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Aromantisch oder einfach nur verwirrt?

 
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silkweaver
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Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 28.10.2017
Beiträge: 43
BeitragVerfasst am: Mo Okt 30, 2017 11:16    Titel: Aromantisch oder einfach nur verwirrt? Antworten mit Zitat

Hallo liebes Aven-Forum,

dass ich asexuell bin, davon gehe ich schon seit längerer Zeit ziemlich sicher aus, aber manchmal habe ich den "Verdacht" gleichzeitig auch noch aromantisch zu sein.

Ich bin jetzt 25 Jahre alt und war bisher noch nicht ein einziges Mal (richtig?) verliebt. Zumindest nicht nach meiner eigenen Definition des Wortes.

Tatsächlich kenne ich Gefühle wie Herzrasen und Nervosität in Gegenwart einer (meist männlichen) Person. Manchmal denke ich dabei tatsächlich "oh, das müssen wohl die Verliebtheitssymptome sein, von denen andere immer erzählen.".
Allerdings kam mir das im Nachhinein jedes Mal komisch vor... denn jedes Mal, wenn es zu einer Begegnung kommt, in der ich solche "Symptome" zeige, ist es meistens damit verbunden, dass ich extrem viel Respekt oder schlichtweg irgendwie Angst vor dieser Person habe oder sonstige "logische" Gründe vorliegen.

Oft sind das Menschen, die irgendeine besondere Begabung haben, die mich massiv beeindruckt, wenn nicht sogar einschüchtert.
Ich selbst belege gerade einen kreativen Studiengang und wenn dann im Zeichenkurs jemand neben mir sitzt, der zufällig der krasseste Zeichner im ganzen Campus ist, macht mich das natürlich irgendwie nervös.
Zumal ich dazu neige, mich immer extrem mit anderen zu vergleichen und mich klein zu machen, wenn ich das Gefühl habe nicht mithalten zu können...

Ein anderes Mal bin ich vor einigen Jahren während meiner Ausbildung auf dem Gang mit einem Jungen zusammengestoßen, als ich mich abrupt umgedreht habe und habe mich natürlich erschreckt! Da hat mein Herz natürlich auch erstmal gerast und irgendwie ist dieses Gefühl bei jeder weiteren Begegnung mit dieser Person wieder aufgetreten, obwohl ich ihn gar nicht kannte und überhaupt nichts mit ihm zu tun hatte.
Er war ziemlich groß und wirkte auch recht einschüchternd. Auch da habe ich meine Nervosität und das Herzrasen als "Verliebtheit" (oder in dem Fall wohl eher eine Schwärmerei) interpretiert, bis ich irgendwann mal zufällig mit ihm ins Gespräch kam. Da war die Nervosität dann innerhalb kürzester Zeit weg und meine "Verliebtheit" hatte sich erledigt...
Ich vermute immer noch, dass ich da unterbewusst den Schreck und das Herzrasen mit dieser Person gekoppelt habe, obwohl er eigentlich nur rein zufälliger Auslöser war.

Dann gab es während der Ausbildung noch einen guten Freund, in dessen Gegenwart ich mich immer seeeehr wohl gefühlt habe. Wir hatten sehr viele gemeinsame Interessen und er war einfach sehr angenehm.
Er war allerdings schwul und selbst wenn ich diese Tatsache mal einfach ignoriert und mir trotzdem eine romantische Beziehung versucht habe vorzustellen (weil er der erste war, für den meine Sympathie so groß war), fand ich die Vorstellung ihn zu küssen oder Händchen zu halten absolut abstoßend. Kurze Umarmungen waren voll in Ordnung, aber alles darüber hinaus, konnte ich mir weder bei ihm, noch bei irgendjemandem sonst jemals vorstellen.

