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Beziehung und Sexfreund?
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Greywolf




Alter: 49
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 26.01.2014
Beiträge: 396
Wohnort: Münsterland
BeitragVerfasst am: So Mai 29, 2016 20:43    Titel: Antworten mit Zitat

Demnach ist dein Motto tendenziell die Trennung.

Wie sieht denn dein KLAPPEN aus, wenn alles perfekt ist?

Welche anderen besseren Wege gibt es für dich?

Was bedeutet für deinen sexuellen Partner "in jeder Hinsicht zusammen"?
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Greywolf
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Hummelchen




Alter: 22
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 30.07.2015
Beiträge: 321
Wohnort: nahe Berlin
BeitragVerfasst am: Mo Mai 30, 2016 10:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Greywolf,

ich möchte zu Anfang betonen, dass ich Deine Beziehung und Deine Lösung des Problems nicht schlechtmachen will oder eure Beziehung als minderwertig bezeichnen will. Ich akzeptiere Eure Lösung genauso, wie Du meine akzeptierst. Dass meine Antworten forsch klingen, liegt in meiner Natur Wink
Ich beschäftige mich selber sehr kontrovers mit dieser Thematik nicht zuletzt wegen der Frage, wie eine zukünftige Beziehung verlaufen sollte/könnte. Dabei hinterfrage ich auch meine Argumentation immer wieder. Was dabei herauskommt ist, dass ich zwar Argumente für die Lösung Sexfreund finde, die logisch begründbar sind, dass sich diese Lösung für mich aber falsch anfühlt und mit meinen Moralvorstellungen, die mein Leben bisher immer in positive Bahnen geleitet haben, ohne mich einzuschränken, brechen würde.
Ich versuche also, meinen Standpunkt an meinem eigenen Beispiel zu erklären, damit es nicht verallgemeinert wird:

Mein Motto ist nicht tendenziell die Trennung. Wie ich schon erklärt habe, sehe ich andere, bessere Wege, dieses Problem zu lösen. Ich werde nicht im Einzelnen erläutern, wie mein Ex und ich es versucht haben, nur so viel: Es gibt ja noch andere Möglichkeiten, seinen Partner sexuell zu befriedigen, als den traditionellen Sex. Ich ziehe also die Trennung nicht als einfachste Lösung in Betracht, mit der ich mich meiner Verantwortung entziehen kann, wenn ich keine Lust mehr habe. Ganz im Gegenteil: Ich ziehe es vor, andere Möglichkeiten als den "richtigen" Sex auszuprobieren, die einerseits meinen sexuellen Partner befriedigen und andererseits mich nicht überfordern/abstoßen etc. Das verlangt nicht nur meinem sexuellen Partner etwas ab, sondern auch mir. Ich verlange also nicht, dass sich mein Partner einseitig einschränkt. Aber eine Beziehung ist nun mal ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Damit übernehmen wir füreinander Verantwortung und lösen das Problem innerhalb unserer Beziehung (wie es meiner Meinung nach richtig ist).

Das ist natürlich eine Lösung, die schwieriger ist, als sich einfach einen anderen zu suchen, mit dem man Sex haben kann. Unter Umständen klappt diese Lösung auch nicht. Um eine solche Lösung gemeinsam zu tragen, braucht es viel Liebe, Kompromissbereitschaft und manchmal auch Durchhaltevermögen. Und wenn man ansonsten nicht perfekt zueinander passt, kann die Beziehung an dieser nicht immer einfachen Lösung auch zerbrechen, wie ich selber erlebt habe. Aber weil eine Lösung schwierig und nicht immer erfolgreich ist, ist sie nicht automatisch die schlechtere. Die Moral dient ja auch nicht der Einfachheit, sondern der Korrektheit des Handelns und der Achtung vor der Würde meines Partners und auch meiner eigenen Würde.

