Forum für Asexualität Foren-Übersicht

Forenregeln
Bitte zuerst lesen!

Zur Hauptseite (Infos, Artikel und vieles mehr!)
 
   CHAT    Wiki   FAQFAQ    SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen  User MapGEO Map   RegistrierenRegistrieren   ProfilProfil   LoginLogin 

Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   

Das Leben eines Asexuellen
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3
 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Forum für Asexualität Foren-Übersicht -> Künstlerecke
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
michi145




Alter: 58
Anmeldungsdatum: 01.10.2011
Beiträge: 33
Wohnort: auf der Insel
BeitragVerfasst am: Mi Okt 05, 2011 4:43    Titel: Antworten mit Zitat

nicht schlecht!!!!!!!!! das hat was....

Surprised LG Michi
Nach oben
          
Liro




Alter: 27
Anmeldungsdatum: 01.08.2010
Beiträge: 346
Wohnort: OWL
BeitragVerfasst am: Fr Okt 07, 2011 15:41    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank Smile
_________________
"Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will."
-Henri Matisse

Meine Kurzgeschichten:
http://aven-forum.de/viewtopic.php?t=6833

Meine lange Geschichte:
http://aven-forum.de/viewtopic.php?t=7488
Nach oben
          
Liro




Alter: 27
Anmeldungsdatum: 01.08.2010
Beiträge: 346
Wohnort: OWL
BeitragVerfasst am: Fr Dez 30, 2011 23:49    Titel: Antworten mit Zitat

Gedanke 10:

Verhör

Seit zwei Wochen wohne ich jetzt in dieser Stadt. Und heute ist mein erstes Treffen mit meinen Kollegen, die ich in der Berufsschule kennengelernt habe. Ich fühle mich erinnert an mein erstes Treffen mit den Leuten vom Bund, an meine erste Verabredung mit den Leuten aus dem Wirtschaftsgymnasium und sogar an damals vor sieben Jahren, als ich wegen eines Umzugs auf die Realschule wechselte und in eine neue Schulklasse gesteckt wurde. Sieben Jahre. Da kam ich gerade in die achte Klasse…
Irgendwie ist es immer das gleiche. Als sei das Leben eine Kassette, die man immer wieder zurückspult, wenn sie am Ende angekommen ist und anschließend wieder von vorne laufen lässt. Immer wieder startet das Ganze nach einem Wechsel meines Umfeldes damit, dass ich die anderen beobachte, mit den ersten Leuten irgendwann Kontakt aufnehme und sich aus diesen einzelnen Kontakten wenig später eine Gruppe von Leuten bildet, die sich mit der Zeit irgendwann Clique, Freundeskreis oder so ähnlich nennt. Und ich bin immer mitten drin. Ich habe Angst alleine zu sein und bin froh, dass ich immer dazugehöre. Doch hierfür muss ich auch Opfer bringen. Und das immer wieder…
Immer, wenn sich so eine neue Gruppe bildet, kommt es irgendwann dazu, dass wir uns innerhalb dieser Gruppe verabreden, um uns in der Stadt oder im Dorf - je nachdem, wo ich gerade wohne - in einer Kneipe zu treffen, um dort zusammenzusitzen, zu reden, zu lachen, zu trinken- naja, um einfach eine gute Zeit zu haben. Doch mit einem solchen Treffen kommt es zwangsläufig auch irgendwann zu diesem pikanten Gesprächsthema. Es wirkt auf mich, als entschied sich eine höhere Kraft dafür, mich immer wieder aufs Neue dieser seltsamen Prüfung zu unterziehen. Als gäb es für mich gar kein Entkommen…

Während Lars mit seinen Gedanken beschäftigt war, bemerkte er gar nicht, dass inzwischen ein leichter Sprühregen eingesetzt hatte. Er wartete bereits seit zehn Minuten vor der Gaststätte „Arizona“, an der sich seine neuen Kollegen für 20 Uhr verabredet hatten. Lars wurde ebenfalls gefragt, ob er Lust hätte mitzukommen und nach einem leichten Zögern hatte er ihnen zugesagt.

Es war 19:57 Uhr. Lars war eindeutig zu früh gewesen. Doch das war seine Art. Er wollte immer als Erster vor Ort sein, damit er die Situation bestmöglich im Griff hatte. Für ihn war das unmöglich, wenn er erst als einer der Letzten zu einer Gruppe aus Leuten dazu stieß – nein, es war besser, jeden einzelnen herkommen zu sehen, und seine Anwesenheit durch ein paar persönliche Worte zu zeigen,
anstatt direkt die ganze Aufmerksamkeit einer großen Gruppe auf sich lenken zu müssen, wenn bereits alle versammelt, und in ihren Gesprächen vertieft waren.

Es dauerte noch etwa sieben weitere Minuten, bis schließlich sein erster Kollege (Martin) auf der gegenüberliegenden Straßenseite erschien. Martin und Lars kannten sich bisher eher flüchtig. Er war ein guter Freund von Florian gewesen - die erste Person, die Lars in der Berufsschule richtig kennengelernt hatte. Nachdem sich Martin kurz vergewissert hatte, dass die Straße frei war, überquerte er sie und streckte Lars schon auf halbem Wege die Hand entgegen. Lars interpretierte diese Geste dahingehend, dass er ebenfalls auf ihn zukommen sollte, um dann seine Hand zu nehmen. Und das tat er dann auch. Mit einem kräftigen Händedruck und einem obligatorischen Lächeln begrüßten sich die beiden schließlich.

Martin: „Hi, du warst Lars oder?“
Lars: „Ja richtig. Hi Martin.“
Martin: „Und alles klar bei dir?“
Lars: „Ja. Bei dir auch alles fit?“
Martin: „Alles bestens.“

Noch bevor Martin seinen Satz beendet hatte, kramte er bereits in seiner Jackentasche und brachte schließlich eine bereits geöffnete Schachtel Zigaretten zum Vorschein. Lars schaute ihm schweigend dabei zu, wie er nun eine der Zigaretten herauszog und dann in den Mund stecke. Sein Schweigen deutete Martin dahingehend, dass Lars auch gerne Eine rauchen würde, sich allerdings nicht traute, ihn zu fragen.

Martin (aufblickend): „Auch eine?“
Lars: „Nein - habe vor zwei Jahren damit aufgehört.“
Martin (während er die Schachtel wieder in die Jackentasche gleiten lässt): „Sei froh - die Dinger bringen einen noch um.“
Lars (lächelt dabei): „Dann lass es doch bleiben.“

Martin antwortete ihm mit einem knappen Lachen. Und beide wussten, wie es gemeint war. Nach einer kurzen Weile zückte er dann ein Feuerzeug und zündete sich die Zigarette an. Für die nächsten paar Minuten standen die beiden nun schweigend vor der Kneipe, während von drinnen aktuelle Chart-Musik nach draußen tönte. Vermutlich Rihanna oder sowas.
Als Martin das Gespräch dann gerade wieder aufnehmen wollte, wurde er zuvor von einem bekannten Gelächter in seinem Vorhaben unterbrochen. Es waren Sandy, Jens, Florian und Jasmin und sie kamen gerade um die Ecke. Die Vier waren offensichtlich in ein amüsantes Gespräch vertieft, während sie sich den anderen beiden langsam näherten. Schließlich war es Sandy, die die anderen anstieß und somit darauf aufmerksam machte, dass sie am Ziel angekommen waren.

Sandy: „Hey, ihr seid ja schon da!“
Martin: „Hi Sandy. Ja schon seit ner ganzen Weile.“
Jens: „Und wieder am Rauchen, der Gute.“
Martin: „Jaja…“
Jasmin (zu Martin): „Du hast doch bestimmt noch ne Kippe für mich übrig oder?“ (Ihr Gesicht zeigt jetzt ein strahlendes Lächeln und Martin erwidert es, während er in seiner Jackentasche kramt)
Florian: „Ist Lars auch schon da?“
Lars (lacht): „Hast mich gar nicht gesehen, was?“
Florian (lacht ebenfalls): „Tatsächlich!“
Sandy (während sie beginnt die Jungs zu umarmen): „Dann sind wir ja jetzt komplett.“
Lars (zu Jens): „Habt ihr noch nen Tisch bekommen.“
Jens: „Ja, für sechs Personen. Der steht ganz hinten, direkt beim Kicker.“
Jasmin (steckt sich jetzt auch eine Zigarette an): „Jens, was würden wir nur ohne dich machen.“
Jens (schmunzelt): „So sieht‘s aus.“
Martin: „Geht ihr schon mal - Jasmin und ich kommen gleich nach.“
Sandy: (zwinkert ihm zu und lacht dann) „Okay. Viel Spaß ihr Süßen!“

Nach einer kurzen Begrüßungs-Zeremonie, betraten Sandy, Florian, Jens und Lars schließlich die Kneipe. Lars hielt ihnen dabei die Tür auf und ging als Letzter hinterher. Jasmin und Martin bleiben unterdessen noch draußen, um zu Ende zu rauchen. Denn im „Arizona“ herrschte striktes Rauchverbot.
Drinnen wurde die Gruppe von einer lebhaften Stimmung empfangen. Alle redeten kreuz und quer durcheinander, während im Hintergrund das permanente Klirren von Glas, das Sprudeln von Wasserhähnen und das zischende Brutzeln von heißem Fett zu hören war. Als sich die Vier dann langsam zu ihrem Tisch vorkämpften, kamen ihnen auf dem Weg dorthin zwei Kellnerinnen entgegen. Es war nicht zu übersehen, wie Jens ihnen interessiert hinterher sah. Zumindest für Lars.
Als sie ihren Tisch dann erreicht hatten, setzen sich Florian und Sandy auf eine schlichte Holzbank mit zwei dünnen Sitzkissen darauf, und Lars und Jens jeweils auf einen Stuhl. Die Stühle waren mit einem laubgrünen Kunstleder bezogen und standen von der Bank aus gesehen genau so, dass sich die Vier jetzt direkt gegenübersaßen.
Sie streiften nun ihre Jacken ab und verstauten sie auf der Bank bzw. auf der Stuhllehne. Kaum nachdem sie es sich dann gemütlich gemacht hatten, stand auch schon eine der Kellnerin vor ihnen und reichte der Gruppe vier Karten. Sie lächelte dabei und begrüßte die Vier kurz. Wenig später wandte sie sich dann wieder von der Gruppe ab und steuerte auf den nächsten Tisch zu, wo ein älteres Ehepaar zu zahlen beabsichtigte. Jens‘ Blick blieb an ihr haften und schließlich zwinkerte er Lars zu.

