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Erfahrungen mit Medikamenten gegen Depressionen (abgetrennt)

 
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Maz
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BeitragVerfasst am: Di Jan 31, 2012 18:42    Titel: Erfahrungen mit Medikamenten gegen Depressionen (abgetrennt) Antworten mit Zitat

abgetrennt aus dem Vorstellungsthread von Geduld am 2. Februar 2012, 11:30. Sieben


Zenon hat folgendes geschrieben:

Maz hat folgendes geschrieben:
Ich würde dir dringend raten damit NICHT an einem Wochentag zu beginnen (falls du in der Arbeit bist meine ich), damit du dich an die Wirkung gewöhnen kannst. Wäre nicht so schön wenn du dich dort übergeben mußt oder lachflashes wegen der bunten Farben bekommst...

@Maz: Hattest du tatsächlich eine solch starke Wirkung erlebt? Ich nahm ja etwas über ein Jahr Cipralex ein und habe eigentlich wenig bis gar nichts direkt gespürt. Erst nach Absetzen wurde mir klar, wie und wie stark das Medikament gewirkt hat. Die meisten Antidepressiva brauchen ja auch eine Weile, bis sich eine fühlbare Wirkung zeigt (2-3 Wochen regelmässige Einnahme).
Zitate eingefügt von Sieben


bzgl Cipralex:
Ja die initiale Wirkung fand ich schon sehr stark auch hinsichtlich Veränderung der Farbwahrnehmung und Wirkung auf das Denken. Das denken wird erstmal "langsamer" bzw. "in Watte gepackt" was auch Zwangsgedanken abdämpft. Blos leider macht dieser Effekt auch vor dem aktiven Denken keinen halt. An initialen Nebenwirkungen hatte ich vor allem Herzrasen und Übelkeit, bisher hab ich 1 mal drauf erbrochen, wobei ich auch fast vermute, dass der Effekt bei "gesunden" Menschen schwächer ausfallen dürfte. Die ersten 2-3 Tage lang hat es bei mir auch einen "pushenden" Effekt. Danach macht es eher müde. Besonders extrem ist dann die Mittagsmüdigkeit. Und da ich zu dieser Zeit den ganzen Tag daheim war führte das nur dazu, daß ich irgendwann den halben Nachmittag verpennt habe und dann nachts entsprechend wieder länger auf war. Außerdem braucht man meiner Erfahrung nach schon 1-2 Wochen bevor der Nachtschlaf wieder "normal" wird. Dieser angebliche Verbesserungseffekt nach 2-3+ Wochen ist mir nicht aufgefallen, wobei ich auch sagen muß, daß ich nur bei einem meiner diversen "Versuche" damit länger als 1 Monat durchgehalten habe. Vermutlich können Psychopharmaka helfen wenn man ein halbwegs normales Leben führt, da dann die Reize, die man so reinbekommt ggf. postiver interpretiert werden können. Aber wenn man die meiste Zeit daheim hockt oder auch studiert und dabei nur wenig "eigene Aktivität" erforderlich ist tut man sich meiner Erfahrung nach keinen Gefallen. Da überwiegen dann die "Nebenwirkungen" (bei mir: Zunahme von kurzen Angstschüben vor allem Nachts, Herzrasen, nächtliche Schweißausbrüche, Verstopfung, heißhunger mit Gewichtszunahme (die kriegt man quasi bei allen Psychopharmaka frei Haus), längerfristig genommen auch eine Zunahme der Aggressivität bzw. zunahme agressiver Gedanken). Nein leider keine Libidobeschwerden... Wink

Zenon hat folgendes geschrieben:

Das mag kurzfristig verlockend klingen, ist aber langfristig meist noch belastender und irgendwann kommt dann der grosse Knall.

Welche Art von Knall meinst du?
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Zenon





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BeitragVerfasst am: Di Jan 31, 2012 19:00    Titel: Antworten mit Zitat

Maz hat folgendes geschrieben:
Zenon hat folgendes geschrieben:

Das mag kurzfristig verlockend klingen, ist aber langfristig meist noch belastender und irgendwann kommt dann der grosse Knall.

Welche Art von Knall meinst du?