Und "in jeder Hinsicht zusammen" bedeutet für mich einfach, dass ich die Lösung eines solchen Problems nicht an einen Dritten abgebe, da dieses Problem meine Beziehung betrifft. Deshalb muss ich es auch innerhalb meiner Beziehung lösen. Sonst hat die Beziehung für mich keinen Bestand. Für meinen sexuellen Partner bedeutet es das gleiche.

Ich hoffe ich konnte es nachvollziehbar erklären. Smile
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dunkler_regenbogen




Alter: 60
Sexualität: Unentschlossen
Anmeldungsdatum: 18.12.2012
Beiträge: 443
Wohnort: Dortmund
BeitragVerfasst am: Mo Mai 30, 2016 12:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Hummelchen,
ich wünschte, ich hätte in deinem Alter schon gewusst, was mit mir los ist. Dann wäre mir viel "Kummer" erspart geblieben.

Verbene hat zwar Recht, wenn sie meint, dass du noch keine 20jährige Beziehung haben kannst, die dann nur am Sex scheitert - aber wie sieht denn die andere Seite davon aus? Wer von beiden hat sich da 20 Jahre lang verbogen, damit die Beziehung so lange halten konnte?
Bei meinen langjährigen Beziehung war immer ich es, die sich verbogen hat und Kompromiss einging, die mir nicht wirklich gefielen und gut taten.

Heute bin ich soweit, dass ich da keinen Kompromiss mehr eingehen würde, was die Partnersuche nicht erleichtert. Da ist gut, dass ich mich allein absolut wohl fühle und eine Partnerschaft nur als "Sahnehäubchen" sehe.
Aber auch da spielt das Alter vermutlich eine größere Rolle, als manche meinen. Nach einigen gescheiterten Beziehungen und einem tollen Sohn ist es auch einfacher, als glücklicher Single zu leben, als wenn man noch die meiste Zeit seines Lebens vor sich hat.
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You'll never find a rainbow if you're looking down.

Ich weiß, dass die Stimmen in meinem Kopf nicht real sind, aber sie haben so wahnsinnig geile Ideen!
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Greywolf




Alter: 49
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 26.01.2014
Beiträge: 396
Wohnort: Münsterland
BeitragVerfasst am: Mo Mai 30, 2016 21:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Hummelchen,

meine Lösung kannst du mir gar nicht schlecht machen Wink Da sind meine Frau und ich zu sehr von unserer Lösung überzeugt. Soll aber auch auf keinen Fall bedeuten, dass es nicht auch andere Lösungen gibt. Letztendlich entscheidet dies jedes Paar für sich! Ich finde es sehr spannend hierüber im Forum zu diskutieren.

Du kannst versichert sein, dass ich vor dem Wissen meiner Asexualität die gleichen Moralvorstellungen bezüglich Sex und Partnerschaft wie du hattest. Insofern viel es mir auch sehr schwer mich mit dem Thema Sexfreund zu beschäftigen. Zu dem Zeitpunkt fühlte es sich für mich auch falsch an. Wie sagt man so schön, "da bin ich durch das Tal der Tränen gegangen"! Ich hatte am Anfang gedacht, dass ich einen sexuellen Kompromiss hinbekomme. Nein, wenn die Klamotten aus sind, habe ich keine Lust. Vielleicht fiel mir deshalb auch unsere Lösung dann leichter.

Zwischen dem ersten Gedanken meiner Frau wegen Sexfreund und meinem absoluten Dahinterstehen verging eine Woche. Es war für mich die schlimmste und schwierigste Zeit meines Lebens. Ich hatte mir bisher noch nie so viele Gedanken gemacht, Dinge aufgeschrieben und Gespräche mit meiner Frau geführt. Ich war dann 100%ig der Meinung, dass dies der richtige Weg für uns ist. Für mich fühlt sich jetzt auch nichts falsch an.