Jens wird wohl der Erste sein, der mich in diese Problemsituation bringen wird. Ich lernte ihn kennen, als ich mir in der ersten Pause am Kiosk einen Döner kaufen wollte. Er stand vor mir und stellte fest, dass er nicht genug Geld dabei hatte, um seinen Kaffee zu bezahlen. Gerade als er dann beginnen wollte, sich mit der Kiosk-Besitzerin über die zu hohen Preise zu streiten, stieß ich ihn dann von hinten an und reichte ihm die fehlenden fünfzig Cent. Er war wohl so überrascht von meiner Geste, dass er den Streit wieder vergaß. Er legte der Dame mein Fünfzig-Cent-Stück auf die Theke, nahm den Plastikbecher mit dem heißen Getränk und wandte sich wieder Richtung Schulhof. Ehe er allerdings wieder in der Menge aus Schülern verschwand, rief er mir noch zu, dass ich das Geld wiederbekäme, wenn wir uns das nächste Mal wieder treffen. Und als die Pause dann vorbei war und ich wieder Platz im Klassenzimmer genommen hatte, bemerkte ich, dass Jens scheinbar in die gleiche Klasse geht. Unsere Blicke trafen uns und er lächelte mir zu. Es war dieses etwas überhebliche Lächeln, wie man es von so großen, kräftig gebauten Typen kennt, wie Jens es ist.
Wir sehen uns seitdem häufiger auf dem Schulhof und einmal erzählte er mir, dass seine Freundin vor sechs Monaten Schluss gemacht hatte und er jetzt wieder auf der Suche nach jemand Neues ist. Es beschäftigt ihn scheinbar sehr, da er oft über sie spricht. Gleichsam viel lässt er sich aber auch über die Mädchen auf dem Schulhof aus. Glücklicherweise spricht er immer gerne von sich selbst, sodass ich ihm gegenüber bisher noch nie in die unglückliche Situation kam, dass - naja, ihr wisst schon.
Ich fürchte aber, dass sich das heute - in Anbetracht an die hiesige Atmosphäre und an der lockeren Situation - ändern wird…


Jens: „Hey Sandy. Wie gefällt‘s dir hier so in Deggersdorf?“
Sandy: „Ich find’s total cool hier! Endlich mal ne größere Stadt. Ich hab vorher auf nem Dorf gelebt und es war irre langweilig dort. Viel länger hätt ichs da nicht mehr ausgehalten.“
Jens:„Aufm Dorf… das ging gar nicht…“

Und so beginnt der erste Smalltalk, der dazu gedacht ist, dass wir uns alle einander etwas besser kennenlernen. Es ist ja doch immer etwas anderes, ob man sich in der Schule sieht, oder in der Freizeit. Mal abgesehen von Jens‘ Frauengeschichten - ja, er war da sehr mitteilungsbedürftig - hatte ich mit diesen Leuten bisher größtenteils über Klausurtermine, über ihre Betriebe und darüber geredet, welchen der Lehrer sie am bescheuertsten finden. Nicht aber über Herkunft und persönlicher Vorgeschichte, wie es jetzt der Fall ist.

Lars verhielt sich relativ still, und ging hin und wieder auf Florians Anmerkungen ein, die anfangs eher oberflächlich waren, im Laufe des Gespräches aber anspruchsvoller wurden. Sandy und Jens schienen sich sehr gut zu verstehen. Sie lachten viel, machten Scherze und banden Florian und Lars häufiger dabei mit ein.

Eins muss man Jens lassen. Er scheint immer darauf zu achten, dass sich keiner ausgeschlossen fühlt. Immer wenn er das Gefühl hat, eine Person klinkt sich mental aus der Gruppe aus, dann lenkt er die Aufmerksamkeit wieder auf genau diese Person, indem er einen lustigen Spruch über sie zum Besten gibt. Und ich meine nicht diese fiese Witze, sondern wirklich amüsante Anmerkungen, die mich selbst zum Schmunzeln bringen.

Es vergingen ein paar weitere Minuten und schließlich kamen Martin und Jasmin wieder. Ihrem Anblick zu urteilen regnete es inzwischen etwas stärker. Unglücklicherweise bot das „Arizona“ keine Möglichkeit zum Unterstellen, solang man nicht hineinging. Jasmin verabschiedete sich noch kurz auf die Toilette, um sich die Haare zu trocknen, während Martin sich neben Sandy auf die Bank setzte.
Florian stand unterdessen auf und holte noch einen Stuhl vom freien Nachbarstisch, damit auch Jasmin eine Sitzmöglichkeit bekam.
Als Jasmin dann wenig später wiederkam und sich dazu setze, begann die Gruppe in den Karten zu schmökern. Da nur vier von ihnen ausgehändigt wurden, schauten Lars und Florian, und Martin und Sandy zusammen in eine der Karten. Noch ehe sich der Letzte von ihnen entschieden hatte, kam bereits eine der Kellnerinnen zurück, kramte schon auf dem Weg dorthin in ihrer Brusttasche und holte schließlich einen kleinen Notizblock und einen Kugelschreiber heraus. Während sie dann rasch auf die Kappe des Stiftes drückte und die nun freigelegte Mine auf die Schreibfläche des Notizblocks presste, fragte sie nach der Bestellung.

Bedienung: „Was darf ich euch bringen?“
Jens (grinsend): „Ein Pils bitte!“
Sandy: „Ich nehm eine Cola und… ein Schinken-Sandwich“
Martin: „Ein Guinness“
Jasmin: „Hm… ich nehm nen Sex on the Beach.“
Florian (überfliegt noch die Karte): „Kleinen Moment… eine Bionade… Hollunder und eine Pommes Spezial.“
Bedienung (zu Lars): „Und du?“
Lars: „Ich nehm ne Cola du ein Käse-Sandwich.“
Bedienung: „Ok.“

Die Bedienung verschwand wieder und der Smalltalk in der Gruppe ging weiter.

Martin (zwinkernd zu Jasmin): „Sex on the beach, was?”
Jasmin: „Klar, den liebe ich.“
Jens (lachend): „Wie wär‘s mit Sex on the table? Wär ich sofort dabei!”
Florian: „Das will ich sehen!“
Sandy (lacht): „Männer! Ihr seid sowas von versaut!“
Martin (wieder zwinkernd): „Ja, aber ihr steht doch drauf.“
Sandy: „Boah!“ (lacht und stößt Martin dann mit dem Ellenbogen)
Jens (mit Blick in die Runde): „Jetzt aber mal ehrlich Leute… die Kellnerin ist schon hübsch oder?“
Florian (spaßend): „Ja, aber bitte warte mit dem Flirt, bis sie mir meine Bestellung gebracht hat. Wer weiß, was die mit unseren Getränken anstellt, wenn wir hier erst mal unseren Ruf weghaben.“
Jens (lacht): „Was denn? Vielleicht mag sie mich und bringt und mir noch ne Telefonnummer mit.“
Jasmin (lacht): „Dir doch nicht!“
Jens (selbstsicher): „Du wirst schon sehen.“

Nach und nach bewegte sich das Gespräch wieder weg von der Kellnerin, hin zu den allgemeinen Lebenserfahrungen der Sechs. So erklärte Jens, dass er schon immer in Deggersdorf gewohnt hatte. Sandy, dass sie früher einmal Hobby-Kosmetikerin war und nur auf Wunsch ihrer Eltern mit ihrer Kaufmannslehre begonnen hatte und ihren Traumberuf somit an den Nagel hängen musste. Florian, dass er gerade auf ein Auto sparte und, dass es zu seinem nächsten Geburtstag in drei Monaten endlich soweit sein würde. Martin, dass er noch auf Wohnungssuche sei und zurzeit bei einem Schulfreund wohnte, der an der gleichen Schule eine Ausbildung zum Mechatroniker machte. Jasmin, dass sie überlegte, nebenher im „Vertigo“ (ein Tanz-Club hinterm hiesigen Hauptbahnhof) an der Garderobe zu jobben, da sie so einen Job schon seit Jahren in ihrer ehemaligen Stadt gemacht hatte. Und Lars, dass er seit seiner frühen Kindheit Tischtennis spielte und einmal davon träumte, Profisportler zu werden und die großen internationalen Turniere zu gewinnen.

Es dauerte ungefähr eine Viertelstunde, bis die Kellnerin wiederkam und die Bestellung brachte. Sie schenkte der Gruppe ein Lächeln, das insbesondere den Männern galt und ihnen zu verstehen gab, dass sie sich durchaus vorstellen könnte, nach Feierabend noch ein Bierchen mit ihnen zu trinken. Dabei legte sie jeder Person der Gruppe jeweils einen Bierdeckel hin, nahm dann die Getränke von ihrem Tablett, stellte sie auf die besagten Bierdeckel und reichte Sandy, Florian und Lars schließlich ihr Essen. Danach verschwand sie wieder so schnell, wie sie gekommen war. Es gab ja noch viel zu tun um diese Uhrzeit.