Nunja, dadurch dass man etwas mit Medikamenten unterdrückt, dass nun mal vorhanden ist, verschwindet es nicht einfach. Es ist immer noch da und wird sich in irgendeiner Art und Weise ein "Ventil", einen Ausweg suchen müssen. Natürlich kann eine wirksame Medikamententherapie im erste Moment befreiend wirken, doch solche Medikamente machen den Konsumenten abhängig. Dieser Knall kann sich daher auf vielerlei Art und Weise äussern: Ein Absturz wegen der Suchtprobleme, ein psychischer Zusammenbruch, Sinnkrise in extremis. Der Körper reagiert auf psychische Probleme ungemein sensibel, wenn auch teilweise mit längerer Verspätung. Sinnvoller ist es da, zu lernen, wie man ohne Medikamente damit umgehen kann (und ich spreche hier nun alleine von der Anwendung dieser Medikamente zur Triebunterdrückung, nicht bei ernsthaften Erkrankungen).

Maz hat folgendes geschrieben:

Dieser angebliche Verbesserungseffekt nach 2-3+ Wochen ist mir nicht aufgefallen, wobei ich auch sagen muß, daß ich nur bei einem meiner diversen "Versuche" damit länger als 1 Monat durchgehalten habe. Vermutlich können Psychopharmaka helfen wenn man ein halbwegs normales Leben führt, da dann die Reize, die man so reinbekommt ggf. postiver interpretiert werden können. Aber wenn man die meiste Zeit daheim hockt oder auch studiert und dabei nur wenig "Aktivität" erforderlich ist tut man sich meiner Erfahrung nach keinen Gefallen.

Ich fand es interessant, dass ich, wie oft beschrieben und auch von meinem Arzt vorausgesagt, nichts markantes gespürt habe. Ich hatte weder direkt messbare Vorzüge genossen, noch Nebenwirkungen bemerkt. Jedoch hatte ich keine "Aussetzer" und Tiefschläge mehr, nachdem sich die Serotonin-Produktion stabilisiert hatte. Ich konnte also ernsthaft mit einer Therapie und der Arbeit an mir selbst beginnen. Ich habe dann die Dosis des Medikaments nach etwas über einem Jahr Anwendung im letzten Sommer stufenweise verringern können, bis ich im Oktober(?) ganz frei davon war. Entzugserscheinungen musste ich aber durchmachen (teilweise starke Müdigkeit, grosse innere Unruhe und Fahrigkeit, Zwangsgedanken, etc.).
Es half übrigens sehr, dass ich regelmässig Sport betrieb und den Kontakt mit Menschen nicht scheute. Was auch wichtig war: strenge Selbstdisziplin und geregelte Tagesabläufe. Da hat man dann etwas Routine Smile
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Maz
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BeitragVerfasst am: Di Jan 31, 2012 19:09    Titel: Antworten mit Zitat

Zenon hat folgendes geschrieben:

Nunja, dadurch dass man etwas mit Medikamenten unterdrückt, dass nun mal vorhanden ist, verschwindet es nicht einfach.


Die rein sexuelle Komponente schon. Es macht bei ausreichender Dosis und Zeit zuverlässig impotent und reduziert auch das Bedürfnis nach körperlicher Interaktion.

Zenon hat folgendes geschrieben:

Es ist immer noch da und wird sich in irgendeiner Art und Weise ein "Ventil", einen Ausweg suchen müssen.


Androcur dämpft generell da staut sich kein Agressionspotential oder ähnliches auf. Lebensfrust kann man damit natürlich nicht behandeln aber der ist mit einer starken und wie auch immer "ausagierten" Sexualität ja genauso vorhanden wie ohne. Insofern eine Nullrechnung was die psychische Seite angeht. Abhängigkeitspotential hat es eigentlich nicht, da eine hormonelle Veränderung sehr langfristig wirksam bleibt. D.h. die Sexualität wird nicht plötzlich wieder stark wenn mans wegläßt, da können Monate dazwischen liegen. Unter Umständen bleibt sie nach langer Anwendung für den Rest des Lebens reduziert.
Allerdings wie schon erwähnt die körperlichen Folgeerscheinungen können gravierend und irreversibel sein.

Zenon hat folgendes geschrieben:

Ich fand es interessant, dass ich, wie oft beschrieben und auch von meinem Arzt vorausgesagt, nichts markantes gespürt habe.


