.

Dann noch zu dem Punkt "ästhetische Anziehung" und Windsurfhippies subjektiver Bewertung "albern und dümmlich". Ich selbst kenne teilweise auch sowas wie ästhetische Anziehung und hab das in meinem Fall auch schon als "Schwachsinn" bewertet. Bei mir scheinen es irgendwie unnütze Überbleibsel aus der Steinzeit zu sein, denn damals wäre es für mich als körperlich schwache Frau (wobei ich aber weiß, dass es auch körperlich starke Frauen gibt - nur bin ich selbst leider keine solche) vielleicht noch sinnvoll gewesen, auf athletische/muskulöse Rambo-Beschützertypen (egal ob männlich oder weiblich) zu stehen.
Aber anders als Windsurfhippie war ich der Anziehung praktisch nachgegangen und hab dabei dann gemerkt, dass es mir gar nichts bringt. Das waren sooo schräge Situationen! An ein Mal kann ich mich noch gut erinnern: Da hatte ich jemanden mit Waschbrettbauch im Bett, aber gar kein eigenes Bedürfnis, etwas mit diesem Menschen "anzustellen". Also dachte ich: Wenn die Frauen im Fernsehen solche Waschbrettbäuche immer streicheln und küssen, dann könnte ich das ja auch einfach mal ausprobieren. Und dann probierte ich es wirklich! Aber ich kam mir dabei so daneben vor! Hat mir überhaupt keinen Spaß gemacht. Von daher ist die ästhetische Anziehung zumindest bei mir ziemlich sinnfrei. Kann beim Fernsehen zwar zeitweise Spaß machen, solche starken Actionhelden/-innen zu sehen und zu denken "ach, wie cool!", aber im realen Kontakt lege ich keinen Wert darauf.
Und bevor jetzt jemand auf die Idee kommt, mir eine Psychotherapie zu empfehlen, um irgendwelche Blockaden aufzudecken: Ich hab keine Blockaden, denn z. B. Umarmungen können mir Spaß machen und dabei hab ich keine Vorliebe, wie der Mensch körperlich gebaut ist. (Solange er mich nicht zerquetschend fest drückt, denn das finde ich extrem unangenehm.)
Ich denke also, dass man unterscheiden muss zwischen sinnvollen und "sinnlosen" Gefühlen/Impulsen. Aber welche Gefühle sinnvoll sind, findet man vielleicht nur durch Ausprobieren heraus. Meine Oma z. B. hatte in ihrer Jugend zwei Männer zur Auswahl: nur in einen der beiden war sie verliebt und diesen heiratete sie auch (obwohl alle anderen Leute ihr geraten hatten, den anderen zu heiraten), und letztlich endete die Ehe in Scheidung und meine Oma bereute, dass sie sich von der Verliebtheit leiten hatte lassen. Wobei man aber natürlich nicht weiß, ob sie mit dem anderen Mann glücklicher geworden wäre. Nach der Scheidung war mit dem anderen leider kein Ausprobieren mehr möglich.
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