Jens: „Habt ihr das gesehen?“
Jasmin: „Was sollen wir gesehen haben?“
Martin: „Ich wette, er fängt gleich wieder mit der Bedienung an…“
Sandy (lachend): „Na, als wenn die nichts Besseres zu tun hätte.“
Jens (hebt sein Glas): „Habt ihr nicht ihr Lächeln gesehen? Ich sag euch was. Da geht heut noch was Leute, ganz sicher. Die ist ganz heiß drauf!“
Florian: (hebt ebenfalls sein Glas und lacht): „Na dann würde ich vorschlagen - stoßen wir mal auf Jens‘ zukünftige Freundin an!“

Nachdem Jasmin kurz abgewunken hatte, hoben auch die anderen ihre Gläser und stießen an. Sandy, Florian und Lars begannen schließlich zu essen, Martin und Jens begannen ein Gespräch über die Fußball-Bundesliga und Jasmin beobachtete die Nachbarstische, während sie langsam an ihrem Cocktail schlürfte. Alle schienen richtig entspannt zu sein und den Abend zu genießen. Zumindest alle bis auf Lars. Keiner merkte ihm etwas an, doch in ihm drehten sich die Zahnräder seiner Gedanken wild hin und her. Für ihn hatte jetzt die Ruhe vor dem Sturm eingesetzt. Denn er wusste, dass es nicht mehr allzu lange dauern würde.

Als das Essen nun vertilgt war, und auch die meisten ihre Getränke geleert hatten, hob Jens den Arm und signalisierte der Kellnerin durch sein smartes Grinsen: „Ich will noch ein Bier.“ Diese bemerkte ihn auch recht bald und nickte ihm zu, was so viel bedeutete wie: „Komme sofort.“ Jasmin hatte inzwischen scheinbar genug davon bekommen, den anderen Gästen beim Essen zuzusehen und stand schließlich auf. Ihr Blick fiel dabei auf Florian.

Jasmin: „Hey Flo, bestellst du mir noch eine Cola, wenn die Kellnerin vorbeikommt?“
Florian: „Klar.“
Jasmin (den Arm Richtung Martin ausstreckend): „Kannst du mir noch mal aushelfen?“
Martin (ihr eine Zigarette reichend): „Für dich doch immer.“
Jasmin (sich jetzt von dem Tisch entfernend): „Du bist so gut zu mir.“

Und schon war sie weg. Bald darauf erschien die Bedienung ein weiteres Mal am Tisch und während sie nach den leeren Tellern griff, schaute sie fragend in die Runde.

Bedienung: „Hat es euch geschmeckt?“
Florian: „Ja, danke, bin sehr zufrieden.“
Lars: „Ja, ich schließ mich dem an.“

Gerade als Jens ansetzen wollte, um eine weitere Bestellung aufzugeben, kam ihm Martin dazwischen.

Martin: „Bring uns doch bitte ne Runde Tequila Gold. Sechs Gläser.“
Sandy (zur Bedienung): „Fünf Gläser. Ich muss heut noch Auto fahren.“
Bedienung: „Fünf Gläser? Ok. Darfs sonst noch etwas sein?“
Florian: „Zwei Cola.“
Jens: „Noch ein Pils.“
Lars: „Für mich nichts mehr. Danke“
Bedienung: „Geht klar.“

Als die Bedienung dann wieder verschwunden war, setzte eine kurze Gesprächspause ein, bevor Florian wieder das Wort ergriff.

Florian: „Hat gleich noch jemand Lust zu Kickern“ (Sein Blick wandert zum Tischkicker nebenan)
Sandy: „Lass mal. Ich will sowieso gleich los.“
Martin: „Du willst schon gehen?“
Florian: „Das geht aber nicht. Da wird das Männer/Frauen-Verhältnis hier ja noch unausgeglichener." (er lacht) „Das kannst du Jens doch nicht antun.“
Sandy (zwinkert): „Der hat doch schon die Kellnerin am Wickel.“
Jens: „Die Frau weiß, wovon sie redet.“
Lars überlegt, Florian wieder an den Kicker-Tisch zu erinnern, lässt es dann aber.
Sandy (in die Runde): „Und wie lang macht ihr heut noch?“
Florian: „Ich bleib bis zum bitteren Ende - weil ich euch heut alle mal einlade und am Ende noch die Rechnung zahle.“
Sandy: „Dein Ernst jetzt?“
Florian: „Klar. Ich will doch nen guten Eindruck bei meinen Freunden hinterlassen.“
Jens: „Dann bleib ich auch bis zum Ende – ich übernehm die Hälfte der Rechnung.“
Sandy (lächelt die beiden Jungs an): „Richtige Gentlemen hier.“
Lars (überlegt, sich ebenfalls daran zu beteiligen, lässt es aber erneut bleiben, sich in den Vordergrund zu rücken): „Danke Jungs.“

Die Zeit war inzwischen weiter vorangeschritten und mit ihr wurde auch das Lokal zunehmend leerer. Es dauerte nicht lange, bis die Bedienung erneut am Tisch der Gruppe erschien. Martin und Jens fiel nun auf, dass es bisher immer die gleiche Kellnerin gewesen war, die die Gruppe bedient hatte, obwohl noch eine andere junge Dame und ein etwas älterer Mann - ungefähr Anfang 30 - als Bedienung unterwegs waren. Die Bedienung beugte sich leicht vor, stellte ihr Tablett auf den Tischrand ab und verteilte erneut die Getränke. Noch ehe sie damit fertig war, hatte Jasmin das „Arizona“ wieder betreten und bewegte sich wieder in Richtung ihrer Freunde. Auf ihrem Weg dahin hatte sie ihren Kopf abwärts geneigt, und schaute ununterbrochen auf ihr Handy, das sie in der rechten Hand vor sich hielt. Sie schien eine SMS zu lesen. Jens ließ sich davon nicht ablenken und wandte sich an die Bedienung.

Jens: „Darf ich dir eine kurze Frage stellen?“
Bedienung: „Klar.“
Jens: „Meine Freunde und ich haben uns entschlossen heute bis zur Schließung zu bleiben. Und weil ich deine Anwesenheit sehr genieße, möchte ich dich fragen, ob ich dich nach Feierabend noch auf ein Bierchen einladen darf.“
Sandy (unterdessen zu Martin): „Jetzt wird’s peinlich…“

Die Bedienung überlegte kurz, was sie sagen sollte, doch scheinbar hatte die männliche Bedienung den Flirt ebenfalls mitbekommen und rief ihr nun etwas zu.

Männliche Bedienung: „Hey Janine, wirst du wieder angemacht!? Soll ich da mal rüberkommen!?“
Janine (lacht etwas verlegen und ruft dann zurück): „Wirst du jetzt wieder eifersüchtig, Mark!?“
Mark (lacht): „Um so eine tolle Frau wie dich muss man halt ständig kämpfen.“
Janine (hält ihr Lächeln aufrecht): „Du bist so ein Casanova!“
Jens: „Dein Freund?“
Janine: „Ja, wir sind seit zwei Jahren zusammen. Mark ist echt ein super Typ.“
Mark: „Das hab ich gehört!“
Janine (lacht): „Ist doch so!“
Jens: „So ein Glückspilz.“
Janine (wendet sich nun wieder ab): „Also, dann lasst es euch schmecken.“

Jasmin war inzwischen wieder an den Tisch zurückgekehrt und schrieb jetzt selbst eine Kurznachricht auf ihrem Handy. Sie schien den gescheiterten Flirt von Jens gar nicht mitbekommen zu haben und hatte auch ihren Tequila noch nicht bemerkt, den Janine ihr an ihren Platz gestellt hatte.

Lars (zu Jasmin): „Alles in Ordnung?“
Jasmin (immer noch am tippen): „Jaja…“
Martin (greift nach seinem Tequila): „Jungs und Mädels! Lasst uns anstoßen. Auf Jens!“
Florian (hebt ebenfalls sein Glas): „Auf Jens!“

Während nun auch Lars und Jens die Gläser hoben und mit den anderen prosteten, hatte sich Sandy zu Jasmin gewandt und beobachtete sie schweigend. Jasmin selbst war in ihre Handy-Unterhaltung vertieft. Kurz nachdem die Jungs ihre Gläser dann kurzerhand geleert hatten, hob Jasmin ihren Kopf wieder. Der anfängliche Frohsinn dieses Abends war aus ihrem Gesicht gewichen und sie wirkte jetzt ernst und gefasst.