Äh warum hat ers dir dann verschrieben? Geldscheffeln mit Privatrezepten? Wink

Zenon hat folgendes geschrieben:

Jedoch hatte ich keine "Aussetzer" und Tiefschläge mehr, nachdem sich die Serotonin-Produktion stabilisiert hatte.


Was für "Aussetzer" waren das denn? Und das Auftreten von Tiefschlägen im Leben sollte sich eigentlich nicht medikamentös beeinflussen lassen. Das war dann wohl eher Glück.

Zenon hat folgendes geschrieben:

Es half übrigens sehr, dass ich regelmässig Sport betrieb und den Kontakt mit Menschen nicht scheute. Was auch wichtig war: strenge Selbstdisziplin und geregelte Tagesabläufe.


Ja wie gesagt wenn man das alles hat...
wobei man dann normaler Weise auch nicht ernsthaft depressiv wird. Sport+geregelter Tagesablauf ist eigentlich kein Nährboden für eine Depression, da müßte dann schon eine "körperliche" Krankheit wie Schilddrüsenprobleme etc. oder eine traumatische Erfahrung der Auslöser sein.
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Zenon





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BeitragVerfasst am: Mi Feb 01, 2012 18:12    Titel: Antworten mit Zitat

Maz hat folgendes geschrieben:
Zenon hat folgendes geschrieben:

Ich fand es interessant, dass ich, wie oft beschrieben und auch von meinem Arzt vorausgesagt, nichts markantes gespürt habe.

Äh warum hat ers dir dann verschrieben? Geldscheffeln mit Privatrezepten? Wink

Nein, nein, ich spreche von der Wirkung des Medikaments Smile
Bei der therapeutischen Behandlung von Depressionen (ambulant) geht man ja so vor, dass man erst den Patienten mental stabilisiert. Eine Therapie auf einem instabilen Nährboden ist, wie wenn man eine Decke über ein Blumenbeet spannt, um den Regen abzuhalten. Wasser bekommen sie dennoch. Wenn du das Medikament, wie bei mir, in einer Phase der relativen Stabilität einnimmst, wird diese Stabilität einfach weiterhin gehalten, insofern bemerkt du also keinen "Flash" oder sowas. Ausser natürlich, du nimmst ein starkes Antidepressivum ein. Aber bei einer normalen Cipralex...
Die Wirkung eines SSRI ist ja so, dass es deine Serotonin-Produktion und -Regulation in Ordnung bringt. Das heisst, bestimmte Rezeptoren in deinem Gehirn werden neu geordnet, bzw. die Empfindlichkeit neu geregelt. Zu Beginn wird daher die Serotoninproduktion gehemmt, gleichzeitig durch die Neuordnung der Rezeptoren aber soweit aufgefangen, dass der allgemeine Pegel sich nicht verändert. Erst nach einigen Wochen ist die Rezeptor-Sensibilität soweit korrigiert, dass eine Stimmungsaufhellung auftritt. Dies geht aber nicht Schlag auf Schlag sondern in einer konstant ansteigenden Kurve.

Maz hat folgendes geschrieben:
Zenon hat folgendes geschrieben:

Jedoch hatte ich keine "Aussetzer" und Tiefschläge mehr, nachdem sich die Serotonin-Produktion stabilisiert hatte.

Was für "Aussetzer" waren das denn? Und das Auftreten von Tiefschlägen im Leben sollte sich eigentlich nicht medikamentös beeinflussen lassen. Das war dann wohl eher Glück.

Der normale Zustand war eine gedämpfte, trübe, aber depressive und emotionslose Stimmung. Die Aussetzer waren dann massive emotionale Spitzen ins Negative über mehrere Tage. Diese konnten durch den gestörten Serotonin-Haushalt des Körpers nicht abgefangen werden. Die üblichen Symptome einer Depression kennst du ja (Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit und Magenbeschwerden, Müdigkeit, "Im Kreis"-Denken, etc.)

Maz hat folgendes geschrieben:
Zenon hat folgendes geschrieben:

Es half übrigens sehr, dass ich regelmässig Sport betrieb und den Kontakt mit Menschen nicht scheute. Was auch wichtig war: strenge Selbstdisziplin und geregelte Tagesabläufe.