Du beschreibst den gemeinsamen sexuellen Kompromiss als schwierig. Ich glaube, dass er langfristig schwierig ist. Beide müssen immer wieder den Kompromiss eingehen. Eine(r), die/der sexuelle Handlungen eher nicht will, aber trotzdem macht. Die/der andere, die/der ihre/seine sexuelle Erfüllung vermutlich nicht komplett bekommt und mit dem Wissen, die/der andere macht es eigentlich zu wider. Meine Lösung war für mich kurzfristig emotional extrem schwierig, ist für mich jetzt langfristig aber einfacher. Ich muss mich nicht wöchentlich damit beschäftigen, wie ich meine Frau sexuell befriedige. Für mich ist es völlig normal geworden, dass meine Frau Sex mit einem anderen hat. Hätte ich mir vor 3 Jahren auch nicht vorstellen könnnen.

Du konntest mir übrigens deinen Standpunkt nachvollziehbar erklären Wink
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Greywolf
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Hummelchen




Alter: 22
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 30.07.2015
Beiträge: 321
Wohnort: nahe Berlin
BeitragVerfasst am: Di Mai 31, 2016 11:22    Titel: Antworten mit Zitat

dunkler_regenbogen hat folgendes geschrieben:
Verbene hat zwar Recht, wenn sie meint, dass du noch keine 20jährige Beziehung haben kannst, die dann nur am Sex scheitert.


Wenn ich jemanden nach 20 Jahren oder mehr Beziehung nur wegen des Sex verlasse, muss ich mich aber auch fragen, ob die ganzen Jahre nicht verschwendete Zeit waren. Für mich ist es schwer vorstellbar, dass ich jemanden, den ich so sehr liebe, dass ich seit so langer Zeit mit ich/ihr zusammen bin, nur wegen des Sex verlasse. Dann hat die Trennung doch meist noch andere Gründe und der fehlende Sex ist noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Greywolf:
Warum genau hast Du die Moralvorstellungen, die Du früher hattest, verworfen? Weil sie sich als falsch herausgestellt haben? Weil sie dich nicht weitergebracht haben? Der beschriebenen Einfachheit halber? Was hat dazu geführt, dass Du jetzt so dahinter stehst?

Natürlich ist ein Kompromiss ohne Sexfreund nicht einfach, Das habe ich ja auch geschrieben. Und natürlich weiß mein sexueller Partner, dass ich ihm zuliebe sexuelle Handlungen vollziehe. Aber erlaube ich ihm die Sexbeziehung nicht auch ihm zuliebe? Warum ist das dann besser?

Und dass es für mich normal ist, dass mein Partner mit einem/einer anderen schläft, heißt noch lange nicht, dass es in Ordnung ist. Man kann sich an alles gewöhnen. Das ist aber noch kein Indiz dafür, dass man wirklich glücklich damit ist. Es kann genauso gut sein, dass man einfach nur erleichtert ist, keinen Kompromiss mehr eingehen zu müssen, und sich deshalb mit einer Situation arrangiert, die einem eigentlich nicht passt.
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Verbene




Alter: 59
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 04.11.2013
Beiträge: 34
BeitragVerfasst am: Di Mai 31, 2016 12:18    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann mich leider nur wiederholen, du bist eindeutig zu jung um das zu verstehen.
Du sprichst den Menschen , die eine langjährige Beziehung führen ab, sie würden nicht genug lieben, sonst könnte man ja über das "kleine Problem"
Sex hinwegsehen wenn man sich nur genug lieben würde.
Leider hast Du überhaupt kein Verständnis für Sexuelle.Das brauchst Du ja auch nicht zu haben, aber hier "kluge Ratschläge" geben, das kommt jedenfalls bei mir nicht gut an.

Ich mag mich wiederholen, aber mit 18 Jahren hat man ganz andere Vorstellungen vom Leben.

Mein Mann hat für mich "aus Liebe" jahrelang auf Sex verzichtet und ich versuche mich jedenfalls in einen Sexuellen zu versetzen und mir vorzustellen, was ihm alles fehlt.
Jetzt zeige ich meine Liebe dadurch, das ich ihm eine Sexfreundin zugestehe und ich kann nur sagen, für uns war das die beste Entscheidung.