Jasmin: „Sorry, aber ich muss sofort los. Mein Freund hat Schwierigkeiten mit den Bullen.“
Lars: „Oh. Was ist denn los?“
Jasmin (steht auf und lässt ihr Handy in ihre Handtasche gleiten): „Erklär ich euch ein anderes mal.“
Jens: „Ich kann‘s mir schon vorstellen. Er…“
Martin (unterbricht ihn rechtzeitig): „Er hat Schwierigkeiten, Jens. Einfach nur Schwierigkeiten.“
Jens: „…“
Sandy (steht ebenfalls auf): „Ich geh mit. Ich wollte sowieso bald los.“
Jens: „Das kannst du doch nicht machen. Dann ist der ganze Abend im Eimer!“
Jasmin (rückt ihren Stuhl an den Tisch und wendet sich ab): „Ciao Leute, bis dann in der Schule.“
Sandy (nimmt ihre Jacke und zieht sie sich über): „Ja, macht‘s gut Jungs, hat Spaß gemacht.“

Sandy schien sich zu beeilen, um Jasmin möglichst bald einzuholen, und als sie ihre Freundin dann noch vor dem Ausgang des Lokals erreicht hatte, begannen die beiden ein intensives Gespräch. Es dauerte keine zehn Sekunden, da waren sie auch schon aus dem Sichtfeld ihrer Freunde verschwunden. Zurück blieben vier Jungs, denen der Verlust ihrer weiblichen Begleitung eindeutig zu schnell ging. Und das, kurz nachdem Jens feststellen musste, dass seine Kellnerin bereits mit ihrem Kollegen liiert war und außerdem gut gegen mögliche Anmachen geschützt wurde. Doch nicht nur Jens war enttäuscht. Auch Lars war alles andere als begeistert von der Entwicklung des Abends. So wirkte die Anwesenheit von Frauen doch immer noch wie eine kleine Sicherheit dafür, nicht in die Situation zu kommen, Männergespräche führen zu müssen…

Florian: „Tja, so schnell kann‘s gehen.“
Jens (zu Martin): „Gib mir mal Jasmins Tequila.“
Martin (belustigt): „Willst du dich jetzt so richtig besaufen?“
Jens: „Gib schon.“
Florian: „Wusstest ihr, dass Jasmin schon vergeben ist?“
Martin (reicht Jens den Tequila): „Sie hat’s mir vorhin beim Rauchen schon erzählt.“
Jens leert den Tequila, und wischt sich mit dem Ärmel den Mund ab.
Florian: „Ich find’s schade. Jasmin ist schon nett.“
Martin: „Ja. Sie hat nen guten Körperbau. Besser als bei Sandy…“
Jens: „Stimmt, Jasmin ist verdammt sexy. Der Vorbau ist echt nicht zu verachten, Jungs.“
Martin:„Dicke Titten und scharfe Kurven - ja, sie hat schon was zu bieten.“
Florian: „Ist immer das gleiche. Die guten Frauen sind immer schon vergeben und übrig bleiben die Hässlichen.“
Jens (leert sein Bier und stellt es dann wieder auf den Tisch): „Kennt ihr Sally? Die Fette aus unserer Klasse?“
Martin: „Ja, das ist ein Opfer.“
Florian (schmunzelt): „Das wär doch mal eine für Jens.“
Jens: „Seh ich etwa so verzweifelt aus?“
Martin (lacht): „Ja.“
Jens (laut durch das Lokal): „Noch ein Bier!“

Da ist es wieder - dieses Gefühl. Man ist scheinbar ganz normal unter Leuten und keiner ahnt, dass es für Einen wie ein Verhör ist. Es ist, als würde man angeklagt, eine schlimme Straftat begangen zu haben und dann muss man sich verteidigen, sich rechtfertigen. Die Unschuld beweisen. Das Problem ist aber, dass man tatsächlich schuldig ist. Schuldig, ohne dass man es hätte ändern können.
Es ist immer wieder das Gleiche. Ob in der Schule, im Bund oder sonst wo. Irgendwann kommt es immer zu diesem Verhör. Ja, es gibt immer eine Alternative. Natürlich kann man sich davor verstecken. Aber für wie lange? Und zu welchem Preis? Für mich stellt sich immer wieder aufs Neue die Frage: Integrität oder Freiheit? Wähle ich nach dem Wechsel meines Umfeldes das Versteck, in dem ich langsam aber sicher vereinsame, dafür aber meine Freiheit bewahre oder schließe ich mich selbst in einen Käfig und lasse mich darin von meinen Mitmenschen herumtragen? In meinen Handlungsmöglichkeiten stets darauf angewiesen, wonach sich meine Mitmenschen gerade fühlen, nur um überhaupt unter Menschen zu kommen.
Immer, wenn es wieder zu dieser Situation kommt, beginne ich das Leben zu verfluchen. Es zu hassen. Die gesellschaftliche Ordnung in Frage zu stellen. Und ich weiß, dass ich nichts dagegen tun kann. Niemals werde ich als einzelner Mensch etwas gegen ein ganzes System ausrichten können. Wie dem auch sei. Ich muss mich nun bereithalten. Konzentriert bleiben.


Janine war mittlerweile wiedergekommen und stellte Jens das Bier auf den Tisch. Sie erkundigte sich noch kurz, ob es noch weitere Bestellungswünsche in der Gruppe gab und als die Jungs ihr zu verstehen gaben, dass sie alles hatten, was sie brauchten, bewegte sich die Kellnerin wieder zum nächsten Tisch. Jens nahm derweil sein Getränk und schlürfte den Schaum vom Rand.

Jens (das Bier wieder abstellend und in die Runde fragend): „Jungs. Mir gehen ein paar tiefsinnige Gedanken durch den Kopf, die ich mal mit euch durchsprechen will.“
Florian (lacht): „Du und tiefsinnige Gedanken? Was soll das sein?“
Martin: „Na, über die Steuerpolitik der Bundesregierung wird er sicher nicht sprechen wollen.“
Jens (nachdem er noch mal einen ordentlichen Schluck genommen hat): „Wie lange haltet ihr es ohne Sex aus? Also richtig guten Sex jetzt. Ihr wisst schon.“
Florian (lacht und schaut dabei erst zu Martin und dann zu Lars): „Wieso war mir das klar, dass jetzt sowas kommt.“
Lars: „…“
Jens: „Seid ihr jetzt Schisser und traut euch nicht darüber zu reden? Na kommt schon, wir sind doch hier unter uns.“
Martin: „Zwei Wochen geht. Aber länger wollte ich nicht drauf verzichten.“
Florian: „Ich hatte mal ne Freundin, bei der ging’s nur einmal im Monat. Die stand wohl nicht so drauf. Habe das ein Dreivierteljahr mitgemacht, aber dann konnte ich nicht mehr. Bin dann zwischendurch ins Bordell. Tja, und irgendwann hat’s meine Süße dann herausbekommen. Dann war Ende im Gelände.“
Jens: „War die lesbisch?“
Florian: „Keine Ahnung. Aber seitdem hab ich gemerkt, dass ich‘s auf jeden Fall öfter als einmal im Monat brauche."
Martin (zu Lars): „Und was ist mit dir?“
Jens: „Ja genau, viel sagste heut ja nicht gerade.“

Und so fängt es an. Zu gerne würde ich einfach sagen: „Ich bin asexuell. Ich interessiere mich nicht für Frauen und auch nicht für Männer.“ Klar, ich habe gerne Freunde um mich und finde es toll, wenn man zusammen Zeit verbringt. In diesem Sinne interessieren mich die anderen Menschen natürlich schon. Aber ich will meinen Penis nicht irgendwo hineinstecken und ich will auch niemandes Zunge ablecken. Ich fühle mich auch nicht erregt, wenn mir jemand seinen Penis in den Hintern steckt. Nichts davon. Es ist schwer, das nachzuvollziehen? Für mich ist es vollkommen normal. Aber dadurch, dass es keiner versteht und sich scheinbar auch keiner die Mühe machen will, das nachvollziehen zu können, wird man als asexueller Mensch in der Gesellschaft immer wieder als krank angesehen. Sich zu outen würde dazu führen, dass die Menschen nichts mehr mit einem zu tun haben wollen. Bis auf die Leute, die meinen, einen heilen zu müssen. Man wird in Bordelle verschleppt, in Sexshops gezwungen, muss sich Pornos ansehen. All diese „Heilmaßnahmen“, damit man wieder „normal“ wird. So ein Schwachsinn. Aber die anderen begreifen es eben nicht. Um ehrlich zu sein, will ich mir diese Missionierung ersparen und deswegen entscheide ich mich dafür, „mitzuspielen“. Aber es ist hart, sich selbst untreu zu werden. Sich zu verleugnen und sich dahin zu verbiegen, wie die anderen einen haben wollen. Aber es ist einfach das kleinere Übel. So sehe ich das zumindest.

Lars: „Sorry Leute. Ich hab letzte Nacht nicht viel Schlaf bekommen und bin noch etwas neben der Spur.“
Florian (lächelt ihm zu): „Wenn die gute Janine wieder vorbeischaut, spendier ich dir nen Kaffee. Dann läuft‘s auch wieder mit dem Smalltalk.“
Lars: „Danke.“
Jens (zu Lars): „Also. Wie lange?“
Lars (wird nervöser und bekommt Schwierigkeiten, zu antworten): „Ich… so… drei Wochen.“
Jens (blickt zu ihm auf und lacht): „Drei Wochen? Meinst wohl eher drei Tage, du geiler Bock. Du starrst doch schon die ganze Zeit auf die heißen Mädels an dem Tisch dort drüben.“
Lars (wirkt verwirrt und dreht sich um): „Ich …nein… welche…“
Florian (lacht): „Du bringst ihn ja noch total durcheinander.“
Jens: „Der ist wirklich ziemlich neben der Spur.“
Florian: „Aber wo wir gerade bei diesem Thema sind: auf was für Frauen steht ihr so?“
Martin: „Hm, kleine Blondinen find ich süß. Sollten aber ne gute Figur haben. Und kein zu großen Vorbau. Sonst wirkt‘s irgendwie fett.“
Jens: „Dicke Titten sind doch was Schönes. Meine Traumfrau kann auch ruhig etwas größer sein." (sein Blick wandert Richtung Janine) … (dann wieder zurück in die Gruppe) "Wen ich aber so richtig heiß finde, ist die Paris.“
Florian: „Nicht sonderlich helle, die Gute, aber ja, die hat was. Die würd ich nicht von der Bettkante stoßen.“
Lars: „…“
Jens (zu Lars): „Und du? Wie sieht deine Traumfrau aus?“
Lars: „Ich… mag ja… auch Blonde.“
Jens: „Wen findest du denn richtig heiß?“
Lars: „Ähm… ja. Ich find Paris auch süß.“
Jens: „Und sonst so?“
Lars (atmet unruhiger): „Hm… weiß nicht …muss ich überlegen.“
Jens: „Na sag doch einfach. Ist doch nichts dabei.“
Lars (jetzt etwas hektischer): „Ähm… Angely Jolie. Und… Heidi Klum.“
Jens: „Ja ok…" (kleine Pause) „…ich sag dir was. Wir vier treffen uns das nächste Mal in nen Striptease-Club und dann geht’s ab.“
Lars (etwas teilnahmslos): „Ja… coole Idee.“
Martin: „Ohne mich.“
Jens: „Was hast du denn? Keine Lust auf geile Bräute.“
Martin: „Ich hab was am Laufen und das will ich mir bestimmt nicht durch nen Quickie oder sowas kaputt machen.“
Jens: „Wir schauen doch nur.“
Florian (zu Martin): „Glückwunsch. Dann pass gut auf die Perle auf.“
Martin (lächelt): „Klar doch.“
Jens (zu Florian): „Hast du auch was am Laufen oder bin ich hier der einzige, der noch auf Beutezug ist?“
Lars: „…“
Florian: „Nein, keine Sorge - ich suche auch noch. Habe aber auch schon jemanden ins Visier genommen.“
Jens: „Raus damit - wer ist es?“
Florian: „Jessy. Kennst du die?“
Jens: „Ach die aus der ersten Reihe.“
Florian: „Die ist süß, ja.“
Jens: „Die kannste behalten. Ich steh nicht auf Streber.“
Florian (lacht): „Danke schön, sehr nett von dir.“
Martin: „Die hab ich übrigens letztens in der Stadt getroffen.“
Florian: „Und habt ihr euch unterhalten?“
Martin: „Ja kurz. Sie hat erzählt, dass sie in nen Vorort gezogen ist und jetzt ihre Wohnung einrichtet. War wohl Deko-Kram shoppen.“
Florian: „Ah cool. Weißt du, in welchen Vorort?“
Martin: „Mindern oder so.“