Ja wie gesagt wenn man das alles hat...
wobei man dann normaler Weise auch nicht ernsthaft depressiv wird. Sport+geregelter Tagesablauf ist eigentlich kein Nährboden für eine Depression, da müßte dann schon eine "körperliche" Krankheit wie Schilddrüsenprobleme etc. oder eine traumatische Erfahrung der Auslöser sein.

Das ist nichts, das man "hat", sondern was man sich "besorgen kann" Smile Mit Sport (sprich: regelmässigem Fitnesstraining) habe ich erst richtig in der Zeit der Therapie begonnen, da ich bemerkt habe, dass mir diese Betätigung gut tut. Und was dir selbst gut tut, das fördert die Therapie und die Entwicklung der Selbstheilung.
Und Depressionen scheren sich einen feuchten Kehrricht um deine Stimmung und Lebenssituation Wink Natürlich, negative Erlebnisse fördern den Ausbruch einer solchen, aber die bestgelauntesten und glücklichsten Menschen können eine Depression entwickeln, das ist ja gerade das heimtückische an dieser Krankheit. Die Veranlagung zu einer Depression erhälst du einerseits über die Gene, andererseits über tiefgreifende Erfahrungen in deiner frühesten Kindheit. Ob die Depression dann auch ausbricht, ist eine Frage der Lebensumstände, starker emotionaler Erlebnisse, eine jahrelange Ansammlung von schwach emotionalen Erlebnisse oder einfach nur Pech (meist gibt es dann doch einen Grund, nur erkennst du ihn als Betroffener nicht, da dir der Blick über das Ganze fehlt). Die Gesellschaft glaubt dann zudem noch, diese Krankheit betreffe nur die "schwachen" Menschen oder jene, die auch sonst psychische Probleme haben. Der Depression ist das aber egal. Die meisten sind dann erstaunt, wenn sich, wie vor einiger Zeit, ein bekannter Torhüter vor den Zug wirft.
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BeitragVerfasst am: Mi Feb 01, 2012 19:53    Titel: Antworten mit Zitat

Zenon hat folgendes geschrieben:

Nein, nein, ich spreche von der Wirkung des Medikaments


War mir schon klar. Warum sollte man ein Medikament nehmen, das keine Wirkung hat?

Zenon hat folgendes geschrieben:

Wenn du das Medikament, wie bei mir, in einer Phase der relativen Stabilität einnimmst, wird diese Stabilität einfach weiterhin gehalten, insofern bemerkt du also keinen "Flash" oder sowas.


Prophylaktische Therapie mit starken Medikamenten obwohl man nicht krank ist oder garkein positiver Effekt der Medikamente auftritt? Bedenklicher Ansatz. zumal Cypralex auch zu unmerklichen Herzrythmusstörungen führen kann.
http://de.mediguard.org/alerts/alert/1740.html

Ich würde dir auch nicht raten jeden Tag Aspirin zu nehmen damit du keine Kopfschmerzen kriegen kannst.

Zenon hat folgendes geschrieben:

Der normale Zustand war eine gedämpfte, trübe, aber depressive und emotionslose Stimmung. Die Aussetzer waren dann massive emotionale Spitzen ins Negative über mehrere Tage.


d.h. du warst nach wie vor schlecht gestimmt aber hattest keine emotionalen Spitzen mehr? Ansonsten versteh ich nicht warum du sagst, dass sich das alles geändert hat obwohl du keine Wirkung des Medikaments verspürt hast. Wenn das nur durch die sonstige Therapie kam hätt ichs aber sofort weggelassen Wink

Zenon hat folgendes geschrieben:

Das ist nichts, das man "hat", sondern was man sich "besorgen kann"
...


Ein schwer depressiver mit deutlich reduziertem sozialen Umfeld kann sich sowas nicht organisieren. Auch hat Sport dann nicht diesen Effekt, zumindest nicht unmittelbar. Weshalb man recht schnell wieder aufgibt selbst wenn mans versucht.
Das klappt allenfalls wenn man jemanden kennt der einen kontinuierlich mitschleift, was halt meistens nicht gegeben ist.
Alle Therapieversuche sind aber für die Katze wenn man keinen normalen Tagesablauf mit einer entsprechenden Normalisierung zirkadianer und sozialer Rythmen hinbekommt.
Und den bekommt man im allgemeinen nur über Arbeit oder eine zu regelmäßigen Zeiten stattfindende Schule (wobei mir die Ausbildung die ich dann nach Krankenhausaufentalt in nach wie vor schwer depressivem Zustand versucht habe auch nix gebracht hat. Könnte aber an der unpassenden Medikation mit NARIs und Neuroleptika gelegen haben, die ich damals noch brav geschluckt habe...warum die mir keine SSRI verschrieben haben wissen die Götter, vermutlich weil sie mich fälschlicher Weise als suizidal eingestuft haben und SSRI das Suizidrisiko erhöhen).