Außerdem habe ich nach wie vor die Vermutung, dass ich ihn emotional nur so nah an mich ranlassen konnte, weil ich genau wusste, dass er garantiert niemals mehr von mir will. Generell finde ich schwule Männer meist sehr angenehm (zumindest die, die ich persönlich bisher kenne).
In seiner Gegenwart hatte ich aber eigentlich nie Herzrasen oder ähnliches, trotzdem ist er wahrscheinlich die Person, die ich bisher am nähesten an mich rangelassen habe und vermutlich hat er deshalb immer noch so einen hohen Stellenwert in meiner Erinnerung.

Manchmal kommt es mir so vor, als wäre ich unterbewusst gerne verliebt, bin es aber eigentlich nie. Jedes Mal ist es nur ein Herzrasen und/oder Nervosität, die absolut erklärbare Auslöser haben und die ich einfach nur gerne als Symptome des Verliebtseins interpretieren würde, so scheint es mir zumindest.
Vielleicht ist aber auch das umgekehrte der Fall und ich versuche mir die Verliebtheit auszureden, indem ich nach logischen Erklärungen suche, hm...

Auf jeden Fall vermisse ich keine romantische Beziehung in meinen Leben, ich bin gerne allein und glücklich dabei. Und das rede ich mir definitiv nicht ein, da bin ich mir ausnahmsweise sehr sicher. Very Happy
Ich habe nicht das Bedürfnis nach einer engen Beziehung welcher Art auch immer, pflege auch sonst nur relativ lockere Kontakte zu Freunden. Ich bin tendenziell schon eher ein Einzelgänger und genieße es sehr meist nur für mich zu sein.

Trotzdem lassen mich solche Erlebnisse manchmal doch ein wenig an mir zweifeln.
Was meint ihr, kann ich aromantisch sein oder eher nicht?
Mich verwirrt das alles so ein bisschen...
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Windsurfhippie





Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 13.08.2005
Beiträge: 3235
Wohnort: NZ
BeitragVerfasst am: Mo Okt 30, 2017 14:11    Titel: Antworten mit Zitat

Bis auf Versuche, das in Richtung Symptome von Verliebtheit zu interpretieren, könnte das schon der Fall sein. Die meisten der Dinge, die Du an Dir selbst beobachtet hast, können auch ganz anders hergekommen sein. Ich kenne ähnliche Reaktionen auf Begegnungen mit Leuten, allerdings war mir immer klar, das liegt daran, was in an Erfahrungen mit Menschen allgemein erlebt habe, sodass mir meine Vorsicht öfter solche Fallen stellt. Wie sich zu erschrecken vor Leuten, die besonders dominant oder vielleicht groß aussehen oder irgendwie finster dreinzusehen scheinen. Da kriege ich auch ein kurzes Herzspringen wie bei einem Schreck oder fühle mich unwohl in deren Gegenwart. Das hat allerdings mit dem Erschrecken zu tun, oder mit den Folgen derart Prägung. Es geschieht ja vorwiegend bei Leuten, die Ähnlichkeiten zu denen haben, mit denen ich schon mal Konflikte im Leben hatte, oder die fies und gewalttätig waren.
Irgend eine fremde Person kann da nix dafür, aber mit der Ähnlichkeit sind sozusagen meine Vorsichtsmelder verknüpft, Angstrezeptoren oder so, und das Gefühl dreht dann auf Panik hoch.

Oder dann Bewunderung versus Gefühl, nicht in derselben Liga spielen zu können, wie Leute, die besonders sind oder etwas super gut können und so.
Bei denen, wo ich früher mal glaubte, sowas Romantisches zu spüren, war es eine Bewunderung ihrer Leben, ihrer Handlungen, oder davon, wie sie als Pärchen ineinander verliebt sind und ihre Beziehung leben.
Wenn das "verliebt" wäre, dann wäre man in die Liebe verliebt, die sie miteinander teilen.
Aber das ist mehr sowas wie Bewunderung.