Und so verlor sich das Thema Sex und Frauen langsam wieder. Nach und nach gingen immer mehr Gäste, die Musik wurde immer beiläufiger und die Schließungszeit des „Arizona“ rückte in greifbare Nähe. Auch der Smalltalk der vier Jungs verlor sich allmählich, da scheinbar alle das gesagt hatten, was es zu sagen gab. So verbrachten sie die übrige Zeit weitgehend damit, Getränke nachzubestellen, aus dem Fenster zu schauen und Janine zu beobachten. Martin ging noch ein paar Mal nach draußen, um zu rauchen. Da es draußen immer noch regnete, tropften seine Haare jedes Mal, wenn er weder rein kam. Und jedes Mal durfte er sich von Florian einen Nicht-Raucher-Spruch anhören, wenn er wieder an den Tisch kam. Er machte sich scheinbar einen Spaß daraus.

Etwa zwanzig vor Eins - das Arizona schloss um ein Uhr – blickte Lars schließlich auf seine Uhr und ruderte mit seinem linken Arm nach hinten, um seine Jacke zu packen.

Lars (streift sich nun seine Jacke über): „So. Bei mir geht nichts mehr. Wie gesagt - ich bin ziemlich k.o. heute. Es war aber sehr nett mit euch. Müssen wir auf jeden Fall nochmal machen.“
Florian: „Es ist doch noch früh. Bleib doch noch ein bisschen.“
Jens: „Ja, wir können noch auf Patrouille gehen.“
Martin: „…“
Lars (lächelt): „Das nächste Mal dann.“
Florian: „Ok, dann hau rein, Lars.“
Lars: „Ja, du auch.“
Martin: „Ciao, Lars.“
Jens: „Ciao.“

Und so verließ Lars die Männergruppe und trat nach draußen in den Regen. Dort schien bereits alles zu schlafen. Die Straße war leer und die Parkplätze waren bis auf die letzte Lücke ausgefüllt. Es war Feierabend und die Leute waren in ihren Behausungen. Nur in wenigen der Fenster brannte noch Licht oder ein flimmernder Fernseher. Während Lars sich die Kapuze überzog und zur nächsten Bushaltestelle schlenderte, versank er wieder in Gedanken…

Das ging heut ja nochmal gut. Das nächste Mal muss ich aber besser vorbereitet sein. Ich bin sicher, es hat nicht mehr viel gefehlt und sie hätten die Wahrheit aus mir heraus gekitzelt. Vielleicht sollte ich mich mehr von Jens fernhalten. Der denkt ja an nichts Anderes. Aber wenn die Anderen jetzt so gut mit ihm befreundet sind, dann ist das schwierig. Vielleicht sollte ich das nächste Mal einfach ein paar Themen vorbereiten, damit es erst gar nicht zu diesen Männergesprächen kommt. Oder gleich zusammen mit dem Mädels heimgehen. Das könnte ich machen…

Die anderen drei Jungs blieben für die nächsten zwanzig Minuten noch im „Arizona“ und warteten darauf, bis Janine oder auch Mark sie rausschmeißen würde. Jens setzte gerade sein sechstes Bier wieder ab. Man merkte ihm an, dass er bereits mehr getrunken hatte, als ihm gut tat.

Martin: „Lars steht nicht so auf Frauen oder?“
Florian: „ …zumindest ist er redseliger, wenn’s um was anderes geht.“
Jens: „Ach, der ist schwul und hat Schiss sich’s einzugestehen.“
Florian: „Ja, kann sein.“
Jens: „Ich sag euch was. Lars ist ok. Nein, ehrlich - ich mag den Kerl.“
Martin: „Bisschen verklemmt der Typ, aber das kriegen wir schon hin.“
Florian (zu Jens): „In deinen Striptease-Club wirste ihn aber nicht bekommen. Auch wenn er tatsächlich hetero sein sollte. Da ist er nicht der Typ für.“
Martin: „Definitiv.“
Jens: „Ach, ich frag ihn einfach noch mal.“
Florian: „Aber bedräng ihn nicht, sonst kommt er nicht mehr wieder.“
Jens: „Ja, schon klar.“
Florian (lachend): „Ich sag dir was. Wenn Lars wegen dir nicht mehr wieder kommt, verkuppel ich dich zur Strafe mit Mark, dem Kellner.“
Martin (lach): „Na, wenn Janine dann wieder frei ist - dann hat doch jeder was davon.“
Florian: „Ja, sollte das mit Jessy nichts werden...“
Martin (lacht): „Meinen Segen für sie hast du.“
Jens: „Hey, hier verkuppelt mich niemand mit nem Kerl, klar!?“

Florian und Martin begannen herzhaft zu lachen und auch Jens fühlte sich schließlich dazu genötigt, mit zulachen. Schließlich war nichts sympathischer, als über sich selbst lachen zu können. Schon wenig später kam Mark zu den Jungs an den Tisch und erinnerte sie an die Uhrzeit. Wie vereinbart, teilten sich Jens und Florian die Rechnung und mit einer freundlichen Verabschiedung sowohl an Mark, als auch an Janine, verließ die Gruppe schließlich das Lokal.
_________________
"Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will."
-Henri Matisse

Meine Kurzgeschichten:
http://aven-forum.de/viewtopic.php?t=6833

Meine lange Geschichte:
http://aven-forum.de/viewtopic.php?t=7488
Nach oben
          
Lilium





Anmeldungsdatum: 30.01.2011
Beiträge: 36
Wohnort: NRW
BeitragVerfasst am: Sa Dez 31, 2011 16:23    Titel: Re Antworten mit Zitat

Hi Liro,

schön dass du es geschafft hast eine weitere Kurzgeschichte zu schreiben. Smile
Eine schöne Darstellung der Gedanken und Gefühle eines asexuellen Mannes bei solch einem Männerabend. ^^

Guten Start ins neue Jahr. Smile
Nach oben
          
Liro




Alter: 27
Anmeldungsdatum: 01.08.2010
Beiträge: 346
Wohnort: OWL
BeitragVerfasst am: Mo Jan 02, 2012 19:54    Titel: Antworten mit Zitat

Danke Smile
ja, hin und wieder finde ich mal die Zeit dazu.
_________________
"Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will."
-Henri Matisse

Meine Kurzgeschichten:
http://aven-forum.de/viewtopic.php?t=6833

Meine lange Geschichte:
http://aven-forum.de/viewtopic.php?t=7488
Nach oben
          
Liro




Alter: 27
Anmeldungsdatum: 01.08.2010
Beiträge: 346
Wohnort: OWL
BeitragVerfasst am: Mi Jul 25, 2012 22:46    Titel: Antworten mit Zitat

Gedanke 11:

Fegefeuer

Immer wenn die Dämmerung einbricht und sich draußen die Laternen einschalten, umgarnt mich ein seltsames Gefühl der Sicherheit. Wie ein Fuchs, der aus seinem Bau herausschleicht, wenn er keine Gefahr mehr wittert, verlasse ich behutsam meine Höhle und betrete meine Umwelt. Die einsetzende Dunkelheit legt sich wie ein schützender Mantel um meine Schultern, den ich eng an mich drücke. Ich fühle, wie er mich beinahe unsichtbar werden lässt.

Es sind immer wieder die gleichen Pfade, die ich betrete, immer die gleichen Windungen, Kurven und Geraden vor meinem Auge. Und immer das gleiche Ziel das ich anstrebe. Obwohl ich es jedes Mal erreiche, suche ich doch Nacht für Nacht erneut danach. Immer wieder überquere ich die gleichen Brücken, passiere die gleichen mit Wasser gefüllten Gräben und lasse mich langsam von dem verlassenden Park verschlingen.

Je tiefer ich eintauche, desto dumpfer wird das ferne Gelächter und desto blasser die Erinnerungen an all die Menschen, die ständig bei mir klopfen. Abwesenheit verjagt all die ungebetenen Gäste. Und doch nehmen ihre Bemühungen kein Ende mich in ihren süßen Käfig zu treiben. Erreiche ich die tiefste Stunde der Nacht, so stehe ich fern genug und bin am Ende meiner zeitweiligen Reise angekommen.