Zenon hat folgendes geschrieben:

Die Wirkung eines SSRI ist ja so, dass...


Wie das nun genau wirkt weiß wohl niemand so genau. Vor allem da garnicht so wirklich klar ist, ob eine höhere serotonerge Aktivität nun antidpressiv wirkt oder die Verringerung der Serotoninrezeptoren. Insgesamt läuft es am Ende wohl auf eine Reduktion der Dichte an Rezeptoren und Autorezeptoren raus also auf eine Verringerung der Menge an freiem Serotonin und eine Verringerung der Signalstärke. Vermutlich wirkt letzterer Effekt antidepressiv, wobei aber ersterer Effekt depressionsverstärkend wirken müßte, wenn man davon ausgeht, daß ein Serotoninmangel zu einer Erhöhung der Rezeptordichte geführt hat.

Zenon hat folgendes geschrieben:

Ausser natürlich, du nimmst ein starkes Antidepressivum ein. Aber bei einer normalen Cipralex...


SSRI sind die stärksten bzw. in den meisten Fällen wirksamsten Antidepressiva. Sie gehen halt primär nur auf ein Rezeptorsystem und nicht auf mehre Systeme (wobei die natürlich gekoppelt sind und eine Änderung des serotonergen Systems z.B. auch das dopaminerge beeinflußt) wie z.B. die trizyklischen Antidepressiva. Ob das nun weniger gefährlich ist sei dahingestellt.

Zenon hat folgendes geschrieben:

Die Veranlagung zu einer Depression erhälst du einerseits über die Gene, andererseits über tiefgreifende Erfahrungen in deiner frühesten Kindheit.


Ja, aber trotzdem braucht es fast immer auch Trigger oder bestimmte Umweltbedingungen für den Ausbruch der Krankheit. Die müssen aber nicht in der Kindheit liegen. In meinem Fall war es eine über Monate anhaltende soziale Isolation, bedingt durch den Umstand eines Studiums an dem ich nicht mehr aktiv teilgenommen habe, den durch das Ende der Schulzeit mitbedingten Verlust der Kontakte zu alten Freunden, der Tatsache dass ich alleine gewohnt habe, und dann noch diese 3 monatigen Semesterferien die ich auf dieser Basis mit vor dem PC rumhängen verbracht habe...das war dann zu viel Wink

Zenon hat folgendes geschrieben:

Der Depression ist das aber egal. Die meisten sind dann erstaunt, wenn sich, wie vor einiger Zeit, ein bekannter Torhüter vor den Zug wirft.


Er war warum auch immer suizidal. Aber ob Depression da die Richtige Diagnose war zumal wenn Sport doch angeblich so gut dagegen wirkt? Wenn dann nur eine leichte bis mittelgradige. Ich weiß nicht wie lange er davor ausgefallen ist aber mit schwerer Depression wird man sich schwer tun Leistungssport auszuüben und im allgemeinen fehlt einem da auch die Motivation zum Suizid.
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BeitragVerfasst am: Mi Feb 01, 2012 22:04    Titel: Antworten mit Zitat

Mir scheint, du zerpflückst meine Aussage etwas gar stark und nimmst sie gar zu wortgenau Wink