Ich spreche da nur für uns und kann jeden verstehen, der das nicht kann, nur sollte man bitte in der Beziehung Sexuelle/Asexuell auch die Sexuellen nicht vergessen und so tun als wenn alles "mit genug Liebe" bestehen kann.
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Maz
ADMod Team



Alter: 42
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 13601
BeitragVerfasst am: Di Mai 31, 2016 12:33    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube hier wird der Begriff Liebe als ein Gegensatz zur Gewohnheit betrachtet. Die meisten Beziehungen in höherem Alter ziehen ihre Bindungsenergie doch aus völlig anderen Komponenten als in jungen Jahren. Primär aus Gewohnheit zusammen zu leben klingt für junge Menschen oftmals geradezu "verwerflich" ist aber nach 20 Jahren Ehe doch eher der Normalfall. Was natürlich nicht bedeutet, daß da zwangsläufig keine Liebe existiert, sondern daß es keiner besonders "intensiven Liebe" mehr bedarf um sich nicht zu trennen. Das "theatralische Element" bleibt wohl besser der Jugend vorbehalten. Wenn Menschen höheren Alters intensive Gefühlsanwandlungen als strukturierendes Element erwarten geht das jedenfalls oft ziemlich daneben.

Wenn jemand allerdings 20 Jahre ohne Sex in einer Beziehung gelebt hat und dann doch wieder welchen will flüchtet er (abgesehen von den rein biologischen Schwankungen) doch wohl eher vor genau dieser Gewohnheit, die sich in dieser Zeit eingestellt hat. Manche Menschen haben so Phasen in ihrem Leben in denen sie mit alten Gewohnheiten brechen wollen und viele agieren das dann über ein verändertes Sexualverhalten oder Beziehungsverhalten aus (neuen Partner, reinen Sex-Zusatz-Partner, etc.). Das gibt es aber ja bei Sexuellen Paaren alles ganz genauso und ich weiß nicht warum hier immer wieder auf einem asexuell-sexuell Gegensatz herumgeritten wird. Zumindest halten diese Phasen auch Sexuelle in sexuell-sexuellen und sexuell aktiven Beziehungen nicht davon an sich so zu verhalten.
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Verbene




Alter: 59
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 04.11.2013
Beiträge: 34
BeitragVerfasst am: Di Mai 31, 2016 13:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Maz,

das stimmt so nicht.
Es war kein ausbrechen aus einer "Gewohnheit", wie es in jeder Ehe vorkommen kann.

Gerade die Gewohnheit schweißt uns doch sehr zusammen.
Die Liebe ist eine Andere geworden, ich möchte fast behaupten , sogar eine stärkere.

Es ist jetzt auch nicht so, das wir 20 Jahre keinen Sex hatten und dann fällt meinem Mann ein, ups das gibt es doch noch was.

Was ich hier bemängele, ist das nicht akzeptieren der sexuellen Seite.
Wenn man eine asexuelle/aexuelle Beziehung führen möchte, dann müssen beide Seiten Kompromisse machen , und nicht nur eine.
Wie die Kompromisse aussehen bleibt ja jedem selbst überlassen.

Nur die Aussage:wenn man genug liebt, kann man ja auf das bisschen Sex verzichten, das hört sich doch noch sehr unreif an.
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Maz
ADMod Team



Alter: 42
Sexualität: keine Angabe
Anmeldungsdatum: 12.02.2005
Beiträge: 13601
BeitragVerfasst am: Di Mai 31, 2016 13:14    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:

Gerade die Gewohnheit schweißt uns doch sehr zusammen.