Leere Augen, verdrahtet an wolkenkratzenden Flutlichtmasten, hunderte von Metern auseinanderstehend, starren mich an, während ich im Zentrum der leeren Arena stehe. Ihre Blicke, ohne Augenlicht ausgestattet, fräsen sich in mein Inneres hinein und öffnen verborgene Kartons, aus denen stumme Schattengestalten hinaussteigen. Ich versuche sie zu beobachten, doch fehlt mir die Sicht, ihre tänzelnden und verspielten Gesten zu verstehen.

Eine kleine Hütte steht abseits der Tribünen und lockt mich über gesprungene Erdkrusten und gekappte Elektrokabel, deren knisterndes Zischen an eine Schlange erinnern. Fremde Muster überziehen diesen einst belebten Platz, der nun Nacht für Nacht erneut verendet. Meine Schritte sind intensiv und doch unhörbar. Nach einzeln abgezählten Augenblicken stehe ich am Betonufer und drücke meine verkrusteten Finger auf die verschlossene Türklinke.

Seufzend blick ich hoch, zum astronomischen Teppich, und sauge die schwarze Luft in meinen Körper hinein. Wissend, dass sie mich nicht ewig nähren kann. Meine Herzschläge ticken im Sekundentakt und werden mit der drohenden Morgendämmerung immer schneller, hektischer und nervöser, bis sie schließlich zu Boden fallen. Dort bleibe ich eine Weile liegen, zu kraftlos, um mich wieder zu erheben.

Am Morgen werden sie mich finden und malträtieren, und wieder werde ich lächeln und nicken, schutzlos ohne meinen Mantel der Dunkelheit. Soziales Chaos, gesellige Durchtriebenheit und liebloser Sex werden mich jagen, keine Ruhe geben und meine Gedanken manipulieren, bis sie die Nerven in meinem Kopf durchtrennen und ihre zerrissenen Enden mit Käfern und Disteln vernetzen, um mich herum zu scheuchen, wie all die anderen Sklaven in ihrer Gewalt.

Ein Kampf ist unabdingbar. Seite an Seite mit der allmächtigen Einsamkeit ziehe ich in den stummen Krieg. Hoffnung in der linken Hand, Ausdauer in der rechten. Ferne Illusionen durchtrennen das Jammertal und kalte Windstöße halten das diffuse Ungeheuer auf Distanz. Tag für Tag der gleiche Höllenritt, Tag für Tag die unbenannten Übergriffe aus der Tiefe, nur um die Umwelt zeitweilig hinter mich zu lassen und zurück in meiner Höhle dem zärtlichen Duft der Stille zu frönen.
_________________
"Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will."
-Henri Matisse

Meine Kurzgeschichten:
http://aven-forum.de/viewtopic.php?t=6833

Meine lange Geschichte:
http://aven-forum.de/viewtopic.php?t=7488
Nach oben
          
Liro




Alter: 27
Anmeldungsdatum: 01.08.2010
Beiträge: 346
Wohnort: OWL
BeitragVerfasst am: Di Aug 21, 2012 1:34    Titel: Antworten mit Zitat

Gedanke 12:

Frau und Mann

Frau

Wenige Minuten vor Mitternacht verließ Lina schließlich die Einweihungsparty ihres Bruders und trat durch die Tür in die Nacht hinein. Es war mitten im Sommer und noch immer so warm, dass sie keine Jacke brauchte. Während ihr Bruder immer noch in der Tür stand und ihr hinterher sah, drang von drinnen ein rhythmischer Bass nach draußen - der Grund, weshalb die Nachbarn schon zweimal vor der Tür standen und sich beschwert hatten. Es sollte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Polizei die Party beendet würde. Doch das kümmerte Lina jetzt nicht mehr. Zum einen war ihre Stimmung durch den Alkohol gelockert, den sie den Abend über konsumiert hatte, zum Anderen war sie nun ohnehin auf dem Heimweg und würde die Auseinandersetzung mit dem Hüter des Gesetzes nicht mehr miterleben. Als sie bereits die Straße vor dem Haus betreten hatte, drehte sie sich noch einmal zu ihrem Bruder um und rief ihm zu: „Geh wieder rein und geh weiter feiern! Ich pass schon auf mich auf!“ Dann lachte sie um die Gefühle zu überspielen, die ihr Herz erwärmten, dass ihr Bruder immer sehr besorgt um sie war - insbesondere dann, wenn seine Schwester nachts allein unterwegs war. Am liebsten hätte er ihr einen Freund hinterher geschickt, doch er wusste, dass er sich lediglich einen blöden Spruch einfangen würde, daher ließ er es bleiben und schaute schweigend zu ihr – ihr Lachen erwiderte er dabei mit einem Lächeln. Als sich ihre Blicke trennten, ging er wieder zurück ins Haus und verschwand.

Da kein Bus mehr fuhr und ihr ein Taxi zu teuer war, ging sie zu Fuß nach Hause, welches sie von ihrem Bruder aus gesehen nach einem zwanzig minütigen Spaziergang erreichen sollte. Den Weg kannte sie bereits ganz gut, da ihr Bruder nun auf halbem Wege zu ihrer besten Freundin wohnte. Also ging sie die Straße entlang und passierte eine Laterne nach der anderen. Auch, wenn sie sich dank jahrelanger Erfahrung in diversen Selbstverteidigungskursen eine gewisse Sicherheit antrainiert hatte, was den nächtlichen Ausgang anging, so versuchte sie dennoch immer auf beleuchteten Wegen unterwegs zu sein.
Von der erwachsenen Frau mit ihrem Hund und den zwei Joggern, die ihr kurz zu lächelten, nahm sie kaum Notiz. Dem schwarzen jungen Mann, der ihr als nächstes entgegen kam, schenkte sie hingegen schon mehr Aufmerksamkeit. Es war sein Blick, der sie beschäftigte. Zunächst strahlte er ihr gegenüber eine gewisse Erwartung aus, dann eine Art Verlangen und schließlich etwas Vorwurfsvolles. Sie erwiderte den Blick mit einem Gefühl der Irritation und noch ehe sie darauf reagieren konnte, hatte er sie auch schon wieder passiert und sie hinter sich gelassen. Der langsam einsetzenden Müdigkeit und sein plötzliches Verschwinden in die Dunkelheit der Nacht war es geschuldet, dass sie sich nur eine kurze Zeit mit dieser Begegnung befasst hatte. Dann war sie gedanklich wieder auf dem Heimweg.