Das Medikament hatte bei mir eine stark stabilisierende Wirkung. Und zwar so, dass ich eine stabile Grundlinie der Stimmung erhielt, die mir auf eine gewisse Art und Weise Ruhe und Gelassenheit gab, meine kreisenden Gedanken bremste und ich somit die Lösung des Problems angehen konnte. Das hat also nichts mit Prophylaxe zu tun. Das Medikament hatte ich deswegen bekommen, weil sich durch die längere Krankheitsgeschichte klar abzeichnete, was sich da entwickelt bzw. entwickelt hat. Und nur weil ich im Moment dieser ersten Therapiesitzung nicht völlig fertig und mit dem Messer an der Ader erschien, heisst das nicht, dass mir das Medikament als Prophylaxe gegeben wurde Wink Durch die Therapie konnte dann die Lösung angegangen bzw. den Umgang mit der Depression gelernt werden, parallel dazu war es wichtig, Dinge zu beginnen, die dem eigenen Körper gut tun. Das war bei mir unter anderem der Sport. Es geht also nicht darum, dass der Sport antidepressiv oder so etwas wirken sollte, sondern dass das Umfeld der Therapie und das eigene Wohlbefinden aktiv positiv beeinflusst wurde. Weitere solche unterstützenden Massnahmen waren beispielsweise eine strenge Selbstdisziplin, geordnete Tagesabläufe (sollte keine Ordnung zwingend vorhanden sein, wie an Wochenenden, musste also eine kreiert werden), Meditation, viel Bewegung im Allgemeinen, bewusstere Ernährung etc. pp.
Ich sehe, dass du mir nicht zu glauben scheinst, dass ich wirklich eine Depression hatte, bzw. sie immer noch mit mir herumtrage. Ich konnte sie aber soweit bewältigen, dass ich mit ihr ohne grössere Probleme leben kann und das ist es, was für mich zählt. Mag sein, dass es nun so wirkt, dass ich zu leicht mit ihr umgehen kann, doch glaube mir, es ist noch nicht lange her, da herrschten hier bei mir ganz andere Zustände Wink

Natürlich braucht es Trigger, ich sprach aber von der Veranlagung zur Depression, welche auf diese sehr frühen Erlebnisse zurückgeht. Diese Veranlagung muss deswegen nie ausbrechen, aber sie ist da. Das ist der Grund, wieso gewisse Menschen selbst die stärksten emotionalen Belastungen relativ schadlos aushalten können und andere bei viel geringerer Belastung bereits Mühe haben.

Grundsätzlich aber: Es ist völlig egal, wie schwer eine Depression nun ist. Es gilt dabei nicht, einen Wettbewerb der Menge des Leidens zu gewinnen. Wer eine Depression hat, der leidet, ganz egal wie sehr, und das ist das Problem, das zählt und woran gearbeitet werden muss.

Aber ich sehe, dass wir zu sehr vom eigentlichen Thema des Threads abgekommen sind, daher würde ich vorschlagen, dass wir die Diskussion langsam aber sicher auslaufen lassen Wink

Ich habe eure Diskussion aus dem Vorstellungsthread von geduld abgetrennt. Ihr könnt also hier weiterdiskutieren. Sieben
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BeitragVerfasst am: Do Feb 02, 2012 18:33    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:

Ich sehe, dass du mir nicht zu glauben scheinst, dass ich wirklich eine Depression hatte, bzw. sie immer noch mit mir herumtrage.


Naja ich hatte nicht wirklich das Gefühl, dass du sehr depressiv warst als du die Therapie begonnen hast. Das klingt mir dafür einfach bischen zu "easy" und du sagst ja, wenn ich das richtig verstehe, das einzige bisher im "Real Life" aufgetretenen Defizit war die Organisation der Wochenenden und das scheint auf Ratschlag hin ja dann auch unmittelbar funktioniert zu haben. Kann natürlich auch eine weniger kritische Phase gewesen sein, verläuft bei vielen ja in Schüben oder Jahreszeitenabhängig. Oder es ist mehr eine unterschwellige Dauerproblematik wie eine Dysthymie.
Vor dem Hintergrund wundert mich aber halt, dass da gleich mit so harten Drogen "reingeprügelt" wurde aber das ist wohl der Zeitgeist. In jungen Jahren merkt man auch noch nicht so welche Konsequenzen einer längere Einnahme von Medikamenten haben kann. Was du z.B. bereits merken könntest ist eine erhöhte Sensibilität bei Alkoholkonsum. Ich hoffe dass du es schaffst nach über einem Jahr davon wegzubleiben und keine verstärkten Rückschläge mehr nachkommen.

Zitat:

Grundsätzlich aber: Es ist völlig egal, wie schwer eine Depression nun ist. Es gilt dabei nicht, einen Wettbewerb der Menge des Leidens zu gewinnen. Wer eine Depression hat, der leidet, ganz egal wie sehr, und das ist das Problem, das zählt und woran gearbeitet werden muss.