Ja das wollte ich damit auch sagen. Im höheren Alter kommt oft viel Bindungsenergie aus Gewohnheit. Blos würde ich das jetzt nicht unbedingt als ein klassisches Merkmal von Liebe begreifen wollen. Was früher ein sicherer Trennungsgrund gewesen wäre bleibt jetzt einfach aufgrund der bestehenden Gewohnheit ohne diese Konsequenzen möglich.
Besonders "romantisch" finde ich das Konzept "Sexfreund" jedenfalls nicht und was daran zusammenschweißt kann ich mangels eigener Betroffenheit nun auch nicht sagen. Wenn es dabei nicht um ein Ausbrechen/Abenteuer geht dann bleibt als Grund für eine positive Bewertung der Situation ja eigentlich nur das Wegfallen einer Belastung, die all die Jahre zuvor bestanden hat.
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SchuffiPupsi




Alter: 29
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 23.04.2012
Beiträge: 1546
Wohnort: In der Mitte von M-V
BeitragVerfasst am: Di Mai 31, 2016 16:06    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Weil sie dich nicht weitergebracht haben? Der beschriebenen Einfachheit halber?

Wie kommst du auf die Idee, dass der gemeinsame Weg, die Beziehung für den sexuellen Partner "zu öffnen", einfach sei?

Ich denke, dass das für beide ein langer, schwerer Weg ist, der von beiden getragen wird.
Ja, ich würde sogar behaupten, dass das der schwerste Weg überhaupt ist und daher für wenige Paare möglich, da diese Bindung unglaublich stabil sein muss und ein solides Grundgerüst braucht, auf dem die Beziehung fußt.
Zitat:
Aber erlaube ich ihm die Sexbeziehung nicht auch ihm zuliebe?

Ich erlaube sie meinem Partner, nicht "ihm zuliebe", sondern "uns zuliebe".
Denn ich mag mich auch nicht verbiegen.
Lieber verbiegen wir uns beide nicht, sondern akzeptieren einander, wie wir eben in der Gänze sind.
Ich ohne und er mit Sexualität.


Zitat:
Das ist aber noch kein Indiz dafür, dass man wirklich glücklich damit ist. Es kann genauso gut sein, dass man einfach nur erleichtert ist, keinen Kompromiss mehr eingehen zu müssen, und sich deshalb mit einer Situation arrangiert, die einem eigentlich nicht passt.

Genau das Gleiche könnte ich dir unterstellen:
Du traust (d)einer Beziehung nicht zu, so stabil zu sein, dass jeder seine Sexualität in der Gänze ausleben kannst und traust dich deshalb nicht und wählst den, für dich, leichteren Weg der Kompromisse. Wink
Und ja-natürlich ist nicht JEDER mit JEDER Möglichkeit gleich glücklich und zufrieden.

Ich finde es blöd "ein bisschen Sex zu machen", genauso wie ich es doof finde, von meinem Partner zu verlangen "keinen Sex zu machen".
Emotional ist das sicherlich einfacher. Vor allem, wenn man meint, dass der Partner einem "gehört" und man die Angst verspürt, ihn zu verlieren.
Dann verbiegt man sich ganz gerne mal, das stimmt schon.
Für die Dauer taugt das aber nichts.


Und nein-das hat nichts mit deinem Alter zu tun.
Ich hatte diese Einstellung (ich empfinde sie als äußerst gesund) bereits mit 20.
Es hat vielleicht eher etwas damit zu tun, wie man sich und Menschen, die einem etwas bedeuten, betrachtet.
Für mich bedeutet "Liebe" eben genau das:
Den anderen nicht verbiegen zu wollen. (auch nicht "ein bisschen")
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Greywolf




Alter: 49
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 26.01.2014
Beiträge: 396
Wohnort: Münsterland
BeitragVerfasst am: Di Mai 31, 2016 20:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Hummelchen,

warum sich meine Moralvorstellungen geändert haben? Weil sich die Situation geändert hat. Vor knapp drei Jahren wurde mir überhaupt erst bewusst, dass ich asexuell bin. Erst damit wurde mir überhaupt klar, dass ich gar keinen Sex will. Dann wurde mir die schwierige Situation mit einem sexuellen Partner bewusst. Für Sexuelle ist es doch ganz normal sexuelle Wünsche zu haben.