Nachdem sie etwa zehn Minuten unterwegs war, rief ihr plötzlich jemand von vorne etwas zu. „Hey, Lina!“ rief die Stimme. Es riss sie aus den zwischenzeitlichen Gedanken an die Verpflichtungen des kommenden Tages und ihre Aufmerksamkeit war wieder ihrer nächtlichen Umwelt gewidmet. Sie schaute auf und sah eine Person auf sie zukommen, die nicht lange brauchte, bis sie schließlich vor ihr stand. Es war ein junger Mann - vielleicht zwei Jahre älter als sie und er begrüßte sie mit einem Lächeln, dass sie sehr deutlich erkennen konnte, weil die beiden unter einer Straßenlaterne zum Stillstand gekommen waren. Ohne längeres Zögern sprach er sie schließlich an: „Bist du auch noch unterwegs?“ Lina kannte ihn. Es war ein Kerl aus der Wohngegend. Sie hatte sich vielleicht zwei- dreimal mit ihm unterhalten und erinnerte sich, dass er sich Gogo nannte. Wofür dieser Name - offensichtlich ein Spitzname - stand, hatte sie bisher noch nicht in Erfahrung gebracht, aber es hatte sie auch nicht sonderlich interessiert. „Ja, ich bin gerade auf dem Weg nach Haus - war noch auf ner Party.“ Er lächelte erneut und sah ihr dabei in die Augen. Er mochte sie, dass konnte sie sofort erkennen. Im Grunde hatte sie es schon bei ihrer ersten Unterhaltung mit ihm begriffen. „Dein Bruder hat sich bestimmt sehr gefreut, dass du da warst.“ Sein Kompliment wurde von einem sympathischen Lachen begleitet - sichtlich eine Geste, um seiner Freude über diese Begegnung Ausdruck zu verleihen. Tatsächlich fühlte sie sich gut dabei und ging weiter auf sein Gespräch ein: „Und…“ sie strich sich eine Strähne aus ihrem Gesicht „ …wohin bist du unterwegs?“ „Ich war im Kino - hab mir den neuen Twilight angesehen.“ Lina musste lachen, begriff dabei aber noch nicht, dass Gogo damit die erste Lüge in diesem Gespräch begangen hatte. „Und hat er dir gefallen?“ Sie war der festen Überzeugung, dass es sich dabei um keinen Film für Männer handelte und er daher von einer Freundin hineingeschleppt wurde. Dann folgte seine zweite Lüge: „Ja sehr, ich find das hat was Romantisches. Außerdem sind Vampire cool.“ Linas konnte ihre Verwirrung für einen kurzen Augenblick nicht zurückhalten, vertuschte dieses Gefühl dann aber schnell wieder mit einem Lachen: „Romantisch? Nein, ich würde eher sagen kitschig.“ Und damit log Lina das erste Mal, denn in Wahrheit liebte sie den Film und allen voran den Hauptdarsteller. Gogo änderte seine Strategie und relativierte seine Meinung: „Ja, vielleicht ein bisschen schon.“ Es war nicht das erste Mal, dass ein Mann dem Bestreben seine Meinung zu sagen, dem Bestreben hintenan stellte, ihr zu gefallen. Auch dieses Mal beglückte sie dieser Umstand und ihre Gesichtszüge nahmen jetzt noch mehr Freundlichkeit an. „Siehst du.“ Die Strähne war ihr inzwischen wieder ins Gesicht gefallen und sie wischte sie ein weiteres Mal zur Seite. Als sie sich gerade verabschieden wollte, fiel ihr auf, dass seine Blicke sie musterten. Erst ihre Stiefel, dann die kurze Jeans, dann die Stelle, an der ihr schwarzes Top ihre Brüste verdeckte. Dann sah er wieder hoch und setzte das Gespräch weiter fort, ehe sie den geplanten Abschied nehmen konnte. „Entschuldige, dass ich geguckt habe. Aber du siehst echt schön aus.“ Er sollte Nervosität ausstrahlen - doch das tat er nicht - eher eine gewisse Art von Selbstsicherheit, die ihr einerseits Angst machte, andererseits eine gewisse Erregung erzeugte. Und ihr Blick strahle dieses emotionale Hin und her auch deutlich aus. „Danke…“ Dann schwieg sie. Gogo wollte das Gespräch weiterführen und seinen Flirt mit einer dritten Lüge würzen, doch sie unterbrach ihn, kurz bevor er weiterreden konnte. „So, ich muss weiter. War nett.“ Sie zeigte ein obligatorisches Lächeln und machte einen Schritt nach vorne, Richtung nach Hause. Doch Gogo hatte sich einen anderen Verlauf des Gesprächs versprochen und antwortete schnell: „Hast du nicht noch einen Augenblick Zeit? Ich möchte dich nur noch kurz was fragen.“ Lina stockte kurz, blieb dann stehen und drehte sie zum ihm. Auf eine gewisse Art und Weise schmeichelte es ihr immer wieder, wenn Männer sie nicht so schnell aus den Augen verlieren wollten. Eine nette Einladung oder ein weiteres Kompliment würde ihr nicht schaden und ob sie darauf eingehen würde, konnte sie immer noch entscheiden. „Ja?“ Sein Blick war jetzt an ihre Oberschenkel geheftet und sein Gesicht nahm eine leichte Röte an: „Ich würde dich gerne besser kennenlernen. Immer, …wenn wir reden, dein Lächeln ist immer so schön und… magst du noch auf nen Kaffee zu mir kommen?“ Lina schmunzelte und ging schließlich weiter Richtung Heimweg „Mach‘s gut.“ Ihr Gefühl der Belustigung verschwand ziemlich schnell als sie bemerkte, dass Gogo ihr folgte. Sie drehte sich um und schaute verunsichert zu dem jungen Mann, der den Anstand zu ihr weder größer noch kleiner werden ließ: „Läufst du mir nach?“ Jetzt konnte Gogo das dritte Mal lügen: „Nein, aber mein Zuhause liegt auf diesem Weg. Vielleicht können…“ Linas Herz begann zu pochen. Es war nachts, seit der Begegnung mit Gogo hatte sich keine weitere Person mehr blicken lassen und ganz offensichtlich hatte er noch nicht das bekommen, wonach er tatsächlich verlangte. Sollte sie ihr Handy aus der Tasche herausnehmen und ihren Bruder anrufen, sollte sie einfach losrennen oder sollte sie ihm zeigen, dass sie gut auf sich alleine aufpassen kann. Ohne längeres Nachdenken entschied sie sich für die zuletzt genannte Option, drehte sich herum und verzog das Gesicht zu einer Drohgebärde: „Ok, es reicht jetzt! Lass mich jetzt in Ruhe und geh nach Hause! Hier musst du nicht lang, sonst wärst du nicht von hier gekommen!“ Gogo schwieg und sah sie an - blickte in ihre Augen. Erst nach einer gewissen Verzögerung antwortete er: „Man, du bist vielleicht ein Freak…“ Dann kehrte er um und bewegte sich schließlich in die entgegengesetzte Richtung. Linas Herz beruhigte sich allmählich wieder, doch ihre anfängliche Heiterkeit war in Ärger umgeschlagen. Erst als er komplett außer Sichtweite war, begann sie weiterzugehen - ihre Schrittgeschwindigkeit hatte dabei deutlich zugenommen. Ungefähr zwanzig nach Zwölf erreichte sie ihr Wohnung, schloss hinter sich ab und warf sich schließlich tief durchatmend auf ihr Bett.


Mann

Wenige Minuten vor Mitternacht verließ Julien schließlich den Pokerabend bei seinen Freunden und trat durch die Tür in die Nacht hinein. Sein Kumpel hatte ihm seinen Gewinn von 25€ ausgehändigt, ihn mit einem kurzen Händedruck verabschiedet und war dann wieder in die Küche seiner Wohnung verschwunden. Es war ein schneller und unspektakulärer Abschied, so wie Julien es eigentlich gewohnt war. Trotzdem stand er noch eine Weile in der Einfahrt des Hauses und starrte unzufrieden auf die Fenster, aus denen Licht nach draußen drang. Während er da stand, erinnerte er sich an seinen ersten Männerabend und vor allem an die Vorstellungsrunde. Er war als neue Person in eine Gruppe von Leuten gekommen, die sich bereits schon seit Jahren kannten. Er wusste noch nicht, wie die einzelnen Leute dort miteinander umgingen, doch als er den ersten Kumpel der Gruppe zur Begrüßung umarmen wollte, merkte er schnell, welche Verhaltensweise dort erwünscht, und welche unerwünscht sind. Sein unvollendeter Umarmungsversuch erzeugte einen zur Hälfte belustigten und zur Hälfte verärgerten Kommentar: „Was soll denn die schwule Nummer jetzt?“ Bei den nachfolgenden Begrüßungen und Verabschiedungen kam es dann bestenfalls zu einem Handschlag, manchmal auch zur bloßen Kenntnisnahme, dass er zur Gruppe hinzugestoßen war. Man konnte nicht behaupten, dass er keinen Spaß mit seinem Freunden hatte, doch sein natürliches Bedürfnis nach körperlicher Nähe und auch nach Anerkennung kam dabei deutlich zu kurz.

Da kein Bus mehr fuhr und ihm die Zeit zum Nachdenken ganz Recht kam, ging er zu Fuß nach Hause, welches er von seinen Kumpels aus gesehen nach einem zwanzig minütigen Spaziergang erreichen sollte. Den Weg hätte er dabei sogar ohne die Straßenbeleuchtung gefunden, da seine Freunde auf halbem Wege zu seiner Ausbildungsstätte wohnten. So ging er also die Straße entlang und passierte dabei ein Haus nach dem anderen, stets den Blick in die vereinzelten beleuchteten Zimmer gerichtet, und stellte sich dabei vor, wie Familienväter ihre Frauen verwöhnten, während sich die Kinder bereits im Land der Träume befanden. Immer wieder sah er bildlich vor seinem inneren Auge, wie die Frauen massiert, geküsst und gestreichelt wurden. Dabei kam es in unregelmäßigen Abständen dazu, dass der schwarze junge Mann den Blick wieder abwand auf die Straße richtete und sich auf ihr mit einem Fleck seiner Spucke verewigte, bevor er ein weiteres Mal zu den Häusern blickte.
Von der älteren Fahrradfahrerin und dem erwachsenen Mann mit seinem Hund, die ihn keines Blickes würdigten, nahm er kaum Notiz. Die weiße junge Frau, die ihm als nächstes entgegen kam, erregte hingegen seine volle Aufmerksamkeit. Ihre Erscheinung löste all seine Sehnsüchte auf einmal aus. Alles, was er sich wünschte, sah er in ihren Augen, in die er nun tief hinein starrte. Er sah sie, wie sie massiert wurde. Er sah sie, wie sie geküsst wurde. Und er sah sie, wie sie gestreichelt wurde. Dinge, die er zu lange nicht mehr erfahren hatte. Für einen kurzen Augenblick sah er sie vorwurfsvoll an. Kurzzeitig dachte er daran, ihr etwas Gemeines zu sagen, nur um seinen Neid zu besänftigen, den er hübschen Frauen wie ihr entgegenbrachte. Doch sie traf keine Schuld, das wurde ihm wenige Augenblicke später klar. Also wandte er den Blick wieder von ihr ab und ging an ihr vorbei. Nein, man kann keiner einzelnen Person die Schuld dafür geben, wie ganze Gesellschaften funktionieren. Er war ein Mann und hatte zu geben und nicht zu nehmen - das waren die Worte, die ihm sein Vater seit seiner frühen Jugend mit auf dem Weg gegeben hatte. Allerdings war er dieser Monotonie schon nach kurzer Zeit müde geworden. Er wollte endlich auch mal nehmen, doch es kam keiner, der ihm einfach mal das gab, was er haben wollte. Also verweilte er in seiner stillen Unzufriedenheit, ohne die Aussicht auf eine Verbesserung. Seine verzweifelten Gedanken wichen langsam wieder der Konzentration auf seinem Heimweg und dem morgigen Arbeitstag.
Es tat gut, an das zu denken, was er dort tagtäglich schaffte. Und auch der respektvolle Umgang seines Teams mit ihm war etwas, das seinen zeitweiligen depressiven Zustand wieder vertrieb. Das Leben war nicht immer gut, aber es gab Dinge, die dieses Unglück wieder ausgleichen konnten. Gegen Ende seines Weges nach Hause hatte seine Schrittgeschwindigkeit leicht zugenommen und spiegelte damit die wachsende Zufriedenheit wider, die die Umlenkung seiner Gedanken auf ein angenehmeres Thema verursacht hatte. Ungefähr zwanzig nach Zwölf erreichte er dann seine Wohnung, schloss hinter sich ab und legte sich schließlich mit einem ruhigen Atem auf sein Bett.
_________________
"Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will."
-Henri Matisse

Meine Kurzgeschichten:
http://aven-forum.de/viewtopic.php?t=6833

Meine lange Geschichte:
http://aven-forum.de/viewtopic.php?t=7488
Nach oben
          
Liro




Alter: 27
Anmeldungsdatum: 01.08.2010
Beiträge: 346
Wohnort: OWL
BeitragVerfasst am: Mo März 18, 2013 3:42    Titel: Antworten mit Zitat

Gedanke 13:

Vorlieben

Es war ein sonniger Frühlingstag und am Himmel war nicht eine Wolke zu sehen. Zu hören war von dem lebhaften Wetter allerdings nichts, da Joel mit weit über hundert Stundenkilometern über die Straße bretterte. Stacy störte das jedoch überhaupt nicht. Sie saß lässig auf dem Beifahrersitz, schmatze ihr Kaugummi und huschte mit den Fingern über das Touchpad ihres Smartphones. Die beiden schwiegen eine Weile, bis Stacy ihr Smartphone wieder in ihre Designertasche gleiten ließ und Joel durch die Gläser ihrer Sonnenbrille anblickte. „Was hast du denn sonst noch so drauf?“ Sie versuchte ihre Begeisterung für ihn zu unterdrücken, doch Joel war klar, was sie für ihn empfand. Er schob einen Mundwinkel nach oben und musterte ihren Körper aus dem Augenwinkel. Stacy war sich ganz sicher, was er gerade dachte und lachte leicht „Hey, schau auf die Straße.“ Er hob eine Augenbraue und sah sie weiter an. „Hab noch n Motorrad in der Garage stehen. Aber ich glaub, ich zeig dir erst mal meinen Pool.“ Stacy schob ihre Sonnenbrille herunter und sah ihm in die Augen. Sie musste grinsen. „Verdammt Joel, woher hast du so viel Kohle?“ „Als Unternehmensberater verdient man ne Menge davon.“ Sein Stolz war deutlich aus seiner Antwort herauszuhören. Stacy versuchte seine Errungenschaften herunterzuspielen und überprüfte ihn auf seine weiteren Qualitäten. „Aha. Dann bist du wohl Tag und Nacht am arbeiten und hast für nix anderes Zeit.“ Joel fixierte seinen Blick wieder auf die Straße und hatte noch immer einen überheblichen Gesichtsausdruck. „Glaubst du, ich bin ein Langweiler?“ Stacy plusterte ihr Kaugummi auf, ließ eine Blase platzen und zog es wieder in ihren Mund zurück. „Vielleicht.“ Joel verdrehte die Augen und schmunzelte „Ich spiel in ner Band, flieg in drei Wochen mit der heißen Frau neben mir nach Hawaii et je peux parler francais.“ „Eine heiße Frau, oui?“ antwortete sie mit einem französischem Akzent und lachte. Anstatt eine Antwort zu geben, schnappte Joel nach ihrem Mund, um seine Zunge darin zu versenken. Die beiden fuhren noch eine Weile die Landstraße entlang und genossen den Fahrtwind über ihren Köpfen. Denn Joels schwarzer BMW war ein schnittiger Cabrio, der in der Sonne blitzte, als käme er gerade frisch aus der Produktionsstätte.

Es verging etwa eine knappe halbe Stunde, bis Joel den Wagen entschleunigte und auf eine Tankstelle zusteuerte, die wie der Vorbote einer kleinen Ortschaft wirkte. Gelangweilt sah Stacy auf die Häuser, die wohl ein bis zwei Kilometer weit weg standen. „Am Arsch der Welt...“ Joel setze den Blinker und fuhr den abgesenkten Bordstein hinauf. „Ich hab gehört, hier sterben täglich Leute an Langeweile.“ Er lachte und hielt schließlich neben einer Zapfsäule an. Dann stieg er aus und sah, wie seine Begleitung wieder in ihrer Handtasche kramte. „Bring mir ne Packung Marlboro mit, wenn du fertig bist.“ Ihre Stimme war gut zu verstehen, doch ihr Blick war wieder auf ihr Smartphone gerichtet, das sie gerade hervorkramte. „Ok, siehs als Belohnung für deine scharfen Hotpants.“ Er lachte und schlug die Autotür zu. „Du Arsch!“ rief sie ihm nach und lachte. Dann grinste sie und tippte wieder auf ihrem Smartphone: „Hi Lenna, der Typ ist sexy, hat nen Haufen Kohle und nen Pool. Ich glaub, ich schau mal, was da geht. Biba.“

Während Joel darauf wartete, dass sich sein Wagen mit neuem Treibstoff füllte, blickte er in die Gegend und erspähte einen Bus, der an der gegenüberliegenden Straßenseite an einer Haltestelle zum Stillstand kam. Seinem Blick sah man an, dass er schon lange nicht mehr als Gast eines solchen Verkehrsmittels unterwegs gewesen war. Als der Bus wieder losfuhr, standen ein Mann und eine Frau unter dem Haltestellenschild, welche dort offensichtlich ausgestiegen waren. Joel behielt die beiden im Blick und sah zu, wie der Mann in einem Stoffbeutel kramte und eine Landkarte herausnahm. Er lachte, schüttelte leicht den Kopf und nahm den Schlauch wieder aus seinem Wagen. Dann wandte er sich zum Tankstellenhäuschen und nahm seine schwarze Ledergeldbörse aus der Hosentasche. „Ökos... “

Holger und Stefanie waren unterdessen damit beschäftigt, ihre Karte nach dem Beeker Waldweg abzusuchen. „Wenn wir dort drüben dem Feldweg folgen, dann sollten wir in den Wald hineinkommen, wo der Schatz versteckt ist.“ murmelte Holger in seinem Oberlippenbart. Stefanie lächelte und nickte. „Dann lass uns dorthin gehen.“ Die beiden gingen los und Holger führte die Konversation der beiden mit einem neuen Thema fort. „Ich bin ganz überrascht, dass du tatsächlich mitgekommen bist.“ „Ja, das ist mal was anderes.“ Holger war etwas unsicher, formulierte seine Gedanken dennoch weiter aus „Vielleicht bekomme ich den Freitag in drei Wochen frei. Wenn du magst, könnten wir dann eine Wandertour durch den Stelltenwald machen. Der soll sehr schön sein. Gerade wenn sich das Wetter hält.“ Stefanie schien etwas skeptisch „Glaubst du wirklich, die können dich auf der Arbeit entbehren?“ „Einen Versuche ist es wert.“ antwortete er. Trotz ihrer Zweifel stimmte sie ihm schließlich zu und blickte dann wieder auf die Karte.

Als die beiden den besagten Feldweg erreicht hatten, gingen sie still weiter und lauschten dabei dem Zirpen der Grillen, die links und rechts von ihnen in den Roggenfeldern saßen. Beide schienen sich einig, eine Weile der Natur zuzuhören, um den angenehmen Kontrast zur sonst so hektischen und unruhigen Wohnumgebung zu genießen, in die die beiden vor einigen Monaten gezogen waren.
Als sie dann in den Schatten traten, den die ersten Bäumen auf den mittlerweile mit Kies übersäten Erdboden warfen, brach Holger das Schweigen wieder und sah zu seiner Begleitung „Sag mal. Wieso...?“ Stefanie wusste bereits, dass er wieder diese eine Frage stellen würde und kam ihm mit ihrer Antwort zuvor. „Holger. Das weißt du doch.“ Er senkte den Kopf und schien etwas missmutig. „Entschuldige, aber wenn ich mich so umsehe. Überall hört man, was Männer heute alles können müssen. Ich habe wenig Geld und kann dir nicht mal...“ Stefanie unterbrach ihn abermals „Mir ist egal, was andere darüber denken, was Männer alles so können sollten. Ich bin mit dir glücklich wie du bist und das ist das einzige was zählt. Liebe besteht nicht aus Geld und Sex. Wenn du mich in deinem Arm hältst und mich so lieb ansiehst, dann habe ich alles, was ich brauche.“ Holger tat sich sichtlich schwer, seine Gefühle zurückzuhalten. Dann ging er, ohne ihr weitere Wiederworte zu geben, auf sie zu und drückte sie herzlich. Und sie drückte ihn. „Das hast du schön gesagt.“ Glücklich betraten sie den Wald und machten sich weiter auf die Suche nach ihrem Schatz.

Das Abenteuer der beiden endete, als die Sonne begann, hinter den umliegenden Feldern zu verschwinden und ihre letzten Strahlen zwischen den Baumstämmen des Waldes hindurch zu schleusen. Neugierig hockten Holger und Stefanie über einer kleinen Pappschachtel, die sie vor einer alten Holzhütte ausgegraben hatten. „Gut, dass du eine Schippe mitgenommen hast.“ schaute Holger zu ihr. „Wenn man einen Schatz heben will, dann muss man gut vorbereitet sein.“ lächelte sie. „Komm, mach es auf.“ Er nickte, legte die kleine Schaufel beiseite und hob den Deckel der Schachtel an. Dann griff er hinein und holte eine alte Audio-Kassette heraus. „Eine Kassette?“ Er drehte sie, zuckte mit den Schultern und sah zu Stefanie. „Sie ist unbeschriftet...“ Seine Freundin begann zu grinsen „Ich habe bei meiner Mama noch einen alten Kassettenrekorder. Lass uns zu ihr fahren und ihn uns ausleihen.“ Holger nickte und die beiden machten sich wieder auf den Rückweg...
_________________
"Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will."
-Henri Matisse

Meine Kurzgeschichten:
http://aven-forum.de/viewtopic.php?t=6833

Meine lange Geschichte:
http://aven-forum.de/viewtopic.php?t=7488
Nach oben
          
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Forum für Asexualität Foren-Übersicht -> Künstlerecke Alle Zeiten sind GMT + 2 Stunden
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3
Seite 3 von 3

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2002 phpBB Group

Igloo Theme Version 1.0 :: Created By: Andrew Charron

 
Impressum: AVENde versteht sich als Unterforum von AVEN. Ansprechpartner für die deutsche Seite (aven-forum.de) ist der Administrator "Dirk Walter". Kontaktadresse: Dirk Walter - Rehhütterstrasse 4 - 67165 Waldsee
email: aven.de@dirk-walter.de - Telefon: 06236/54804.