Das wollte ich auch nicht sagen aber für die Wahl(möglichkeiten) und natürlich auch Wirksamkeit der Therapie ist es natürlich nicht unerheblich ob man mal ein paar traurige Momente hat, ob man stundenlang mit verkrampftem Körper heulend in der Ecke liegt oder ob man sich sogar in der Nähe eines depressiven Stupors befindet in dem sich die maximale Reaktion auf die Umwelt auf wenige Wort am Tag beschränkt.

(Suizidalität ist da vermutlich doch eher eine unabhängige Dimension. Manche Leute neigen dazu und können schon bei Auftreten erster Symptome oder Probleme unmittelbar mit dieser "Exit-Strategie" reagieren. Andere neigen nicht dazu oder führen den Suizid erst nach jahrzehntelangem Leidensweg im Sinne eines Bilanzsuizids aus. Ich würde jedenfalls einem Depressiven die Bewußte und Rational geplante Entscheidungsfähigkeit zum Suizid nicht deswegen absprechen wollen, weil suizidale Gedanken häufig ein Symptom von Depressionen sind. Ebenso steht den Schwerstdepressiven diese Option schlicht nicht mehr offen).
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BeitragVerfasst am: Fr Feb 03, 2012 20:16    Titel: Antworten mit Zitat

Maz hat folgendes geschrieben:

Naja ich hatte nicht wirklich das Gefühl, dass du sehr depressiv warst als du die Therapie begonnen hast. Das klingt mir dafür einfach bischen zu "easy" und du sagst ja, wenn ich das richtig verstehe, das einzige bisher im "Real Life" aufgetretenen Defizit war die Organisation der Wochenenden und das scheint auf Ratschlag hin ja dann auch unmittelbar funktioniert zu haben. Kann natürlich auch eine weniger kritische Phase gewesen sein, verläuft bei vielen ja in Schüben oder Jahreszeitenabhängig. Oder es ist mehr eine unterschwellige Dauerproblematik wie eine Dysthymie.
Vor dem Hintergrund wundert mich aber halt, dass da gleich mit so harten Drogen "reingeprügelt" wurde aber das ist wohl der Zeitgeist. In jungen Jahren merkt man auch noch nicht so welche Konsequenzen einer längere Einnahme von Medikamenten haben kann. Was du z.B. bereits merken könntest ist eine erhöhte Sensibilität bei Alkoholkonsum. Ich hoffe dass du es schaffst nach über einem Jahr davon wegzubleiben und keine verstärkten Rückschläge mehr nachkommen.

Öhm, nein, da hast du mich gründlich missverstanden.
Ich sagte nie, dass das einzige im RL aufgetretene Defizit die Organisation der Wochenenden war, nicht mal annähernd. Das Problem war und ist, dass Zeiten, wo Leerlauf herrscht, die Gefahr sehr gross ist, durch einen bereits angeschlagenen Geist einen mentalen Absturz zu haben. Solange man beschäftigt ist, kommt man sehr viel weniger dazu, zu grübeln oder sich in Gedanken auf gefährliche Pfade zu bewegen, die einen dann in ein Loch reissen können. Das scheinst du ja auch bei dir selbst zu bemerken.

Ich hatte vorab eine rund zweijährige Erfahrung mit dieser Depression, die in Schüben verlief. Zu Beginn eher seltener aufgetreten (sprich: Schübe von einer Woche Down im Abstand von mehreren Wochen der Gleichgültigkeit), zum Ende dieser zwei Jahre hin dann so oft, dass die Down-Phasen die normalen Lebensphasen überwogen. Phasen der Freude und Glücklichkeit gab es da schon lange nicht mehr. Das war dann auch der Punkt, an dem ich Hilfe suchte. Da man, wie du vielleicht weisst, für einen Termin bei einem Psychotherapeuten kämpfen muss und ich deswegen einige Wochen warten musste, bis ich meine erste Sitzung hatte, traf es dann eben gerade eine der Phasen, in denen es mir besser ging (besser, nicht gut!). Durch meine Schilderungen des Krankheitsverlaufs konnte sich der Arzt dann ein konkretes Bild davon machen, was bei mir geschah und gab mir deswegen dieses Medikament (wir sprechen hier schliesslich von der schwächsten Sorte von Cipralex, eingenommen in einer "relativ geringen" Dosis).