Ich habe mich in die Situation meiner Frau versetzt. Was würde ich empfinden, wie würde ich reagieren, wenn sie mir offenbart hätte, dass sie asexuell sei? Sie hätte überhaupt keine Lust zu sexuellen Handlungen. Ich hätte dies respektiert und sie ja auf keinen Fall zum Sex "gezwungen". Eine Trennung würde nicht in Frage kommen, da die Liebe zu groß ist.

Für eine Trennung ist der Sex nicht wichtig genug. Und dies kann man meines Erachtens jetzt genau in zweierlei Richtungen auslegen. Wenn der Sex doch nicht so wichtig ist, dann kann doch der Sexuelle verzichten. Oder: Wenn dem Asexuellen der Sex nicht wichtig ist, kann es doch nicht so schlimm sein, wenn der Sexuelle Sex mit jemanden anderen hat.

Ich habe versucht mir die "sexuellen Brille" aufzusetzen. Was bedeutet diese Situation für den Sexuellen? Natürlich ist Sex nicht lebensnotwendig. Aber was hätte es für meine Frau bedeutet? Sie war knapp über 30 Jahre und will den Rest ihres Lebens mit mir verbringen. Wenn sie verzichtet bedeutet dies den Rest ihres Lebens keinen Sex mehr. Wenn sie sieben Leben hätte und eins davon wäre ohne Sex, ok, kann man drüber nachdenken. Aber sie hat auch nur dies eine Leben.

Meine Frau hätte mir zu Liebe auf Sex verzichtet. Hier waren dann meine Überlegungen: Wozu führt dies denn bei einem Menschen, der auch nur einen "normal" ausgeprägten Sexwunsch hat? Ich kann mir gut vorstellen, dass ich dauerhaft unzufrieden damit wäre, mir würde eine für mich sehr schöne Sache fehlen. Aus unzufrieden sein würde vermutlich irgendwann unglücklich sein. Und was dies dann mit der Beziehung macht ....

Da fing ich dann an meine Moralvorstellungen zu überdenken. Und das macht man nicht mal eben so. Das sind schon tiefgehende Dinge. Ich würde bei Moralvorstellungen auch nicht von richtig oder falsch sprechen. Ebenso will ich auch für andere nicht werten, ob deren Lösungen besser oder schlechter sind. Entscheidend ist für mich, ob man selbst mit der Situation glücklich ist. Und das kann ich für mich und meine Frau absolut bestätigen.
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Greywolf
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Hummelchen




Alter: 22
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 30.07.2015
Beiträge: 321
Wohnort: nahe Berlin
BeitragVerfasst am: Mi Jun 01, 2016 10:17    Titel: Antworten mit Zitat

Verbene hat folgendes geschrieben:
Leider hast Du überhaupt kein Verständnis für Sexuelle.


Wie ich jetzt schon mehrmals geschrieben habe und auch jetzt gern wiederhole: Ich habe durchaus Verständnis für Sexuelle. Ich habe selber bis vor nicht allzu langer Zeit eine Beziehung mit einem Sexuellen gehabt und aus Verständnis für ihn versucht, ihn sexuell zu befriedigen. Mir erscheint die Lösung Sexfreund/in aber "zu einfach" und außerdem (aus meiner persönlichen Sicht) unmoralisch. Dass ich aber Akzeptanz für die Gegenmeinung aufbringe, habe ich ebenfalls schon betont. Andernfalls würde ich diese Diskussion auch gar nicht führen, gar nicht alle diese Nachfragen stellen, sondern könnte mich zurücklehnen und Eure Meinung im Stillen verfluchen.

SchnuffiPupsi hat folgendes geschrieben:
Wie kommst du auf die Idee, dass der gemeinsame Weg, die Beziehung für den sexuellen Partner "zu öffnen", einfach sei?