Nach dem, was man über Verliebtheit nachlesen kann, sind da sämtliche Interessen auf den ganz bestimmten Menschen hin ausgerichtet, es folgt etwas wie Überidealisierung dieser Person, und ungefällige Eigenschaften, wenn sie diese Person auch hat, werden einfach übersehen oder für unbedeutend befunden. Dazu kommt ein Verlassen der rationalen Fähigkeit oder Komfortzone, also mindestens so etwas wie temporärer Realitätsverlust. Da man Verliebtheit wohl nicht ausprobieren kann, sind offenbar weitere Zusatzfertigkeiten notwendig, um das überhaupt zu können.
Soweit bin ich in dem Thread, den ich über das Ausprobieren anfing, zumindest gekommen. Bestimmte Fertigkeiten, soziale und emotionale Begabungen -- wenn die nicht vorhanden sind, scheint Verlieben nicht zu machen zu sein. Anscheinened passiert es entweder von selbst oder eben nicht.

Und ich schätze, uns Aromantikern fehlen diese sozialen Skills.
_________________
Wer später stirbt, erlebt den Tod derer, die früher sterben, und hat deshalb länger was zu lachen.
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silkweaver
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Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 28.10.2017
Beiträge: 43
BeitragVerfasst am: Mo Okt 30, 2017 15:57    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank erstmal für deine Einschätzung und den Erfahrungsaustausch!

Windsurfhippie hat folgendes geschrieben:
Oder dann Bewunderung versus Gefühl, nicht in derselben Liga spielen zu können, wie Leute, die besonders sind oder etwas super gut können und so.
Bei denen, wo ich früher mal glaubte, sowas Romantisches zu spüren, war es eine Bewunderung ihrer Leben, ihrer Handlungen, oder davon, wie sie als Pärchen ineinander verliebt sind und ihre Beziehung leben.
Wenn das "verliebt" wäre, dann wäre man in die Liebe verliebt, die sie miteinander teilen.
Aber das ist mehr sowas wie Bewunderung.


Genau das vermute ich bei mir nämlich auch.
Wenn ich denn mal ansatzweise so etwas wie verliebt bin (oder glaube es zu sein), sind es immer Personen, die mir einfach wahnsinnig durch ihr Tun und Schaffen imponieren und weniger die Persönlichkeit selbst, die mich interessiert oder fasziniert.
Und meistens legt sich das auch immer sehr schnell, wenn ich die Leute dann besser kennenlerne und nicht mehr ganz so eingeschüchtert bin.

Windsurfhippie hat folgendes geschrieben:
Ich kenne ähnliche Reaktionen auf Begegnungen mit Leuten, allerdings war mir immer klar, das liegt daran, was in an Erfahrungen mit Menschen allgemein erlebt habe, sodass mir meine Vorsicht öfter solche Fallen stellt. Wie sich zu erschrecken vor Leuten, die besonders dominant oder vielleicht groß aussehen oder irgendwie finster dreinzusehen scheinen. Da kriege ich auch ein kurzes Herzspringen wie bei einem Schreck oder fühle mich unwohl in deren Gegenwart. Das hat allerdings mit dem Erschrecken zu tun, oder mit den Folgen derart Prägung. Es geschieht ja vorwiegend bei Leuten, die Ähnlichkeiten zu denen haben, mit denen ich schon mal Konflikte im Leben hatte, oder die fies und gewalttätig waren.
Irgend eine fremde Person kann da nix dafür, aber mit der Ähnlichkeit sind sozusagen meine Vorsichtsmelder verknüpft, Angstrezeptoren oder so, und das Gefühl dreht dann auf Panik hoch.


Auch das kenne ich.
Nicht in dem extremen Sinne, dass in mir gleich Panik aufkommt, aber wenn mir jemand begegnet, der einer Person ähnelt, mit der ich so meine Probleme hatte, dann ist mir diese Person auch sofort automatisch unsympathisch. Selbst wenn diese Einschätzung nur auf vorheriger Erfahrung basiert und eigentlich keinerlei Bezug zu der neuen Person hat.
Und obwohl ich das meist sofort selbst merke, werde ich dieses negative Gefühl einfach oft nicht los.
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