Es mag sein, dass unsere Erfahrungen mit Depressionen sehr verschieden sind, es gibt aber auch unzählige Formen von Depressionen (ich kenne einige Personen relativ gut, die unter der einen oder anderen Form von Depression leiden, solche mit dem Willen zur "Heilung", aber auch solche, die jegliche Art von Hilfe ablehnen, das Leben aber kaum selbst auf die Reihe bekommen). Was ich hatte war keine jahreszeitbedingte Depression oder eine Jugend-Melancholie, da diese wesentlich schwächer verlaufen und nie in einer so langen und intensiven Art wie bei mir. Auch eine Dysthymie wurde ausgeschlossen. Ich hoffte es zwar, dass es nur so etwas wäre (also eine Winter-Depression/Melancholie), da ich weder auf die Einnahme von Medikamenten noch auf langwierige Therapien scharf bin, doch leider war es notwendig, um wieder in die richtige Bahn zu kommen.

Die Medikamente habe ich, wie beschrieben, vor einigen Monaten absetzen können und habe seitdem keinerlei Probleme, weder mit Suchterscheinungen noch irgendwelchen Rückschlägen oder fortdauernden Sensibilitäten und Nebenwirkungen Smile
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Anmeldungsdatum: 12.02.2005
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Wohnort: Stuttgart
BeitragVerfasst am: Sa Feb 04, 2012 14:29    Titel: Antworten mit Zitat

Ja das ist wohl nicht vergleichbar. Ich war schon in einem isolierten Zustand als ich da reingeraten bin. Konnte dann nur noch die Notbremse ziehen und bin direkt in die Psychiatrie wo ich dann eben brav meine Pillen gefressen (retrospektive gesehen waren da auch noch die falschen) und (für mich) sinnlose Therapien gemacht (als ob sich eine Depression dafür interessieren würde wenn du Bilder malst...) habe und den Rest des Tages rumsaß und Tee getrunken hab. Da sich weder dort noch draußen für mich subjektiv irgendwas geändert hat hab ich nach vielleicht 2 Jahren hinsichtlich irgendwelcher Maßnahmen resigniert. Ich hab die Depression also nie Phasen oder Schubweise erlebt sondern als einen konstanten gleichförmigen Dauerzustand.
Irgendwann so nach 5-7 Jahren vielleicht hat sich dann die Resignation in Identifikation umgewandelt. Dadurch wird der Leidensdruck etwas geringer aber die Depression ist dann wirklich ein fester Bestandteil des eigenen selbst und nicht mehr vom Rest des Lebens zu trennen. Ich fürchte der Zug ist für mich abgefahren.

Zenon hat folgendes geschrieben:

Da man, wie du vielleicht weisst, für einen Termin bei einem Psychotherapeuten kämpfen muss

Beim Psychiater also nur für die Pillen geht das eigentlich sehr schnell, ggf. auch über den Hausarzt. Die Cypralex hättest du also sofort haben können Wink
Ansonsten könnens ja bis zu 6 Monate sein. Das ist keine Zeit die man mit einer schweren Symptomatik warten kann, bis dahin ist der Käse gegessen (wobei man in dem Fall dann sowieso wieder in der Psychiatrie landen würde insofern ist das dann eh keine Option)
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Anmeldungsdatum: 26.04.2011
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BeitragVerfasst am: Fr Feb 10, 2012 9:57    Titel: Antworten mit Zitat

Maz hat folgendes geschrieben:
Beim Psychiater also nur für die Pillen geht das eigentlich sehr schnell, ggf. auch über den Hausarzt. Die Cypralex hättest du also sofort haben können Wink

Ich wollte mir diese Option unbedingt ersparen, aus irgendeinem kranken Gefühl von Würde oder Bewahrung der Selbstständigkeit. Ich war der festen Überzeugung, dass ich diese Wochen ganz alleine durchstehen kann, ohne fremde Hilfe. Ich vermute, es war eine Art von Nicht-Eingestehen-Wollen, dass ich Hilfe brauche, dass ich Probleme habe. Die Therapie war dann auch eher so etwas von aussen angesteuertes.
Nunja, ich wurde eines besseren belehrt Smile
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