Ich glaube Euch allen, dass auch die Lösung Sexfreund nicht so einfach ist, sondern eine schwerwiegende Entscheidung. Mir erscheint es allerdings besser, dieses Problem innerhalb der Beziehung zu lösen. Wie ich das meine, habe ich schon in meinen vorigen Beiträgen erklärt. Mit "einfach" meine ich, dass ich mich, sobald es den Sexfreund gibt, nicht mehr um die sexuellen Bedürfnisse meines Partners kümmern muss. Klingt auch für mich verlockend, bringt aber meiner Meinung nach die Beziehung nicht weiter, wenn man dieses Problem von einem anderen lösen lässt. Wenn ich (ich persönlich) mich für einen Menschen entscheide, dann vollkommen. Und dazu zählt auch, dass wir ZU ZWEIT mit diesem Problem umgehen. Ihr werdet mir widersprechen (was ja OK ist), aber für mich ist das eine Selbstverständlichkeit.

Ich habe außerdem das Glück, dass ich jetzt schon sicher von Asexualität sprechen kann. Das hilft mir natürlich bei der Partnerwahl. Wenn ich mich in jemanden verliebe, kann ich die Fakten auf den Tisch legen und dann können sich beide Seiten überlegen, ob eine Beziehung funktionieren kann. So kann ich der Diskussion über einen Sexfreund oder dergleichen schon im Vorhinein aus dem Weg gehen Wink

Wahrscheinlich werden wir alle uns in diesem Punkt nicht einig. Aber der Austausch mit Euch (auch die knallharten Widersprüche Wink) hilft mir sehr beim Nachdenken über meine zukünftigen Vorstellungen von einer Beziehung und auch allgemein über die Thematik. Meine Forschheit bedeutet nicht, dass ich Eure Meinung nicht akzeptiere, sondern nur, dass ich das Problem klar formulieren und eine klare Antwort bekommen möchte.
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Verbene




Alter: 59
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 04.11.2013
Beiträge: 34
BeitragVerfasst am: Mi Jun 01, 2016 14:23    Titel: Antworten mit Zitat

Ich würde es Dir ja wünschen das Du mit Deiner Vorstellung von Beziehung glücklich wirst, nur bezweifele ich, dass du eine Beziehung mit einem Sexuellen so führen kannst.
Vielleicht findest Du ja jemanden, dem Sex nicht wichtig ist, du bist ja noch jung.
Nur wenn Du jemanden kennenlernst und derjenige ist sexuell wirst Du ihn auf Dauer nicht "mit ein bisschen sexähnlichen" glücklich machen.

Bei Deiner Einstellung gibt es eigentlich nur 2 Lösungen, einen ebenfalls asexuellen oder alleine bleiben.

Vielleicht siehst Du das alles in ein paar Jahren etwas anders, wer weiß ?
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SchuffiPupsi




Alter: 29
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 23.04.2012
Beiträge: 1546
Wohnort: In der Mitte von M-V
BeitragVerfasst am: Mi Jun 01, 2016 17:14    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Mir erscheint es allerdings besser, dieses Problem innerhalb der Beziehung zu lösen.

Auch der Weg über den außerbeziehungslichen Sex ist ein Weg INNERHALB der Beziehung.
Zitat:
....., nicht mehr um die sexuellen Bedürfnisse meines Partners kümmern muss.

Naja, ich sage mal so, für MICH wäre es nicht erstrebenswert, wenn ich mich um meinen Partner "kümmern" müsste.
Ich möchte eine gleichberechtigte Partnerschaft, mit zwei erwachsenen Menschen, die sich um sich selber kümmern können und einander damit erfüllend ergänzen. Wink
Zitat:
Und dazu zählt auch, dass wir ZU ZWEIT mit diesem Problem umgehen.

Genau das tut man bei der "Öffnung" der Beziehung auch.
Zitat:
Mir erscheint die Lösung Sexfreund/in aber "zu einfach"

Sag es doch einfach wie es ist:
Für DICH ist das keine Lösung, da es für DICH eine Beziehung abwertet, wenn man andere Dinge mit anderen Menschen tut.
Du hast halt einen starken "Eklusivitätssinn" (böse könnte man auch sagen "Besitzdenken").
Das ist doch ok.

Ich lasse meinen Partner auch mit anderen angeln und Fahrrad fahren, weil ich das doof finde.
Denke ich deswegen, dass wir uns weniger lieben?
Nö. Das ist vollkommen normal-auch ich habe Hobbys, Dinge, die ich gerne mache, die er nicht teilt.

Aber, man wird nie mit einem Menschen ALLES teilen. Man kann aber einen Menschen lieben, auch mit den Dingen, die man eben nicht teilt.
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Hummelchen




Alter: 22
Sexualität: Asexuell
Anmeldungsdatum: 30.07.2015
Beiträge: 321
Wohnort: nahe Berlin
BeitragVerfasst am: Mi Jun 01, 2016 21:05    Titel: Antworten mit Zitat

SchnuffiPupsi hat folgendes geschrieben:
Auch der Weg über den außerbeziehungslichen Sex ist ein Weg INNERHALB der Beziehung.


Naja, ich kann meine Meinung dazu noch einmal sagen: Ein Dritter, der Sex mit meinem Partner hat, ist für mich keine Lösung innerhalb der Beziehung. Aber ich glaube in diesem Punkt werden wir uns nicht mehr einig Wink

Zitat:
Naja, ich sage mal so, für MICH wäre es nicht erstrebenswert, wenn ich mich um meinen Partner "kümmern" müsste.
Ich möchte eine gleichberechtigte Partnerschaft, mit zwei erwachsenen Menschen, die sich um sich selber kümmern können und einander damit erfüllend ergänzen. Wink


Mit "kümmern" meine ich ja auch nicht, dass man sich gegenseitig den Hintern abwischen muss, sondern dass man füreinander Verantwortung übernimmt und so weiter. Wie man diese Verantwortung gestaltet, ist natürlich Ansichtssache.

Zitat:
Für DICH ist das keine Lösung, da es für DICH eine Beziehung abwertet, wenn man andere Dinge mit anderen Menschen tut.
Du hast halt einen starken "Eklusivitätssinn" (böse könnte man auch sagen "Besitzdenken").


Ich sehe eine Beziehung als etwas göttliches an. Daher glaube ich auch an das "Füreinander-bestimmt-sein" und daran, dass in eine solche Verbindung dann kein Anderer passt/passen sollte. Deshalb gehört mit mein Partner aber nicht. Wir sind frei, aber eben in jeder Hinsicht zusammen. Und allgemein andere Dinge mit anderen Menschen tun, ist nichts schlimmes. Kommt eben nur drauf an, was, wie ich gleich erläutern werde:

Zitat:
Ich lasse meinen Partner auch mit anderen angeln und Fahrrad fahren, weil ich das doof finde.
Denke ich deswegen, dass wir uns weniger lieben?
Nö. Das ist vollkommen normal-auch ich habe Hobbys, Dinge, die ich gerne mache, die er nicht teilt.


Ich würde aber Sex nicht mit irgendwelchen Hobbys vergleichen (auch wenn es Menschen gibt, die das sozusagen als Freizeitbeschäftigung betreiben Very Happy). Für mich ist Sex etwas wesentlich wertträchtigeres, auch wenn ich es selber nicht machen möchte. Aber wenn mein Partner mit anderen Leuten angeln geht, werde ich das nicht als Vertrauensbruch werten Very Happy

Verbene hat folgendes geschrieben:
Bei Deiner Einstellung gibt es eigentlich nur 2 Lösungen, einen ebenfalls asexuellen oder alleine bleiben.


Ich hatte eigentlich beschlossen, mir um meine zukünftigen Beziehungen keine großen Gedanken zu machen. Wenn es so etwas wie wahre Liebe wirklich gibt, brauche ich das vllt. auch nicht Wink
Aber wie man hier sieht, denke ich trotzdem drüber nach.
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